Der Knall deiner Abschieds-Ohrfeige katapultierte mich in eine andere Sphäre. Wo ich zuerst hinter den von Tränen verschwommenen Bildern meiner Augen nicht erkennen konnte, wieso alles zwar gleich aussah, aber sich nichts gleich anfühlte, kamen mit der Zeit immer mehr Details dazu. Das Echo des Aufpralls auf meiner Wange hallte bis dahin noch weiter, selbst, als ich wieder funktionierte, um mich immer daran zu erinnern, dass etwas anderes nun die Realität ersetzt hatte.
Ich funktionierte wieder. Ich ging dem Leben nach, so, wie es mir vorgeschrieben war. Da, wo ich mal einen Plan sah, klaffte nun ein riesiges Loch von Nichts, kurz gefolgt von Tod. Ich aktzeptierte die Tatsache, dass ein einst von so vielen wunderschönen Wörtern umschücktes Buch nun nur noch leere Seiten enthielt, aber nur, weil ich noch die Kraft sammelte, den Türspalt zurück zu meiner Dimension zu suchen. Dorthin zurück, wo du und ich gemeinsam unseren Zeitsstrang zum Ende hin begleiten.
Meine Parallelwelt sieht unserer identisch aus, aber sie lügt mich an, sie ist eine Täuschung, ein falsches Schild an der Straßenkreuzung, das ich genommen habe. Und nun bin ich gefangen. Das Spiegelbild unserer Welt ist irreführend, denn ich vergesse dich manchmal. Wenn ich mich erwische, erschrecke ich nüchtern. Die Erinnerungen an die Leere und die Zeitstränge und Dimensonen kehren zurück, und suche weiter nach dem kleinen, offenen Türspalt, der mich wieder zurück zu dir bringt.
in unregelmäßigen abständen veröffentlichen protagonisten eines anderen lebens (anderer welten, dimensonen, zeiten und gesellschaftsformen) ihre gedanken, erlebnisse und traumata hier. manche sind alter egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. in einem zustand des nicht-da-seins finden sie ihren frieden darin, in die außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. um ihre anonymität zu wahren, werden nur ihre pseudonyme preisgegeben. willkommen in der restrealität…

“yonder” von aguno
“Komm”, sagt er. Er nimmt meine Hand in seine. “Lass uns Einen rauchen. Da vorne, am Ufer.” Ich nicke nur und blinzel an ihm vorbei. Mein Herz klopft hoch und stößt gefährlich an den Kloß in meinem Hals, der sich zu einem Brocken von Beton verwandelt hat. Ich habe Angst den Mund aufzumachen und ihn mit einem Wasserfall an Herz, Blut und Bauschutt zu ergeben. Also lasse ich mich ziehen, und wir sagen nichts.
Obwohl es so viel gibt, was ich noch sagen will.
Er legt seine Jacke auf das spitze Sommergras und setzt sich hin. Ich bleibe stehen und sehe dem Wasser bei seinem ruhigen Treiben zu. Er blickt gegen die Sonne zu mir hinauf, hält sich die eine Hand eine Stirn, die andere legt er auf den freien Platz auf der Jacke und kneift die Augen fest zusammen. “Setz dich. Bitte.”
Meine Beine sind steif. Zeitlupe. Ich nehme tief Luft. “Reiß dich zusammen”, beruhigt mich das Wesen in meinen Fußzehen, dass noch ein bisschen Kontrolle hat. Es zwingt mich in die Knie zu gehen und Platz zu nehmen. Mein Kopf bleibt starr auf den funkelnden Fluss gerichtet, der in der Nachmittagssonne nichts zu sagen hat, und auch nicht viel tut außer für mich da zu sein. Nach links geht es zu mir, nach rechts geht es zu ihm. Auf der anderen Seite existiert nur ein schwarzes Loch. Und hinter uns sind alle Menschen, an denen ich Tag für Tag vorbei laufe.
Er rollt das Papier liebevoll zusammen und leckt behutsam den Klebestreifen ab. Er macht den Joint an, nimmt einen tiefen Zug und starrt parallel mit mir auf das Wasser.
Die Zeit rauscht an uns irgendwie vorbei, während wir immer noch bewegunglos sitzen. Jeder einzelne Moment brennt sich ein und zieht sich hin. Obwohl wir beide einfach nur aufstehen, auflegen, beenden und abschließen wollen, bleiben wir da, zusammen und doch nicht zusammen. Die Sonne geht unter, der Fluss zieht stumm weiter. Wir bleiben sitzen und dehnen und strecken, was noch da ist. Bis nur noch ich da bin. Und irgendwann nur noch der Fluss. Bis der auch nicht mehr da ist.
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Eine Abschiedsnotiz für das Mädchen, dass ich gehen lassen musste.

photo by Matthias Heiderich, taken from "Meanwhile, Back in Berlin"
Du wirkst so unnahbar.
Ich kann Dich nicht mehr fühlen.
Mir ist so schlecht wie einem zwölf jährigen nach einer misslungenen Prüfung.
Als würde Bekanntes unbekannt. Als würde die Welt, die eben sinnig war, nun ein unlösbares Rätsel… nein. Vielmehr ein kaum anschaubares verschwommenes Bild.
Das ist kein Vorwurf! Nein, es ist ein verzweifelter Ausschrei.
Ein Ruf rüber ans andere Ufer, an dem Du stehst und zu dem die Brücke durchschlagen wurde. Ein Ruf der Dir sagen will, dass wir eine andere Brücke finden müssen. Dass ich mir wünsche eine zu finden. Du stehst drüben, zu mir gewandt und hörst mich an und ich weiß nichts mehr zu sagen. Habe Angst, dass du dich umdrehst und gehst… uns so rede ich, kann nicht von der Stelle gehen und bin unfähig die Brücke erneut aufzubauen.
Welch ein Dilemma!
Bleibe ich stehen, so kann ich dein Ufer nicht erreichen, gehe ich, so verliere ich Dich aus meinen Augen.
Verzeih mir! Ich gehe dich jetzt finden.
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Ich stehe am Bahnhof Zoo neben dem Bäcker am U-Bahn Eingang zur U2, ich habe keinen Bock direkt runterzugehen, ich bin in Hektik und im Stress und ich telefoniere mit zwölf Leuten und als das endlich vorbei geht und ich die paar Tropfen Regen ins Gesicht abkriege und der Tag damit scheinbar endgültig gelaufen ist stecke ich mir doch die Zigarette an, die ich vermeiden wollte. Fick es, egal.
Neben mir steht ein Typ, nicht ungepflegt, nicht stinkend, irgendwie 90er Jahre Technolook und ein unschuldiges und total durchgenommenes Gesicht mit Sommersprossen, er steht vielleicht einen Meter neben mir mit einem Pappbecher vom Kaffeemann und guckt mich kurz an, als ich ihn angucke, nichts spektakuläres, aber plötzlich habe ich das Gefühl, dass ich nicht alleine rauchen will und ich drehe mich zu ihm und halte ihm meine Packung Malboro Gold hin und frage “Willste eine?”
Er guckt böse und angegriffen und hat mich nicht richtig verstanden, “Was?” fragt er, “Na ob du ne Zigarette willst?” und ich merke, dass ich nicht lächel, also lächel ich, die Munition in seinen Augen wird augenblicklich entschärft, “echt?!” und ich sage “Klar” und er nimmt sich eine, und dann sucht er total verzweifelt nach Feuer, als ob ich sie ihm gleich wieder wegnehmen würde, also gebe ich ihm auch Feuer und er nimmt einen langen und zufriedenen und zittrigen Zug, “Man, woher wusstest du, dass ich jetzt eine gebrauchen könnte?”, ich zucke mit den Achseln. Keine Ahnung, ich wollte nicht alleine rauchen, und er stand neben mir in Raucherpose, “Keine Ahnung”.
Ich wollte mich wieder weg drehen, ich wollte nicht mit ihm quatschen, ich hatte gar keine Lust auf quatschen, aber er fing an zu reden, vielleicht weil er glaubte dass er mir das jetzt schuldig war. “Wartest du auf den Bäcker?”, “nein”, “die machen ja um 20 Uhr zu und da schmeissen die ihr ganzes Zeug raus”, ach so war das, er wartete auf altes Brot, na dann, “Soll ich dich auf was einladen?”, fragt er mich, und ich bin kurz aus meiner Bahn geworfen, er hält mich für eine Obdachlose, und wenn ich mir meine zerrissene Jeans und meine tief ins Gesicht gezogene Mütze so vorstelle, ja, dann vielleicht wirklich. “Nee man, passt schon.”, sage ich.
“Ich gehe gleich eh arbeiten, aber ich muss mich erst mal stärken”, wo geht der Typ denn hier jetzt arbeiten?, “wo gehst du denn jetzt arbeiten?”, frage ich, “na hinten auf’n Strich, du nicht?”, “Nee, ich nicht.” “Ich hab noch zwei Doggen zu Hause und ich muss die füttern, naja, scheisse, muss halt ‘ne!” “Ja, klar, muss halt.” Irgendwie wundert mich das nicht, dass er auf den Strich geht, er sagt das auch ohne dass es ihm peinlich ist, dafür bewundere ich ihn aber ich denke nicht mehr lange darüber nach, jetzt fallen mir auch die ganzen Flecken auf seinen Armen auf, H halt, natürlich, heieieieiei. “Ich hab noch ein bisschen Kleingeld, kannste haben”, ich drücke ihm ein paar Euro in die Hand, er ruft “SCHEISSE NEIN!! HÖR AUF!”, aber er sagt das total erschüttert und positiv erstaunt, und ich bin mindestens genauso erschüttert darüber, dass er so dankbar scheint. Es sind doch nur ein paar Euro. “Es sind doch nur ein paar Euro. Haste wenigstens ein bisschen Futter!”, ich habe kein Mitleid, ich denke mir nur, ich hab das bisschen Kleingeld und hätte es sowieso nur verloren weil ich kein Münzfach habe.
Ich muss auch ein bisschen lachen, mit ihm zusammen, weil das so eine total bizarre Situation ist, ich wollte doch nur nicht alleine rauchen, und jetzt quatscht der mich voll wie toll ich bin und dass ich mega den Sozialen hätte, nee, wenn der wüsste dass ich nur nich alleine sein wollte, ich sage zu ihm “man, das wird irgendwann wieder besser, wir haben alle schlechte Zeiten und wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, wer dann?”, und er nickt, und er sagt “Ja, auf jeden Fall. Wenn du ein bisschen Dope brauchst, kein Problem..”, und weil ich seine Illusion nicht zerstören will sage ich “Nee, passt schon, behalt du mal, ich hab gerade gute Tage gehabt”, und auch wenn er jetzt glaubt, ich gehe auch auf den Strich, ist mir das recht so, dann hat er wenigstens Solidarität gefunden, meine Fresse, wir kommen beide auch aus Frankfurt am Main, dann umso mehr, das erzählt er mir nämlich auch, das und von den anderen Bäckern auch, die um die Uhrzeit alles rauswerfen, und einen Tag später fand ich heraus, dass sich das “Containern” nennt, interessant, da bin ich ja gerüstet für die beschissene Zukunft, und überlege ob ich ihm die Kippe gegeben hätte wenn ich gewusst hätte aber ach aber ach.
Ich gebe ihm meine Zigarettenpackung zum Abschied, vielleicht nicht wirklich gesund oder so, und vielleicht hätte ich ihm ‘ne Pizza ausgeben sollen, aber was soll’s, was soll’s, er fängt an mich anzuschreien dass ich das nicht tun kann und ihm nicht einfach so viel geben kann und ich lache ein bisschen und er lacht auch und ich sage “ey, wir sehen uns, und viel Glück heute”, und er schüttelt den Kopf wieso jemand so bekloppt ist und ich gehe in die U-Bahn und habe es beim Einsteigen schon längst vergessen und mache mir auch keine Gedanken mehr drüber und bin völlig unzufrieden weil ich meine Zigaretten weggegeben habe und jetzt könnte ich echt mal wieder eine rauchen, aber nett war er ja, und dann freue ich mich doch, ihm die Kippen gegeben zu haben, denn sein Tag wird bestimmt noch beschissener als meiner, und dann rege ich mich auf, weil er doch kein Feuer hatte.
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Immer, wenn ich jemanden bewundere; wenn mich jemand fasziniert, wenn ich so nah ran möchte wie nur möglich, legt sich völlig automatisch eine dicke Eisschicht, unabkratzbar, über meine ganze Haut und friert mich ein. Ich bin unfähig, Augenkontakt zu halten, unfähig, einen einzigen Satz geradeaus zu sagen, und wer auf meine Lippen schaut sieht, wie oft ich auf ihnen rumbeiße, sieht vielleicht auch wie oft ich versuche, meine Frisur zu richten. Ich stehe dann oft vor einem mentalen Spiegel und kritisiere meine Bewegungen, höre nicht mehr, wenn man mit mir redet, bin seltsam wenn ich angesprochen werde, stottere. Ich will so nah ran wie es nur geht und katapultiere mich ganz weit weg. Jede Wärme, die mir entgegen gebracht wird, verdampft in der Atmosphäre. Ich will, doch es geht nicht.
Ich fühle mich hingezogen, nicht sexuell, nicht unbedingt sexuell- unmerklich, einige Bewegungen sind es, die es auslösen. Es können Augenbrauen sein, die sich bei einem Wort nach oben verziehen oder Finger, die mit der Gabel spielen. Die Blicke die sich intensiv in meine Seele brennen, mich ausziehen und keuchend liegen lassen, und ich bin gelähmt, ich bin völlig überwältigt von so viel Impuls und Effekt und reagiere wie allergisch auf dieses Gefühl… eingenommen sein… benebelt sein… sich im Schatten verbotener Fantasien Dinge wünschen, die man selbst nicht direkt versteht, die man sich auch nie vorher gewünscht hat. Verboten, unerwidert, ein grausames Spiel mit heißen Gefühlen.
Aus meinem harten Kern wird weiche, klebrige Molasse die in den Händen fast fremder Menschen zerfließt, und die Unsicherheiten eines Mädchens, alle, die sie schon überwunden hat, werden plötzlich wieder hochgewürgt. So viele Jahre Arbeit von einem einzigen Blick vernichtet und für wertlos befunden, alles nur Täuschung. Es gibt keine Attitüde mehr, nur noch Qual, weil ich nicht bekommen kann was ich will, weil ich mich wie ein Idiot benehme, weil ich nicht mal mehr weiß, wozu das alles gut ist, warum das passiert, wie das jetzt zu stande kommt, an was ich mich erinnere, wieso es überhaupt wichtig ist, ist es denn wichtig?
Wie ein zwölfjähriges Kind, dass sich in einen Popstar verliebt; lächerlich, unbegründet, regelrecht naiv; und dabei ist es nicht Liebe. Es ist nichts. Nur eine Person, die mein Gesichtsfeld einnimmt. Ich bewundere sie. Weil ich noch nie in diese Welt eingetaucht war. Weil ich mich nie getraut hatte, einmal die Augen zu zu machen und frei zu sein. Ich rede mir ein, dass es jemanden gibt, der diesen Traum verwirklicht. Paralyisiert und unfähig, langsam atmend, kann ich unter so viel Druck die Worte nur noch herauspressen. Ich kann es nicht sagen. Ich kann es nicht zugeben. Ich trete zurück. Ich mache dicht. Es geht nicht. Ich bin kalt.
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Ich erinnere mich noch an die Aussichtsplattform und das Glitzern der Mittagssonne, die von den strahlend weißen Flügeln reflektiert wurde. Ich drückte meine Nase gegen das Glas platt bis sie weh tat, und ich hatte eine faszinierende Ausdauer: ich konnte wirklich stundenlang so stehen bleiben.
Ich erinnere mich daran, meinem Vater Adieu zu winken, damals, als man noch mit ans Gate durfte. Ich erinnere mich an meine verrotzte Schnute und die ganzen vielen Tränen, wenn ich mich von ihm verabschieden musste. Dabei verabschiedete ich mich nie wirklich von ihm- ich kannte nur sein Bild, das Bild des Reisenden, mein Held, mein Papa, der Abenteurer. Ich kenne ihn vom Flughafen, wo er mit seinen schönen Taschen stand und meine Mutter leidenschaftlich küsste und uns zu dritt auf seinen Schultern trug und sich von uns loseisen musste, um seinen Flug noch zu bekommen.
Jede Fahrt zum Flughafen war eine kleine heimliche Feier, bei der wir die Autobahn genossen, und der Abend zuvor war mit nervösem Gekicher und einer kindlichen Vorfreude geprägt. Wir erzählten uns Geschichten von Piloten und Wolken und Kampffliegern und wir düsten auf unseren Hochbetten und in unseren Träumen von Kontinent zu Kontinent. Aber es war nicht nur das Fliegen. Es war alles.
Die großen Hallen. Die gedämpfte Akustik. Die vielen hektischen, lachenden, weinenden Menschen und die Sprachen. Manchmal waren es unseren eigenen Koffer, die so ein schönes Geräusch machten, wenn man sie hinterherzog. Es waren auch die Flugzeuge, die großen, die kleinen, und die Stewardessen, die uns Stifte und Ausmalpapier in die Hand drückten, und es waren die seltenen Spaziergänge ins Cockpit, wo uns der beeindruckende Pilot kleine Pins an die Brust steckte und uns die Hände schüttelte. Es war das fertig abgepackte Essen und die anderen Kinder im Flugzeug. Es war das Gefühl im Bauch bei einem Luftloch und die spaßige Angst und die Filme und das Anlehnen an die Schulter meines großen Bruders und das stundenlange Game Boy spielen und sich um den High Score prügeln.
Es waren die Flüge in neue Welten, und es waren die Glückstränen meiner Mutter, wenn das Flugzeug in ihrer Heimat landete. Es waren die Gerüche. Es war der große McDonalds, den wir so liebten, weil wir mit Kindern aus allen möglichen Nationen gespielt haben, in unserer Geheimsprache. Unserer Flughafengeheimsprache, die jeder verstehen konnte.
Es war Papa, auf den wir zu rannten, wenn er wieder zu Hause ankam, nach Wochen der Geschäftsreisen. Er brachte uns exotisches Spielzeug mit, und viele Kulis von Messen, und Geschichten von Koalas und Bären und Fotos von Dheli und Südafrika. Er war unser Flughafen, wenn er nicht verreist war. Er nahm uns hoch und drehte sich mit uns im Kreis und wir fielen lachend und schwindlig zusammen.
Eines Tages kam Papa von einer Reise zurück, ohne Lachen, ohne Freude. Er musste nicht mehr reisen, dafür gab es jetzt jemand anderen. Wir machten keine Ausflüge mehr, und irgendwann wurden wir zu alt, um danach zu fragen.
Mein Papa ging als Reisender. Er kam nie wieder zu uns zurück.
Glück
Veröffentlicht April 26, 2010
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Es gibt sie, diese Momente die so voll sind, dass man das Gefühl hat platzen zu müssen.
Diese Momente, so voll, dass man das Gefühl hat nie glücklicher sein werden zu können, als in diesem Moment.
Ich habe ihn meist morgens, wenn ich zufrieden und müde nach Hause laufe. Vorbei an den Gleisen, das Klackern einer Dose, das Zischen – kurz-, gelegentliches Scherzen mit dem Menschen der einen begleitet und auf einmal ist er da: dieser Augenblick an dem ich schreien möchte, mein Glück in die Welt hinaus und in mich hinein, und dir entgegen..
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Und du? – Und du, lächelst…
… schaust mich an. Schaust mich an und sagst: „Die Menschen wollen keine Träumerei, schon lange nicht mehr. Das was du, hoffnungsloser Dichter, Inspiration nennst, finden sie lächerlich. Lächerlich, ja allein das Wort `Inspiration´, ist lächerlich.“ – Mir sind die Lippen zusammengefroren, bringe nur noch Stottern und Laute wie längst verhallte Trommelschläge hervor. Stoße, erbreche sie heraus. Und du? Und du? – Schweigst, machst eine deiner tiefgründig, realistisch sinnierenden Pausen. Lässt dir deine Weisheit noch einmal auf der Zunge zergehen. Und bevor du dich erbarmst sie hervor zu bringen, stammle ich: „Was du sagst sind keine Worte, selbst wenn du sprichst herrschst dieselbe leere, realistisch sinnierende Stille im Raum. Du lächelst, du lächelst dein heroisch ironisches Lächeln und dann gibst du deine ungetroffene Zustimmung, als hätte mein Schuss dich verfehlt.“ Du lächelst, sagst: „Wie sensibel du bist! Ist fast schon peinlich! Sei nicht so pingelig! Nicht alles muss elegant und geschmückt sein!“
Für dich bin ich immer nur der Belächelte, aus Prinzip werde ich belächelt, dass ist deine Stärke, dein Lächeln, es ist eine Maske die man nicht runter reißen kann. Durch sie hast du das Recht, recht zu haben, zu mehr bist du nicht in der Lage, du kannst dein Gegenüber nur übertrumpfen. Und wenn ich dann übertrumpft bin? – Was geschieht dann? – Ich schlage mit Worten auf dich ein, aus dem Bedürfnis heraus, dein Lächeln zu zerreden und du belächelst mein Reden, weil du nur lächeln kannst…
Ich gehe, habe keine Lust mehr auf deine Blicke, mehr hattest du mir nicht zu bieten, in unseren Gesprächen, du Schlauer, du Moderner, du stilvoll Wissender? Ich kenne dich, all das ist immer der selbe Ton, die gleiche Art, das selbe distanzierte Lächeln. Sprechpausen sind deine Sprachen, sie erwecken im Zuhörer die Sehnsucht dir zuzuhören und Inhalt zu finden, Etwas zu finden, dich zu finden: Was du sagst? Was du tust? Was du denkst? – Mich interessiert das alles nicht mehr, kenne dich, verstehe deine Technik, deine So-bin-ich-Stilfabrik, dein Sucht-mich-doch-bin-ich-wirklich-da? Dein Subtext langweilt mich, dein Text ist nicht vorhanden und das alles soll spannend sein?
Ich gehe, bedanke mich, du hast mir, dem Kind, dem Träumer und Schlafwandler, meine Sprache geschenkt. Ein schönes Geschenk, ich bedanke mich! Ich gehe, entschuldige mich stumm dafür, dass ich dich gefunden habe, dich nicht länger suchen wollte, dir eine Identität geschenkt habe. Es muss zerschmetternd sein sich derart zu verschreiben, sich aufzuopfern für Pausen, für weise Flecken, für Leerzeichen, für ein alles übertrumpfendes Lächeln.
Manchmal sehne auch ich mich danach, dann könnte ich ohne Arbeit arbeiten, könnte ohne zu denken, denken, schreiben ohne zu sprechen, sagen ohne zu erklären, versprechen ohne zu meinen, könnte leben ohne mich zu schämen, kämpfen ohne gekränkt zu werden.
Aber verstehst du nicht? – Wenn ich schreiben würde, so wäre dies keine Schrift und wenn ich dichten würde, so entstünde kein Gedicht und wenn ich sprechen würde, so teilte ich nichts mit und wenn ich leben würde, so wäre jeder Schritt, kein Schritt…
Ich entferne mich, bin nicht länger dein Tischkompane, starre keine Sekunde mehr auf deine Pausen, bin nicht mehr ergriffen von deiner Gewalt. Klein und erbärmlich soll ich endlich sein, ein Mensch mit Schwäche, mit Fehlern und Dummheiten, mit Naivität, mit manchem Starrsinn, so einiger Krankheit, doch frei von dir. Mit der Hoffnung etwas sagen zu lernen, Hörer zu finden die mich hören, die mich deswegen verstehen, mich wahrhaft auslachen können und ich werde vollkommen entblößt, doch überzeugt von der Entscheidung dafür, vor ihnen liegen, mich wälzen und drehen, verkrümmen. Und du? – Wirst über mir stehen und lächeln, … mit deiner unsichtbaren Schwäche im Gesicht, deinem Stolz, denn du, du, hast dich den Pausen verschrieben, dem Schweigen, den Leerstellen. Ich stehe auf. Ich gehe. Du winkst. Und lächelst…
Schleim
Veröffentlicht March 31, 2010
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