AIR MAX 95

Ich hab ja ein richtig witziges Hobby: wenn ich neue Schuhe kaufe oder bekomme, dann muss ich sie erstmal einen ganzen Tag lang in meiner Wohnung, und vor allem in meinem Bett tragen. Wann ist das sonst möglich? Genau, sonst nämlich gar nicht. Das habe ich eben gerade übrigens getan. Meine neuen Air Max 95 mal im Bett getragen. Sie sind, zugegebenermaßen, eine mutige Wahl, denn an Frauen sehen die Schuhe teils aus wie Lastwagen oder Baustellenfahrzeuge. Sie sind die #normcore-Platitüde schlechthin, eine Mischung aus Vergessen- und Hässlichkeit, irgendwo im billigen Ghetto angesiedelt und nun avanciert zum Statement der Post-Hype-Ära. Bei all der Liebe zur chiffrierten Symbolik darf man aber nie vergessen, dass auch Schuhe mit Attitüde getragen werden müssen. Sprich: die Hässlichkeit liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern im Auge dessen, der Unsicherheiten beim Träger spürt. Man muss sich den Objekten, insbesondere aber lang vergessenen Nike Schuhen, eben aneignen. Man muss sie profilieren, bis dieses Profil schließlich von anderen wieder adaptiert wird. Der Teufelskreis geht weiter. Auf ein elegantes Dinner wird man die jedenfalls nicht anziehen können, aber sie gehörten in meine Air Max Sammlung doch dazu und so habe ich schließlich den Schritt gewagt. Gut, ist jetzt vielleicht nicht für jeden etwas. Moxy muss man haben. Und so kann man sich ja im Zweifel beim neueröffneten Ableger des Briten JD Sports umschauen, ob es da nicht auch noch was anderes gibt (gibt es übrigens). In Berlin Steglitz hat sogar eine haptische Filiale aufgemacht, in der man sich neben den großen Namen der Stadt umschauen kann, wenn man mal vor Ort sein sollte. Die Air Max reihen sich ein in die Liste klobiger Schuhe, mit denen mich auch adidas seit neuestem bezirzen konnte. Die Laufschuhe der Reihe Energy Boost sind so sexy dass es mir die Sprache verschlagen hat. Natürlich habe ich mir in mein Modell direkt von irgendeinem Asi in der Ranaranabar ein Brandloch verpassen lassen. So ist das halt, wenn man darin nicht nur laufen, sondern auch räudig tanzen will.

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