Stromergesellschaft

Veröffentlicht April 30, 2011

Ich stehe gerade voll auf Urban Exploration. Räume und Orte in den hintersten Ecken einer Stadt entdecken, die im Alltag ignoriert werden. Das sind vergessene Orte, verlorene Orte, die im Alltag hinter riesigen Häuserfassaden, sechsspurigen Straßen und dem Flanieren auf den Bürgersteigen untergehen. Ich finde es spannend, mal über einen Zaun zu klettern und abzuchecken, was die Zeit mit verlassenen Gebäuden angestellt hat, oder mit liegengelassenen Baustellen. Ganze Serien über Geisterstädte sind entstanden, aber was, wenn es nicht um eine Geisterstadt geht, sondern um etwas, dass unter der Oberfläche, aber hautnah ist?

In Berlin gibt es viele solcher Orte, die einen auch magisch anziehen können – stinkende Lagerhalle bieten einen nährreichen Grund für Graffiti, hohe Dächer einen fantastischen Ausblick, und die Schächte unter der Stadt immerhin ein ganz neues Gefühl für Gerüche und visuelle Reize (Eltern haften für ihre Kinder und so weiter). Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, und mit jedem bisschen urbaner Neugier, der man aktiv nachgeht, lernt man etwas über die Stadt in der man lebt und über ihre Geschichte und Entwicklung. Das, meine lieben Kinder, ist der Unterricht des Lebens.

Dazu ganz passend ist die Exploration Reihe von VBS/Palladium, die ich glaube ich schon mal irgendwo hier gebracht habe. Davon gibt es eine neue Ausgabe – Hidden Gems of LA – die genau dieses Rumstromern beschreibt (wenn auch im Normalfall keine Tour daraus gemacht wird und die Protagonisten nicht die Schönheitsskala explodieren lassen, aber hey, Realität vs Internet). So was würde ich gerne auf großerer Ebene machen. Einen Guide für die vergessenen Orte einer Stadt schreiben und fotografieren. Nur dass dann die Orte nicht mehr in Vergessenheit geraten würden… und was passiert dann?

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Best of OFWGKTA

Veröffentlicht April 29, 2011

Mit jedem Moment rückt das Odd Future Konzert am nächsten Freitag in Cassiopeia verkürzt. Meine Nippel kräuseln sich nach innen vor Freude. Allerdings gibt es ein kleines Problem, dem ich abhilfe verschaffen möchte. Die meisten Leute, die das Konzert besuchen werden, kennen lediglich die größten (und umhyptesten) Hits der Crew, Yonkers und Sandwitches. Das finde ich nicht schlimm – wenn nämlich nur zwei Songs so vielversprechend sein können, dass das Konzert einer unbekannten Band schon am 3. Tag ausverkauft ist, dann steckt da viel Potenzial und Hoffnung dahinter.

Was ich aber nicht mag sind stocksteife Kartoffeldeutsche die es nicht schaffen, bei einer Liveshow mal mehr zu machen als auf ihren Handys rumzutippen und sich darüber zu beschweren dass die Schlangen an der Bar schon wieder so lang sind. Das passiert nicht, weil die Band auf der Bühne scheisse ist, sondern weil (achtung, unbestätigte Hypothese) man zu Songs abgehen soll, die man noch nie gehört hat. Ich finde das im Hip Hop problematisch. Hip Hop ist mitmachen, alter. Richtig fett mitgröhlen zu den Punchlines. Da will ich nicht erst noch krampfhaft leise und aufmerksam konzentriert zuhören müssen, was der Typ gerade eigentlich runterleiert, sondern ich will genauso reinhauen. Ich will die ganze Energie eines Songs aufsaugen und den nächsten, ungewohnten Live-Show Teil antizipieren. Und deshalb habe ich mich mit der kompletten Odd Future Diskografie vertraulich gemacht und möchte sie nun auch euch näher bringen.

Ace (Tyler, The Creator) – Dracula
Mellowhype – Fuck The Police ft. Tyler, The Creator
Frank Ocean – Novacane
Mike G – King

I’m a motherfuckin’ king, I’m a motherfuckin’ monster
Readin’ books on murder? I’m the motherfuckin’ author

Earl Sweatshirt – Orange Juice
Tyler, The Creator – Sandwitches (ft. Hodgy Beats)
Hodgy Beats – Turnt Down
Earl Sweatshirt – Drop
Tyler, The Creator – Bastard
Earl Sweatshirt – Luper

Maybe if you looked in this direction
I’d pick my heart up off the floor and put it in my chest then
Feel the fucking life, rushing through my body
But you got a guy, it’s not me, so my wrist is looking sloppy

Frank Ocean – Acura Integurl
Mike G – Stick Up ft. Earl
The Jet Age Of Tomorrow – But She’s Not My Lover
Earl – Earl

Yo, I’m a hot and bothered astronaut crashing while
Jacking off to buffering vids of Asher Roth eating apple sauce

Tyler, The Creator – Splatter
Mellowhype – BankRolls
Mike G – Moracular Word ft. Vince Staples
Tyler, The Creator – French (ft. Hodgy Beats)
Jasper – Swag Me Out (with OFWGKTA)
Earl Sweatshirt – Blade
Frank Ocean – Songs For Women
Domo Genesis – Domier
MellowHype – CocainKeys

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Alles Karl

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Ich tippe im Zug meinen Scheiss runter (u.A. eine interessante Kolumne für mein geheimes, nicht-öffentliches Satiremagazin „Fette Arschbombe“ für kulturelles Vergnügen in yeahsara‘s Gedankentheather, mit dem Titel „Arsch frisst Hose: Wie man sich unbeobachtet den Tanga aus dem Kackschlitz rausfummelt“), da kommt so ein unscheinbarer Typ vorbei und setzt sich neben mich und grinst mich an. Ich tu ein bisschen, als würde ich aus dem Fenster gucken, aber irgendwann habe ich das Gefühl dass seine gelben Zähne nur noch wenige Atemzüge von meinem unschuldigen Ohrläppchen entfernt sind, also drehe ich mich um und gucke ihn mit den bemühtesten Stirnfalten an, die mein jungfräuliches Gesicht so rauspressen können.

Er ist dünn, richtig richtig dünn, und hat fettige, etwas längere Haare und er grinst immer noch und guckt mir in die Augen, schön nah an meinem Gesicht. Ich drehte meinen Kopf ganz schnell wieder zum Fenster. In solchen unberechenbaren Momenten zieht sich meine coole Schlagfertigkeit, die ihr alle ja so köstlich findet, in ein unerreichbares, geheimes Loch, tief in der Wüste meines Körpers zurück. Übrig bleibt eine weibliche, weiße Steve Urkel, die stark anfängt unter den Achseln zu schwitzen und merkt wie sie Blähungen bekommt. Die coolen Kids haben Asthma, die kriegen dann so geile Inhalatoren und können beim Sportunterricht zurückgelehnt Darth Vader Imitationen üben, aber Fettstangen meiner Sorte plagen sich mit Gasen, die sogar im Dritten Reich als Inhuman deklariert worden wären.

Ich räuspere mich drei, vier Mal und drehe mich wieder langsam zu diesem Typen um, der mich immer noch mit verzogenem Grinsen von der Seite angafft als ob ich gerade einen Dinosaurierer aus der Nase scheisse. Ich frage ihn mit etwas angebrochener, weinerlicher Stimme:

„Äh, ja, kann ich irgendwas, äh, helfen oder so?“

Aber er sagt nichts und starrt weiter. Er leckt sich mit so einer obszönen Geste über die Lippen, dass ich einfach nur starr die Augen auf ihn richten und entsetzt meine Armlehne umklammere. Meine Hände sind schweißnass. Er atmet laut. Ich drehe meinen Kopf wieder zu Seite, weil ich seinem Blick nicht ausgesetzt sein will, recke meinen Hals um hilfesuchend den Blick anderer Mitfahrer zu erhaschen, doch keiner reagiert, keiner weiß, dass ich gleich von einem hässlichen Psychopathen mitten im Sprinterzug nach Berlin vergewaltigt, zerstückelt und gegrillt werde. Ich ersaufe nasal an den von Schweiß gebildeten Ozeanen in meinem Gesicht und drücke mich so fest es geht an die Fensterseite. Dann nuschel ich, in einem letzten Wall der Kraft, bevor ich ohnmächtig werde, „geh weg bitte bitte“. In meinem Kopf habe ich ihn schon mit meiner versteckten Machete gesechsteilt, aber Steve Urkel war ja gerade an der Reihe, und so blieb mir nichts anderes übrig als mein Gesicht ganz, ganz fest gegen das Fenster zu pressen und langsam kleine, leise Horrorfürze in seine Richtung abzudrücken.

Nach etwa drei, vier Minuten – ich sah in der Spieglung des Zugfensters, dass er mich immer noch anstarrte, wenn auch nicht mehr ganz so feist und widerlich grinsend (er musste Geruchssinnstörungen haben. An der mangelnden Schlagkraft der Fürze kann es nicht gelegen haben, dass er immer noch stand, denn immerhin hörte ich schon einige Panikschreie aus den vorderen Reihen)- kam eine ältere, adrett angezogene Frau (Marke Karstadt), packte den Psychopathen am Arm und versuchte ihn hochzuziehen.

„Komm jetzt, du sollst doch andere Leute im Zug nicht stören — entschuldigen Sie bitte, hat er Sie gestört- es tut mir Leid, er braucht ganz besonderen Umgang“, fragt sie mich besorgt und gleichzeitig erregt, weil er sich dagegen wehrt, von seinem Sitz enthoben zu werden. Es war ein bisschen seltsam, dieses Bild. Es ist komplett leise im Zug, und ohne ein großes Geräusch zerrt sie weiter an seinem Arm, er lässt sich allerdings immer wieder zurück auf den Sitz fallen, wo er dann gegen mich aufprallt, ich, das absolut entseelte Nervenwrack, dass sich gleich voll in den Mund übergibt. So ging das ein paar Mal dann. Ein Stummfilm der Awkwardness. Zerren, zurückfallen lassen, gegen mich prallen, und noch mal. Irgendwann seufzt die Dame resigniert und lässt mich mit den schrecklichsten Worten aller Zeiten zurück: „Tut mir leid, er mag Sie wohl. Wäre es allzu schlimm für Sie, wenn er einfach die restliche Fahrt hier sitzen bleibt? Er macht auch nichts, er guckt einfach nur. Er heisst Karl. Wenn er unruhig wird, dann rufen Sie nach mir, ich sitze ein paar Reihen hinter Ihnen.“

Ich nickte stumm, weil Steve Urkel sich nicht gegen soziale Konformitäten wehren kann. Karl rückte näher an mich und grinste wieder sein animalisches Grinsen. Ich guckte ihn in Doppelkinnhaltung zurück an. Ich blieb in dieser Position bis wir ankamen, aus Angst, er könnte einer von denen sein, die ab und zu mal ausrasten und Leuten die Köpfe gegen Fensterscheiben einschlagen. Im Nachhinein stellte sich das als sehr unnötig heraus, er grinste den Rest der Fahrt nur noch und fing irgendwann an zu sabbern. Gegen Ende freundete ich mich mit dieser interessanten Chemie aus autistischem Interesse und nackter Angst an und überlegte, wieso ich eigentlich so ein Spast bin. Als wir ankamen und alle aufstanden um ihre Sachen zu holen, bewegte er sich nicht. Ich musste über seine Knie steigen und meinen Rucksack über ihn schleifen. Dabei habe ich ihm unabsichtlich einen Kinnhaken verpasst. Ich entschuldigte mich (mental) bei Karl dafür, dass ich ein unbarmherziges, grausames Opfer bin, und furzte mir meinen Weg aus dem Zug. Als ich noch mal zurück blickte um zu sehen, ob er immer noch da war, starrte er mich weiter mit eindringlichem Blick an und ich nahm das als Anlass um noch ein bisschen schneller zu laufen.

Alles Karl · Kategorien: Realwelt · 7 Kommentare
 
 

Stumme Wasser

Veröffentlicht April 28, 2011

in unregelmäßigen abständen veröffentlichen protagonisten eines anderen lebens (anderer welten, dimensonen, zeiten und gesellschaftsformen) ihre gedanken, erlebnisse und traumata hier. manche sind alter egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. in einem zustand des nicht-da-seins finden sie ihren frieden darin, in die außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. um ihre anonymität zu wahren, werden nur ihre pseudonyme preisgegeben. willkommen in der restrealität…


“yonder” von aguno

“Komm”, sagt er. Er nimmt meine Hand in seine. “Lass uns Einen rauchen. Da vorne, am Ufer.” Ich nicke nur und blinzel an ihm vorbei. Mein Herz klopft hoch und stößt gefährlich an den Kloß in meinem Hals, der sich zu einem Brocken von Beton verwandelt hat. Ich habe Angst den Mund aufzumachen und ihn mit einem Wasserfall an Herz, Blut und Bauschutt zu ergeben. Also lasse ich mich ziehen, und wir sagen nichts.

Obwohl es so viel gibt, was ich noch sagen will.

Er legt seine Jacke auf das spitze Sommergras und setzt sich hin. Ich bleibe stehen und sehe dem Wasser bei seinem ruhigen Treiben zu. Er blickt gegen die Sonne zu mir hinauf, hält sich die eine Hand eine Stirn, die andere legt er auf den freien Platz auf der Jacke und kneift die Augen fest zusammen. “Setz dich. Bitte.”

Meine Beine sind steif. Zeitlupe. Ich nehme tief Luft. “Reiß dich zusammen”, beruhigt mich das Wesen in meinen Fußzehen, dass noch ein bisschen Kontrolle hat. Es zwingt mich in die Knie zu gehen und Platz zu nehmen. Mein Kopf bleibt starr auf den funkelnden Fluss gerichtet, der in der Nachmittagssonne nichts zu sagen hat, und auch nicht viel tut außer für mich da zu sein. Nach links geht es zu mir, nach rechts geht es zu ihm. Auf der anderen Seite existiert nur ein schwarzes Loch. Und hinter uns sind alle Menschen, an denen ich Tag für Tag vorbei laufe.

Er rollt das Papier liebevoll zusammen und leckt behutsam den Klebestreifen ab. Er macht den Joint an, nimmt einen tiefen Zug und starrt parallel mit mir auf das Wasser.

Die Zeit rauscht an uns irgendwie vorbei, während wir immer noch bewegunglos sitzen. Jeder einzelne Moment brennt sich ein und zieht sich hin. Obwohl wir beide einfach nur aufstehen, auflegen, beenden und abschließen wollen, bleiben wir da, zusammen und doch nicht zusammen. Die Sonne geht unter, der Fluss zieht stumm weiter. Wir bleiben sitzen und dehnen und strecken, was noch da ist. Bis nur noch ich da bin. Und irgendwann nur noch der Fluss. Bis der auch nicht mehr da ist.

 
 

Gay Based God

Veröffentlicht April 25, 2011

Und da wäre ja noch Lil’ B, der sein neues Album “I’m Gay” nennen möchte – als Hürdenreisser, in einer immer noch sehr konservativen Hip Hop Welt, wo das “no homo” deutlich und fett geschrieben wird. Das US Militär der neuen Welt ist das, und Lil B möchte die Rolle des liberalen Persönlichkeitsbefreier spielen. Alles schön und gut, hätte Lil’ B nicht selber in einigen seiner Songs einige Beschimpfungen auf Homosexuelle abgelassen, aber hey, whatever. Soll er doch, vielleicht bringt es ja was. Die Tatsache, dass Lil’ B leider eher auf der Witzfigur-Seite des Lebens steht, könnte allerdings genau das Gegenteil für die Stellung der Homosexualität im Hip Hop erwirken.

Aber da wäre ich ja auch beim Punkt. Hat sich einer von euch mal ernsthaft einen Song von Lil’ B reingefahren? Das ist ein halluzigener Trip, ich schwöre es euch. Der Typ macht “Based Rap”, wie er es selbst nennt. Daher auch der Name “Based God”. Er hält sich für Gott, was in seiner Sparte – dekonstruktiver, post-Lil Wayne, Charlie Sheen Rap – echt auch nicht schwierig ist.

“Based means being yourself. Not being scared of what people think about you. Not being afraid to do what you wanna do. Being positive. When I was younger, based was a negative term that meant like dopehead, or basehead. People used to make fun of me. They was like, ‘You’re based.’ They’d use it as a negative. And what I did was turn that negative into a positive. I started embracing it like, ‘Yeah, I’m based.’ I made it mine. I embedded it in my head. Based is positive.”

Slate beschreibt das auch ganz gut, dieses “Weirdo” Ding, das sich von Kanye über Nicki Minaj bis Odd Future durchzieht, ein Trend, der mich wieder stark an den sagenhaften Zeitgeist-Paradigmenwechsel Charlie Sheen Artikel von Bret Easton Ellis erinnert, den ich später mal zitieren werde:

One 2010 trend that united pop’s margins and its center was the triumph of the weirdo rapper. Toward the margins, there’s Lil B, a brilliantly warped, post-Lil-Wayne deconstructionist from the Bay Area. He freestyles prolifically and deftly (or, when he feels like it, gloriously ineptly), dabbles in ambient music, extends metaphors so far that they break down and lose any metaphorical component, calls himself a faggot but says he’s not gay, calls himself a bitch, calls himself Hannah Montana, says “fuck Justin Bieber” then says he’s friends with Justin Bieber, compares himself to Aretha Franklin, Matlock, Jesus, Mel Gibson, and even your father. His Blue Flame mixtape is a good place to start exploring his unwieldy catalog.

Alle Beschreibungen dieser Welt werden nicht seinem größten Hit gerecht, nämlich Wanton Soup.

Das, was ich mit Odd Future vielleicht noch gespürt habe – eine gewisse Zuneigung zu den Weirdos, den Außenseitern, weil sie immerhin ihren eigenen Kult erschaffen und auch ein Liking für ihre Musik, kommt bei Lil’ B einfach nicht in Frage. Ist er eine Satire, so wie Die Antwoord? Ein Kunstprojekt, klar nach der Definition: das hier hat einfach keinen Zweck und steht sinnlos im Raum da, auch, wenn man es in erster Linie als Musik erkennt?

Der Typ nimmt sich dabei ernst, das darf man nicht vergessen. Er hat Erfolg, und eine überloyale Fanbase, die er sich selbst mühevoll über diverse MySpace Seiten aufgebaut hat (sein Online Leben ist auf jeden Fall zeitgemäß, der Typ ist besser verknüpft als ich). Das hier ist kein Scherz, das ist auch kein schlechter Hip Hop, weil er nicht rappen kann (kann er nämlich, wie man anhand früherer The Pack Videos sehen kann – nicht unbedingt ein Ausnahmerapper, aber das mit der Technik kann er) – es ist ernstgemeint und es kann Geld machen.

Aber ich bin verwirrt, weil ich aus dem Kreise der Basedrap Fans einfach ausgeschlossen bin. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass er Fans hat, die ihm aufgrund seines exzentrischen Wesens treu sind. Charlie Sheen und andere können auch darauf aufbauen, dass sie seltsame Gestalten der Öffentlichkeit sind, die aber dank ihrer Fehlbarkeit auch menschlich wirken und in Zeiten von Internet und Ultraconnection einen gewissen Massenappeal ausstrahlen. Aber ich spreche von der Kaufkraft, Kids, die Lil’ Bs Musik auch ernsthaft hören. Ernsthaft, also auch kommende Künstler nach diesen Maßstäben messen.

To Empire gatekeepers, Charlie Sheen seems dangerous and in need of help because he’s destroying (and confirming) illusions about the nature of celebrity. He’s always been a role model for a certain kind of male fantasy. Degrading, perhaps, but aren’t most male fantasies? (I don’t know any straight men who fantasize about Tom Cruise’s personal life.) Sheen has always been a bad boy, which is part of his appeal—to men and women. There’s a manly mock-dignity about Sheen that both sexes like a lot. What Sheen has exemplified and has clarified is the moment in the culture when not giving a fuck about what the public thinks about you or your personal life is what matters most—and what makes the public love you even more (if not exactly CBS or the creator of the show that has made you so wealthy). It’s a different brand of narcissism than Empire narcissism. Eminem was post-Empire’s most outspoken character when he first appeared and we were suddenly light years away from the autobiographical pain of, say, Dylan’s Blood on the Tracks (one of Empire’s proudest and most stylish moments). It’s not that we’ve moved beyond craft, it’s just that there’s a different kind of self-expression at play—more raw, less diluted.

Notes on Charlie Sheen and the End of Empire

Ich bin wirklich gespannt darauf, wo das hingeht. Hip Hop war einst mal ein lyrisches Wunderwerk und hat sich von da in über tausend Richtungen erstreckt. Ich warte immer noch auf ein Re-Work der Zungenknoten von Dead Prez oder Wu Tang.

Nicht, dass ich davon Ahnung hätte, aber manchmal reicht ja auch ein Lil’ B um einen auf einen Wechsel der Musikkultur aufmerksam zu machen.

Gay Based God · Kategorien: Musik · 2 Kommentare
 
 

OFWGKTA

Veröffentlicht April 24, 2011

Ich bin ein Fan von Ideologien, so lange sie auch mit Tatenkraft umgesetzt werden (oder immerhin ein Versuch in die unmögliche Richtung gestartet wird)- Weltanschauungen, die jedem nahe gebracht werden sollen, nicht nur existieren, um zu existieren. Große Theorien, bei denen es nur um die Hypothetik aller menschlichen Möglichkeiten gibt, nerven mich. Deshalb finde ich es auch so schwer, mit Menschen über eine Verbesserung der Welt zu diskutieren. In den meisten Fällen liegt die Lösung erwiesen auf der Hand, und trotzdem reden wir, anstatt zu tun.

Umso begeisterter bin ich, wenn Leidenschaft nicht in brennenden Gedankenzügen zu bedeutungsloser Asche wird, sondern wenn so viel Energie hinter einer Idee entsteht, dass man “Los, Los!” schreit und anfängt zu machen, zu bauen, anzustiften. Leider passiert das nicht sehr oft. Wann habt ihr euch das letzte Mal gedacht: okay, ich riskiere das Leben der letzte 10-20 Jahre auf meinem Deckel um jetzt eine Revolution zu starten – so groß oder klein sie auch sein mag – und pumpe meine Zeit und meine ganze Energie in ein Projekt, das wahrscheinlich scheitern wird? Wer baut schon ein Leben auf – mit Ausbildung und Studium und Job und Wohnung und Familie und Sicherheit und Festigkeit und Perspektive und Normalität und Alltag und Rentenversicherung und Stabilität – um das dann innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen für eine dumme (oder, mit Glück, nicht dumme) Idee all das zu verlieren. Versteht nicht falsch, was ich hier andeute: ich bin kein Befürworter des Standard-Lebens, wo Sicherheit und Familie ganz oben stehen müssen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da menschliche Arbeit reingeflossen ist. So eine Arbeit für einen Moment wegzuschmeissen, das große Kartenhaus umpusten — wieso sich dann erst die Mühe machen aufzubauen? Nehmen wir den Satz und machen einen großen, fetten Punkt hinter “Kunst” und hinter “Nihilismus”, hinter “Bedeutungslosigkeit” und “Verzweiflung”. Und am Ende haben wir keinen Satz mehr stehen, sondern nur noch einige lose zusammenhängende Begriffe, die ein wenig darstellen, wieso “Just Do It” und “Es könnte alles so einfach sein” doch nicht so umsetzbar sind, wie man sich mit 18 und 19 vorstellt.

Als uns die Welt noch gehörte, da sahen wir alle aus wie Odd Future. Da ging es gar nicht nur um die Musik oder darum, dass wir erfolgreiche Punks sind. Es ging darum dass wir eine Idee hatten und diese auch umsetzen wollte. Wir hatten alle Zeit der Welt und wir fingen an, uns mit der Thematik zu beschäftigen. Die einen malten, die anderen skateten, einige von uns machten Musik während die anderen sich von einem Ausdauertest zum nächsten zerrten, um endlich Pilot werden zu dürfen. Wir haben nicht nur geträumt, wir haben getan. Gerade aus der Schule – was haben wir zu verlieren außer Noten, die uns noch nie etwas bedeutet haben? Wir malten uns Hakenkreuze auf den Nacken um Reaktionen zu fordern und wir haben alles und jeden ausgeschlossen, der uns ein Nein mit Ausrufezeichen auf das Antwortplakat malte. Wir zerrissen und zerstörten, was unsere Energie aufhalten wollte. Wir feierten nicht nur weil wir feiern wollten, sondern weil wir was zu feiern hatten – uns – und die ganze Welt mitbekommen sollte, dass die hochgestreckten Arme und die wilden Schreie auch nur ein Output waren um unsere Zukunft zu formen.

Das verliert sich. Das wird sich wahrscheinlich auch bei den großartigen Street-Kids von Odd Future verlieren. Das hat sich bei Britney Spears verloren, das hat sich bei unzähligen Künstlern verloren. Ich bin verlockt dazu, dass auf ausbeutendes Management und ungnädigem Publikum zu schieben, aber wir wissen alle, wie es ist: ein paar Jahre vergehen und schon hat man wieder etwas zu verlieren, das man mit viel Arbeit aufgebaut hat. Das ändert alles.

Egal, ob ihr auf OFWGKTA steht, oder ob ihr die provozierenden Texte viel zu Anti findet, ob euch das überhaupt nicht schockiert und ihr das für einen Hype abstempelt; das mag alles sein. Alles, was ich sehe, ist ein großer, fetter Erinnerungsstempel, dass ich zwar für viel gearbeitet habe, meine Kartenhäuschen aber fein säuberlich wieder mit eigenen zitternden Fingern abgebaut habe. Da ist nichts, was verloren gehen kann, was zerstört wird, oder was ich riskieren könnte. Es ist wieder Zeit für eine neue Ideologie.

 
 

4:20

Veröffentlicht April 20, 2011

masteredit: habe gerade beim durchlesen das gefühl bekommen, diesen artikel schon mal geschrieben zu haben. um euch trotzdem das gefühl zu geben, dass es sich lohnt, mir beim weinen zuzuhören, füge ich nun einen Kiffersong hinzu der euch an 4:20 erinnert und daran, dass Wiz Khalifa ein Idiot ist.

Es ist 4:20 und anstatt den Morgen mit einer ordentlichen Staffel Scrubs, einer handgedrehten, fetten Tüte und einer Packung Lucky Charms Cornflakes zu starten, huste ich mir die Schleimbrocken aus der Kehle und bin zu fertig um überhaupt aufzustehen. Ich bin weder zu Hause noch bei den Eltern, ich bin nicht im Urlaub aber ich muss auch nicht arbeiten, ich fühle mich, wie in letzter Zeit so oft, in einem unangenehmen Schwebezustand, irgendwo im nirgendwo, der so eigentlich nicht sein soll. Ich bin in Jena, Freunde besuchen, kann man sagen. Aber eigentlich bin ich in einem Zimmer, das ich heute wohl nur noch mit Mühe verlassen werde, und der Rest interessiert mich nicht.

Wie kann es sein, dass ich schon wieder krank bin? Schon wieder alle Symptome der Allergie mit mir herumschleppe, bis sie sich in einer weiteren Nasennebenhölenentzündung manifestieren. Und heute kommt noch dieser widerliche Husten dazu. Irgendwann hat man auch keinen Bock mehr sich über seine Gesundheit aufzuregen. Den ganzen Tag, so wie ich das mache. Aber mich über meine anderen Wehwehchen beschweren macht auch keinen Spaß. Wie etwa: oh man, die Wohnung nicht bekommen, zum 1. Juli wieder raus, wieder 2 Monate Stress und auf Suche sein. Oder: was mache ich jetzt wegen der Geldlage? Oder: oh Gott ich hab keine Ahnung wie ich einen Ausgleich in dieser Situation finde, der nicht darin endet, dass ich irgendjemandem in die Fresse haue.

JETZT ERZÄHLEN DIE MIR HIER AUCH NOCH IRGENDETWAS VON EINER LAGERHALLE DIE SIE MIETEN UND AUFPEPPEN UND ZU EINEM SCHICKEN LOFT UMBAUEN WOLLEN! HAT DENN HIER NIEMAND MEHR EIN BISSCHEN HIRN! Ich bin gerade auch so am Ende mit allem, dass mir nur noch Floskeln einfallen wollen, um diesen Artikel zu beenden. Wie etwa: “Ich bin mit meinem Latein am Ende.” Oder: “Zeit heilt alle Wunden”. Oder: “Buffallo Soldier.. nanananananananana..”

Oder: “Es könnte alles so einfach sein.” Herzlichen Glückwunsch, ist es aber nicht. Und immer wieder drängt sich die Idee auf, doch noch mal wegzufliegen. Nicht um abzuhauen, sondern weil die Zeichen danach ausgerichtet sind. Seit meiner Rückkehr will nichts so funktionieren, wie es hätte funktionieren sollen. Wieso dann nicht wieder Segel setzen und das Angebrochene für einen Neuanfang verheilen lassen? Ach, wenn ich wenigstens ‘ne Tüte hätte. Dann würde ich mich in dieser geschlossenen Gesellschaft, in einer mir fremden Stadt, nicht so vorkommen wie ein Fremdkörper, der hier nichts zu suchen hat. Dann wäre ich entspannt und könnte mich auf Lösungsfindung konzentrieren, und würde hier nicht so verweichlicht rumheulen. Oder vielleicht doch. Meeeeh.

4:20 · Kategorien: Realwelt · 9 Kommentare
 
 

Odd Future

Veröffentlicht April 18, 2011

Ich versuche zu rekonstruieren, was passiert ist, seitdem ich hier eingezogen bin und Nacht für Nacht an meinem Fenster sitze und mir dabei “Yonkers” oder “Earl” anhöre und mitwippe und mitrappe und meine Arme hektisch bewege. Alles dreht sich gerade um OFWGKTA. Alles. Das geht hier leider ein bisschen unter, weil viel passiert. Fahrräder passieren, Nightrides passieren, Rumstromern und beim Versuch, in einen Yard zu klettern und von den Cops gebustet zu werden passiert, beim James Blake Konzert vor’m Berghain rumhängen und nach Tickets suchen und für viel Geld Tickets finden und dann vom Bass erhängt zu werden passiert, zu wenige Champions für die Crew kochen passiert, sich beim Einkaufen totschleppen passiert, beim Arbeitsamt Scheisse labern passiert, sich den Kaffee über die Hose schütten passiert, eine Stunde vor Abfahrt Wäsche waschen und hoffen dass sie rechtzeitig trocknet passiert, im Luzia nicht reingehen weil man zu müde ist passiert, im Jenseits für 15 Minuten mit nur 3 anderen Menschen zu Hip Hop tanzen und danach direkt wieder reinhauen passiert, sich mit seinen eigenen Stiften vollmalen passiert, sich zwei Achter reinfahren passiert, sich die Birne wegkiffen passiert, sich um drei Uhr morgens auf die Oberbaumbrücke setzen und kurz Luft holen passiert, im Sysyphos raven und die Location für gut befinden passiert, die liebsten Freunde umarmen passiert, mit Nico wahllos streiten und ihn in den Wahnsinn trollen passiert, ohne Absätze schreiben passiert, Nadines Aufführung zum zweiten Mal gucken und dabei Gänsehaut bekommen passiert, nach Mitte fahren um ein Magazin zu kaufen passiert, an der Strandbar Mitte chillen passiert, Jackass 3D gucken und bei der Phantom staunen passiert, Frank Ocean rauf und runter hören passiert, tausend andere Sachen, die passieren, einfach wieder vergessen.

Aber eine schöne Konstante gibt es: Odd Future. Ja ja, es ist ein Hype, von mir aus. Nennt es doch so. Vielleicht ist es in ein paar Monaten vorbei und ich werde mich nur noch an das rohe Potenzial dieser krassen Dudes aus LA erinnern, aber am Ende des Tages zählt nur, wie sehr mich dieses Rap-Kollektiv, bestehend aus vorlauten Kindern mit Ambitionen, eigentlich inspiriert. Und ich darf zu diesem Höhepunkt meines eigenen Groupie-Daseins einfach mal zu einem Konzert. In diesen stillen, ruhigen Tagen der Vorfreude werde ich nichts anderes tun außer mich darauf optisch als auch mental vorzubereiten. In dem Sinne: Fuck School Burn Shit Kill Them All. SWAAAAAAAAAAG.

 
 

The Dying Swan

Veröffentlicht April 15, 2011

 
 

Writersblock

Veröffentlicht April 13, 2011

Wenn ich mir anschaue, was ich so für Posts vor genau einem Jahr auf DragstripGirl veröffentlicht habe, dann frage ich mich ja schon ein bisschen, wieso ich hier mittlerweile mehr Leser habe als damals. Nicht, dass ich damals qualitativ anspruchsvollere Texte gebracht hätte, aber immerhin war es abwechslungsreicher (und hat viel mehr dem Zeitgeist entsprochen). Heute findet man hier hauptsächlich persönliche Anekdoten und pseudo-erwachsene Weisheiten die sich alle nur um mein Leben drehen. Klar, ist ja auch ein Tagebuch, so ein Blog; aber ich erzähle euch ja nicht mal, was ich den ganzen Tag eigentlich mache.

Ich beschwere mich nicht, ich finde es ja toll, dass so viele Menschen anscheinend Lust haben, daran teilzunehmen (so oft ich auch selber gerne nicht daran teilnehmen würde). Aber ich stehe gerade vor einem Problem, das mit dem Schreiben zusammenhängt, und jetzt brauche ich mal die Hilfe von den Menschen, die hier schon öfter mitgelesen haben (vom Rest natürlich auch). Und zwar schreibe ich gerade spaßeshalber eine etwas längere Geschichte. Sie geistert mir seid Monaten schon im Hirn, aber nie hatte ich die Zeit, sie wirklich auszuformulieren. Nun bin ich fast fertig, will sie aber wieder komplett verwerfen, weil sie mir stilstisch (nicht inhaltlich) überhaupt nicht gefällt. Ich langweile mich selber an meinem eigenen Stil, kann aber nicht wirklich identifizieren, was ihn ausmacht.

In vollem Wissen darüber, dass ihr natürlich nicht alle Sprach- und Literaturkritiker sein könnt, brauche ich eben einen kurzen Arschtritt. Was fällt euch an meinem Schreibstil auf, was euch überhaupt nicht gefällt, was euch sehr gut gefällt, was man besser machen könnte? Das können auch so Sachen wie “zu viele Kommas, zu viele Fremdwörter, hör auf zu fluchen” sein. Wenn euch was aufgefallen ist, wäre ich euch sehr dankbar. Und Bonuspunkte, wenn ihr mir sagen könnt, ob es eine Entwicklung gab.. also ob ich letztes Jahr auch stilistisch und nicht nur inhaltlich anders geschrieben habe.

(Ihr dürft mich ausnahmsweise auch mal inhaltlich zerreissen, aber seid nicht zu hart, meine Seele verkraftet so viel Hate nicht auf einmal) — Danke.

Writersblock · Kategorien: Realwelt · 11 Kommentare
 
 
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