Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen Lebensabschnitt dokumentiert hat, für den sich kein Mut der Welt lohnen würde.
Die Tatsache, dass STROBO kein Roman ist, das irreal und exzessiv diskutierte Debütwerk einer zu jungen Autorin jedoch schon, lässt jeden inhaltlichen Vergleich beider Werke völlig absurd erscheinen. ROADKILL ist wahrscheinlich um Klassen besser geschrieben, mit mehr Schmalz und mehr Überlegungen, wie ich mir hab sagen lassen, allerdings ist ein Protokoll wie STROBO nun mal ein Protokoll.
Der Reiz an STROBO war für mich eben genau dieser Aspekt.
Ist das Protokoll lesenswert? Oh mann, ja. Ist es. Während des Lesens der vielen unendlich scheinenden Redundanzen, der stillstehenden Zeit – eher der respektlosen Außerkraftsetzung eines Gefühls dafür, kamen mir im Gedanken an den Zuhälter- und Einsamkeitsbericht DER MINUSMANN von Heinz Sobota, in der am Ende vor allem das einem nagt, das ich eingangs erwähnt habe: Keine Rechtfertigung.
Am Ende von STROBO gibt es ein Nachwort von Bomec, das mich ganz eigenartig berührt hat. Warum, weiß ich einfach nicht.
Ich habe viele Bücher gelesen, die so viel mehr zu sagen hatten, als STROBO. Berichte, die ebenso authentisch wirkten, wie das Techno-Fragment des Airen.
Bücher, die im Regal verstauben und gute, gelesene Bücher bleiben. Mehr nicht. Bücher, die ich Freunden empfehle. Oder Bekannten.
Bücher wie DER MINUSMANN oder STROBO kann ich allerdings nicht einfach so empfehlen.
Sie bleiben in der Erinnerung kleben. Ich fasse sie nur fasziniert und flau im Bauch wieder an. Sie sind das, was ich nicht begreife. Sie machen mir komische Gefühle, Gedanken und stellen gerade wegen der authentischen Nähe eine erbarmungslos laute Distanz zwischen mir und fremden Welten her.
STROBO hat mich irgendwie bezwungen. Letzte Seite, Buch zuklappen und ungesehene Bilder vergessen. Und die Gedanken, ob das alles wahr ist, einfach beiseite schieben. Faszination, Ekel und Lachen. Das, was viele in ihrem Leben benötigen (wollen).
Es ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wir glotzen drauf und sitzen am Ende verwirrt da. Das, was so ein Protokoll beabsichtigt, kann kein Roman dieser Welt. Und das soll er auch nicht.
Umso interessanter wird es ab Ende März 2010, wenn Airens Zweitwerk in mein Bücherregal wandert: I AM AIREN MAN.
Ich bin gespannt. Denn es handelt sich hierbei um einen ebenso wahrscheinlichen Bericht über Wahrheit, Exzess und Subjektivität. Worin in jedem dieser drei Dinge wohl die Fiktion ebenso zuhause ist. Es ist ein Roman. Von einem Schriftsteller. Nicht wie in STROBO, an dem sich jeder Vergleich zerreibt. In dem kein Schriftsteller schreibt, sondern ein Erzähler festhält.
Exzessiv.
(via Deef Pirmasens)
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Comments ( 4 )
bin gespannt darauf; im grunde eher auch mit angst besetzt, weil strobo so war wie es ist. beim roadkill muss ich sagen, dass es leer war, vielleicht leer sein wollte, leider zu tode gehypt von metawichsern, eine hype-leere der jugend, wie’s heißt…
beide, sowohl strobo als auch axolotl roadkill sind protokolle, meiner meinung nach; während das eine jetzt nur die aufmerksamkeit durch das andre bekommt, (wobei mir die plagiatsfälle zwar aufgefallen sind, mich im weiteren verlauf aber n scheiß interessiert haben), & gelesen wird wie man ne line zieht, – schnell, – wird das andre eben benutzt, um wind zu machen. letzten endes funktionieren beide, auf ihre weise.
auf der strobo-lesung von deef hatte ich das gefühl schon ein drittel gehört zu haben – leider hat die lesung eher erlebnisbericht-flair, weniger unnahbares-protokoll-flair. ich glaub jetz kauf ichs doch.
über axolotl roadkill schreib ich jetz einfach mal: ___.
@morbus
ich weiß nicht, ob roadkill ein protokoll ist? soll es das sein? wenn ja, dann ein fiktiv-protokoll? ein roman eben. ich meinte mit protokoll eher: beobachten und notieren. dinge passieren und dann denkt man darüber und schreibt es vielleicht auf, wenn man sich noch erinnern kann. oder: ich denke mir was aus, schreibe es (teilweise ein bisschen ab) und voilà. letzteres ist halt nicht so wirklich protollarisch, für meine begriffe.
das mit dem plagiatismus hat mich auch nicht so sonderlich beeindruckt. lediglich die diskussion, ob ein remixverständnis was in ERFOLGREICHER literatur zu suchen hat, empfand ich als diskussionswürdig.
@Thomas Christopher: in diesem zusammenhang verstehe ich nicht die differenzierung zwischen “erlebnisbericht” und “protokoll”.
ich setze diese begriffe in diesem Zusammenahng gleich.
und wie meinst du das, dass du du ein drittel gehört hast auf der lesung von deef?
hat helene etwa mehr abgeschrieben aus strobo, als bereits bekannt :D?



