Dekriminalisierung von Drogenbesitz in Mexiko
Ab heute tritt in Mexiko ein neues Gesetz in Kraft, dass den persönlichen Besitz von Drogen (bis zu einer bestimmten Menge) legalisiert. Das gilt für so ziemlich jede vorstellbare Droge: Kokain, Heroine, Gras, LSD und sogar Meth. (An dieser Stelle ignorieren wir auch bitte den Typo, der zwar im Titel korrigiert wurde, in der URL aber noch steht)

Leute, die in Besitz dieser Drogen gefunden werden, müssen sich nicht mehr vor Gericht erscheinen, sondern werden zu einer Entzugstherapie aufgefordert (die sie freundlicherweise auch ablehnen können). Erst ab der dritten “Festnahme” (wie soll man das denn sonst nennen) muss der Entzug absolviert werden.
Mexican authorities said the change only recognized the longstanding practice here of not prosecuting people caught with small amounts of drugs. ((NYTimes))
Das gleiche (bzw. ein ähnliches) Gesetz wird schon seit 2001 in Portugal praktiziert. Drogentouristen aufgepasst… Spaß beiseite. In Portugal gibt es auch schon einige ansehnliche Statistiken zur Entwicklung des Drogenkonsums.
The Cato paper reports that between 2001 and 2006 in Portugal, rates of lifetime use of any illegal drug among seventh through ninth graders fell from 14.1% to 10.6%; drug use in older teens also declined. Lifetime heroin use among 16-to-18-year-olds fell from 2.5% to 1.8% (although there was a slight increase in marijuana use in that age group). New HIV infections in drug users fell by 17% between 1999 and 2003, and deaths related to heroin and similar drugs were cut by more than half. In addition, the number of people on methadone and buprenorphine treatment for drug addiction rose to 14,877 from 6,040, after decriminalization, and money saved on enforcement allowed for increased funding of drug-free treatment as well. ((Time))
Crazy, oder? Das Geld, das für den Knast gespart wird, hilft nun beim Drogenentzug. In Mexiko, wo die “Drug Wars” anscheinend überhand nehmen, soll das nun eingetretene Gesetz dabei helfen, die Zahl der Drogentoten zu senken. Ich weiß nicht, was ich über so ein Gesetz in Deutschland halten sollte. Nicht, das es überhaupt zur Debatte steht; die anstehenden Wahlen sind auch so schon prädestiniert für Chaos und Meuterei. Aber angenommen, man würde das in Frage stellen? Marihuana ist ein no-brainer, auch wenn ich kein Kiffer bin (ahem, im Gegensatz zu den Teenager-Jahren), ist das Zeug für mich jetzt schon legal. Ich sag nur: Alkohol. Aber die Diskussion ist ewig alt.
Trotzdem wäre es seltsam zu wissen: Hey, ich darf jetzt Heroin besitzen ohne in den Knast zu kommen. Und auch wenn Deutschland da nicht an der Spitze der Staaten steht mit den meisten Drogenopfern, sind die Zahlen (angeblich) wieder gestiegen.
Der erneute Anstieg der Drogentodeszahlen im Jahr 2008 auf 1.449 Drogentote zeigt, wie wichtig es ist, die gesundheitliche Versorgung von Drogenabhängigen durch verschiedene Angebote sicher zu stellen. Eine bewährte Säule in der Behandlung Opiatabhängiger ist die medikamentengestützte Behandlung Opiatabhängiger mit Methadon, Buprenorphin oder mit Diamorphin. ((Suchtmittel.de))
Das Gesetz, wie es in Portugal und nun auch in Mexiko in Kraft getreten ist, ist also immerhin gut genug, um einige Statistiken zu verschönern (wobei auch hier das Interesse des jeweiligen Auftraggebers – in diesem Fall das Land Portugal – wahrscheinlich einen großen Einfluss hatte. Wenn man die richtigen Fragen stellt, bekommt man auch die richtigen Antworten). Und wenn man diesen Zahlen glauben darf, dann ist diese radikale Maßnahme für ein Land mit massiven Drogenproblemen (wie Mexiko oder die USA) vielleicht genau das richtige.
Ich bin gespannt, wie das Ganze sich in Zukunft für Mexiko auswirken wird.

