Ed Banger ist längst kein Namen mehr, sondern ein Synonym. Es steht für die konsequenteste Inszenierung elektronischer Musik, die es je gab. Für die reine Eskalation der Feierei. Für Beatgemetzel und Synthie-Terror. Ed Banger ist drei Stunden durchdrehen und dann in irgendeinem coolen T-Shirt von coolcats abstürzen, während ein französisches Model einem die Hand hält. Es ist der hedonistische Nullpunkt. Techno-Rock-n-Roll.

Das französische Label ist eine elektronische Hypefabrik in der die Komposition von Krach perfektioniert wird. Am konsequentesten verkörpern natürlich JUSTICE die Philosophie des Labels, die nach ihrem Debüt-Album und spektakulären Live-Shows zu absoluten Superstars wurden. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuhören wenn am nächsten Donnerstag SebastiAn im Rahmen der Levi’s Colors of Noise Tour, das Ed Bangerische Lebensgefühl durch die Boxen des Dice Cubs pressen wird. Der Pariser, jugoslawischer Abstammung, ist seit 2005 dabei und hat sich vor allem als Support der legendären Daft Punk Tour internationale Beachtung erspielt. Ich habe ihn an Silvester in Amsterdam erlebt und kann nur sagen: es gibt hart was auf die Ohren und in die Fresse. Nach seiner Show wird man vollkommen erschöpft in der Ecke liegen und sich fragen wie intensiv Leben eigentlich sein kann. Allerdings bildet SebastiAn nur den Höhepunkt eines elektronischen Gourmet-Abends. Denn die Organisatoren haben das Programm ähnlich gekonnt zusammen geschneidert wie eine gute alte Levi’s 501.
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Es gibt diesen Moment im Verlauf einer jeden bewegten Pubertät. Er hat mit den verstaubten Platten der Eltern zu tun oder mit den zerkratzten Maxi-CDs des großen Bruders. Der Moment in dem du das erste Mal wirklich Musik hörst, ganz bewusst, mit allen Sinnen. Der Moment indem sich das Fundament bildet auf dem sich im Verlaufe deines Lebens dein Musikgeschmack erstrecken wird und damit auch ein wichtiger Teil deiner Identität (manche haben ihn nie und deshalb gibt es die Charts).

Jason Chung hatte diesen Moment als Drittklässler, dank des Fahrers seines Schulbusses. Der hörte täglich den lokalen HipHop-Sender und so verliebte sich der kleine Jason in die Hochglanz-Beats von Dr.Dre und die Sound-Experimente der Beatjunkies während draußen die Großraum-Landschaft von Los Angeles vorbeirauschte. Mit 13 gipfelte die Verehrung für seine Lieblings-Produzenten im Wille ihnen nachzueifern und so bastelte er solange am PC seines Vaters herum, der angeblich sogar mit WORD Probleme hatte, bis er zuhause seine eigenen Beats zusammenfummeln konnte. Er saugte alles auf, erforschte jedes Genre, erlebte seinen ersten RAVE, entdeckte seine Leidenschaft für INDIE, ging zu Punk-Konzerten und versuchte dann zuhause all diese Einflüsse, Interessen und Stile in einem Sound-Kosmos zu vereinen. Beim zeichnen von Graffiti-Skizzen drückte der Stift durch und er las seinen Namen rückwärts; sein Synonym war gefunden: NOSAJ (no such) THING. Dann kam die LOW END THEORY. Eine wöchentliche Partyreihe in LA bei der all die bekannten Dub-step-electronica-progressive-whatever-Leute spielten, von Flying Lotus bis Dadelus. NOSAJ hatte seine musikalische Heimat gefunden und gleichzeitig die Plattform, die er für seine eigenen Produktionen brauchte. 2006 veröffentlichte er seine erste EP Views/Octopus, da war er 20. Von da an war er das beatbastelnde Wunderkind aus LA. Zwischenzeitlich bekam er größere Aufmerksamkeit weil Kid Cudi einen seiner Tunes auf seinem vielbeachteten Mixtape man on the moon verwendete. Nosajs Durchbruch kam allerdings erst letztes Jahr. Mit seinem Debüt Drift.
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Aufgeregte Ernüchterung. Ermüdender Koffeinkonsum. Am Durst ertrinkend. Ein Gitter aus Freiheit. Braungefärbter Milchschaum. Beats. Ein grüner, verrosteter Haufen Schrott, den ich seit der ersten Fahrt liebe. Existenzängste, die Existenz erst spürbar machen. Ein Error, der das System verbessert. Beats. Zwei Kreuzburger mit Pommes. Zuviel Luft, um zu atmen. Alle Staffeln von Mighty Boosh für 29 Euro. Die Ästhetik des Verdreckten. Die Romantisierung des Kaputten. Die Modernität des Alten. Eine Komposition aus Krach. Beats. Ein ehemaliger GSSZ-Darsteller, der weintrinkend und mit offenem Hemd versucht, sich dieses Etiketts zu entledigen. Ein randalierendes Harmoniebededürfnis. Kunstvoller Vandalismus. Jedes Lebensgefühl als Sticker an der Toilettenwand. Hauswände als Pilgerstätte. Herzzerreißende Gleichgültigkeit. Weißwein-Soße. Eine große Pizza für 2,50 Euro. Hundescheiße, die trotzdem stinkt. Beats. Berlin.
Wann fängt POP an Kunst zu sein und wann hört Kunst auf Kunst zu sein und POP zu werden? Man kann versuchen in der Hamburger Kunsthalle nach Antworten zu suchen oder man analysiert einfach den Ausdruck im Gesicht dieses jungen Mädchens, das über das in Formaldehyd eingelegte Kalb von Damien Hirst nachdenkt.

HI! Ich bin N, der Neue. Lange habe ich über meinen ersten Post im Dragstrip-Universe nachgedacht und mich dann dafür entschieden mit einem simplen Photo in dieses wortgewaltige Blog einzusteigen, das ich am Samstag in der Hamburger Kunsthalle gemacht habe. Der Ausschnitt ist zwar eher auf Schnappschuss-Niveau, aber trotzdem gefällt mir dieses Bild. Nur wegen des Mädchens. Ihr emotionsloser, ungläubiger Gesichtsausdruck sagt soviel über diese hochgejazzte, gehypte, sensationsgeile Kunst von Hirst bis Koons. Ihr Ausdruck ist mein Kommentar zu der POP LIFE Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Mehr möchte ich für diesen Moment auch gar nicht sagen. Erstmal muss ich die Aufnahmerituale von S und B über mich ergehen lassen. Ich melde mich wenn ich aus der Zukunft zurück bin.
Achja. Wenn ich nicht hier bin, dann hier. :)
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