Die 200 besten Songs aus 10 Jahren. 200 in 2000. Es ist ein Monster geworden. Ich weiß auch immer noch nicht, wieso ich es getan habe. Ich hab mir auch nicht besonders viel Mühe mit den Platzierungen gegeben. Es ist halt alles subjektiv, und die besten 200 Songs sind eben die, die mich die letzten 10 Jahre begleitet haben. Nicht die tatsächlich besten. Man könnte diese Liste auch “wahllose Liste an Musiktiteln” nennen, es würde den selben Anspruch haben.

Das zumindest aus meiner unbelehrten, nichts-bedeutenden Laien-Perspektive. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ganzen Magazine – Pitchfork beispielsweise – ein Dutzend Journalisten und Musikexperten aus dem Krieg geholt haben, um ausführliche Kritiken zu schreiben. Ich habe nur verfasst, was mich selbst betrifft. Die meisten Platzierungen wird keiner nachvollziehen können. Und das Fehlen einiger namenhafter Bands wird viele verbittern (wenn sie denn überhaupt so weit kommen, sich das alles mal anzuschauen). Aber für mich geht es nicht unbedingt um die Platzierungen; das ist nur der Rahmen. Es geht um die Geschichte, um meinen Soundtrack. Scheisse, die letzten 10 Jahre habe ich mit dem Eintritt und den Ausbruch aus der Pubertät verbracht (und ich bezweifle stark, dass ich letzteres schon unverletzt überstanden habe).
Es sind meine 10 Jahre mit der Leidenschaft, die mich und andere ein bisschen glücklicher macht im Leben. Alles andere ist nebensächlich.
Kurz nochmal zum Beitrag: Ich bin kein Hulk, deshalb gibt es die Kommentare erst ab Platz 50. Und außerdem kommen folgende Bands in meiner Liste nicht vor: Animal Collective, Vampire Weekend, Fleet Foxes, Panda Bear, Washed Out, The XX. Ich werde mich nicht rechtfertigen, ich find die alle nur extrem unspektakulär. Vielleicht nächstes Jahr.
Die meistens der 200 Songs (es gab eine handvoll Ausnahmen) habe ich in einer Grooveshark Playlist zusammengestellt: 200 in 2000. Sie dürften auch in etwa in der Reihenfolge sein, wie sie hier aufgelistet werden. Ansonsten verlinken die ersten 150 Songs auf YouTube Videos, die letzten haben sowieso einen Player bekommen. Let’s Go.
Update: So Boys & Girls, das hat alles viel Spaß gemacht, allerdings musste ich den Beitrag nach zwei Wochen mal multimedial ausdünnen, sonst ruft das wieder die Kopierpolizei auf den Plan.. und ich hab besseres zu tun, als denen noch Geld in den Rachen zu stecken. Ich hoffe auf euer Verständnis und danke allen für ihre Hinweise auf mögliche rechtliche Probleme (die aber meistens sowieso nur kommerzielle Angebote treffen, als Privatmensch hat man immer noch ne Woche länger Zeit ;).
Die 200 besten Songs der Jahre 2000 – 2010
200. Explode – Uh Huh Her
199. Lights & Music (Boys Noize Happy Birthday Remix) – Cut Copy
198. Ready To Uff - Uffie
197. Flashing Lights (ft. Dwele) – Kanye West
196. Brighter Than Sunshine – Aqualung
195. Human – The Cinematics
194. Je Veux Te Voir – Yelle
193. Crimewave - Crystal Castles vs. Health
192. Somewhere In The Middle – Dishwalla
191. Looks Just Like The Sun – Broken Social Scene
190. Ali In The Jungle - The Hours
Ich bin zwar fest davon überzeugt, dass Uffie die erste Frau war, die den weiblichen Rapgesang auf Elektrobeats legitimiert hat, dennoch hat Yelle dieses kleine Battle gewonnen: selbst ohne stark ausgeprägte Kenntnisse in der französischen Sprache ist Je Veux Te Voir besser gewesen als alles, was Uffie je herausgepresst bekommen hat. Wenn man das irgendwie “besser” nennen kann.

189. If She Wants Me – Belle & Sebastian
188. Lucky Boy (Outlines Remix) – DJ Mehdi
187. Please Please Please - Shout Out Louds
186. I Thought That (Boris Dlugosch Mix) – The Migrants
185. Apologize (ft. OneRepublic) – Timbaland
184. Strange Condition – Pete Yorn
183. You Are Everything - The Low Life
182. Down – Ellen Allien
181. Welcome To Heartbreak (Marv Milly Remix) – Kanye West | Download MP3
180. Lying Is The Most Fun A Girl Can Have Without Taking Her Clothes Off - Panic! At The Disco
The Low Life – You Are Everything:
Ja, Panic! At The Disco. Aus stilistischen Gründen (und mit stilistisch meine ich das, was die anziehen) werden die als Emo bezeichnet, für mich ist das aber genau der gleiche Pop, den auch Robbie Williams macht.
Was den Kanye West Remix betrifft: aus irgendeinem Grund finde ich Marv Milly’s entsetzliche Verstümmlung für sein Swine Flu Mixtape extrem gelungen, und das eher dröge Welcome To Heartbreak bekommt noch mal einen kleinen Arschtritt verpasst.

179. Down The Line – José Gonzales
178. Can’t Get You Out Of My Head - Kylie Minogue
177. Books From Boxes - Maximo Park
176. Hemorrhage in my Hands – Fuel
175. Be Somebody – Kings Of Leon
174. A Milli (ft. Corey Gunz) – Lil’ Wayne
173. Promiscuous Girl – Nelly Furtado
172. This Is Sick – Solid Groove
171. Bright Lights Fading – Billie Ray Martin | not in Grooveshark Playlist
170. In A Matter Of Speaking – Nouvelle Vague
Ich war ein bisschen unentschlossen, ob ich Kylie Minogue und Lil’ Wayne überhaupt hier auflisten sollte. Was Kylie betrifft fand ich Slow sogar einen Tick besser als Can’t Get You Out Of My Head, andererseits will ich dem Song auch nicht seinen Erfolg abstreiten und die ganzen Kopfnicker-Autofahrten, die er versuchte. Was Lil’ Wayne angeht, ja, es gibt definitiv bessere Tracks aus seiner Hütte: nur hat keiner auf so eine kranke Weise so viel Spaß gemacht. Übrigens finde ich Lil’ Wayne hässlich-attraktiv, falls es so etwas gibt.

169. Lazy Eye – Silversun Pickups
168. Like I Love You (ft. The Clipse) – Justin Timberlake
167. I Cling ft. Ovasoul 7 (Aril Brikha Remix) – Deetron | not in Grooveshark Playlist | Download MP3
166. Vermillion pt.II – Slipknot
165. Get By – Talib Kweli
164. Casually Sad Mercedes – Calypso | not in Grooveshark Playlist
163. Loose ft. Amanda Blank - Spank Rock and Benny Blanco Are Bangers & Cash
162. Bits & Pieces – Junior Boys
161. Wet ‘n Wild (with Mickey Avalon guest drop) – Steve Aoki
160. In The Morning (ft. Andi Tom) – Junior Boys
Deetron – I Cling ft. Ovasoul 7 (Aril Brikha Remix):
Wer hätte gedacht, dass Slipknot auf meiner Liste auftauchen würde! Ich hatte sogar in Erwägung gezogen, “Spit It Out” irgendwo in den unteren Rängen zu platzieren, allerdings wurde es dann doch noch verdrängt. Vermillion, pt. II bewies den ersten Schritt der Shoutcore-Band in die Pop-Mainstream Richtung– für mich hieß das: ok, die können vielleicht doch mehr als brüllen. Und irgendwann hat mir sogar das Gebrüll gefallen.

159. Spit It Out – IAMX
158. Shimmer - Fuel
157. To Be Free - Emiliana Torrini
156. My Love (ft. T.I.) - Justin Timberlake
155. Galang – M.I.A.
154. Elvis – Alpha
153. Gun - Emiliana Torrini
152. Pon de Floor (Diplo Rap Remix ft. Ninjasonik) – Major Lazer | not in Grooveshark Playlist | Download MP3
151. Everyone Nose ft. CRS & Pusha-T – N*E*R*D
150. Sex City – Van She
Gleich zwei Mal Emiliana Torrini, und unterschiedlicher können diese zwei Songs auch nicht sein: To Be Free sucht und wird nicht fündig, während Gun eine gesellschaftskritische Story erzählt, die es in sich hat. Wieso man wegen Jungle Drum so ausrastet, aber Gun fast schon vergisst, ist mir ein Rätsel.
Fuel tauchen jetzt schon zum zweiten Mal hier auf. Hm. Eigentlich sind das die symbolischen Vorgänger von Nickelback, dennoch höre ich sehr gerne ihre Musik. Nennt mich geschmacklos, aber immer noch besser als Nickelback oder, urgh, Creed.

149. With Every Heartbeat (ft. Kleerup) – Robyn
148. Got It Twisted (DJ Twitch Remix) – Mobb Deep | not in Grooveshark Playlist | Download MP3
147. Superstar (ft. Matthew Santos) – Lupe Fiasco
146. Black and Gold – Sam Sparro
145. Rebellion (Lies) – The Arcade Fire
144. Empire State Of Mind (ft. Alicia Keys) – Jay-Z
143. Phenomena – Yeah Yeah Yeahs
142. Weird Fishes/Arpeggi – Radiohead
141. It Pays To Belong – The Embassy
140. Elusive – Scott Matthews
Mobb Deep – Got It Twisted (DJ Twitch Remix):
Ich bin ehrlich gesagt selbst ein bisschen schockiert, dass Radiohead mit ihrem einzigen Entry aus In Rainbows irgendwo auf Platz 142 rumdümpelt. Radiohead sind eine großartige Band, ja, aber mir haben sie als Gitarrenband zu The Bends Zeiten mehr gefallen als heute, wo sie ins Experimentelle abdriften (was mir immer noch gefällt- aber eben nicht so, wie es früher einmal war).
Und dann ist da ja auch Lupe Fiasco, endlich wieder ein Rapper, der nicht nur kommerzielles Ansehen feiern kann (und auch wird), sondern sein Talent als Superstar bewiesen hat. Ich hoffe sehr, dass er nicht dem Hipster Hop von Kid Cudi und Konsorten verfällt und bei dem bleibt was er gerade schon ziemlich gut macht: beim Kunstrap.

139. Noones Gonna Love You – Band Of Horses
138. Daft Punk Is Playing At My House – LCD Soundsystem
137. Vagabond – Wolfmother
136. Galvanize – Chemical Brothers
135. Move Along – All-American Rejects
134. Operate – Peaches
133. Trains To Brazil – Guillemots
132. Such Great Heights – Postal Service
131. There There – Radiohead
130. My Only Swerving – El Ten Eleven
Als das Galvanize Video von den Chemical Brothers erschien, wusste kaum einer, was Krumping ist. Schade eigentlich, dass diese ganz besondere Tanz-Subkultur in unserer Hemisphäre so untergeht. Umso mehr habe ich mich gefreut, als der Meister der Bilder und Farben schlechthin, David LaChapelle, sich ans Werk macht und mir Rize eine wunderbare Dokumentation erschuf, an die ich manchmal heute noch denke.

129. Closer – Ne-Yo
128. My Delirium – Ladyhawke
127. Spinning Around – Kylie Minogue
126. All in All – Lifehouse
125. Dressed To Digress – Boy Crisis
124. Misfit – Elefant
123. Music Sounds Better With You – Stardust
122. Names – Cat Power
121. Waking Up In Vegas (Calvin Harris Remix) – Katy Perry
120. I Feel It All – Feist
Katy Perry – Waking Up In Vegas (Calvin Harris Remix):
Peaches, Broken Social Scene, Whitest Boy Alive: was haben diese Bands gemeinsam, abgesehen davon, dass sie alle in dieser Liste auftauchen? Feist hat mit allen vor ihrem (internationalen) Durchbruch zusammengearbeitet. Daher macht es nur Sinn, dass sie auf dieser Liste auftaucht.

119. Too Long XX Steam Machine – Daft Punk
118. Stronger – Kanye West
117. Heads Will Roll – Yeah Yeah Yeahs
116. Alright – John Legend
115. Ready For The Floor – Hot Chip
114. Hang Me Up To Dry – Cold War Kids
113. I Don’t Blame You – Cat Power
112. Why Not? – Alter Ego
111. Road To Joy – Bright Eyes
110. The Ocean Breathes Salty – Modest Mouse
Alter Ego. Roman Flügel. Soylent Green. Schließlich: Robert Johnson, meine persönliche Geburtsstätte, wenn es um Technomusik geht. Vielleicht ist Why Not? noch nicht mal ein besonders guter Track, aber es hat etwas damit zu tun, wo er herkommt, und wie wir ihn damals feiern konnten. Hier, das ist Offenbachs letzter Bunker, in dem etwas Magisches geboren wurde. Und wer mal in der Gegend ist, sollte es sich nicht entgehen lassen.

109. Hustler – Simian Mobile Disco
108. Through The Wire – Kanye West
107. Black Magic – Magic Wands | Download MP3
106. Shy That Way ft. Jason Mraz – Tristan Prettyman
105. From The Valley To The Stars – El Perro Del Mar
104. Trying To Find A Balance – Atmosphere
103. You’ll Find A Way – Santogold
102. Glamorous (ft. Ludacris) – Fergie
101. Naive – The Kooks
100. Sky & Sand – Paul & Fritz Kalkbrenner
Ich erinnere mich noch an die zwölfte Klasse, als Glamorous ungefähr auf dem Höhepunkt seiner MTV-Zeit war und wir im Kollektiv dazu im Auto rumgröhlten, wenn wir mal wieder in der Mittagspause zu McDonalds fuhren um uns im McCafé vom harten Schulalltag zu entspannen. Wir fanden, dass Fergie aussieht wie ein Botox-Opfer, und haben nicht auf die Reihe bekommen, dass die Typen alle auf sie standen. Ich kann den Song sogar heute noch hören, aus irgendwelchen Gründen.
… genauso wie Naive, dem einzigen, wunderbaren Sommersong und der Kick-Off aus Großbritannien für eine neue Wiege der Brit-Pop Generation. Ich habe danach nie wieder einen Kooks Song wirklich gut gefunden (sicher, es waren einige gute Tracks dabei, die okay waren), aber an diesen werde ich mich für immer zurückerinnern: ich, auf meinem Roller, fahre an den See mit 45 Stundenkilometer und Tauben, die mir auf die Schulter kacken, and you’re so naive im Ohr.

99. Moth – Burial & Four Tet
98. What’s A Girl To Do – Bat For Lashes
97. Westberlin – Aggro Berlin
96. We Own The Sky – M83
95. Mojo (Feat. Rahzel & Dan The Automator) – Peeping Tom
94. All My Friends – LCD Soundsystem
93. Stare At The Sun – Thrice
92. Evil – Interpol
91. Seven Nation Army – The White Stripes
90. Woe – Say Anything
Mojo ist mit Abstand der furchterregenste Track aller Zeiten. Diese Stimme, dieser schleichende Beat– wenn ich jemals einen Horrorfilm drehe, weiß ich schon, was in der abartigsten Schreckszene läuft (oder im Abspann, je nachdem).
Obwohl mindestens genauso emotionalisierend, ist es wiederrum schwierig, etwas zu We Own The Sky zu sagen. Ich höre es am liebsten beim Start eines Flugzeuges, wenn es hochzieht und dieses monumentale Gefühl der Angst und des Kontrollverlusts sich fließend mit dem der Macht und der Erleichterung abwechselt. Aber wahrscheinlich geht es da nur mir so.

89. Music Is My Hot Sex – CSS
88. Hey Ya – Outkast
87. Ain’t No Party – Orson
86. Untouched – The Veronicas
85. And It Rained All Night – Thom Yorke
84. Mr. Brightside – The Killers
83. Dreckstück (ft. Fler) – Bushido
82. Big Shit Poppin’ – T.I.
81. Golden Cage (Fred Falke Remix) – The Whitest Boy Alive
80. My Beats – Jimmy Edgar
“Ey isch so kannst du nischt mit mir umgehen alta, du Missgeburt alta, was denkst du wer du bist alta!” Wenn man das hört gibt es genau zwei Dinge, die passieren können: Entweder, man prustet los und denkt sich “wo kommt diese Asylantin denn her”, oder man weiß: “Ach, schon wieder sone Trulla aus nem Rap-Intro”. Und dann kommen die schlagfertigsten Worte, die je aus Bushidos Feder geblutet sind; leider wohl auch die einzigen, die man mit dem Prädikat “Gut” belohnen kann (was nicht bedeutet, dass ich mir sonst keine Bushido-Sachen anhöre… leider).

79. Lapdance – N*E*R*D
78. Daniel – Bat For Lashes
77. Rippin’ Kittin – Miss Kittin & The Hacker
76. Day & Night ft. Pitbull & Jamie Drastik – Kid Cudi | Download MP3
75. Zen – Re-Up Gang
74. Silver Lining – Rilo Kiley
73. King Of The Rodeo – Kings Of Leon
72. The Blower’s Daughter – Damien Rice
71. Harrowdown Hill – Thom Yorke
70. Remmidemmi – Deichkind
Kid Cudi – Day & Nite ft. Pitbull & Jamie Drastik
Kanye West zieht sich durch diese Listen durch, als wäre es selbstverständlich. Tatsächlich hat der Mann es geschafft, durch und durch konsequent gute Tracks in die Tubes zu schmeissen. Flashing Lights konnte vor allem in seiner visuellen Aufmachung überzeugen (ich sage nur Spike Jonze), erinnert mich vor allem immer wieder an meinen Aufenthalt in Syrien, wo es rauf und runter lief. Und da sag mal einer nochmal, die Araber hätten keinen Geschmack (oops, ich bin die einzige, die das behauptet).
Um aber auf etwas konventionelleren Hip Hop zurück zu kommen: Zen ist eigentlich nur ein Bonus Track der Re-Up Gang Platte gewesen. Aber diese Videospiel-Umgebung und das dahingehauchte “Maestro” zu Anfang des Beats, das ist die reinste Gänsehaut. Pusha und Malice würden es wahrscheinlich auch schaffen, auf Flötenmusik noch gut zu rappen, da ist es ja eigentlich nur naheliegend, dass ich jeden Track in meine Top 200 packe.

69. One Week Of Danger – The Virgins | Download MP3
68. Fallin – Alicia Keys
67. Saturate – Chemical Brothers
66. Goodnight Moon – Shivareee
65. Break Stuff – Limp Bizkit
64. Forget About Dre ft. Eminem – Dr. Dre
63. How To Fight Lonliness – Wilco
62. No One Knows – Queens Of The Stone Age
61. Eunuch Provocateur – Mars Volta
60. These Things – She Wants Revenge
Ich weiß. Goodnight Moon ist 1999 veröffentlicht worden und damit eigentlich offiziell disqualifiziert. Ich muss mich hier in meiner eigenen Konsequenz aber umschmeissen: erstens ist 1999 immerhin fast 2000, zweitens würde dieser Song sonst niemals auf irgendeiner Liste erscheinen, und drittens kannte den ja auch vor Kill Bill keiner. Lasst uns hier also nicht die Korinthenkacker spielen.
Auch eine Überraschung ist der Limp Bizkit Entry. Kaum zu glauben, wie viel Stress ich mir teilweise mit den Eltern einhandelte, weil Fred Durst durch’s ganze Haus was von Bullshit brüllte. Das hat echt gut getan, und gehört definitiv hier rein.

59. Diamonds Are Forever (ft. Jay-Z) – Kanye West
58. Idioteque – Radiohead
57. B.O.B. – Outkast
56. DVNO – Justice
55. The Ropes – Atmosphere
54. I Can See The Pines Are Dancing – AA Bondy | not in Grooveshark playlist | Download MP3
53. Little Bit (ft. Drake) – Lykke Li | not in Grooveshark playlist
52. Use Somebody – Kings Of Leon
51. Lonely Soul – UNKLE
50. Umbrella (ft. Jay-Z) – Rihanna
Lykke Li – Little Bit ft. Drake:
AA Bondy – I Can See The Pines Are Dancing:
Rihanna hat es auf Platz 50 geschafft, und diesmal lag es nicht (ausschließlich) an Jay-Zs Künsten, sondern an einem echten Popsong. Was soll man dazu sagen? Ich glaube, ich kenne sonst überhaupt nichts anderes von Rihanna, obwohl ich letztens in ihr neues Album reingeschnuppert habe. Ich hoffe wirklich, dass wir 2010 mal mehr Seelenblut hören, jetzt, wo das mit Chris Brown auch schief gelaufen ist. So richtig dicker Schmerzpop á la Lady Gaga (quasi mehr Selbstzerstörung und weniger Wahnsinn). Aber ich bin da ganz zuversichtlich.

49. If I Ever Feel Better – Phoenix
If I Ever Feel Better erinnert an Radiostationen der 80er Jahre, die man die amerikanische Westküste entlang zu hören bekommt. Frischer Retro-Rock-Pop mit französischem Charme. Ich weiß nicht, was Phoenix mit diesem Song in meinem Kopf angestellt haben, aber immer, wenn er läuft, muss ich lächeln. Und vielleicht liegt da auch der Kern der Aussage: manchmal ist das Leben scheisse, aber man kann nichts anderes tun, als mit den Schultern zu zucken, die Hände ans Steuer zu legen und loszufahren- bis man sich irgendwann besser fühlt.
48. God Loves Ugly – Atmosphere
Angst, Verbitterung und schlummernde Tragödien: das steckt in Atmosphere, in Slug, dem einsamen MC aus Minneapolis. Slug erzählt uns durch God Loves Ugly welche schlechten Karten er im Leben zugesteckt bekommen hat, und wie er es trotzdem schafft- nicht ohne eine gewisse Eigenkritik in seiner Wortwahl, nicht ohne Wut über die Ungerechtigkeit im Leben. Klingt nicht überaus spektakulär- aber es ist der dramatische Beat, und Slugs ehrlicher Rap, der einen überzeugt, und mich kriegt er jedes Mal wieder.

47. Us Placers – Child Rebel Soldiers (Kanye West, Pharell, Lupe Fiasco)
Das Genie, dass sich CRS als Rapkombo ausgedacht hat, möchte bitte vortreten und einen Dankeskuss in Empfang nehmen. Und wenn schon die die drei Vollpfosten als Band nicht gefällt, dann mit Sicherheit der Kontrast zwischen zwischen dem Rap und einem Thom Yorke Sample. Britischer, introvertierter Pianoklang mit Poser-Attitüde kombiniert? Mitnichten. Vielmehr erkennt man, dass es Fiasco war, der den Song geschrieben hat (auch wenn Kanyes gewohnte Arroganz zwischenzeitlich aufblitzt), und den Verfall eines Superstars im Business beschreibt (eines seiner Lieblingsthemen). Es bleibt nur noch zu Hoffen, dass CRS diese Kombo nicht verliert. Und ich hätte nichts dagegen, wenn man Pusha-T auch mit aufnimmt.
46. I Kissed A Girl – Katy Perry
Diesen Song noch vor Harrowdown Hill oder All My Friends zu platzieren möge dem ein oder anderem vorkommen wie die reinste Musik-Blasphemie. Ich sehe den Qualitätsunterschied selbst, ihr müsst mich nicht darauf hinweisen. Aber genau so, wie ich Umbrella als großartigen Popsong wertschätzen kann, lasse ich mich nicht von den Tatsachen verblenden: I Kissed A Girl ist ein nicht mehr wegzudenkender Ohrwurm. And I liked it (and außerdem you liked it too).

45. Waters Of Nazareth (Erol Alkan Re-Edit) – Justice
DANCE, DVNO- alles schön und gut. Aber mit Waters of Nazareth haben Justice das Prodigy der 2000er wieder zum Leben erweckt. Endlich wieder Krach im Rave, endlich wieder splitterendes Glas, endlich wieder schweißgebadet in der Crowd stehen und richtig einen auf ‘Ed Banger machen. Fast hätten wir vergessen, wie das geht. Erol Alkan selbst hatte keinen großen Einfluss auf den Track; aber ich mag das Intro trotzdem lieber.
44. In The Sun – Joseph Arthur
Ich kann mir bis heute nicht die Frage beantworten, ob dieser Song einfach gut oder einfach unübersehbar kitschig und schlecht ist. Ich entscheide mich für die erste Option, weil er mich wie irgendwie emotional berührt. Sei es seine Stimme, oder die Tatsache, dass er in einer großartigen Scrubs Folge vorkommt- ich find ihn schön.
43. Everybody’s Stalking – Badly Drawn Boy
“Been feeling high/been feeling low” — welcome to my world. Mit einer Stimmung die zwischen Obsession und Verzweiflung schwankt, gibt Everybody’s Stalking das Bild eines Raumes wieder, in dem ein einsamer Mensch an seinen Entzugserscheinungen dahingeht. Düster, dunkel, mit drahtigen Gitarren, dumpfem Bass und einer gewissen apathischen Stimmung, hätte der Song auch auf dem Eiskalte Engel Soundtrack zu finden sein können.
42. Make Her Say ft. Kanye West, Common – Kid Cudi
Kid Cudi, so habe ich manchmal das Gefühl, ist mittlerweile allgegenwärtig. Auf jedem Mixtape und bei jedem Feature dabei. Gott, dieser Typ hat ein ganzes Subgenre mit hochgezogen: Den Hipster-Hop, Rap für Typen die keine Lust auf Gangster-Platitüden haben. Ich kann nicht sagen, dass ich das besonders schlecht fände, und Make Her Say ist sozusagen das Juwel seiner Arbeit. Da hat sich der gute Mann also ein paar Freunde geholt und amüsiert mit großartigen Rap-Einlagen. “Hold up, born in 88! How old is that? Old enough!” Das amüsante an Make Her Say ist aber, dass Cudi genau das gemacht hat, was ich mir schon so lange gewünscht hatte: diesen nervigen Gaga-Song mal so richtig schön auseinandernehmen und ihr zum Dank für die Plage mal ins Gesicht pieksen. Mit Kanye und Common in der Gang knallt’s dann umso härter. Um wem das nicht genug Anspielungen auf harte Gruppenvergewaltigung und andere sexbezogene Dinge waren, der sollte sich den Song doch nochmal zu Gemüte führen…

41. Rubicon – Alan Braxe & Fred Falke
Ich weigere mich, Rubicon als “House” Musik zu bezeichnen. Erkennt keiner außer mir, dass hier Karate Tiger und Miami Vice mit drin stecken? Sieht denn niemand, dass ein flamingo-farbendes Hawaii-Hemd im Trailer auftaucht, dass die Arcades wieder geöffnet werden? Es ist Dance-Retro-Videospiel-80s-Synth-House, gefährlich, ansteckend, Suchtfaktor drei Millionen, und vielleicht der beste Tanztrack, den ich im Club (dank der beschissenen Clubs) noch nie gehört habe.
40. Keep The Car Running – The Arcade Fire
Es hört sich an wie eine atemlose Gute-Nacht-Geschichte, die da in einem Tempo der Flucht erzählt wird: ein Märchen voller Kinder und Bilder und einem riesigen Wald mit Bergen, einem Lauf in die Freiheit, Lichter von Großstädten, großen Flüssen und Bären, bis man schließlich hinaus stolpert, hinfällt, und erschöpft den strahlenden Himmel über sich betrachtet, blinzelnd und keuchend. Die Indiesphäre hat mit The Arcade Fire die einzige Band aus dem Waldschrat-Hipster-Milieu gehypt, mit der ich einverstanden bin. Das liegt aber nicht an mir. Das liegt an der Brillianz von Keep The Car Running, und an der Zeitlosigkeit von The Arcade Fire, die sogar mir verständlich wird.
39. Kids – MGMT
Während Time To Pretend zwar vielmehr den Sinn der hedonistischen Leggings-und-Haarband-Zeiten erfasst hat, bleibt Kids der bessere Song von Hipster-Vorzeigeband MGMT. Und hey, wenn ich Hipster sage, dann meine ich das nicht böse, aber wie soll man in einer genrelosen Zeit Musik sonst kategorisieren wollen? Und wie soll man also Kids erklären, wenn man nicht seine Macher in Erwägung ziehen dürfte? Eben. Es ist also cleverer Synth-Pop, Upbeat-Elektro-Pop mit einer sehr angenehmen, jugendlichen Stimmung- wie irgendwie alles, was seit 2007 im Internet entstanden ist. Das Web ist heute das, was Garagen noch vor zehn Jahren waren, und MGMT haben das irgendwie ganz gut auf den Punkt bekommen. Schade ist nur, dass dieser Song wohl für immer als gut gelaunter Tanz-Track wahrgenommen werden wird, und nicht als Kritik (oder Erinnerung) an das Erwachsenwerden, vielleicht das einzige Thema, was diese Anti-Generation vorgebracht hat.

38. Hell Yeah – Dead Prez
Abgesehen davon, dass in Hell Yeah einige Überlebenstechniken im urbanen Dschungel beschrieben werden, machen sich Dead Prez auch einige Zeit nach ihrem größten Erfolg Hip Hop noch Platz auf meinem ganz persönlichem Rap-Olymp. Obwohl ich politischen Rap sehr schwierig finde (was nicht zuletzt daran liegt, dass ich in Deutschland aufgewachsen und, äh, eher weniger pigmentiert bin und somit kaum Angriffspunkte für Gemeinsamkeiten finde), bietet sich mit Hell Yeah immerhin eine halb-amüsante Alternative, die zugänglich ist und eine ausgeprägte Sprechgesang-Finesse demonstriert.
37. Someday – The Strokes
Ich gebe ja zu: den Song fand ich erst gut, als ich ihn zum ersten Mal auf Guitar Hero (oder Rock Band oder wie sie alle heißen) gespielt habe, und feststellte: oh man, ein guter Rock-Song, der besteht ja aus mehr als nur Worten und Schlagzeug.. da sind ja auch Melodien dabei.. und diese Melodien können unglaublich einnehmend und entspannend sein, vor allem, wenn sie zum Gesamtbild passen, zum Inhalt, der aber irgendwie dadurch in den Hintergrund rückt. Und plötzlich wurde mir klar, warum alle so auf The Strokes stehen.
36. Crazy Girls (Make My Heart Go Boom Boom) – Codec & Flexor
Techhouse vom Feinsten. Wenn ich nur wüsste, wo ich diesen Track her habe… von Vinyl rübergezogen? Gekauft? Im Club gehört und runtergeladen? Dieser Old-School Beat, dieses Barcelona-Feeling… ich kann nicht genau sagen, was es ist, dass mich so fasziniert. Vielleicht ist es die Tatsache, dass Boom Boom auch ohne Pow auskommt, oder dass elektronische Musik auch ohne Clubumgebung funktioniert. Ich hatte vor einiger Zeit mal gehört, dass Codec & Flexor die Typen von Badesalz sind– wenn das stimmt, dann erklärt sich meine Zuneigung ganz einfach mit einer gewissen Heimatverbundenheit. Die Badesalztypen kommen nämlich aus dem hessischen Kaff meines Pre-Berlin Lebens.. aber da kennt man keinen Tekkno.

35. No Turning Back – Gui Boratto
Magie ist das, was mir bei Gui Boratto einfällt. Magie und Sehnsucht nach thailändischen Strandraves– nicht, dass ich jemals wüsste, wie soetwas aussieht… aber irgendetwas hinter den Klängen zu No Turning Back verspricht diesen ausgelassenen Hedonismus. Vielleicht schafft es der einsame Brasilianer sogar, der wohl emotionalste TechHouse/Progressive House Mixer zu sein, den man sich vorstellen kann. No Turning Back kommt irgendwie dem Abspann eines Filmes gleich, vielleicht also auch der Abspann meines Lebens. Worte werden diesen hypersensiblen Melodien nicht gerecht… aber wenn ihr den Song anschmeisst, versprecht mir, die Augen zuzumachen.
34. Breathe Me – Sia
Wenn wir hier über Begleitmusik sprechen, über sogenannte “Soundtracks des Lebens”, dann muss man auch erwähnen, dass die letzten zehn Jahre, um die es hier musikalisch geht, auch vollständig meine Pubertät umfassen. Es handelt sich hierbei um eine Phase, in der ich einen exklusiven Vertrag mit dem Teufel abschließen durfte, und niemand wurde so gequält wie ich… dafür bekam ich die auditive Untermalung, die das alles irgendwie doch erträglich machte. Sia’s melancholisches Piano und das geseufzte “Help” in Breathe Me lassen einen die Einsamkeit in den Knochen spüren, bleibt aber nicht bei den Klaviertönen, sondern baut kräftig auch und entwickelt sich zu einem Wirbelsturm der Dramatik, bis auch jedes kleine bisschen Hoffnung vollkommen aus Sias Stimme verschwindet und nichts außer einer unerträglichen Stille zurück lässt..
33. Shell Of Light – Burial
Ich habe ein großes Problem mit Dubstep und seiner angeblichen Tanzbarkeit. Um ehrlich zu sein, ich finde Dubstep in etwa genau so tanzbar wie der Beat beim Topfschlagen an meinem fünften Geburtstag. Aber ich würde Burial auch gar zu ungerne als “Dubstep” bezeichnen, weil es dann in einem Pool voller ähnlicher Klänge verlieren würde, eines so wie das andere, und dann doch wieder nicht. Here’s the thing: Untrue, Burial’s zweites Album, ist alles andere als gewöhnlicher Dubstep. Es ist das Gefühl für die Musik. Fuck it, es ist das Norah Jones der Elektroszene, das Starbucks der Heroinjunkies, und Shell Of Light ist das Wunderkind, dass mich berührt.
32. Trill – Clipse
Ich war noch nie sonderlich für einen Rap-Release zu begeistern. Logisch, ich habe hier und da die sechs bis acht MP3s im iTunes verteilt, kenne mich auch ganz gut aus, aber das meiste aus dem Genre bekomme ich immer noch dann mit, wenn ich bei meinem Bruder im Auto bin und dann auf irgendeinem Song hängenbleibe. Bis ich Clipse entdeckt habe. Seitdem warte ich eigentlich nur noch. Ich warte auf Alben, auf Mixtapes, auf Neuigkeiten, auf irgendwas. Jetzt, wo Till The Casket Drops endlich in Reichweite ist, muss ich an meine Anfänge mit Clipse denken: Trill. This is the real coke rap (okay, gibt es eigentlich noch anderen coke rap außer von The Clipse?) Liegt es an Pusha’s und Malices durchdachter Technik, dem Wortwitz und dem Spiel der Angeberei, oder liegt es daran, dass sie die Creme de la Creme an Neptunes Produktion abbekommen haben? Hell Hath No Fury, das Album, auf dem sich Trill befindet, ist ein Meisterwerk. Und wäre das hier eine Liste an bester Rap Alben, stände es auf Platz 1. Hell yeah.

31. Walking With A Ghost – Tegan & Sara
Ach, ja. Die lesbische Liebe- das scheint auf diesem Blog ein Stigma zu sein. Aber gut, reden wir über die zwei kanadischen Schwestern, die den Begriff “catchy power pop” dick geprägt haben. Walking With A Ghost war jahrelang mein eigener, nervtötender Geist. Klimpernde Uschis mit unhörbar hohen Piepsstimmen? Und dann noch solche Nonsens-Lyrics? Bitch, please. Und dann machte es Plopp, und es war der beste Catchy Power Pop Song überhaupt. Und so ganz nebenbei habe ich mich in Tegan & Sara verliebt. Einfach so.
30. Back Of My Hand – Gemma Hayes
Gebrochene Herzen. Das ist es. Gebrochene Herzen und Abschiede. Ich kann nicht genau in Worte fassen, welche Abschiede es sind; sie sind nicht direkt kühl, aber sie sind auch nicht dramatisch. Man findet sich ab: es ist vorbei. Die Erinnerungen verblassen. Der einsame Cowboy nimmt seine Route durch die Wüste wieder auf, und Gemma Hayes begleitet ihn in ihrer Female Vocalist Manier.
29. What Else Is There? (Trentemøller Remix) – Röyksopp
Röyksopp alleine ist live auf jeden Fall sein Geld wert. Wenn man dem noch Karin Dreijers eiskalte und heimjagende Stimme ausleiht, sprengt das schon mal einen gewissen musikalischen Erwartungswert ins Positive. Mit Trentemøller oben drauf hat sich hier allerdings etwas viel Gewaltigeres entfaltet, sozusagen das skandinavische Equilibrium der Tanzmusik. Hier fehlen mir eindeutig die Superlative. Dunkel und diebisch, ein Tech-House-Geschenk des Himmels, ausgestattet mit Bass-Sondersystem und einem nervenzerfetzenden Teaser. What else is there?
Röyksopp – What Else Is There? (Trentemoller Remix)
28. Connie – El Ten Eleven
Wie erklärt man einen Song, in dem keine Worte vorkommen? In dem es nur um das Gefühl von Gitarren und Schlagzeug geht? Ich wünschte, das hätte man mir damals beigebracht. Ich kann nur erzählen, wie es sich anfühlt, so einen Song zu hören: es fühlt sich an wie eine Dokumentation über das Meer. Man schwimmt der blauen Wasseroberfläche entgegen, auf der sich das Glitzern der Sonne abzeichnet, während sich die bunten Fische um einen herum zu einem Strudel formen, erst langsam dann schneller, bis sie einen auf eine Abenteuerreise durch eine fremde, einzigartige Welt der Fantasie mitnehmen; ein Koma, in dem Zeit keine Rolle spielt, in dem nur die Sinne eine Rolle spielen, das Sehen neuer Dinge, das Spüren unwirklicher Texturen, das schläfrige Erwachen aus einem wunderbaren Traum, das Reisen durch die Dimensionen, das Schmecken des Meersalzes, das Wissen, nie wieder auftauchen zu müssen.

27. Sour Cherry – The Kills
Gib mir ein Schlafzimmer, meine beste Freundin (übrigens ist der Platz immer noch frei, falls jemand sich freiwillig melden möchte), ein Schlagzeug und eine Videokamera und ich wüsste ganz genau, dass wir hierfür das beste vorstellbare YouTube Video erschaffen könnten. Vollkommen nackt, versteht sich. “Shout when you wanna get off the ride”, so singt die emanzipierte Frau ihren nächtlichen Bekanntschaften entgegen. Und dieser Nervenkitzel hat ja auch etwas von einer Achterbahnfahrt. Lo-Fi und Suchtgefahr, ohne viel Firlefanz und straight-to-the-point: Achtung, es handelt sich hier um einen anspruchslosen Ohrwurm. Ich schäme mich nicht.
26. Oh Horatio – Tiger Lou
Auch wenn ich den Schwedenpop-Slot langsam ein bisschen überstrapaziere, hat dieser Song ausnahmsweise mal tatsächlich eine Existenzberechtigung. Dabei geht es mir erst in zweiter Linie um die Atmosphäre und die musikalische Qualität; es ist die Geschichte, die Tiger Lou mit Horatio erzählt. Eine Geschichte, die sich durch unsere Generation der Reisenden und Exil-Adolscents zieht. Gerade hier in Berlin, das Aggregat der Zugezogenen, liegen Lebens- und Liebesgeschichten wie Zigarettenstummel auf der Straße herum, und täglich treffen wir einen anderen, der sie uns erzählt. Wie im Zeitraffer rennen wir aneinander vorbei, und für jeden, der sich irgendwo niederlässt, zieht ein anderer Abgänger aus einer anderen Kleinstadt weiter- nach Australien, nach Südamerika, nach Berlin oder nach Barcelona. Horatio ist ein Sinnbild für die Globalisierung, er ist das feste Monument und der Freund von jedem, dem er auf der Reise begegnet. Eine Begleiterscheinung des Couchsurfings– und ich frage mich: ist Horatio nicht vielleicht auch mehr als das? Ist er vielleicht auch ein Sinnbild für alle diejenigen, die uns wegen ihrem Fernweh verlassen haben, wegen ihrer inneren Unruhen, und ist das nicht genauso unfair, wie selbst irgendwo festzuhängen und nicht herauszukommen?

25. Throw Some D’s – Rich Boy
Ich muss mich an dieser Stelle selbst belächeln. Jenseits des guten Geschmack findet sich also auf Platz 25 ein Stück Mainstream-Hip Hop, das in Deutschland wohl kaum einer kennt (und wenn doch, dann jedenfalls nicht in meinem Freundeskreis). Aber so what: kaum ein Song hat mir die letzten drei Jahren so viel Spaß gemacht wie Throw Some D’s, kein einziger, und wenn ich hier und jetzt ein Auto hätte, ich würde mich reinsetzen, das Fenster mit der Brechstange runterdrücken und erstmal anschieben, nur um dann lässig und laut diesen Song beim Cruisen anzuhören. Echt mal.
24. Lies – The Black Keys
Ich bin womöglich die einzige, die bei Lies nicht nur an Whiskey und Blues und Nevada denke, sondern an leidenschaftliche Erotik, an heiße Regennächte und an schwere Entscheidungen danach… Lies, Lies, Lies. Ein fehlerloses, kompositorisches Stück Pessimismus, das mich unendlich zufriedenstellt auf meiner Suche nach gutem, ehrlichen Rock.
23. Pass This On – The Knife
Sobald die ersten Töne von Pass This On erklingen werde ich in einen Zustand der ultimativen Tanzbehinderten katapultiert: ich muss mich bewegen. Synthetische Stahl-Drums und kahle Elektro-Beats geben den Hintergrund für Karin Dreijers seltsamen Lyrics – ich glaube, sie will meinen Bruder vernaschen – und oh, es ist gut. Noch nie war Musik so nah dran, von mir als “Avantgarde” beschrieben zu werden, aber dieses Synth-Pop-Monster, dass da vom The Knife Duo geschaffen wurde, das übersteigt einfach meine Hirnkapazitäten. Zurecht. Hinzu kommt die Durchschlagkraft vom gesamten Album, Deep Cuts, sowie dem Video zu Pass This On. Ich habe seit jeher eine Angst vor Blockhütten und Jogginganzügen.
22. I Need Your Love – The Rapture
Pulsierende, elekronische Rhythmen gedeckelt in einem kunstvollen Punk-Kokon: das war das Album-Debut von The Rapture, “Echos“. Aus mir völlig unerfindlichen Gründen scheinen alle Fanboys und -girls vielmehr auf “House of Jealous Lovers” abzufahren, ein Track, der meiner Meinung nach viel zu unstrukturiert und chaotisch wirkt, um überhaupt auf irgendeiner Liste erwähnt zu werden, ganz zu schweigen von den vorderen Plätzen. Vielleicht ist es genau das, was viele so anzieht, aber auf mich wirkt es zu bemüht, einfach konstruiert und pseudo-künstlerisch. Anders ist da I Need Your Love: sicherlich etwas glatter, aber auch mit mehr catch, mit mehr Finesse, sozusagen. Ein minimaler Bass, Jenners nervöse und aufgekratzte Stimme, die da irgendwas von Welten erzählt— das ist es, und ich brauche es.

21. Howl – Florence + the Machine
Willkommen zurück in der Welt der Fantasy-Female-Vocalists; ich präsentiere: Energie, Macht, Überwältigung und Stärke, alles in eine kleine rothaarige Britin gepackt und mit größter Präzesion wieder herausgebrüllt. Ja, regelrecht gebrüllt, aber die Exzellenz findet sich nicht nur im Spannungsbogen des Songs sondern vor allem in den Worten, die Florence gewählt hat. The fabric of your flesh, pure as a wedding dress / Until I wrap myself inside your arms I cannot rest / The saints can’t help me now, the ropes have been unbound / I hunt for you with bloodied feet across the hallow’ed ground. Im Übrigen reichen meine nicht aus, um das zu beschreiben, was die da macht. Anhören.l
20. DLZ – TV on the Radio
So viele Kritiker haben letztes Jahr das Album “Dear Science” auseinandergenommen und wieder zusammengeschraubt; so viele befanden es als das beste des Jahres 2008… und das erste Mal habe ich mich in einer gewissen Elite aktzeptiert gefühlt, bis ich irgendwann verstanden habe, dass ich es war, die vielmehr die Entscheidungen anderer aktzeptierte. Obwohl ich das Konzept “Album” immer noch kritisch betrachte und wahrscheinlich nicht mehr viele Gelegenheiten haben werde, mich damit vertraut zu machen, bleibt Dear Science ein komplettes Paket, das man nicht ohne Weiteres zerreissen kann. DLZ schlägt trotzdem ein wie eine Bombe und ist das Vorführstück, das man auch in anderer Umgebung mit sich herschleifen kann. Es steht stellvertretend für alle anderen TV On The Radio Songs, die sich ohne ihre Geschwister nicht mehr einfinden können.
19. 99 Problems – Jay-Z
Ein Riff, ein nackter Beat, und Jay-Z setzt seine 99 Problems aus Rap-Legenden zusammen; kaum einer, der unzitiert bleibt. Rick Rubin haut da etwas raus, das zeitlos, unvergänglich und klassisch gut ist. Jay-Z verteilt gezielte Schläge in jede Richtung und beweist sein lyrisches Können ohne Umschweife, aber hier geht es nicht nur um ihn, hier geht es um das gesamte Bild und die plötzliche Lust, zum Draufgänger zu werden. Dieser Song ist eine Hip Hop Legende, wie es vielleicht nie wieder eine geben wird.
18. Wild – Poe
Poe war ein kommerzieller Flop. So oder so ähnlich erkläre ich mir ihr vollständiges Verschwinden aus der Musikwelt. Falls jemand jemals wieder etwas von Poe hört, kommt holt mich ab und ich sterbe vor Glück. Wild, ein insgesamt neun Minuten langer Song, wird vor allem von Poe’s Stimme getragen, von den Drohungen, der Aggressivität und der Verführung… nicht zuletzt heisst das Konzept-Album hinter dem Song “Haunted“, und genau danach hört sich Wild an. You’ve got some nerve to come back here / You’re not the only one who can smell fear Eine seltsame Mischung aus Trip-Hop, warmen Pop, Hard-Rock und elektronischen Elementen finden sich wieder. Auf eine noch viel seltsamere Art und Weise ist Wild vor allem unbequem, als wäre es einem unangenehm, zuzuhören; zu intim, zu nah an der Persönlichkeit. Poe triumphiert mit dieser Eigenart gewaltig und lässt den Song in einer Art Cliffhanger in eine ganz andere musikalische Ebene einpendeln, wenn der Zuhörer schon völlig verwirrt einpacken will..

17. Easy/Lucky/Free – Bright Eyes
Wer labil ist und schon mal unter einer Depression leiden musste, der sollte sich lieber nicht Bright Eyes zu Gemüte führen; mein persönliches Motto was das Überleben angeht. Easy/Lucky/Free ist das “Fitter Happier” in Gesang vertont, obwohl es hierbei weniger um die Apathie des Alltags geht, sondern (das nehme ich jedenfalls an) tatsächlich um ein Zombiekonzept der Lethargie, Menschen, die explodieren. Aber selbst wenn ich mich irre hört sich dieser melancholisch-poetische Ausbruch des Connor Oberst, dem traurigen jungen aus Omaha, an wie eine Erlösung aus dem traurigen Zustand, in dem er sich befindet. Dieser Pathos verfällt nie in den Kitsch, nie in die Redundanz, das spürt man auch die anderen 400 Tracks- ich glaube es ihm. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Schwermütigkeit noch nie so authentisch war.
16. Skinny Love – Bon Iver
Es ist leicht zu sagen, “ok, in meiner Lieblingsliste kommt dieser Song auf Platz so-und-so”, und am Ende möchte man das irgendwie rechtfertigen, es steckt einem auch in der Seele drin- nur die passenden Worte zu finden, das ist nicht so einfach. Umso schwieriger wird es, weil es sich schon wieder um einen akustischen Song handelt. Ein Gitarrensong. Ein Song von ganzem Herzen, bei dem man das Gefühl bekommt, Justin Vernon muss selbst gerade weinen. If All Your Love Was Wasted / Then Who The Hell Was I? Trotzdem bleibt es so, dass akustische Musik für mich einfach schwierig zu beurteilen ist: ein bisschen wie schwarz-weiß Fotografie. Jedes Bild hat eben diesen gewissen Unterton, eine mitgebrachte Grundstimmung, die keinen Platz mehr für die eigene Vorstellung lässt. Dennoch, oder trotzdem: es ist, als hätte er unabsichtlich das Album erschaffen, was Eddie Vedder eigentlich für Into The Wild machen wollte, aber nie schaffte. Es könnte daran liegen, dass Justin Vernon tatsächlich drei Monate in einer Hütte in Wisconsin lag, als er das Album aufnahm. Skinny Love hat viel, viel von diesem Sentiment bekommen; plötzlich ist Isolation auch hörbar, ganz klein und intim. Und auch wenn ich ultimativ keinen Grund finde, wieso ich es auf Platz 16 platzierte, ist es doch schwer einen Grund zu finden, es nicht zu tun.

15. Do Not Break – Ellen Allien & Apparat
Ein bassiger Beat und schräge, wenn auch minimal gebliebene Sounds. Deutsche Handwerksproduktion, sozusagen. Eine ziemlich abgespacte und außerirdische Exkursion in das Elektrofenster der Berliner Technoszene, und wenn Do Not Break es nicht schafft, dann tut es wohl kein Song mehr, der in die dunklen Orte der Hauptstadt einzieht. Es ist ein bisschen auch ein Machtspiel, bei dem sich die zwei Turntable-Profis wohl nicht entscheiden konnten: machen wir da jetzt einen fetten Track draus, um die Leute aufzuheizen, oder wollen wir die Zuhörer mit Traumwelten einhüllen? Ich kann mich nicht so wirklich entscheiden, denn meine Füße scharren zwar ganz ungeduldig auf dem Boden, aber ich bin viel zu abgelenkt von meinen Gedanken, um mich auf viel mehr zu konzentrieren. Hier haben Sascha Ring (aka Apparat) und Ellen Allien aber auch noch etwas geschafft, was vom elitären Kreis der Tekknonauten wahrscheinlich eher als negativer Meilenstein angesehen wird: sie haben es poppig werden lassen, ohne es zu Pop werden zu lassen (das gilt für das ganze zusammen aufgenommene Album “Orchestra Of Bubbles“), weshalb es auch für den ungeschulten Hörer Spaß macht. Und das ist auch verdammt wichtig.
14. Electric Feel – MGMT
Vergessen wir kurz alles, was wir über MGMT wissen. Es zählt nicht, nicht für Electric Feel. Ja, es hört sich an wie MGMT, ja, es hat den gleichen Kinderchor im Hintergrund. Aber es ist nicht MGMT. Es ist.. Es ist leiser. Ja, leiser. Gewollter. Melodischer. Wärmer. Energetischer. Wenn es nach mir ginge, dies wäre das die Hymne. Es wäre Electric Feel. Es ist der Acid Trip, der uns allen fehlt, es ist der Arschtritt, den wir uns seit den 69ern Wünschen und nie bekommen haben. Ah! Es macht mich völlig unglücklich, nicht meine Gefühle für diesen Song auf jeden einzelnen da draußen übertragen zu können, sagen zu können: hört es! Hört und versteht! Vergesst Kids, oder Time To Pretend, oder was weiß ich nicht! Hört Electric Feel, wenn ihr frei sein wollt! Aber, bei Gott, jeder hat da seinen eigenen Schaden…
13. What You Know – T.I.
Ich bin hier ein bisschen voreingenommen, weil T.I. einfach so gut aussieht, dass er auf einer Flöte “Danke für diesen guten Morgen” um 4 Uhr morgens vor meiner Haustür trällern könnte und ich ihn trotzdem in die Top 20 packen würde… aber mehr als das ist T.I. zumindest für What You Know mal aus seiner gewöhnlichen Durchschnitts-Pose herausgetreten und hat seine Freshness mit Technik und einem dröhnenden “YEEAH” ins Schaufenster gestellt. Mit nacktem Oberkörper, versteht sich. Er verliert an keiner Stelle seinen Flow oder die Kontroller über den Beat. Er sieht dabei übrigens umwerfend gut aus, habe ich das schon erwähnt? Es ist, wenn ich E! Online da mal zitieren darf, “Crunktacular”.

12. Sex On Fire – Kings Of Leon
Wo fange ich an, über diesen Song zu reden? Über die Fahrt nach Berlin im letzten Oktober, als ich hergezogen bin und ungefähr sechs Stunden Only By The Night im Auto rauf- und runterhörte, zum Leidwesen meiner damals besten Freundin? Oder fange ich an bei den Clubnächten im Frühjahr, und bei dem sturzbetrunkenem Gegröhle? Vielleicht lieber im Juni, beim sagenhaften o2 Konzert der Kings of Leon und der plötzlichen Ekstase von, ich weiß nicht, unendlich vielen Menschen? Ich überlege: vielleicht fange ich beim Ende an. Dabei, dass dieser Song immer noch Gänsehaut kassiert, dabei, dass ich Caleb Followill immer noch von seinem Leid entketten möchte, wenn er irgendwas von Sex und Feuer erzählt, und davon, dass wenn das die letzte Nacht ist, das ja auch nich so schlimm ist. Was schlimm ist, ist dass ich den Song immer noch mal hören will, wenn er vorbei ist… und das ich Angst habe, dass ich ihn irgendwann nicht mehr hören kann.
11. Ghost Trains (with Morgan Geist) – Erlend Øye
Erlend Øye. Kings Of Convenience. Whitest Boy Alive. So viel mehr. Ghost Trains- die kühle Atmosphäre einer Großstadt, die von Erlends Stimme wieder in eine wärmere Umgebung gerückt wird. Der Bass, der anfangs erklingt, der einen schon auf eine Art große Welle Futurismus-Synth-Pop mitreiten lässt… es ist eine Gefühlssache, dieses Ghost Trains, und ein bisschen auch eine Phantom meiner eigenen Erinnerungen.
10. Bloodstream – Stateless
Ich liste diesen Song hier zähneknirschend auf, weil es keiner verstehen wird, und mich das unglaublich ärgert. Es ist nicht so, dass ich nicht hinter dieser Entscheidung stehe, sondern weil es schwierig ist, einen vielleicht völlig unbekannten Song, der einen noch zu Abiturzeiten begleitet hat, nach einigen Jahren tatsächlich zu “erklären”, oder gar zu kommentieren. Was soll ich sagen? I try to put my finger on it. I think I might have inhaled you / I can feel you behind my eyes / You’ve gotten into my bloodstream / I can feel you flowing in me.

09. Miss Jackson – Outkast
Ich bin kein großer Outkast-Fan, nicht, weil ich das was die machen für schlecht halten– es bleibt einfach nur nicht in meinem Kopf hängen. Ich sehe ihre Innovationen und ihren überwältigenden Einfluss auf die Musik, aber wenn ein Song nicht stecken bleibt, dann finde ich es schwer mich an gute Stücke zu erinnern- weshalb B.O.B. und Hey Ya auch eben nicht hier stehen. Miss Jackson hingegen- oh, wie ich diesen Song liebe. Und wer könnte ihn auch nicht gut finden? “Stilistisch im Hip Hop einordbar, aber ungewöhnlich melodiös und stark instrumentiert für das Genre.” Daran liegt es wohl, dass mein Arbeitsmitbewohner sich beschwerte, als ich ihm ein Hip Hop Mixtape machte: Da ist ja gar kein Hip Hop drauf! Okay, okay. Whatever.
08. Maps – Yeah Yeah Yeahs
Schrill und bizarr sind die ersten Worte, die mir zu Maps eingefallen sind. Die Yeah Yeah Yeahs sind Opfer des Gesabbers von Art- und Pop-Magazinen und Hipster geworden, ein totales Konsumprodukt der (von mir) sogenannten Brooklyn-Brüderschaft der arroganten Musikliebhaber, aber ich habe es aufgegeben, mich zu wehren: Maps IST tatsächlich ein großartiger Song, einer der besten der vergangenen zehn Jahre, eben WEIL er schrill, bizarr und doch so einfach gestrickt ist. “Pack up, don’t stray…Wait/They don’t love you like I love you.” Ich will mir mein Herz aus der Brust reißen, so sehr berührt mich Karens sensible Stimme, es ist roher Post-Rock-Pop, den wir hier einfach so serviert bekommen, ohne etwas dafür zu tun. 2003 ist der Song erschienen. 2003! Sieben Jahre lang lass ich mich jetzt schon von den Yeah Yeah Yeahs seelisch quälen (auf die bestmögliche Weise vorstellbar), und ich glaube, es wird sich dank Maps auch in den nächsten 10 Jahre nicht viel daran ändern. Hoffentlich.

07. The Seed 2.0 (feat. Cody Chestnutt) – The Roots
Ich glaube, dass dieser Song die Hip Hop/Rock Fusion zu einer gewissen Vollendung gebracht hat. Es ist ein bisschen schizophren, dieses Jazz, dieses Rap, diese Drums, das kleine Mädchen im Video- äh. Eine sehr delikate und irgendwie auch neurotische Thematik macht The Seed zu mehr als nur einem tanzbaren Song (dieser Song ist extrem tanzbar, bitte zur Kenntnis nehmen). Ich weiß, dass insgesamt Phrenology als “gescheitert” bei den Hardcore-Fans angekommen ist; für mich war es das The Roots Album, dass mich gefangen hatte, so voller Liebe und Experimente, ohne dabei irgendwie gezwungen oder aufgesetzt zu werden. Hier ist also ein Song, der Vorbild für alles ist, was die bekloppten Black Eyed Peas gerne wären, ein Song, der Mutti, Vati, Omi und das kleine Emo-Scheisserchen zu Hause gleichermaßen faszinieren kann, ohne dabei auch nur einen Gramm seiner Street-Cred zu verlieren, und ohne als übertrieben “kommerz”, was auch immer das heute noch bedeuten mag, zu gelten. Für mich ist das der Inbegriff eines erfolgreichen Schritt in die absolut richtige Richtung.
06. Alive With The Glory Of Love – Say Anything
Das hier ist der Luxus-Emo meiner Generation, bestückt mit einer grandiosen Portion Ironie, gefestigt mit einer Story und angetrieben von Energie, purer, roher, Energie. Mehr als alles andere ist Alive With The Glory of Love einfach nur beschissen traurig, und wem könnte es entgehen, dass es sich hier um eine Situation aus dem zweiten Weltkrieg handelt, die er mit solch einer Inbrunst besingt? Es ist bittersüß, dass ich so viele Jahre, nachdem meine Haare nicht mehr blau sind, einem punkigem Song verfalle, der mich mehr als jeder andere bisher aufgeführte Song packt und wirklich destabilisiert. Jedes mögliche Symbol, dass mir für “Mut” einfällt, ist mit Alive With.. verkörpert. Es erinnert mich daran, welche Geschichte uns hier trägt und welche Probleme wir immer noch nicht gelöst haben. Es erinnert mich daran, was Liebe alles schafft, wenn sie nur ehrlich ist. Das macht es zu einem Aufruf, zu einem richtig großem Statement. Und in meiner kleinen Welt ist es jetzt auch eine Hymne. And when our city, vast and shitty, falls to the Axis, yeah / They’ll search the buildings, collect gold fillings, wallets, and rings…oh, yeah / But oh miss black eyeliner, you’d look finer with each day in hiding, oh yeah / Beneath the wormwood, ooooo, love me so good / They won’t hear us screw away the day
05. Fuck U – Archive
Auch mein ausgeprägter Hass für Internet-Speak kann mich nicht davon abhalten, Fuck U von Archive hier zu benennen. Im Prinzip ist Fuck U nichts weiter als die Ode an den Amoklauf. Ein Testament des Hasses, und der Wut. Es ist wohl kaum verwunderlich, dass ich in meiner Teenagerzeit (und was heute noch davon übrig geblieben ist) oftmals ziemlich wütend war. Ich hatte nie die Gelegenheit, diesen Song tatsächlich meinen Hassobjekten vorzuführen, sogar dafür bin ich zu passiv-aggressiv. Trotzdem gebe ich mich mit einer neurotischen Obsession den Worten meines Hass-Predigers hin und stelle mir in meinem Kopf vor, wie Menschen explodieren. Es ist die reinste Genugtuung. There’s a space kept in hell with your name on the seat / With a spike in the chair just to make it complete / When you look at yourself do you see what I see / If you do why the fuck are you looking at me?
04. Paper Planes (Diplo Street Remix ft. Bun B & Rich Boy) – M.I.A.
Ist es das The Clash Sample, sind es die Schüsse in der Hook, oder sind es Bun B und Rich Boy im Guest Drop, die M.I.A.’s Paper Planes so crazy catchy machen? Kollektives Achselzucken, ist aber auch nicht so wichtig. Über M.I.A.s Genie wurde schon oft genug diskutiert. Yop, Kala wäre auch meine Wahl gewesen für No. 1 (das habe ich irgendwo schon mal über ein anderes Album behauptet, aber ich hoffe einfach dass das hier sowieso zu lang ist, um jemals gelesen zu werden). Eine Frage habe ich noch: ist es ethisch vertretbar, zu diesem Song zu tanzen? Ich finde ja,dass das etwas geradezu Beleidigendes hat, wenn man zu kritischen Tracks eine Shakira abzieht. Nicht, dass ich das tun würde.
M.I.A. – Paper Planes (Diplo Street Remix)

03. Heartbeats – The Knife
Heartbeats ist so etwas wie die Madonna der letzten 10 Jahre, wenn es um diese neu erschaffene Retro-80s-Synth-Pop-New-Wave Sache geht. Nicht, weil Heartbeats der erste Track seiner Art war, sondern weil er diesen Genre-Spagat tatsächlich auch umgesetzt hat, ohne wie ein unüberlegtes Demostück zu wirken. Dass so ein monumentales Kunstwerk nicht ohne seinen Preis kommt (eine dysfunktionale Bruder-Schwester-Beziehung ist nicht weit entfernt, wenn man von den ganzen psychosexuellen Anspielungen mal Rückschlüsse ziehen darf), ist ohnehin klar; aber kranke Trullas und Typen sind ja bekanntlich freier in ihrer Kunst als andere, weshalb ich gerne Karin Dreijer jetzt auf eine Runde Rorschach einlade, wenn sie nur so weitermacht wie bisher.
02. Lay Around – The Jealous Girlfriends
I was standing on the deck / in the rain listening to jazz / Smoking a reefer cigarette / and I swear I swear / I didn’t think of you once
Es ist verdammt schwierig, den Übergang von Teenager zum Erwachsen werden bewusst zu erleben, wenn nicht sogar bewusst herbei zu führen. Die meisten fühlen sich aus Prinzip verpflichtet, sich so lange wie möglich an ihrer Jugend festzuhalten. Lay Around deckt den anderen Teil ab: was ist, wenn man sich einfacha in diesem Strom treiben lässt, ohne darüber nachzudenken? Was ist, wenn man wirklich einmal mit einem Joint im Regen steht, um Mitternacht, und sich dazu zwingt, nicht an diese Person zu denken? Und bitte, ich weiß nicht, wie es vor zwanzig Jahren mal war. Ich bin nicht alt genug. Ich weiß nur das, was ich erlebt habe, was ich selber sehe: und ja, verdammt, das sehe ich jeden Tag in meiner Generation. Dieses treiben-lassen-wird-schon. Dieses Kein-Plan-Von-Nix und trotzdem irgendwie gut dabei. Das sind alle Sarah Kuttners, das sind alle kleine Hedonistenschweine, das sind alles linke Typen, die wie Hippies leben möchten, die Peter Pan sein möchten, die Typen sind der Grund für die Einführung von Langzeitstudiengebühren. Wir wollen nicht alt werden. Wir wissen auch gar nicht, wie das geht. “I think I’m trying to capture a moment / I think my whole life I’ve been trying to capture that moment” / He said “one thing you can be sure of / is that you never will”
The Jealous Girlfriends – Lay Around

01. Float On – Modest Mouse
Vielleicht ist meine Wahl etwas berechenbar, wenn man sich mal anguckt, was hierher führte (und was gefehlt hat). Wieso Float On? Weil es mich beruhigt. “And we’ll all float on okay”, und ist es nicht genau das, was wir alle hören wollen? Das Medium – Alt-Bro-Eccentric-Indie-Music- ist so schön zugänglich für die Kids da draußen, die keinen Job haben, die keine Ahnung haben, die nicht wissen, wohin mit sich selbst: “And we’ll all float on alright / Don’t worry even if things end up a bit too heavy / We’ll all float on alright“. Und wem da nicht die Tränen kommen, bei so viel Naivität, bei so viel Leben und bei so viel Hoffnung, der hat vielleicht ein Problem dabei, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten…

Erstaunlich! Man nehme einen Sack voll Lieder und 10 Jahre und die Liste wäre ein Großteil von dem was ich heute noch hören würde.
Spiegelt viel von meiner Musik Odyssee wieder.
Aber eine Band vermisse ich! Umso mehr nach dem ich unten angekommen bin, du hast nirgends Franz Ferdinand rein geschummelt?
KOMPLIMENT & REPEKT !!! GEILER BEITRAG !!!!! WEITER SO !!!!
PS: sogar Euere SPAM Filter is hamma:
Spam Sicherung: Berechnen Sie die Summe aus 7 + 10 ?
Ich hab am 07.10. Geburtstag -> wie habt Ihr das gemacht ???