Newsroom

Serien-Tipp à la carte. Newsroom. Catchy und funky. Nicht unbedingt das beste, was ich je gesehen habe, aber gut genug um derzeit meinen Nummer 1 Spot zu belegen. Nachdem ich jetzt genug Serien über Mädchen und Mädchenprobleme gesoffen habe, reicht es mal damit. Newsroom kommt mit charmantem Cast, spannenden Stories und einer gewissen amerikanischen Aufarbeitung der Nachrichten der letzten zwei Jahre. Aaron Sorkin hat da was Feines rausgehauen. Und wieder einmal hänge ich wöchentlich jeden Montag-Abend am Netz, um auf dem Laufenden zu sein. Good lifing.

(Auch gut: Girls, 30 Rock, New Girl, 2 Broke Girls)

Angel Haze

Was macht Azealia Banks da eigentlich den ganzen Tag? Die tötet meine Ohren mit ihren furchtbaren Beats. Nicht jeder kann so subtil wie Diplo mit diesen nervtötenden Geräuschen umgehen, Mädchen. Du kannst rappen wie eine Königin, aber wenn du weiterhin so eine Massenepilepsie produzieren willst wird aus dir nur der nervende Werbe-Trailer in Spotify-Basis Accounts. Das Aquababe Mixtape ist die Ausgeburt der Hölle.

Und weil die Götter diese Leere in meiner Seele nachempfinden konnten, schickten sie mir Angel Haze. Ähnlich wie Nitty Scotty damals kommt die Frau mit einem smoothen Empfinden dafür, was zu viel und was zu wenig ist. Ihr Flow hat Substanz und verspricht, dass da noch einiges kommen wird. Ich feier sie noch nicht so hart wie Iggy Azalea (DEREN GEBURTSNAME AMETHYST IST. AMETHYST!), die macht immerhin Trap und ist weiß, das ist in etwa so, als würde sich einer der meist gefeierten Sänger und Rapper des Games als mindestens bisexuell outen.

Und weil der moderne Mann auch im Rap-Game angekommen ist, erfreut sich unsere Gesellschaft jetzt über einen massenhaften Wirbelsturm von Frauen, Kindern, und Nicht-Heteros im Rap-Business. Also all das, was Nicki Minaj schon in einer Person darstellt. Whatever. Hört Angel Haze zu. Die ist der Wahnsinn.

Angel Haze – Voice EP

Lost In Translation

Beezy. Passend zum Wetter. Für die dunklen Tage. Für bessere Tage, eines Tages. Let’s talk to God for a while and see what he thinks.

Channel Orange

Manchmal kann man sich eben nicht aussuchen, wer man ist. Da wird man schleichend älter und es passieren Dinge, und die hinterlassen dann Kerben im Charakter. Eines Tages wacht man auf und fragt sich: wer bin ich da eigentlich geworden? Und man fängt an all die guten Sachen und die schlechten Sachen, diese neuen Sachen, gegenüber zu stellen und wenn man das gemacht hat, kann man auch nicht mehr viel ändern. Diese großen und kleinen Geschehnisse, die für einen selbst bereits nach wenigen Monaten verpuffen, hinterlassen Handlungsgrundlagen. Wie die Lachfalten, wie die grauen Haare. Wie Narben können sie sich, verblassend, einfach an den Körper anpassen. Und dann ist man ein ganz schön facettenreicher und vielschichtiger Mensch, der von sich selbst und seinem Weg geprägt wurde. Irgendetwas passiert hier gerade, und ich merke, dass irgendetwas sich ändert. Aber manchmal kann man so eine Veränderung nicht antizipieren oder wollen, sondern es passiert, weil all die anderen Dinge passiert sind. Wer werde ich sein?

Royalty / Unncessary

Schopenhauer vs. Lars von Trier. Substance vs. Style. Mein kleiner Zeh vs. die Ecke von diesem scheiss Hotelbett. Wie die Vogue fühle ich mich; eine fancy Rechtfertigung für hundert Seiten Werbung. Wie die Gelben Seiten, nur halt auf Hochglanzpapier. Minus der Glanz. In meinen Augen Dollarzeichen, die nicht mal mehr für Geld stehen. Nur für etwas, was jeder will, was ich deshalb auch will. Ich bin die Neider, die ihr fürchtet, das befürchte ich. Ich wollte immer, dass mein Leben nur aus Punchlines besteht. Hymnen. Pointen. Highlights. Bis irgendwann aus Subkultur Lifestyle wurde und alle Inhalte in Sümpfen der Oberflächlichkeit – Oberflächlichkeit mit unglaublich vielen Lagen, Oberflächlichkeit mit Erdgeschoss und Roof-Top Bar – ertranken.

Aber wenigstens gibt es Trost. Rap Musik und Bücher (danke für eure Empfehlungen, ihr Lieben. Ob ich mir jetzt einen Kindle kaufen muss, damit meine zurückgelegten Steuro nicht für Literatur aufgebraucht werden?). Und Crack natürlich, aber Crack kommt ja für jeden in anderer Form, deshalb will ich darüber nicht philosophieren.

Das neue Childish Gambino Mixtape, “Royalty“, möchte ich euch ans Herz legen. Aufzwingen. Nicht nur, weil Tina Fey ein Outro auf dem ersten Track schiebt und ich Tina Fey liebe, sondern auch, weil es gut ist. Vielleicht das beste diese Woche. Da aber alles so schnell geht und jetzt sogar über Künstler, die noch nicht mal ihr erstes Album veröffentlicht haben, eine Doku gedreht wird, werde ich mich nicht darauf festnageln lassen. Mixtape of the moment, enjoy it while it lasts.

New God Flow

Wieso ist das eigentlich so, dass viele berühmte und reiche Menschen irgendwann religiös werden? Gibt es am Ende keine andere Beschäftigung mehr, die einen anstrengt und bemüht? Oder ist das Leben, wenn man nach unten guckt, so schlimm, dass man sich eben nur noch nach oben orientieren kann?

Hat man es geschafft, wenn man schafft, an Gott zu glauben?

Vom Lesen

Früher war das immer so, dass ich mein ganzes Wissen und diese weltmännische Art, die mich mit dreizehn schon umgab, aus Büchern aufsaugte. Ich sag das nicht nur so, weil ich mir gerne eine “weltmännische Art” zuschreiben möchte, sondern weil das Tatsachen sind. Gleichaltrige Freunde hatten ein abgeriegeltes Literatur-System von ihren Eltern aufgedrückt bekommen und lasen nur die Dinge, die sie auch in diesem Alter lesen durften. Meine Eltern stempelten mich als asoziale Leseratte ab und konnten nichts damit anfangen, dass ich so viel Zeit mit Büchern verbrachte. Letztendlich waren sie froh, dass mich überhaupt irgendwas begeisterte, und dass es vor allem nichts mit Videospielen oder Internet zu tun hatte. Das Internet kam in seiner vollen Wucht dann später, aber auch das war zu Anfang für mich nichts weiter als ein großes Buch, das ich lesen musste.

Manchmal, wenn mir langweilig war – erinnert euch, in diesem Alter war ich fett und hatte keine Freunde und daher muss ich das jetzt nicht weiter erklären, wieso mir öfter mal langweilig war – nahm ich einen Duden zur Hand und suchte mir willkürlich neue Worte aus, die ich lernte. Das hat bildungstechnisch nicht viel gebracht, aber es machte mir Spaß. Ich lernte mal einen 1999 Almanach auswendig. Ich weiß nicht warum. Nichts davon ist hängen geblieben außer der Geruch von diesen rauhen, amerikanischen Paperback-Seiten.

Jedenfalls lernte ich einst mal alles über Bücher. Meine Freunde kamen gerne mit ihren Problemen zu mir, weil ich die schon – in abgewandter, erwachsener Form – schon mal in irgendeinem Roman behandelt habe. Ich konnte mir meine fiktive Brille aufsetzen und den Mädchen und Jungs mit bedachter Stimme erklären, wo sie leider psychologisch oder sozial gefehlt hatten. Auch diese Ratschläge brachten nicht sonderlich viel, aber alle hielten mich für sehr intelligent und gescheit, das reichte mir immerhin. Und ich bildete mich, auf eine ganz lebensentfernte Art und Weise, irgendwie selber. Und wappnete mich auf viele Dinge, die später kamen, aber eigentlich nie mir passierten.

Das war mal, denn irgendwann habe ich aufgehört, Bücher zu lesen. Ich glaube, an diesem Punkt haben auch die Leute aufgehört, mir zu sagen, dass ich altklug daher komme. Oder weise. Ich behaupte nicht, dümmer geworden zu sein, aber mein Universum hat an Dimensionen verloren. Das Problem ist nicht, dass ich keine Zeit zum lesen hätte, sondern dass mich wenige Sachen noch so reizen, dass ich sie lesen will. Ich fange an und auf Seite vier habe ich die Geschichte schon entfaltet. Oder ich bin überaus strapaziert von der geschwollenen Schreibart. Oder der Stil irritiert mich grenzenlos. Oder ich habe die Geschichte in ihren zwölftausend Ausführungen schon mal gelesen. Ich will keine Krimis und Thriller. Ich will Geschichten, die mir das Leben erklären, so wie damals. Und dabei unglaublich schön sind. So wie damals. Und gerade jetzt könnte ich das auch am ehesten gebrauchen: eine Welt, in der sich mein fettes inneres Ich wohl fühlt und verstecken kann, wo das Kopfkino so riesig ist, dass die Realität in eine Art distanzierende Hülle gepackt wird, überzogen mit Milchglas, brutale Realität, die nur schwer auszumachen ist. Geschichten, die mir irgendwas davon erzählen, wie es sein sollte oder könnte oder wie es sich ein anderes verledertes Herz ausgedacht hat, falsche Wahrheiten, die keineswegs an mein eigenes Leben anknüpfen. Geschichten vom Leben, aber nicht von meinem.

Es wäre so eine Art Bekämpfung der inneren Unruhe, dieses Lesen. Wenn ich nur dieses eine Buch finden würde, dass mich wieder hinein stürzt. Ihr dürft gerne vorschlagen.