“Ich würde das hier alles am liebsten aufnehmen. Nicht für mich – ich werde das nie vergessen – sondern für die ganzen Leute zu Hause. Ich will ihnen zeigen, dass es das hier wirklich gibt, dass es nicht nur Legenden sind. Das hier ist Berlin, und das hier gibt es nur in Berlin.”
Natürlich tun wir es nicht. Erstens fehlt uns das Equipment, um soetwas auch nur ansatzweise realitätsnah festzuhalten. Es ist zu dunkel. Die Musik nicht auf Video greifbar. Unmöglich. Dazu noch: nicht teilhaben, nur observieren, um es später greifen zu können- den Moment ziehen lassen? Nein. Und dennoch: ein bisschen sticht es. Wie erzählen wir davon, wenn es vorbei ist? Ohne die Bilder- ohne den optischen und akustischen Eindruck? Und wem erklären wir, wie unfassbar die Location war, wie aufwendig die Vorbereitung, wie fantastisch die Musik, wie groß und vollkommen der Abend und wie es sich angefühlt hat, in den Sonnenschein des Wedding herauszutreten und Arm in Arm wankend die frische Morgenbrise auf der Haut zu spüren? Wer will uns zuhören, ohne es sehen zu können? [Weiterlesen]
Mit dem Risiko, wahrscheinlich die einzige Frau der Blogosphäre zu sein, die Rapmusik in all ihren Facetten wahrscheinlich als Lieblingsgenre beanspruchen kann (mal unabhängig von der generellen Musikflexibilität, die ich unterstütze): jetzt ein Thema, was eher ungewöhnlich ist. Nämlich weiße Typen.
Weißer Rap stresst mich. Eminem, meh, ja. Irgendwie… okay, aber nicht wirklich. Und Asher Roth? Das ist doch Uncle Cracker für Magersüchtige. Wir müssen hier wieder ein bisschen Qualität ins Geschäft bringen. Da Deutschland leider immer noch nichts bringt (Kool Savas ist tot, Bushido ist ein Vollspast (sexy, zugegeben, aber ein Vollspast) und der Rest macht Emo), muss der andere Teil des unbewanderten Planeten Erde nach Talenten durchgeforstet werden. Listen up:
Machine Gun Kelly – Chip Off The Block
Alter. Der Typ ist zwölf und sieht aus wie Avril Lavigne. Konkurrenzloser Flow, sowas hab ich lang nicht mehr gehört. Wie können vierzig Kilo so eine Stimme rauspressen? Und hier ist auch der Knackpunkt: während sich Em und Ash so anhören wie im Stimmbruch, ist der einfach unglaublich sexy, dieses halbe Hemd. Wenn ihr heute einen Track hört ist es dieser hier. Ignoriert das Amateurvideo. Ignoriert die Mittelfinger. Weiße Jungs bringen’s nicht? Oh yeah.
Im Schnelldurchlauf und Panoramaformat, weil Zeit ein karges Gut ist – mit Dank an Kai für die Idee und an Marcel für die erneute Umsetzung. Und weil wir schon dabei sind: Danke auch an Clemens. Ihr macht, dass alles sich weiter dreht.
Es ist eine lange Liste, doch sie ist eigentlich nicht lang genug. Jeder Besucher klickt auf ein Bild, das ihm am besten gefällt. Entdeckt und wühlt, dafür ist das Internet da. Mein Internet jedenfalls.
„Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich für die Zukunft. Unter dem nötigen Ernst und den Augen seiner persönlichen Umwelt bewegt er sich leichtfüßig und definiert sich.
Er ist das wandelnde Abziehbild eines Menschen, der seinen Ernst, seine Vernunft und seinen Wunsch nach Sicherheit vor sich her spielt wie einen viel zu alten und abgenutzten Ball.
Menschen wie er kommen zwangsläufig an einen Punkt, egal wie alt oder jung sie sein mögen, sich ein paar Fragen zu stellen:
Bin ich so wie ich sein will? Passt das, was ich will, überhaupt zu mir? Bin ich neidisch auf die Menschen, die unbefangen und leichter sind? Ertrage ich es, wenn man mich nicht so sieht, wie ich es schön finde? Bin ich zu ernst? Ist Ernstsein so was wie Erwachsensein oder erwachsener sein? Erwarte ich zu viel von anderen Menschen? Erwarte ich zu viel von mir selber? Sind die Anderen freier als ich? Nur durch ihre Art? Ist schüchtern, ernst oder nachdenklich zu sein etwas, das man im ungesunden Maße praktizieren kann? Reflektiere ich zu viel und dränge andere damit? Was ist Zufriedenheit und was ist Glücklichsein? Sind das Dinge, die man gleichsetzen kann oder unterscheiden sich die Dinge und wenn ja, ist es wichtig, das zu wissen und vielleicht auch ein bisschen darüber nachzudenken? Nur für sich? Messe und vergleiche ich mich zu sehr mit anderen? Leben die Anderen besser, die unbeschwert sind? Bin ich anstrengend, kompliziert oder beides?
„Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich, „dann habe ich verstanden, dass ich so bin wie ich bin und dass es nur wichtig ist, meinen wirklichen Freunden nicht fremd zu werden.“
Egal wie der Lebensentwurf aussieht, für den man sich entschieden hat, auch wenn das ein Leben ist, das man so nicht erwarten oder geplant hat, es ist da und es bringt nichts weg zu laufen oder sich Freiheiten und Vorstellungen zu erkämpfen, von denen man keine Vorstellungen hat. Nicht wenn man sich da wo man ist, trotz der vielen Zweifel, eigentlich angekommen fühlt. Auch wenn das ein Leben ist, das man unter 20 nie leben wollte.
Wenn es da ist, dann ist es da. Und es gibt immer Möglichkeiten noch woanders zu suchen. Nach Zufriedenheit, nach Glück, nach Irgendwas. Es wird diese Möglichkeiten immer geben. Die einen nutzen diese Möglichkeiten um auszubrechen, neue Wege zu gehen. Welche Gründe solche Menschen auch immer haben, das zu tun. Sie tun es. Und das ist gut.
Kategorien über Kategorien. Sie abzustreiten ist seltsam.
Für beiden Schlag von Menschen, die Unbeschwerten und die Komplizierten gilt, wie ging das Sprichwort doch gleich: „Stärke wächst aus unbeugsamen Willen.“
Beide sind auf ihre Art und Weise frei. Manchmal auch zufrieden. Und manchmal auch glücklich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Die Fußballweltmeisterschaft 2006 war die erste Weltmeisterschaft, die ich ununterbrochen verfolgte. Fast jedes Spiel – egal ob Deutschland oder nicht – sah ich mir an, fieberte mit. Die Main Arena, dem Public Viewing Bereich auf dem Main in Frankfurt, war knapp einen Monat lang mein zu Hause. Ich lernte Menschen aus aller Welt kennen. Ich feierte und schrie und gröhlte und tanzte und stöhnte und liebte es, mich manchmal ganz klein zu machen und den Leuten dabei zuzusehen, wie sie gebannt auf den Bildschirm starrten. Das Lächeln in ihren Gesichtern, das Zucken in ihren Augen. Wie verkrampft sie sich aneinander festhielten. Wie sie sich umarmten und küssten, auch wenn sie sich nicht kannten. Es war ein anderes Deutschland, da können wir uns alle einig sein.
Doch auch, wenn ich mich gerne an die Gänsehaut und an die Musik und an die Bilder erinnere, die in den schönen Momenten passierten, am markantesten wird mir wohl für immer das Halbfinale zwischen Italien und Deutschland im Gedächtnis bleiben. Die Tränen, die die Wangen meiner deutschen Freunde hinabliefen, waren nichts im Vergleich zu den Tränen, die meine Oma damals ließ. Meine Oma, die für einige Wochen zu Besuch in Deutschland war. Meine Oma, die keine einzige Fußballregel kannte. Meine Oma, die in Deutschland alle paar Jahre Urlaub machte.
Ich fragte sie, lachend, warum ausgerechnet sie denn jetzt weine. Sie sah mich an, schluchzend (und es bricht einem das Herz, die eigene Oma weinend zu sehen) und sagte: “Ihr habt gelernt, zu lachen und Gefühle zu zeigen. Ich habe Angst, wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, dann habt ihr es wieder vergessen.”
Damals verstand ich nicht so richtig, was sie damit meinte. Mit dem Näherrücken der WM in Südafrika und der Vorfreude jedes einzelnen Menschen in diesen Straßen merke ich aber, wie sehr sich die Leute hier nach dem Ausrasten sehnen. Danach, explodieren zu können. Sich freuen zu können. Irgendwie etwas, was man hier sonst nicht so wirklich kann (oder will).
Meine Oma ist seit dem Märchensommer 2006 nicht mehr in Deutschland gewesen. Diesen Juni kommt sie, pünktlich zur WM, wieder vorbei. Gut, dass wir ihren Deutschlandschal nie weggeschmissen haben- wir brauchen doch noch ein bisschen Support.
So, seit ein paar Tagen ist die Domain chaosplanet.de, meine alte Heimat, ein brachliegendes Stück Weblandschaft, das irgendwann im Spätsommer komplett abgeschaltet wird. Ich habe letztes Jahr im August, September von S die Anfrage bekommen, ob ich hier bei dragstripGirl mitmachen möchte, was ich nicht abschlagen konnte, weil S eine großartige Autorin ist und ich neu anfangen wollte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich chaosplanet.de bereits auslaufen lassen, was vor allem daran lag, dass sich meine Welt und meine Entwicklung als Mensch in eine Richtung verändert hat, für die ich weder bereit noch aufgeschlossen war.
Mein altes Zuhause war wie ein paar Schuhe, aus das ich hinaus gewachsen war, das an allen Ecken drückte. Es aufzugeben war nicht allzu schwer, da sich bei dragstripGirl etwas neues anbot, das auch bei Null anfangen musste. Das hat mich gereizt. Chaosplanet.de hatte am Ende viele Leser, viele Fans und viele Anfragen für Lesungen. Ich kam mir vor wie jemand, der in Beton gegossen wurde.
Lange Zeit lag der Blog jetzt mit inaktivem Content rum. Seit Januar etwa habe ich oft darüber nachdenken müssen, was ich von diesem Blog noch verlangen kann, was mir dragstripGirl für Alternativen bieten kann und so weiter.
Und dann irgendwann nach langem Zögern habe ich mich dazu entschlossen, das alte Projekt ganz einzustampfen. Dort kann ich nicht noch mal neu, von vorne, bei Null anfangen. Das wäre so, als würde man seine Vergangenheit – ohne es übertreiben zu wollen – einfach ignorieren. Das habe ich als falsch empfunden.
dragstripGirl hat mittlerweile einen Bekanntheitsgrad erreicht, mit dem sich einige Veränderungen verbinden. Aus den anfangs persönlichen Geschichten ist mittlerweile ein Musikblog geworden, das sich mit Netzkultur ebenso großartig auseinander setzt, wie mit der Einbindung von anderen Gedanken anderer Menschen. Und manchmal auch noch mit eigenen Dingen, deren persönliche Herkunft oftmals verschlüsselt ist.
Das ist mein persönliches Fazit mit diesem Blog. Und ich bin zufrieden. Lange habe ich dragstripGirl in den letzten Monaten den Vorwurf gemacht, meine persönliche Schreibe nicht genug Raum zu lassen. Das ist ein Resultat, wenn sich mehrere Blogger zusammenschließen. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass meine Inhalte, meine persönlichen Artikel hier keinen Platz mehr finden, was vollkommen okay ist. Hier kann ich meine Vorstellungen von Kunst ebenso einfließen lassen, wie meinen Musikgeschmack oder Filmgeschmack.
Nichts kann mich so fesseln und gleichzeitig entspannen wie ein Skate Video. Zwar hat mich meine eigene Karriere sehr früh schon im Stich gelassen (sie hörte abrupt auf, als ich “under the influence” mit hohen Absätzen einen Ollie machen wollte um eine Wette zu gewinnen. Der Ollie klappte, der Knöchel knackte), aber die Leidenschaft ist immer dageblieben. Die wirkt sich heute übrigens so aus, dass ich in den Ferien, die ich in Syrien verbringe, die alte, verstaubte PS meiner Cousins raushole und erstmal Tony Hawks Pro 4 einlege. Wenn ich heute noch Songs vom Soundtrack höre überschüttet mich Gänsehaut und ich bin plötzlich in die völlige Stille des hintersten Zimmers unserer Stadtwohnung versetzt, wo mich die Langweile eines heißen Sommers zum Zocken zwingt. Ich kann zwar nicht viel, aber THPS4 zerballer ich noch im Schlaf und mit zwei Fingern).
Und trotz des fetten “Talentfrei!”-Stempels auf meiner Wampe (ich wollte das erste Mädchen mit Profi-Karriere aus unserer Hood sein, dann fiel mir ein, dass meine Mutter Torte gebacken hatte und rannte eilig dem Fett hinterher, das mir heute das Sichtfeld nach unten versperrt) saß ich mindestens drei Sommer lang jeden Tag im Schatten der Quaterpipe, ließ mir die Sonne auf den Bauch brutzeln und beobachtete talentierte Jungs beim Posen, Tricksen und Spaß haben. Wir waren eine kleine, hängengebliebene Mongo-Teenager-Familie. Aber ohne den Skatepark wären wir nicht nur ein paar lärmende Kids gewesen, sondern auch Druffis, Dealer und kleine Arschlochkleptomanen. So wie die Typen, die eben nicht mit uns am Skatepark waren. That’s how we rolled.
An all das erinnert mich das folgende Video von zwei Typen aus Wisconsin, die eine wunderschöne Choreografie an Spaß hinlegen und mir so den Abend versüßt haben. Heute Nacht werde ich von schönen Skatedecks träumen.
Das fette Kind, die Musik und die letzte Aufnahme runden das Ganze nach meinem Geschmack ab. Und wo wir schon gerade dabei sind: mein absoluter Street-Parkour-Skater bleibt William Spencer. Einmal Orgasmus auf Skateboard, bitte. Purer Sex.
Es ist mal wieder Zeit für ein paar Beats und Raps auf die Ohren. Immer, wenn ich ein paar Tage in Frankfurt verbracht habe und Auto fahre und mein Bruder neben mir sitzt und seinen Ghettoscheiss reinlegt komme ich wieder total in dieses Hip Hop Ding rein. Daher die Perlen und neuesten Releases der letzten paar Wochen.
E-40 – Lightweight Jammin’ ft. Clyde Carson & Husalah
Gebt euch mal bitte den Tanz im Video, ich raste komplett aus. Wehe, das setzt sich bis nächstes Jahr, wenn ich in den USA bin, in den Clubs nicht durch. Überhaupt, der ganze Song mit diesem völlig taktlosen Flow und dem rustikalen E-40 ist wie ein Totalschaden auf der Autobahn, zu grauenvoll um von Gott gewollt zu sein, aber zu gut um wegzucken…
Ich sitze mit meinem kleinen stonerhead Bruder im Keller des Gammelns, wir sind gerade erst aufgestanden. Meine Mutter schläft, mein Vater guckt fernsehen. Wir löffeln Cornflakes und essen Erdnussbuttersandwiches. Er erzählt mir von seiner Freundin, ich erzähle ihm von meinen Plänen, davon, dass ich um die Welt reisen werde. In einem unvorsichtigen Moment versucht er mir seine Socken in den Mund zu stopfen und verpasst mir dabei einen blauen Fleck. Ich räche mich später indem ich Nacktbilder von ihm, als er klein war, ins Internet stelle.
Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich an etwas erinnern kann, dass mehr als zehn Jahre her ist. Es sind meine Erinnerungen, keine Erzählungen- meine Gefühle und meine Bilder, alles gespeichert. Lückenhaft, aber existent. Als ich von zu Hause auszog, weil ich samstagmorgens nicht mehr vom Hämmern des Staubsaugers gegen die Schlafzimmertür aufgeweckt werden wollte, war mein Bruder noch 16 Jahre alt. Nächste Woche wird er 18. Für mich hat sich fast nichts geändert; für ihn alles.
Wir kennen uns nicht, aber ich glaube, dass er ein ziemlich cooler Typ ist.
Gestern wurde Lars Vilks, der schwedische Künstler, der damals den Propheten Mohammad als Hund gezeichnet hat, in Uppsala von ungezügelten, naja, “Moslems” attackiert. Ich setze das ganz absichtlich in Anführungszeichen, weil die sich maximal selbst als Moslems bezeichnen. Würde ihnen ja doch viel lieber die Bezeichnung “Evolutionsbremsen” geben.
Ich gehe jetzt das große Risiko ein, von allen möglichen Fronten angegriffen zu werden, aber ich habe es satt mich wegen solchen blutpissenden Vollidioten für meine Religion, für meine Kultur und für meine Taten zu rechtfertigen und das, obwohl ich noch nicht mal was getan habe. Ich habe es satt, dass man es meinen Eltern schwer macht, obwohl sie ganz stinknormale Menschen sind, die niemanden missionieren wollen, die eine Familie haben, die ein Leben haben wie das von unserem guten deutschen Nachbarn Rainer. Mit dem Unterschied, dass Rainer Bier trinkt, und meine Eltern Tee.
Lars Vilks, the Swedish cartoonist who drew Mohammed as a dog, was recently told that a scheduled lecture on free speech, to be held at Jönköping Högskolan, would be canceled due to “security concerns.” This, of course, is a common evasion, intended to protect the brittle sensibilities of Muslim students while supposedly standing four square behind the right of free speech.
Alas, the administrators in Jönköping had a point. During a lecture in Uppsala today Vilks was attacked by a pack of feral fundamentalists, one of whom managed to headbutt the artist and break his glasses. Police intervened and waged a short battle with the religious nutters who can be heard in the video below, captured by the newspaper UNT, shouting Allahu Akbar! The AP has a quick report, explaining that “Uppsala University spokeswoman Pernilla Bjork said Vilks was showing a provocative film with sexual content to the crowd when the attacker ran up and hit him in the face with his fists.”