100/2010

Es gibt keine Regeln für Musik, die einen durch die ganz besonderen Phasen und Momenten begleitet. Das ist unter anderem verdammt schlechte Musik, aber an die erinnert man sich dann eben zwanzig Jahre später noch. Hoffentlich. Und ich gebe es auf: es wird niemals einen Bob Dylan mehr geben, und ich habe es satt, mir den Sommersoundtrack aus der Vergangenheit auszuleihen. Es geht weiter. Hier sind meine Erinnerungen an das Jahr, und speziell den Sommer 2010, welches sich für mich zumindest musikalisch dem Ende neigt. Auf einer Reise wird man wahrscheinlich keinen großen Fokus auf Neuerscheinungen legen, und ich könnte es nicht ertragen, ohne eine Top 100 aus dem Jahr zu gehen. Also gibts die halt Ende September. So wie Lebkuchenherzen. Müsst ihr mit klar kommen.

100 – 90

100/Booka Shade/Teenager Spaceman/YouTube
99/Darwin Deez/Up In The Clouds/YouTube
98/Elite Gymnastics/If U Love Me/Download
97/Diggy Simmons/Made You Look/Vimeo
96/Gucci Mane/Break Yourself (Diplo Remix)/YouTube
95/Grum/Can’t Shake This Feeling/YouTube
94/Home Video/I Can Make You Feel It/YouTube/Download
93/Intuition/Buzzkill ft. Slug/YouTube
92/Kisses/Bermuda/YouTube
91/Juelz Santana/Back To The Crib (ft. Chris Brown)/Vimeo

 

And I’m sorry I let you down
Down to the ground
But who cares now?

90/Jonsi/Go Do

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punktpunktpunkt

photo by the duckduckcollective, from "Americana II"

Wir haben alle Uhren, die wir finden konnten, rückwärtsgedreht. Haben gegenwärtige Impulse an Lunten angezündet und die Streichhölzer danach ausgeblasen. Wir haben von ‚Morgen‘ geredet und ‚Gestern‘ gemeint. Haben falsche Fährten für das Outro gelegt. Haben das Repeat rücksichtslos, aber gutgemeint in die Logik installiert und das Warten mit Hoffen ausgewechselt. Wir wollen nichts sagen, nur halten, auftürmen, alles in unsere Taschen stecken und für uns behalten. Wir haben Luftschlösser mit Granit angedeutet, Fenster in dunkle, feuchte Keller gebaut. Wir haben ‚auf leisen Sohlen gehen‘ gelernt und sind rückwärts geschlichen. Wir haben nachts das Licht angemacht und tagsüber die Augen geschlossen. Ja, du hast recht, wir lassen einfach nichts unversucht

– danke, bisaz

Tulsa / Teenage Lust

Als ich das erste Mal den Film KIDS sah war ich jünger als die Protagonisten. Trotzdem war alles, was in der erzählten (und sehr intensiv erlebten) Geschichte für mich glasklar greifbar, und kaum so schockierend, wie es wahrscheinlich einst auf ein Kind in der Vorstadt vielleicht gewirkt haben mag.

Im MMK Larry Clarks Photografien zu entdecken war unschuldig, und obwohl ich den Namen selbst nie gehört habe, waren die Fotos ganz klar zuzuordnen, aus derselben Zeit, in dieselbe Situation, mit einem Unterschied: so viele Jahre später bin ich gerührt. Oder bis ins Mark erschüttert. Oder vielleicht auch einfach nur zergangen in Ehrfurcht, so richtig zuordnen lässt sich das nicht.

Zeithistorische Dokumente aus einer faszinierenden Ära voll mit Verlust, Spritzen und viel zu früher Ejakulationen in Schwarz/Weiß. Ich kann meine Faszination nicht in Worte fassen. Larry Clark.

Falls jemand übrigens weiß, wo ich eine große Version des Jungens auf dem letzten Bild (der rechte) herbekommen kann, bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.

Home

Home. Fühlt sich nur leider eher an wie weit, weit weg…

Weltfrieden

Die Dusche ist ein fundamentaler Bestandteil meiner hormonellen Balance im Leben. Eine heiße Dusche mit entsprechend viel Druck sollte zu den essentiellen Grundbedürfnissen der Menschen gehören. Grundrecht-Dusche. Bürgerrechtsbewegungen für Duschen. Homosexuelle Paraden für Duschen. Und ich meine nicht die Duschen wie hier in meiner Altbau-WG, dieses Geriesel aus der Brause, dass sich stark so anfühlt wie aggressiv von Ameisen angespuckt werden. Ich rede hier nicht von lauwarmer Wustbrühe. Ich rede hier nicht von ewigem Rumschrauben für die perfekt Temperatur. Ich rede hier von: HEISSE DUSCHEN DIE DEN DRECK VON MEINEN WADEN SPÜLEN.

Aber nein, das darf ich ja nicht haben. Nein, hier in meiner wunderschönen Wohnung im Wedding gibt es nur auf die Fresse vom lieben Dusch-Gott, der mir jegliche Genüsse eines nassen, wohlriechenden Körpers verwehrt. Im Abfluss liegt noch Konfetti und die Brause wird von Restwasser aus dem Knastgulli in Sachsenhausen gezogen. Wisst ihr, wenn ich mir in diesem Augenblick eines wünschen könnte, es wäre eine Dusche. Nein, nicht den Weltfrieden. Um ehrlich zu sein ist der Weltfrieden nicht mal auf Platz 2, auf Platz 2 wäre nämlich direkt mal eine warme Mahlzeit von meiner Mutter zubereitet. ICH SCHEISS AUF DEN WELTFRIEDEN! IHR KÖNNT EUCH DEN WELTFRIEDEN MAL QUER INS ARSCHLOCH RAMMEN, WELTFRIEDEN IST NICHT MAL IN MEINEN TOP TEN AN WÜNSCHEN VERTRETEN! ICH HASSE WELTFRIEDEN!!!!!!

Das wird mir jetzt ein bisschen zu dumm hier. Gebt mir einen Gartenschlauch, einen Topf mit heißer Kuhgülle, ES IST MIR EGAL, FICK DEN WELTFRIEDEN!!!!!!!! AAAAAH!!!!

(übrigens befinde ich mich noch nicht auf Weltreise, erst ab dem 3. Oktober. Kann aber sein dass es hier in der Zwischenzeit trotzdem ruhiger wird)