In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…
SXSW. Ich werde es wohl nie dort in schaffen. Jedes Frühjahr tröste ich mich dann aber immerhin am SXSW-Showcasing zum völlig kostenlosen und legalen Download. Dieses Jahr gab es fast 6 GB (unbekannter) Songs die durchzukämpfen waren. Ich hab’s mal gemacht, das erste und das letzte Mal. Kein Wunder, dass Musikjournalismus den Bach runtergeht, für sowas will nicht mal meine würdelose Wenigkeit sich bezahlen lassen ((Das ist gelogen. Wenn ihr mir Geld geben wollt, lasst euch nicht aufhalten.))
Denn die Hälfte der Musik war nicht nur absolut nicht mein Fall, sondern auch noch grottenschlecht. Es war die größte Qual, etwas Gutes herauszusortieren, immerhin ist es ja auch schwer, Songs nach einmaligem Anhören zu bewerten. Die, die mir also auf Anhieb gefielen, kamen in eine bestimmte Liste, welche ich aussortierte, welche ich widerrum aussortierte, welche.. und irgendwann war ich dann hier gelandet. Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich The Next Best Thing dabei entdeckt habe, außer vielleicht Electric President, aber die kannte ich schon vorher, also auch nicht sehr aussagekräftig. Anyway: have fun.
In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…
Lippen so rot wie dein Blut, Gesicht weiß wie meine Angst und Haare schwarz wie unser Unglück…
Du bist schon längst über die sieben Berge gestiefelt,
ganz verkatert…,
doch dein Duft ist hier geblieben.
Es war als hätte sich diesmal Schneewittchen an einer Spindel gestochen, dabei hatte sie noch den vergifteten Apfel im Hals…
Mein Herz schlief 100 Jahre in einem Schloss voll Dornen und wartete auf dich, doch jetzt wo du, mein Prinz, mich geküsst hast, sehe ich nur noch den Frosch in dir und dieser ist ganz und gar nicht königlich.
Während du den Brotkrumen hinterher gelaufen bist, habe ich von fremden Tellerchen gegessen und im finsteren Wald den bösen Wolf getroffen.
Er hat ein paar mal kräftig gepustet bis das Backsteinhaus in dem das Gefühl für dich wohnte, gänzlich in sich zusammen fiel. Jetzt liegt es begraben in einem gläsernen Sarg.
Der böse Wolf nahm mich mit: die fiese Stiefmutter lud uns zum Essen ein, wir erschreckten die sieben Gaislein, lachten viel und oft. Ich hielt sogar seine Hand während wir in den Brunnen fielen, naiv genug zu glauben, dass die Steine in seinem Magen tiefe Gefühle für mich waren.
Nun stehst du allein vor dem zuckersüssen Lebkuchenhaus gebacken aus allerhand “Warums” und hast doch kein Spieglein an der Wand um es zu befragen.
Diesmal gibt es keinen Hans im Glück, dafür umso mehr hässliche End – lein. Es ist so hässlich allein…
Es war einmal eine Fast-Prinzessin, die keine sein wollte.
Mit dem Magazin „Limit“ hielt Anfang bis Mitte der Neunziger das Wrestling Einzug in mein Leben. Es dauerte nicht lange, bis ich meinen Vater dazu nötigte den Royal Rumble auf VHS aufzunehmen. Die ersten Preise aus den Limit-Preisauschreiben trudelten in den Briefkasten meiner Eltern ein (ein Bret „Hitman“ Hart-Kissen und ein Enterprise-Brettspiel mit hässlichem Klingonen-Video) und nachts ließ ich die Schmerzensschreie meiner jüngeren Schwester ungehört vor einer mit Handtüchern gedämmten Kinderzimmertür verstummen, als ich heimlich den Sharpshooter an ihr übte.
[Dieser Artikel beinhaltet gewalttätige Videos, die dem Inhalt dienen und als Belege fungieren.]
Ja mann, Wrestling war so ziemlich der einzige Sport, den ich als kleiner Knabe mit Vokuhila-Frisur für die Erkenntnis hielt. Das Merchandising machte auch vor mir nicht Halt und so spielte ich bald „WWF – King oft he Ring“ auf meinem Gameboy, welches ich hiermit verlose.
Ende der Neunziger kannte ich sie alle. Die Wrestler, die Moves und die Spacken aus meiner Klasse, die die WCW besser fanden als die WWF (heute: WWE). Vor allem Joe Neise, der miese Typ, an dem ich in einer Hofpause den ersten und letzten Tombstone Piledriver meines Lebens ausprobierte. Das war die Rache für 1996, als er mir bei einem Gerangel den linken Zeigefinger in einer Klassenzimmertür zur Hälfte zerfetzte und abriss. Der Finger konnte wieder repariert werden. Der Piledriver war meine Rache, mann. Nimm das, Joe Neise.
Tatanka, BamBam Bigelow (R.I.P.), Yokozuna (R.I.P.), Lex Luger, Hulk Hogan, Shawn Michaels, Undertaker, Diesel, Razor Ramon, Randy Savage, Bret Hart, Mr. Perfect (R.I.P.), Ric Flair, Sid Vicious, Jeff Jarett und so.
Die heimlichen Helden meiner Kindheit. Bis ich heraus fand, dass das alles nur verdammte Show ist. Diese dreckigen Mistkerle.
Ich blättere das Fotoalbum hektisch durch, ich suche nach einem bestimmten, dem Foto, das, auf dem ich mit meinen Eltern bin, ich brauche es schnell. Erst nach vielen Minuten der Suche fällt mir auf, dass ich an deinen Bildern völlig uninteressiert vorbeigeblättert habe. Ich bin verdutzt, weil es mir das noch nie passiert war. Ich denke nicht lange darüber nach und suche weiter.
Ich spüre nichts.
Mein Telefon klingelt, dein Name ist auf dem Display, ich bin gerade mit Freunden in einer Bar, kurz vor Aufbruch zum nächsten Ort. Ein kurzer Stich irgendwo, aber ich lasse es weiterklingeln. Zwei Sekunden später habe ich es schon vergessen.
Du bist viel zu spät.
Der Schmerz ist noch zu spüren, vor allem, wenn ich die alten Songs höre oder mit Leuten darüber rede, wann wir mal wieder was machen und wer dabei ist und dein Name fällt. Ich muss mir manchmal noch in den Kopf rufen, dass ich es war, ich hatte keine Lust mehr, keine Nerven, keine Geduld, und dass die Dinge jetzt gut so sind, wie sie sind. Wir brauchen uns nicht. Ich brauche dich nicht.
Ich bin frei.
Ich vermisse dich. Auch, wenn ich dabei weinen muss, wenn ich daran denke wie es zum Schluss war, ich vermisse dich und das Gefühl der Hoffnung, dass es jemals wieder so werden könnte wie früher. Das denkt man ja immer so: dass es irgendwann wieder so wird wie damals, als es noch gut war, frisch, neu, unentdeckt, unausgenutzt. Es war meine Entscheidung, diese Hoffnung abzutreten.
Ich will nicht darüber reden.
Wir können nur darüber telefonieren, über diese endgültige Sache, über das “ich will nicht mehr”, das ich nach so vielen Jahren endlich aus mir herausbekomme. Du bist unendlich weit weg, und ich frage mich, ob ich dir das auch von Angesicht zu Angesicht so hätte sagen können. Ich sehe uns selber beim Streiten zu, wie ich versuche, ruhig und sachlich zu erklären, was du mir angetan hast und warum ich nicht mehr weitermachen werde, aber ich höre nichts. Die Szene ist stumm. Ich kann nur sehen, wie du anfängst zu weinen, wütend bist, mich wegstößt. Ich blicke nicht verschämt weg, denn ich weiß, dass du nicht um mich, sondern um dein Ego weinst.
Ich kann einfach nicht mehr.
Warten. Das ist unsere Beziehung geworden. Ich warte auf dich, darauf, dass du anrufst, dich meldest, oder wenigstens ab und zu darauf reagierst, wenn ich mich bei dir melde. Ich warte darauf, dass du deine Versprechen einlöst, ich warte darauf, dass du Entschuldigung sagst, ich warte darauf, dass du mir gratulierst, ich warte darauf, dass du mich anlächelst, ich warte darauf, dass ich wieder ein Teil deines Lebens werde, ich warte darauf, dass du auch mal auf mich wartest. Ich merke, wie ich erkalte, in Anbetracht des Schmerzes, den du mir zufügst. Mir ist es nicht egal, mir tut es weh, aber das merkst du nicht, obwohl ich es dir nicht zum ersten Mal sage.
Wenn ich an dich denke, werde ich wütend.
Ich rufe dich an um dir etwas zu erzählen, aber du unterbrichst mich schon nach wenigen Sekunden und fängst an zu reden, über die Dinge, die dir passiert sind, über die Ungerechtigkeit der Welt und die Depressionen und die schweren Zeiten und die ganzen Probleme. Ich höre dir zu und bin geduldig, so, wie man sein sollte, wenn einem etwas wichtig ist. Ich gebe dir mein Feedback. Ich überlege kurz, ob ich dich darauf aufmerksam machen sollte, dass wir schon seit Stunden telefonieren und ich noch kein einziges Mal gefragt wurde, wie es mir eigentlich geht, aber du lebst in deiner eigenen kleinen Blase. Ein bisschen gelangweilt bin ich, weil ich mir das schon siebentausendsten Mal anhören muss, und sich nie etwas ändert. Ich wollte dir dabei helfen, etwas zu ändern. Du hast mich nicht gelassen. Wir streiten uns, du wirst sauer auf mich, aber ich weiß nicht wieso.
Ich freue mich darauf endlich wieder mit dir zu telefonieren.
Wir sitzen in deinem Auto, fahren an unseren liebsten Ort, und singen zu alten, kitschigen Songs während die Sonne uns auf den Kopf scheint und wir das Leben genießen. Wir lachen darüber, das alles so einfach ist. Morgen fahre ich endgültig weg, ein kurzfristiger Abschied, eigentlich hättest du mitkommen sollen, aber du hast dich kurzfristig anders entschieden. Ich kann mich nicht dazu aufraffen, wütend zu sein, dein Leben ist schon schwierig genug, auch ohne dass ich dir Vorwürfe machen muss.
Du sagst mir, dass du nicht mitkommst.
Ich bewerfe dich mit Papierkügelchen und du regst dich darüber auf. Wir lachen, uns geht es gut. Der Sommer hat gerade begonnen. Wir haben große Ziele. Wir werden für immer zusammen sein. Nein, es ist nicht immer gut, aber wir bleiben für immer zusammen. Ich weiß das jetzt.
Auch wenn du mir weh tust.
Du lässt mich, wie oft, im Regen stehen. Du tauchst nicht auf. Ich zwinge mich dazu, nicht wütend zu werden; das hast du nicht verdient. Alles ist in Ordnung. Als wir uns endlich wiedersehen, zuckst du mit den Schultern: ist ja auch nicht schlimm. Und es stimmt: ist ja auch nicht schlimm.
Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich.
Sie reden über uns und darüber, wie gut wir zusammen sind. Sie reden darüber, wie viel Spaß wir haben, wie viel gute Laune wir verbreiten, und ich komme nicht umher dich zu bewundern: für deinen Humor und für deine Ausdrucksstärke, für deine Freunde und für deine Macht, vor allem über mich.
Du versetzt mich, aber es macht nichts.
Wir tun verbotene Dinge. Wir lachen. Ich bin überrascht darüber, dass du das mit mir durchziehst. Ich hätte dich niemals so eingeschätzt. Du bist unglaublich spontan und ich mag das. Deine Wegwerfmentalität und dein Achselzucken sind großartig, endlich jemand, der Eier hat.
Ich will dir imponieren.
Du schaust mich wissend an. Wir trauen uns nicht, zu grinsen, weil uns das wirklich Stress einbringen könnte. Wir sind wie gemacht füreinander. Und dir ist das auch klar. Das wird gut.
Ich will wissen wer du bist.
Wir rennen ineinander, du guckst mich völlig verwirrt an. Ich frage mich, wer du bist, und wieso ich dich noch nie hier gesehen habe. Du sagst irgendwas, aber ich kann mich nur darauf konzentrieren, wie viel Ausstrahlung du hast. Ich sage dir meinen Namen, während deine Freunde dich schon weiterziehen. Du blickst dich noch mal nach mir um, winkst mir lachend zu, und dann bist du weg. Wer bist du?
Ich habe – und das ist mir vor einer Woche nach einem lange andauernden, furchtbaren Zwischenfall aus meinem engsten Umfeld aufgefallen – nach fast 26 Jahren am Leben sein nie wirklich offen und ehrlich über meine Probleme gesprochen. Auch wenn ich guten Freunden und meinen Partnern versucht habe, ehrlich alles zu erzählen. Irgendwas blieb immer geheim. Ich habe nie verstanden wie das mit dem über seinen Schattenspringen funktioniert. Alles wurde immer irgendwie gut. Und während ich jetzt – nach der nervenaufreibenden Zeit der letzten Wochen – versuche, Dinge anders zu machen, zu lösen und meinen Blick nicht mehr abwende, muss ich morgens manchmal lächeln, obwohl mir noch immer ganz flau im Magen ist. Ich muss lächeln, weil es irgendwie doch nicht so einfach ist, ein paar wichtige Dinge anders zu machen. Das Komische ist, dass sich damit nichts geändert hat: Vieles fällt einem nicht leicht, wenn es um sich selber geht.
Und gerade diese eigentümliche, unspektakuläre Veränderung, die ich gerade in mein Leben einzubauen versuche, ist so ausschlaggebend. Es sieht so aus, als würde wieder alles gut werden. Es bedarf nur einiger Zeit. Und vielleicht ist man erst dann geduldig, wenn man ein Ziel vor Augen hat, dass nicht so langfristig angelegt ist, sodass es einem manchmal wie eine Illusion vorkommt. Das Ziel.
Es ist wirklich schwer, was ich da mit mir versuche. Manche Gedanken und Handlungsabläufe sind einfach schon so lange da, dass es ohne sie kaum noch Sinn macht. Ich versuche keine neuen Ufer zu erreichen. Ich will nur was in meinem Leben anders machen, damit ich nicht wieder so aus den Latschen kippe und liegen bleibe. Weil ich nicht mehr kann.
So unspektakulär kann das Leben sein. Unspektakulär und scheiße schwer. Selbst wenn man es wirklich will und vor Augen hat.
Ich kann es nicht nicht bloggen. Es ist die Wahrheit. Wir alle wissen es. Das ist einfach so. Das mit der Guten Erziehung.
Beim Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft den Mund, in dem gerade ein mächtiges Stück Schwarzwälder Kirschtorte verschwand, weit aufreißen und rufen “Unfall im Tunnel!”. Öfter mal sagen “Ich hab´s mir anders überlegt.” Zum Beispiel vorm Altar, im Hochseilgarten beim Sichern eines guten Freundes oder beim Sex kurz vorm Abpfiff. Oder kurz nachdem man bei “Wer wird Millionär?” die Anfangsfrage richtig und am schnellsten von allen beantwortet hat und Günther Jauch gerade auf einen zukommt um einem die Hand zu schütteln.
Einfach mal den Absolut Vodka stehen lassen und lieber zum Tetra Pack Wein greifen. Auch mal auf einer Internetkonferenz dazu stehen, dass man lieber den Internet Explorer benutzt. Auch mal in der U-Bahn jemandem ins Ohr flüstern, dass er aus dem Mund riecht. Scheiss auf die gute Erziehung, verteilt Nackenschellen.
Nosaj Thing, der versprochene Killerabend, es kostet mich meine ganze Kraft das zu sagen: ausgefallen. Wir haben den Abend noch recht erfolgreich verbracht, ja, aber nichts konnte die Vorfreude kompensieren, nichts die bittere Enttäuschung ruhig stimmen. Als die Sonne aufging prasselte es Regen auf unsere Clubköpfe hinab, frei nach dem Motto: es ist noch nicht so weit, der Sommer ist noch nicht da, der Rave noch nicht ready.
Aus Last Night The DJ Saved My Life wird “Oh DJ, Where Art Thou?” und einem großen Wochenende, welches den Händen und Köpfen der elektronischen Musikmachern gewidmet war, wurde ein Stück Belanglosigkeit, von kleinen Wassertropfen des Hauptstadtfrühlings weggeschwemmt…
In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…
Ich sitze auf dem Dach. Die Sonne geht unter. Meine Haare werden leicht von dem sommerlichen Wind mitgerissen. Die Augen fokussieren keinen bestimmten Punkt. Sie schauen in die Leere. Ab und an blinzeln sie dann von alleine, ohne das ich es mitbekomm. Ich bin in den Gedanken sowieso ganz woanders. Mein Kopf ist voll. Voller Probleme, Sorgen, Nöten. Und ich weiss nicht, ob ich das alles jemals packen werde. Zusammen packen werde. Alleine packen werde. Ich weiss es nicht.
Ich lasse mich nach hinten fallen, die Wolken über mir haben die dunkel-goldene Farbe der Sonne angenommen und es formen sich wilde Spielereien. Mein Brustkorb hebt und senkt sich im Takt des ratternden Motors, der leise vor sich hinsurrt. Das hat schon fast eine hypnotische Wirkung. Wäre ich jetzt so ein wunderheilender Heini aus dem Fernsehen von einem tollen Lustigen Sender wo man ganz schnell sein Geld verlieren kann, würde ich mich jetzt mit „Ey Bob.. Isch habe die ultimative Mention gefunden um mich voll frei zu fühlen“ betiteln. Da ich aber durchaus mehr Niveau hab als die, lasse ich es, kann ein Grinsen jedoch nicht unterdrücken. Ich breite meine Arme aus und blicke gen Himmel. Meine Gedanken liegen immer noch bei meinen Sorgen und Nöten, sie werden sogar gerade ein wenig schlimmer. Mein ganzes Leben habe ich versucht es allen recht zu machen. Ich wollte immer die Anerkennung, die mich zu einem glücklichen Kind macht. Leider wurde mir das mit 11 Jahren einfach so entrissen. Aus Kind wurde Erwachsene. Die Jugend war ausgeschlossen. Sie war einfach ausradiert. Sie bestand aus nicht viel. Sie bestand eigentlich nur aus mir und der Musik und der Welt der Literatur, des Schreibens. Ich konnte die Gefühle schon immer besser aufschreiben, als sie jemanden ins Gesicht zu schmettern. Das einzige, was ich lernen musste von Haus aus „ Niemand darf dein Inneres sehen, verschließe dich so gut es geht, sei hilfsbereit und denke erst als letztes an dich“. In der Zwischenzeit habe ich auch ein wenig dazu gelernt und verschließe mich zumindestens nicht mehr vor allen Leuten. Jedoch vertrauen finden ist immer noch so eine Sache. Es ist, als wolle mein Leben mir zeigen, das es die Jugend nachholen möchte. Nun, es ist jedoch hierfür zu spät. Vielleicht lern ich das auch noch.
Aber wenn ich mein ganzes Herzblut zusammenstecke und mir meine Ziele immer vor Augen halte, dann schaffe ich es. Dann schaffe ich das, was man mir immer vorwirft es nicht zu haben. Dann zeige ich meiner Welt den nackten Arsch und jeder der dann angschissen kommt, der hat es nicht anders verdient, als ignoriert zu werden. Mein Weg wird erreichbar sein, egal durch wie viele Täler ich noch gehen muss und mit wie vielen Existenzskrisen ich mich noch rumschlagen muss. Meine Gedanken kreisen Richtung Mittelpunkt meiner selbst.
Aufgeregt durch die vielen Gedanken ist mir gar nicht aufgefallen, das es bereits dunkel geworden ist und die Sterne aufgegangen sind. Ich stehe auf. Schüttel die Kiesel von meinen Klamotten, nehm mir den Rest Astra Rotlicht in die Hand, schnipp den Zigarettenstummel weg und begebe mich auf den Weg nach unten. Aber nicht bevor ich meinen Mittelfinger Richtung Horizont strecke und verschmitzt mit gesenktem Haupt lächele.