“Gentrifizierung funktioniert so: Erst gibt es eine Gegend mit vielen günstigen Mietwohnungen. Die Wohnungen sind günstig, weil die feinen Pinkel da nicht hin wollen. Und so kommen eine Menge junger Leute, Künstler und Studenten in dieses Viertel. Nach einer Weile ist es da ganz toll, das kriegen die anderen Berliner und die Berlinbesucher mit, und schon ist dort die Hölle los. Kneipen und Galerien machen auf, Feste werden gefeiert und plötzlich will jeder dabei sein. So ging es mit dem Prenzlauer Berg, mit Friedrichshain oder dem Bergmannstraßenkiez in Kreuzberg. Alles inzwischen in der Hand gutverdienender Bürger, die Mieten sind gestiegen und die jungen Leute sind gegangen.”
“Und wohin sind se jejangen?” will Hotte wissen, nachdem er lange und nachdenklich an seinem Weizenbier gesogen hat. “Na, eben in den Wedding. Diese Leute, die Künstler und Träumer, die Studenten und Existenzgründer kommen jetzt hierher. Das ist der Vorteil, du musst dich gar nicht weg bewegen, die Szene kommt hierher und verändert alles.”
Am schlimmsten ist der Vergleich mit denen, die mit einer langen, gesunden Mähne gesegnet sind. Meine Theorie: Solche Frauen schwitzen auch nicht, wenn die Sonne knallt. Weil sie nämlich keine Schweißdrüsen haben. Die heulen auch nicht bei traurigen Filmen, tausend Perlen glitzern in ihren Augen und kleine singende genmanipulierte Schmetterlinge tanzen über ihren Köpfen. Und weil sie nicht schwitzen oder heulen, verläuft auch nicht die Wimperntusche. Diese Frauen sehen nie aus wie Zombies. Nie. Man selbst immer öfter. Ihre T-shirts haben auch nie Knitterfalten. Wenn sie in den Raum kommen, ertönt irgendwo in der Ferne ein Glockenspiel und alle Anwesenden werden plötzlich untenrum ein bisschen hibbelig. Alter. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
(Und überhaupt, <3 Franzi – heute werde ich mir die Haare mit einer Küchenschere schneiden, zumindest den Pony, weil in Berlin ist ja ein schlechter Haarschnitt ein guter Haarschnitt. Das ist auch der einzige Grund, warum ich hier wohne. Fast jedenfalls.)
LAHM: Immerhin überall da, wo man ihn braucht. Von seiner Arbeitsauffassung könnten sich die im Netto in der Gartenstraße eine dicke Scheibe abschneiden.
I thought he was supposed to be an ‘authentic artist who cares about conceptual execution’, but this volcano + projector gimmick really ‘failed’ hard. Seems like something you would see at your local high school talent show done by the Tech Theatre department. Really just ‘amateur hour’ for Kanye West. Feel bad for him. Song wasn’t really memorable either. Feel bad that everything has to be so ‘epic’ for him. Thought he could have stolen ‘chillwave’ from indie music and taken it to the mainstream, promoting chillvibes instead of the generic rap vibes.
n. a game played while stuck with someone you don’t know in which players toss increasingly random questions back and forth in a blind effort to detect shared interests, a game of conversational Battleship that continues until you realize that their interests are all bunched together in beet farming, the hurdy-gurdy, or shower curtain rings.
To make sense of the world, we look for cues from our environment whenever we find things we like. The process here is to get back to the good stuff by recognizing the cues which end in reward.
es ist die zeit, in der man aperol-mixgetränke trinkt, das hundreds-album hört, man sich über nieselregen freut, festivaltickets wieder verkauft und einem die sommergrippe nichts anhaben kann, weil man sie nicht bemerkt. es ist die zeit, in der man über sich nachdenkt und ahnt, daß man momentan einen müden remix von sich selbst darstellt, dann aber lächelt, denn man hat vorher „gleichmut“ im wörterbuch nachgeschlagen. außerdem hat man heuschnupfen, und stimmung. ~~
Most importantly, though, they are opposed to the commercialization of football. Elite German people are very good at telling the exact point in time somebody or something has “sold out,” which means it has become popular with the wrong type of German people to a degree that flaunting it ceases to give them that sweet feeling of superiority and importance. Whenever an elite German person starts into another heated rant about how football has become a “multi million Euro” business run by faceless banker-types, and how this has destroyed the true spirit of the game, make sure to nod in perfect agreement, as if you were admiring their politically correct assessment of the evils of capitalism, though the real opinion forming in your head is probably more along the lines of: “Just look at this bitter little man’s mouth open and close!”
Wisst ihr, was mir manchmal fehlt? Ich sag es euch: der Rhythmus. Obwohl ich in elektronischen Gewässern aufgewachsen bin und mir bei minimalen Beats das Herz aufgeht, brauche ich manchmal einfach etwas, dass mich auf eine andere Art und Weise bewegt. Bass, keine Frage. Aber eben auch mehr als nur das Dingelingeling der synthetischen Harmonien. Manchmal, aber nur manchmal, und vor allem wenn das Wetter so bombastisch ist, brauche ich etwas, dass mich tatsächlich aufweckt.
Und geben wir das zu, was wir schon längst befürchtet hatten: die üblichen Retter unserer Tanzgeneration sind tot. Nehmen wir einmal M.I.A. – diese Frau hat es geschafft, Hip Hop, Elektro und X zu einem wunderbaren Tanzmonster zu machen, seltsam, vielleicht, aber durchzogen von BEAT, der nicht ausschließlich dem Bass dient. Und alles, was wir jetzt bekommen, ist die gezwungene Schredder-Musikentwicklung. Pft, Entwicklung, my ass.
Noch kurioser wird es aber wenn man merkt, dass das X, welches M.I.A. einst zu meiner Königin krönte, sich distanziert hat, um was eigenes zu machen. Diplo ist mein Meister, ihm sei ich hörig, denn er befreit mein Herz von der eisern unterkühlten Te-Te-Tekkno Faust.
Diplo, vielleicht der talentierteste, aber mindestens ein begnadeter Producer, der M.I.A. zu dem Status beförderte, der sie letztendlich durchdrehen ließ. Und dabei agiert er meist doch eher im Hintergrund, und lässt seine Puppen tanzen – Puppen wie Spank Rock, Amanda Blank, Maluca, Santigold und sogar motherfucking Justice. Sein letztes Meisterwerk war das Label auf dem hauseigenen Balkon namens Mad Decent – kommt einem spätestens seit dem letzten Rusko Eintrag auch irgendwie bekannt vor, nicht wahr?
The artist M.I.A. brought mainstream international popularity to Brazilian Funk with her single Bucky Done Gun released in 2005, and attention to a DJ called Diplo who worked as its producer. He had worked on M.I.A.’s 2004 mixtape Piracy Funds Terrorism in addition to the tracks Baile Funk One, Baile Funk Two, and Baile Funk Three[15]. He made a 2004 bootleg mix CD Favela On Blast[16] after finding Ivanna Bergese compiled remix-tapes of her performance act Yours Truly. – Wikipedia
Und wen findet man dort- nebst Diplo selbst natürlich sein Alter Ego in der Kollaboration mit Switch, einem weiteren Meister seiner Zunft – Major Lazer. MAJOR FUCKING LAZER, der uns M.I.A. meets Crack auf goldenen Tellern serviert. DJ Blaqstarr, der massig für M.I.A. funktioniert (allerdings weniger auf dem letzten Album, dass ja mehr so Richtung Chillwave tendieren möchte, aber nicht mal das hinbekommt). Mehr namedropping aus der Mad Decent Killer Artists Reihe? Wie wär’s mit Crookers, oder Boy 8-Bit? Yeah. Sogar Snoop Dogg und Kid Cudi konnte Diplo schon in die Tasche stecken.
Major Lazer – Pon De Floor
Aber es hört hier nicht auf, denn dieser Typ hat genau eines getan, für das ich mich für immer und ewig in Dankbarkeit wägen möchte: er hat mir den Favela Funk gezeigt.
Funk Carioca (English: Rio Funk ), favela funk and, elsewhere in the world, baile funk, is a type of dance music from Rio de Janeiro, derived from Miami bass.[1][2] In Rio de Janeiro it is most often simply known as funk, although it is very different musically from what funk means in most other places.[3] “Baile funk”, in Rio, refers not to the music, but to the actual parties in which the music is played.[4] – Wikipedia
Absoluter Fave-Track zur Zeit aus dem Rio Baile Funk: Favela Booty Beats Album (eh, das findet man relativ einfach):
Favela Funk ist Sommer. Und dazu gibt’s jetzt sogar einen Doku-Film – von Diplo höchstpersönlich produziert mit dem glorreichen Titel “Favela On Blast”. Ich. Raste. Aus. Und habe meine Liebe für Sonnenscheinmusik neu entzünden können. Und dann dieses geschmeidige Portugiesisch, dass ich niemals verstehen werde, was aber trotzdem seit Jahren schon soetwas wie meine Lieblingssprache ist. Wenn es denn sowas gibt. Ach, egal. Techno kann im Herbst wieder.
Wenn ihr auf gute Musik steht: zieht euch Favela on Blast an. Es ist der Wahnsinn.
Noch genau 97 Tage bis zum Abflug. Kitzeln im Bauch macht mich verrückt- naja, das, und die Weltmeisterschaft natürlich (jedes Spiel: heute verlieren wir. Heute fliegen wir raus. Dann packen wir es doch wieder. Aber gegen Argentinien schaffen wir es nicht).
Projekte, Projekte, Projekte. Und Geld. Und hier und da mal ein paar Fotos knipsen (was nicht ernst zu nehmen ist. Auch die Pose nicht. Die nur wegen das hier). Und Geld. Und Fußball und eine neue Folge Entourage und ein bisschen weinen, weil die Hormone durchdrehen, und weil ich zu viel Geld ausgegeben habe. Und Mama vermissen, und fett werden, und keine gute Musik mehr finden. Außer das hier:
Das hier bombt mich einfach weg. Macht Mad Decent aber sowieso immer. Here I’m coming.
So voll das Internet auch mit Scheisse ist und mich jeden Tag ein Stück näher zur ultimativen Misanthropie-Königin macht, so ist es auch manchmal ein Ort voller kleiner Geschenke. Zach Anner ist so ein Geschenk.
Zach Anner ist ein Filmemacher und Entertainer, der sich bei einem Oprah-Contest für eine eigene TV-Show in den USA angemeldet hat. Seine Idee? Die Welt zu bereisen und jedem zu zeigen, dass es auch im Rollstuhl keine Grenzen geben muss (er sitzt nämlich aufgrund von Kinderlähmung in einem. Übrigens, sollte ich jemals ein einem Rollstuhl sitzen, werde ich mein Gefähr nur noch Handicapmobil nennen).
Der Typ ist absolut großartig. Diese herrliche Selbstironie, diese Ehrlichkeit, und auch die Idee sind voll überzeugend und mega sympathisch. Vor allem die Reddit-Community hat sich sehr bemüht, Zach im Contest so viele Votes wie machbar zu ermöglichen- Anonymous hat sich später auch eingeklinkt und weitere (schlechte!) Konkurrenten hochgevotet, erstmal, damit die Zahlen nicht so fake aussehen, und zweitens, weil Oprah die fünf ersten zu einem Interview einlädt und Zach neben den bescheuerten Ischen die von 4chan nach vorne gehypt wurden einfach am besten aussieht.
Leute wie Zach machen, dass auch Leute wie ich, die solchen sensiblen Themen lieber aus dem Weg gehen um kein bedröppeltes Gesicht zu machen und unangenehm mit dem Schuh im Sand nach Schätzen wühlen, sich auch mal auseinandersetzen. Es muss nicht immer gleich steif und ernst sein, es reicht, wenn die Message rüberkommt: Alter, ick bin jenau so wie du, nur lustiger.
Schaut euch die Videos von Zach Anner an- es gibt keine schlechten Tage mehr, solange dieser Typ seinen Humor mit der Welt teilen kann. Thank you Zach!
In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…
Ich erinnere mich noch an die Aussichtsplattform und das Glitzern der Mittagssonne, die von den strahlend weißen Flügeln reflektiert wurde. Ich drückte meine Nase gegen das Glas platt bis sie weh tat, und ich hatte eine faszinierende Ausdauer: ich konnte wirklich stundenlang so stehen bleiben.
Ich erinnere mich daran, meinem Vater Adieu zu winken, damals, als man noch mit ans Gate durfte. Ich erinnere mich an meine verrotzte Schnute und die ganzen vielen Tränen, wenn ich mich von ihm verabschieden musste. Dabei verabschiedete ich mich nie wirklich von ihm- ich kannte nur sein Bild, das Bild des Reisenden, mein Held, mein Papa, der Abenteurer. Ich kenne ihn vom Flughafen, wo er mit seinen schönen Taschen stand und meine Mutter leidenschaftlich küsste und uns zu dritt auf seinen Schultern trug und sich von uns loseisen musste, um seinen Flug noch zu bekommen.
Jede Fahrt zum Flughafen war eine kleine heimliche Feier, bei der wir die Autobahn genossen, und der Abend zuvor war mit nervösem Gekicher und einer kindlichen Vorfreude geprägt. Wir erzählten uns Geschichten von Piloten und Wolken und Kampffliegern und wir düsten auf unseren Hochbetten und in unseren Träumen von Kontinent zu Kontinent. Aber es war nicht nur das Fliegen. Es war alles.
Die großen Hallen. Die gedämpfte Akustik. Die vielen hektischen, lachenden, weinenden Menschen und die Sprachen. Manchmal waren es unseren eigenen Koffer, die so ein schönes Geräusch machten, wenn man sie hinterherzog. Es waren auch die Flugzeuge, die großen, die kleinen, und die Stewardessen, die uns Stifte und Ausmalpapier in die Hand drückten, und es waren die seltenen Spaziergänge ins Cockpit, wo uns der beeindruckende Pilot kleine Pins an die Brust steckte und uns die Hände schüttelte. Es war das fertig abgepackte Essen und die anderen Kinder im Flugzeug. Es war das Gefühl im Bauch bei einem Luftloch und die spaßige Angst und die Filme und das Anlehnen an die Schulter meines großen Bruders und das stundenlange Game Boy spielen und sich um den High Score prügeln.
Es waren die Flüge in neue Welten, und es waren die Glückstränen meiner Mutter, wenn das Flugzeug in ihrer Heimat landete. Es waren die Gerüche. Es war der große McDonalds, den wir so liebten, weil wir mit Kindern aus allen möglichen Nationen gespielt haben, in unserer Geheimsprache. Unserer Flughafengeheimsprache, die jeder verstehen konnte.
Es war Papa, auf den wir zu rannten, wenn er wieder zu Hause ankam, nach Wochen der Geschäftsreisen. Er brachte uns exotisches Spielzeug mit, und viele Kulis von Messen, und Geschichten von Koalas und Bären und Fotos von Dheli und Südafrika. Er war unser Flughafen, wenn er nicht verreist war. Er nahm uns hoch und drehte sich mit uns im Kreis und wir fielen lachend und schwindlig zusammen.
Eines Tages kam Papa von einer Reise zurück, ohne Lachen, ohne Freude. Er musste nicht mehr reisen, dafür gab es jetzt jemand anderen. Wir machten keine Ausflüge mehr, und irgendwann wurden wir zu alt, um danach zu fragen.
Mein Papa ging als Reisender. Er kam nie wieder zu uns zurück.
Vielleicht kommen die Zweifel von der Bucket List, die ich seit sechs Jahren führe, und von der ich mittlerweile fast monatlich einen Punkt runterstreiche um dafür zwanzig Dinge hinzuzufügen. Wie immer, wenn es in die Nähe einer Ziellinie geht, dieses aufkeimende, schmerzhafte Bauchgefühl, zuerst Zufriedenheit, bis es irgendwann zur quälenden Unruhe wird. Und dabei ist das Ziel völlig nebensächlich, es ist der Weg, das beschäftigt sein, das nicht-nachdenken, das “der nächste Schritt ist abgesichert”. Nur- wie lange?
… in einer kleinen Seifenblase voller unrealistischer Erwartungen leben, ein bisschen Ehrgeiz und gute Laune und Oberflächlichkeit durchmischen und einen Teig voller Chaos und Unwissen erhalten. Nein, ich will nicht die beste sein, ich will nicht undankbar sein, ich will auch nicht im absoluten Stillstand verweilen- aber wann hört die Suche nach “ausgewogen” auf? Wann darf ich ausatmen und mich glücklich zurücklehnen – für mehr als nur einen temporären Zeitpunkt – für mehr als nur einem Ziel, das ich von meiner Liste abhaken kann?
Was kommt nach einer Weltreise? Was kommt nach einer Großstadt? Was kommt nach der Liste? Was kommt nach Unruhe, Ungeduld, nach pleite sein, nach reich sein, nach hungrig sein, nach schlank sein, nach fett sein, nach Mann, nach Frau, nach gelangweilt sein, nach verrückt sein, nach verliebt sein, nach bekifft sein, nach wach sein, nach fertig sein, nach fertig sein?
Der Grund, wieso ich zur Zeit so einen Sprung von Genre zu Genre mache, liegt wohl in der Tatsache dass sich die Indie/Electro Szene gerade eindeutig zu krass auf die MGMT-Vintage Geschichte festgefahren hat. Entweder, es hört sich alles an wie Electric Feel auf Crack und mit mehr Chillwave/Noise Elementen die mich absolut zum Wahnsinn bringen, oder es ist so langweiliger Popscheiss, hauptsache mit nettem Video, dass ich schon beim ersten hören keinen Bock mehr habe.
Umso schwieriger wird’s natürlich dann, einerseits freshe Musik zu finden, andererseits aber auch Sachen mit Qualität, die mal ein bisschen länger halten als 3 Tage. Da bleibt einem halt nur viel Hip Hop und Auswüchse dessen (Baile Funk, Miami Bass, anyone?).
Nichtsdestotrotz ist die Auswahl relativ moderat was das angeht ausgefallen. Viel Spaß.
Tinashe – Zambezi
Wir läuten – im wahrsten Sinne des Wortes – den Hipster Sommer mit Ray Ban Brillen auf den Häuserdächern zu minimalsten Klängen ein. Schon gut, schon gut; die Musik ist herrlich beruhigend und passt ja auch irgendwie. Ich höre jetzt auf, mich zu beschweren.
Andreya Triana – A Town Called Obsolete
Was ist das? Eine Mischung aus Soul, Pop und R&B und noch ganz vielen anderen Dingen, die mir sehr, sehr gut gefallen, und von denen es etwas öfter mal Qualität geben könnte. Diese Stimme entzückt mein Herz. I WANT MOAR!
… (But I Learned Anyway) – Ich sage ja immer, es gibt Dinge, die werden einem in der Schule nicht beigebracht. Richtige Lebensweisheiten. Andererseits ist es auch gut, dass sie einem nicht beigebracht werden: so kann man nämlich ganz leicht die Sorte Menschen rausfiltern, mit denen man nichts zu tun haben möchte. Oder die man belehren will. Oder mit denen man gerade deshalb etwas zu tun hat. Wer weiß, es kann nie genug Schubladen und Etiketten geben.
Eine wunderschöne Sammlung Illustrationen mit Wahrheitsgehalt. Eine kleine Auswahl.
Letzteres gilt natürlich nur für Jobs, die man nicht mag. Die, die man mag, macht man eh schnell (und gut). Ansonsten gilt die Theorie vor allem, wenn Mutti will dass man putzt: “ICH MACH NOCH HAUSAUFGABEN!”
Brasilien – Nordkorea. Wie spannend kann eine solche Begegnung (während einer solch trägen WM) schon sein? Mit nur halber Aufmerksamkeit und in spürbar schmerzhafter Langweile einschalten und beduselt werden. Ja, die Brasilianer dribbeln ganz schön, aber auch nicht aufregend. Die Nordkoreaner halten sich besser, als man denkt – überraschenderweise kaum Abseitspfiffe, keine Karten, kein ständiges Foulpfeifen.
Bis die Koreaner dann irgendwann das 2:1 schießen. Die Koreaner schießen ein Tor gegen Brasilien, und keiner sieht es – bis auf die eingekauften chinesischen Söldner, die zu vierzigst auf den Tribünen stehen. Die Freude der Nordkoreaner ist ehrlich und ergreifend, aber leider bleibt es dabei, dass sie sich zu elft freuen.
Wie sehr wir feiern, wenn die WM uns neue Freunde bringt, und wir über Kulturen hinaus an einer einzigen Leidenschaft partizipieren. Und dann ist da so ein Land ganz weit weg, das man gelernt hat zu verachten für eine menschenunwürdige Politik. Man stelle sich vor, die sitzen alle zu Hause und schälen Gemüse, und haben keine Ahnung, was in Südafrika passiert. Die Fußballer, wahrscheinlich zum Spielen herangezüchtet, dürfen einen Job machen. Was wird ihnen erzählt? Wissen sie, dass da eine große Party ohne sie läuft? Würden sie überhaupt gerne daran teilnehmen? Was ist mit den Spielern? Wie fühlen sie sich, völlig umzingelt von so vielen Profis, die ihre halbe Heimat mitgenommen haben? Wie alleine kann man zu elft auf einem Platz stehen?
Nordkorea schießt ein Tor gegen Brasilien, obwohl wahrscheinlich nicht ein einziger echter Fan im Stadion zu finden ist. Nordkorea schießt ein Tor gegen Brasilien, und keiner ist da, um sich mit den Spielern zu freuen.
Wenn ein Fußball im Wald ins Tor geschossen wird, und keiner ist da, um es zu feiern – ist es das Spiel überhaupt noch wert?
In 100 Tagen werde ich Berlin verlassen. Nach zwei Jahren. Und Berlin ist Schuld: ohne die Inspiration, die Atmosphäre und die Gelegenheiten dieser wunderbaren Stadt hätte ich es niemals geschafft, eine Weltreise in Angriff zu nehmen.
Die Menschen, die ich hier kennen gelernt habe – seien es nun Berliner, Touristen oder Zugezogene – und die Konversationen, die sich in meine Erinnerungen eingebrannt haben, sind ausschlaggebend für alles, was sich positiv auf meinen Charakter ausgewirkt hat. Oder, mal unabhängig davon, wie gut oder schlecht meine Persönlichkeit für andere aussieht: ich bin zufrieden. Ich habe in Berlin gelernt, zufrieden zu sein, und ständig an mir selbst zu arbeiten, und für die Dinge, die ich will, auch hart zu arbeiten.
Berlin also. Ich habe lange gebraucht, um meinen Platz hier zu finden. Jetzt, wo ich bald nicht mehr hier sein werde, schlägt mein Herz noch ein bisschen härter für diese Stadt. Ich genieße jeden Moment: im stinkenden Netto, wo sich eine alte Frau mit einem kleinen Jungen um die letzten verschimmelten Tomaten streitet. In einer Szenebar, wo mir der Rauch vieler selbstgedrehter Zigaretten noch bis nächste Woche in den Haaren hängen wird. Im Park, wo ich mit meinen liebsten Freunde grille und der Gitarre eines völlig untalentierten Musiker lausche. Die Dichte und das Lebensgefühl machen es möglich.
Mir hat Berlin unglaublich gut getan, und jeder meiner Atemzüge, jeder Schritt, der von hier aus gegangen wird, wird von dieser Stadt geprägt. Als kleines Tribut und als begleitendes Projekt für meine Reise möchte ich daher finding berlin vorstellen; kein Blog im eigentlichen Sinne, nur ein Festhalten von Momenten, die ich weder in Berlin noch im Ausland vergessen möchte.
Und irgendwann komme ich wieder hierher, und gebe Berlin hoffentlich etwas mit mehr Substanz zurück, aus Dankbarkeit, aus Liebe, und weil es nirgendswo schöner ist als in der zweiten Heimat, die einen von den Sehnsüchten der Jugend befreit – und sie stattdessen zur Realität macht.