Jonathan Jeremiah

Veröffentlicht November 30, 2009

Kann sein, dass es an der derzeitigen Jahreszeit liegt, aber zunehmend suche ich nach geschmeidigen Sachen, wobei mir Mayer Hawthorne den Einstieg in den Herbst schon erheblich erleichtert hat. Durch einen Freund wurde ich heute auf Jonathan Jeremiah aufmerksam (siehe auch die wirklich nette Website). Und da kann ich nur von Dankbarkeit sprechen.

jonathanjeremiah (1)

Dieses Jahr war irgendwie ein gutes Jahr für smoothe Besänftigungsmusik – Broken Beats. Und Jonathan Jeremiah, dessen ersten beiden EPs bei Island Records erschienen (ehemaliges Independent-Label aus Jamaika, das unter anderem auch Bob Marley hochzog), trifft diesen ganz besonderen Nerv. Vor allem der großartige Song „Happiness“, der vor kurzem als EP erschienen ist, klingt wie eine bittersüße Hommage, wie ein Liebesbrief an die geschmeidige Seite des 70er-Jahre-Radio-Pops. Empfehlenswert sind in dem Zusammenhang auch die Remixes des Tracks (Quite Village Remix & Morgan Geist’s Port Authority Remix). Großer Stoff.

Auf die erste LP, das Debut, warte ich jedenfalls gespannt. Klingt auf jeden Fall nach wirklich geilem Scheiß. Und auch wenn der Dude aussieht wie Jesus, tut es! Hört es euch an!

Ein bisschen beneide ich ja schon die Leute, die das Glück hatten ihn dieses Jahr auf dem Haldern Pop zu sehen. Bängeräng.

 
 

Da ich momentan nikotinfrei lebe, durchlaufe ich die verschiedensten Stufen der Vorhölle, zu denen auch Alpträume gehören. Manchmal können selbst die besten Chancen zu einem Inferno aus Schmerz, Tränen, Hölle und Florian Silbereisen mutieren. Es gibt exemplarisch Situationen im Leben eines Mannes, da kommt es darauf an, Eier zu zeigen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Beispiel wenn Platz 2 auf der Liste der Jackpots Realität wird: Zwei Frauen kommen sich in Anwesenheit eines Mannes näher, so richtig mit nackt und so. Dass es aber nicht einfach ist Platz 1 der Jackpot-Liste in die Tat umzusetzen, soll in diesem Zusammenhang folgende wahre Geschichte aus meinem jämmerlichen Leben erklären.

tumblr_ktbcpqg1Up1qz89yro1_500(via Pasqualle)

Es war ein verdammt warmer Juni-Abend im Jahr 2006, als ich Besuch von einer äußerst attraktiven guten Freundin aus Bayern bekam. Fünf Jahre kannten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon. Sie selbst würde sich als eine bisexuelle Frau mit Tendenz zur lesbischen Liebe beschreiben. Als wir uns kennen lernten, hatte sie gerade eine heterosexuelle Phase und es knisterte zwischen uns. Leider war ich 2001 erst blutjunge 17 Jahre alt und sie 22. Das war eine Nummer zu groß für mich und meinen Penis. Mutti hatte noch zu 70 Prozent die Fuchtel über B und das war nur zu zwei Prozent cool für sie. Wir beschlossen gute Freunde zu bleiben und wurden quasi seelenverwandt.

Zurück zum Juni-Abend 2006.

Damals studierte ich noch in Jena. Und da in dieser Stadt auch eine gute Freundin von ihr wohnte, wollte sie mit ihrem Besuch gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Wir trafen uns alle. Die Bekannte meiner guten Freundin brachte noch eine unbekannte gut aussehende Schwarzhaarige mit. Und die war eine Lesbe. Zu 110 Prozent. Sie hat mich zur Begrüßung angespuckt, was ich unter dem Gesamtumstand äußert gut fand. Aber: Wir verstanden uns an dem Abend alle Bombe, tranken Alkohol, aßen Curry-Hühnchen mit Couscous und quatschten bis in die Nacht. Zwischen meiner Bekannten und der Schwarzhaarigen funkte es bereits beim Kochen. Also dachte ich, mach einfach heimlich mehr Curry und Chili ins Essen, soll ja die Libido tunen, wie man munkelt. Seltsam, wie das Männergehirn aussetzen kann, wenn es um lesbische Liebe geht.

Dann saßen sie auf meiner Couch nebeneinander und flirteten. Ich goss nach. Immer wieder. Aber nichts passierte. Das ist so typisch. Man denkt als heterosexueller Mann in einsamen Momenten solche Situationen immer wieder durch. Aber wenn dieser mehr als unwahrscheinliche Fall dann real wird, steht man ohne richtigen Plan da. Das einzige wozu man fähig ist, ist Nachzugießen und das Essen stärker zu würzen. Ich meine, irgendwo muss man ja subtil bleiben. Wenn sich Frauen näher kommen, dann ist das so als würde man im Wald ein Reh treffen. Rehe kann man zwar nicht wirklich abfüllen oder deren Nahrung stärker würzen, aber sie haben eine Gemeinsamkeit mit Frauen, die sich näher kommen: sie sind scheu. Nur eine falsche Bewegung, ein Mucks und sie hauen rein. Das wollte ich mir nicht durch die Lappen gehen lassen.

Die Stunden vergingen, die Anspielungen zwischen den beiden Damen wechselten das Ufer: Zweideutiges wurde Eindeutiges. Aber mehr passierte nicht. Uncool, langweilig. Ich wurde schwer betrunken müde. Die Freundin meiner Bekannten ging. Die Schwarzhaarige blieb. In meinem Kopf kippte ein Glas Milch um, ebenso ein Sack Reis irgendwo in China. Deprimiert beschloss ich meinen Plan abzubrechen. Also legte ich den größten Abturner aller Zeiten in den DVD-Player: Ken Park von Larry Clark.

Am Fußende meines Bettes lag noch eine große Matratze, auf der es sich die lahmsten Lesben der Menschheitsgeschichte bequem machten und den Film sahen. Ich lag betrunken und enttäuscht in meinem Bett und schlief ein. Ich hatte nicht das Bedürfnis im Fernseher einen Typen zu beobachten, der sich beim Wichsen mit einer Sportsocke stranguliert und sich an Frauentennis aufgeilt. Auch wenn das mein Leben auf den Punkt gebracht hätte. In dieser Situation.

Nicht viel später wurde ich durch Geräusche vor meinem Bett wieder wach. Stöhnen und Schmatzen. Ich Vollarsch hatte mich beim Einschlafen natürlich so beschissen positioniert, dass ich rein gar nichts sehen konnte. Ich lag auf der Seite und schaute mir die langweiligste Wand aller Zeiten an, unter meinem Körper mein eingeschlafener Arm. So muss sich der gute Moritz Bleibtreu in Lola rennt gefühlt haben, als er den Koffer voller Cash in der U-Bahn verpeilt und seine 100 000 DM wegfahren sieht. Mir war nach Heulen und Freuen gleichzeitig zumute: Freulen.

Ich dachte:

Was machst du jetzt? Ich meine, du kannst dich nicht rühren, die hören dann sicher erschrocken auf… und machen Hau Reinski. Oder vielleicht auch nicht… die treiben es gleich vor deinem Bett und wissen, dass du nur einen Meter weiter liegst. Die wollen doch, dass ich das mitbekomme. Miststücke. Okay… okay… bleib gaaaaaaanz ruhig, versuche dich so zu drehen, dass du quasi keinen Mucks dabei machst… ach scheiße, dass schaffst du niemals, du bist viel zu aufgeregt und wie sieht das dann aus, wenn sie dich dabei erwischen in eine Spanner-Position zu kommen. Wenn du zu langsam bist, dann kriegst du das beste auch nicht mehr mit… Scheiße… sie hat MACH DA WEITER gestöhnt… mach was, B, nimm irgendwas aus deinem Repertoire, nur mach was, du dämlicher Loser. Kacke… an meinen Puller komme ich auch nicht ran… VERFLUCHT, ICH KÖNNTE MIR IN DEN ARSCH TRETEN… boah, wäre das jetzt deluxe, wenn jetzt einfach das Licht angehen und der Song MOVING IN STEREO von THE CARS im Hintergrund einsetzen würde… Ob ich einfach aufstehen und was ganz Schmieriges sagen sollte? Vielleicht lassen sie dich ja mitmachen… OOOOOOAR… das wäre geil… 5, 4, 3, 2, 1………… FEIGLING, DU GOTTVERDAMMTER FEIGLING… Ich hasse dich.

Zehn Minuten später war dann alles vorbei. Ich versuchte noch das Beste aus diesem verlorenen Moment zu machen und rieb meine Leistengegend still und leise am Spannlaken, aber da der Knopf meiner Schlafbuxe zwickte, war auch das nur bedingt angenehm. Offensichtlich hat das Schicksal es mir besorgen wollen. Ich hätte genauso gut in das Büro des Schicksals gehen, mir die Hose runterziehen, mich über den Schreibtisch beugen, mit gespreizten Beinen die Pobacken auseinander ziehen und sagen können: „Bitteschön, liebes Schicksal, steck ihn mir schön tief rein“. Ich kämpfte noch kurz mit den Tränen, der Wut, dem Halbsteifen. Es war vorbei… einfach vorbei.

Was wäre passiert, wenn ich da hätte mitmachen dürfen? Vermutlich wäre ich zwischen ihren Brüsten/Beinen wimmernd und zuckend zusammengebrochen und wäre drei Tage lang bewusstlos geblieben. Hirnschlag, Penisinfarkt, oder so.

Es war die schlimmste halbe Stunde meines Lebens. So zermürbend. Ich war so nah dran. In solchen Momenten zeigt sich, was man wirklich von sich halten kann. Das war ein ganz armes Zeugnis, dass ich mir am nächsten Morgen beim Frühstücken ausstellen musste. Was habe ich daraus gelernt? Ich habe gelernt, dass im Leben eines Mannes 30 Minuten Jackpot existieren. Wenn man die nicht nutzt, dann hat man das Leben nicht verdient.

Mein Penis bestrafte mich mit zwei Monaten erektiler Dysfunktion. Hatte ich verdient. Wenn ich mein Penis gewesen wäre, hätte ich zehn Jahre daraus gemacht.

An diesem verpassten Hauptgewinn knabbere ich noch heute. Nur das Weinen hat aufgehört.

 
 

Mayer Hawthorne in Berlin

Veröffentlicht November 28, 2009

S liegt mit Tanga in Spanien in der Sonne, trinkt aus Eimern Sangria und knallt betrunkene Briten. Und ich war vor einer Woche da, wo man vor einer Woche auch hätte sein müssen: in Berlin beim Mayer-Hawthorne-Konzert. Und weil man bei seiner Musik prinzipiell erstmal eine Errektion bekommt bzw. feucht wird, dachte ich, es wäre nur passend, wenn ich mir gut aussehende Menschen suche, die schick anziehe und mich auch, und da einfach hingehe. Am 17. Dezember werde ich zwar schwer bei Rammstein im Velodrom ausrasten, aber ich kann jetzt schon sagen: Mayer Hawthorne – musikalisch mit das Beste, was mir 2009 live passiert ist.

mayerhawthorne(Foto via SF Music Blog)

Da stand ich dann also vor dem Bohannon, in einer Schlange, die bis zum Hackeschen Markt reicht, gefühlt bis Hannover. An der Seite Freunde und Miniheldin. Hunderte von Menschen in Stoffhosen, Kleidern, mit Fliegen, Westen, Krawatten, Hemden, Hüten, Schweißbändern und so. Wäre nur alles ohne Farbe gewesen: 20er Jahr und alle hübsch.

Im Bohannon mindestens 35 bis 40 Grad. Dicht gedrängt aneinander. Langes Warten und R’n'B-Musik. Aber nicht die Scheiße, bei der die Kragen der Polohemden hochgeklappt werden und Genitalien nach vorne gestreckt werden, damit Bitches ihre Ärsche daran reiben können, nein, richtigen Rythm and Blues, der aus dem in der weißen Version früher der Rock’n'Roll entstand. Vom allerfeinsten. Mein Herz ist auf Electro geeicht, das habe ich an dem Abend festgestellt. Es war also mal eine kleine Offenbarung, dass dem auch entgegengewirkt werden kann.

Dann mit großer Verspätung: Die Band betritt die Bühne. Alle haben Augenringe und sehen verflucht gut gekleidet und cool aus. Augenhöhe mit dem Publikum. Mayer Hawthorne geht ans Mic. Der Saal kocht. Alle sehen verschwitzt aber immer noch verflucht gut aus. Erster Track: Bewegung, geschlossene Augen und Herzklopfen. Alle wissen, wieso sie heute hier sind.

Es folgt „Maybe So Maybe No“, absoluter Burner, uralt-Cover von The New Holidays. Niemand kann seine Erektion zurückhalten, ich weiß es (Achtung: absolutes Killer-Video):

Knapp anderthalb Stunden später sind 80 Grad im Bohannon, alle haben mindestens zwei Liter Wasser über die Poritze ausgeschwitzt, viele Glückshormone schwingen durch den Club, viele Erektionen klingen ab. Es war großartig.

Absoluter Newcomer deluxe: Mayer Hawthorne. Du coole Sau, du. Und im Übrigen kann ich nur sagen, dass sein Debutalbum “A Strange Arrangement” wirklich allererste Sahne ist.

 
 

Chicken Techno

Veröffentlicht November 27, 2009

Nach einem entzückenden Tegan & Sara Konzert (Entschuldigung, wenn jetzt alle Mädels, die andere Mädels mögen, so zuckersüß sind, dann überleg ich mir das nochmal) und einer halb-durchzechten Nacht (weil Wäsche machen, aufhängen und Sachen packen) geht’s bald ab für mich nach Madrid, wo es auch nicht viel wärmer ist als hier. Tja, Pech.

Das Review zum Konzert gibt es in den nächsten Wochen, weil ich es aber nicht sein lassen kann, gibt es zum Abschied noch ein bisschen Chicken Techno. Ja, Chicken Techno.

Bäm. via Reddit

 
 

Skywalker Sneakers

Veröffentlicht November 26, 2009

Ich hasse adidas ohne besonderen Grund. Aber wenn die diese adidas: originals Kollektion auf den Markt bringen, uh baby, dann werde ich zum größten Fangirl aller Zeiten. 2010 fängt ja schon mal gut an.

Adidas Star Wars Collection: Yoda

Adidas Star Wars Collection: Skywalker

Adidas Star Wars Collection: Stormtrooper

Adidas Star Wars Collection: Darth Vader

Adidas Star Wars Collection

Adidas Darth Vader Hoodie

In addition to the Stormtrooper sneakers, adidas Originals is also adding Vader-themed sneakers, sweet Skywalker-themed sneakers, Yoda-themed sneakers and a totally retro sparkly silver lightsaber battle/Han Solo vibe’d pair of sneakers for those who have no problem saying “F*ck it — this is what I’m wearing, this is what I love.”

via Cinematical

Übrigens bin ich ab Freitag erstmal in Madrid für einen Kurzurlaub, der mehr Stress als Spaß verspricht (ich weiß, dass wir einen Flug haben, und hier hört es auch schon auf). Ab Dienstag oder Mittwoch geht es dann hier seinen gewohnten Gang, bis dahin spielt B. die erste Geige (hoffe ich).

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Best Friends. Forever.

Veröffentlicht November 24, 2009

Ich habe mich von meiner besten Freundin getrennt. Yop. Regelrecht: getrennt. Wieso? Weil 500 Kilometer und konsequente Belastung wie eine explosives Gemisch sind. Sicher, eigentlich könnte man sich einfach ignorieren, anstatt die Seile so zu kappen; aber dann tut es trotzdem noch weh. Also ist jetzt Schluss, und zwar genau mit diesen Worten.

Best Friends Forever

Drei Jahre lang war sie Nummer 1 für mich. Ich stellte letztens fest, dass ich ihre Nummer 38 bin, Tendenz nach unten. Erinnert jetzt tatsächlich ein bisschen an die vorletzte Folge Gossip Girl- aber oh so glaubt mir doch. Ich habe (bildlich) meine Sachen gepackt, bin in meinen Mustang gestiegen, habe dem Himmel einen Fickfinger entgegengeschleudert und fuhr mit Arsch aus dem Fenster gen Sonnenuntergang am Wüstenhorizont.

Band of Skulls – Friends

Not really.

Denn dann kam die Einsamkeit, und die Panik: Oh Gott, was mache ich jetzt? Versteht ihr, eine beste Freundin kann man nicht ersetzen. Erst recht nicht, wenn man im Arbeitsleben steckt (das fast ausschließlich aus Typen besteht). Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich ja nicht irgendeine beste Freundin will.

Ich will eine, die genauso war wie meine alte beste Freundin. Eine, die mich keuchend vor Lachen anruft und erzählt, dass sie gerade von ihrem eigenen Furz würgen musste. Eine, die Gänsehaut vor Fremdschämen bekommt, wenn sie sich Talkshows anguckt. Eine, die am liebsten den ganzen Tag zu Hause schimmelt und gute Filme guckt. Eine, die sechs Stunden im Club Spastis beim Tanzen nachmacht. Eine, die so ein Lebensmittel-Nazi ist, dass ich automatisch mehr Spaß am Essen habe, wenn sie dabei ist. Eine, die im Auto lauthals zu The Cure mitgröhlt und dabei fast gegen einen Baum fährt. Eine, die sich die ganze Nacht in Bars vergnügen kann, ohne einen Cent für ihre Getränke zu zahlen oder sich dafür prostituieren zu müssen. Eine, die so hysterisch wird, wenn man sich streitet, dass man sich selbst den Bauch halten muss vor Lachen. Eine, die sich von mir Mixtapes machen lässt und diese großartig findet. Eine, die mich die ganze Zeit wie ein Idiot behandelt und auslacht. Eine, die meinen Geburtstag vergisst. Eine, der es egal ist, ob ich da bin oder nicht. Eine, die mich im Regen stehen lässt, wenn ich sie brauche. Eine, die sich alle sechs Wochen meldet, um mir zu erzählen, wie beschissen es ihr geht. Eine, die mich geradeheraus anlügt. Eine, mit der ich immer im Wettbewerb stehe, wer cooler und stolzer sein kann. Eine, die ich irgendwann so hasse, dass ich sie am liebsten mit bloßen Händen erwürgen würde. Eine, die es nicht verdient hat, mit mir befreundet zu sein. Eine, die nicht dankbar ist für all das, was ich für sie getan habe. Eine, für die ich alle meine Ansprüche und Erwartungen herunterschraube, und trotzdem noch enttäuscht bin.

Ach, scheisse.

 
 

Eigenschaften

Veröffentlicht November 21, 2009

Ich vertrage keine Eier. Ich sehe scheisse aus wenn ich renne. Ich habe eine Narbe am Bauch. Ich lasse das Wasser laufen beim Zähne putzen. Ich lache nicht über Satire. Ich habe keinen guten Klamottengeschmack. Ich habe Angst vor Feuer. Ich hasse Auberginen. Ich habe immer das letzte Wort. Ich bin ungeduldig. Ich fahre meinen PC nie herunter. Ich finde The Godfather extrem langweilig. Ich träume davon, wie ich den perfekten Mann kennen lerne. Ich war noch nie Ski fahren.

eigenschaften

Ich bin nicht kitzlig an den Füßen. Ich interessiere mich nicht für Armut. Ich verschwende mein Geld. Ich bin nicht überdurchschnittlich intelligent. Ich kenne nicht den Unterschied zwischen Sarkasmus und Ironie. Ich kriege Blähungen von Nüssen. Ich will nicht arbeiten. Ich habe Pickel. Ich sehe keinen Vorteil in HD-TV. Ich kaue nicht an meinen Fingernägeln. Ich liebe Kinder Riegel. Ich habe keine Lieblingsfarbe. Ich glaube an Zeitmaschinen. Ich habe keine Lieblingsfarbe. Ich esse lieber Eis im Winter. Ich hasse den Start beim Fliegen. Ich gucke lieber alleine Fernsehen. Ich bin romantisch. Ich habe Cellulite am Oberschenkel. Ich träume nicht davon, mit dem perfekten Mann zusammen zu sein. Ich kratze mir Mückenstiche auf. Ich teile mein Essen ohne Probleme. Ich hasse experimentelle Musik. Ich töte Insekten. Ich war einmal verliebt. Ich liebe seichte Popmusik. Ich gebe Obdachlosen kein Geld. Ich lüge meine Eltern an. Ich erinnere mich nicht an letzte Woche. Ich hasse Clubs. Ich verbringe meinen Urlaub in einer Großstadt. Ich kenne glückliche Menschen. Ich wohne im vierten Stock. Ich koche Nudeln ohne Salz. Ich spiele Poker. Ich kann über meine Wut nicht sprechen. Ich lese keine Zeitung. Ich will keinen Mac besitzen. Ich finde Pulp Fiction nicht gut. Ich gehe nicht gerne auf Festivals. Ich spreche fließend Englisch. Ich besitze eine analoge Kamera. Ich fahre kein Fahrrad. Ich surfe mit W-Lan. Ich habe ein Studium abgebrochen. Ich kriege kein Kindergeld mehr. Ich benuzte den Google Reader. Ich wäre gerne zehn Zentimeter größer. Ich benutze die Zahnpasta meiner Mitbewohner. Ich esse kein Schweinefleisch. Ich habe einen Speckbauch. Ich gehe gerne in die Oper. Ich war noch nie auf einem Segelboot. Ich hasse meine Nase. Ich weiß nicht wie man mit Aktien handelt. Ich ziehe keine unterschiedlichen Socken an. Ich hasse das Geräusch anfahrender Züge. Ich verstehe nichts von Kunst.

Ich weiß nicht, wer ich bin.

 
 

Eisflug

Veröffentlicht November 19, 2009

Meine Haare waren lockig. Und sie waren kurz. Mein Bruder hatte mir einen Kaugummi auf den Kopf gepflanzt, und mein schönes Haar wurde abgeschnitten. Ich hatte riesige Tränen in den Augen. Meine Welt war sepia getönt. Der Schnee glitzerte draußen auf dem Auto. Frisch. Die Tür stand offen, und alle warteten auf mich.

sepia

Meine Mutter beugte sich zu mir herunter, drückte mir einen Kuss auf die Wange und fuhr mir mit den Fingern durch die Locken. Sie sagte

“Ich liebe deine Haare, auch wenn sie kurz sind.”

Sie zog mir meinen lila Mantel an. Ich hasste ihn, weil er zu groß war, aber ich war müde. Ich hatte schon genug geweint. Mein Vater nahm mich auf den Arm und trug mich sein neues Auto.

“Wir haben was zu feiern”, aber ich wusste nicht, was.

Plötzlich stehe ich auf dem Eis, auf einer riesigen Schlittschuhbahn. Mein Bruder hat meine Hand losgelassen. Er ist viel weiter vor mir und ich habe Angst. Ich drehe mich zu meinen Eltern um, die am Rand stehen und zuschauen. Sie winken und lachen. Ich will zu ihnen, aber so viele Leute kommen mir entgegen. Ich fange an zu weinen, und als ich zu ihnen rennen will, falle ich hin. Meine Hände tun weh. Ich sitze schluchzend da. Die Leute rasen an mir vorbei, und zwischen ihren Beinen sehe ich ab und zu die fernen Gesichter meiner Eltern aufblitzen.

Ich spüre, wie mich starke Arme packen und hochziehen. Zwei Riesen stehen vor mir. Die Sonne blendet mich, und ich erkenne ihre Gesichter nicht. Ich verstehe nicht, was sie zu mir sagen. Sie fassen mich an den Händen. Sie fahren los.

Ich konnte fliegen. Für einen Augenblick konnte ich fliegen. Und während das Salz noch auf meinen Wangen trocknete, lachte ich schon wieder. Ich war stolz auf meine Locken. Ich war stolz auf meinen lila Mantel. Die Riesen waren meine Flügel, und ich flog davon. Meine Eltern winkten von der Erde hoch, mit ihrem Kakao in der Hand, arm in arm, und lachten mir zu. Ich hatte keine Angst mehr.

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Der osmanische Tsunami

Veröffentlicht November 18, 2009

Schon wieder irgendwo bei Twitter aufgegabelt. Die Comedy hinter diesen beiden Videos ist unbeschreiblich. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich dem kritisch gegenüber stehen soll, oder mich einfach nur schnell mal unter Tisch bepisse.

Ich entscheide mich mit eindeutigem Teufels-Veto für letzteres und erfreue mich an meinen hessischen Freunden und Kollegen, die sich den größten Spaß gemacht haben, sogar meine Heimatstadt Rodgau zu benennen. Dies ist wahrscheinlich das erste und einzige Mal, dass Rodgau überhaupt irgendwo erwähnt wird. Es macht mich stolz zu sagen: ja, solche Idioten kommen tatsächlich aus Rodgau und wäre ich ein Mann geworden dann wäre ich jetzt der Typ mit dem Hantelbankspruch. Hätte ja auch mehr Spaß gemacht.

 
 

Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free

Veröffentlicht November 17, 2009

Als ich 15 war, bin ich kurzzeitig von zu Hause ausgebüchst. Ich habe niemals jemandem davon erzählt, was aber jetzt nicht so tragisch ist, weil ich ungefähr vier Stunden (“Ich geh in die Bibliothek”) durch die Gegend geirrt bin und aus Trotz nicht nach Hause gegangen bin, weiß Gott wieso. Naja, als es kalt wurde bin ich wieder zurückgekrochen und habe mir hoch und heilig geschworen, ich würde es am nächsten Tag durchziehen (hab ich nicht).

Ich war damals die Ausgeburt der Depression, glaube ich. Ich bemitleide im Nachhinein alle, die so einen schwierigen, melancholischen und depremierten Teenager um sich herum ertragen mussten, ein Teenager, der dachte, er wäre in seinem Weltschmerz einzigartig. Das erinnert mich auch immer an das furchtbare Schicksal, dass Kunstkritiker erleiden müssen, wenn sie sich die Werke von jungen Menschen zu Gemüte führen, die die Kunst ausschließlich als Ventil für ihren Schmerz nutzen. Nicht, dass man ihn deshalb weniger Ernst nehmen sollte– aber irgendwann merkt man eben doch, dass fast jeder diese Entwicklung durchmacht… das nimmt der Sache ihren Charme.

… ich habe den Gefühlszustand nicht vergessen. Ich weiß, wie aufgeschmissen ich war. Daran erinnert mich immer wieder ein einziger Song, der mittlerweile aber auch mehr ist, als nur die Oper meines anstehenden Suizids (ich war mir ziemlich sicher, dass ich mit 21 nicht mehr Leben würde– ich bin mir heute auch noch ziemlich sicher, dass ich spätestens mit 24 an einem Herzinfarkt krepiere, aber wohl kaum freiwillig).

“To Be Free”, aus dem Album Love In the Time of Science von Emiliana Torrini (Affiliate Link), die bis heute mit jedem Song ein Stück meines Herzens bewegen kann. Eine wunderschöner Song für einen nassen Herbst. Übrigens macht das Island auch wieder ein ganzes Stück sympathischer.

Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 
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