The Party & The After Party

Veröffentlicht March 29, 2011

Wenn man wieder schneller denkt als die Hände mitschreiben können, wenn man wieder mal schneller rennt als man ankommen muss, oder: wenn das Leben nicht mehr in Sekunden, sondern in Moment-Dimensionen gemessen werden, die rapide aufeinandergestapelt und schnell einsortiert werden um Platz für noch mehr zu machen. Kurzgesagt: ich atme schneller, als ich Luft fassen kann, und ich habe heute das von gestern vergessen, weil morgen viel wichtiger ist.

Zeit, selbst wenn man keine Regelmäßigkeit im Leben hat, ist so flüchtig wie der Hype um Kühlwasser und Bodentruppen. Ich bewege mich im Sprint durch Berlin und durch die Präsenz meiner liebsten Menschen und schaffe es nicht mal, meine Eltern anzurufen um ihnen zu sagen, dass ich spontan nach Hause fahren muss um meine Kartons zu packen und in meine neue Wohnung zu ziehen. Sogar auf meiner Semi-Weltreise habe ich es geschafft, jede Woche anzurufen. Dinge passieren. Leben wird gelebt. Die interessanten Typen bleiben immer noch aus und die Jobgelegenheiten häufen sich, ohne dass ich es überhaupt will. Mein Terminkalender ist voll mit Freizeitaktivitäten, die nicht ausschließlich nachts statt finden und mein Girokonto stöhnt vor quälenden Schmerzen. Ich warte darauf, dass das Chaos mich auffrisst und mich in eine tiefe Depression wirft, aber vor allem empfinde ich beim Schlafen gehen genau eines, seitdem ich wieder in der Stadt bin: absolutes Glück. Ich bin glücklich. Ich bin 22 Jahre alt und fühle mich das erste Mal bewusst glücklich. Ich bin nicht mit allem zufrieden und ich bin auch nicht immer gut gelaunt, aber ich trage eine Grundzufriedenheit in mir, und jeden Abend gehe ich mit einem Lächeln und ein bisschen Sabber auf Träumefang.

Berlin, Schmerlin. Es ist kalt und meine neuen Schuhe mussten schon einiges im Hundescheissemienengebiet Friedrichshain durchmachen. Ich wäre gerne wieder woanders; da, wo man Dinge macht, die mehr was mit Natürlichkeit zu tun haben. An den Stränden von Thailand und Tauchen im Pazifik und im Zug oder Bus oder Flugzeug, Final Destination: Unknown. Das mit den Örtlichkeiten hat aber seinen Charme verloren, seitdem ich weiß, was meine Freunde, meine allerliebsten Menschen, in mir für Gefühle auslösen. Katalysatoren für’s Euphorie-Enzym.

Was ich mit all dem sagen wollte: ich komm beim Schreiben gar nicht richtig hinterher, weil ich gerade ein bisschen Inspiration sammel. Ich sammel sogar ganz viel. Außerdem habe ich ein neues Fahrrad, es heisst Lily und es ist wunderschön und ich bin pleite.

 
 

Krankheitsbedingt

Veröffentlicht March 24, 2011

Ich belästige ich euch ab sofort nicht mehr mit ätzenden Luxusproblemen. Nach gefühlten acht Nahtoderlebnissen in nur weniger als zwei Monaten habe ich nun genug Grund um mich den echten Issues unserer Gesellschaft zu widmen; ein Zeichen Gottes, sozusagen, mich nicht mehr mit perfiden Steuererklärungen oder Wohnungssuche zu beschäftigen. Ich sollte lieber ein Manifest schreiben, eines, dass die Welt verändert, mich auf die Straße stellen und dort meine Ansage machen. Denn ich habe sie überlebt, die Apokalypse der Nasennebenhöhlenentzündung. Ich habe überlebt und stehe, zwar noch geschwächt, wieder fest auf beiden Beinen, während ich gerade noch die letzten, scharlachrotwabbelnden Schleimbrocken aus meinem Gesicht presse.

Die Nasennebenhöhlenentzündung aus der Hölle, sage ich euch. Ich habe den Scheiss ja chronisch, ungefähr einmal im Monat sucht mich das Heim, wobei das selten länger als vier bis fünf Tage nervt. Man kennt sich ja dann auch aus: Sinupret forte, Gelo Myrtol forte, Eukalyptusinhalation, viel Tee trinken, nicht rauchen, Nasennspülung, ohne Druck schneuzen, Nasenspray mit Kortison für die Entzündung und Nasenspray mit purem Gift für das Abschwellen der Nasenmuscheln. Ich kenn das. Seit zehn Jahren kenne ich das, und drei Nasen-OPs, Entfernung der Polypen und Verkleinerung der Muscheln konnten mir nicht dabei helfen. Die Ärzte gaben auf, und ich auch. Wenn nichts mehr geht, geht nur noch Antibiotika, und so achte ich alle zwei Monate mal darauf es auch ohne auszuhalten. Es sind nicht die Bakterien, die mir das Leben schwer machen, sondern meine schief liegende Nasenscheidewand (ja, wurde auch schon operiert). Wenn ich zum HNO gehe macht der erst mal sechs Stunden Allergietests mit mir und verschreibt mir hoffnungslos achselzuckend ein besseres Nasenspray. Ins Gesicht scheissen könnte ich denen, aber was soll’s, bisher konnte ich mir auch ganz gut selber helfen.

Ey, nicht diesmal. Diesmal hat mich die rechte Klitschkos ins Jenseits der Larifari-Krankheiten gebumst. Da lag ich, röchelnd, unfähig überhaupt irgendwas durch meine Nase zu kriegen. Alle (!) Nebenhöhlen waren betroffen (okay, die wichtigen waren betroffen). Ich hörte nur noch Dumpf. Schleimkonsi: gelblich dick, aber mit viel Wasser dazwischen. Alles juckte. Es juckte. Das ist kein typisches Sinusitis Symptom. Als würde jemand meine Gesichtshaut von innen mit einem Staubfeger streicheln. Mein Kopf pochte, meine Zahnwurzeln bohrten sich in meinen Kiefer, mein Blut fühlte sich dickflüssig an und bei jeder Bewegung blubberte der Eiter in meiner Stirn. Ich weiß, das wollt ihr nicht wissen, aber das ist Post-Traumatisches Stress Syndrom, ich muss das bewältigen. Ich muss damit klar kommen, dass ich seit Samstagabend keinerlei Erinnerungen mehr an mein Leben habe, dass ich seitdem nur noch durch den Rachen atme und die kalte Luft meine Röhren verätzt hat, die Sabber meine Kissen und Handtücher und T-Shirts zerstört.

Und da lag ich auf der Couch, mit einem Kochtopf, aus dem ich (erfolglos) inhalieren zu versuchte, im Dunkeln, seit zwei Tagen hatte ich schon nicht mehr das Tageslicht gesehen. Meine Augen so angeschwollen, dass ich sie kaum noch bewegen konnte, meine Finger so lahm, meine Nase am laufen, mein Gehirn so träge. Und ich fing an zu weinen, weil ich mir sicher war, dass das das schlimmste sein musste, was mir je passiert war. Noch nie – ich betone – noch nie hat es mir so an Lebens- und Willenskraft gefehlt, dass ich nicht aufstehen und aufs Klo gehen konnte, und doch hatte ich Montag Angst, ich könnte mir in die Hose pinkeln weil ich es nicht rechtzeitig aus meinem paralysierten Zustand schaffe.

Am Dienstag weinte ich wenigstens kein Blut mehr, und ich hatte tatsächlich einige Stunden geschlafen. Es ging, trotz Fieberbläschen, dramatischen Morddrohungen in Delirium-Träume und röchelndem Zynismus irgendwie bergauf. Heute fühle ich mich wieder so, wie bei einer normalen Erkältung: angeschlagen, müde, aber nicht suizidgefährdet.

Nein, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unrealistisch schlecht es mir ging. So schlecht, dass ich nicht weiß, was überhaupt passiert ist in der Zwischenzeit. So schlecht, dass ich nicht mal mehr Mitleid mit Katastrophenopfern hatte. So schlecht, ich musste mit sogar GEGEN ESSEN entscheiden, denn Atmen war wichtiger. So schlecht, ich rief meine Mutter an und erzählte es ihr und obwohl sie nicht den Anschein machte überhaupt zuzuhören rief mein Vater immerhin zwei Tage später an um zu fragen ob es mir besser ginge und ob ich schon Fotos von irgendeiner Kirche in Spandau gemacht hätte die eine halbsterbende Klientin von ihm gerne aus nostalgischen Gründen sehen würde.

Nach drei Rollen Klopapier und sechs Familienpackungen Tempo bin ich aber wieder fit und freue mich des Lebens. Es juckt immer noch, im Gaumen, in den Ohren, hinter der Nase, aber ich hoffe einfach dass ich eines Tages einen positiven Allergietest mache und mit dieser Scheisse durch bin. Bis dahin, Jungs und Mädels: Kokain immer schön in Wasser/Vodka auflösen und durch einen Nasenspraybehälter reinballern, so kann man der Sinusitis auf jeden Fall vorbeugen! Und danke noch mal an HecPac, der mir die absolute Killer-Grundlage für den ultimativen NNH-Beipackzettel lieferte, ohne den ich schon längst tot wäre. Das mit dem Kokain war ein Scherz, ich schieß es mir lieber in den Arm.

 
 

French

Veröffentlicht March 20, 2011

Nach dem hochauflösendem Shiny-Scheiss wurde mir immer mehr nach Rohkost; nicht nur etwas, dass so aussieht, weil man es so aussehen lassen kann. Nach Glitzer und Make Up und Technik kommt Realität für mich. Realität, die mit einer einzigen Kamera, inmitten tobender Massen aufgenommen wird, und nicht in Mille Euro Produktionen für ein Riesenpublikum in einer Special DVD veröffentlicht wird.

Ja, auf sowas stehe ich gerade irgendwie.

 
 

Der Panikmensch

Veröffentlicht March 18, 2011

Im Independent gab es einen ziemlich interessanten Artikel darüber, wie sich Menschen zu Katastrophen verhalten (Johann Hari, The myth of the panicking disaster victim). Eine interessante Theorie (u.A. belegt an individuellen Erfahrungen) ist, dass man im Angesicht von Tod, Desaster, Verlust und Alleinsein eine altruistische Ader findet, also den Drang und den Willen, nicht nur sich selbst zu schützen, sondern auch seine Umgebung: die Menschen, die genauso zurückgeworfen wurden.

On 18 April 1906, San Francisco was levelled by an earthquake. Much of the city collapsed, and the rest began to burn. Anna Amelia Holshouser – a middle-aged journalist – was thrown out of bed, and felt her house collapse around her. She wandered the streets, and found herself sleeping that night in the park. But then the daze wore off, and she did what almost everybody else did: she began to look after the people around her. She knitted tents out of old clothes to house all the children who had lost their parents. She set up a soup kitchen, and the local shop-keepers handed over the goods for free. Hundreds of people gathered there, as they were gathering around similar people across the city. Anna put up a sign that said: “One Touch of Nature Makes the Whole World Kin.”

Unter normalen Umständen kommt man selten auf die Idee, sich für seine Umgebung mehr als nötig einzusetzen. Leider kommt man da aber auch gerne auf ein völlig verzerrtes Menschenbild: “Normalerweise ist der Mensch faul und sich selbst genug, zudem manchmal auch noch rassistisch und fett”. Die Tatsache ist aber dass Menschen so nicht sind. Ein Satz, der mit “Der Mensch ist” anfängt, hat sowieso keine Grundlage für mich. Aha. “Der Mensch ist egoistisch”, wäre zum Beispiel so eins, was mich völlig fertig macht, und dabei will nicht bestreiten, dass man nicht immer zuerst an sich selbst denkt; mich stört eher die moralische Implikation, die aber weder in der Biologie noch in einer logischen Erklärung irgendetwas zu suchen hat. Wer “Der Mensch ist egoistisch” sagt, sagt in meinen Ohren so viel wie:

- Ich rechtfertige mich für meinen Egoismus.
- An sich selbst zuerst zu denken verwerfe ich aufgrund meiner moralischen Grundlage.
- Wer es nicht schafft, nicht egoistisch zu sein, den habe ich abgeschrieben.
- Mir ist es egal, ob es rationale, biologische oder logische Gründe dafür gibt, wieso “Egoismus” nicht nur mit moralischer Konnotation aufgezeigt werden kann.

Egoismus ist in meinem Verständnis der Welt nicht Rücksichtslosigkeit, wogegen Altruismus für mich auch keinen besonders hohen moralischen Stellenwert einnimmt. Sich altruistisch zu verhalten, wenn man es sich nicht leisten kann, ist meistens auch nur eine Methode der Selbsthilfe und damit auch meiner Meinung nach egoistisch. Ich weiß, das ist Rhetorik, die vielleicht gar nicht notwendig ist. Ich möchte damit nur verdeutlichen, wieso ich den Independent Artikel gar nicht so überraschend finde.

Wir sind heute in Sicherheit, und leben ein durchaus bequemes Leben. Wir sind durch diese Bequemlichkeit auch in ein individualistisch geprägtes Gesellschaftssystem hineingerutscht, was ich erst mal gar nicht kritisieren möchte. Aber wenn uns diese Sicherheit genommen wird, wenn diese Bequemlichkeit wegfällt, die man sich ganz alleine gönnen kann, fällt man automatisch in die Abhängigkeit anderer Menschen. Sei es für die Kinder, oder dafür, dass man sein Können und sein Werk und seine Anwesenheit und seine Hilfe gegen das der anderen “tauscht” (und, im Gegensatz zu unserer bequemen Welt, nicht kauft). Man will helfen, ob bewusst oder unbewusst, weil man sich in ein Solidaritätssystem einfügt, von dem dann jeder profitieren kann. Es macht Sinn, und anders hätte die Menschheit vielleicht gar nicht die Härtefälle der Eiszeiten und anderen Naturkatastrophen vor tausenden von Jahren gar nicht überlebt: Zusammenhalt ist genauso ein nützliches System wie das, was wir heute in unseren Wohnungen als unsere abgeschiedene Welt bezeichnen; bis die Natur uns einen Strich durch die Rechnung macht, oder bis eine Bombe drauffällt und wir uns wieder an den Händen fassen müssen. Das ist keine moralische Leistung, und dafür muss man auch nicht Philosophie studieren: es ist, schlicht und einfach, notwendig um zu überleben.

Ich bin an dieser Stelle aber an einem ganz anderen Punkt angelangt, nämlich wie wir uns als Individuen sehr leicht in ein aufgebautes System bewegt haben, dass zwar sicher und komfortabel ist, aber vielleicht auch der Auslöser sein könnte für unsere Selbstgerechtigkeit, für unsere Ellbogenmentalität, für unseren Rassismus, für unsere Konflikte miteinander. Die Ausmerzung der natürlichen Gefahr als Motivator der schlechten Charaktereigenschaften einer Gesellschaft. Das alles verschwindet, wenn wir wieder auf den Anfang reduziert werden, nämlich auf Überleben. Alles, was danach kommt, ist möglicherweise nur Detailgefriemel, Philosophie, für die der Mensch vielleicht gar nicht bestimmt ist (biologisch, meine ich).

This information is essential for knowing how to respond to disasters. There is a fear the Japanese government is withholding information about the dangers of the nuclear meltdown because they don’t trust the people to react sensibly and calmly. There is no way of knowing, yet, whether this is true. But understanding this crucial history should guide the government to tell the truth. As Solnit puts it: “If you imagine that the public is a danger, you endanger the public.” They are the allies of public safety, not its enemy. After the Three Mile Island meltdown in Pennsylvania in 1979, nearly 150,000 people were evacuated. The government was not in charge. Ordinary people spontaneously co-ordinated it themselves, without panic

Auch das, finde ich, ist eine interessante Beobachtung: die Japaner (oder vielmehr die japanische Regierung), die mit Stolz und gehobenem Haupt auf der Weltkarte auftreten, können ihrem eigenen Volk scheinbar nur zögerlich mitteilen, wo das Problem liegt: vor Angst, Hobbes könnte Recht haben, und der Mensch ist tatsächlich nichts als ein Wolf, der im “Naturzustand” seinesgleichen zerfetzt und sich nimmt, was er braucht. Nein, pardon, das sind glaube ich nicht die Ängste einer Regierung. Vielmehr dürften sie sich vor dem Augenblick fürchten, wo Mensch merkt, dass der Naturzustand ein ganz anderer ist. Wo Mensch merkt, dass auch ohne Gewalt von oben (also Staatsprinzip) Frieden herrschen kann, und dass man DANK Egoismus zur gegenseitiger Hilfe herbeieilt, nicht, weil man gezwungen wird (versteht mich dabei nicht falsch: meine Schlussfolgerung ist nicht, dass wir jetzt keinen Staat oder keine Gewalt bräuchten. Nicht nur, dass ich sowieso in meinen Gedankengängen völlig unrecht haben könnte; möchte nur sagen, dass das ein interessantes Spiel mit der Philosophie ist, die wir manchmal als selbstverständlich wahrnehmen, weil wir uns gar nicht richtig oder differenziert mit den Hintergründen beschäftigen).

Im Übrigen habe ich euch gerade auf eine unausformulierte und schnell dahingeschriebene Reise durch meine Gedankenwelt genommen; wer Fehler findet, oder was hinzuzufügen hat, sei herzlich dazu eingeladen. Allerdings möchte ich die pubertierenden Spasten von Kommentaren wie “Laaangweilig” oder spontan aggressiven testosterongeladenen Ausbrüchen abhalten; ich schreibe dann nächste Woche wieder über irgendwas mit Titten, versprochen.

 
 

the weeknd

Veröffentlicht March 15, 2011

the weeknd · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 

59

Veröffentlicht

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe – mit Sicherheit aber nicht die Zahl 59. 59 Geschichten, mal aus eurer Perspektive erzählt. 59 Mal hören, was einen dazu bewegt, einen Blog zu lesen, 59 und davon 7 Emails, die mich absolut bewegt und gerührt haben (und auf die ich irgendwann auch noch antworten werde). Es gibt eigentlich gar keinen Ausdruck dafür, wie dankbar ich euch dafür bin. Die, die mir etwas über sich erzählt haben- für diese Menschen schreibe ich hier. Gewidmet an 59 Leute, die es für wichtig genug erhalten, eine Art Leserbrief an mich zu verfassen. Da fühlt man sich ganz schön bescheiden.

Und wie versprochen gehen 59 € auch an Reporter ohne Grenzen, wohl aber erst am Ende des Monats. Ich komme darauf zurück. Bis dahin: hdgdl, Sara.

59 · Kategorien: Ohne Worte · Ein Kommentar
 
 

Big in Japan

Veröffentlicht March 12, 2011

Alles Opfer. Sterben Menschen, und ich weiß nicht wie es meinem guten Freund Marc geht, aber aktuelle Top Themen sind “mir ist so langweilig, ich gebe Scheisse von mir weil das im Trend liegt”, “wie kann ich eine Naturkatastrophe für Propaganda nutzen”, “Informationen kommen rein, Angst kommt raus” — Medien und Massen, gesunken auf das Niveau von Animal Farm, ach Orwell, wie Recht du doch hattest.

Für oder gegen AKWs, spielt das denn für den Laien momentan eine Rolle? Ist diese Frage so einfach zu klären, dass jetzt schon sechzehnjährige Pissficker das entscheiden können, ja? Dass wir hin und wieder von der Politik gefickt werden, naja, das ist ja auch nichts neues – können uns ja bei den nächsten Wahlen überlegen, wen wir um was bitten und warum. Aber es ist so viel leichter, ein Kreuz zu setzen, wenn man nichts davon weiß, es wäre ja auch so anstrengend sich mal zu belesen… es reicht ja, eine Statistik auf Facebook zu posten ohne zu hinterfragen von wem sie kommt und, heieiei, was für ein Interesse die Quelle hat. Macht ja auch gar keinen Unterschied, ob die Fragen (und vor allem wie) von Bayer Schering oder dem Gesundheitsamt gestellt werden. Wenn bei RTL einer was davon spricht, wie gefährlich Kernkraftwerke sind, fragt ja auch keiner wo der herkommt (ups, der Typ ist Lobbyist für ‘ne Ölfirma). WARUM AUCH?

Hauptsache, es bleibt keinen Platz mehr für Empathie, für ein wenig Mitgefühl, für einfach mal die Fresse halten, wenn man nichts weiß. Übermorgen haben wir das eh vergessen, wenn das nächste Land auseinanderfliegt, nur mein Freund Marc nicht, und die drei Idioten die zur Atomkraftdemo gehen, die stehen wieder alleine rum. Naja, läuft ja auch Germanys Next Topmodel im Fernsehen.

“Wenn du der intelligenteste Mensch im Raum bist, dann bist du anscheinend im falschen Raum.” Ich hau jetzt ab.

Big in Japan · Kategorien: Realwelt · 13 Kommentare
 
 

Kommentare ohne Grenzen

Veröffentlicht March 7, 2011

Seitdem ich in Berlin lebe, ist das Bloggen zu mehr als nur einer “fiktiven” Internetgeschichte außerhalb der realen Welt geworden; es ist ein Kommunikationsmittel, welches mir ermöglicht hat, viele meiner jetzt besten Freunde kennen zu lernen und ein fantastisches Werkzeug um Kontakte zu finden, die einen im Leben weiterbringen. Selbstverständlich liegt das an der Größe von Berlin, hier findet man eben viel mehr Blogger (und auch Leser), als in einem kleinen hessischen Städtchen.

Ich lese auch viele Blogs, aber manchmal lerne ich eben auch Leute kennen, die wissen, wer ich bin, selbst aber gar nicht “öffentlich” im Internet erscheinen. Das irritiert mich. Ich lese nicht jeden Tweet, und manchmal fragen mich Follower, ob ich da und dort sein werde, weil sie auch hin gehen, und ob man nicht einen Kaffee trinken gehen möchte. Huch, ja, gerne… aber ich habe keine Ahnung, wer du bist. Die Zeiten haben sich geändert und nicht jeder ist ein Psychopath, klar, aber ich bleibe trotzdem immer sehr skeptisch: was willst du von mir? Ich weiß doch nicht mal.. hast du denn einen Blog, damit ich mal nachlesen kann, und so?

Meine regelmäßigen E-Mail Kontakte und Kommentatoren kann ich irgendwie schon zuordnen, aber es bleibt immer dabei: ihr kennt mich, aber ich habe keine Ahnung, wer ihr seid. Daher möchte ich euch auffordern, mir zu helfen. Ich will wissen, wer mich kennt. Ich will wissen, wer ihr seid. Ich will Geschichten lesen. Ich will wissen, wie alt ihr seid, wo ihr lebt, wie ihr heisst, was ihr gerne macht, wer eure Lieblingsmusiker sind, wohin ihr geht, was eure Pläne sind, warum ihr das überhaupt lest, was euch inspiriert, was auch stresst, egal was. Ob ihr einen Blog habt oder nicht, ich bin an jedem interessiert, der sich die zwei Minuten in der Woche nimmt, um irgendwie an meinem Leben teilzuhaben. Ich weiß, wie viele Leser ich habe — und das sind durchaus mehr als drei – aber ich verstehe auch, dass das eine ätzende Aufgabe ist, sich selbst preiszugeben. Aber vielleicht habt ihr doch ein bisschen Lust darauf. Ihr könnt in den Kommentaren schreiben oder auch eine E-Mail schicken. Egal was. Ich will es wirklich wissen.

Aber ich will es nicht dabei belassen. Ihr sollt einen (guten) Grund haben, das zu tun. Ich möchte für jeden Kommentar (oder E-Mail) einen Euro an Reporter ohne Grenzen spenden (ich werde zwar sowieso spenden, aber ihr könnt den Wert sozusagen erheblich verbessern). ((Weil ich nicht unendlich reich bin, werde ich es folgendermaßen machen: bleiben die Kommentare unter 100 Stück, werde ich den Gesamtbetrag spenden. Wenn es nicht mindestens 20 Kommentare gibt, spende ich trotzdem 20. Wenn es mehr werden als 100, werde ich jeden Monat für die nächsten drei Jahre 20 Euro spenden. Und die Quittung kriegt ihr selbstverständlich auch.))

Erzählt mir eure Geschichte und tut was Gutes damit. Ich freue mich darauf. Ihr habt eine Woche Zeit.

 
 

Someone Great

Veröffentlicht March 6, 2011

Intensität. Ich habe Angst, das zu verlieren. Ich habe Angst dass das blendende, fantastische rot irgendwann in meinen Augen verblasst, weil ich übersättigt bin. Ich habe Angst, dass es mir zwischen den Händen entgleitet, weil ich es nicht richtig sehe, nicht richtig verfolgen kann mit meinen normalsterblichen Nervensträngen, das was du siehst, das was du fühlst, das was du denkst. Meinem Herz ist deine Logik egal, aber mein Gehirn muss auf mich aufpassen. Ich habe Angst, dass es dich gegen die Wand fahren lässt, um mich zu schützen.

Ich will mich daran festhalten. An das Lachen. An den Aufräum-Tick. An dem Altersding. Am Tee. An dem ADS und der resoluten Bestimmung, jetzt bloß nichts mehr essen zu müsse. Am Drehtabak. Damit du die Sachen nicht nimmst und wegfliegst und mich hier lässt, paralysiert, weil ich es nicht verstehe. Nicht, dass ich das spüren würde, aber meine Erfahrung spricht gegen Intensität und für Stabilität. Meine Erfahrung spricht dafür, das Chaos vorher abzutesten und sich dann ganz schnell zu verpissen, wenn es mehr ist als man selbst ertragen kann, denn noch mal werde ich mich nicht an den Abgrund der Menschheit für jemanden schleifen lassen, der gar nicht weiß, was er tut. Der nur dachte, er würde empfinden. Der so viel Stress mit sich selbst herumträgt, dass er keinen Platz mehr für andere hat. Ich brauche nicht viel Platz, minimal. Etwa so viel wie Klopapier. Aber du hast mich reingelassen in diese Welt, und jetzt muss ich das beanspruchen. Und ich habe Angst, denn deine Welt ist unberechenbar. Ich habe keine Ahnung, was hier vorgeht.

Dabei weiß ich, dass das unbegründet ist. Da war nichts von “hey, kannst du mich auffangen?”, denn du hast mich gar nicht erst fallen lassen. Und ich sehe dich und deine großen Augen und dein großes Herz und ich höre dem Motor zu, wie er sich warm macht, um dem nächsten Menschen in deinem Leben einen irrsinnigen Gefallen zu tun. Nein gehört nicht ins Vokabular. Das ist dumm von dir, das zu tun, denke ich, und gleichzeitig liebe ich dich für diese irrsinnige Dummheit. Du hast selbst nicht viel, und auch den letzten Rest gibst du noch weg. Ich versuche das, zu verstehen, wo so viel Liebe herkommt, und frage mich, ob das vom Schmerz bedingt ist, der dir unter der Haut kriecht. Manchmal denke ich, ich habe es kapiert. In logischer Reihenfolge höre ich Sätze, die aus deinem Mund in meine Ohren marschieren, und es macht Sinn, Textbuchpsychologie, Analysen, Interpretationen. Aber dann sagt mir irgendetwas: das Wissen darum hat nichts geändert. Du könntest trotzdem morgen einfach gehen und nie wieder kommen, und ich könnte nicht mal wütend sein. Ich könnte dich nicht mal beschuldigen, dass du mich einfach stehen gelassen hast. Und dass ich nur noch einen Lichtschweif von rot sehen, der mich daran erinnert, wie sehr ich dich nicht festhalten konnte.

Das alles macht mir Angst. Dass es irgendwann aufhört. Dass unsere Herzen dicht machen und Sonnenaufgänge im Schein unserer dunklen Vergangenheiten verblassen. Wir werden uns dann nur noch in Erinnerungen kennen, und es bleibt die Frage – gute oder schlechte? Alles in mir sagt, “mach das nicht schon wieder, fessel dich nicht schon wieder, wenn du einmal in dieser Welt drin steckst, kommst du da nicht mehr heil wieder raus”, und ich war schon kurz davor abzuhauen. Aber dann hast du mir deine Hand gegeben und gefragt, ob alles in Ordnung sei, und ich habe dich angeguckt, ein rot, so umwerfend wie ich es noch nie vorher gesehen habe… die Stimmen hörten auf zu tosen und in der Stille wurde mir bewusst, dass es völlig egal war, ob ich bei dieser Sache sterbe oder nicht. Es wäre immerhin einer der besten Gründe, den ich habe. Intensität. Und du halt.

 
 

Donald Trump

Veröffentlicht March 4, 2011

Donald Trump · Kategorien: Musik · 2 Kommentare
 
 
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