Der letzte Mensch

March 10th, 2010

28 Days Later ist einer meiner Lieblingsfilme, schon immer gewesen, weil der Score erstens genauso viel Gänsehaut erzeugt wie der Blauschimmelkäseauflauf von meinem Vater, zweitens wegen der Anwesenheit von Zombies

Data Underload – Famous Movie Quotes

March 8th, 2010

Berühmte Zitate als “Data Visualization“. Damit auch die Antwort, wenn Schüler im Matheunterricht das nächste Mal fragen, wozu sie das später mal brauchen werden.

[via]

Als wir beide waren

March 8th, 2010

Manchmal müssen wir uns vom Glauben an eine vorbestimmte Konvergenz, zwischen einem selbst und einer anderen Person, verabschieden. Der Zeitpunkt, der so kleine Veränderungen in der Liebe radikal verdreht, aus

Airen

March 7th, 2010

Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen


Der letzte Mensch

28 Days Later ist einer meiner Lieblingsfilme, schon immer gewesen, weil der Score erstens genauso viel Gänsehaut erzeugt wie der Blauschimmelkäseauflauf von meinem Vater, zweitens wegen der Anwesenheit von Zombies im Film, und drittens, weil Cilian Murphy aussieht wie ein soziopathischer Serienmörder. Ich wählte diese Einleitung aber auch nur, weil ich einen Grund für ein Bild von Cilian Murphy haben wolltei.

Auch ein Werk über das Verkommen der Menschheit: I Am Legend, wobei mir der Film bis auf die monumentale Stille und einige hübsche Bilder nicht sonderlich gefiel (und, um ehrlich zu sein, sowieso nur ein Abklatsch von 28 Days Later war, jetzt mal im Ernst). Aber es regt einen ja auch zum Nachdenken an. Scheisse, was würde ich eigentlich tun, wenn ich der letzte Mensch auf der Welt wäre? Porsche ausleihen, Kampfschreie im Supermarkt, Dinge eintreten, Pillen schmeissen, Mukke auf der Straße, endlich mal genug Zeit haben, auch die alten Sachen im Internet zu durchforsten. Kurzgesagt, ich würde genau das tun, was ich sonst auch so mache.

Auf Reddit hat jemand diesen Plan mal etwas ausführlicher beschrieben. Ich tippe da auf Cilian Murphy, wer ist denn bitte so gestört?

Pre-Phase Phase

  • Before Anything: Eat Exotic Fresh Fruits while they are around. They come from so far away that, odds are depending where you live, you will never ever get to have Banana, Pomegranite, Starfruit or Mango again in your life. Savor every bite. Make Fruit Leathers and Freeze what you cannot stomach to consume. You will also need to bone up on Vitamin C while you’re doing the most work.
  • Unless you plan on maintaining and protecting cows for the rest of their/your life… you’re unlikely to have a fresh glass of cold milk ever again. There are dehydrated milks (Klim) but it’s not the same.
  • Bacon. Eat all of what you can find. Cook it all up and dehydrate what you cannot stomach. Even if you hate it. You will never have the opportunity to consume bacon again.

Lest euch auf jeden Fall das ganze Posting durch, es ist großartig.

  1. jetzt muss ich mir das Bild noch die ganze Woche oben im Header angucken. Großartig []

Data Underload – Famous Movie Quotes

Berühmte Zitate als “Data Visualization“. Damit auch die Antwort, wenn Schüler im Matheunterricht das nächste Mal fragen, wozu sie das später mal brauchen werden.

[via]

Als wir beide waren

Manchmal müssen wir uns vom Glauben an eine vorbestimmte Konvergenz, zwischen einem selbst und einer anderen Person, verabschieden. Der Zeitpunkt, der so kleine Veränderungen in der Liebe radikal verdreht, aus Plus ein Minus macht und so, der schleicht auf leisen Sohlen. Und schnell ist er auch, denn wenn man sich Hand in Hand gehend schnell umdreht um zu schauen, dass bisher alles okay und cool gewesen war, dann verschwindet dieser Zeitpunkt ratzefatz hinter einem Gebüsch und lacht sich ins Fäustchen: „Tanzt ihr Marionetten, tanzt!“.

Man dreht sich wieder um und ist stolz darauf, dass man von der Glückskeks-Weisheit nicht enttäuscht wurde: Liebe bedeutet nicht, sich gegenseitig mit rosaroter Brille anzuschauen. Es bedeutet in dieselbe Richtung zu blicken. Hand in Hand. Weisheiten, die von Liebe handeln, wurden von einsamen und ungeliebten Menschen geschrieben, die ihre innersten Sehnsüchte aufs Papier bringen mussten. Fickt euch.

[via bferry]

Und so sitzen wir beide wieder einmal beim Chinesen an der Ecke, essen Xiang Cai und Dim Sum, Nr. 27 und 54, zum hundertsten Mal und füllen das Schweigen mit Lächeln und vereinzelten Gedankenfetzen, die nicht zusammenhängen. Zwei Wochen und vier chinesische Gerichte später eröffnest du mir, dass du keine Perspektive mehr in unserer Beziehung siehst, dass du Angst hast, dass das schon alles gewesen sein soll. Wir beide wissen, dass du keine Angst davor hast, sondern dass du das alles schon irreversibel gegenwärtig siehst. „Ich habe Angst vor…“ – das ist der Code. Den habe ich des Öfteren schon gehört und immer war ein paar Atemzüge später Finito mit uns und den gemeinsamen drei oder mehr Jahren, in denen es uns gut ging, auch beim Chinesen an der Ecke.

Für mich ist das besonders schwierig, dieses Intro, weil ich das nicht kann, was so viele machen: Einfach mal testen, ob das mit dem anderen klappt und dann hat man die Freiheit nach ein paar Wochen zu sagen „Uh, das mit uns beiden klappt nicht, wir sind einfach nicht füreinander gemacht“. Bämm. Nach zehn solchen Versuchen ist dann mal Einer oder Eine dabei, mit dem oder der es klappt. Dann kommt der Chinese an der Ecke, Gericht Nr. 27 und 54, und dann hat das auch ein Ende. Nein, ich brauch ein Gefühl, das mir sagt „Das klappt mit derjenigen“, und keine Tests. So bin ich eben. Deswegen habe ich erst drei Beziehungen geführt, jede mehr als drei Jahre, bis das Mindesthaltbarkeitsdatum ablief. Die ganzen Frauen, die dazwischen in meinem Leben oder in meinem Bett waren, da war es entweder Trieb oder verschiedene Vorstellungen von einem „Gemeinsam“. Oder eben Ängste vor Zuständen, für die man sich noch nicht bereit gefühlt hat. Da kann ich dann denken: “Willst du nicht hübsche Kinder mit mir machen?” Nein? Gut, ich auch nicht (mehr). Hach, sind diese Gedanken großartig.

Was mache ich innerlich beim Chinesen und danach, wenn man Hand und Hand nach Hause geht? Ich schaue mich um und wiege mich in Sicherheit. Du bist dann bei mir, auch wenn du innerlich woanders bist, bei deinen „Ängsten“. Dass du bei mir bist finde ich gut und deswegen tue ich so, als könnte es für immer so sein. So im Nachhinein wünschte ich mir, du hättest auch so getan, als ob.

Wenn ich dich dann ein paar Wochen später mit einem anderen Kerl animalisch-anmutender Natur sehe, dann bin ich traurig, weil er dich ein paar Wochen jeden Tag ordentlich ficken wird, dir leere Hüllen von Perspektiven zeigt und dich ahnungslos bestätigt, dass das Aus mit uns richtig war. Das ist mir in der Tat mal so passiert und das beschissene Gefühl, das ich da hatte, war wie das eigene Gehirn in den Regen zu halten. Und ordentlich Tritte in den Bauch.

Du kannst dich auch nicht dafür schämen, dass du auch viele Jahre später noch in meinen Gedanken auftauchst. Das ist wohl normal so. Denn man vergleicht immer und im besten Fall ist es hinterher irgendwie besser – oder treffender: anders.

Ich konnte dir nie sagen, dass ich beim Chinesen bei Essen Nr. 27 damit beschäftigt war, dass mit uns toll zu finden. Ich war froh und glücklich jemanden in meinem Leben zu haben, der verstanden hat, dass es völlig unwichtig ist ein aufregender oder besonderer Mensch zu sein. Jemand kann so „unbesonders“ sein und ist für irgendwen so wichtig. So habe ich das immer gesehen. Das aufregend ist irgendwann immer weg. Immer. Ja, der animalische Typ mit Drei-Tage-bart und dem Riesenpimmel, der ist aufregender für dich als ich nach dem hundertsten chinesischen Essen. Ja, es spielt für dich keine Rolle, ob ich am Tisch auf dich warte – zwar nicht mehr aufgeregt, aber verdammt zufrieden – oder ob du eine neue Welt, einen neuen Mann und neuen Schwanz kennen lernen kannst. Wenn du hier bereits in einer Zwickmühle steckst, dann ist es vorbei. Dafür kannst du nichts. Aber was viel wichtiger ist: Ich auch nicht. Ich hasse die “neuen” Typen, die ersetzen einen ja oft schneller, als es einem lieb ist. Die können nichts dafür, ich weiß. Vielleicht ist es auch nur der Neid, dass die jetzt etwas tun können, das einem ganz allein gehört hat. Das schmerzt.

Und zwischen den ganzen Schmerzen danach und der jahrelangen Reflektion, habe ich viel mitgenommen. Und ich hoffe bei jedem Neuanfang mit jemanden, dass man ein paar Jahre später beim Chinesen dieselben Gedanken hat: „Es ist nicht mehr so aufregend, aber es ist toll, dass da jemand ist, der bleibt, einem zuhört, einem aufrichtig zur Seite steht, einen liebt, einem nicht gleich wegläuft wenn Ängste kommen, ehrlich ist und der bereit ist auch an sich zu denken, einen zwar nicht mehr täglich, aber regelmäßig fickt“.

Hand aufs Herz, das kann nicht nur Theorie sein, das kann auch verdammt echt und erfüllend sein. Und diese Hoffnung, diesen andauernden Kampf, sollte man nicht verlieren, nicht aufgeben und nicht unterschätzen, wenn man am Ende bezahlt.

„Die Rechnung, bitte“, sage ich zu dem lustig dreinblickenden chinesischem Kellner. „Nr. 27… das macht 16,99 Euro“, sagt er. Ich bezahle, puste die Kerze aus, verlasse dieses Mal alleine das Restaurant und halte meine eigene Hand.

Airen

Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen Lebensabschnitt dokumentiert hat, für den sich kein Mut der Welt lohnen würde.

Die Tatsache, dass STROBO kein Roman ist, das irreal und exzessiv diskutierte Debütwerk einer zu jungen Autorin jedoch schon, lässt jeden inhaltlichen Vergleich beider Werke völlig absurd erscheinen. ROADKILL ist wahrscheinlich um Klassen besser geschrieben, mit mehr Schmalz und mehr Überlegungen, wie ich mir hab sagen lassen, allerdings ist ein Protokoll wie STROBO nun mal ein Protokoll.

Der Reiz an STROBO war für mich eben genau dieser Aspekt.

Ist das Protokoll lesenswert? Oh mann, ja. Ist es. Während des Lesens der vielen unendlich scheinenden Redundanzen, der stillstehenden Zeit – eher der respektlosen Außerkraftsetzung eines Gefühls dafür, kamen mir im Gedanken an den Zuhälter- und Einsamkeitsbericht DER MINUSMANN von Heinz Sobota, in der am Ende vor allem das einem nagt, das ich eingangs erwähnt habe: Keine Rechtfertigung.

Am Ende von STROBO gibt es ein Nachwort von Bomec, das mich ganz eigenartig berührt hat. Warum, weiß ich einfach nicht.

Ich habe viele Bücher gelesen, die so viel mehr zu sagen hatten, als STROBO. Berichte, die ebenso authentisch wirkten, wie das Techno-Fragment des Airen.

Bücher, die im Regal verstauben und gute, gelesene Bücher bleiben. Mehr nicht. Bücher, die ich Freunden empfehle. Oder Bekannten.

Bücher wie DER MINUSMANN oder STROBO kann ich allerdings nicht einfach so empfehlen.

Sie bleiben in der Erinnerung kleben. Ich fasse sie nur fasziniert und flau im Bauch wieder an. Sie sind das, was ich nicht begreife. Sie machen mir komische Gefühle, Gedanken und stellen gerade wegen der authentischen Nähe eine erbarmungslos laute Distanz zwischen mir und fremden Welten her.

STROBO hat mich irgendwie bezwungen. Letzte Seite, Buch zuklappen und ungesehene Bilder vergessen. Und die Gedanken, ob das alles wahr ist, einfach beiseite schieben. Faszination, Ekel und Lachen. Das, was viele in ihrem Leben benötigen (wollen).

Es ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wir glotzen drauf und sitzen am Ende verwirrt da. Das, was so ein Protokoll beabsichtigt, kann kein Roman dieser Welt. Und das soll er auch nicht.

Umso interessanter wird es ab Ende März 2010, wenn Airens Zweitwerk in mein Bücherregal wandert: I AM AIREN MAN.

Ich bin gespannt. Denn es handelt sich hierbei um einen ebenso wahrscheinlichen Bericht über Wahrheit, Exzess und Subjektivität. Worin in jedem dieser drei Dinge wohl die Fiktion ebenso zuhause ist. Es ist ein Roman. Von einem Schriftsteller. Nicht wie in STROBO, an dem sich jeder Vergleich zerreibt. In dem kein Schriftsteller schreibt, sondern ein Erzähler festhält.

Exzessiv.

(via Deef Pirmasens)

Favourite Tracks #4

Es gibt Tracks, die bohren sich so tief ins Gehirn, dass man Monate braucht um sie wieder zu vergessen. Jetzt denken alle wieder, ich wäre komplett bescheuert, weil hey, wer will schon einen guten Song vergessen, aber wir alle wollen das. Gibt es denn etwas schöneres, als einen Song nach Jahren wieder zu entdecken?

Genau, nichts. Mal sehen also, welchen dieser Songs ich am liebsten vergessen möchte.

Major Lazer – Good Enough ft. Lindi Ortega & Collie Buddz

Ich weiß zwar nicht, wie der Song auf meiner Festplatte gelandet ist, dafür habe ich aber herausgefunden, dass er auf der im April erscheinenden Major Lazer EP erscheinen wird (auf derselben EP wird auch Sound of Siren ft. Busy P & MIA sein, wobei ich den Track ja für eine mittelschwere Enttäuschung halte). Good Enough ist der Sound des Frühlings, Leute, und ich kann nur jedem empfehlen, einmal reinzulauschen und bei Gelegenheit dazu ein paar Mal an einer grünen Zigarette zu ziehen. Diplo ist ein Gott. Download.

 

X/Y

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

Es sind diese absurden Momente, Tiefpunkte, die extremen Momente in denen man plötzlich begreift. Das Gefühl absoluter Klarheit. X und ich. Die Augenblicke sind endlos. Der Glanz ist verschwunden. Und du, X du siehst gelangweilt aus.

Y: Was ist das X, was verdammt nochmal, ist das?

Du siehst mich an. Aber du hörst mich nicht. Ich fange an X zu schütteln.

Y: Wir X, was bedeutet das, wer sind wir, was?

X: Hör auf damit. Hör auf mit deinen Schubladen, deinen Definitionen, deinen beschissenen Erwartungen. Wir sind Nichts, Y. Wir sind unendlich im nichts. Bedingungslos. Bedeutungslos. Freiheit, Y.

Y: Bedingungslos. Bedeutungslos. Ist das Liebe, X? Du wirst mich fallen lassen in deiner Bedeutungslosigkeit. Freier Fall mitten in das verfickte Nichts. Du reißt die Teile aus mir, die dir gerade gefallen. Deine beschissene grausame Willkür. X, du bist ein Heuchler. Weißt du das, du der Weltenretter. Pamphlete gegen die Ungerechtigkeit, die Konsumlust. Du bist nie satt. Du bist der gierigste Konsument. Rücksichtslos. Du hast nie gelernt zu geben, X. Du nimmst. Du sagst mir, du bist Egoist. Das bist du. Siehst du, was du angerichtet hast, X? Ich bin zerbrochen in die Stücke, die du aus mir gerissen hast. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin X. Es sind so viele Ich. So viele Splitter. Erzähl mir nichts von Definitionslosigkeit. Du definierst deine Welt. Du hast mich verschwendet, X. Es geht um dich, X nur um dich. Verstehst du das? Du belügst dich selbst. Nur hör endlich auf es Liebe zu nennen.

X: Hör auf. Ich liebe dich doch. Diesen Moment. Du willst alles, aber ich kann dir nicht alles geben. Verstehst du das, Y? Es gibt keine Ewigkeit, es gibt keine Erfüllung. Keine Vollkommenheit. Nichts ist perfekt, Y.

Y: Du weißt nicht wovon du redest, X. Wenn ich ein Messer hätte, X. Ich würde es dir in dein Fleisch stoßen, damit du verstehst was Schmerz ist, X. Damit du fühlst was Hass ist. Und damit du begreifst was Liebe bedeutet. Deine, unsere “offene Beziehung”, X? Wir haben keine Beziehung X, wir haben nichts. Nichts außer die Bedeutungslosigkeit. Die Leichtigkeit. Und ich hab mich darin verloren, X. In dir verloren. Du hast die Grenzen verwischt, als du von mir genommen hast. Du frisst und frisst, deine endlose Gier, du bist nicht bedingungslos, X. Du bist, der der alles will. Alles und du hast es genommen, X. Du hast mich ausgesaugt, mich zum Produkt gemacht. Monster! Monster! Und während du deine Zähne in mein Fleisch geschlagen hast, hast du mich angesehen und hast es Liebe genannt.

Y wird gehen. Irgendwann. Noch braucht sie X. Sie wird ihre Selbstaufgabe als Hingabe, Leidenschaft, Kunst sehen. Aber es wird sie zerstören, und sie weiß es. Stück für Stück wird sie sich verlieren. Und irgendwann wird X satt sein, und von Y werden nur noch Teile beliben. Y wird sich betrachten -auseinandergerissen, verloren- sie wird langsam lernen, wie es ist sich zu lieben. Sie wird lernen, wie es sich anfühlt, frei zu sein. Sie wird den freien Fall als Freiheit begreifen. Sie wird sich hassen, ihre Schwäche, ihre Sehnsucht, sie wird sie hassen die Abhängigkeit. Bis sie begreifen wird. Sie will fallen, und wenn sie am Boden angekommen ist wird sie nach oben sehen. Sie ist schon so oft hier gewesen. Sie kennt den Abgrund. Und sie kennt das Schimmern, das in der Ferne zu sehen ist. Irgendwo. Y wird es finden. Irgendwann.

Sie nennt es Ambivalenz, sie sagt sie kann ihr Leben nur leben, wenn sie noch weiß wie es sich anfühlt zu fallen und zu lieben. Wieder und wieder. Kunst nennt sie es. Liebe vielleicht.

Autor: Anonym

Die ersten Tage.

Aufgeregte Ernüchterung. Ermüdender Koffeinkonsum. Am Durst ertrinkend. Ein Gitter aus Freiheit. Braungefärbter Milchschaum. Beats. Ein grüner, verrosteter Haufen Schrott, den ich seit der ersten Fahrt liebe. Existenzängste, die Existenz erst spürbar machen. Ein Error, der das System verbessert. Beats. Zwei Kreuzburger mit Pommes. Zuviel Luft, um zu atmen. Alle Staffeln von Mighty Boosh für 29 Euro. Die Ästhetik des Verdreckten. Die Romantisierung des Kaputten. Die Modernität des Alten. Eine Komposition aus Krach. Beats. Ein ehemaliger GSSZ-Darsteller, der weintrinkend und mit offenem Hemd versucht, sich dieses Etiketts zu entledigen. Ein randalierendes Harmoniebededürfnis. Kunstvoller Vandalismus. Jedes Lebensgefühl als Sticker an der Toilettenwand. Hauswände als Pilgerstätte. Herzzerreißende Gleichgültigkeit. Weißwein-Soße. Eine große Pizza für 2,50 Euro. Hundescheiße, die trotzdem stinkt. Beats. Berlin.

BEST OF: Sportsgeist

Ich halte nichts von dem Mythos der sexuellen Entlastung bei sportlicher Betätigung. Der gute Sigmund mag mit seiner These vielleicht einigen Frauen einen Gefallen getan haben, damit sie keine Vergewaltigung mehr fürchten müssen, wenn sie mal wieder eine Migräne vortäuschen; allerdings kann man ja nur allzu gut beobachten, wie sich Männer abreagieren. Kriege, Amokläufe und Filesharing. Und das alles nur wegen unzureichender Geschlechtsverkehrsversorgung.

Deshalb kann ich auf eine Historie der Sport-Ablehnung meinerseits zurückblicken. Meine Faulheit überzeugte mich schon in meinen jungen Jahren davon, dass Hungern um einiges angenehmer ist als Bewegung; das geht sowieso Hand in Hand, eine Mahlzeit bereitet sich ja auch nicht selbst zu. Mama hatte auch nicht jeden Tag Zeit, sich um ihre verwöhnten Kinder zu kümmern. Anders ausgedrückt: Es muss etwas Schreckliches passiert sein, damit ich mich dazu entschließe, Sport zu machen.

Die Fettschwarte, die sich um meine Organe gelegt hat, ist wohl Grund genug geworden. Und das, obwohl ich mich sogar gesünder ernähre als noch vor 1,5 Jahren. Damals, als ich jeden Tag zu Mäcces anstatt zur Schule gefahren bin. Aber so ist es halt. Das Arbeitsleben verändert mich und zerstört mein tief verankertes Prinzip: “Was du heute kannst besorgen, das sollte in Armlänge erreichbar sein.”

Nun ist es also soweit. Ich bin im Fitnessstudio angemeldet und darf Markus Kavka und Till Lindemann beim Pumpen zugucken. Das beschränkt sich meistens auch wirklich nur darauf, da Aktivitäten meinerseits in Schweißbädern und Atemnot,  Schlaganfall und Herzinfarkt enden. Die lässigen Kippen, die mir seit knapp fünf Jahren aus dem Mundwinkel hingen und es ab und zu immer noch tun, sind nicht mehr ganz so lässig, wenn ich rückwärts vom Laufband fliege und den dritten Stock runterkrache. Die Fettflecken kommen dann auch nicht mehr so schnell raus. Dabei grunzen sich die Latte Machiatto Muttis, die gerade ihren achten Wurf Kinder hinter sich haben, mehrere Stunden den Stepper belegen und dabei genüsslich die Gala verzehren, zustimmend zu, weil sie sich in ihrer Fitness bestätigt wurden. Ich werde von Sabine und Michaela ausgelacht. SABINE UND MICHAELA!!

Man kann richtig sehen, wie die Muttis nach so-und-so vielen Jahren endlich wieder soziale Kontakte knüpfen, Gott Dank dem Fitnessstudio! Yoga Kurse mit gleichgesinnten Frauen, die ihre Männer leider nicht den ganzen Tag lang in den Hobbykeller verbannen können und selbst eine Flucht vor Kind und Haushalt suchen, Pilates, und abschließend werden die übrigen Zelluliteringe gezählt. Best. Friends. Forever.

Ich kriege schon den übelsten Achselterror und fange an auf 45 Kilometer gegen den Wind nach Angstschweiß zu riechen, wenn ich das Wort “Crosstrainer” nur höre. Nach einer Stunde auf so ‘ner Maschine brauche ich erstmal Nachkriegs-Reha, glaubt mir. Und ich meine, der Widerstand bei den Geräten steht auf 0.

Aber die sind ja nicht dumm. Die blicken komplett durch, diese Gebärmaschinen, die sich gegenseitig Tipps für das aktuelle Brot-Angebot beim Bäcker nebenan geben. Die signalisieren sich in einer mir unverständlichen Muttersprache, dass sie die Konkurrenz (“junge Hüpfer”) nicht fürchten müssen. Das tut mir irgendwie fast schon Leid, dass ich diesen Frauen etwas vormache, nur weil ich ein wirklich ganz schlechtes Exemplar für die holde und geile Weiblichkeit bin, die ihre Männer so anziehend finden. Wenn die wüssten, was sonst noch so auf den Straßen rumläuft, die würden gleich mal schneller steppen.

Wo wir gerade bei Männern sind: Ich hatte mir fest vorgenommen, mich als vollständig Sex-Neutrales Wesen zu betrachten, wenn ich in der Foltergerätekammer bin, und zwar nur, um mir nicht ständig Sorgen um die fettigen Haare und die exorbitanten Achselschweißflecken zu machen. Das ist allerdings wirklich schwer, wenn ein gutaussehender Typ nach dem anderen den Raum betritt, sich mit seinem Herkules-Oberkörper erstmal einen Überblick über die Geräte verschafft und dann fast zusammenbricht vor lachen, wenn er Schweinchen Babe beim Sterben zusieht. Übertrumpft wird das nur noch davon, dass man entweder laut loslachen muss, weil die Olympia-Blooper gerade gezeigt werden, oder davon, dass man die ganze Zeit leise Knoblauchrülpser loslässt, weil man den ganzen Tag schon Wasser mit Kohlensäure säuft.

Was für mich furchtbar ist, kann für die anderen nur unerträglich sein.

Dennoch ist das (wie ich mir ständig wieder in den Kopf rufe) wirklich das kleinere Übel. Schlimmer ist nur, wenn der Schwabbel keine Intimrasur mehr zulässt und die Oberschenkel sich trotz Grätsche an jeder Stelle berühren, weil sie so fett geworden sind. Das würde dann in etwa auch die Frage klären, warum der Sex ausbleibt. Freud kann mich mal. Sport ist kein Sexkompensator, sondern Vorraussetzung für Geschlechtsverkehr außerhalb von Fett-Fetisch-Pornos.

… übrigens soll das alles jetzt nichts über mein Sexleben aussagen. Wirklich.

Rewind: Nottee – Young Modern Life

Eben schien die Sonne hier rein, und plötzlich war es März 2009. Ich bin gerade in das hintere Zimmer mit Bad gezogen, da, wo die Sonne so gut wie nie reinschein. Das Zimmer war leer und weiß und wunderschön still, und ich lag auf meiner Matratze und ließ den Frühling auf mein Gesicht strahlen, wenn es dann doch mal wieder so weit war.

Im Hintergrund sang Nottee mir das schwedische Paradis vor, bis in den schönsten Berliner Sommer hinein, so war das mit ihr.

Und wenn mir für fünf Minuten an einem Tag im Jahre 2010 doch noch der Himmel meine Laune erhellt, während Orkane irgendwo anders Bäume umfegen, dann hör ich plötzlich Young Modern Life in meinem Kopf, und alles ist, wenn nicht wenigstens gut, dann immerhin erträglich..

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Thanks a lot

Man wacht auf und hofft darauf, dass alles nur ein Traum war. Ein böser Traum, der sich nicht in die üblichen Sorgen einkettet. Man wacht auf und gibt sich Mühe, „Ohnmacht“ Ohnmacht sein zu lassen. Keine Übelkeit, kein Gewichtsverlust, keine Schlaflosigkeit, keine Gedanken.

Man versucht so weiter zu machen wie bisher und stößt dabei an komische Grenzen. Mit Bauchschmerzen, Sodbrennen, Händezittern.

Man schafft das alles nur, weil um einen herum Menschen sind, die einem helfen oder Hilfe anbieten. Die neben einem liegen und Normalität simulieren. Solange bis das Gehirn wieder mitspielt.

Kopfschmerzen zehren. Und wirklich echte Normalität wird greifbarer.

Ich glaube manchmal, vielen ist nicht bewusst, was es bedeutet, dass es wirklich Menschen gibt, denen was daran liegt, dass es einem gut geht. Dass man weniger weint. Dass man wieder anfängt zu essen, obwohl man nur noch kotzen möchte.

In solchen Momenten bemerke ich all das, was ich vorher nicht so richtig bemerkt habe. Unterstützung, die mir entgegenschlägt und mir Halt gibt.

Ich meine richtigen Halt. Also wirklich ehrliche Gesten, an denen ich mich festhalten kann, weil die Beine nicht mehr hinterherkommen.

Ich weiß nicht, was ich davon habe, wenn ich das schreibe, aber ich will Danke sagen.

Danke Superheldin, danke S, danke Billy T., danke Maxim, danke Max, danke Christian und auch danke Mum und Dad.

Ich bemühe mich Hilfe zuzulassen, was für mich nicht einfach ist, weil ich immer darum bedacht war, alleine zu Recht zu finden.

Ich bin mir sicher, dass an den „Alles wird wieder gut“s irgendwas Wahres dran ist.

Ich gebe mir Mühe, das alles wieder hinzubekommen. Wieder zu lächeln. Und nicht zuzumachen.

Besserung ist absehbar. Habt also Geduld und Nachsehen.


Copyleft 2009-2010 dragstripGirl: this is heavy. . Oh, honey, he's teasing you. Nobody has two television sets