Während das 3rd Eye Indigo Schlagmichtot-Movement (in das ich irgendwie auch Macklemore, den alten nischenbefriedigenden Hampel, stecke), also die sogenannte Beastcoast, irgendwie ein Reaktanz-Phänomen auf gut gelaunte Oberflächlichkeiten mit Goldbarren in der Fresse (hallo, A$AP Rocky) zu sein scheinen, ist die viel interessantere Sphäre des “irgendwodazwischens” komplett ausgeblendet worden. Die Kids sind ihrer eigenen Tiefgängigkeit auf den Leim gegangen, mögen sie zwar nicht über Kokain und Waffenbesitz rappen, aber immerhin dieselben Jordans coppen, die ihre einstigen Vorbilder schon mit Stolz trugen. Anders ausgedrückt: Bescheidenheit täuscht nicht darüber hinweg, dass alle denselben Traum von Reichtum und Bitches verfolgen, die einen machen es nur bewusst, spielen eine gern gesehene Zuhälter-Rolle – das Rotlichtviertel in der sonst sehr aufgeräumten Stadt, jeder weil es ab und zu besuchen, aber keiner möchte wirklich ein Stammgast sein -, und die anderen sind die subtilen, eleganten Rooftop-Bars, wo sich genauso elegante Menschen dann durch versilberte Strohälme das weiße Püderchen durch die Nase ziehen.

Herzlichen Glückwunsch. Oder wie es bei Kanye To The heisst: Just kids who want to appear more intelligent than they are.
Etwa das Gegenteil von dem, was Lil B sich vorgenommen hat. Der behauptet ja immer noch, dass er Liebe und Weltfrieden verbreiten will. Well, that’s fucking interesting. Wie dick ist der Deckmantel der ironisierenden Kunst, wenn der Typ am Ende auf der Bühne sechzehnmal hintereinander “BITCH SUCK MY DICK I WILL FUCK YOU IN THE ASS” skandiert? Naja, heben wir uns das für den nächsten Wutausbruch auf.

Ich liebe The Underachievers. Shit, die haben’s drauf, die rappen da Großartigkeit zusammen. Aber wie spirituell ist denn deine Goldkette? Nein, nein; mir geht’s nicht um das Verbot für den Konsumrausch. Aber hier steht die Mission fett in schwarzen Lettern über den sommerlich angeschienene Highway geschrieben: wir wollen deine Erleuchtung sein. Wen wollt ihr erleuchten? Die Kids, die sich nicht mal euer Weed-High leisten könne? Cats be crazy. Dann lieber eine individuelle Abhandlung mit Konzeptalbum, Hashtag Kendrick Lamar. Dem kann man dank seiner inflationär beschissenen Pop-Features auch nicht mehr so richtig Authentizität nachweisen, aber who gives a fuck, das Werk steht ja für sich. Eine schöne Geschichte, this or that.

Vielleicht sollte man von Pro Era bis Zombies mal Stempel aufdrücken und zeigen, was aus Lupe Fiasco und Kid Cudi eigentlich geworden ist. Missionarischer Rap ohne Kirche im Dorf, das endet in einem Trauerspiel. Die nächsten Geschichten werden von dem erdrückenden Fame und dem PRESSURE geschrieben, versprochen. Das ist doch alles so berechenbar.

Ich komm drauf klar. Ich reg mich nicht auf. Das ist wunderbar. Wunderbare Styles, alle unterschiedlich gut und schlecht, alle interessant, unterhaltsam, augenöffnend bestimmt auch. Aber neu ist das nicht. Bestenfalls aufgewärmt. Dieser übermenschliche Auftrag – ein Auftreten. Ein Act. Endlich wieder Bedeutungssuche in einem Genre, das lange nur Bling und Boom kannte. Soll mir recht sein, so lange Pitbull keine Musik mehr machen darf. Warte, was war die Message noch mal? Pappen fressen?

Dafür wiederentdeckt: Shabazz Palaces. In einem Song und ungefähr sechs Wörtern und einem bisschen Poesie besser erklärt, was die alle meinen; mich eingeschlossen. Hey Lil B, hier kannst du dir mal Nachhilfe in Ironie nehmen.

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