J.D. Salinger
Ich bin kein Nachrichtenignorant, aber selten verspüre den Drang, über aktuelle Anlässe zu reden- obwohl es viel zu bereden gäbe, und obwohl täglich viele Dinge auf meinem “What The Fuck” Monitor erscheinen. Allerdings ist heute tatsächlich eine sehr traurige Nachricht angekommen, die mich unglaublich wehmütig stimmt: J.D. Salinger ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Der Mann ist in meinem Herzen eine Legende, denn er hat das erste Buch geschrieben, dass ich je gelesen habe. Nein, das stimmt natürlich nicht- aber es war das erste Buch, dass mich mit einer Leidenschaft gepackt hat, das erste, dass mich zur Literatur gebracht hat und das einzige, dass ich immer noch besitze und fast monatlich wieder anfasse: The Catcher In The Rye.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich enttäuscht mein Geburtstagsgeschenk auspackte; ein Geschäftspartner meines Vaters aus New York gab mir das Buch, als ich 12 Jahre alt wurde. Er sagte, es sei eines der besten Bücher, und ich glaubte ihm nicht. Es schimmelte eine Weile herum, bis mir irgendwann langweilig war– danach war ich für immer in einer Welt voller Unverständnis verloren, in einer Welt voller Emotionen, die ich selber kannte und niemals ausgesprochen hatte, so viele Gedanken, die eigentlich nur mir gehörten… aber sie waren da, schwarz auf weiß, und sie gehörten jemand anderem.
Meine Art zu schreiben, die Geschichten, die in meinem Kopf verankert sind- alles aus diesem Roman entsprungen. Holden Caulfield, das war ich. Später las ich auch Salinger’s Short Stories, die mich genauso berührt haben, aber niemals so prägen konnten wie The Catcher In The Rye. Und das ungefähr 50 Jahre nach der Ersterscheinung. Die Zeitlosigkeit von Teenage Angst kann keine Emo Band jemals so gut wieder geben, wie es Salinger konnte.
Rest in Peace.


12 comments in “J.D. Salinger”
January 28th, 2010 at 20:45
Die Short Stories habe ich nie gelesen. Und Catcher in the Rye fast zu spät, mit 23 oder so. Trotzdem, wunderbares Buch. Die Short Stories habe ich bislang noch nicht gelesen. Warum auch immer. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt. Sein Erbe weitertragen.
January 28th, 2010 at 20:45
[...] dragstripGirl: J.D. Salinger ____________________ Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/70779147@N00/ / CC BY-NC-SA [...]
January 28th, 2010 at 21:18
[...] Leben und Werk, der Guardian beglückwünschte Salinger vor einem Jahr zu seinem 90. Geburtstag und bei dragstripgirl gibt es einen persönlichen Nachruf. Johnny Haeusler 28.01.2010 um 21:18 Literatur Pop Du kannst kommentieren oder einen Trackback [...]
January 28th, 2010 at 22:03
S, maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan. Genauso hätte ich diesen Post auch geschrieben. Nur, dass es meine Eltern waren, die es mir zum Geburtstag schenkten und dafür nur ein gequältes Lächeln ernteten. Der Rest war bei mir einfach identisch. GENAUSO.
Was passiert bloß mit den Enten im Central Park wenn Winter ist????
January 28th, 2010 at 22:40
Es ist wirklich interessant wie sich die Geschichten gleichen. Mit 14 bekam ich “Der Fänger im Rogggen” von einem der wenigen stillen Freunde meines Stiefvaters verboternerweise geschenkt. Ich war und bin heute immer noch von diesem Buch überwältigt, und wann immer sich Gelegenheit bietet, nehme ich die gleiche Rolle ein und verschenke viele Exemplare, gerne auch mit mehr oder weniger geistreichen Widmungen.
Das was ich bei der Nachricht von Salingers Tod fühlte und noch immer fühle, lässt sich am einfachsten mit einem Wort ausdrücken: goddam!
January 29th, 2010 at 07:44
Schade, dass ich erst jetzt auf ihn Aufmerksam geworden bin. Kannte ihn bis dato nicht und jenes erwähnte Buch werde ich mir dann umgehend beschaffen.
January 29th, 2010 at 08:19
Es wird auch garantiert noch was publiziert werden. Er hat ja mal gesagt, in einem
seiner raren Interviews, dass er noch sehr viel schreibe. Für sich und seine Schublade. Also, hoffen!
January 29th, 2010 at 11:28
ah, you bunch of phonie, crumby bastards!
January 31st, 2010 at 14:05
Die Beastie Boys haben vor vielen Jahren schon mal ein Tribut an ihn rausgehauen. Word.
January 31st, 2010 at 18:28
[...] Fänger im Roggen” weltberühmt. Unter anderem nahmen Hipster Runoff, Spreeblick, dragstripGirl, Buttoned Up und Nylon auf ihre Art und Weise Abschied von der [...]
February 1st, 2010 at 00:56
[...] »this is heavy« VN:F [1.8.1_1037]Rating: 0 (from 0 votes) Post [...]
February 15th, 2010 at 10:23
yep… thats true… das einzige worauf ich mit wehmut zurückblicke ist, es nicht früher gelesen zu haben