Am Samstag geht nach Thailand. Also ist es wohl Zeit, euch auch offiziell mit meinem neuen Reiseblog 80days.co bekannt zu machen. Dazu möchte ich auch ein bisschen was erzählen. Könnte lang und ätzend werden, sorry. Ich erwarte trotzdem fett Likes von euch.

Wie ihr wisst, reise ich gerne. Schon lange bevor Blogger das Reisen als neues Bezahlungsmittel für ihre Fotos und Nachberichterstattungen entdeckt haben, habe ich all mein Geld zusammen gespart und bin auf eine völlig unspirituelle Reise mit unzähligen Strand-Buckets und witzigen, meist völlig erlogenen Anekdoten gegangen. Ich hab’s nicht lange ausgehalten ohne meinen Prinzessinnenstatus (sprich: Glätteisen) und bin ermattet wieder nach Berlin zurückgekehrt, sechs Monate später, mit keinem Pfennig in der Tasche und noch viel weniger Drang, wieder für so eine lange Zeit im Dreck der Welt zu spielen. Ich habe mich kein bisschen selber kennen gelernt und eigentlich auch nicht viele Bekanntschaften für’s Leben oder horizonterweiternde Begegnungen gemacht. War aber alles gar nicht so wild, ich hatte Spaß, war viel an der frischen Luft, habe Postkartenlandschaften in HD gesehen und oft darüber geredet, was das Reisen eigentlich in unserer Zeit noch für eine Bedeutung haben soll.

Weil, ja: die Orte der Welt sehen sich an den komfortablen Stellen überall immer ähnlicher. Da, wo es ungemütlich wird, will man sowieso nicht hin und wenn doch, hat das immer so einen faden Beigeschmack von Pietätlosigkeit oder Katastrophentourismus. Der moderdne Reisende oszilliert zwischen abenteuerlichem Erfahrungstrip und Pauschalreise für die ganze Familie. Beides ist aber so konstruiert und vorgeplant, dass Zufälle selten möglich sind und dank der visuellen Aufnahmemöglichkeit auch jeder dieselben Bilder mit nach Hause bringt.

Konstruierte Exotik ist mein Lieblingshass. Ich meine, ich muss eben nicht “wie die Locals leben”, reicht schon wenn ich hier zu Hause arbeiten muss. Ich will auch nicht wissen, wie andere gerne ihren Urlaub verbringen möchten; ich weiß ja noch nicht mal, wieso ich gerne reise und wohin ich gerne reisen möchte. Manchmal weiß ich nicht mal, was meine Reisen beinhalten sollen. Meine Reise beginnt bei der Playlist, die ich zu Hause für den Roadtrip vorbereite, bei der Nervosität beim Einsteigen in den Flieger und vor allem beim Zittern, wenn die Stewardess mir zum sechsten Mal sag ich solle doch mal mein scheiss Handy ausschalten und ich mich absolut querstelle, weil ich ohne Musik zum Takeoff nicht in Ruhe vor Angst sterben kann. Ich meine, hallo, jeder braucht einen Soundtrack zum Abheben, oder?

Trotz aller desillusionierten Bitterkeit, die meine Seele so auszustrahlen vermag, liebe ich das Fortgehen und das Zurückkommen. Ich liebe die Bewegung, diesen Moment im Bus – Haltestelle verpasst, egal, ich bleibe noch ‘ne Stunde sitzen – und ich liebe es, an fremden Orten zu sein. Fremde Orte machen nämlich, dass man die Augen weiter aufreisst, weil man sich orientieren muss. Dann sieht man Dinge, die man zu Hause nie gesehen hat, selbst wenn es die dort auch gibt. Man schätzt alles anders, weil es so wahnsinnig viel Zeit und Geld kostet, eine Reise zu machen, weil es nicht selbstverständlich ist, obwohl es selbstverständlich einfacher geworden ist. Und ach, das Heimweh! Es reicht schon ein paar Tage nicht in Berlin zu sein, um wieder in Berlin sein zu wollen. Ständig am Stück unterwegs zu sein, das finde ich nicht mehr so toll… das schaffe ich gar nicht mehr. Es ist ja keine Auszeit, die ich mir vom Leben nehme. Ich weiß, dass das andere nicht so sehen. Aber hey, whatever floats your boat.
Ich will keinen Fahrplan und keine Karte, ich möchte mich auch nicht selber kennen lernen oder shoppen gehen. Reisen ist nicht zwingend entspannt, ist nicht zwingend aufregend, ist nicht zwingend irgendwas. Kann auch total langweilig sein. Darauf möchte ich mich einlassen.

Allerdings möchte ich das auf einer visuell ansprechenden Art und Weise. Und ich möchte es auch nicht alleine. Ich schätze die Partnerschaft von Tourismusagenturen an meiner Seite, die mir ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit ich das Land nach meinen Kriterien kennen lernen kann. Eigentlich: gebt mir ein Auto und ein bisschen Zeit, dann lerne ich es schon kennen. Gebt mir vielleicht auch jemanden dazu, der das Auto fährt, falls euch etwas daran liegt es in ganzen Stücken zurück zu bekommen.

All diese Sachen – auch die Aufarbeitung meiner bisherigen Reisen – finden auf DragstripGirl keinen Platz. Ich verheddere mich dann immer so im Themenkomplex. DSG ist mein Baby und soll es auch bleiben. Ich lagere also – wie damals mit FindingBerlin – wieder aus. 80days.co is where the magic happens. Mit Sicherheit und besonders zu Anfang werde ich auch hier etwas von meinen Reisen durchblinzeln lassen. Wäre ja auch schade, wenn das so sang- und klanglos untergeht. Aber im Laufe des Jahres wird 80days.co hoffentlich eine regelmäßige Berichterstattung bieten, die auch für diejenigen interessant sein könnten, die gar nicht so viel Bock auf rumreisen haben und sich einfach nur ein bisschen von meinem eiskalten Zynismus bedienen lassen wollen.

Es kann aber sein, dass ich auch viel schwärme und nie wieder nach Berlin zurückkehre. Just sayin’. Im Übrigen bin ich NICHT 80 Tage am Stück verreist, irgendwie haben das einige Leute falsch verstanden. Der Name ist eine Anlehnung, quasi eine Hommage – an was, könnt ihr vielleicht sogar selber herausfinden.

Am Samstag geht es übrigens nach Thailand auf eine kleine Reise auf und durch Krabi. Eine Woche lang verabschiede ich mich von diesem miesepetrigen Scheisswetter um bei 35 Grad in der Sonne wieder nen fetten Brand abzuholen und nostalgisch durch die Gegend zu gucken. Als ich damals einen Monat in Thailand verbrachte, kam ich mit gemischten Gefühlen zurück, das lag aber nicht am Land, sondern an meiner Unzufriedenheit. Diesmal möchte ich die Reise genau als das sehen, was sie ist – nämlich das, was ich draus mache.

This article has 4 comments

  1. HecPac

    phantastico, ich wollt nur mal schnell reingucken und dann ins bett – stattdessen hab ichs komplett durchgelesen und -schaut, 80daze. und jetzt kram ich nach meinem reisepass …

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