Ich befinde mich immer noch in einer wohligen Trance von meinem Geburtstag. Käsekuchenüberreste und der ferne Geruch von Sekt und frischem Konfetti benebeln meine Sinne. Vielleicht war es auch das Weed. In jedem Fall war die Feier zu ehren meiner 23 (meistens hässlicher und mit beschissener Frisur ertragenen) Lebensjahren ein voller Erfolg. Dieses Jahr habe ich nämlich nicht den Knopf der Bescheidenheit getätigt, nein; ich forderte selbstgerecht und stolz dazu auf, mich zu beschenken, wie ich es verdiene. Die meisten kamen dieser Forderung nach. Alle anderen, die mir ohne Geschenk gratuliert haben: vielen, vielen Dank, ihr Opfer, ich werde es mir merken!

Anyway. Dabei fing das alles recht traumatisch an. Pünktlich um 23:30 schlief ich am Vortag im Schoße einer nackten Jungfrau ein. Anscheinend hatte sie mir Drogen in das Essen gemischt, was ich vorher zu mir nahm, und so gingen die ersten Minuten meines reichlich beschenkten Lebens an mir vorbei. Am nächsten Morgen breitete sich Terror aus in der virtuellen Welt: aus irgendwelchen mir nicht begreiflichen Gründen wurde meine Facebook Wall gesperrt. Panik breitete sich unter den Gratulanten aus, die nicht mehr wussten, wohn mit sich und ihren Gefühlen. Entsetzen stand in den frühen Stunden des 22. Septembers 2011 auf dem Plan, viele fühlten sich um ihr Grundrecht, Oberflächlichkeiten auszutauschen, betrogen. Immerhin ist das doch ein Hobby, oder? Jeden Tag Facebook aufzumachen und Menschen, mit denen man jahrelang nichts mehr zu tun hatte, ein “ALLES GUTE!” auf die Wall zu hacken.

Ich kann ihnen diese plötzliche Neuerung in ihrem Alltag nicht nehmen. Viele drängten sich, aus Angst, die Tore würden sich gänzlich schließen, mit ihren netten Worten auf das letzte (noch kommentierbare) Statusupdate. Andere hingegen schickten persönliche, latente passiv-aggressive Nachrichten im folgenden Tonfall:

“Hallo Sara alles Gute zum Geburtstag! Hätt ich dir gerne auf die Wand gepostet aber anscheinend darf ich das ja nicht..”

Anders formuliert:

“Hallo Sara, du alte Fotze, wir kennen uns zwar nicht mal wirklich aber du behinderte dumme Tochter einer Elefantenhure lässt mich nicht mal auf deine Wall posten? Wallah ich spucke auf dich und ficke deine Familie bis alle aus dem Arsch bluten!”

Selbstverständlich korrigierte ich das Problem sofort, um nicht bald noch Morddrohungen zu erhalten. Den Tag verbrachte ich in gewohnter Apathie auf der Arbeit, wo der Geburtstag von der Ankunft des Papstes überschattet wurde. Ist okay, ich verzeih ihm das. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich an diesem Tag wenigstens mehr Anrufe bekommen habe als er (nur meine Mutter hat nicht angerufen. “Weil ich dich nicht nerven wollte”, sagte sie am nächsten Tag. Wenn es mit den Eltern schon so weit ist, kann man sich sicher sein, etwas falsch gemacht zu haben).

Abends gab es dann Pizza. Und Bescherung. Alles andere – die Freundlichkeit und die Einladung zum gemeinsamen Zeitverbringen für mich – war nur ein Vorwand, um direkt Geschenke krallen zu können. Da ich für jeden bezahlt habe, konnte ich leider den Rest von euch nicht einladen. Das tut mir ungemein Leid. Es war sehr teuer an diesem Abend. SEHR teuer. Die haben sich ja auch nicht zurückgehalten, die Vielfräße!

Hier also, in eine nette kleine (zusammenhangslose) Fotogeschichte verpackt, meine Ausbeute. Übrigens sind weder Macbook Pro noch ein echter Mopswelpe dabei, dafür umso bessere Dinge: Trolli Saure Würmchen, eine Polaroidkamera und eine Espressomaschine. Nicht abgelichtet, aber auch dagewesen: ein Käsekuchen, ein anderer Kuchen, eine Reise mit geheimen Ziel und bester Begleitung EVER. Und ein Geschenk, vielleicht das schönste (im Sinne von SCHÖN), ist nochmal seperat (und würdevoll) abgelichtet, nämlich das Unbetitelte Portrait von Larry Clark. Danke speziell dafür nochmal Maria.

Jetzt noch mal ernsthaft: vielen, vielen Dank für die zauberhaften Momente mit euch, meine liebsten Freunde. Eigentlich sollten Geburtstag nur dafür sein, sich immer und immer wieder daran zu erinnern, was für ganz besondere Menschen man um sich herum hat. Mit wie viel Talent, Intelligenz und Gefühlen ich mich umgeben darf. Danke das ihr da wart, an mich gedacht habt, für mich immer da seid, danke für ein unglaublich tolles Jahr, danke für alles. Ihr könnt euch die unermessliche Liebe in meinem Herzen überhaupt nicht vorstellen. Wer, so wie ich, seinem Tag vor dem Schlafen gehen eigentlich immer eine “10 von 10″ gibt, der hat einfach nur die richtigen Freunde gefunden. Ich hoffe mehr als alles andere dass wir uns auch nächstes Jahr wieder begegnen.

 

 

 

 

PS: Matthias hat die Pizza an meinem Geburtstag gewonnen, allerdings gab es keine Möglichkeit, sie in sein Bumskaff liefern zu lassen, weshalb wir uns auf etwas anderes einigen mussten. Was das ist, bleibt für immer ein Geheimnis. Im Übrigen hat er den ganzen Monat super Arbeit geleistet! Matthias, du solltest professioneller Gratulant werden!

Herzen überall.

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