Pass Out

Veröffentlicht December 30, 2010

Es gäbe so viel über Sydney zu erzählen, aber das Geld ist mir zu schade um für’s Internet zu verballern, und ich kann nicht den ganzen Tag bei McDonalds chillen um das (absolut langsame, aber immerhin kostenlose) Wi-Fi zu nutzen. Now wait for it.

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DPS/SYD – Run Away

Veröffentlicht December 27, 2010

Es ist schwierig, sich in der Welt zu verlieren. Es ist anders als den Nat Geo Adventure Channel einzuschalten und den Abenteurern bei ihren Abenteuern zuzusehen. Ich beschwere mich nicht darüber; nicht mehr. Ich bin ein einfacher Tourist mit CO2 Fußabdrücken, einer dicken Kreditkartenrechnung und freue mich über kostenlose Business Class Upgrades und vielleicht werde ich niemals die Gelegenheit haben, in einen Zug ohne Final Destination zu steigen. Vielleicht werde ich nie das Gefühl haben, verloren zu sein, nie umgeben von der Unsicherheit der Wüste. Vielleicht war das mal so. Vielleicht gibt es Menschen, deren Leben daraus bestehen, von Kathmandu nach Bondi Beach zu jetten um zu surfen, zu tauchen, zu skydiven, zu fotografieren, zu skateboarden, zu leben und zu entdecken. Ich kann mit Sicherheit für die Existenz absolut hirnverstümmelter Goa-Spasten attestieren, klebengebliebene Insekten mit furchtbaren Frisuren und einem Faible für schlechtgedröhnten Psy-Jungle-Trance und ebenso schlechten Mushroomdröhnungen. Aber das sind keine Abenteurer, das sind Hobbyphilosophen, deren Wichtigtuerei auch Ghandi noch zum Genozid herausfordern könnten. Nukleare Wegbombung von 95% abrasierten Dreadlocks, eine neue Petition in meinem Namen, und glaubt mir, ich unterschreibe drei Mal.

Meine Reisehelden sind verrostet; meine idyllischen Reiseträume und -erwartungen und -illusionen verstaubt. Ich bin zu müde um mich darüber aufzuregen, denn ich habe jetzt schon sechs Tage am Stück damit verbracht, genauso flüssig zu scheissen wie zu trinken und ich bin zu paralysiert um mich darüber aufzuregen, weil ich nicht mehr an das Reisen glaube. Nicht mehr an die Romantik des Reisens. Ich glaube daran, dass es mir Spaß macht, Menschen an lauen Abenden bei rumgehenden Spliffs kennen zu lernen und meine Jokes zu formulieren. Ich glaube daran, dass ich es liebe, nicht zu wissen, was ich am nächsten Tag machen werde (insofern ich nicht tatsächlich reise). Ich muss nicht arbeiten und für die nächsten 2-3 Monate werde ich auch weiterhin nicht über das große Geld (oder eher die große Geldverlustigkeit) nachdenken müssen. Ich glaube daran, dass das Reisen ein inflationäres, aber auch selbstverständliches Angebot unserer Jugend geworden ist, brought to you by Ryan Air und wirtschaftlichem Erwartungsdruck was den Lebenslauf angeht. Wie, du hast mit fünf Jahren noch keinen Abschluss einer anerkannten Elite-Privat-Windelschule gehabt? Na dann auf auf, ins Ausland! Und, natürlich, danke auch der Militärtechnologie, ohne welche unsere Welt wohl noch im Mittelalter stecken würde. Krieg (Macht, Verteidigung, Schutz, politische Wahrung seiner Selbst, oder eben Krieg) ist der Antrieb in unsere Zukunft, und ich bin mitten in reingeboren worden. Nur, weil ich mir gerne die Rolling Stones anhöre und Bob Dylan nicht aufhört in meinem Kopf zu spucken, heisst das nicht, dass ich die Zeit zurückdrehen kann. Zeiten, wo man nicht alles über jeden Ort wusste. Wo jeder Schritt durch die nasse Pampa irgendwo in Balabuga einen epischen Moment im Leben eines Niemanden spielte, der dann zum Held gekürt wurde. Meinem verstaubten Held.

Sich in der Welt zu verlieren ist schwierig, weil es keinen Ort mehr gibt, an dem man sich verlieren kann. Oder, wenn man kann, will (denn es gibt auch für Verloren-Sein gewisse Grenzen, das mit den Schlagen und Spinnen, das haben wir ja schon ausführlich besprochen, das ist nichts für mich). Also irren von Thailand nach Kuta Beach auf dem ganzen Weg Backpacker umher und flüstern sich im Stille-Post-Verfahren ihre sogenannten „Geheimtipps“ ins Ohr, doch jedes Mal, wenn man diesen Tipps folgte, jedes Mal wenn man seine Sachen aufgeregt packte und weiterzog und auf etwas mehr Verlustgefühl hoffen durfte, jedes Mal traf man ein weiteres Pack Gleichgesinnter, alle wieder im selben Prozess des Austausches, „ich habe gehört, Burma ist noch ziemlich jungfräulich, da muss man mal mit der Machete durchgehen, das muss man sich mal trauen“. Aber, ganz im Ernst, ich will nicht nach Burma und mit einer Machete den Wald bekämpfen um mich dort dann wider meiner urbanen Natur niederzulassen um ein Buch darüber zu schreiben wie ich mich mit wilden Pilzen selbst vergiftet habe. In Alaska. Mit Eddie Vedder im Hintergrund. Ich will das nicht, ich will das nicht, ich will das nicht. Ich will keinen Ed-Hardy-Strass-Steine-Resort-Urlaub auf Ibiza mit furchtbaren Pop-Medleys und Schlager-House-Remixen, und nach all meinen Beschwerden und nach meinem ganzen Rummosern und dem ständigen Suchen nach irgendetwas, was mir diese Reise bringen soll, fällt es mir wie Schuppen vor die Augen, wie ein dicker Pickel, der darauf pochte, seinen Eiter an den Spiegel zu spritzen: ich kann mich nicht in der Welt verlieren. Ich kann mich nur in Menschen verlieren. Oder mit ihnen. Oder um sie herum oder vor ihnen, aber die Welt ist völlig egal.

Jetzt ist es zum ersten Mal so weit: kein Plan. Absolut keine Richtung. Niemand, der mich begleitet. Ich bin völlig frei (wenn auch zerfickt vom Jetlag und 300 Euro leichter dank überteurer Hostels) in Sydney angekommen und es gibt nichts, was ich mir für diesen Tag erdacht habe. Nichts, was ich vor 8 Monaten schon mal auf eine Excel Liste geschrieben habe. Ich kann nicht in mein Dorm, weil gefühlte 30 Leute dort noch schlafen. Es regnet. Alles ist anders als gedacht. Aber alles ist gleichzeitig viel besser. Und so geht es einfach weiter.

Chile, Hawaii, Libanon, Deutschland, Vietnam, egal ob es die Reisenden oder die Natives sind, Indien, Nepal, China, scheiss drauf; und wenn ich eines Tages auf dem Mond lande und meinen Namen in Stein ritze, „Sara war hier und hatte Dünnschiss, vielen Dank, Thailand!“, dann hat das alles meine Helden nicht mehr zum Leben erweckt. Egal wie viele Länder ich bereise, egal was ich sehe oder nicht sehe oder mache, egal ob ich aus einem Flugzeug springe oder mir die Wirbelsäule beim Surfen anknacke, nichts davon wird The Beach sein. Nichts davon wird das sein, was meine Helden verkörpern. Aber manchmal muss man eben sein eigener Held sein. Und genau das einzige genießen, was einen so völlig aus der Bahn geworfen hatte: das man auf dieser ganzen weiten Welt niemals verloren sein wird.


(By the way, Weihnachten zog an mir vorbei wie der D-Zug an Bielefeld. Nicht, dass es mich je großartig interessiert hätte, als Moslem besteht mein einziges Weihnachtsritual daraus an Heiligabend mit meinen Brüdern bei McDonalds vorbeizufahren und mit den anderen Kanacken rumzuhängen. Diesmal lag ich den ganzen Tag am Pool und habe Shroomies gefüttert und bin letztendlich wieder bei McDonalds gelandet. Wie jedes Jahr also).

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Bastard Bali – Kuta Beach

Veröffentlicht December 21, 2010

Es regnet auf Bali. Natuerlich regnet es auf Bali, denn nur, weil ich den haertesten Winter aller Zeiten (laut Dauerbericht CNN- ueberhaupt, was soll die Scheisse mit den Medien, da will man schon mal fluechten und ausnahmsweise Mal im auslaendischen TV zappen, doch alles, was man hoert: ‘Chaos, Tod, Flughaefen gesperrt’, der neueste Small Talk auf den schoensten Inseln der Welt? ‘DU KOMMST AUS DEUTSCHLAND? WIRKLICH? DA LIEGT DOCH GERADE VOLL VIEL SCHNEE!’ – ja, du Hirnschmalzlaster, da liegt Schnee, und ja, du Arschkimmenlecker, da ist es kalt, WIE JEDES JAHR. Und Facebookbilder, wirklich? Von Schnee? ICH WEISS WIE SCHNEE AUSSIEHT, ICH WEISS WIE ER SICH ANFUEHLT, JEDER WEISS ES, ALLE WISSEN ES, UND JEDES JAHR TUN SIE WIEDER SO UEBERRASCHT) in Europa gerade ueberspringe, heisst das ja nicht, dass ich jetzt nur noch von Sonnenschein begleitet werde. Nein, nein. Seit drei Monaten schwitze ich entweder in Bussen und Zuegen, oder ich stehe im suedostasiatischen Tropenregen. Ich wette mit jedem, der es mir anbietet, dass meine Haut blasser ist als vorher.

Das einzige bisschen wohlig Sonnenschein und Strandfeeling durfte ich in meiner ersten Woche mitnehmen, ausgerechnet am Strand der menschlichen Muellhalde von Pattaya, wo ich mir Verbrennungen 80. Grades holte und tagelang nur noch ‘two-face’ von meinen Freunden genannt wurde. Sogar die fetten Kinder haben ueber mich gelacht. Ich hasse fette Kinder. Aber noch mehr als fette Kinder hasse ich das Arschlochkind aus Pai. Ich hasse es so sehr. Es ist mein Erzfeind. Mein Nemesis. Jeden Tag lief ich an seiner Veranda vorbei, und dieses kleine, blonde, schlacksige Arschlochkind aus Oberbayern (Vermutung, alle Kinder aus Oberbayern sind Arschlochkindern) wuerde auf seinem TRAMPOLIN (!!) springen und mich beim Vorbeigehen beobachten. Zeitlupe. Ein Sprung, das blonde Haar weht im Wind, sein Blick auf mich gerichtet. Als wuerde es sagen wollen ‘ich habe ein Trampolin. Und was willst du jetzt machen, hm?’. Sprung. Sein Nacken dreht sich in meine Richtung, doch ich lasse den Kontakt nicht abbrechen. Dann passiert das unglaubliche, jeden Tag. Er wuerde vom Trampolin gehen, sein iPad (!!) holen, und wieder auf’s Trampolin gehen. Sprung. Eine Trampolin-App. Sprung. Blickkontakt.

Ich habe mir geschworen, im Fall eines Wiedersehens, werde ich ihn seinen Eltern fuer viel Geld abkaufen und nach Minsk schmuggeln, wo er dann hoffentlich in einem Paedo-Snuff Film endet. Ich hasse dieses Arschlochkind.

Jedenfalls werde ich die naechsten verregneten Tropentage damit verbringen, noch mal billig zu shoppen und den Kuta Beach mit einem halbvermoderten Surfbrett unsicher zu machen. Ich weiss noch nicht genau, ob ich auch tatsaechlich surfen werde, ich finde ja, dass ich zu cool dafuer bin. Hipster surfen nicht, man. Aber hier sind so viele dumm-durchtrainierte Australier die bereit dafuer sind, GV mit mir zu praktizieren, wenn ich mir ein Wet Shirt anziehe und mein Brett wachse, diese unwirkliche Verfuehrungsmoeglichkeit moechte ich doch ausnutzen duerfen. Ich werde einen dieser gutgebauten, braungebrannten fuer-immer-Hedonisten besteigen, mein Wet-Shirt von der Brust reissen und schreien ‘WANN IST EIN MANN EIN MANN’ und die einzige Antwort darauf ist, ‘oh Gott, ich habe so viel Angst vor dir’. Sexfantasien, meine lieben Freunde, aendern sich, wenn man in ein gewisses Alter kommt.

Ich weiss, ich weiss, das wollt ihr alles nicht hoeren; ihr wollt auch nicht hoeren, dass ich meinem Hawak-Outfit fuer den vier Stunden Flug von Bangkok nach Bali in die Business-Class upgegraded wurde, obwohl ich nicht mal danach gefragt habe. Ihr wollt auch nicht hoeren, dass es hier regnet, weil ihr gerade unter dicken Schichten von Schnee steckt und mit euren haesslichen Familien Weihnachten feiern muesst waehrend ich mir gerade den Busen von flinken indonesischen Haenden mit Mousse au Chocolat durchkneten lasse. Ja, und es quaelt euch zu wissen, dass Mushroom Shakes und Joints rumgehen als waeren es die ausgeleierten Vaginas eurer lokal bekannten Dorfmatratze, und dass ich gerade fuer wenig Geld viel einkaufen kann und euch nichts davon abgeben werde und in einem Hotelzimmer wohne und nichts putzen oder aufraeumen muss. Ausserdem sind es trotz Regen 26 Grad und es gibt jeden Abend ein Feuerwerk, welches wohl so viel sagen soll wie ‘haha, fickt euch, ich bin hier, und ihr nicht‘. Ich weiss das, und es tut mir Leid, dass ich es euch unter die Nase reiben muss, aber ich erwaehne es nur fuer euer eigenes Wohl, denn letztes Jahr ging es mir genau so.

Letztes Jahr, genau an diesem Tag, war ich hochgradig depressiv und gestoert. Ich bin immer noch hochgradig depressiv und gestoert, aber wenigstens sitze ich nicht im Schnee vergraben und friere mir meinen Muschistaender ab, also da, bitte. Naechsten Winter moechte ich euch alle nicht in Deutschland, oder ach, Europa haben (nicht mal auf Spanien ist mehr Verlass, Puta!), sondern irgendwo, wo es viel waermer ist, dann koennt ihr naemlich ueber mich lachen (oder mit mir lachen, je nachdem, wo ich mich befinden sollte) und wir koennen uns alle an den Haenden fassen und im Kreis drehen und dabei wie in einem Winter-Exorzismus ‘Trallala, Trallala’ im saechsischen Akzent singen, einfach nur so, weil wir koennen, und weil alle anderen, inklusive Europa, im Winter einfach schwarzen Schwanz in der Hoelle lutschen. Ja, auch deine Mama.

Im Endeffekt werde ich also doch (noch) nicht mit Schildkroeten im Gepaeck auf Delfinen gen Horizont reiten oder tatsaechlich braun werden, bevor ich nach Australien weiterfliege (um dort Silvester zu verbringen, bei meinem Glueck explodiert die staatliche Feuerwerkfabrik schon einen Tag vorher), und braun werde ich auch nicht mehr, aber wenigstens habe ich sechzig Kanaele und wunderbares Essen und billiges Vergnuegen. Ich habe mich abgefunden. Ich will der schlechteste Tourist der Welt sein. Gebt mir ein Ed Hardy Shirt mit Strass Steinen, Jungs. Es ist so weit.

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Rembrandt BKK

Veröffentlicht December 19, 2010

Es ist für einen Backpacker reine Demütigung, in ein etwas gehobeneres Hotel einzuchecken, nicht, weil er vergammelt eintritt und den Gestank einer 24-Stunden-Reise in die überkitschige Thai-Lobby einführt, nicht, weil er einen Rucksack umgeschnallt hat und die Portiers ihm die Tasche nur mit Fingerspitzen abnehmen, nicht, weil die anderen 0815 Touristen sich über diese Störung in ihrem idealen Traumstrandurlaubsposter gestört fühlen, nein; Demütigung, weil der Backpacker auf alles verzichten muss, was ihm sonst so gnädig und convenient nachgeworfen wird, für viel weniger Geld und in viel besserer Qualität als in einem Fünf Sterne Hotel mit Swimming Pool.

Zurückgespult bedeutet dies in etwa so viel wie: unsere letzten zwei Tage in Thailand, besser Bangkok, wollten wir nicht mit einer weiteren Sauf-und-Party-und-Shopping Odyssee auf der Khao San beenden, sondern lieber ein letztes Mal die günstigen Verhältnisse zwischen Euro und Thai Baht nutzen und in ein echtes, ein wahres, Hotel einchecken, eins mit Skyline View und Lobby und Bettlandschaften und Pornos, wenn man denn so will, und einem echten Bad, eines, wo die Dusche vom Klo abgetrennt ist (auch wenn ich es natürlich vermisse, beim Scheissen zu duschen, habe total unterschätzt, was für einen Zeitvorteil das gibt), eins, wo es so kleine Shampoos und Zahnpastas gibt und Room Service und jeden morgen neue Bettwäsche und hach riecht das Shampoo gut UND MAN KANN DIE KLIMAANLAGE PER KNOPFDRUCK STEUERN WIE GEIL IST DAS DENN. Dafür bezahlt man in vielen anderen Ländern gut und gerne mal mehr als Hundert Euro pro Person pro Nacht, in Bangkok eher so zwanzig. Nur um das mal in Relation zu bringen: unser übliches Budget für ein nettes Guesthouse liegt bei 8 Euro.

Aber here’s the deal: zwei Nächte in einem “OMG ES IST SO AWESOME” Hotel wo man sich in die übliche weiße Bettlandschaft verzieht und sich die Birne mit Thaisticks vollballert und dann gibt man nicht nur zwanzig Tacken aus, nein, denn dieses Hotel erwartet für alles und nichts noch mal ein bisschen extra Kleingeld. Beispielsweise für’s Wifi, zwei Tage für zehn Euro. In Relation: unserer letztes Guesthouse in Chiang Mai hat 2,50 für ein Bett und eine Dusche und ner Standleitung in die glorreichen Weiten des Internets gekostet. Zwei Euro Fünfzig, ihr Ficker. Für 1 Kilo Wäsche (5 Stunden bis zur Abholung) noch mal einen Euro. Für eine warme (großartige, fantastische) Mahlzeit noch mal zwei Euro. Sogar Torrents konnte ich mir laden, TORRENTS. Fünf Sterne und ich bezahle zehn Euro dafür dass Skype regelmäßig abkackt. Herzlichen Glückwunsch. Ein Film im Fernsehen kaufen kostet 4 Euro, eine Pizza bestellen 10, eine Thai Massage, die man auf der Khao San in ähnlicher Qualität für 2,50 bekommt kriegt man hier bereits für 30 Euro, SONDERPREIS! Und wenn ich was waschen möchte, wasche ich nicht per Kilo, sondern per Stück, 10 Euro für ein T-Shirt (aber gebügelt wird’s auch, immerhin) und Lieferung am nächsten Tag. Von der Khao San bis zum Flughafen kostet es 4 Euro, von hier kostet es 20 Euro. Ich meine, versteht mich nicht falsch, ich will mich nicht beschweren, viel zu sehr genieße ich das großartige Bett und das gut riechende Shampoo, das meine ich nicht; natürlich bezahle ich mehr für die kleinen Extras im Leben in einem viel zu teuren Zimmer. Natürlich.

Mich wundert eher der wirtschaftliche Aspekt dahinter. Als Backpacker hat man eine ganze Nische, die sich dem günstigen Leben widmet, aber nicht nur in Sachen Preis sondern auch Convenience und das ist das, was ich hier so sehr vermisse. Ich bin mitten im nirgendwo, meine einzige Oase der Pool voller russischer Prostituierten (oder zumindest blonder Uschis, die sich nur auf der richtigen Seite von Prostitution befindenn) und ihrer kleinen Plagegeister, die sich einkacken. Wie ist das so mit den Leuten, die Geld haben, also viel Geld, und drei Wochen Urlaub in Schmockibangkocki machen, die jedes Mal, wenn sie einen Film gucken möchten, 10 Euro verballern, und jedes Mal, wenn sie gut essen möchten, 50 Tacken verpulvern? Wie fühlen die sich? Wissen die, dass es jenseits von teuer und nervig auch noch so etwas wie billig und gut gibt? Oder ist das eine generelle Attitüde, dieses “ich habe viel Geld und kenne deshalb kein Limit nach oben”, also “wenn ich schon 25 Tacken für ein Zimmer ausgebe dann kann ich noch mal dieselbe Summe ausgeben um Internet und ‘ne Pizza zu haben”, ist das so, ja? Oder sind die verständnisvoll, “irgendwie muss dieser Luxus sich ja lohnen, Wi-Fi für 28 Stockwerke zu warten kostet ja viel Geld, das ist so, das muss man verstehen” — oh Gott, viel Geld zu haben muss so schwierig sein. Mental, meine ich.

Ich finde, alle Hotels dieser Welt gehören nuklear zerbombt, inklusive aller russischen Prostituierten, inklusive ihrer Kackplagegeister, inklusive kleiner Shampoos und gute Betten und viel zu teurer Pornos und schlechtem Wi-Fi, zerbombt und vergast und abgeschafft, wir müssen lernen unseren reichen Eltern beizubringen wie viel schöner es ist, per Kilo zu bezahlen. PER KILO, nicht per Hemd und Schuh, nicht per Pizza, per Kilo. Was bringen dem koreanischen Investor 28 leere Stockwerke und eine Preisliste, die nicht stimmt? Genau, nichts, außer widerlicher Pädos mit Koksgewohnheiten (letzteres natürlich nicht gegen meinen Willen, niemals, KOKST SO VIEL IHR KÖNNT, IHR ALTEN AASGEIER). Lasst uns die Minibars zerstören, Freunde, und für immer im schönen, rückenbrechenden Guesthouse schlafen, wo wir Torrents ziehen, Menschen kennen lernen und uns zum Kiffen noch hinten im Garten verstecken müssen.

Meine Kinder werden keinen Spaß im Urlaub haben, ich sag’s euch.

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The Blue Lagoon

Veröffentlicht December 14, 2010

Ich weiss nicht, was creepier ist, der Film selbst oder dieser absolut furchtbare Trailer. In jedem Fall musste ich vor Kurzem an The Blue Lagoon denken und wie ich ihn heimlich (also, was heisst heimlich – lazy Saturday afternoon at the S-Headquarters ohne elterliche Aufmerksamkeit) zum ersten Mal geguckt habe und nichts davon verstanden habe. Ausser dass ich bei den Kuss- und Fickifickiszenen nicht weggeschaltet habe, wie es mir meine Eltern sonst auferlegt haetten, und ich mit grossen Augen davor sass und meine kriminellen Aktivitaeten als grossartige Gefuehlsebene interpretierte fuer ein Leben voller Wahnsinn und Abenteuer.

Irgendwann fiel mir dann auf dass ich keine Ahnung hatte worum es in dem Film ueberhaupt geht.

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Statistiken

Veröffentlicht December 12, 2010

Das absolute Highlight meiner Südostasienreise bisher waren die wunderschönen Tage auf Koh Tao. Tauchen, chillen, und mit der provisorischen Auslandscrew ein paar verdammt gute Tage verbringen. Auch, wenn das Tauchen einen unglaublich großen Teil dieser Woche einnahm, darf man dabei nicht vergessen, wieso es so gut war. Ich wünschte, ich könnte euch die Bilder und die Videos zeigen, aber mich im Bikini oder gar im Wetsuit zu sehen könnte dramatisch für all diejenigen enden, die ihr Augenlicht zu Weihnachten gerne noch behalten hätten. Abgesehen davon ist das Video auf DVD gebrannt worden und ich habe kein Laufwerk und überhaupt ist die DVD schon auf dem Weg ins kalte Deutschland. Ich kann also sowieso nichts machen, braucht jetzt keiner zu betteln.

Der nächstbeste Teil der Reise folgte nur ein paar Tage später, als wir uns zu fünft oder zu sechst in einem wie aus Berlin nach Bangkok implantierten Underground Club verirrten und nach so langer Zeit endlich mal wieder geliebte elektronische Klänge genießen durften, die nicht auf Black Eyed Peas Remixen basierten. Meine musikalischen Ansprüche wurden dank Thailand erheblich heruntergeschraubt. Ich bin schon dankbar, wenn Deep House läuft, denn nach Dauerschleife Nickelback, Akon, Tiesto und Modern Talking (get fucked, Vietnam!), ist das wie als würde endlich mal jemand Sinn in die DJs prügeln. Aber die können ja nichts dafür. Die Nachfrage der unausstehlichen Teenager-Briten ist zu hoch, als das man den schlechten Geschmack ignorieren könnte. Too bad.

Mittlerweile sind wir wieder in Chiang Mai angelangt, wieder im Norden, wieder da, wo alles (mehr oder weniger) anfing. Chiang Mai ist soetwas wie mein Urlaubsort geworden. Ich weiß, ich weiß. TGIF und ich hab schon seit drei Monaten Urlaub. Aber Reisen und Urlaub unterscheiden sich wesentlich. Thailändische Inseln befinden sich quasi nur auf der richtigen Seite der Prostiution, und Vietnam, Kambodscha und Laos laden eigentlich nicht zum entspannen, sondern nur zum begaffen ein (zumindest wenn man Zeitdruck hatte alles zu sehen. Wieso man sich das selber an tut, keine Ahnung). Jedenfalls ist der Druck, sich dem Sightseeing hinzugeben, in Chiang Mai komplett abseits unserer Gedanken, weil wir schon mal hier waren und alles gemacht haben, was man als Tourist so macht, von Trekken bis Party. Also haben wir quasi eine Woche damit verbracht, auf der Terrasse unseres Guesthouses zu sitzen, mit den wundervollen Besitzern zu schnattern (“Hello my name Tee come see me I am the boss”), das fantastische Essen zu essen und sechs Stunden am Tag zu lesen. Fight Club, Kill Your Friends, Mr. Nice, The Beach, Rant, Snuff, Fear and Loathing in Las Vegas, auch alles schon mal gehabt, genauso wie Chiang Mai, und deshalb umso angenehmer. Die Bücher gehen durch das Guesthouse rum, wenn sie fertig sind, und dann muss man sich am letzten Tag beeilen, denn der Sucker hat 30 Kilo Gewicht mehr im Backpack, wenn er sie nicht loswerden kann.

Morgen geht die Reise weiter in das Hippiekaff Pai, vier Stunden von Chiang Mai entfernt und wohl der letzte Ort Thailands, der für uns unerkundet blieb (und das sage ich in voller Wahrnehmung dessen, dass wir uns nicht mal 20% von Thailand angeguckt haben). Ich sage hervor, dass der Kiff rumgehen wird, weitere Bücher gelesen werden und mindestens ein Rollerunfall auf unsere Kosten geht. Danach zurück nach Bangkok, eine Stadt, die mir immer besser gefällt (vielleicht, weil sich die Hipsterlocations unserer Coolness geöffnet haben und wir nicht mehr dazu gezwungen sind, mit den Touris auf einer Ebene zu schweben. Elite ist halt international, bitches), und von da in den Flieger nach Bali. Wir wissen irgendwie nicht mehr wirklich, warum wir das damals gebucht haben. Weihnachten auf Bali ist ungefähr dreimal so teuer wie Weihnachten in Paris, und abgesehen davon nicht wirklich lohnenswert, wenn man für Silvester weiterfliegen muss (nach Sydney, nur damit wir endgültig pleite sind, wenn wir ankommen). Ich habe ja die Hoffnung auf eine weitere Runde Tauchen, diesmal inklusive Schildkröten, aber ansonsten ist es wieder nur eine Insel mit Kreaturen die ich ungerne in meinem Bett liegen hätte.

Einige hatten übrigens mal gefragt, was die Reise so kostet, und ich kann darauf ganz ehrlich nach sehr viel Erfahrung sagen: zu viel. Selbst wenn man sich nicht jeden Abend besäuft ist es zu viel. Selbst wenn man nicht die ganze Welt totkauft weil es so billig erscheint: zu viel. Gott, alles, was ich hier gekauft habe, wird nach der Reise endgültig in der Ramschschublade neben den Batterien und dem anderen Zeug landen, dass man alle vier Jahre mal rauskramt und dann überlegt, ob man es behält oder weg schmeisst. Inklusive aller T-Shirts. Ich trage nicht mal T-Shirts. Ich hab schon Sachen hier gekauft die ich nach 2 Tagen weggeschmissen habe und weiß noch nicht mal, wieso (also weder, wieso ich sie gekauft habe, noch, wieso ich sie weggeschmissen habe). Man wird zum Monster, wenn man erst mal hier ist.

Ich habe in nicht mal 3 Monaten ungefähr 3000 Euro ausgegeben, hurra, hurra, ich habe eigenhändig dafür gesorgt dass ich entweder nur einen Monat in Australien verbringen kann und dann wieder abhauen, oder tatsächlich länger bleiben und arbeiten muss. Farmarbeit, ich komme.

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Life Change

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Jedes Mal, wenn ich Fight Club lese, komme ich zu dem Schluss dass das Buch eindeutig nicht dem Film gerecht wird. Ich weiß, es ist eigentlich anders herum, aber was Finchipinchi aus Brad Pitt und Eddie Norton rausgeholt hat ist einzigartig und kann nicht in Worte gefasst werden. Auch nicht in die Worte der Person, die sich das ganze Konzept der Fight Club Dimension ausgedacht hat. Ich weiß nicht, ob man das in die Kategorie “Ironie” fassen kann, wenn Interpretationen oder Visionen besser sind als die eigentliche Idee, aber interessant bleibt es trotzdem. Ich glaube, Chuck P. hat das selber irgendwann gesagt, dass erst der Film das Buch zu dem gemacht hat, was es ist.

Nur eine einzige Stelle wurde ausgelassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Rahmen audiovisueller Welten den Rahmen gesprengt hätte, aber es ist die wichtigste Szene der Geschichte, und im Film wird sie ausgelassen. Das macht mich jedes Mal wieder traurig.

I’ve met God across his long walnut desk with his diplomas hanging on the wall behind him, and God asks me, “Why?” Why did I cause so much pain? Didn’t I realize that each of us is a sacred, unique snowflake of special unique specialness? Can’t I see how we’re all manifestations of love? I look at God behind his desk, taking notes on a pad, but God’s got this all wrong. We are not special. We are not crap or trash, either. We just are. We just are, and what happens just happens. And God says, “No, that’s not right.” Yeah. Well. Whatever. You can’t teach God anything.

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Valium

Veröffentlicht December 11, 2010

Gott hat den größten Spaß daran, in den leeren Momenten meines Lebens unter meine Haut zu kriechen und sich dort zu manifestieren, so lange, bis ich Fight Club spiele und mir selbst in den Kopf schieße – bildlich, natürlich, aber mindestens genauso schmerzhaft. Und mit den leeren Momenten meine ich diejenigen Augenblicke, in denen ich von allem weit weg bin, was funkelt und glitzert und für eine wohltuende Ablenkung sorgt, kurzgefasst, alles, was mein Leben bisher beinhaltete. Es gibt Dinge, vor denen kann man nicht flüchten, von Gott wohl am allerwenigsten.

Ich schiebe die Schuld dafür natürlich vollständig auf meine Erziehung, ein wirrer Mischmasch aus mittelalterlichem Religionsunfug, rebelliösem Hormondrang, kulturell integrierter aber an alten Bräuchen und Traditionen festhaltender Eltern und, naja, Deutschland. Nicht, dass irgendetwas davon mir den freien Willen nehmen könnte, aber soetwas wie eine “Entscheidung treffen” wird in übelkeiterregende Dimensionen katapultiert. Deshalb rede ich darüber nicht gerne. Nicht über Gott, nicht über meine Erziehung, nicht über das, was meine Eltern mir bedeuten oder wieso es so schwierig ist, darauf klarzukommen. Mein Kopf hält nach 22 Jahren der absoluten Überzeugung, dass ich mein Leben lang vier oder fünf Leben leben muss, nicht mehr die Fresse, und es wird schwerer, ihn zum Schweigen zu bringen. Valium kann nicht die Antwort sein, und bevor ich mich in die Zwangsjacke stecken lassen, möchte ich wenigstens noch das Drama erleben, das mich an den endgültigen Punkt bringt. Wenn schon kein wunderbares, unerwartetes High, dann doch immerhin ein letzter, alles vernichtender Kick. Eine Überdosis Narzissmus, vielleicht?

Aber es bleibt nicht bei den unklaren und wirren, selbst-destruktiven Gedanken, nein, ich möchte mich und alles erklären, auf den Tisch legen, was zu mir gehört und was nicht und wieso und warum. Ich formuliere es so: ich weiß nicht, wo Gott ist, und ich habe ihn nie gefunden. Mein Gott war mein Glück, soetwas wie Seelenheil. Schon immer frei nach dem Motto “tu alles, damit du in deinem Leben glücklich und zufrieden bist”, weil Allah und die Religion dir das (offensichtlich!) ja in der Vergangenheit nicht bringen konnten. Zumindest ist das mein Reasoning im Nachhinein, eigentlich hatte es mehr etwas damit zu tun, dass ich den Regeln der Religionen während meiner lustig-besorgniserregenden Teenagerphasen nicht folgen wollte. Weil es keinen großen Spaß macht. Verständlich für euch, sicher. Unverzeihlich für meine mich liebenden und mir vertrauenden Eltern nennen.

Kommt mit mir mit auf eine Reise in die Depression, in ein Leben, in dem man sich als Kind schon entscheiden muss, ob man seine Eltern genug liebt, um zu lügen, oder ob man sein Glück auch ohne sie finden kann und so schnell wie möglich aus diesem Horrorfilm herausrennt. Stellt euch vor, ihr schlagt beide Wege ein, zuerst mal hier, dann mal da, und ihr glaubt, ihr kommt an ein Ziel, irgendwas, eine Antwort, endlich befreit. Und schlagartig stellt ihr fest, dass ihr dem Teufel (oder Gott, nennt es wie ihr wollt) mitten in die Arme gerannt seid. Traurig, aber wahr.

Allah, oder Gott, oder Satan, der Teufel, Luzifer, kriecht mir unter die Haut und lässt mich nicht los. Ich fühle mich leer, weil niemand da ist, um mir zu sagen, dass ich nicht leer bin, dass das Leben aus mehr besteht als aus Mutter und Vater und Familie glücklich zu machen, dass man sich selbst erstmal glücklich machen sollte. Aber was, wenn mein Glück, also Happyness, ich finde das Wort adequater, vom Glück anderer abhängig ist? Kann ich glücklich sein, wenn andere glücklich sind, ohne glücklich zu sein? Kann ich glücklich sein, wenn ich andere dafür unglücklich machen muss? Kann ich den letzten bisschen Rest an Verstand und Logik in meinem Kopf dafür auf’s Spiel setzen, ein ehrliches Leben zu führen?

Mein Kopf ist voll von den Gedanken an Konsequenzen; wenn Dinge ans Licht kommen, wenn keine Vergebung, sondern nur noch Enttäuschung und Hass auf mich geworfen werden. Ich wache nachts schweißgebadet auf von Albträumen, an die ich mich nicht erinnere, und habe Angst, dass meine Mutter gestorben ist bevor ich sie um Vergebung beten konnte, bevor SIE Gott um Vergebung beten kann, dafür, dass sie alles anscheinend falsch gemacht hat. So sind Eltern. So sind Kinder. So läuft alles. Bin ich die erste, die das durchmacht? Bestimmt nicht. Bin ich die letzte? Ich kann es nur hoffen.

Dieses Spiel mit dem Gefühl, an rationalem Wahnsinn unterzugehen, irgendwo weit weg von zu Hause, da, wo alles viel klarer und deutlicher wird, es befreit und es sperrt ein. Allah kriecht nachts in mein Bett und fragt mich, ob ich überhaupt an irgendetwas glaube – an Liebe, an Beziehungen, an Religion, an Bildung, an das Leben, an das Glück, an Freundschaft, und alles, was ich tun kann, ist mich vor Angst zu übergeben, weil ich nicht weiß, ob das ein Figment meiner Einbildung ist, eine Mischung aus Drogen und Emotionen und Heimatlosigkeit, oder ob es da etwas gibt, an das ich bisher nicht geglaubt habe, und das jetzt kommt, um mich zu holen, um mich einzusperren, in die Hölle der Schlaflosigkeit, in die Hölle der Menschen die scheinbar keine Seele besitzen.

Allah kriecht mir nachts ins Hirn und fragt mich, ob ich lieber meine Familie behalten möchte, und die Liebe und Zuneigung meiner wunderbaren Eltern, die nichts falsch gemacht haben (was mich betrifft), oder ob ich lieber ein Leben führen möchte, in dem ich diesen Zustand niemals verlasse. Und es ist so einfach, zu antworten, denn die Frage hat er mir schon mal gestellt. Ich habe mit Taten geantwortet und alles dafür getan, nicht an ihn zu glauben, genauso wie ich mich jetzt dagegen wehre, aber es ist so schwer. Türen beschritten haben und um Verzeihung bitten, nicht mal wissen für was, nur wissen, für wen.

Am Ende wird die Lüge nicht siegen. Am Ende kann ich nicht belügen, woher ich komme. Am Ende werde ich alleine sterben und mich vielleicht, vielleicht aber auch nicht, rechtfertigen müssen. Am Ende steht nicht die Frage “woran glaubst du”, sondern “wer hat an dich geglaubt?”. Am Ende werde ich mir immer noch dieselben Gedanken machen, in meinem letzten leeren Moment, wo nichts mehr scheint und glitzert und mich von großen Fragen und Sinnesbekenntnissen ablenken kann. Am Ende bin ich sowieso gebrandmarkt, egal, was ich mache, geprägt von 22 Jahren voller Fantasie und Illusion und Bullshit, nicht mehr, und nicht weniger. Am Ende kann ich nichts mehr tun außer zu hoffen, dass nicht Allah, sondern Mama an meinem Grab steht. Aber wer will das schon.

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The Fear Inside

Veröffentlicht December 9, 2010

The Fear Inside · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 

30GradSchneechaos

Veröffentlicht December 7, 2010

Zu Hause fühlt sich so viel schwerer an, wenn man nicht da ist, um da zu sein. Für Freunde, für Familie. Es fühlt sich an, als würde ein riesiger Greifarm mein Herz umschlingen und so fest zusammen drücken, bis mir das Blut in die Augen steigt und statt Tränen nur noch rote, klebrige Flüssigkeit über meine Lippen fliesst. Auf Reisen sein und Lachen müssen, während meine besten Freunde abwechselnd im Krankenhaus liegen, während meine Mutter langsam in ein Alter kommt, wo sie alle drei Wochen zum Arzt musst und keiner weiß, was falsch ist, und mein Bruder 20 Kilo abnimmt, weil er seine Operation leider nicht so gut überstanden hat, wie alle gedacht haben.

Es tut weh, sie nicht zu umarmen, wenn ich genau weiß, dass sie weint und weint und weint und nicht mehr weiß wie es ist, eine Familie zu haben, jemand, der nicht verstehen muss, sondern einfach nur da ist. Genauso, wie die Tage, an denen es mir genauso geht, und keiner verstehen kann, und jede Umarmung in Nichtigkeit verblasst. Ich kenne das. Weil man manchmal alleine durch muss, obwohl man gar nicht wirklich muss.

Ich dachte, ich bin über den Punkt hinaus gekommen, wo ich noch so an zu Hause denke und fühle, aber es gibt internationale Verbindungen, Connections, die man nicht abschütteln kann (und, wem mache ich was vor, auch nicht will). Alles ist gut hier, aber nicht in mir, und nicht in dir. Ich bin nicht da um dir glücklich zu gratulieren, dass du der Rockstar wirst, so, wie ich es vorhergesagt habe. Und ich bin nicht da um dir zu erzählen, was in mir eigentlich vorgeht, wen ich hier getroffen habe, mit wem ich meine schlaflosen Nächte teile, und das tut mir Leid.

Und am Ende lese ich einen Zeitungsbericht und er erzählt mir von deinem schweren Unfall, ein Foto von einem überschlagenen Auto. Alles um mich herum bleibt stehen und ich möchte zu dir rennen und dir sagen dass es mir Leid tut, dass ich nicht da war, dass ich es vielleicht hätte verhindern können – auch wenn das nicht wahr ist – und ach, so viel, so viel. Aber ich sage stattdessen nichts, denn all das, das kann man nicht in Worte fassen. Und wenn dein Leben nur langweilig ist und du nicht viel zu erzählen hast, ist es dennoch nicht dasselbe, wie die Blicke die wir teilen und das Verständnis, dass wir uns metaphysisch und auf absolut unerklärlichen Ebenen entgegen bringen. Keiner weiß, wie es mir geht. Keiner weiß, wie es dir geht. Alles ist so schwer, wenn man nicht zu Hause ist, und alles dreht sich nur noch darum, diesen Fakt zu ignorieren.

Aber ich vergesse dich nicht. Niemals.

30GradSchneechaos · Kategorien: Weltreise · Comments Off
 
 
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