Super Mario Land 1

Veröffentlicht March 16, 2010

Nur damit Jeriko Bescheid weiß.

 
 

Kurzschluss-Projekt

Veröffentlicht March 15, 2010

 
 

Als wir beide waren

Veröffentlicht March 8, 2010

Manchmal müssen wir uns vom Glauben an eine vorbestimmte Konvergenz, zwischen einem selbst und einer anderen Person, verabschieden. Der Zeitpunkt, der so kleine Veränderungen in der Liebe radikal verdreht, aus Plus ein Minus macht und so, der schleicht auf leisen Sohlen. Und schnell ist er auch, denn wenn man sich Hand in Hand gehend schnell umdreht um zu schauen, dass bisher alles okay und cool gewesen war, dann verschwindet dieser Zeitpunkt ratzefatz hinter einem Gebüsch und lacht sich ins Fäustchen: „Tanzt ihr Marionetten, tanzt!“.

Man dreht sich wieder um und ist stolz darauf, dass man von der Glückskeks-Weisheit nicht enttäuscht wurde: Liebe bedeutet nicht, sich gegenseitig mit rosaroter Brille anzuschauen. Es bedeutet in dieselbe Richtung zu blicken. Hand in Hand. Weisheiten, die von Liebe handeln, wurden von einsamen und ungeliebten Menschen geschrieben, die ihre innersten Sehnsüchte aufs Papier bringen mussten. Fickt euch.

[via bferry]

Und so sitzen wir beide wieder einmal beim Chinesen an der Ecke, essen Xiang Cai und Dim Sum, Nr. 27 und 54, zum hundertsten Mal und füllen das Schweigen mit Lächeln und vereinzelten Gedankenfetzen, die nicht zusammenhängen. Zwei Wochen und vier chinesische Gerichte später eröffnest du mir, dass du keine Perspektive mehr in unserer Beziehung siehst, dass du Angst hast, dass das schon alles gewesen sein soll. Wir beide wissen, dass du keine Angst davor hast, sondern dass du das alles schon irreversibel gegenwärtig siehst. „Ich habe Angst vor…“ – das ist der Code. Den habe ich des Öfteren schon gehört und immer war ein paar Atemzüge später Finito mit uns und den gemeinsamen drei oder mehr Jahren, in denen es uns gut ging, auch beim Chinesen an der Ecke.

Für mich ist das besonders schwierig, dieses Intro, weil ich das nicht kann, was so viele machen: Einfach mal testen, ob das mit dem anderen klappt und dann hat man die Freiheit nach ein paar Wochen zu sagen „Uh, das mit uns beiden klappt nicht, wir sind einfach nicht füreinander gemacht“. Bämm. Nach zehn solchen Versuchen ist dann mal Einer oder Eine dabei, mit dem oder der es klappt. Dann kommt der Chinese an der Ecke, Gericht Nr. 27 und 54, und dann hat das auch ein Ende. Nein, ich brauch ein Gefühl, das mir sagt „Das klappt mit derjenigen“, und keine Tests. So bin ich eben. Deswegen habe ich erst drei Beziehungen geführt, jede mehr als drei Jahre, bis das Mindesthaltbarkeitsdatum ablief. Die ganzen Frauen, die dazwischen in meinem Leben oder in meinem Bett waren, da war es entweder Trieb oder verschiedene Vorstellungen von einem „Gemeinsam“. Oder eben Ängste vor Zuständen, für die man sich noch nicht bereit gefühlt hat. Da kann ich dann denken: “Willst du nicht hübsche Kinder mit mir machen?” Nein? Gut, ich auch nicht (mehr). Hach, sind diese Gedanken großartig.

Was mache ich innerlich beim Chinesen und danach, wenn man Hand und Hand nach Hause geht? Ich schaue mich um und wiege mich in Sicherheit. Du bist dann bei mir, auch wenn du innerlich woanders bist, bei deinen „Ängsten“. Dass du bei mir bist finde ich gut und deswegen tue ich so, als könnte es für immer so sein. So im Nachhinein wünschte ich mir, du hättest auch so getan, als ob.

Wenn ich dich dann ein paar Wochen später mit einem anderen Kerl animalisch-anmutender Natur sehe, dann bin ich traurig, weil er dich ein paar Wochen jeden Tag ordentlich ficken wird, dir leere Hüllen von Perspektiven zeigt und dich ahnungslos bestätigt, dass das Aus mit uns richtig war. Das ist mir in der Tat mal so passiert und das beschissene Gefühl, das ich da hatte, war wie das eigene Gehirn in den Regen zu halten. Und ordentlich Tritte in den Bauch.

Du kannst dich auch nicht dafür schämen, dass du auch viele Jahre später noch in meinen Gedanken auftauchst. Das ist wohl normal so. Denn man vergleicht immer und im besten Fall ist es hinterher irgendwie besser – oder treffender: anders.

Ich konnte dir nie sagen, dass ich beim Chinesen bei Essen Nr. 27 damit beschäftigt war, dass mit uns toll zu finden. Ich war froh und glücklich jemanden in meinem Leben zu haben, der verstanden hat, dass es völlig unwichtig ist ein aufregender oder besonderer Mensch zu sein. Jemand kann so „unbesonders“ sein und ist für irgendwen so wichtig. So habe ich das immer gesehen. Das aufregend ist irgendwann immer weg. Immer. Ja, der animalische Typ mit Drei-Tage-bart und dem Riesenpimmel, der ist aufregender für dich als ich nach dem hundertsten chinesischen Essen. Ja, es spielt für dich keine Rolle, ob ich am Tisch auf dich warte – zwar nicht mehr aufgeregt, aber verdammt zufrieden – oder ob du eine neue Welt, einen neuen Mann und neuen Schwanz kennen lernen kannst. Wenn du hier bereits in einer Zwickmühle steckst, dann ist es vorbei. Dafür kannst du nichts. Aber was viel wichtiger ist: Ich auch nicht. Ich hasse die “neuen” Typen, die ersetzen einen ja oft schneller, als es einem lieb ist. Die können nichts dafür, ich weiß. Vielleicht ist es auch nur der Neid, dass die jetzt etwas tun können, das einem ganz allein gehört hat. Das schmerzt.

Und zwischen den ganzen Schmerzen danach und der jahrelangen Reflektion, habe ich viel mitgenommen. Und ich hoffe bei jedem Neuanfang mit jemanden, dass man ein paar Jahre später beim Chinesen dieselben Gedanken hat: „Es ist nicht mehr so aufregend, aber es ist toll, dass da jemand ist, der bleibt, einem zuhört, einem aufrichtig zur Seite steht, einen liebt, einem nicht gleich wegläuft wenn Ängste kommen, ehrlich ist und der bereit ist auch an sich zu denken, einen zwar nicht mehr täglich, aber regelmäßig fickt“.

Hand aufs Herz, das kann nicht nur Theorie sein, das kann auch verdammt echt und erfüllend sein. Und diese Hoffnung, diesen andauernden Kampf, sollte man nicht verlieren, nicht aufgeben und nicht unterschätzen, wenn man am Ende bezahlt.

„Die Rechnung, bitte“, sage ich zu dem lustig dreinblickenden chinesischem Kellner. „Nr. 27… das macht 16,99 Euro“, sagt er. Ich bezahle, puste die Kerze aus, verlasse dieses Mal alleine das Restaurant und halte meine eigene Hand.

 
 

Airen

Veröffentlicht March 7, 2010

Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen Lebensabschnitt dokumentiert hat, für den sich kein Mut der Welt lohnen würde.

Die Tatsache, dass STROBO kein Roman ist, das irreal und exzessiv diskutierte Debütwerk einer zu jungen Autorin jedoch schon, lässt jeden inhaltlichen Vergleich beider Werke völlig absurd erscheinen. ROADKILL ist wahrscheinlich um Klassen besser geschrieben, mit mehr Schmalz und mehr Überlegungen, wie ich mir hab sagen lassen, allerdings ist ein Protokoll wie STROBO nun mal ein Protokoll.

Der Reiz an STROBO war für mich eben genau dieser Aspekt.

Ist das Protokoll lesenswert? Oh mann, ja. Ist es. Während des Lesens der vielen unendlich scheinenden Redundanzen, der stillstehenden Zeit – eher der respektlosen Außerkraftsetzung eines Gefühls dafür, kamen mir im Gedanken an den Zuhälter- und Einsamkeitsbericht DER MINUSMANN von Heinz Sobota, in der am Ende vor allem das einem nagt, das ich eingangs erwähnt habe: Keine Rechtfertigung.

Am Ende von STROBO gibt es ein Nachwort von Bomec, das mich ganz eigenartig berührt hat. Warum, weiß ich einfach nicht.

Ich habe viele Bücher gelesen, die so viel mehr zu sagen hatten, als STROBO. Berichte, die ebenso authentisch wirkten, wie das Techno-Fragment des Airen.

Bücher, die im Regal verstauben und gute, gelesene Bücher bleiben. Mehr nicht. Bücher, die ich Freunden empfehle. Oder Bekannten.

Bücher wie DER MINUSMANN oder STROBO kann ich allerdings nicht einfach so empfehlen.

Sie bleiben in der Erinnerung kleben. Ich fasse sie nur fasziniert und flau im Bauch wieder an. Sie sind das, was ich nicht begreife. Sie machen mir komische Gefühle, Gedanken und stellen gerade wegen der authentischen Nähe eine erbarmungslos laute Distanz zwischen mir und fremden Welten her.

STROBO hat mich irgendwie bezwungen. Letzte Seite, Buch zuklappen und ungesehene Bilder vergessen. Und die Gedanken, ob das alles wahr ist, einfach beiseite schieben. Faszination, Ekel und Lachen. Das, was viele in ihrem Leben benötigen (wollen).

Es ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wir glotzen drauf und sitzen am Ende verwirrt da. Das, was so ein Protokoll beabsichtigt, kann kein Roman dieser Welt. Und das soll er auch nicht.

Umso interessanter wird es ab Ende März 2010, wenn Airens Zweitwerk in mein Bücherregal wandert: I AM AIREN MAN.

Ich bin gespannt. Denn es handelt sich hierbei um einen ebenso wahrscheinlichen Bericht über Wahrheit, Exzess und Subjektivität. Worin in jedem dieser drei Dinge wohl die Fiktion ebenso zuhause ist. Es ist ein Roman. Von einem Schriftsteller. Nicht wie in STROBO, an dem sich jeder Vergleich zerreibt. In dem kein Schriftsteller schreibt, sondern ein Erzähler festhält.

Exzessiv.

(via Deef Pirmasens)

Airen · Kategorien: Berlin Inspiration · 4 Kommentare
 
 

Thanks a lot

Veröffentlicht March 1, 2010

Man wacht auf und hofft darauf, dass alles nur ein Traum war. Ein böser Traum, der sich nicht in die üblichen Sorgen einkettet. Man wacht auf und gibt sich Mühe, „Ohnmacht“ Ohnmacht sein zu lassen. Keine Übelkeit, kein Gewichtsverlust, keine Schlaflosigkeit, keine Gedanken.

Man versucht so weiter zu machen wie bisher und stößt dabei an komische Grenzen. Mit Bauchschmerzen, Sodbrennen, Händezittern.

Man schafft das alles nur, weil um einen herum Menschen sind, die einem helfen oder Hilfe anbieten. Die neben einem liegen und Normalität simulieren. Solange bis das Gehirn wieder mitspielt.

Kopfschmerzen zehren. Und wirklich echte Normalität wird greifbarer.

Ich glaube manchmal, vielen ist nicht bewusst, was es bedeutet, dass es wirklich Menschen gibt, denen was daran liegt, dass es einem gut geht. Dass man weniger weint. Dass man wieder anfängt zu essen, obwohl man nur noch kotzen möchte.

In solchen Momenten bemerke ich all das, was ich vorher nicht so richtig bemerkt habe. Unterstützung, die mir entgegenschlägt und mir Halt gibt.

Ich meine richtigen Halt. Also wirklich ehrliche Gesten, an denen ich mich festhalten kann, weil die Beine nicht mehr hinterherkommen.

Ich weiß nicht, was ich davon habe, wenn ich das schreibe, aber ich will Danke sagen.

Danke Superheldin, danke S, danke Billy T., danke Maxim, danke Max, danke Christian und auch danke Mum und Dad.

Ich bemühe mich Hilfe zuzulassen, was für mich nicht einfach ist, weil ich immer darum bedacht war, alleine zu Recht zu finden.

Ich bin mir sicher, dass an den „Alles wird wieder gut“s irgendwas Wahres dran ist.

Ich gebe mir Mühe, das alles wieder hinzubekommen. Wieder zu lächeln. Und nicht zuzumachen.

Besserung ist absehbar. Habt also Geduld und Nachsehen.

 
 

Durchhalten, mann

Veröffentlicht February 25, 2010

Reden wir doch mal über Ehre. Oder Stolz. Oder über Rechtschaffenheit. Über Ideale. Und vergessen wir mal die ganze Scheiße mit dem Pathos, der an diesen Dingen klebt wie die Mutlosigkeit am Mutlosen.

Nein, vergessen wir diesen Pathos und sprechen einfach mal über Ehre, Stolz, Rechtschaffenheit und Ideale bei Menschen, auf die Tag für Tag gekotzt wird. Da wo Scheiße vom Himmel fällt. Da wo einem permanent unter die Nase gerieben wird, was man vor dir hält.

Und ich spreche nicht über das Leid der dritten Welt. Oder über die Menschen, die irgendwie in das Abflussrohr von Arbeitslosigkeit oder Ungerechtigkeit gesaugt werden.

Ich rede von Menschen, die sich jeden Tag den Arsch für sich und das eigene wichtige Umfeld aufreißen. Menschen, die keine Wahl haben. Menschen, die man in Romanen beschreibt, über die sich das Elend der ganzen Zivilisationsschattenseite ergießt. Für die es manchmal am Ende ein kleines Happy-End gibt, weil sie sich wirklich bemüht haben, aus der ganzen Scheiße einen Weg ans Tageslicht zurückzufinden.

Menschen, die jeden Tag aufstehen, mit einem unschuldigen und vergesslichen Lächeln im Gesicht, bereit einen weiteren Tag voller Demütigung und Ungerechtigkeit serviert zu bekommen. Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Menschen, die aus einfachen Verhältnissen kommen und das Glück haben, ihr Gehirn mit einem bisschen Fleiß zu was brauchbaren, ja, zu etwas besonderem zu machen. Weil sie sich selbst mit vorgehaltener Pistole einfach weigern, alles hinzuschmeißen, aufzugeben und sich um Abflussrohr der Ungerechtigkeit beerdigen zu lassen, lange Zeit bevor das Herz aussetzt.

Leute, die gerade, weil sie nie die Unbeschwertheit, Unabhängigkeit und Leichtheit kennen gelernt haben, die jedem rechtschaffenden Menschen zustehen sollte.

Leute, die die meiste Zeit des Tages damit konfrontiert werden, dass sie Nullnummern sind, obwohl sie eher die Hölle zufrieren sehen lassen würden, ehe sie gewillt sind Niederlagen zu schlucken, obwohl sie auf der Gewinnerseite stehen müssten. Ich spreche von Menschen, die eigentlich keinen Grund im Leben finden sollten, morgens nicht deprimiert aufzustehen, weil vor ihnen viele Stunden des gnadenlosen und niederträchtigen Arschficks stehen. Sie stehen auf und sehen aus, als wären sie die ganze Nacht zu Cunnilingus mit Rosanne Conner gezwungen worden.

Sie greifen nicht zu den Erträglichmachern unserer Zeit, den Drogen, obwohl die Aussichten über die Stufe 1 der Maslov-Pyramide in naher Zukunft für sie ein unerreichbares Ziel bleiben wird.

Sie sind in der Lage ins Scheinwerferlicht gestellt zu werden und von allen Seiten angepisst und angespuckt zu werden, und dennoch ihren Kopf wieder hochzunehmen, wenn sich die größten Wichser gelangweilt einer interessanteren Sache zuwenden und auf was anderes lachend mit dem Finger zeigen.

Sie putzen sich die Zähne, Abend für Abend, um den Geschmack von bitterem Ejakulat aus der Erinnerung – und sei es nur für ein paar friedliche Stunden – zu putzen. Sie weinen manchmal nachts, sind verdammt noch mal erschöpft. Es sind Menschen. Aber sie stehen wieder auf. Jeden verdammten Morgen.

Ihr Schicksal ist es, nicht zu verbluten. Und sie kämpfen um jedes bisschen Anerkennung und Freiheit.

Diese Menschen haben wahre Freunde. Die einen kriegen es mit, die anderen nicht. Sie verlieren sich in Liebe, in Menschen, die es gut mit ihnen meinen. Sie verlieren sich in Fantasie und finden Wege, sich nicht in Zorn oder Wut zu verlieren. Sie sind nicht zynisch. Sie geben nicht an.

Und sie blicken jeden Tag in den Spiegel, erblicken die müden Augen, die vielen Spuren der ganzen Scheiße, die sich als hässliche Maske in das Fleisch darbt. Sie verschwenden keine Minute daran, all die Versuche des Brechens zu akzeptieren. Sie verdrängen nicht, sind keine Helden in einer Welt, in der jeder nach der Weltherrschaft grabscht, als wären es pralle Titten feuchter Seelen, die sich bücken oder die Beine breit machen.

Nein, mann.

Sie setzen sich mit ihren Problemen auseinander. Die Prügel stecken sie wahllos ein. Sie lächeln. Und halten durch. Sie beneiden Menschen, die leichter leben können. Ein Leben zu dem sie keinen Zugang finden, weil ihnen die Tür zu einer Welt vor der Nase zugeschlagen wird, in der es besser sein könnte.

Sie nehmen keine Rache später an denen, die in ähnlichen Situationen stecken. Auch wenn man plötzlich auf der anderen Seite des Schreibtisches sitzt. Sie haben ihr Leben in der Hoffnung verbracht und geduldig gewartet, dass es besser wird. Sie wünschen sich nichts sehnlicher als Fairness.

So wie sie andere behandeln. Weil sie immer da sind, wenn sie da sind. Selbst wenn es für einen aussichtslos aussieht. Das sind Menschen, die man in einer Schlägerei neben sich haben will.

Diese Menschen sind ehrenhaft, idealistisch, wahrlich stolz und rechtschaffend.

Erfolglos und gut.

Die, die genau wissen wie Macht von unten aussieht und dennoch nicht durchdehen.

Traurig. Aber nicht einsam. Ihre Währung ist all das, was man ihnen gibt. Wenn der Tag voller Scheiße und Ungerechtigkeit vorbei ist, dann erhalten sie im besten Fall Wärme von Menschen. Von den richtigen Menschen. Sie geben sich damit zufrieden und denken nicht daran, dass das nicht ausreicht um durchzuhalten. Sie finden einen bizarren Weg um glücklich zu sein.

Und ich bin mir nicht sicher, ob sie all das Wenige eintauschen würden, wenn man ihnen die Tür zu einem vermeidlich besseren Leben aufmacht. Es hat sie immerhin vor dem Durchdrehen bewahrt. Und das ist verdammt noch mal unbezahlbar.

 
 

Carter sagt

Veröffentlicht January 31, 2010

Im Großen und Ganzen ist es unmöglich in das hineinzusehen, was ich manchmal für so selbstverständlich halte. Irgendwas passiert und ich denke mir, dass es eigentlich gar nicht so schwer sein kann, auf Dinge irgendwie zu reagieren. Ehrlichmachen. Habe ich mir einreden wollen, alles sei schaffbar, wenn man nur vorher drüber nachgedacht hat oder ist es eigentlich so, dass man sich einredet, auch unbeholfen durch Situationen zu schlittern, für die man doch niemals wirklich eine Antwort hat? Tja, so verwirrend die Dinge des Lebens manchmal sind, die Wahrheit steckt doch stets im Schatten einiger Dinge, die wir uns selber weismachen. Frage ich doch die Heldin oder Ally. Und warte einfach nur darauf, was Carter sagt:

[Bild via Pasqualle]

1. Ich bin ein Frühlingsbaby. 2. Ich habe alle Milchzähne gesammelt, mit denen ich die Unschuld schlafloser Poeten zermalmt habe. 3. Ich bin ein Pirat. Ich gehe unter und zelebriere meinen Verfall. Laut. 4. Ich möchte der Fleischeslust folgen und Psalme in die leuchtenden Rapsfelder hinausbrüllen. Ich will die Liebe verprügeln, auf sie eindreschen, sie von innen aussaugen wie ein frisches stöhnendes Honignest und danach meine klebrigen Finger lecken und die leere Hülle wegwerfen. 5. Ich komme aus dem Wald, wo Krähen schwarze Blüten begatten und der Himmel durch die messerscharfen Tannen auf mein müdes Gesicht hinuntersickert. 6. Ich habe Raskolnikow das Beil in die Hand gelegt. 7. Ich habe Villon das fieber eingehaucht. 8. ich bin eine Kanalratte. Regenwasser berauscht mein Gemüt und Dreck stillt meinen Hunger. 9. Ich habe zehn Zeigefinger. Alle richtungsweisend. 10. Ich glotze skeptisch in fremde Mäuler (und manchmal speie ich hinein). 11. Tagsüber habe ich orangene Haut und Zunge. Nachts färbt sich der Mond blau. 12. Ich fresse Gift und lebe davon länger. 13. Ich habe zu Wänden gebetet. Dann meinen Kopf daran aufgeschlagen. Jetzt ist alles eine Ruine und der stille Himmel wiegt mein Haupt. 14. Ich rauche Stummel vom Boden und trete in lauwarme Spuren. Und lauwarme Spuren treten in meine Füße. Es ist dann als würde sich mein Kopf mit fremden Blut füllen. 15. Lärm und Kirschwasser sättigen meine Nervenfasern. Sie laufen davon rot an. 16. “.” 17. Und ich frage die Anderen: Narziss, wo ist die Liebe hin?

 
 

Monster DeLorean

Veröffentlicht January 22, 2010

Ich will nicht sagen Oh mein Gott, deswegen sage ich einfach nur: Mann.

[via SkullSwap]

 
 

FEATURING: Stichwort Elite

Veröffentlicht January 21, 2010

Featuring: (Blog’s Not Dead) ist eine Sammelbox der Perlen aus dem Web. Wir dachten, sie wären tot, vom Bloggersterben befallen, aber sie sind hier, sie sind unter uns, man muss nur die Augen offen halten. Und so halten wir ständig Ausschau nach dem, was uns am Schreiben hält, und laden Blogger ein, zu unserer Schatzkiste beizusteuern…

Gastautorin: Hannah – a Headwork.

Irgendwann erreicht man diese Phase im Leben, die – ich will nicht sagen, dass sie das Ende der Kindheit markiert, aber irgendeinen wichtigen Punkt markiert sie dann doch – auf jeden Fall ist es die Phase, in der die Gesellschaft auf einmal Meinungen fordert. Die Gesellschaft ist natürlich einfach nur durch den kleinen Kreis symbolisiert, den man sein Leben nennt: Schulfreunde, Lehrer, Freunde, Eltern. Und alle fordern sie auf einmal Meinungen. Und irgendwie auch immer dieselben. Als gäbe es eine Themenschablone, die den Menschen irgendwann – wenn sie erwachsen genug sind, um selbst Meinungen zu fordern und nicht mehr klein genug, um sie noch bilden zu müssen – ausgehändigt wird und eine Übersicht darüber enthält, wozu man Meinungen haben muss. Ist irgendwie voll egal, in welche Gesellschaftsschichten man guckt oder in welchem Jahrzehnt man das Ganze untersucht – gefragt sind Meinungen zu den Themen: Individualismus, Nationalsozialismus/Hitler und Eliten. Gibt natürlich dann noch andere Dinge, nach denen gefragt wird, aber das sind so die Hauptthemen meiner “Jugend” gewesen, zu denen ich oberflächliche Meinungskonstrukte gebildet habe, die eigentlich nur das wiederspiegeln, was andere mir vorgekaut haben oder ich mir irgendwo zusammengesucht habe. Individualismus ist gut, Nationalsozialismus ist schlecht, Hitler war ein Mörder und Eliten sind abgehobene Snobs, die die Gesellschaft dominieren und mich zu einem Nichts machen wollen, obwohl sie mich gar nicht kennen. Aber um euch genau diese Allgemeinplätze zu verschweigen (ihr überlest die vorherigen Zeilen also bitte), habe ich grade bei wissen.de geguckt, was das Wort “Elite” eigentlich bedeutet. Bin kein Stück weiter gekommen, aber immerhin hab ich kurz so getan, als würd ich recherchieren. Auslese, die Besten steht da nämlich. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei “Auslese” ersteinmal an Kaffee dachte. Das aber nur am Rande. Danach dacht ich nämlich schon viel intelligenter: Auslese bedeutet doch, dass irgendwer oder irgendwas .. ausliest. Selektiert. Entscheidet, wer besser ist als X bzw. wer schlechter ist als Y. Wer macht das denn?

So ganz pauschal gesprochen könnte man jetzt sowas sagen wie: Gott entscheidet, wer wie wird. Aber dann würde man ja ins religiöse abdriften und außerdem .. Gott liebt uns doch alle, er würde doch nicht sagen, dass jemand besser ist als der andere. Also trifft hier jemand anders die Entscheidungen. Politiker können es nicht sein – die meisten haben ihren Glauben in die bunten Schweinchen da oben auf der Kanzel eh längst verloren und wenn Frau Merkel mir sagen würde, dass meine Nachbarin besser ist als ich und deshalb zur Elite gehört, dann würde ich sie müde belächeln und drauf scheißen. Entschuldigen Sie, werte Kanzlerin. Ich wähle Sie bestimmt, sollte ich je meinen Glauben in Politik zurückgewinnen und mich dazu aufraffen, wählen zu gehen – immerhin sind Sie genauso scheiße/gut wie alle anderen, die sich zur Wahl stellen. Sie werden ohnehin nie etwas ändern, von dem ich etwas mitkriege, obwohl Sie ja bestimmt zur Elite gehören. Da stehen Sie, hoch oben irgendwo im Bundestag, der Adler thront gebieterisch über ihrem schlecht frisierten Köpfchen und Sie erzählen mir was über EU-politische Maßnahmen, Haushaltskürzungen und Kindergelder, während ich hier unten in meiner kleinen Wohnung hocke, mir Sorgen mache, ob meine Miete rechtzeitig gezahlt wird und so wirklich rein gar nichts mit der EU zu schaffen habe. Aber Sie sind die Elite, Sie wissen schon, was mich interessiert, sonst würden Sie sich ja nicht die Mühe machen, sich von ihren kleinen Reden-Schreib-Dackeln irgendwas zusammenkleistern zu lassen, was Sie dann voller Inbrunst – sofern man bei Ihnen von so etwas sprechen kann – verlesen, kurz Ihr kleines Fäustchen schütteln, um anschließend wieder in den Atombunkern unterm Bundestag zu verschwinden, wo Sie dann – zusammen mit anderen Eliten-Menschen – vor dem drohenden Unheil geschützt sind.

Genug -chenisiert, über Adler und Fäustchen geschwafelt und an Kaffee gedacht. Eigentlich geht es hier um Eliten und ich weiß noch immer nicht, was das sein soll. Ich glaub ja eigentlich, dass jemand nur dann zur Elite gehören kann, wenn die Nicht-Elite daran glaubt, dass es so ist. Vielleicht ist das mein Problem. Irgendwann mit 15 hab ich mich dafür entschieden, dass ich Lenin und Marx ganz unglaublich cool finden will – war halt grade IN. Heute – mit 22 – hab ich mich dazu entschieden, dass ich niemanden mehr cool finde und mir Lenin und Marx genauso schnurz sind, wie Mao und Stalin. Trotzdem ist das kommunistische Gedankengut – haha, hört sich das nicht geil, intelligent und hochtrabend an? – irgendwie in meinem Kopf verankert geblieben, weil, sorry, mir der Grundgedanke gefällt. Der Gedanke, dass alle Menschen gleich sind, dass es keine Unterschiede, keine Klassen, keine Schichten und eben auch keine Eliten gibt. Du bist nicht mehr oder weniger wert als ich. Du bist auch nicht mehr oder weniger wert als jeder andere. Und deswegen würde ich alles für dich tun, was ich auch für mich tun würde. Leute nennen das hilfsbereit und wundern sich darüber, warum ich mich für andere aufopfere. Tu ich gar nicht. Ich behandel euch einfach nur so, wie ich mich behandel und wenn ich scheiße zu euch bin und euch mit meiner Meinung verletze: Macht euch keine Sorgen, so behandel ich mich selbst auch. Gehört aber nicht zum Thema. Worauf ich hinaus will: Ich hab keine Meinung zu Eliten. Ich weiß nichts mit dem Begriff anzufangen, weil es Niemanden gibt, der über mir steht. Es gibt auch niemanden, der unter mir steht. Wir stehen hier alle auf weiter Flur, auf einer Höhe, blicken ins Tal und sehen Blut fließen, jawoll.

Worauf ich hinaus will: Irgendwer “da oben” entscheidet darüber, elitär zu sein bzw. darüber, wer es nicht ist. Es machte nicht Plopp und die Elite ward geboren. Es machte Platsch und irgendein Idiot legte sich auf die Fresse, wobei ihm der Gedanke kam, er könne sich doch auch mal über andere erheben, statt ständig im Dreck zu landen. Er war nur irgendwer, der ein Jemand sein wollte und jetzt haben wir den Salat, kämpfen uns durch soziale Erfahrungen, die uns lehren, dass wir nicht immer gewinnen können, weil es Menschen gibt, die elitär sind, die von vorne herein dazu geboren wurden, etwas zu sein, während wir – die dumme, kleine Masse – es uns erkämpfen müssen.

ichgehschlafen. Ja, ich finde euch scheiße. Ihr mich. Wir uns. Maximal hat man ohnehin 3 beste Freunde, die einen nach der Schulzeit verlassen und sich in fremde Städte verpissen. „Ich muss Karriere machen“. Musst du nicht, halt inne, denk nach: Musst du ernsthaft nicht. Aber tun wir mal alle so als ob doch, es ist ja gut. Kein Geld ist die beste Ausrede für mehr Eigenbrödlertum. Meinetwegen, geh, schau dir die Welt an! Aber glaub mir: Ob hier, ob dort. Scheiße bleibt dein Grundwortschatz.

In der Zwischenzeit pendle ich hin und her zwischen Kollegen, Feierabendbieren, Freundschaft über Facebook und Nachtleben. Ein Bastardleben zwischen Weiterentwicklung & Betäubung. Bloß nicht zu viel mitbekommen, bloß nicht zu wenig Fortschritt. Außerdem: In deinen Stammkneipen und Stammclubs sind Leute, die du potenziell geil finden könntest. Sonst wärst du nicht dort. Es ist nicht die Musik, es sind die Leute. Darum auch kein Dorfdiscobesuch. Selbst wenn Daft Punk dort auftritt. Für Umme. Du gehst nicht hin. Und falls doch, dann als “Besserer”.

Warum bricht man eigentlich nicht in lauthalses Lachen aus? Schließlich befindet sich die (wahre) Liebe wirklich immer in deiner Stadt und in den meisten Fällen sogar noch in deinem Freundeskreis. 80 Millionen Glückspilze. Aber wer hat schon noch Freundeskreise? Dann lieber Elite-Partner. Ist ja auch bloß ein heimliches Eingeständnis. Bloß nicht am Konzept Liebe zweifeln. Oder an deinen Clubs. Gleichgesinnte treffen Gleichgesinnte. Aber selbst da: Parzellen! Der und der, cool, der und der, scheiße. Ein gesamtes System auf Abneigung als Ablenkungsmanöver. Man bleibt unter sich. Die Elite reproduziert sich selbst. Das Prekariat macht freudig mit. Wir fingen an mit Individualismus und fanden unser Heil in Zielgruppen. Hedonisten. Aber: Wir bräuchten keine Staatsgrenzen, so sehr wie wir uns nicht in Clubs reinlassen. Der Unterschied zwischen Türstehern und Gatekeepern liegt nicht im Übersetzungsproblem. Jeder hat sein Label zu tragen. Eine Konstante: “Es liegt an den anderen”. Womöglich zurecht, schließlich sind sie ja nicht umsonst die Hölle. Sartres geschlossene Gesellschaft. Ein Mosaik bestehend aus 10.000 hermetisch abgeriegelten Stückchen.

Darum grinst du auch so bescheuert, wenn du alleine auf der Straße unterwegs bist und auf unebenem Asphalt beinahe auf die Fresse fliegst und dein Gleichgewicht nur halten kannst, wenn du zwei Schritte joggst. Dann Grinsen. Könnte ja jemand gesehen haben und wie uncool, wenn du dann nicht über dich selbst lachen kannst. Damit würdest du ihm/ihr, dem Unbekannten, der absoluten Hölle, Grund für einen Lacher Schadenfreude bieten. Also lieber Grinsen. Das Nichts hat die schärfsten Augen.

Der Rest liegt sich in volltrunkenen Armen, Grobmotoriker-Patrioten. Aber nur dann, wenn man endlich auch stolz sein darf. Einmal alle vier Jahre. Schaltjahr-Patrioten. Alle sehnen sich danach, aber die Mundwinkel geben in der Zwischenzeit hilflos der Schwerkraft nach und da bringt es auch nichts, mal zur Abwechslung kein Buch zu lesen und frohen Mutes in die Runde zu schauen. Die Tristesse blickt lieblos zurück. Man kennt sich nicht, man braucht den Abstand, man braucht einen Grund, morgens aufstehen und sei es nur, um sich zu bestätigen, dass Gott uns verarscht hat: Die Hölle ist auf Erden.

Alltag auf Armlänge. Der Tod der Subkultur, vernichtet durch die Vorurteile des amorphen “Wir”. Kein Platz für Analyse bei Geschwindigkeitskontrollen. Nur, dass es jetzt eine Mindestgeschwindigkeit ist, die nicht mehr unterschritten werden darf. Da müssen Kategorien her. Ghetto + “Konkret”, “68″ + “Zecke”, “Mann” + “Anti-Emannzipation”. Ein kurzer Lacher für Wortspiele. Jeder mag die Bild. Jeder hat einen Feind. Denselben. Andersartigkeit. Irgendwann nur noch Normalität. Alle, normal. Gleich in unserem Ungleichsein, das auf Indifferenz basiert. Endlich Dystopie. Unsere Insel der Normalität, die uns währenddessen unter den Füßen wegklimakatastrophiert wird. Am Ende haben wir dann schließlich unseren Standpunkt. Und mit dem ersaufen wir. Das letzte was aus dem Wasser lugt, ist der Fickfinger. Scheiß-Eliten.

 
 

Bei allem, was man ist (2)

Veröffentlicht January 15, 2010

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

[Photo: Dethjunkie]

Weil mir das Thema momentan sehr am Herzen liegt und ich weiß, dass ich nicht der einzige Mensch bin dem es so geht, möchte ich einen Kommentar von gestern, den Björn verfasst hat noch mal seperat posten. Um darauf hinzuweisen, wie schwer ein Mittelweg ist, welche Schwierigkeiten es in sich birgt nach diesem zu suchen und dass es nicht immer sicher ist, ob es überhaupt möglich sein kann, diesen zu finden. Ich bedanke mich bei Björn für diesen (für mich) wirklich sehr wertvollen Kommentar, ich kann ihn in allen Punkten nachvollziehen und nachempfinden:

“[...] Problematisch an dem Ganzen ist, für mich, dass einen weder das eine noch das andere wirklich erfüllt.

Ich habe auch einen Job der oft lange geht, in letzter Zeit hatte ich unter der Woche kaum Zeit für mich. Allerdings merke ich wie das an mir nagt. In Wochen in denen ich von morgens ab 9 bis abends um 24 Uhr unterwegs bin kommt es mir vor als hätte ich diese Woche gar nicht gelebt, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Das liegt daran, wie wohl auch bei dir, dass ich ein Mensch bin der Zeit für sich braucht um bewusst zu leben, um zu sein, zum nachdenken, lesen, Musik hören, whatever. Manche Menschen brauchen das, andere nicht. Gerade im Zusammenspiel mit Verantwortung bei der Arbeit kommt es dazum Konflikt. Verantwortung nimmt man immer auch mit nach Hause. Wäre ich Fabrikarbeiter könnte ich die Abende wohl verbringen ohne an den nächsten Tag zu denken, so aber muss ich mir zwangsweise Gedanken darum machen. Muss immer bereit sein zu reagieren. Bin ich mit Freunden unterwegs und habe Spaß bin ich in einer ganz anderen Rolle, es ist schön, aber dennoch, die Zeit für mich brauche ich um mir meines Lebens bewusst zu werden. Was bleibt also übrig? Nein sagen lernen, ganz klar. Trotzdem, wirklich gut fühlt man sich dabei nicht, egal in welcher Art man jetzt den Kontakt zu bestimmten Menschen reduziert. Irgendwo bleibt immer dieser bittere Beigeschmack, dieses Gefühl man würde etwas falsch machen, wenn man Menschen die man mag, und die einen mögen, einfach nein sagt. Genaugenommen will ich das ja auch gar nicht, denn das ist auch ein Teil von mir, ein Teil den ich nicht missen will. Anfangs habe ich versucht, und versuche es teilweise immernoch, die Zeit auf der Arbeit zu reduzieren und Verantwortung abzugeben. Zur Arbeit nein zu sagen. Dass das dem Wunsch nach einer aufstrebenden Karriere im Weg steht ist aber wieder ein Punkt der einen nicht wirklich damit zufrieden sein lässt. Zu wissen man könnte, hätte man nur mehr Zeit. Innerlich frisst einen das alles auf. Der Weg den ich in diesem Dilemma seit einer Woche eingeschlagen habe ist leider auch keine Lösung. Nein sagen konnte ich noch nie gut, zu nichts, und das wird mir zum Verhängnis. Deswegen bleibe ich lange bei der Arbeit, und lasse mich danach von Freunden noch zum Weggehen überreden. Die Zeit die ich für mich brauche nehme ich mir momentan danach, was bedeutet dass ich seit vier Tagen von morgens bis abends arbeite, von abends bis nachts Kontakte pflege (wie eben per Skype), und von nachts bis morgens die Dinge tue die mich ich sein lassen. Das Ergebnis sind dabei maximal 3 Stunden schlaf pro Nacht, was mich körperlich einfach unglaublich runterzieht (vor allem da ich normalerweise jemand bin der viel Schlaf braucht), und was sicherlich nicht mehr lange gut geht, und was im Endeffekt auch ziemlich negative Auswirkungen auf die Dinge hat die ich dann tue. Das nein sagen, das konnte ich noch nie, es ist ein ständiger Kampf. Vielleicht helfen feste, kürzere und dafür konzentrierte Zeiten. Keine Ahnung. Nicht alles nehmen was man mir geben will, genau das, wäre es nur nicht so verdammt schwer, denn meistens verzichtet man dabei ja auf Dinge die ansich nichts schlechtes sind. Nein sagen zu Gutem, was kann es schwereres geben? Schlimm dabei ist auch, dass ich bei in meiner jetzigen Situation, in der ich versuche mit biegen und brechen alles in die vorhandene Zeit hineinzuquetschen was geht, und in der ich versuche die vorhandene Zeit so weit wie möglich auszudehnen, viele wichtige, aber nicht ganz so freudige Dinge, links liegen lasse. Das fängt mit dem Aufräumen des Zimmers an und endet mit den Bewerbungen die geschrieben werden wollen. Ein einziges großes Dilemma, aus dem man sich langsam herausarbeiten muss. Was ist das sonst für ein Leben, in dem man sich sogar beim Wichsen beeilen muss? Tschah…”

Mann.

 
 
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