Hanoi Hustle

In Hanoi haben wir dann zum ersten Mal seit Langem wieder Deutsche Touristen getroffen. Das sind übrigens die schlimmsten: die arbeiten den Reiseführer regelrecht ab, von Frommers bis Lonely Planet wird nichts unangetastet gelassen. Das sind die, die an völlig nichtigen und uninteressanten Stellen der Stadt stehen bleiben und nachlesen, dass an just diesem Ort mal irgendwas so unwichtiges war, dass selbst die Vietnamesen keinen Bock mehr drauf hatten. Für die ist das kein Urlaub, für die ist das Studium! Und bloß kein Kapitel auslassen! Alles mit Fähnchen und verschiedenen Farben markieren! Wir müssen alles sehen hop hop hop hop hop.

Spaß haben die jedenfalls nicht, zeee Dschermans. Die sind auch definitiv Schuld daran, dass wir immer mit den tempelgeilen Brillenschlangenopfern in einem Zimmer landen, weil die stilvollen Spanier, die easy-going Franzosen und die coolen Schweden nämlich sehr viel Abstand von den überkorrekten, humorlosen und biederen Deutschen nehmen. Deshalb sage ich auch nicht, dass ich aus Deutschland komme. Ich sage immer, ich hätte mein Gedächtnis verloren und suchte jetzt meine Vorfahren (mein südostasiatischer Look spricht eindeutig für diese Ecke der Welt). Im Notfall tu ich so, als käme ich aus der Schweiz. Neutraler geht es nicht mehr.

Aber wenigstens sind die Deutschen harmlos. Sie mögen mich auf die Palme bringen, aber sind im Nervfaktor nicht zu vergleichen mit anderen Nationen. Amerikaner sind zwar seltener in diesen Gefilden anzufinden, aber wenn sie kommen, dann direkt in einem Rudel von sechs bis fünfzehn Mann und Frau die alle laut rumkreischen, “like, uh, like” stottern und eigentlich immer alles falsch machen, was es falsch zu machen gibt. Es ist zwar immer lustig, aber nur, weil man über sie und nicht mit ihnen lacht. Gott, wie naiv diese Kids sind, und in welche Fallen die immer tappen, kein Wunder, dass die den Krieg verloren haben, da musste ja nur ne pralle Vietnamesin drüberrutschen damit die alle mal keinen Bock mehr auf Geballer hatten.

Am penetrantesten dürften dafür die Engländer versus die Australier sein (ich kann mich wirklich nicht entscheiden, wer schlimmer ist, obwohl es auf beiden Seiten bisher auch angenehme Ausnahmen gab). Auf einer einsamen Insel von allen kulturellen Einflüssen abgeschottet aufzuwachsen muss schwierig sein, denn alles, was die machen, ist saufen. Saufen saufen saufen saufen saufen. Saufen saufen. Drölftausend Trinkspiele kann man mit denen spielen, und alle enden damit, dass man nackt ist. Und betrunken. Und überhaupt: ich habe auf dieser Reise mehr Engländer getroffen, als in meinem ganzen Leben zuvor in Europa, inklusive Kurztrip nach jolly britain. Und die zwanzig Australier, die es einst mal im fernen Pazifik gab, haben sich auch in Rotation mit ihren Vorfahren auf dem Restplaneten verteilt. Was wird mich dort eigentlich erwarten, eine Horde deutscher Work&Travel Besucher, alle auf der Suche nach dem letzten Australier? Gibt es überhaupt noch Engländer und Australier in ihren respektiven Ländern? Sind noch welche da geblieben, oder begnügen die sich jetzt alle damit, thailändisches Billigbier zu saufen und Ladyboys abzuschleppen?

Am unentschlossensten bin ich immer noch bei Holländern und Israelis. Holländer sind ganz ganz fantastische Menschen, aber ich spüre immer ein starkes Verlangen, denen in einen Becher zu pinkeln, wenn sie nach Heineken fragen. Noeken in de Koekn. Israelis sind einfach nur schwierig, weil bisher zwar alle nett waren, aber jeder direkt die Politikschiene mit meinem arabischen Hintergrund einfahren wollte, und dann bin ich ja auch noch Deutsche, eigentlich geht es gar nicht schlimmer, und dann reden die den ganzen Tag auch über nichts anderes mehr außer das und wenn man abhauen will verfolgen sie einen. Aber wenigstens sehen sie meistens sehr, sehr gut aus. Auf einer Skala von Eins bis “Er darf ihn auch mal reinhalten” im Durchschnitt auf dem besten Platz.

Also, ich weiß nicht wie eure Weltreise so ist, aber meine schürt die Vorurteile sehr gut. Jeder tolerante Mensch sollte so eine Reise machen, wenn er mal öfter in Schubladen denken möchte! Wenigstens kommen die armen Vietnamesen bei meiner Abrechnung ganz gut weg. Im Prinzip tun die keinem was Böses, aber das Essen, das kann man nicht mehr retten, das ist ein absoluter Horrortrip und ganz weit weg von den kulinarischen Genüssen, die unsere Gaumen aus Thailand gewohnt waren. Überall Schweinefleisch, Schweinefleisch, Schweinefleisch, ODER Rindfleischsuppe, und egal wie gut die sein mag, ich kann es nicht mehr sehen. Gott, dieses Schweinefleisch macht mich fertig.

Im Übrigen merkt man den Vietnamesen an, dass sie Freude am Aufbau haben. Alle arbeiten, aber wirklich alle, ich habe noch nie so ein arbeitswütiges Volk gesehen. Jeder ackert sich Tag und Nacht den Arsch ab. Die einen verdienen ihr Geld vor allem durch mich, weil ich zu blöd bin, die 10.000 Dong von den 100.000 Dong zu unterscheiden, und die anderen verdienen ihr Geld damit, Schweinefleisch zu verkaufen. Und dann gibt’s ja auch noch die Moskitostämme, die ich ganz alleine mit meinem Körper durch den harten Winter gebracht habe, ja, ich alleine bin verantwortlich für eine Horde wilder Moskitobabies…

Alle haben gesagt, wir sollen uns vor dem Verkehr in Acht nehmen. Und zugegeben ist er ein bisschen anstrengender als in anderen Städten, aber wer sein halbes Leben in Damaskus verbracht hat ohne draufzugehen, der hat’s auch in Hanoi nicht schwer. Nur dass es in Damaskus den Durchfall für weniger Geld gibt, verhurter Wechselkurs. Zurück zum Verkehr: es ist wirklich nicht so schlimm, wie alle immer rumheulen. Hier ein Beweisvideo.

Es wurde auch schon öfter angesprochen, dass ich mich hier sehr oft beschwere und damit diese vom Tourismus abhängigen Länder nicht gerade schön darstelle. Aber oh meine Fresse, wer einen ausgeglichenen Reisebericht lesen möchte, der kann ja Donnerstags und Samstags VoxTours einschalten, oder Die Auswanderer, Top-Qualitätsfernsehen, und wem das auch nicht reicht, der kann sich ja das Lonely Planet Forum zu Herzen nehmen, das macht auch ganz ganz viel Spaß, und wenn das immer noch nicht genug ist, dann spart euch die paar Cent selbst zusammen, schießt euren eigenen Fotos und spritzt am Ende schön auf euren wunderbaren Erfahrungen ab. HABT IHR MEINEN BLOG ÜBERHAUPT SCHON MAL GELESEN? WENN ICH MICH HIER NICHT BEKLAGEN KANN, JA WO DENN DANN? LECKT MICH DOCH AN MEINER HAARIGEN VOLUMINÖSEN RECHTEN TITTE IHR GEIER.

Halong Bay – Liar

An einem einsamen Strand nachts unter den Sternen zu liegen hatte auf dem Kitschometer gerade noch gefehlt, aber woanders konnte ich nicht hin; in der Hütte spielten die Engländer und Australier gerade sündenpfuhlige Trinkspiele und zogen sich gegenseitig aus, und um 7 Uhr schlafen gehen war sogar für meine müden Knochen zu heftig. Neben mir lag die Kanadierin. Wir waren schon eine Weile zusammen gereist, ohne viel miteinander zu tun zu haben. Sie erklärte mir, dass das kein schöner Himmel sei. In Kanada könne man zur richtigen Zeit so viel mehr sehen. Ich wusste dasn ich war nur sehr froh, nicht mit den Holzfällerprimaten aus der Hütte zu Ibizamusik saufen zu müssen.

Ich rechnete nicht mit der Flut, die unsere Beine bei Sonnenaufgang bedeckte. Ich rechnete nicht mit dem Engländer, der neben uns lag, mit Sand in seinem Prinz Harry Gesicht und seinem T-Shirt als Kissen zerknittert, ich rechnete nicht damit, dass wir uns je wieder sehen würden. Ich rechnete nicht mit den Muscheln, die sich als Ganzkörperabdruck in mein Fleisch gedrückt hatten, ich rechnete nicht damit, dass es morgens so kalt sein würde. Ich hatte mit nichts von all dem gerechnet, aber alles war eingetreten.

Im Bus legt der Engländer mir die Hand auf die Schulter, und flüstert mir ins Ohr, dass wir definitiv weiterreisen müssten, raus aus Vietnam müssten. Nach London müssten. Bei einem Raststopp lacht die Kanadierin darüber, dass ich es wirklich schön fand auf Halong Bay zu cruisen, sie sagt, in Cayman (wo sie seit mehr als fünf Jahren wohnt) würde ich erst wissen, was ein schöner Strand ist. Aber ich will nicht nach Cayman, und ich will auch nicht nach London.

In Hanoi winkt mir jemand von der anderen Straßenseite heftig entgegen, als wir scharfe Pho Bo Suppe schlürfen und mein Magen gerade rebellieren will. Es ist der New Yorker, den ich vor langer Zeit mal in Frankfurt traf, was für ein Zufall, du hier, ich auch. Ich rechnete nicht mit ihm, und ich rechnete nicht mit dem schönen Abend, den wir im Hustle von Hanoi verbrachten, ich rechnete nicht mit seinem schnellen Scooter, ich rechnete nicht mit seinem Unfall, ich rechnete nicht mit dem Geld, ich rechnete mit gar nichts, und als er mich umarmte und sagte, er hoffe, dass wir uns wieder sehen würden, da wusste ich, dass ich auch nicht nach New York will.

Bevor ich schlafen ging, sortierte ich meine Bilder durch, und ich sah den Berliner aus alten Zeiten, mir zuzwinkern und Grimassen schneiden, aber meine Gefühle waren nicht da, und damit rechnete ich nicht: dass ich eines Tages nicht zurück nach Berlin gehen wollen würde, das überraschte mich, aber es war nur eine von vielen Sachen, und heute fahren wir weiter nach Hue. Der einzige Ort, an dem ich gerade sein möchte.

I know you can feel it too / don’t hide, you’re a liar

Runaway

Unglaublich, Kanye West fickt mich bis nach Vietnam.

Wenn ich diesen Song nur hätte.

You Got Me

Somebody told me that this planet was small / we used to live in the same building on the same floor / and never met before / until I’m overseas on tour

Chiang Khong Mortal Kombat

Die Ueberlandfahrt von Thailand nach Laos hat uns bis an unser Lebensende traumatisiert. Eigentlich haetten wir noch mal eine aehnliche, aber 24-stuendige Fahrt von Ventiane nach Hanoi machen sollen. Mittlerweile tut es nicht mehr so weh, fuer ein sicheres Ueberleben viel Geld zu bezahlen, weshalb wir 130 Euro fuer einen einfachen Flug latzen muessen. Gut, dass wir das fruehestens in Australien bereuen werden.

Ein Zwischenstop auf unserer Fahrt war das beschauliche Chiang Khong. Es waren die bis dato teuersten Zimmer, die wir je gebucht haben, und gleichzeitig auch die schlechtesten. Da wir die Strecke mit unserem Guesthouse organisiert hatten, hatten wir eigentlich null Einfluss auf das, was geschehen wuerde. Riesenkakerlaken, Geckos und Spinnen im undichten Zimmer ohne Ventilator. Zu dritt. Noch nie hat man uns so in Angstschweiss und Ekel kuscheln sehen.

Von Chiang Khong ging es dann nach Huay Xai, der Grenzstadt auf laotischer Seite. Von dort haetten wir EIGENTLICH ein Slowboat ueber den Mekong nach Luang Prabang nehmen sollen. Eigentlich. Als wir naemlich auf unsere Stempel warteten, erzaehlte uns der Orgaisator, dass es ja auch einen Bus gaebe. Der wuerde auch nur 10 Stunden und nicht 2 Tage brauchen, und man muesste nicht noch wahlloserweise eine Nacht in einem Dorf voller Diebe verbringen. Und ueberhaupt, das Slowboat waere furchtbar, der Bus aber immerhin voll klimatisiert und… alle fielen darauf rein und buchten den Bus.

Wann genau eine 10 stuendige Busfahrt durch die unasphaltierten BERGE von Laos je genau attraktiv schien ist mir bis heute noch unklar. Als wir im Regen mit einem Reifen ueber die Klippe rutschten wusste ich, dass mein Leben vorbei war. Ich rief meine Mutter an und sagte ihr, dass ich sie liebte. In ihrer unantastbaren Coolness sagte sie nur: “Kind, hoer auf rumzujammern, sterben wirst du erst, wenn ich dich mit meinen eigenen Haenden dafuer erwuergen darf, dass du je weggegangen bist”. Wir haben tatsaechlich ueberlebt, aber nicht, ohne einen immensen Schaden davon zu tragen. Hier noch einige Dinge, die ganz interessant waren:

– Die Busfahrt dauerte 16 Stunden. Wir kamen erst um 5 Uhr morgens in Luang Prabang an und mussten samt Gepaeck erst mal alle Guesthaeuser wach klingeln und fuer viel zu viel Geld uebernachten.
– Der Bus hatte keine Klimaanlage
– Die Sitze waren aus durchgedruecktem Plastik.
– Es gab null Beinfreiheit, und die behinderten, fotzenfruehstueckenden Englaenderinnen vor mir mussten ihren Sitz auch noch zurueckklappen. Oh Gott, ich haette denen sowieso am liebsten so hart ins Gesicht getreten, diese unfaehigen, vollgeschaedigten, durchgefickten, abgeleierten Hurenstuecke von Menschen, sowas habe ich in meinem Leben noch nie gesehen, Tussis, die einfach nur zurueckgefickt und abgetrieben gehoeren, alle beide. Und dann sind die uns auch noch immer hinterhergelaufen, und haben immer unseren Scheiss mitgebucht, mir waren schon die Aederchen im Auge geplatzt, so sehr tat es weh.
– Wir hatten Huehner im Bus
– Es kamen staendig mehr Leute in den schon vollgepackten Bus. Die sassen dann entweder auf Plastikstuehlen im Gang, oder standen einfach ein paar Stunden.
– Der Busfahrer trank bei jeder Pause erst mal ein paar Bier, wahrscheinlich, um sich besser auf den Weg konzentrieren zu koennen.

Leider gibt es von dieser Reise keine Beweisfotos, weil ich mich zu stark darauf konzentrieren musste, die unkontrollierbare Durchfallexplosion zu zaehmen. Am Ende hat es sich natuerlich fuer Luang Prabang gelohnt. Es gab bisher wirklich keine Stadt, die mich so um den Finger gewickelt hat, so viel Charme und Sexyness. Und die Laoten selbst, staendig nur am Opium chillen und smilen, als ob es sonst nichts gaebe. Sowas zerbackenes, da steht quasi mein Name drauf… aber dazu spaeter mehr..

Vang Vieng – My Party

Ich würde gerne davon berichten, wir wir heute tuben waren, uns danach Joints und Happy Shakes rektal einführten und glücklich im Sonnenlicht dem Hedonismus fröhnten um dann im Siffwasser von Vang Vieng mit fremden Menschen Liebe zu machen. Stattdessen berichte ich euch lieber davon, wie es mir geht. Man kann es mit einem “mittel bis DU VERDAMMTER HURENSOHN VON KÖRPER” zusammenfassen. Seit gestern tun mir die Glieder furchtbar weh, und ich empfinde nichts außer Übelkeit. Ich kann mich kaum bewegen, aber schlafen kann ich auch nicht. Wir liegen hier in der Chill-Out Area unseres Guesthouse und lassen uns mit Family Guy berieseln, und immer, wenn der Fleischgeruch der gegenüberliegenden Ad-Hoc Grillerei rübergeweht wird, muss ich würgen.

In Chiang Mai haben wir einen Hund erbrechen sehen. Er lief neben uns her, machte langsam halt, und ließ weißen Schaum aus seinem Mund hinauslaufen. Kein großes Würgen, kein Maulen, nichts. Ich habe noch nie in meinem Leben – weder Mensch noch Tier – jemanden so resigniert kotzen sehen. Und so weit ist es jetzt auch mit mir. Ich würde wohl glücklich und zufrieden in meiner eigenen, breiigen Lache vor mich hin zittern.

Jedenfalls ist Vang Vieng wohl von Satan höchstpersönlich geschaffen worden. Hier vegetieren alle Touristen zombiemäßig in den Lobbies ihrer Gästehäuser, wo nur Family Guy oder Friends läuft, rauchen ihr Weed oder Opium und lassen es sich gut gehen. Viele müssen leider aber auch ihr Leben hier lassen, weil sie so bescheuert sind, volldruff oder druckbetankt in den Sifffluss zu springen. Traurig, traurig. Wir haben, während wir rumleichen, nicht viele Touristen getroffen, deshalb kann ich mich noch nicht zu sehr über diese mallorcaartigen Zustände beschweren. Aber glaubt mir, die Motzerei wird noch kommen (aber erst nach der Party, mich endlich wieder herablassend über polohemdentragende Spastitouristen aus England und Amerika zu beschweren lasse ich mir hier mit sicherheit nicht entgehen).

In der Zwischenzeit bin ich ja glücklicherweise nicht alleine. Mein Mitreisender, JJ, hat seit gestern Denguefieber-Symptome. Wir waren im Krankenhaus und haben ihn durchchecken lassen, aber es wäre wohl noch zu früh, um hektisch nach Bangkok abzureisen. Deshalb werden wir heute noch abwarten, was sein Fieber so zu berichten hat. Allerdings wird mit Sicherheit keiner von uns Vang Vieng verlassen, denn wenn wir wirklich wegen ihm nach BKK zurück müssen, bringe ich ihn einfach um und mache weiter.

Für so viel Partystimmung habe ich sogar auf der Horrorbusfahrt von Chiang Khong nach Luang Prabang (kommt noch) ein passendes Mixtape zusammengestellt. Mal sehen, wann ich das endlich auspacken darf. Und wer die Songs dazu online findet bzw. die entsprechenden YouTube Videos, darf sie gerne in den Kommentaren posten, ich kann hier nämlich nada hochladen und YouTube reagiert hier fast nicht..

3 6 Mafia – I’d Rather (Arthur King Remix)
Prince – Erotic City (Morsy Mix)
Telephoned – Pop Champagne
Major Lazer – Keep It Going Louder
Gucci Mane – Break Yourself (Diplo Remix)
Too Short – Blow The Whistle
The Dream – I Luv Your Girl (Morsy Mix)
M.I.A. – U.R.A.Q.T (Konrad Remix)
M.I.A. – Death To The Throne
Cidinho e Doca – Cidade de Deus
Laura Branigan – Self Control
Shannon – Let The Music Play
Oh Snap! – I’m Too Fat To Be A Hipster
Spank Rock – Loose (ft. Amanda Blank)

Ach ja, und Fotos gibt es auch nicht. Suck on it, faggot.

Chiang Mai Province – Waspy

Das mit dem Trekken durch den Dschungel war mir ja bereits vor der Reise sehr suspekt. Möchten sich Menschen wirklich in ihrem Urlaub aktiv, gar sportlich betätigen? Ich gebe mir hier redlich Mühe, sogar vom Reis noch Fett zu werden. Dazu kommt mein derzeitiger Anblick: behaart von Kopf bis Fuß inklusive Medusahaaren, zerstochen und zugeschwollen von wütenden Mücken, halb verbrannte, sich abpellende Schlangenhaut in chamäleonartig sich ändernden Farbtönen, Bangkokschmockpickel im Gesicht, ständig sonnenbedingt schielende Augen, ein kauerndes Humpeln vom tonnenschweren Rucksack und der ewige Gestank, der sich nicht mehr abwaschen lässt. Zu groß also die Gefahr, im Urwald für einen selten hässlichen Big Foot gehalten zu werden. Scheisse, sogar die Ameisen machen mittlerweile einen Umweg, wenn sie mich rollen hören.

Anyway. Trekking. Wenn man denn schon mal in der Nähe von Käfern, Spinnen, Moskitos und anderen wilden Viechern ist und sich noch nicht verausgabt genug fühlt, dann ist es ja nur selbstverständlich, dass man das bequeme Hotel für eine Holzpritsche und akuter Verstopfung aufgibt. Zumindest ist das der allgemeingültige Konsens wenn man Backpacker vom Fach fragt. Das sind übrigens die gleichen Typen, die auch damals in der Schule gefragt haben, ob man denn jetzt endlich die Hausaufgaben abgeben könne, und damit alle anderen in die Scheisse ritten, die sie nicht gemacht hatten. Scheiss CDU-Wähler sind das, elendige.

Zudem kommt, dass “Trekking”, der Begriff selbst, in Thailand verschiedenen Interpretationen geläufig ist. Es kann bedeuten, dass man im Dschungel mit dem Auto durchgekarrt wird, zwischendrin anhält, um einen besonders langweiligen Baum zu betrachten um dann ins hässliche Hotel verfrachtet zu werden oder die strunzdumme Bootsfahrt zu machen. Trekking kann bedeuten, dass man zwanzig Minuten von A nach B läuft um dort seltene Tiere zu sehen, Tiger oder Affen oder Spiderschwein, also irgendwie eine Art Safari in anstrengend. In unserem (gebuchten) Fall hieß Trekking tatsächlich Wandern und wir sahen uns plötzlich mit Schlamm, Bergen und gefühlten zweihundert Kilo auf dem Rücken konfrontiert.

Kurze Story: Hoch und runter, durch Matsch, durch Lehm, wir sind ausgerutscht und haben uns gegenseitig angefaucht und das Wasser in unsere Rachen gekippt, darauf wartend, dass sich diese Qual lohnen würde. Leider blieb der ersehnte Moment aus. Bei so einer verdammten Anstrengung bleibt nicht viel Zeit, sich der Natur zu erfreuen, und wenn man nicht gerade in der Vogel- oder Gekrabbelkunde bewandt ist, kann man mit der Flora und Fauna auch nicht viel anfangen. Die Szenerie wiederholt sich nach wenigen Stunden bereits. Die Wasserfälle sind zwar schön und angenehm kühl, wenn einem die Brühe gerade den Arsch langläuft, aber in diesem speziellen Fall hätte ich mich auch in Elefantenpisse gewälzt und es wäre gut gewesen.

Weiter im Trekkfieber erwartet einen im Dorf auf dem höchsten Berg, den sich die bekloppten Nomaden je aussuchen konnten, das völlig ausgeleierte und bereits zerfressene Moskitonetz über der Knastpritsche, Streunerhunde mit Krätze und lauwarmes Bier. Und dann betankt man sich mit dem Dorfobersten, weil es nichts anderes zu tun gibt, wenn es um 6 Uhr stockeduster wird und man wirklich keine einzige andere Quelle der Unterhaltung findet. Der Dorfoberste ist ein alter Mann in kulturell relevantem Gewand und einer Pfeife im Maul. Ich bin mir nicht sicher, ob die wirklich so rumlaufen (immerhin fahren die auch Roller), oder ob das nur für uns so aufgemacht wurde. Und da fängt für mich die ganze Problematik auch schon an. Man soll die Ureinwohner kennen lernen und verstehen, man kriegt viele Geschichten erzählt, wieso und weshalb und am Ende darf man sogar (!) dem ehrenwerten Herren eloquente Fragen stellen, wie etwa “wieso wohnen Sie eigentlich auf dem Dorf am Sack von Herkules und nicht in der Stadt”? Dabei fällt mir leider bisher immer noch keine gute Begründung dafür ein. ER geht ja auch nicht runter in die Stadt und begafft den modernen Homo Behindertus bei seinem täglichen Kampf gegen das Leben selbst. Der Tourismus spült nötiges Geld ins Dorf, aber ich frage mich, welche Lehre ich für mein persönliches Seelenheil daraus ziehen soll. Mein Gott, ich frage ja auch nicht Frau Hildebrandt aus Villingen-Schwennigen, wieso sie lieber mit Neandertalern zusammenlebt als mit den feschen Leuten aus der Metropole. Ich wander auch nicht durch den Schwarzwald und sammel auf dem Weg interessante Steine. Nennt mich einen Kulturbanause; aber wieso ich das alles jetzt auf einmal in Thailand machen muss, das kommt mir nicht in den Schädel. Ungeachtet dessen war es natürlich eine interessante Erfahrung. Und immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht im Dschungel leben werde. Wenn ich da mal nichts über mich selbst gelernt habe, dann weiß ich auch nicht.

Erwähnenswert ist auch der Ritt auf Elefanten, den wir dank falscher Buchung nun schon zum zweiten Mal machen durften. Lasst euch eines gesagt sein: Elefanten sind keine Gazellen, und bequem sind sie auch nicht, und wenn man auf einem Elefant schon mal geritten ist, hat man alle Elefanten schon mal geritten. Und Kamele, und andere Packtiere. Zumal die Tour nicht gemacht wurde, um als Teil des Trekks von A nach B zu kommen, sondern um halt mal auf Elefanten im Kreis zu reiten. Wie authentisch. Instant-Eingeborene, ein voyeuristischer Einblick in ein Leben, das es nicht gibt, das nur angelehnt an die Vergangenheit konstruiert wurde, um als Abenteuer auf meiner Lebens-To-Do-Liste abgehakt werden zu können. Nicht traurig… aber irgendwie eine sehr nüchterne Erkenntnis.

Um dem ganzen doch noch etwas Positives abzugewinnen (ich habe mich übrigens entschieden, diese Reise durchweg negativ darzustellen, damit ihr nicht so neidisch werdet): zwei Nächte in absoluter Hilflosigkeit zu verbringen schweisst sogar die fremdesten und verfeindetsten Menschen, wie etwa Deutsche und Engländer, zusammen. Und so wundert man gemeinsam bei Trunk und Tabak, wieso man sich freiwillig durch die Pampa führen lässt (und sogar dafür bezahlt). Man schmiedet gemeinsame Reisepläne, bewundert sich gegenseitig für die Ekelresistenz und hat am Ende der Nacht, wenn auch die letzte Dose ausgetrunken wurde, sogar Blutsbrüderschaft geschworen. Best Friends Forever. Das Leben ist schön.

If real life hit her she wouldn’t know what it was…