Harmonimix / Confidence Boost

Wenn ich jetzt sagen würde, was ich denke und wieso ich jetzt halb ausflippe, und überhaupt  – würde mir eh keiner glauben. Also jetzt einfach nur diesen hart guten Track reinziehen und meinen Fame kassier ich dann wenn ich Kinder habe und ihnen von diesem unglaublichen Abenteuer erzähle.

Siehe auch: Strike A Pose Mix

A’MILLION LABEL PARTY 28.09.2012

Verkackte Übergänge, schlechter Sound, MP3s in mieser Qualität, keine Free Drinks, hässliche Menschen, gegen den Takt klatschende Rentner im Erdgeschoss von Einkaufshallen, überteuerte Prostituierte am Straßenrand, generell also ein ziemlich schlechter Abend für alle Beteiligten, die aus Frust um Mitternacht schon im Bett liegen und wütend masturbieren. Wenn euch die Vorstellung an so viel dämonischer Anti-Party anmacht, seid ihr genau richtig am Freitag in der breitbeinigen Luzia, wo wir Leitungswasser in die Menge spritzen werden, weil wir uns keinen Sekt leisten können. A’MILLION.

Für Boobies gibt’s T-Shirts. Für Ballers gibt’s Faust in Gesicht. Grind on me, bitches, und bringt Schlagsahne mit. Wenn wir bis Freitag genug Geld mit unseren Crack-Geschäften gespart haben, dann gibt’s vielleicht auch professionelle Hoes.

T&B Minimix

Wie ihr wisst, werde ich jetzt DJane. Meine Künstlernamen werden u.A. sein:

– Burkini Faso
– Hijab Hampel
– Assirien

Nur so, damit ihr schon mal Bescheid wisst. Für den Mies-Blog habe ich daher schon mal meinen Fame in Stein gemeißelt, indem ich einen seichten Mix gesponsort habe. Ist er gemastert? Nein. Hat Traktor funktioniert? Nein. Ist der Mix besonders gut? Nein, auch nicht. Aber nur, weil ich um’s verrecken nicht auflegen kann, heißt das ja nicht, dass ich nicht berühmt werden kann.

NALAGRAM

Instagram ist der Playboy der digitalen Welt. Was nicht im Vintage Filter landet – Frühstück, Fahrrad, Fernreise – ist so hässlich wie die ungemachten Titten der dicken Bäckersfrau. Die Welt im grellen Spotlight der Realität getaucht ist eben nur halb so schön wie ein warmer Sepia Ton oder ein besonders blau betonter Himmel. Exklusiv im Jahre 2012: das Katalog-Leben nun auch für den Privathaushalt, der nicht mehr als 15.000 Euro im Jahr umsetzt.

Ich möchte mich da jetzt nicht zu sehr reinsteigern, wir sind ja erwachsene Menschen hier und überlassen den Profis der Medienwelt die kritische Auseinandersetzung. Ich möchte lediglich auf eine neue Liebe hinweisen, die Instagram mir näher gebracht hat. Wie es der Playboy eben einst tat, ist nun Instagram dafür verantwortlich, dass sich Menschen – Menschen wie ich, wohlgemerkt – in fiktive, weit entfernte, möglicherweise nackt abgebildete Prominente verlieben. Regelrecht verlieben, meine ich, also nach jedem Erwachen neue Bilder angucken, vor Sehnsucht schmachten und in ihrem Leben vermeintlich keine Qualitäten mehr finden ohne das Subjekt ihrer Begierde.

Und dabei ist gar nichts besonderes an ihr. Sie ist schön, ja, wunderschön und so viel schöner als alles, was ich je gesehen habe. Aber sie ist langweilig. Wie sie sich da rekelt und zur Schau stellt. Und doch – ich kann nicht anders. Mein Herz, das für eine lange Zeit erhärtet und kalt war, es jauchzt und seufzt vor Freude, wenn sie in ihre abgebildeten Augen guckt. Man hört mich innerlich weinen, weil es nie sein wird. Es kann nie sein. Ich werde sie nie besitzen, niemals mit ihr einschlafen, sie niemals im Arm halten, niemals streicheln, niemals zärtliche Sachen in ihr Ohr flüstern, niemals mit ihr spielen, niemals werde ich das alles. Ich habe Instagram, um sie zu beobachten, von ganz weit weg. Instagram ist sowohl Schuld an meinem Leid als auch an meiner Freude. Wie soll man das bewerten? Welchen Ausweg gibt es?

Ach, Nala.

THE XX // admiralspalast berlin

The XX haben Revolution gemacht. Teenager, die ein Rad neu erfunden haben: Pop-Musik. Ihre Stimmen im Vordergrund, minimalistischer Ansatz, sympathische Bandmitglieder. Der englische Bass, der sich durch den Zeitgeist zieht, wurde vor allem von diesen Kids in den Vordergrund gerückt. Und als auch ich endlich darüber hinweg sehen konnte – damals – dass sich “jeder Song gleich anhört”, war ich dankbar für so ein wohl konstruiertes Stück Kunst.

Mit Mount Everest hohen Erwartungen steppten wir sodann in den Admiralspalast, um das Konzert zum aktuellen Album – CoExist – zu sehen. Diese Erwartungen wurden übertroffen. Die Bühnenshow ist eine perfekte Komposition von Licht, Musik und Effekten. Der Admiralspalast – endlich Sitzplätze – bietet eine unglaublich schöne und passende Atmosphäre. Der Sound: einwandfrei. Atemberaubend, das kann ich sagen. Spätestens als Intro angespielt wurde, als einer der letzten Songs, gab es keinen Menschen mehr im Raum der nicht Gänsehaut und Ehrfurcht vor den Klängen verspürte. Wie demütig man sich hingeben kann, wenn alles stimmt.

Das war schon immer das schöne an The XX: sie müssen nicht übertreiben. Sie haben eine Rolle, die sie einhalten. Da wird nicht gejammt und auch nicht geeiert. Perfekte Choreografien gehören zu ihrer Show und zu ihrem Act und zu ihrer Musik dazu. Ich musste schmunzeln, weil ich automatisch an das Wort “Playback” dachte. Und auch auf dem neuen Album möchte man oft sagen, hach, Jamie, hättest du da nicht ein bisschen aufdrehen können? Aber eigentlich ist alles optimal so. Sphärisch und atmosphärisch, Musik, die in ihrem eigenen Limbo festhängt. Speaking of Jamie: der junge Mann an den Schaltknöpfen macht keine Fehler. Das XX Konzert im Admiralspalast: ein perfekt dirigiertes Set, zwischen Fine Arts und Pop gefangen, elitär, ohne verschlossen zu sein, geisterfüllend und einnehmend, ohne Coolness zu verlieren.

Und nur, um das noch mal gesagt zu haben: ICH hätte nicht gedacht, dass es so, SO gut wird. Heart Skipped A Beat.

Holy Other // HELD

Ich weiß, ihr alle hättet gerne zorningen, düster brodelnden, anonymen Sex in einem Hotelzimmer mit Film Noir Ästhetik. Ich weiß aber auch, dass ihr alle verpickelte Teenager seid, die nicht wissen, dass die Realität ganz und gar nicht so schweigsam, intensiv und heroinbespritzt ist. Ihr kriegt ausschließlich neonfarbige Bettwäsche mit Mickey Mouse Muster und habt Bordüren die zum Terrakotta-Anstrich in Schwammtechnik passen. Das ist ein hartes Schicksal für all die blühenden Hormone, das verstehe ich. Und deshalb soll wenigstens eurem Gehörgang ein bisschen geschmackvolle Zärtlichkeit gebühren.

Das neue Album “Held” von Holy Other – die mit “Touch” ja bereits einen auditiven Softporno erschaffen haben, der einem lange nicht mehr in Ruhe lässt – liefert auf jeden Fall die passende Stimmung für a) jede Beerdigung oder b) jedem Beischlaf, der in einsamen Tränen endet. Wie sehr die Leidenschaft der Geschlechter an Schmerz und düstere Abgründe grenzt, das muss jeder individuell herausfinden. Aber keine Frage: diese Musik ist tragisch in ihrer Ehrlichkeit. Weiche Synths und wortlose Harmonien umschlingen sich in schwarz-weiß, ergeben sich den Sollbruchstellen der Bassline und kreieren ein Nahtoderlebnis, das auf dem Höhepunkt nur noch mit einem Orgasmus verglichen werden kann: flüchtig und doch zeitlos, geheim und doch für jedermann zu sehen und zu empfinden.

Die entstellen Vocals und die Mollakkorde machen einen von Zigarettenrauch erfüllten Raum der Klänge. Held, ich kann es gar nicht anders sagen und verzichte auch nicht auf das offensichtliche Wortspiel, ist mein persönlicher Held und hat mich an verletzlichen Stellen berührt – so, wie es bisher nur Burial konnte (und dieser Vergleich mag zwar nicht abwegig sein, bringt es dennoch nicht auf den Punkt). Extase und Freudenrausche benebeln die Sinne in Form von Musik. Was soll ich noch sagen, außer, dass es für so etwas kein Genre gibt, kein Raster, in dass es sich einfügen kann? Es ist eine formvollendete Ausführung des Zeitgeistes, minimalistisch, düster, aber aussagekräftig und zwischen Hoffnung und dem definitiven Ende gefangen.

Die LP ist auf TriAngle erschienen, dem britischen Label, das auch How To Dress Well und Clams Casino vertritt. High Quality Supershit. Zu kaufen gibt es Held auf Amazon.