„Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich für die Zukunft. Unter dem nötigen Ernst und den Augen seiner persönlichen Umwelt bewegt er sich leichtfüßig und definiert sich.
Er ist das wandelnde Abziehbild eines Menschen, der seinen Ernst, seine Vernunft und seinen Wunsch nach Sicherheit vor sich her spielt wie einen viel zu alten und abgenutzten Ball.
Menschen wie er kommen zwangsläufig an einen Punkt, egal wie alt oder jung sie sein mögen, sich ein paar Fragen zu stellen:
Bin ich so wie ich sein will? Passt das, was ich will, überhaupt zu mir? Bin ich neidisch auf die Menschen, die unbefangen und leichter sind? Ertrage ich es, wenn man mich nicht so sieht, wie ich es schön finde? Bin ich zu ernst? Ist Ernstsein so was wie Erwachsensein oder erwachsener sein? Erwarte ich zu viel von anderen Menschen? Erwarte ich zu viel von mir selber? Sind die Anderen freier als ich? Nur durch ihre Art? Ist schüchtern, ernst oder nachdenklich zu sein etwas, das man im ungesunden Maße praktizieren kann? Reflektiere ich zu viel und dränge andere damit? Was ist Zufriedenheit und was ist Glücklichsein? Sind das Dinge, die man gleichsetzen kann oder unterscheiden sich die Dinge und wenn ja, ist es wichtig, das zu wissen und vielleicht auch ein bisschen darüber nachzudenken? Nur für sich? Messe und vergleiche ich mich zu sehr mit anderen? Leben die Anderen besser, die unbeschwert sind? Bin ich anstrengend, kompliziert oder beides?
„Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich, „dann habe ich verstanden, dass ich so bin wie ich bin und dass es nur wichtig ist, meinen wirklichen Freunden nicht fremd zu werden.“
Egal wie der Lebensentwurf aussieht, für den man sich entschieden hat, auch wenn das ein Leben ist, das man so nicht erwarten oder geplant hat, es ist da und es bringt nichts weg zu laufen oder sich Freiheiten und Vorstellungen zu erkämpfen, von denen man keine Vorstellungen hat. Nicht wenn man sich da wo man ist, trotz der vielen Zweifel, eigentlich angekommen fühlt. Auch wenn das ein Leben ist, das man unter 20 nie leben wollte.
Wenn es da ist, dann ist es da. Und es gibt immer Möglichkeiten noch woanders zu suchen. Nach Zufriedenheit, nach Glück, nach Irgendwas. Es wird diese Möglichkeiten immer geben. Die einen nutzen diese Möglichkeiten um auszubrechen, neue Wege zu gehen. Welche Gründe solche Menschen auch immer haben, das zu tun. Sie tun es. Und das ist gut.
Kategorien über Kategorien. Sie abzustreiten ist seltsam.
Für beiden Schlag von Menschen, die Unbeschwerten und die Komplizierten gilt, wie ging das Sprichwort doch gleich: „Stärke wächst aus unbeugsamen Willen.“
Beide sind auf ihre Art und Weise frei. Manchmal auch zufrieden. Und manchmal auch glücklich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
So, seit ein paar Tagen ist die Domain chaosplanet.de, meine alte Heimat, ein brachliegendes Stück Weblandschaft, das irgendwann im Spätsommer komplett abgeschaltet wird. Ich habe letztes Jahr im August, September von S die Anfrage bekommen, ob ich hier bei dragstripGirl mitmachen möchte, was ich nicht abschlagen konnte, weil S eine großartige Autorin ist und ich neu anfangen wollte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich chaosplanet.de bereits auslaufen lassen, was vor allem daran lag, dass sich meine Welt und meine Entwicklung als Mensch in eine Richtung verändert hat, für die ich weder bereit noch aufgeschlossen war.
Mein altes Zuhause war wie ein paar Schuhe, aus das ich hinaus gewachsen war, das an allen Ecken drückte. Es aufzugeben war nicht allzu schwer, da sich bei dragstripGirl etwas neues anbot, das auch bei Null anfangen musste. Das hat mich gereizt. Chaosplanet.de hatte am Ende viele Leser, viele Fans und viele Anfragen für Lesungen. Ich kam mir vor wie jemand, der in Beton gegossen wurde.
Lange Zeit lag der Blog jetzt mit inaktivem Content rum. Seit Januar etwa habe ich oft darüber nachdenken müssen, was ich von diesem Blog noch verlangen kann, was mir dragstripGirl für Alternativen bieten kann und so weiter.
Und dann irgendwann nach langem Zögern habe ich mich dazu entschlossen, das alte Projekt ganz einzustampfen. Dort kann ich nicht noch mal neu, von vorne, bei Null anfangen. Das wäre so, als würde man seine Vergangenheit – ohne es übertreiben zu wollen – einfach ignorieren. Das habe ich als falsch empfunden.
dragstripGirl hat mittlerweile einen Bekanntheitsgrad erreicht, mit dem sich einige Veränderungen verbinden. Aus den anfangs persönlichen Geschichten ist mittlerweile ein Musikblog geworden, das sich mit Netzkultur ebenso großartig auseinander setzt, wie mit der Einbindung von anderen Gedanken anderer Menschen. Und manchmal auch noch mit eigenen Dingen, deren persönliche Herkunft oftmals verschlüsselt ist.
Das ist mein persönliches Fazit mit diesem Blog. Und ich bin zufrieden. Lange habe ich dragstripGirl in den letzten Monaten den Vorwurf gemacht, meine persönliche Schreibe nicht genug Raum zu lassen. Das ist ein Resultat, wenn sich mehrere Blogger zusammenschließen. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass meine Inhalte, meine persönlichen Artikel hier keinen Platz mehr finden, was vollkommen okay ist. Hier kann ich meine Vorstellungen von Kunst ebenso einfließen lassen, wie meinen Musikgeschmack oder Filmgeschmack.
Im Zuge der ganzen Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt, sind es vor allem die Zweifel an sich selber oder mit Dingen, die man tut, mit denen man sich immer wieder konfrontiert sieht.
Und vielleicht sieht man im eigenen Selbstbewusstsein einen Zweck. So richtiges Selbstbewusstsein, nicht das, an dem andere einen messen oder einschätzen.
Zwei so wichtige und wirklich harte Voraussetzungen sind Einsicht und die Fähigkeit Hilfe anzunehmen. Beides hart, wenn man sich nicht nur oberflächlich damit auseinandersetzt. Da gibt es immer Spezies, die sich entweder alles zu Herzen nehmen, eigene Probleme vernachlässigen und im schlechtesten Falle verdrängen und es gibt die, die glauben, wenn man nur alles akzeptiert oder toleriert, lebt man erwachsener und besser.
Die Antwort liegt vor allem in der Einsicht.
Manchmal kann man sich auch inspirieren lassen. Nehmt euch die Zeit. Und hört was dieser Mann zu sagen hat, denn er hat verdammt Recht:
Im j.kinski warten wir auf dampfende Honey Mustard Burger in mehlig-knusprigem Ciabatta-Brot mit Kartoffelspalten, warten auf unsere Drinks, lauschen den leisen, ehrlich, kalkbrenneresken Beats aus den Winkeln der himmelblau-violett gestrichenen Wänden und sind uns einig, dass wir der Liebe und dem Spiel, dessen Regeln Viele nicht folgen wollen und können, auf die Schliche gekommen sind.
Unsere Regeln sind wertlos. Die Gläser sind leer, die Burger werden zwischen unseren Kiefern zermalmt und eine kleine braun-weiß-gefleckte Dogge streift unseren Tisch zu unseren Füßen. Keine Regeln für die Liebe, wenn sie ungreifbar ist; und ja, sie ist greifbar. Sie ist greifbar, ohne ihren Zauber, ohne ihren Trick zu verraten.
Wie unsagbar gleich alles geblieben ist, wenn sich Menschen im Lieben verlieren wollen, aber aus irgendeinem Grund alles dafür tun, um eben das zu verhindern. Und es ist so unglaublich schwierig herauszufinden, was in dem Kopf des Anderen passiert, der einem das Wasser abgräbt, nicht weiß wohin.
Drink Nummer 2. Die Regeln sind radikal und jeder hat seine Blaupause dafür, wenn es darum geht, wie und ob man was zu entscheiden hat. Menschen sagen sie lieben einen und dann spüren die anderen das gar nicht. Vielleicht liegt das daran, dass sich Menschen, die es sagen eigentlich nur in das Gefühl verliebt haben und es eigentlich nicht teilen wollen.
Wir kauen zu Ende und bündeln unsere naiven Erkenntnisse über das größte Geheimnis der Zwischenmenschlichkeit. Die kühle Luft von draußen weht durch die geöffnete Tür des j.kinski und kühlt unsere Köpfe. Alles, was du ihr zu sagen hast, sagst du:
“ziemlich viel was du da verlangst. ich kann nichts versprechen. und wenn es jetzt das vorerst letzte ist was du von mir hören wirst. es vielleicht dir weh tut oder einfach dumm von mir ist. ich liebe dich. werde glücklich und sei das glück der anderen.”
Es ist so, dass wenn jemand sich dafür entschieden hat, sich nicht zu entscheiden, dann steht man als der Andere auf einer ganz schlechten Position, in der man so wenig richtig und so viel falsch machen kann. Man kann in den Kopf des Unentschlossenen nicht rein sehen. Man weiß nur, da passiert etwas, das einem vorenthalten wird. Als würde man sein Ohr an die Außenwand einer großen Fabrik aus rotem Backstein legen mit dampfenden Essen und horchen, was darin produziert wird. Man hört Lärm, aber es reicht einfach nicht aus um genau zu bestimmen, was es ist.
Sowas kann einen wahnsinnig machen.
Wir zahlen. Tequila Silber zum Abschied. Ich ziehe meine blaue Jacke an und rieche schmerzenden Zigarettenqualm draußen, der sich aus rauchenden Aschenbechern das letzte Mal regt.
Wir sind ein Stück voran gekommen. Es hat uns nicht schlauer gemacht. Nur ratloser. Aber lieber die Bewegung erzwingen, als den Stillstand zu akzeptieren.
Katschunk am dritten Tag. Immer wieder Katschunk. Der Zug rauscht geräuschlos durch grüne nasse Felder, an den Gleisen tauchen kleine Waldstücke auf, verschlammte Trampelpfade, dunkle, flache und kleine Staubecken, wahrscheinlich mit Kies am Grund und über die ich nicht nachdenke, weil der Zug es so eilig hat.
1. Mir schräg gegenüber sitzt ein rothaariger Junge, etwas jünger als ich, der den ICE-Waggon, in dem wir sitzen, mit penetranten Schweißgeruch tränkt. Er trägt eine Brille, löst ein Kreuzworträtsel in der BILD (oder einem Blatt, das so aussieht wie die BILD) und schlingt gierig an einem Salat in Einschweißtüte. Sein Handy klingelt und er redet Belangloses. Ich schaue aus dem Fenster und überspringe mit meinen Augen jeden erkennbaren Gegenstand, der sich in der bayrischen, verregneten Landschaft bemerkbar macht.
„Hob mior n Guglschreibor von dir geklaut, hehe“, sagt der rothaarige Junge, der etwas laut im Wagon in sein Handy spricht. Sein Unterkiefer ragt leicht unter seinem Oberkiefer hervor. Er wischt sich die Nase an seinem Pullover ab, ich erkenne ihn in der Fensterspiegelung deutlich.
„Norr. In so vier Stunden“, sagt er. Er muss aus Naumburg kommen. Auf Wiedersehen, München.
2. Am Hauptbahnhof sitze ich in der Coca-Cola-Bar in der ersten Etage, gleich neben dem Kaffeehaus und dem Burger King. Man darf hier rauchen. Ich warte auf den Zug und trinke Coca Cola. Und rauche. Über der Bar hängt ein Fernseher, in dem in Endlosschleife alle Coca-Cola-Werbespots laufen, die anscheinend jemals gedreht wurden. Mir ist kalt, die letzten beiden Tage liegen mir in den Knochen.
Ich trinke aus, bezahle und habe einen kurzen Augenkontakt mit einer blonden, hübschen Frau, die Mitte Dreißig sein muss. Wir lächeln beide. Auf dem Weg zum Zug stelle ich fest, dass ich es mir noch immer nicht abgewöhnt habe, 15 Minuten für einen einminütigen Weg einzuplanen und so stehe ich mit meiner Tasche noch mal am Haupteingang und rauche noch eine Zigarette. Und verschenke zwei an einen betrunken Typen, der mir fast in die Arme fällt, während er mir mit seinem Bayrisch versucht zu erklären, dass ich das Gleis 26 meiden solle, wegen der Bombengefahr. Ich will nach Hause.
3. Der ganze dritte Tag ist eine verworrene Mischung aus grauen Wolken, schlechten Witzen, viel Hunger und Durst und einer halben Schachtel Zigaretten. Ich schwanke über die Flure der Messe, rede da mit einem Vertriebler einer Agentur, dort mit einem Marketing-Angestellten. Ich habe nicht übel Lust, das Sechs-Euro-Lachsbaguette hinter den Tresen zu feuern. Unverschämt, einfach unverschämt. Eine halbe Stunde lang sitze ich auf einem freigewordenen Hocker zwischen Anzugsträgern, die smalltalken und Tweets in ihre iPhones hacken. In meinem krawattenlosen Hemd wage ich es nicht mein Netbook rauszuholen. Ich schweige, habe Durst, verdaue ein Lachsbrötchen und weiß einfach nicht, ob es schon spät oder noch früh ist. Die Zeit bremst so stark. Es regnet. Ich denke viel und habe noch ein bisschen Restalkohol von gestern.
4. Der Tag vor Tag 3 klingt äußerst schön aus. Caro wartet an der Messehalle München um mich abzuholen. Ich telefoniere mit Christian aus Jena und er erzählt mir, dass er sich auch endlich A Serious Man von den Coen-Brüdern im Kino angesehen hat und das er ihn nochmal sehen muss um ein Urteil fällen zu können. Ich erzähle ihm, dass ich gerade in einem Vortrag saß, in dem drei leitende Angestellte aus drei Unternehmen ihre Penisse verglichen. Bis auf den letzten Referent, der sich kokserisch gab, wirres Zeug erzählte, während sich alle im Saal nach einer Weile anblickten und kicherten oder die Augen verdrehten. Mitten im Satz bricht er ab, blickt an die Decke, es ist muxmäuschenstill, alle starren ihn an. Es ist so awkward. Er saß schon bevor er ans Rednerpult ging auf seinem Platz und wischte sich mit einem Stofftaschentuch aus seiner Blazertasche die schweißnassen Geheimratsecken trocken. Dann setzte er wieder ein und redete wirr weiter. Ich verstand kein Wort, wie alle anderen. Immer mehr gingen und ich spielte am Ende mit dem Gedanken einfach aufzustehen und langsam immer schneller werdend zu klatschen. Er hat den sonst sehr interessanten Tag gut auf den Punkt gebracht.
5. Danach fuhren Caro und ich in die Innenstadt, ich musste nur an Essen denken. Mein Magen knurrte schon den ganzen Tag. In einer Bar oder einem Restaurant trinken wir Vodka-Lemon und ich esse eine übertrieben große Pizza, die so lächerlich groß ist, dass mir immer noch warm ums Herz wird – scheißegal wie komisch das jetzt klingen mag. Caro erzählt mir viel von sich und ich viel von mir. Und irgendwie habe ich permanent das Gefühl, dass wir beide uns verdammt gut verstehen und uns mögen und ich mich, ja, einfach nur wohl fühlte. Und dann gehen wir in die Favourit-Bar und keiner von uns wagte zu sagen, dass man schon im Großen und Ganzen total angetrunken ist, von dem Vodka-Lemon. Auf in die Favourit-Bar. Der Alkohol steht mir schwer im Kopf, Caro und ich lachen viel, während die kalte Luft und das Verlaufen in Gassen die Köpfe klarer zu machen versucht. DJ und noch einen Drink. Lallende Menschen, rotes Licht und wir betrunken, schweigend, lachend, erzählend, sitzend, dann wassertrinkend, wankend und dann zu Caro nach Hause. Der Tag vor Tag drei, heute, war schön und wir schlafen nach fünf Sekunden Liegen ein. Es hat Spaß gemacht. Der Kater wird kommen.
6. Der Tag vor dem Tag vor Tag drei endet abends, nach Feierabend im ICE nach München. Nur noch dreieinhalb Stunden fahren und dann München, dann Arbeit und vor allem Caro. Auf der Fahrt sitzen zwei Nerds neben mir, die in ihrem Gesicht geballtes Wissen über Web-2.0 und Videogames und Arroganz vereinen. Sie sind mir unsymphatisch und bilden eine Symmetrie mit dem rothaarigen, sächselnden Jungen, der mir jetzt während der Rückfaht schräg gegenüber sitzt. Sie reden nicht und spielen gegeneinander tragbare Videogames und schreien sich abwechselnd immer an, wenn der andere was Fieses gemacht hat. Ich möchte sie auf der Stelle ankotzen oder durchschütteln. In München wartet Caro am Hauptbahnhof auf mich und sie ist genauso cool, wie ich es mir dachte. Nett, ruhig, aber quasselnd. Ich mag sie sofort. In ihrer großen Wohnung sitzen wir in ihrer hellen Küche und lernen uns persönlich kennen. Ich sitze in einem abgespaceden, rotschwarzen Designer-Drehsessel aus den 60er Jahren und trinke erst Wodka mit Cola und dann Cola mit Wodka. Mir kommt es so vor, als sei ich hier auf Besuch anstatt aus beruflichen Gründen. Später schlafen wir viel zu spät für meine Planung des nächsten Tages ein und morgens quäle ich mich aus dem Schlaf. Es bleibt keine Zeit um noch bei Caro was essen zu können. Es wird bis zu der Pizza am Abend in der Bar so bleiben.
Es waren zwei, drei Tage in dem ich jemanden ein bisschen kennen lernen konnte, der voll auf meiner Wellenlänge liegt. Danke München, danke Caro. Und jetzt fahre ich heim. Müde und hungrig. Draußen dunkel. Katschunk. Immer wieder.
Manchmal wenn es Nacht ist, drehen wir uns beide langsamer. Diese Entschleunigung führt zu der totalen Schlaflosigkeit. Ich liege alleine in meinem Bett und alles mit uns macht Sinn. Nicht-euklidische Bewegungen in deinem Orbit und das Greifen nach den Farben deiner Welt. Jeder Berührung folgen Ahnungen darüber, wie es ohne dich hätte sein können. In genau diesen Momenten fühle ich sowas wie Frieden in mir. Ich greife dann manchmal zum Telefon und verschweige dir alles, das meinem Flug in deinem Leben den Auftrieb nimmt. Denn es sind nur noch ungezeichnete Bilder von einem Leben, das ich nicht will.
Ich höre wie du dir die Augen reibst, die Nacht für einen kurzen Augenblick abstreifst.
„Bin klein, verschlummert an Ort und Stelle“, sagst du. Deine Stimme ist schlafgetränkt und leise.
„Ich weiß nicht was ich sagen soll“, sage ich.
„Ich weiß.“
Ich muss kurz lächeln. Wir beide haben komische Zeiten hinter uns gebracht. Wir haben überlegt. Und haben uns dafür entschieden. Immer wieder. Wir gehen ins Kino, lesen Bücher, schauen doofe Serien, reden über das Heldenlabor und finden es gut, wenn ich dich hochhebe, so dass du piepst, weil du einfach einen guten Moment hattest und hochgehoben werden willst. Wir bewegen uns, wenn sich unsere Gesichter berühren. Du musst auf deinen Zehenspitzen stehen, um mich zu küssen. Und wenn irgendwas nicht gut war, dann habe ich dich gehalten. Immer.
Mein Leben ist mit Mitte Zwanzig so geregelt. Mein Beruf, meine Freizeit. Dass ich im letzten Jahr nicht untergegangen bin, liegt daran, dass du es warst, der mir immer wieder das Gefühl gegeben hat, jemand Besonderes zu sein, der was Besonderes macht. Ich habe im letzten Jahr so sehr für dieses Leben gekämpft und bin oft hingefallen.
„Das macht so viel Sinn… dass du in meinem Leben bist“, sage ich und verschweige alles, was meinem Flug in deiner Welt den Auftrieb nimmt.
„Weißt du, ich versinke in zu vielen Bettdecken hier“, sagst du.
Es ist spät, es ist dunkel, es ist Nacht. Ich sitze auf meinem Fahrrad mit meinem zerknitterten Superhelden-Cape und bin glücklich dein Held zu sein. Und fahre zu dir.
Als ich bei dir ankomme und Bettwärme bekomme, weiß ich wieder, dass wir beide immer wieder richtig entscheiden werden und kämpfen. Gegen die ganzen Schwierigkeiten.
Eine 8-Bit-Invasion von Kreaturen wütet in New York City, wo das Video gedreht wurde. Wie eine Infektion fällt die 8-Bit-Pixel-Armada in Manhattan ein und verpixelt alles, das sich nicht retten kann. Well done:
Heute findet nach einer längeren Pause die nächste Ausgabe des freien Online-Literaturprojekts Kurzschluss statt. Dieses Projekt verbindet verschiedene Blogger und damit verschiedene Perspektiven zu einem Thema, das einige Wochen im Vorfeld von uns bestimmt wird. Die Blogger schreiben also zu einem Thema ohne die anderen Beiträge oder die Mitwirkenden zu kennen. Wir geben damit Beiträge zu einem bestimmten Thema in Auftrag, für diesen Realisierung spezielle Blogger von uns angeschrieben werden.
Mit dem Magazin „Limit“ hielt Anfang bis Mitte der Neunziger das Wrestling Einzug in mein Leben. Es dauerte nicht lange, bis ich meinen Vater dazu nötigte den Royal Rumble auf VHS aufzunehmen. Die ersten Preise aus den Limit-Preisauschreiben trudelten in den Briefkasten meiner Eltern ein (ein Bret „Hitman“ Hart-Kissen und ein Enterprise-Brettspiel mit hässlichem Klingonen-Video) und nachts ließ ich die Schmerzensschreie meiner jüngeren Schwester ungehört vor einer mit Handtüchern gedämmten Kinderzimmertür verstummen, als ich heimlich den Sharpshooter an ihr übte.
[Dieser Artikel beinhaltet gewalttätige Videos, die dem Inhalt dienen und als Belege fungieren.]
Ja mann, Wrestling war so ziemlich der einzige Sport, den ich als kleiner Knabe mit Vokuhila-Frisur für die Erkenntnis hielt. Das Merchandising machte auch vor mir nicht Halt und so spielte ich bald „WWF – King oft he Ring“ auf meinem Gameboy, welches ich hiermit verlose.
Ende der Neunziger kannte ich sie alle. Die Wrestler, die Moves und die Spacken aus meiner Klasse, die die WCW besser fanden als die WWF (heute: WWE). Vor allem Joe Neise, der miese Typ, an dem ich in einer Hofpause den ersten und letzten Tombstone Piledriver meines Lebens ausprobierte. Das war die Rache für 1996, als er mir bei einem Gerangel den linken Zeigefinger in einer Klassenzimmertür zur Hälfte zerfetzte und abriss. Der Finger konnte wieder repariert werden. Der Piledriver war meine Rache, mann. Nimm das, Joe Neise.
Tatanka, BamBam Bigelow (R.I.P.), Yokozuna (R.I.P.), Lex Luger, Hulk Hogan, Shawn Michaels, Undertaker, Diesel, Razor Ramon, Randy Savage, Bret Hart, Mr. Perfect (R.I.P.), Ric Flair, Sid Vicious, Jeff Jarett und so.
Die heimlichen Helden meiner Kindheit. Bis ich heraus fand, dass das alles nur verdammte Show ist. Diese dreckigen Mistkerle.
Ich habe – und das ist mir vor einer Woche nach einem lange andauernden, furchtbaren Zwischenfall aus meinem engsten Umfeld aufgefallen – nach fast 26 Jahren am Leben sein nie wirklich offen und ehrlich über meine Probleme gesprochen. Auch wenn ich guten Freunden und meinen Partnern versucht habe, ehrlich alles zu erzählen. Irgendwas blieb immer geheim. Ich habe nie verstanden wie das mit dem über seinen Schattenspringen funktioniert. Alles wurde immer irgendwie gut. Und während ich jetzt – nach der nervenaufreibenden Zeit der letzten Wochen – versuche, Dinge anders zu machen, zu lösen und meinen Blick nicht mehr abwende, muss ich morgens manchmal lächeln, obwohl mir noch immer ganz flau im Magen ist. Ich muss lächeln, weil es irgendwie doch nicht so einfach ist, ein paar wichtige Dinge anders zu machen. Das Komische ist, dass sich damit nichts geändert hat: Vieles fällt einem nicht leicht, wenn es um sich selber geht.
Und gerade diese eigentümliche, unspektakuläre Veränderung, die ich gerade in mein Leben einzubauen versuche, ist so ausschlaggebend. Es sieht so aus, als würde wieder alles gut werden. Es bedarf nur einiger Zeit. Und vielleicht ist man erst dann geduldig, wenn man ein Ziel vor Augen hat, dass nicht so langfristig angelegt ist, sodass es einem manchmal wie eine Illusion vorkommt. Das Ziel.
Es ist wirklich schwer, was ich da mit mir versuche. Manche Gedanken und Handlungsabläufe sind einfach schon so lange da, dass es ohne sie kaum noch Sinn macht. Ich versuche keine neuen Ufer zu erreichen. Ich will nur was in meinem Leben anders machen, damit ich nicht wieder so aus den Latschen kippe und liegen bleibe. Weil ich nicht mehr kann.
So unspektakulär kann das Leben sein. Unspektakulär und scheiße schwer. Selbst wenn man es wirklich will und vor Augen hat.