Carter sagt

Veröffentlicht January 31, 2010

Im Großen und Ganzen ist es unmöglich in das hineinzusehen, was ich manchmal für so selbstverständlich halte. Irgendwas passiert und ich denke mir, dass es eigentlich gar nicht so schwer sein kann, auf Dinge irgendwie zu reagieren. Ehrlichmachen. Habe ich mir einreden wollen, alles sei schaffbar, wenn man nur vorher drüber nachgedacht hat oder ist es eigentlich so, dass man sich einredet, auch unbeholfen durch Situationen zu schlittern, für die man doch niemals wirklich eine Antwort hat? Tja, so verwirrend die Dinge des Lebens manchmal sind, die Wahrheit steckt doch stets im Schatten einiger Dinge, die wir uns selber weismachen. Frage ich doch die Heldin oder Ally. Und warte einfach nur darauf, was Carter sagt:

[Bild via Pasqualle]

1. Ich bin ein Frühlingsbaby. 2. Ich habe alle Milchzähne gesammelt, mit denen ich die Unschuld schlafloser Poeten zermalmt habe. 3. Ich bin ein Pirat. Ich gehe unter und zelebriere meinen Verfall. Laut. 4. Ich möchte der Fleischeslust folgen und Psalme in die leuchtenden Rapsfelder hinausbrüllen. Ich will die Liebe verprügeln, auf sie eindreschen, sie von innen aussaugen wie ein frisches stöhnendes Honignest und danach meine klebrigen Finger lecken und die leere Hülle wegwerfen. 5. Ich komme aus dem Wald, wo Krähen schwarze Blüten begatten und der Himmel durch die messerscharfen Tannen auf mein müdes Gesicht hinuntersickert. 6. Ich habe Raskolnikow das Beil in die Hand gelegt. 7. Ich habe Villon das fieber eingehaucht. 8. ich bin eine Kanalratte. Regenwasser berauscht mein Gemüt und Dreck stillt meinen Hunger. 9. Ich habe zehn Zeigefinger. Alle richtungsweisend. 10. Ich glotze skeptisch in fremde Mäuler (und manchmal speie ich hinein). 11. Tagsüber habe ich orangene Haut und Zunge. Nachts färbt sich der Mond blau. 12. Ich fresse Gift und lebe davon länger. 13. Ich habe zu Wänden gebetet. Dann meinen Kopf daran aufgeschlagen. Jetzt ist alles eine Ruine und der stille Himmel wiegt mein Haupt. 14. Ich rauche Stummel vom Boden und trete in lauwarme Spuren. Und lauwarme Spuren treten in meine Füße. Es ist dann als würde sich mein Kopf mit fremden Blut füllen. 15. Lärm und Kirschwasser sättigen meine Nervenfasern. Sie laufen davon rot an. 16. “.” 17. Und ich frage die Anderen: Narziss, wo ist die Liebe hin?

 
 

Mixtape #7: A Lot Like Love

Veröffentlicht January 30, 2010

Nach vielen Versuchen, die alle in meinem kläglichen Versagen und unausgesprochen großer Unzufriedenheit resultierten, fiel mir gestern auf dem Weg nach Hause plötzlich auf, dass ich eigentlich gar nicht das perfekte Love-Mixtape brauche. Also hörte ich auf, nach den perfekten Songs zu suchen.

In den letzten Tagen hatte ich meine eigene Herausforderung angenommen, endlich das zu tun, was jeder 12-Jährige 1985 schon tat: ein Mixtape für das Herz zusammenbasteln. Ich wollte es niemandem schenken, also kein klassisches Give-Away-Mixtape machen (das dauert auch wesentlich länger als nur ein paar Tage), sondern eins machen, dass irgendwie den Moment, in dem ich mich gerade befindet, festhält. Nicht, dass ich mich je wieder so wirklich an diese völlig hirnrissigen Stimmungsschwankungen erinnern möchte. Aber ok.

Tatsächlich besitze ich für jeden Menschen und für jeden Moment in meinem Leben den passenden Soundtrack- nur das Thema Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht, Yadda Yadda Bang Bang, das habe ich bisher gepflegt und großzügig ignoriert, vielleicht, um es aufzuheben. Für dann, wenn ich die perfekte Sammlung habe. Oder für dann, wenn ich es wirklich empfinde.

Ich dachte, das wäre jetzt- aber es stimmt nicht, es gibt keine Liebe, und es gibt auch keine perfekte Sammlung, sonst würde es mir nicht so schwer fallen. Meine gescheiterten Versuche beweisen mir, dass es nicht die Zeit dafür ist. Es ist nicht das, was ich suche. Es geht nicht um Love & Heartbreak. Es geht um viel weniger: etwas, dass dieses zerbrechliche Thema am Rand ankratzt, berührt, etwas, dass davor passiert (oder auch nicht passiert) und endet, ehe man sich versieht. Dinge, die man nicht mehr mit Worten erklären kann (weshalb man zur Musik greifen muss), Situationen und Momente, die zu schnell vorbeirauschen und nur eine Staubwolke von Verwirrung und Wehmut zurücklassen. Es geht um Abschiede, verpasste Gelegenheiten, die What-Ifs und all das, was man mit Sicherheit nicht in einem Mixtape über die Liebe finden wird.

Das hier ist nicht Time After Time von Cyndie Lauper, man. Aber es hat lange genug gedauert, das herauszufinden.

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J.D. Salinger

Veröffentlicht January 28, 2010

Ich bin kein Nachrichtenignorant, aber selten verspüre den Drang, über aktuelle Anlässe zu reden- obwohl es viel zu bereden gäbe, und obwohl täglich viele Dinge auf meinem “What The Fuck” Monitor erscheinen. Allerdings ist heute tatsächlich eine sehr traurige Nachricht angekommen, die mich unglaublich wehmütig stimmt: J.D. Salinger ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Der Mann ist in meinem Herzen eine Legende, denn er hat das erste Buch geschrieben, dass ich je gelesen habe. Nein, das stimmt natürlich nicht- aber es war das erste Buch, dass mich mit einer Leidenschaft gepackt hat, das erste, dass mich zur Literatur gebracht hat und das einzige, dass ich immer noch besitze und fast monatlich wieder anfasse: The Catcher In The Rye.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich enttäuscht mein Geburtstagsgeschenk auspackte; ein Geschäftspartner meines Vaters aus New York gab mir das Buch, als ich 12 Jahre alt wurde. Er sagte, es sei eines der besten Bücher, und ich glaubte ihm nicht. Es schimmelte eine Weile herum, bis mir irgendwann langweilig war– danach war ich für immer in einer Welt voller Unverständnis verloren, in einer Welt voller Emotionen, die ich selber kannte und niemals ausgesprochen hatte, so viele Gedanken, die eigentlich nur mir gehörten… aber sie waren da, schwarz auf weiß, und sie gehörten jemand anderem.

Meine Art zu schreiben, die Geschichten, die in meinem Kopf verankert sind- alles aus diesem Roman entsprungen. Holden Caulfield, das war ich.  Später las ich auch Salinger’s Short Stories, die mich genauso berührt haben, aber niemals so prägen konnten wie The Catcher In The Rye. Und das ungefähr 50 Jahre nach der Ersterscheinung. Die Zeitlosigkeit von Teenage Angst kann keine Emo Band jemals so gut wieder geben, wie es Salinger konnte.

Rest in Peace.

 
 

Stories

Veröffentlicht January 25, 2010

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

Wir waren in einer fremden Stadt, als wir uns wieder trafen. Es war unsere letzte Nacht. Meine Finger tanzten über sein Gesicht, strichen durch seine nassen Locken, über seine schönen Lippen.. Seine Augen waren geschlossen. Er atmete ruhig; er war erschöpft. All die Dinge, die wir uns in den Nächten zuvor durch unsere Körper gepumpt haben, brachen letztendlich unsere Standkraft. Nach fast 48 Stunden Wachsamkeit waren wir fast tot.

Das Zimmer, in dem wir lagen, spiegelte diesen halbwahnsinnigen Zustand wider. Das Rattengift hinter der Heizung. Die Brandlöcher in der Bettdecke. Die gelblichen Flecken auf den Laken, auf denen wir lagen. Die Wandbemalungen, die Requieme der trippenden Mittzwanzigern, die alle in den vergangenen 10 Jahren in diesem Hostel gewohnt haben, hatten auch uns eine Nacht zuvor gequält. Es blieb nichts ungesagt. Es blieb kein Traum unberührt. Sein Lachen hallte mir immer noch in meinen Gedanken nach.

Ich konnte trotz aller Müdigkeit nicht schlafen. Ich schlang die Decke noch enger um mich, drehte mich auf meinen Rücken und schaute aus dem Fenster hinaus, in den blau-schwarzen Himmel. Ich war völlig fertig, mein Schädel pochte. Es war die erste Nacht, in der wir nicht Arm in Arm lagen.

“Ich finde deine Pläne gut- aber mach es nicht wegen mir.”

Seine Stimme war ein Flüstern. Ich wusste nicht, ob ich ihn gehört hatte. Ich wusste nicht, ob es nur in meinem Kopf war. Ich drehte mich zu ihm, seine Augen waren verschlossen. “Was?”

“Deine Pläne- es ist gut. Aber nicht wegen mir. Ich weiß nicht, wo ich sein werde. Mein Leben ist verrückt- vielleicht bin ich nicht da… Mach es nicht wegen mir.” Sein Flüstern war kaum zu hören. Ich wollte es nicht hören.

Ich musste verächtlich schnauben, “Nein, ich mache es nicht wegen dir”, doch meine Kehle fühlte sich an, als würde sie gleich explodieren. Ich drehte mich wieder auf meinen Rücken und versuchte, meine Tränen zu unterdrücken. Ich war wütend, auf ihn, auf mich selber, ich wusste nicht wieso. Weil ich es nicht wegen ihm machen wollte und es satt war, mir diesen Vorwurf anhören zu müssen. Weil er es nicht zu schätzen wusste, selbst wenn es so wäre.

Weil unser Abenteuer hier endete.

Weil die Geschichte, die wir eines Tages erzählen werden können, niemals ein weiteres Kapitel sehen wird.

Er sagte nichts mehr, es machte mich rasend. Wie er da lag, so unbelastet, so zufrieden, ohne die Augen zu öffnen, ohne der Sache nur einen weiteren Moment zu widmen. Er hatte alles gesagt, in dieser letzten Nacht.

“Du wirst mir nicht das Herz brechen”. Ich sagte es, und ich fühlte es, während die Tränen meine Augen verließen.

“You’re not breaking my heart.”

Er machte die Augen auf.

“I’m not?”

Ich lachte. Nein. Es gab keine Splitter und keine Risse, nicht wegen ihm. Und ich lachte weiter, weil er nicht wusste, was dieses völlig verrückte Mädchen, dass von Piraten und Safaris träumte, eigentlich von ihm wollte.

“No, you’re not.”

Er machte die Augen wieder zu. Er wusste nicht, was er mir angetan hatte. Er wusste nicht, wie sehr er mich faszinierte. Er wusste nicht, dass er mein Herz nicht brechen konnte.

Er wusste nicht, dass er mein Herz geheilt hatte.

Stories · Kategorien: Restrealität · 16 Kommentare
 
 

Monster DeLorean

Veröffentlicht January 22, 2010

Ich will nicht sagen Oh mein Gott, deswegen sage ich einfach nur: Mann.

[via SkullSwap]

 
 

FEATURING: Stichwort Elite

Veröffentlicht January 21, 2010

Featuring: (Blog’s Not Dead) ist eine Sammelbox der Perlen aus dem Web. Wir dachten, sie wären tot, vom Bloggersterben befallen, aber sie sind hier, sie sind unter uns, man muss nur die Augen offen halten. Und so halten wir ständig Ausschau nach dem, was uns am Schreiben hält, und laden Blogger ein, zu unserer Schatzkiste beizusteuern…

Gastautorin: Hannah – a Headwork.

Irgendwann erreicht man diese Phase im Leben, die – ich will nicht sagen, dass sie das Ende der Kindheit markiert, aber irgendeinen wichtigen Punkt markiert sie dann doch – auf jeden Fall ist es die Phase, in der die Gesellschaft auf einmal Meinungen fordert. Die Gesellschaft ist natürlich einfach nur durch den kleinen Kreis symbolisiert, den man sein Leben nennt: Schulfreunde, Lehrer, Freunde, Eltern. Und alle fordern sie auf einmal Meinungen. Und irgendwie auch immer dieselben. Als gäbe es eine Themenschablone, die den Menschen irgendwann – wenn sie erwachsen genug sind, um selbst Meinungen zu fordern und nicht mehr klein genug, um sie noch bilden zu müssen – ausgehändigt wird und eine Übersicht darüber enthält, wozu man Meinungen haben muss. Ist irgendwie voll egal, in welche Gesellschaftsschichten man guckt oder in welchem Jahrzehnt man das Ganze untersucht – gefragt sind Meinungen zu den Themen: Individualismus, Nationalsozialismus/Hitler und Eliten. Gibt natürlich dann noch andere Dinge, nach denen gefragt wird, aber das sind so die Hauptthemen meiner “Jugend” gewesen, zu denen ich oberflächliche Meinungskonstrukte gebildet habe, die eigentlich nur das wiederspiegeln, was andere mir vorgekaut haben oder ich mir irgendwo zusammengesucht habe. Individualismus ist gut, Nationalsozialismus ist schlecht, Hitler war ein Mörder und Eliten sind abgehobene Snobs, die die Gesellschaft dominieren und mich zu einem Nichts machen wollen, obwohl sie mich gar nicht kennen. Aber um euch genau diese Allgemeinplätze zu verschweigen (ihr überlest die vorherigen Zeilen also bitte), habe ich grade bei wissen.de geguckt, was das Wort “Elite” eigentlich bedeutet. Bin kein Stück weiter gekommen, aber immerhin hab ich kurz so getan, als würd ich recherchieren. Auslese, die Besten steht da nämlich. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei “Auslese” ersteinmal an Kaffee dachte. Das aber nur am Rande. Danach dacht ich nämlich schon viel intelligenter: Auslese bedeutet doch, dass irgendwer oder irgendwas .. ausliest. Selektiert. Entscheidet, wer besser ist als X bzw. wer schlechter ist als Y. Wer macht das denn?

So ganz pauschal gesprochen könnte man jetzt sowas sagen wie: Gott entscheidet, wer wie wird. Aber dann würde man ja ins religiöse abdriften und außerdem .. Gott liebt uns doch alle, er würde doch nicht sagen, dass jemand besser ist als der andere. Also trifft hier jemand anders die Entscheidungen. Politiker können es nicht sein – die meisten haben ihren Glauben in die bunten Schweinchen da oben auf der Kanzel eh längst verloren und wenn Frau Merkel mir sagen würde, dass meine Nachbarin besser ist als ich und deshalb zur Elite gehört, dann würde ich sie müde belächeln und drauf scheißen. Entschuldigen Sie, werte Kanzlerin. Ich wähle Sie bestimmt, sollte ich je meinen Glauben in Politik zurückgewinnen und mich dazu aufraffen, wählen zu gehen – immerhin sind Sie genauso scheiße/gut wie alle anderen, die sich zur Wahl stellen. Sie werden ohnehin nie etwas ändern, von dem ich etwas mitkriege, obwohl Sie ja bestimmt zur Elite gehören. Da stehen Sie, hoch oben irgendwo im Bundestag, der Adler thront gebieterisch über ihrem schlecht frisierten Köpfchen und Sie erzählen mir was über EU-politische Maßnahmen, Haushaltskürzungen und Kindergelder, während ich hier unten in meiner kleinen Wohnung hocke, mir Sorgen mache, ob meine Miete rechtzeitig gezahlt wird und so wirklich rein gar nichts mit der EU zu schaffen habe. Aber Sie sind die Elite, Sie wissen schon, was mich interessiert, sonst würden Sie sich ja nicht die Mühe machen, sich von ihren kleinen Reden-Schreib-Dackeln irgendwas zusammenkleistern zu lassen, was Sie dann voller Inbrunst – sofern man bei Ihnen von so etwas sprechen kann – verlesen, kurz Ihr kleines Fäustchen schütteln, um anschließend wieder in den Atombunkern unterm Bundestag zu verschwinden, wo Sie dann – zusammen mit anderen Eliten-Menschen – vor dem drohenden Unheil geschützt sind.

Genug -chenisiert, über Adler und Fäustchen geschwafelt und an Kaffee gedacht. Eigentlich geht es hier um Eliten und ich weiß noch immer nicht, was das sein soll. Ich glaub ja eigentlich, dass jemand nur dann zur Elite gehören kann, wenn die Nicht-Elite daran glaubt, dass es so ist. Vielleicht ist das mein Problem. Irgendwann mit 15 hab ich mich dafür entschieden, dass ich Lenin und Marx ganz unglaublich cool finden will – war halt grade IN. Heute – mit 22 – hab ich mich dazu entschieden, dass ich niemanden mehr cool finde und mir Lenin und Marx genauso schnurz sind, wie Mao und Stalin. Trotzdem ist das kommunistische Gedankengut – haha, hört sich das nicht geil, intelligent und hochtrabend an? – irgendwie in meinem Kopf verankert geblieben, weil, sorry, mir der Grundgedanke gefällt. Der Gedanke, dass alle Menschen gleich sind, dass es keine Unterschiede, keine Klassen, keine Schichten und eben auch keine Eliten gibt. Du bist nicht mehr oder weniger wert als ich. Du bist auch nicht mehr oder weniger wert als jeder andere. Und deswegen würde ich alles für dich tun, was ich auch für mich tun würde. Leute nennen das hilfsbereit und wundern sich darüber, warum ich mich für andere aufopfere. Tu ich gar nicht. Ich behandel euch einfach nur so, wie ich mich behandel und wenn ich scheiße zu euch bin und euch mit meiner Meinung verletze: Macht euch keine Sorgen, so behandel ich mich selbst auch. Gehört aber nicht zum Thema. Worauf ich hinaus will: Ich hab keine Meinung zu Eliten. Ich weiß nichts mit dem Begriff anzufangen, weil es Niemanden gibt, der über mir steht. Es gibt auch niemanden, der unter mir steht. Wir stehen hier alle auf weiter Flur, auf einer Höhe, blicken ins Tal und sehen Blut fließen, jawoll.

Worauf ich hinaus will: Irgendwer “da oben” entscheidet darüber, elitär zu sein bzw. darüber, wer es nicht ist. Es machte nicht Plopp und die Elite ward geboren. Es machte Platsch und irgendein Idiot legte sich auf die Fresse, wobei ihm der Gedanke kam, er könne sich doch auch mal über andere erheben, statt ständig im Dreck zu landen. Er war nur irgendwer, der ein Jemand sein wollte und jetzt haben wir den Salat, kämpfen uns durch soziale Erfahrungen, die uns lehren, dass wir nicht immer gewinnen können, weil es Menschen gibt, die elitär sind, die von vorne herein dazu geboren wurden, etwas zu sein, während wir – die dumme, kleine Masse – es uns erkämpfen müssen.

ichgehschlafen. Ja, ich finde euch scheiße. Ihr mich. Wir uns. Maximal hat man ohnehin 3 beste Freunde, die einen nach der Schulzeit verlassen und sich in fremde Städte verpissen. „Ich muss Karriere machen“. Musst du nicht, halt inne, denk nach: Musst du ernsthaft nicht. Aber tun wir mal alle so als ob doch, es ist ja gut. Kein Geld ist die beste Ausrede für mehr Eigenbrödlertum. Meinetwegen, geh, schau dir die Welt an! Aber glaub mir: Ob hier, ob dort. Scheiße bleibt dein Grundwortschatz.

In der Zwischenzeit pendle ich hin und her zwischen Kollegen, Feierabendbieren, Freundschaft über Facebook und Nachtleben. Ein Bastardleben zwischen Weiterentwicklung & Betäubung. Bloß nicht zu viel mitbekommen, bloß nicht zu wenig Fortschritt. Außerdem: In deinen Stammkneipen und Stammclubs sind Leute, die du potenziell geil finden könntest. Sonst wärst du nicht dort. Es ist nicht die Musik, es sind die Leute. Darum auch kein Dorfdiscobesuch. Selbst wenn Daft Punk dort auftritt. Für Umme. Du gehst nicht hin. Und falls doch, dann als “Besserer”.

Warum bricht man eigentlich nicht in lauthalses Lachen aus? Schließlich befindet sich die (wahre) Liebe wirklich immer in deiner Stadt und in den meisten Fällen sogar noch in deinem Freundeskreis. 80 Millionen Glückspilze. Aber wer hat schon noch Freundeskreise? Dann lieber Elite-Partner. Ist ja auch bloß ein heimliches Eingeständnis. Bloß nicht am Konzept Liebe zweifeln. Oder an deinen Clubs. Gleichgesinnte treffen Gleichgesinnte. Aber selbst da: Parzellen! Der und der, cool, der und der, scheiße. Ein gesamtes System auf Abneigung als Ablenkungsmanöver. Man bleibt unter sich. Die Elite reproduziert sich selbst. Das Prekariat macht freudig mit. Wir fingen an mit Individualismus und fanden unser Heil in Zielgruppen. Hedonisten. Aber: Wir bräuchten keine Staatsgrenzen, so sehr wie wir uns nicht in Clubs reinlassen. Der Unterschied zwischen Türstehern und Gatekeepern liegt nicht im Übersetzungsproblem. Jeder hat sein Label zu tragen. Eine Konstante: “Es liegt an den anderen”. Womöglich zurecht, schließlich sind sie ja nicht umsonst die Hölle. Sartres geschlossene Gesellschaft. Ein Mosaik bestehend aus 10.000 hermetisch abgeriegelten Stückchen.

Darum grinst du auch so bescheuert, wenn du alleine auf der Straße unterwegs bist und auf unebenem Asphalt beinahe auf die Fresse fliegst und dein Gleichgewicht nur halten kannst, wenn du zwei Schritte joggst. Dann Grinsen. Könnte ja jemand gesehen haben und wie uncool, wenn du dann nicht über dich selbst lachen kannst. Damit würdest du ihm/ihr, dem Unbekannten, der absoluten Hölle, Grund für einen Lacher Schadenfreude bieten. Also lieber Grinsen. Das Nichts hat die schärfsten Augen.

Der Rest liegt sich in volltrunkenen Armen, Grobmotoriker-Patrioten. Aber nur dann, wenn man endlich auch stolz sein darf. Einmal alle vier Jahre. Schaltjahr-Patrioten. Alle sehnen sich danach, aber die Mundwinkel geben in der Zwischenzeit hilflos der Schwerkraft nach und da bringt es auch nichts, mal zur Abwechslung kein Buch zu lesen und frohen Mutes in die Runde zu schauen. Die Tristesse blickt lieblos zurück. Man kennt sich nicht, man braucht den Abstand, man braucht einen Grund, morgens aufstehen und sei es nur, um sich zu bestätigen, dass Gott uns verarscht hat: Die Hölle ist auf Erden.

Alltag auf Armlänge. Der Tod der Subkultur, vernichtet durch die Vorurteile des amorphen “Wir”. Kein Platz für Analyse bei Geschwindigkeitskontrollen. Nur, dass es jetzt eine Mindestgeschwindigkeit ist, die nicht mehr unterschritten werden darf. Da müssen Kategorien her. Ghetto + “Konkret”, “68″ + “Zecke”, “Mann” + “Anti-Emannzipation”. Ein kurzer Lacher für Wortspiele. Jeder mag die Bild. Jeder hat einen Feind. Denselben. Andersartigkeit. Irgendwann nur noch Normalität. Alle, normal. Gleich in unserem Ungleichsein, das auf Indifferenz basiert. Endlich Dystopie. Unsere Insel der Normalität, die uns währenddessen unter den Füßen wegklimakatastrophiert wird. Am Ende haben wir dann schließlich unseren Standpunkt. Und mit dem ersaufen wir. Das letzte was aus dem Wasser lugt, ist der Fickfinger. Scheiß-Eliten.

 
 

Le Love

Veröffentlicht January 19, 2010

Ich habe da etwas entdeckt, dass ich eigentlich für mich behalten wollte. Ein kleines, glitzerndes Geheimnis- ein Geheimnis, wie es der erste Kuss war, von dem man noch nie jemandem erzählt hat. Ein Geheimnis, so wie den ersten Liebesbrief, den man nach zwanzig Jahren immer noch besitzt. Ein kleiner Schatz, der ein Lächeln erzeugt.

Aber natürlich kann ich es nicht für mich behalten. Es wäre nicht fair ((ok, abgesehen davon, wahrscheinlich kennt den eh schon jeder)).

Es heisst Le Love, ein TumblR, der sich als Blogspot verkleidet hat. Ein Scrapbook voller Geschichten, Bilder, Erfahrungen- gut und schlecht. Es ist kitschig, ja. Vor allem für einen Eisblock wie mich sehr waghalsig. Und trotzdem: wunderschön. Ein Thema, das so oft durchgekaut wurde, dass man nichts mehr damit zu tun haben möchte. Und trotzdem: fesselnd. Ich habe mich noch nie bis auf den Grund eines Blogs durchgeklickt. Bis jetzt.

Hier liegt noch ein Brief herum, der niemals verschickt wird- überflüssige Worte. Nichts, was ein bloßer Augenblick nicht auch vermitteln könnte. Aber vielleicht ist es wichtig, diese Dinge einmal auszusprechen. Nur um mal zugegeben zu haben, dass der Eisblock schmelzen kann. Nur um mal sich selbst zu erlauben, dass es sich gut anfühlt. Um einmal einfach zu sagen: das stimmt schon so.

Z. Thank you.

Thank you for inspiring me to do what I have always dreamed of. Thank you for your amazing and huge smile that warmed up my heart in the cold snowy weather. Thank you for being the most pleasant guy I have met in a long time. Thank you for being, not simple as you like to call yourself, but for being satisfied.

From all my heart, I mean it when I say: I hope you’ll always be happy.

Missing you already.
S.

Le Love · Kategorien: Netzwelt · 6 Kommentare
 
 

Karate Kids

Veröffentlicht January 17, 2010

Auch wenn ihm ein großer Teil meines Kinderherzens gehört: Karate Kid war nicht der beste Kampfsport-Film seiner Zeit, HURR! Allerdings ist er durchaus ein Teil der Top 3 der trashigen Jean Claude Van Damme Filme (ich weiß, der spielt nur in Karate Tiger mit, aber das tut nichts zur Sache, in meinem Kopf ist er in allen drei Filmen dabei und teilt schön in die Fresse aus).

Also aus gegebenem Anlass (dieses Wochenende durfte ich nochmal jung sein), und weil ich bald hoffentlich auf den Bauchmuskeln bekannter Blogger Trampolin springen darf (eine Aussage, die ausnahmsweise nicht sexuell gemeint ist), hier also ein kleines Stück “Papa darf ich bitte bitte länger aufbleiben” Erinnerung:

Karate Tiger, 1986

Karate Kid, 1984

American Shaolin, 1991

Wer diese Filme nicht kennt hat keine schöne Kindheit gehabt. Diese Filme und die Ninja Turtles und Cornflakes Samstagsmorgens und Nutella auf Fladenbrot. Hah.

Karate Kids · Kategorien: Uncategorized · 9 Kommentare
 
 

How To Disappear Completely

Veröffentlicht January 16, 2010

Kein Fan von kurzen, inhaltlosen Beiträgen: aber wie soll man sonst erklären, dass man keine Worte findet für das, was man schon seit Tagen zu Papier bringen möchte? Da kümmert man sich die ganze Zeit um das Generationsgelaber, pauschalisiert und schiebt in Schubladen, schreibt Analysen und will sich die ganze Zeit über das Außenrum aufregen, sieht Garden State als die Bibel an und vergisst bei so viel intellektuellem Scheissgelaber und Kunstgeschwafel sich selbst mal beim groß werden zuzusehen. Wer kann da sein Kotzen schon zurückhalten?

Natürlich ist es Radiohead. Was denn sonst.

 
 

Bei allem, was man ist (2)

Veröffentlicht January 15, 2010

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

[Photo: Dethjunkie]

Weil mir das Thema momentan sehr am Herzen liegt und ich weiß, dass ich nicht der einzige Mensch bin dem es so geht, möchte ich einen Kommentar von gestern, den Björn verfasst hat noch mal seperat posten. Um darauf hinzuweisen, wie schwer ein Mittelweg ist, welche Schwierigkeiten es in sich birgt nach diesem zu suchen und dass es nicht immer sicher ist, ob es überhaupt möglich sein kann, diesen zu finden. Ich bedanke mich bei Björn für diesen (für mich) wirklich sehr wertvollen Kommentar, ich kann ihn in allen Punkten nachvollziehen und nachempfinden:

“[...] Problematisch an dem Ganzen ist, für mich, dass einen weder das eine noch das andere wirklich erfüllt.

Ich habe auch einen Job der oft lange geht, in letzter Zeit hatte ich unter der Woche kaum Zeit für mich. Allerdings merke ich wie das an mir nagt. In Wochen in denen ich von morgens ab 9 bis abends um 24 Uhr unterwegs bin kommt es mir vor als hätte ich diese Woche gar nicht gelebt, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Das liegt daran, wie wohl auch bei dir, dass ich ein Mensch bin der Zeit für sich braucht um bewusst zu leben, um zu sein, zum nachdenken, lesen, Musik hören, whatever. Manche Menschen brauchen das, andere nicht. Gerade im Zusammenspiel mit Verantwortung bei der Arbeit kommt es dazum Konflikt. Verantwortung nimmt man immer auch mit nach Hause. Wäre ich Fabrikarbeiter könnte ich die Abende wohl verbringen ohne an den nächsten Tag zu denken, so aber muss ich mir zwangsweise Gedanken darum machen. Muss immer bereit sein zu reagieren. Bin ich mit Freunden unterwegs und habe Spaß bin ich in einer ganz anderen Rolle, es ist schön, aber dennoch, die Zeit für mich brauche ich um mir meines Lebens bewusst zu werden. Was bleibt also übrig? Nein sagen lernen, ganz klar. Trotzdem, wirklich gut fühlt man sich dabei nicht, egal in welcher Art man jetzt den Kontakt zu bestimmten Menschen reduziert. Irgendwo bleibt immer dieser bittere Beigeschmack, dieses Gefühl man würde etwas falsch machen, wenn man Menschen die man mag, und die einen mögen, einfach nein sagt. Genaugenommen will ich das ja auch gar nicht, denn das ist auch ein Teil von mir, ein Teil den ich nicht missen will. Anfangs habe ich versucht, und versuche es teilweise immernoch, die Zeit auf der Arbeit zu reduzieren und Verantwortung abzugeben. Zur Arbeit nein zu sagen. Dass das dem Wunsch nach einer aufstrebenden Karriere im Weg steht ist aber wieder ein Punkt der einen nicht wirklich damit zufrieden sein lässt. Zu wissen man könnte, hätte man nur mehr Zeit. Innerlich frisst einen das alles auf. Der Weg den ich in diesem Dilemma seit einer Woche eingeschlagen habe ist leider auch keine Lösung. Nein sagen konnte ich noch nie gut, zu nichts, und das wird mir zum Verhängnis. Deswegen bleibe ich lange bei der Arbeit, und lasse mich danach von Freunden noch zum Weggehen überreden. Die Zeit die ich für mich brauche nehme ich mir momentan danach, was bedeutet dass ich seit vier Tagen von morgens bis abends arbeite, von abends bis nachts Kontakte pflege (wie eben per Skype), und von nachts bis morgens die Dinge tue die mich ich sein lassen. Das Ergebnis sind dabei maximal 3 Stunden schlaf pro Nacht, was mich körperlich einfach unglaublich runterzieht (vor allem da ich normalerweise jemand bin der viel Schlaf braucht), und was sicherlich nicht mehr lange gut geht, und was im Endeffekt auch ziemlich negative Auswirkungen auf die Dinge hat die ich dann tue. Das nein sagen, das konnte ich noch nie, es ist ein ständiger Kampf. Vielleicht helfen feste, kürzere und dafür konzentrierte Zeiten. Keine Ahnung. Nicht alles nehmen was man mir geben will, genau das, wäre es nur nicht so verdammt schwer, denn meistens verzichtet man dabei ja auf Dinge die ansich nichts schlechtes sind. Nein sagen zu Gutem, was kann es schwereres geben? Schlimm dabei ist auch, dass ich bei in meiner jetzigen Situation, in der ich versuche mit biegen und brechen alles in die vorhandene Zeit hineinzuquetschen was geht, und in der ich versuche die vorhandene Zeit so weit wie möglich auszudehnen, viele wichtige, aber nicht ganz so freudige Dinge, links liegen lasse. Das fängt mit dem Aufräumen des Zimmers an und endet mit den Bewerbungen die geschrieben werden wollen. Ein einziges großes Dilemma, aus dem man sich langsam herausarbeiten muss. Was ist das sonst für ein Leben, in dem man sich sogar beim Wichsen beeilen muss? Tschah…”

Mann.

 
 
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