
Meine Mutter sagt immer noch solche Dinge wie “… und dann ist sie zu unserem Juden ins Dorf gegangen”, und ich zucke immer noch zusammen, als ob sie gleich etwas ganz schlimmes sagen würde; dabei hat sie das nie gemacht, und meine Panik bleibt völlig unberechtigt.
—
Ich hätte gerne ein Bett aus Marmor und Lichtverhältnisse wie in Mamas Gebärmutter. Hat man mir aber nicht beigebracht, so eine intrinsische Häuslichkeit, deshalb sind alle Möbelstücke von IKEA und die nächtlichen Stopovers verschwinden morgens ganz schnell, weil es keine Vorhänge gibt. Hat alles seine Vor- und Nachteile, wie man sieht.
—
Man kommt bestimmt erst dann im Leben an, wenn man regelmäßig staub wischt und einen Wäschetrockner besitzt. Ich werde wohl nie ankommen. Meine Kinder werden in Räumen mit heruntergerissenen Tapeten leben und auf schlecht- mit Tesa-Streifen- aufgehangenen Kino-Poster starren; oder auf selbstgemachte Collagen. Oder auf Shit, den ich mal auf der Straße gefunden habe. Die Blumen wären auf jeden Fall tot. The Weeknd würde im Hintergrund laufen; “musikalische Erziehung”. Die Kinder essen Brokkoli-Kichererbsen mit Tahini-Sauce und singen mit. Sie heben neugierig alte Magazine und verbleichte Bücher auf, stöbern drin rum. Das Internet umgibt sie wie eine wolkige Decke. Immerhin, es gibt keinen Fernseher, dafür eine Anleitung, wie man über Proxys Torrents zieht. Ab und zu schnurrt eine Katze vorbei, vielleicht auch zwei. Die Anlage ist der Knaller. Beats of the Southern Wild.
—
Heiße Herdplatten umgeben mich wie Kohlenstoffdioxid. Ich verbrenne mir aber nicht schon wieder die Haut vom Knochen, also tanze ich den Paranoid Dub im Stillschweigen und baller mir die Birne voll mit Serotonin, das ist nicht halb so gefährlich wie zzzZzzzzzZ Sara die Geschichte kennen wir schon.
—
Aber Aufmerksamkeit ist heilsam. Jemand, der sich deine Scheisse anhört und sich die Mühe macht, ein “OP is a fag” einzutrippen. Das Internet, Puff für die Seele. Man bezahlt eine monatliche Pauschale an seinen Provider und schon hat man endlosen Zugang zu Aufmerksamkeit/Unbefangenheit. Ich bin hässlich, dick, faul, ich hasse mich, ich habe keine Freunde, aber immerhin kann ich all diese Dinge auf einer kollektiven Müllhalde abladen, und irgendwer, und sei es nur auf /b/, irgendwer wird sich schon dafür interessieren und mir eine Millisekunde Aufmerksamkeit schenken. Und vielleicht bringen sie sich dann alle doch nicht um, weil diese menschliche Gestik mehr Wert war als eine verschreibungspflichtige Pille.
—
Als hätte man vergessen, die Kabel der Hi-Tech Stereoanlage anzuschließen, und jetzt sitzt da so ein Idiot vor den Boxen und wartet auf ‘nen Ton.
—
Die stehen breitbeinig im Leben und haben keine Angst vor den Monstern unter dem Bett. Die erledigen ihre Aufgaben, mal mit mehr, mal mit weniger Sorgfalt, und die wissen wann sie Fehler gemacht haben und wann sie sich dafür entschuldigen müssen. Die machen Steuern und brechen keine Herzen und sind lieb und haben Abitur, manche sogar einen Abschluss. Die sind bewundernswert und kompetent, denkt man, und ich suche mir meine Freunde nach ihrem Verantwortungsbewusstsein aus, meistens jedenfalls.
Und dann haben genau diese Menschen so eine Unart an sich, entweder ohne Gummi zu ficken oder betrunken Auto zu fahren, und ich stehe daneben, facepalme meine Fresse so hart wie es nur geht und möchte sie in ihre Rachen fisten vor Wut. I mean, seriously?
—
Gästelistenplätze sind keine Handelsware.
—
Du wirst mich nicht sehen. Ich bin eine leere Hülle ohne Inhalte, keine Google-Einträge, kein Twitter-Account, keine Instagram-Bilder, keine Foursquare-Checkins, nicht mal ein zweites Profilbild bei Facebook. Du wirst mich nicht sehen. Ich werde nicht existieren. Ich bin die dritte Welt. Ich bin das Berlin-Friedrichshain zu deinem Berlin-Mitte. Ich bin deinen Suchfiltern zufolge nicht mehr da. 56k-Modem-Sara.
—
“Ich bin dein bester Freund. Ich sage dir nur, was du hören willst.” Frag halt einfach nicht mehr nach Feedback.
—
Geschichte entsteht im Diskurs. Wenn wir aufhören, über uns zu reden, dann verschwinden wir vielleicht, und mit uns auch all diese lästigen Probleme, die uns beschäftigen. Ich glaube, das habe ich schon mal gesagt.
—
So ist das mit der Realität: sie ist nur die Schnittstelle der Perspektiven mehrerer Individuen. Das ist anstrengend. Meine Story ist nämlich die richtige, und deine langweilt mich. Hart.