I AMsterdam: Fotobuch

Vor kurzem habe ich ein FUJIFILM Fotobuch bestellt, um die Bilder aus meinem Amsterdam Urlaub vom letzten Monat mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe zwar keine Digitalkamera, weil ich irgendwann wieder auf Analog umgestiegen bin, um GENAU dieses Problem (“was mache ich jetzt eigentlich mit den ganzen virtuellen Bildern, ich will die mir doch an die Wand kleben können!”) zu beheben, aber meine Freunde hatten nichts besseres zu tun, als ständig irgendwelche Schnappschüsse zu machen.

Und ja, ich sehe auf jedem Bild verdammt noch mal fett aus.

iamsterdam fotos

(Die Qualität des obigen Bildes bestätigt wieder, wie dringend ich eine Digitalkamera brauche und wie beschissen meine Webcam ist.)

Das ist aber nicht die Schuld vom Fotobuch, was gestern endlich dann ankam. Es ist extrem nice geworden. Liebevoll eingebunden und natürlich mit meiner Kreativität gesegnet, wird es ab sofort auf meinem Nachttisch rumliegen, als hätte ich es dort vergessen (tatsächlich soll jeder, der in mein Zimmer kommt, einfach sofort den Blick darauf richten, während ich cool mit den Achseln zucke, meine Sonnenbrille aufsetze und sage: Yeah, man, Fotobuch, hat doch jeder und so..).

Generell mal zum Ablauf: Das mit der Software ist ziemlich easy. Die ist nicht nur für die Fotobücher da, es gehen auch Poster und ganz einfache Bilderentwicklung. Aber hey, Fotobuch. Nach dem Download der Software sucht man sich erstmal aus, welches Format das Teil am Ende denn haben soll. Panorama ist nicht so langweilig wie Hochkant und Standard, und 24 Seiten kann man sich ja leisten, also war’s bei mir das. Danach geht es in das UI für die Buchbearbeitung, die meiner Meinung nach etwas schlanker sein könnte. Aber immerhin ist mir die Software nicht die ganze Zeit abgestürzt, wie es mir bei einem anderen Fotobuchanbieter ständig passiert ist…

FUJIFILM Software

Es ist sehr intuitiv gehalten, ähnlich dem Windows Explorer- links Auswahl zwischen verschiedenen Gestaltungspunkten und einem Browser für Dateien, rechts dann das Bildbearbeitungsfenster. Apropos Bildbearbeitung: gibt’s auch in das Tool integriert, falls man mal schnell was machen will. Die Ergebnisse sind in Photoshop aber definitiv besser.

Der Umgang mit der Software war also ganz ok- wie gesagt, ein bisschen überladen mit kitschigem Zeug, das maximal Oma Traude benutzen würde, aber man kann halt nicht jeden glücklich machen. Generell sollte es von jeder Software auf dem Markt eine “Light”-Version geben, damit ich mir nicht immer vor Frust die Faust in den Mund stecken muss. iTunes, I’m looking at you right now.

Man kann natürlich auch komplett das Tool die Anordnung übernehmen lassen, aber dann kann man auch genauso gut einem dreijährigen ein leeres Fotoalbum und ein bisschen Kleber in die Hand geben und darauf warten, dass das nächste große Kunstwerk entsteht. Ja, es funktioniert. Aber das war auch das Maximum der Gefühle.

Nun ist das Buch also angekommen: es ist wirklich stabil und die Qualität der Fotos genau so gut wie On-Screen. Schade ist nur, dass im Schnitt an den Rändern einige Fehler entstanden sind, die wohl mit meinem Software-Umgang zusammenhängen. Die Lieferzeit war auch in Ordnung, aber es waren definitiv mehr als sieben Tage, die vorbeigezogen sind.

(Ich hatte vorhin die wahnsinnige Idee, mal das Buch per Video vorzustellen. Aber im letzten Moment konnte ich mich besinnen, das Video werde ich nicht posten. Das würde meine Karriere als Rockstar gefährden. Für eine Digicam überlege ich es mir aber sogar nochmal.)

Alles in allem: sehr awesome! Ich denke, ich werde genau dieses Buch (mit einigen Korrekturen) noch einmal nachbestellen und dann an die Person verschenken, die die Fotos gemacht hat, die ich benutzt habe. Ja, ich weiß, Copyright und so, aber egal, ich bin ja Pirat.

So, und weil ich diesen Produkttest als Onlinebotschafter machen durfte, gibt es für alle, die Interesse haben, auch einen Gutschein á 10 € zu verschenken. Zehn gibt’s, wer sich also zuerst in den Kommentaren oder per Twitter meldet, kann einen abgreifen.

United Lamer Kids

Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen. Alt werden, zum Beispiel. Da kleben noch so viele Erinnerungen an verbappten Nintendo-Controllern, zwischen vergilbten Schulheften und in Mamas alten Fotoalben: ich wüsste nicht schon nach zwanzig Jahren nicht mehr, wo ich mit meiner Geschichte eigentlich anfangen müsste.

Scheisse, wir waren damals Badass. Wir waren zwar nur kleine Kids, aber wir wussten, wie man in Bäumen rumturnt und aus Pappmaché nutzloses Zeug bastelten. Und jetzt ist das alles vorbei, für ein bisschen Kohle und Sicherheit, die wir nie gebraucht haben. Jetzt bin ich ein Lamer, ein Niemand. Jemand den niemand kennt, jemand, der nichts mehr ansagt. Als Kind war das ganz anders. Als Teenager hatte ich meine Crew. Und als Erwachsene? Da habe ich ein Lamer-Leben.

Will ich schon wieder in der Vergangenheit rumpulen? Will ich schon wieder erwähnen, dass ich die tollen Fußballstars vermisse, und dass ich will, dass meine Mama nachts in mein Zimmer kommt, um mir nochmal einen Kuss auf die Stirn zu geben? Will ich schon wieder Dinge aufzählen, die mich in eine andere Zeit katapultieren? Näh, echt nicht. Das werden wir noch in unzähligen anderen Postings abhandeln. Ich liege morgens um vier im Bett – seit drei Stunden – weil ich es auf eine der angesagtesten Partys in Berlin nicht länger als fünfundvierzig Minuten ausgehalten habe, und lese mir Nachrichten durch und schaue mir jahrzehnte alte Musikvideos an. Man, ich habe als Teenager so ziemlich jede Phase der Rebellion durchlebt. Ich finde, bis zur nächsten Midlife Crisis habe ich mir eine Pause verdient.

Die Hipster gehen tanzen, und ich chill zu Hause, mit meinem Kopf, einem Zettel und einem Bleistift, und hier bastel ich mir meine eigene Party zusammen. Ich chill hier, weil ich als Säugling fett war und ausgesehen habe wie Wolfgang Petry. Das hat mir beigebracht, einfach die besten Partys zu feiern ((Kausalitäten werden an dieser Stelle außer Acht gelassen)). Ich schlaf gleich ein, während andere gerade den neuen Trend kreieren, den ich in 3-4 Monaten dann für mich entdecke. Ich habe mir die Fingernägel rot lackiert, weil ich es tatsächlich gut finde, und ich habe mich dazu entschlossen, morgen mal einen Putztag einzuräumen, obwohl ein echt guter Rave stattfindet. Ich habe ausgedient, und das mit Recht.

Ich bin ein Lamer, weil ich als Kind ein Badass war.
badass kids

43 Dinge: Back to the Future

Was muss man eigentlich tun, um sich wieder wie ein kleines Kind zu fühlen? Nach dem ganzen Arbeitsstress, der Verantwortung, den unnötigen Dates, den anstrengenden philosophischen Diskussionen– manchmal will man einfach die Zeit zurückdrehen. Und während andere eine Liste von Dingen zusammenstellen, die sie unbedingt vor ihrem Tod noch erleben wollen, stelle ich eine Liste zusammen, die es mir erlaubt, wieder dahin zurückzukehren, wo alles irgendwie noch in Ordnung war.

Kids

  1. Kaffee mit Kakao ersetzen. Kakao mit ganz viel Pulver, so viel, dass es sich kaum noch in der Milch auflöst.
  2. Samstag morgens Cornflakes essen und HeMan gucken. Und Saber Rider.
  3. Länger wach bleiben als man eigentlich darf.
  4. Schneeengel formen.
  5. Mit nackten Füßen durch nasses Gras laufen.
  6. Auf einen Kirschbaum klettern und kleine Mädchen mit Kirschkernen abwerfen.
  7. Vor dem Spiegel zu Popmusik tanzen und dabei in die Haarbürste singen.
  8. Einen Lieblingssong wieder und wieder laut abspielen.
  9. Alle Bücher verstauben lassen und Comics lesen.
  10. Einen Witz ohne Pointe erzählen.
  11. Spielregeln für Monopoly so ändern, dass man auf jeden Fall am Ende gewinnt.
  12. Mit wahllosen Dingen, wie etwa Stifte oder Pappschachteln, Familie spielen.
  13. Die Ritze im Bürgersteig vorsichtig überspringen.
  14. Sich extra Klamotten zum Toben anziehen.
  15. Erstmal ein bisschen nörgeln und dann Mittagsschlaf halten.
  16. Sich Strohhalme in die Nasenlöcher stecken.
  17. Milchshakes trinken.
  18. Ein schönes Märchen vorlesen lassen.
  19. Seifenblasen pusten.
  20. Nachtisch vor der Mahlzeit essen.
  21. Nachts in die Küche schleichen und da Eis aus dem Kühlfach naschen.
  22. Lieblings TShirt mit Lieblingshose anziehen, auch wenn die nicht zusammenpassen.
  23. Klettverschluss Schuhe tragen.
  24. Schöne Steine finden und aufheben.
  25. Jemanden mit Süßigkeiten für ein Spielzeug bestechen.
  26. Dem Hund das Gemüse geben.
  27. Geschichten ausdenken und Leuten erzählen.
  28. Versuchen, eine neue Farbe zu erfinden.
  29. Viel zu viel Zucker in den Tee schütten und es gut finden.
  30. Sich vor dem Schlafengehen weigern die Zähne zu putzen.
  31. Im Einkaufswagen sitzen (beim Einkaufen).
  32. Die ganze Zeit grundlos kichern.
  33. Sich mit den Geschwistern prügeln.
  34. Huckepack tragen lassen, wenn man zu müde ist um zu laufen.
  35. Im Auto einschlafen, auch wenn die Fahrt weniger als 10 Minuten dauert.
  36. Eine Junior Tüte bestellen und sich weigern, ein doofes Spielzeug zu nehmen.
  37. Offensichtlich in der Nase popeln.
  38. Im Sand spielen.
  39. Mit viel Anlauf über eine große Pfütze springen.
  40. Seinen Lieblingsfilm gucken und dabei mitsprechen können.
  41. Die Eltern fragen, wo man eigentlich her kommt.
  42. Blubberblasen mit dem Strohhalm machen.
  43. Räder schlagen.

Sinead’s Hand

Hm, ich bin ja kein besonders politischer Mensch. Das mit den Piraten ist ja mehr ein Trend, sozusagen eine Proteststimme meinerseits, als tatsächliches Interesse an der Politik, und letztendlich hat es bei mir nur dann etwas mit Leidenschaft zu tun, wenn es persönlich wird.

Sineads Hand

Daher bin ich immer sehr zurückhaltend, was Kommentare zu Parteien, Politik und so weiter angeht (mal abgesehen davon, dass meine Kommentare wenig hilfreich wären). Eben habe ich allerdings ein Video gesehen, dass es definitiv wert ist, mal ein Wort zu verlieren – vor allem, weil es einen durchaus zum nachdenken anregt. Das Video wurde in Irland gedreht und soll für die Rechte Homosexueller einstehen. Ich möchte es so ausdrücken: wenn Werbespots so gut wären, würde ich definitiv häufiger auch fernsehen. Und hier die politische Frage:  Wieso müssen Homosexuelle immer noch protestieren, für ihre Recht betteln?

Seitdem ich in Berlin wohne, bin ich mit vielen Leuten zusammen, die eine völlig andere Weltansicht haben als ich. Ich dachte früher, nur die letzten Dinosaurierer in Deutschland würden noch CDU oder SPD wählen, in die Kirche gehen und “sich nicht für Musik interessieren”. Ausgerechnet in Berlin, dem hedonistischen Gefilde der Seligen,  musste ich dann kapitulieren. Junge Menschen, gebildete Menschen, mit Verstand, Herz und Charme– das können Leute sein, die den Download von urheberrechtlich geschützten Dateien für Diebstahl halten, oder die einfach mit den Achseln zucken, wenn es um Atomkraft geht. Das sind Leute, die wissen nicht, was Blogs sind und keinen Lieblingsfilm haben. ICH MEINE, WIE KANN MAN KEINEN LIEBLINGSFILM HABEN?

Ja, für die meisten mag das jetzt keine Überraschung sein, jeder hatte schon mal das Vergnügen mit dem opportunistischen Streber in der Oberstufe, der in seiner Freizeit Junge Union Sticker verteilte. Damals dachte man, dass seine Eltern ganz schön kaputt gewesen sind. Ich meine, wem macht schon Politik Spaß? Natürlich wurde der dazu gezwungen, der Klaus! Und Klaus hat einfach bestimmt noch nie Zucker gegessen oder ein Schmuddelmagazin in der Hand gehalten.

Ich will das ja gar nicht verurteilen, auch wenn sich das in erster Linie so anhört. Am Anfang war das, wie schon erwähnt, einfach neu, nicht nur mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Sei es aus beruflichen Gründen oder einfach, weil man sich selbst auch ein bisschen ändert und aufhört, mit dem Kopf im Arsch die Welt zu betrachten. Also, keine Kritik. Im Gegenteil: diese Begegnungen haben mich in meinem eigenen Horizont bereichert. Ich kann nur hoffen, dass diese Begegnungen (mit mir) auch in irgendeiner Form bereichernd war, selbst wenn die meisten jetzt nur glauben, dass meine Frisur noch schlimmer ist als die von Wolle Petry.

Doch genau so ist es, wenn man sich sein Leben lang fragt, wer eigentlich diese drei Millionen Leute sind, die angeblich jeden Tag die Bild Zeitung lesen. Sind das alles Typen ohne Schulabschluss und Vokuhila? Sind wir/bin ich wirklich schon so verblendet in meiner eigenen Arroganz, dass ich in die gleichen Fallen tappe, die ich so großmäulig kritisiere?

Es ist gefährlich, Menschen den Maßstab anzulegen, den man für sich selbst in langer Arbeit erschaffen hat (und meistens merkt man gar nicht, wie hoch die Fluktuation der eigenen Prinzipien ist). Es ist vor allem dann gefährlich, wenn man nicht sieht, das man auf weiter Flur alleine da ist mit seiner Meinung, weil man ganz fest daran glaubt, dass man eines Tages diese ganzen Zurückgebliebenen ausrotten kann. Und schon wird das “irgendwann” zum “heute”, und die Bild Zeitung in den Händen der Menschen verschwindet aus dem Blickfeld und man sieht nur noch Gleichgesinnte, die das “doch einfach verstehen müssen“.

Freunde kann man sich aussuchen, Gesellschaftsformen, Maßstäbe von Moral und Normen allerdings nicht. Wer das versucht, erschafft sein eigenes Loch. Es hilft genauso wenig, Menschen neue und revolutionäre Technologien und Philosophien aufzudrücken, wie den Iraq einzunehmen und da Demokratie zu pflanzen, wo der Boden noch gar nicht vorbereitet ist.

Es frustriert mich, ja! Es frustriert mich, mit Menschen über Dinge zu diskutieren, nur um dann festzustellen, dass jegliche Logik einfach ausgesiebt und durch wertlose Meinungen und Überzeugungsarbeit ersetzt wird. Es bedrückt mich, weil ich weiß, es wird noch so lange Dauern, bis Homosexuelle gleiche Rechte haben und bis jeder gerafft hat, dass man alte Methoden zur Unterdrückung von Kriminalität nicht in heutigen Zeiten anwenden kann; aber ich will nicht die andere Partei unterschätzen. Und vor allem will ich nicht als letzte Wissen, wenn ich doch einen Denkfehler gemacht habe.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Jeder Mensch muss fünf Wochen damit verbringen, jeden Tag einem anderen Menschen zuzuhören, und zwar mindestens 50% des Tages. Vielleicht gibt es dann einige weniger, die sich mit Menschenbildern das Leben ausmalen.