Ohne Proteste.

Veröffentlicht June 30, 2011

“Ich hätte gerne mal eine rauchfreie Flasche trockenen Weißwein in einer Stunde abgepumpt und dabei Spuckeblasen gemacht”, sagte ich und erwachte katerlos in einem verwirrten Zustand der Unsicherheit. Ich habe also ein verputztes Zimmer, einen fehlgeschlagenen Baumarkttrip, einen Hocker für nen Fünfer und einen Kaffee Togo und weiß nicht so wirklich, was mit dem Wetter los ist. Die Pakete kommen auch irgendwie nicht an, dafür mache ich selbstverständlich niemanden außer meinen fehlenden Staubsauger verantwortlich.

Aber ihr könnt mich gerne plussen, so weit sind wir nämlich schon in der Social Media Entwicklung angekommen, und am Ende des Tages hilft der Absurdität nur noch, dass die Fusion im Wasser untergeht und in Berlin jetzt erstmal alles in Zeitlupe fährt. Eineinhalb Wochen später bin ich dann wieder unter den lebenden Arbeitenden zu finden, mit eigenem Schreibtisch und einem Mac und viel Zeit, Musik auszusortieren und Gehalt einzufordern (es stehen übrigens noch Rechnungen aus, und die Unibewerbungen müssen noch abgeschickt werden, und rumknutschen am Paul-Lincke-Ufer, wo auch das Loft steht, in dem ich nicht wohne, wird unterbewertet).

Am Ende des Tages ist alles ja auch schnell und bizarr und irgendwann werde ich sagen können, dass das die schönsten Momente waren, als mein Surfstick mit voller Geschwindigkeit lief. Und als die Banger kamen, die wir auf unserem Mannimalistic Open Air spielen. Und diese Zeitungsausschnitte, die ich sogar gepflegt einscanne.

Und wisst ihr was auch ganz schön nice ist? Im Ghettofreibad die geschändeten süßen Kanackenboys rumplanschen zu sehen, als hätten sie nie bei einer Messerstecherei mitgemacht, und ledrige Eltern, die ihre fetten Sonnenbrandkinder zusammenschreien, und Kopftücher, die bei 35 Grad direkt am Beckenrand ihr Lager aufschlagen. I’m loving it. 10000 Tweets and TGIF: Thank God Im Fresh.

 
 

Also dafür, dass durchgängig 6 Promille bei jedem Interviewten (und teilweise auch der Moderatorin) aus den Ohren strömen, hat sich doch mal wieder bewiesen, dass so ein Festival-Wochenende doch auf jeden Fall auch mit Humor und vielen lustigen Anekdoten zu Ende gehen kann.

Meine Favoriten für den Award “Angenehmste Festival Besucher” sind die Holländerinnen, neben denen ich ja gerne gezeltet hätte; mit ihnen wären mir die Vagina Napkins nie ausgegangen!

Ich komme im Video übrigens nicht vor, weil ich immer noch Teil des Zeugenschutsprogramms bin.

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Gucci Sweatshirt

Veröffentlicht June 27, 2011

Ich will noch viel mehr Pullis und Schuhe kaufen und erliege einer Konsumsucht die größer ist als das, was ich kontrollieren kann. Nichts liegt mehr in meiner Macht, obwohl ich mir vor der Reise vornahm, mich von allem Materiellen zu lösen. Das Ziel wurde nur temporär erreicht, nun ist es vernichtet – genauso wie das Geld auf meinem Konto (wobei das weniger an freshen Klamotten liegt, glaubt mir).

Und nun? Einfach tanzen.

 
 

Total Recall: Retromania der Musik

Veröffentlicht June 24, 2011

Im Guardian (Herz, Seele und Mumu meines Informationsbeschaffungskörpers) ist ein Artikel erschienen, der dieses fanatische “Zurückdenken” und den Retromove in der Musikszene (und begleitetend in Fashion und Kultur als Gesamtbild) beschreibt und wie sich gerade in diesem Bereich zwei Welten gegenüber stehen; einmal die Ibiza-House Maloche, die von David Guetta, dieser Hure, angeführt wurde und bei den Rednecks in den USA gerade einschlägt wie eine Bombe (als ob wir noch mehr Eurotrash Musik gebraucht haben); aber andererseits auch die Indie-Schiene, die sich an 60er Jahre Hippie und Blues und anderem Kram anlehnt.

Retro is not a completely new phenomenon, of course: pop has an extensive history of revivals and creative distortions of the musical past. What is different about the contemporary retromania is the aspect of total recall, instant recall, and exact recall that the internet makes possible. Fans can drown themselves in the entire history of music at no cost, because it is literally all up there for the taking. From YouTube’s archive of TV and concert performances to countless music, fashion, photography and design blogs, the internet is a gigantic image bank that encourages and enables the precision replication of period styles, whether it’s a music genre, graphics or fashion. As a result, the scope for imaginative reworking of the past – the misrecognitions and mutations that characterised earlier cults of antiquity like the 19th-century gothic revival – is reduced. In music especially, the combination of cheap digital technology and the vast accumulation of knowledge about how specific recordings were made, means that bands today can get exactly the period sound they are looking for, whether it’s a certain drum sound achieved by Ringo Starr with help from the Abbey Road technicians or a particular synth tone used by Kraftwerk.

Ein besonders anregender Punkt im Text ist die Frage, an was wir uns eigentlich zurück erinnern, wenn wir in einigen Jahren das Retrospiel auf das 21. Jahrhundert projezieren? Wir werden Bilder haben, die so aussehen, als wären sie vor 20 Jahren geschossen worden, und Musik, die sich so anhört, als wäre sie mindestens 40 Jahre älter als sie ist. Es ist eine Verzerrung der Zeit.

What seems to have happened is that the place that The Future once occupied in the imagination of young music-makers has been displaced by The Past: that’s where the romance now lies, with the idea of things that have been lost. The accent, today, is not on discovery but on recovery. All through the noughties, the game of hip involved competing to find fresher things to remake: it was about being differently derivative, original in your unoriginality.

Und das ist mit Sicherheit jedem schon mal aufgefallen, dieses Gefühl, einen guten (!) Song schon mal gehört zu haben und sich darüber sogar zu freuen. An manchen Tagen jedoch ist man lediglich übersättigt und fragt sich, ob es jemals wieder etwas “neues” geben wird (James Blake und Weeknd waren für mich die einzigen Künstler der letzten Zeit, die im Mainstream/Pop Business zumindest “fresh” gewirkt haben – aber auch das ist alles nicht experimentell, sondern nur ein Zusammenwurf bereits bestehender, neuer und alter Elemente ihrer jeweiligen Genres).

 
 

A Little Bit

Veröffentlicht June 23, 2011

Unsere Blicke treffen sich in der Mitte und knüpfen, ohne dass wir es erlaubt hätten, ein zärtliches Band. Da ist es- unsere Lebenslinien kreuzen sich an der richtigen Stelle, am richtigen Ort, im richtigen Moment. Wir werden von diesem Band festgehalten, und während wir uns noch vorstellen und interessiert unsere Leben rezitieren, stricken unsere entschiedenen Augen wie fleißige Spinnen weiter an dem Faden, der bald schon ein dickes, kräftiges Seil sein wird.

So vergehen Sekunden, Minuten, Stunden, bis sie in Wochen und Monate übergehen, und dann ist auf einmal jemand da, der so wichtig ist wie selten etwas anderes in deinem Leben. Urplötzlich werden alle anderen Menschen eingeholt und überrundet, zehntausend Mal, und mit Abstand wird die Ziellinie überschritten um den Preis für den ersten Platz abzubekommen. Die mühevolle Arbeit, mit dem Alleinesein, mit dem festen, unerschütterlichen Freundeskreis zufrieden zu sein, erscheint so nichtig in Anbetracht dieses Menschen, der wie eine Rakete ins Herz geschossen kam.

Und plötzlich gibt es kein “vorher” mehr, sondern nur noch ein “jetzt” und die Freude auf Morgen, Übermorgen, nächste Woche und alles, was man jetzt teilen kann. Die nackte, fremde Haut, das noch in Knospen ruhende Vertrauen, die kleinen Macken und Tücken, das alles ist noch neu und frisch, aber meine Erinnerung an die Vergangenheit sind erloschen, die Zeitrechnung beginnt da, wo unsere Wege sich kreuzten. Jetzt laufen wir parallel.

Die neuen Rituale – das Anrufen, um die Stimme zu hören, die leisen Berührungen vor dem Einschlafen, die unlustigen Witze, über die sonst niemand lachen kann, sie fühlen sich an wie schon immer gelebte Traditionen, unerschütterlich. Innerhalb nur weniger Atemzüge ist jemand da. Während ich noch blinzel, falle ich in eine andere Welt, mit dir und uns, und dem ganzen Rest, der irgendwie in den Hintergrund gerückt ist, wie eine von Bob Ross gemalte Superlandschaft. Wir, die Hauptakteure. Ich, alleine, du, alleine, wir, zusammen.

Einfach so passiert das, und einfach so verstehe ich die Welt nicht mehr, und verstehe nicht, wieso mich das so schwer macht, so belastet, so unglaublich glücklich, und unglaublich ängstlich und unsicher. Einfach so, in wenigen aufeinanderfolgenden Momenten, wurden zwei Leben verknüpft durch einen fetten Seemannsknoten, und keiner kann mir erzählen dass das nicht völlig verrückt ist.

A Little Bit · Kategorien: Realwelt · 8 Kommentare
 
 

Hurricane Festival 2011

Veröffentlicht June 20, 2011

Schlamm, Regen, Kotzlachen, Schweißflecken, Sonnenbrände, Bierpfützen, Blutspuren: kein Wunder, dass unser Gastgeber AXE sich mal ein Herz fasste und auf dem Festivalgelände des Hurricane 2011, irgendwo im Nirgendwo situiert, einige Luxusduschen installieren ließ. Dort konnten die halbtoten Konzertbesucher sich mal so richtig schön warm duschen, um dann fit für die nächste Runde “Zeltplatz Krieg” zu sein.

Das Gute an dieser netten Dusche: nun stanken nur noch 98% Prozent der unterhaltsamen Menschen auf dem Hurricane nach Gottes schlimmsten Gerüchen dieser Erde. Das schlechte: es ist schon bedauerlich, wenn eine mobile Duschkabine mehr Komfort und Luxus vermittelt als die eigene zu Hause. Da wird man ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gezogen..

Und so verbrachte ich also ein Wochenende mit meinen Blogkollegen Thang, Isa, Alex und Flo, Wenke und Marcel und Christoph und Thomas (die ich alle in mein Herz geschlossen habe und alle auch mal nachts im Dunkeln an feuchten Stellen anfassen würde) auf einem Festival. Übrigens mein erstes Festival dieser Größenordnung. Für ein Prinzesschen wie mich keine einfache Aufgabe. Orientierungslosigkeit, Platzangst und Überforderung. Ich hielt meinen Schlagring für Überfallartige Sexangebote bereit und versuchte auch die verängstigten älteren Menschen unter uns vor den zombieartigen Massen zu schützen. Überall surren kleine, stark angetrunkene Menschen um einen herum, die “Helga” schreien und der Bewusstlosigkeit erschreckend nahe kommen. Der Gestank der Dixie-Klos, der wahrscheinlich die Gesamtfläche Niedersachsens für die nächsten 3-4 Monate einnehmen wird. Die überteuerten Essensstände, für die man sich drei Tage lang die Beine in den Bauch stehen muss. Der Platzregen, der sowohl Künstler als auch Fans gerne mal in den Wahnsinn treibt.

All das sind – das musste ich als Festivaljungfrau eigenhändig herausfinden – Dinge, die aber fürstlich entlohnt werden, wenn man erst mal vor der großen Hauptbühne steht und in Hochachtung den wunderbaren, epischen Klängen von Arcade Fire lauscht. Oder im Zelt von Lykke Li die kleinen, entzückenden Mädchen beobachtet, die die anspruchsvolle Popmusik unserer Zeit auch mit 16 oder 17 Jahren schon wertschätzen können. Sicherlich war auch das Ballermannzelt bis zum Erbrechen gefüllt, aber wenigstens gab es hier für jeden was zu holen – so stellt man sich ein Festival auch vor.

Arcade Fire waren für mich soetwas wie ein emotionaler Schlaganfall, während Incubus mich in ein Land vor deiner Zeit versetzte. Das lief in etwa so ab:

“Boah, Arcade Fire. Die habe ich 2009 rauf und runter gehört. Aber irgendwie tun sie mir gerade nicht viel an. Ach, naja. Arcade Fire halt.”

– Keep The Car Running wird gespielt -

“OH MEIN GOTT ICH MUSS GLEICH WEINEN ICH LIEBE DIESEN SONG OH MEIN GOTT”

(Und, kein Spaß: wie kann man diesen Song, der nur so nach Bewegung und Roadtrip und Autofahren und neue Welten und fantastischen Abenteuern schreit, auch nicht lieben? Wer verbindet damit nicht einen immens dramatischen Teil seines Lebens, einen Neuanfang, viel Emotion und Liebe? ES IST VIELLEICHT EINER DER BESTEN SONGS ALLER ZEITEN, neben den anderen unzähligen besten Songs aller Zeiten.)

Incubus hingegen habe ich eher nebensächlich verarbeitet. Nostalgie machte sich gedanklich breit. Pardon Me, beispielsweise, Begleiterscheinung meiner unverstandenen Jugend. Nur Brandon Boyd wusste, was in mir passiert, dass ich die Menschheit hasste, und so weiter. Audiovisuelle Zeitreisen im verregneten Hochsommer auf einer patschnassen Wiese, zugedeckt mit AXE-Merchandise und umgeben von feiernden/frierenden Menschen, die alle die selbe Liebe teilen, nämlich Incubus und das Erinnern an vergangene Tage (so vergangen ist diese Band nämlich leider auch schon).

Mein persönlicher Höhepunkt für die beste Show auf dem Hurricane und für eine der besten Shows seit langem waren meine liebsten Querköpfe von Hercules & Love Affair. Ich will mich mal so ausdrücken: wenn Musik ein Körper wäre, dann wären Hercules & Love Affair der in Öl eingeschmierte, gut durchtrainierte Torso eines wunderschönen Mannes mit ausgeprägtem Sixpack, der gerade von zärtlichen Frauenhänden mit Glitzer eingeschmiert wird. So viel Boogie und Tanzlust und fantastischen Stimmen und Lust auf Liebe wie bei Hercules sind mir selten bei einem Konzert entgegen geschmettert worden, und ich bin nur allzu dankbar für diese Erfahrung. Skurril, exzentrisch und musikalisch trotzdem on point. Genauso, wie ich es mir vorstelle. Das ganze jetzt noch mal im Berghain erleben steht auf der To Do Liste für die kommenden Jahre.

Runner Up für den Award der besten Leistung auf einer Bühne sind auch Darwin Deez, die New Yorker Super-Trendsetter, die mit einer kitschigen Choreografie und hübschen, netten Jungs auf der Bühne für viel Spaß sorgten und noch einige schmierge R&B-Interludes dazwischen jagten. Einer der größten Pluspunkte für Musiker, die einen Liveauftritt hinlegen, ist ja meiner erfahrenen Meinung nach das Lustprogramm auf der Bühne. Sowohl bei Hercules als auch bei den Deez konnte man regelrecht spüren, wie viel Spaß und Laune die Akteure on Stage haben – und das ist schon so viel Ausstrahlung, dass das Publikum sich automatisch in einem energetischen Gefühlswirbelsturm der Freude anstecken lässt. Und das widerrum macht in meinen Augen einen souveränen Auftritt.

Mein persönliches Fazit als Festival-Entjungferte ist nach diesem Ausflug in die Parallelwelt Hurricane: ich bin zu alt dafür. Mich auf einem Zeltplatz angröhlen zu lassen und mich mit tausendmillionen Konzerten auf einmal zu überfordern, dafür fehlt mir definitiv die Geduld und die Muse. Man muss ja auch mal eingestehen, dass Hygiene und Manieren irgendwann im Leben einen nicht unerheblichen Teil darstellen. Meine Dreadlock-Skatepark-Faxebier Phase ist seit einigen Jahren schon vorbei und ich komme mit sehr, sehr müden Knochen nach Hause, verdreckt und halbkaputt. Aber die 27.000 Besucher, die ich dort alle persönlich treffen durfte, haben immerhin Lebensgefühl und die Besondersheit dessen bewiesen, auf einem exorbitanten Festivalgelände zu stehen und drei Tage lang nicht nur berühmte Bands zu feiern, sondern sich selbst, seine Jugend, seine Freunde, buntes Auftreten und Kreativität und vor allem: den guten, alten Alkohol. Und das sind Tugenden, die ich ausschließlich unterstützen möchte.

 

 

 

 

 
 

After The Smoke

Veröffentlicht June 16, 2011

Manchmal kann man Entwicklung hören. Im Hip Hop ist gerade schwer was im Gange, was ich nicht in Worte fassen kann; sei es der Output von Künstlern außerhalb ihres Metiers der Musik, indem sie ihre kreative Art wie andere Altersgenossen auf Tumblr-Blogs ergießen, sei es der Drang, zurück zum Gesang zu gehen und Rap wieder mit Hooks und R&B zu kombinieren, sei es die Do-It-Yourself Mentalität von Mixtapes und EPs, die auch außerhalb kommerzieller Systeme funktionieren. Nicht zuletzt dank Internet.

Drake hat gesungen, seitdem haben sich viele gefunden, die Back To The Roots wollen – keinen Italo Euro Trash Sound mit Ushers gewöhnlicher Stimme belegt, kein Bling Bling, sondern Gangsterattitüde in Smooth. Frank Ocean macht es, The Weeknd macht es tendenziell noch besser. Elektronische Klänge ersetzen die Crossover-Tunes mit Rock, es wird gemixt und produziert, was boogie reingeht. Das alles funktioniert über die heimische Stereoanlage genauso gut wie im Club (natürlich ein bisschen aufgebasst), wie ich letztens feststellen durfte. Von Romantik trotz sanfter Töne keine Spur – wer den Texten mal zuhört weiß, dass die dicken Titten auch hier vorkommen, die Autos auch hier mit saftigen Felgen ausgestattet sind, der Champagner und die Drogen aus goldenen Krügen fließen, Weed geraucht wird, und und und. Aber es ist nicht so aufdringlich wie das, was die 2000er uns bescherten, und interessanterweise spiegelt sich die Ffffound-Ästhetik von Rauch, Nebel, Analogbildern, Design, Grafik, Internet, Dreiecken und sonstigem buntem Flickr-und-Tumblr Firlefanz mit einem Hauch Pop in der Musik wieder.

James Blake hat das schon mit Dubstep gemacht – sanfter, massentauglicher, eingängiger und trotzdem clubwürdig. Im Hip Hop ist das eine ähnliche Entwicklung, wenn auch nicht ganz so subtil, immerhin sind Drake, Frank und der gute Anonyme von The Weeknd in den USA quasi explodiert. Heute bin ich über After The Smoke gestolpert – die machen das auch nicht schlecht. Und obwohl das alles so selbstgemacht aussieht, wird das ab sofort – dank überraschendem Vorzeigeerfolg, der vielleicht selbst gar nicht so überraschend war -schön sorgfältig wirtschaftlich durchkalkuliert.

Und nächstes Jahr dann was anderes.

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Ride

Veröffentlicht June 15, 2011

Erstmal: kann mir mal bitte jemand sagen, wieso das hier erst jetzt bei mir ankommt? Wieso das hier nicht viel früher schon angesagt wurde? Könnt ihr eigentlich gar nichts? Da will man nichts weiter von seinen treuen Lesern als upgedatet werden, wenn heiße Chicksen heiß tanzen, und dann kommt wieder nichts. Ich beschuldige euch des Verrats.

Hier wird es eventuell ein bisschen leiser – Umzugsstress, Steuererklärung, Unibewerbung, Kühlschrank kaufen, Pleite sein, Liebe machen, Sonnenuntergangskiff, Hurricane Festival, diverse S/M Spielchen und viel, viel Ciara-Video gucken geht jetzt erst mal vor. Noch nie wurde Leichtigkeit so schwer erarbeitet wie diesen Monat; aber hey, das Leben ist kein Trampolinabenteuerspielplatz.

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Kush Groove

Veröffentlicht June 10, 2011

Der schönste Sommer, wie jedes Jahr.

Kush Groove · Kategorien: Musik · 2 Kommentare
 
 

Telefonwarteschleife

Veröffentlicht June 9, 2011

Ich distanziere mich von meiner Heimat und identifiziere mich mit dem Ort meiner Wahl – das kann Berlin sein, das hätte aber auch jede andere Stadt der Welt sein können. Und so vergehen mittlerweile schon Jahre, die ich nicht mehr zu Hause – das heisst in meinem Elternhaus bin – und die Distanz wächst auch auf zwischenmenschlicher Ebene, auch wenn wir alles versuchen, damit das nicht passiert. Das ist schon kulturell so impliziert, und das “deutsche Verhalten”, wie es meine Eltern so gerne nennen – d.h. so schnell wie möglich ausziehen und “sein eigenes Ding” machen – wird nur mit einer enttäuschten Inkenntnisnahme aktzeptiert.

Anfangs bin ich in der Freiheit solcher Ereignisse aufgegangen, vom unbesorgten Leben bishin zu den ganz neuen Möglichkeiten und der persönlichen Weiterentwicklung: die Welt steht dir offen, sagte ich mir, und es stimmte so zu hundert Prozent. Aber jetzt, drei Jahre später, passieren Dinge, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, namentlich Krankenhausbesuche, schwere oder prägnante Lebensabschnitte und tragische Autounfälle, die ich hier, 500 Kilometer weiter, nur über’s Telefon berichtet erstattet bekomme.

Ich weiß, dass ich daraus keine Konsequenz ziehen kann, jedenfalls keine unmittelbare. Es ist, wie es ist, und meine Gegenwart hier ist mir wichtiger als so ziemlich alles, was ich zu Hause gelassen habe. Entscheidungen wurden getroffen, Sachen wurden gepackt, ein neues Leben wurde begonnen, eines unabhängig, wenn auch emotional verbunden, mit den Menschen die mich zuvor großgezogen und gepflegt haben. Aber einen Anruf zu bekommen, dass die Mutter im Krankenhaus liegt, weil sie einen schweren Autounfall auf der Autobahn hatte (ihr geht es gut), das ist ein stiller Herzinfarkt, der sich in der Seele wie schwarzer Teer verbreitet; und hier stelle ich mir die Fragen, die sich wahrscheinlich jeder stellt, wenn er so weit weg vom Geschehen ist. Was ist, wenn es das nächste Mal schlimmer ausgeht? Was, wenn ich fünf Stunden brauche, bevor ich da bin, bevor ich mich verabschieden kann, bevor ich eingreifen kann? Was passiert mit mir, wenn es so weit ist?

Und da sind ja nicht nur die Eltern. Da sind meine Brüder, die jeden Tag Scheisse bauen, meine Freunde, die ihre eigenen dramatischen Schicksale auf ihren Schultern spüren. Ich kapsel mich davon nicht ab; ich bin einfach nur nicht da. Das ist auch einer der bewegenden Gründe gewesen, warum meine semi-Weltreise schon vorzeitig abgebrochen wurde. Nicht da zu sein, zu verpassen und sich dessen bewusst zu sein, dass man durchaus was zu verlieren hat… das war zu viel für mich. Dabei ging es aber hauptsächlich (und ironischerweise) um Berlin. Jetzt geht es um die Heimat, die ich nur noch selten zu Hause nenne. Es gibt für dieses Problem keine Lösung, so weit bin ich schon. Aber ich kann beim Auflegen des Hörers nicht vergessen, das eine andere Welt außerhalb meiner Stadt existiert, so trügerisch sicher ich manchmal im Alltag vom Gegenteil bin.

 
 
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