Das ist Felix Römer. Wenn es nichts mehr zu sagen gibt, dann muss man still sein, verkneifen, was im Kopf rumort. Oder in der Pumpe. Schweigen, wenn das Widerwort wider willen Befreiung sucht.
Bitte hört ihm gut zu, denn es gibt nichts mehr dazu zu sagen:
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Comments ( 24 )
Ich hab ihn vor eineinhalb Jahren in ganz kleiner Runde live erlebt. Er ist sowas von großartig!!!! Ich steh auf ihn :)
@Franzi: Cool. Ich habe ihn letztes Jahr auf den Berliner Statdmeisterschaften im Poetry Slam gesehen und war da schon ziemlich, naja, beeindruckt von seinen Skills.
Ziemlich gut. Passt zum gerade ausgelesenen “Draußen vor der Tür” von Wolfgang Borchert. Ein Heimkehrerdrama.
Und jetzt: mal gucken, ob ich heute der Addition mächtig bin.
vor einiger zeit hatte ich das felix römer vid auch auf meinem blog. zu der zeit habe ich es fast täglich gehört =(
naja,
ich würde das jetzt nicht so in den himmel loben, rein ‘literarisch’ durchaus ansprechend aber inhaltlich find ich es stellenweise eher grenzwertig
nun ja, das obliegt ja im auge des betrachters oder im ohre des zuhörers. geschmack und so.
meine Kritik ist da eher eine, bei aller subjektivität, die die relationen dessen kritisieren würde, was da historisch verarbeitet wird und wie
da wird meines erachtens etwas verarbeitet, aber ob es im verständlichen sinne historisch ist, bezweifle ich mit meinem kleinen geist, der in diesem text lediglich die zu papier gebrachte emotionen berauscht.
auch wenn ich nicht so genau weiß, was du mit “im verständlichen sinne historisch” meinst, würde ich den begriff des verarbeitens als solchen, dennoch etwas kritischer betrachten…
es ‘verarbeitet’ ja die erfahrungen seines großvaters, da dort ohnehin nocheinmal eine persönliche (also des rezipienten selbst) komponente hinzukommt, finde ich das fast noch… öhm ekelhafter(?)…und wie gesagt… das fesselnde des vortrages kann ich gut nachvollziehen, er arbeitet aber eben auch mit so Dingen, die ich eben in der Art und Weise wie er sie nutzt fragwürdig finde…
was natürlich jetzt keineswegs heißen soll, dass ich irgendjemandem abspreche, das ganze ansprechend zu finden oder solche erfahrungen gemacht zu haben…
natürlich ekelhaft. dennoch ein berührendes statement. bei aller kritischer distanz.
welche dinge empfindest du in diesem kontext als fragwürdig?
Finde das von den Relationen (Relativierung, Gleichsetzung, industrieller Massenmord vs ‘”alltägl.” Kriegsverbrechen’ … ) einfach doof (und der Begriff trifft es glaube ich für mich persönlich sehr gut)… bzw. das ist es, was mir al allererstes übel aufgestoßen ist, habe das bisher auch garnicht weiter reflektiert, waren und sind halt meine 1. gedanken gewesen, als ich es gehört habe
Wem will er vergeben? Und wenn er es gelernt hat, wer hat ihm -wenn- vergeben? was kann/darf/soll er sich verzeihen? Wer wird hier wie idealisiert dargestellt? ….
?
ud es steht halt auch kontextlos da, oder fast;
“Bitte hört ihm gut zu, denn es gibt nichts mehr dazu zu sagen” ist ja das was dem Video vornasteht, und erhebt ja durchaus einen wahrheitsanspruch
@Hausschuh:
“ud es steht halt auch kontextlos da, oder fast;
“Bitte hört ihm gut zu, denn es gibt nichts mehr dazu zu sagen” ist ja das was dem Video vornasteht, und erhebt ja durchaus einen wahrheitsanspruch”dein einwand ist durchaus nachvollziehbar. allerdings ist diese kurze statement, das vor dem video steht keineswegs auf wahrheitsanspruch geeicht. keiner der texte hier ist das. wir sind kein wissenschaftliches magazin, arbeiten auch keineswegs professionell.
“Bitte hört ihm gut zu, denn es gibt nichts mehr dazu zu sagen…” ist viel mehr ein kloß im hals. ich bezweifle stark, dass wir leser haben, die sich von einer derartigen situation als soldat ein bild machen können. das mindert den schrecken jedoch nicht.
@Hausschuh:
diese relationen wurden in dem text auch nicht wirklich berücksichtigt. es handelt sich um einen soldaten aus dem 2. weltkrieg, aus deutscher sicht, der in russland war. er hat überlebt und liegt auf dem sterbebett.
felix römer gibt einen text wieder, den er selber geschrieben hat. was auch immer sei urgroßvater ihm wirklich erzählt hat, ist für die aussagekraft des textes nicht relevant. finde ich. diese relationen von denen du sprichst, sollte man von der deutschen vergangenehit eventuell auch abgrenzen können. spricht hier vielleicht in erster linie ein soldat und kein deutscher wehrmachtssoldat. ein soldat, der aus der not heraus schlimme dinge getan und gesehen hat, und dessen krieg nie wirklich ein ende hatte.viele soldaten sind nach hause gekommen und fanden ein verwüstetes zuahuse vor. viele mussten sofort damit beginnen, alles wieder aufzubauen im neuen frieden. viele hatten deswegen nie wirklich zeit, in sich selber aufzuräumen.
das ist ein soldaten-phänomen. schrecken des kriegens, der auch an kombatanten nicht spurlos vorübergeht.
so habe ich es empfunden. kann allerdings auch nachvollziehen, wenn man das anders empfindet.
wem will er schon vergeben? kennst du das nicht, solche situationen, in denen dich wut packt? und dann schläft man drüber und denkt schon ganz anders darüber? vielleicht meinte er damit, dass er zu diesem zeitpunkt vergeben konnte. was auch immer. schlechte behandlung. nach vielen jahren krieg ist es als soldat sicher auch nciht einfach vernünftige relationen herzustellen, vor allem, wenn man lange gelitten hat und dennoch funktionieren musste.
wer ihm vergeben hat, dass wird den soldaten sicherlich auch bis zu seinem tode schwer beschäftigt haben. wenn man schlimme dinge getan hat, weil man dazu gezwungen wurde und zack ist man erwachsen, 50 oder 60 jahre älter, dann blickt man auf diese dinge anders. man sieht sie im besten falle weise und leidet unter den erinnerungen. immer noch.
was kann er sich verzeihen? Oder sollte. Oder darf. das sind fragen, die man nicht beantworten kann, wenn man in friedenszeiten aufgewachsen ist und nie krieg erlebt hat. am ende will man sich einfach nur noch verzeihen. vielleicht. wenn man alt ist und im sterben liegt und man immer noch keinen frieden mit sich geschlossen hat. hat nicht jeder mensch frieden verdient? darüber kann man diskutieren, aber auf antworten kann man nicht so recht stoßen. wenn man so eine scheiße gemacht und durchgemacht hat, und überlebt und dann blickt man auf dieses düsteres kapitel zurück, dann stellen andere und jüngere den einwand, dass man bitteschön bis an sein lebensende gebrandmarkt bleiben soll. kein verzeihen und so. aber woher diese wut?
ein leben lang zu bereuen, was passiert ist, auffressende gedanken und erinnerungen und reue. menschen dürfen sich verzeihen, auch wenn andere es nicht tun. vielleicht auch berechtigt. vielleicht ist es solchen menschen wichtig, dass sie sich selber verzeihen können. auch wenn andere es nicht tun.
die umstände eines krieges zu diskutieren, halte ich für sehr schwierig. wir können froh sein, dass wir das alles nicht durchmachen mussten. und man sollte als junger mensch den anstand vor menschen wahren, die ihr leben lang unter ihren taten gelitten haben, bereut haben, sich ihrer fehler bewusst waren, zu diesen wegen der umstände eventuell gezwungen waren.
wenn sich solche menschen verzeihen, und das tun sie in der regel eher alleine, dann müssen wir das nicht gut finden. aber wir sollten das respektieren.
wie gesagt, jeder hat frieden verdient.
da geht es um keine idealisierung. da geht es um friedenmachen. mit sich selber. mehr nicht.
weder um nazisein, noch um völkermord, sondern um das leben eines soldaten, der sich am ende seines lebens berechtigte fragen stellt. und immer noch lernt. über sich. auch beim sterben.
und das hat mich berührt. mehr nicht.
zwei Dinge vorweg:
Dein kurzes Statement sollte, wie du es ja gerade nochmal bestätigt hast, sicher kein “das ist es, das ist die absolute, allumfassende Wahrheit”-Kommentar sein, dennoch hast du es ja als einen Aussagesatz formuliert mit einer Aufforderung… Das heißt, für mich ist es, während des erstmaligen Lesens, sekundär, weil ich ja quasi deine emotionale Ergriffenheit, deine Aufforderung gelesen habe… auch wenn ich mir unterbewusst durchaus darüber im Klaren bin, dass du hochwissenschaftliche Texte sicher anders einleiten würdest… kann man von einer ‘emotionalen Wahrheit’ sprechen? Falls ja, ich habe es so empfunden…um zum Zweiten Punkt zu kommen: Dich greife ich hier nicht an, du musst dich also auch nicht für eine gerührt-sein rechtfertigen (klingt in den letzten beiden Sätzen ein wenig so)
Ich würde Dir in weiten Teilen widersprechen.
Werd das jetzt kurz (und eher emotional als sachlich) anreißen und dann von SXF erholen.Ja, genau: diese Relationen werden nicht nur nicht berücksichtigt sondern relativiert… da wird nicht ein Mensch, der durch den industriellen Massenmord ermordet wurde mit (und das soll das jetzt nicht das Leid relativieren, ich finde nur das es dabei einen Unterschied gibt) einem gefallenen Soldaten gleichgesetzt, verharmlost.
Und ich bin der Meinung, dass man diese Relationen von der deutschen Vergangenheit nicht nur nicht abgrenzen könnte, sondern auch nicht sollte.
Man kann eben nicht sagen, er war ‘nur’ ein deutscher Soldat. Er war Wehrmachtssoldat oder Teil der Waffen SS. Will jetzt auch nicht weiter auf die Geschichte der Wehrmacht eingehen, aber hier von ‘ganz normalen Soldaten’ zu sprechen finde ich falsch
An niemanden gehen die Schrecken des Krieges spurlos vorbei, ich finde dennoch die Art Heroisierung die in dem Video zutage tritt fehl am Platz. und was heißt „aus der not raus“ zu handeln? sicher leiden da alle Menschen die kämpfen müssen… aber aus der Not heraus klingt wie: und plötzlich waren die Nazis da, und haben uns zum Krieg gezwungen.
ich leg Dir das jetzt nicht in den Mund, bitte nicht falsch verstehen.
Dennoch: Deutschland hat sich für den totalen Krieg entschieden, sie haben Hitler gewählt…
Was nicht heißt, dass ein Mensch nicht seinen Frieden suchen und finden darf.
Aber, sich selbst seine Verbrechen an der Ostfront zu vergeben finde ich makaber.. und ich finde ‘kein Vergeben, kein Vergessen’ angebracht, wenn man es so empfindet. Und woher die Wut?
Weil ich bis heute nicht verstehen, wieso mündige(!) Menschen, eine komplette Nation darauf ausrichten einen Krieg zu führen und eine industrielle Vernichtung von Menschen voranzutreiben, die die „falsche Religion“ haben. Die Menschen vergasen, weil sie die falschen Menschen lieben, nicht sesshaft oder krank sind.
Weil es mich ankotzt nicht zu wissen, wie viele ‘wirkliche’ Opfer anonym verscharrt/verbrannt/aushungert/zu Tode experimentiert wurden… und das gleichgesetzt.
Weil ich nicht nachvollziehen kann, wieso das ‘Privileg der späten Geburt’ dazu führen soll, dass man nicht eine berechtige Kritik an ‘den Alten’ hervorbringen soll. Respekt bekommt man nicht aufgrund des Alters. Respekt verdient man sich. Und sorry, auch wenn ich bisher keinen Krieg erlebt habe… Die letzten Menschen vor denen Ich Respekt habe sind Kriegsverbrecher und Nazis…
Man kann doch nicht sagen, nur weil sie auch leiden, ist alles andere unwichtig und alles Leid ist gleich und man muss vergeben und entschuldigen und vergessen und warum sollte man es Ihnen verwehren. Vielleicht weil dies, dass Einzige ist was bleibt? Wieso geht man davon aus, dass sie gezwungen wurden? Wieso ist auf einmal jeder „Deutsche“ (die Verfolgten der NS ausgeschlossen) automatisch Opfer des NS-Regimes gewesen. Wieso muss immer gerechtfertigt werden, dass ein nicht unerheblicher Teil für Hitler und für den Krieg war? Wieso wird das lapidar abgetan mit „wer weiß, wie man selbst in diesen Zeiten reagiert hätte/ wir hätten auch nichts getan“. Das waren wir nicht. Und ich bin Dankbar drum. Aber das heißt doch nicht, dass ich deswegen nicht aussprechen kann, dass es keine breiten Widerstand gab. Und der war immer möglich. Mal mehr, mal weniger, aber möglich war er immer. Und vielleicht hätten wir doch etwas getan?
Und doch, für mich geht es ganz eklatant auch um Nazi sein und Völkermord.
Und um mit deinen Worten zu schließen:
so habe ich es empfunden.
Ich fühle mich natürlich nicht angrgriffen :)
ich freue mich sehr, dass du dieses thema so intensiv diskutierst.
zu deiner ersten anmerkung:
dass ich es als aussagesatz forumliert habe, als aufforderung, muss man schon ein bisschen geschmeidiger sehen. das ist so, als hätte ich einen geilen song gepostet und gesagt hey, hört ihn euch an. in diesem fall, waren es sprachliche bilder, die doch sehr eindrucksvoll waren. und mit eindrucksvoll meine ich genau das, was das wort aussagt.2. “Man kann eben nicht sagen, er war ‘nur’ ein deutscher Soldat. Er war Wehrmachtssoldat oder Teil der Waffen SS. Will jetzt auch nicht weiter auf die Geschichte der Wehrmacht eingehen, aber hier von ‘ganz normalen Soldaten’ zu sprechen finde ich falsch”
du musst, wenn du so argumentierst (auch wenn du es emotional tust) die geschihcte der wehrmacht mit einbeziehen. auch helmut schmidt war soldat in der wehrmacht. mein urgroßvater ebenfalls. millionen männer, die mit der nazischeiße nichts am hut hatten oder im krieg geläutert worden sind. also ich finde schon, dass das wort “nur” nicht unwichtig ist. wir können ja nicht überprüfen, ob der soldat, von dem römer spricht (also offensichtlich sein urgroßvater, nazi war. und wenn er es mal war, dann sicher aus anfänglicher überzeugung, dass dann schnell wich. aber wer weiß das schon. normale soldaten gibt es und gab es. soldaten, die es hauptberuflich sind. das würde ja heißen, dass jeder wehrmachtssoldat ein nazi war, der es gerne gemacht hat. das kann man so nicht stehen lassen. die wehrmacht hatte viele männer abgeordert und verbrannt, die keine nazis waren.3. “An niemanden gehen die Schrecken des Krieges spurlos vorbei, ich finde dennoch die Art Heroisierung die in dem Video zutage tritt fehl am Platz”
welche heroisierung? ich kann sie nicht lesen, die heroisierung? davon mal abgesehen, dass es römer ist, der über die erinnerungen eines menschen spricht, der er nicht ist, sehe ich wirklich keine heroisierung? meinst du den anfang, an dem er noch die hand zum gruße streckt, weil er stark ist und er für das “vaterland” kämpfen will? er spricht über ja danach hauptsächlich über die entwicklung im krieg und das danach. und er versucht parallelen zu ziehen zu seiner tochter, seiner enkelin und so was. das finde ich nicht heroisch. das ist anti-heldisch :). das klingt nach wahrnehmung und die wiedergabe. und ängste. der stempel des heroischen darf nicht überall sofort drauf gestempelt werden, wenn man bewusst über schwierige vergangenehiten wie solch eine, spricht.4. “aber aus der Not heraus klingt wie: und plötzlich waren die Nazis da, und haben uns zum Krieg gezwungen.”
ich meinte eher die stellen, als sie vor hunger baumrinde gegessen haben oder einen bauern erschossen hat wegen kartoffeln. aber ja, ich kann mir vorstellen, dass die nazis einen auch gezwungen haben bzw. es nicht so einfach war, sich der kriegsmaschinerie zu widersetzen. ich weiß nur leider nicht viel darüber, wie das damals gehandelt wurde.5. “Dennoch: Deutschland hat sich für den totalen Krieg entschieden, sie haben Hitler gewählt…
Was nicht heißt, dass ein Mensch nicht seinen Frieden suchen und finden darf.”
ich will es mal schnippisch formulieren: nicht alle, die im krieg als soldaten kämpften, haben hitler gewählt. und ich schätze auch die wenigsten haben hitler gewählt, damit der einen weltkrieg anzettelt ;). darüber müssen wir sicher nicht diskutieren. klar mitgehangen, mitgefangen. aber wenn du cdu-wähler bist und diese partei morgen krieg anfängt, so richtigen angrisskrieg, würdest du dann sagen: Ja, hab ich gewählt, muss ich wohl auch auf meine kappe nehmen.damit will ich natürlich ncihts rechtfertigen. bin froh, dass meine großeltern den krieg überlebt haben und heil aus dieser scheiße rausgekommen sind.
6. “Aber, sich selbst seine Verbrechen an der Ostfront zu vergeben finde ich makaber.. und ich finde ‘kein Vergeben, kein Vergessen’ angebracht, wenn man es so empfindet.”
das kann ich wirklich nachvollziehen, dass du es nicht kannst. wirklich. ich sage auch nicht, dass ich ihm vergebe… nur, dass es mich berührt, dass ein alter mann immer noch an diesen dingen berechtigt zu nagen hat und leidet. das berührt mich. es ist aus deiner und meiner perspektive makaber, dass er sich seine taten an der ostfront verzeiht (wenn wir das überhaupt richtig interpretiert haben), aber das ist auch okay so. er hat sich verziehen oder war dabei es zu lernen. wenn du mal ins gras beißt oder ich, werden wir sicher wissen was es heißt zurückzublicken und sich zu wünschen, man hätte gewisse dinge anders gemacht. oder das frieden mit sich schließen. verstehst du? es steht uns zu, es nicht gut zu finden. aber dagegen können wir auch nichts machen. und ich finde, wir sollten es einem alten mann lassen und respektieren, dass er sich verzeiht, bevor er stirbt. was angebracht ist, muss was verzeihen angeht, jeder selber entscheiden. und der late mann hatte sein leben lang zeit darüber nachzudenken. ist ja nicht so, dass eres selber vorgetragen hat, oder?7. “Die letzten Menschen vor denen Ich Respekt habe sind Kriegsverbrecher und Nazis…”
vor diesen menschen habe ich auch keinen respekt, aber das habe ich ja nie anders formuliert oder angedeutet. ich finde dennoch, dass nicht jeder soldat ein kriegsverbrecher ist. ich gehe sogar soweit, dass er keiner ist, selbst wenn er in kampfhandlungen mit schusswechsel jemanden erschossen hat. weil er es musste (wegen seinem eigenen leben). ich trenne hier ganz klar: kriegsverbrecher, nazis und soldaten.viele soldaten waren auch nazis und kriegsverbrecher, ja. aber nicht alle soldaten waren kriegsverbrecher und nazis. und felix römer spricht über einen menschen, der ein soldat war. und danach mit seinen dämonen leben musste. es gibt viele lyrische werke, die sich mit den opfern und deren hinterbliebenen des holocaust beschäftigen. dieser text nimmt sich einer deutschen soldaten-perspektive an. und eigentlich ist es das, was dir bauchschmerzen macht, oder?
aber so ist das nunmal. trotz des holocaust, gab es auch traumatisierte soldaten, auf deutscher, russischer und amerikanischer seite. und die anderen nationen, die gekämpft haben. diese menschen sind trotz ihrer teilnahme mit waffen menschen. und nicht alle waren sie verbrecher und schlechte menschen. wir sprechen hier von einem weltweiten chaos.
8. “Man kann doch nicht sagen, nur weil sie auch leiden, ist alles andere unwichtig und alles Leid ist gleich und man muss vergeben und entschuldigen und vergessen und warum sollte man es Ihnen verwehren.”
das hat ja auch keiner gesagt, dass alles andere unwichtig ist. auch nicht felix römer. er hat eine perspektive wiedergegeben. nicht das ganze. und das finde ich legitim. das leid hat viele fratzen damals gehabt. ich weiß, dass ein KZ ein furchtbarer ort ist, vor allem wenn man insasse war. ich habe schon einige gesehen. aber ich glaube auch, dass eine frontlinie im osten oder westen menschen kaputt machen kann. diese fratzen des leids zu vergleichen und eine “das-ist-aber-schlimmer”-liste anzufertigen kannst du einfach nicht machen. soldaten haben das gesehen, von den nazis missbrauchte menschen haben das gesehen. das sind zwei dinge, die sich unserer vorstellungskraft entziehen.9. “Wieso geht man davon aus, dass sie gezwungen wurden? Wieso ist auf einmal jeder „Deutsche“ (die Verfolgten der NS ausgeschlossen) automatisch Opfer des NS-Regimes gewesen. Wieso muss immer gerechtfertigt werden, dass ein nicht unerheblicher Teil für Hitler und für den Krieg war? Wieso wird das lapidar abgetan mit „wer weiß, wie man selbst in diesen Zeiten reagiert hätte/ wir hätten auch nichts getan“.
ich verstehe deine fragen. aber die sind nicht teil der gedanken, die römer in seinem video angesprochen hat. ich bin mir sicher, auch sein urgroßvater hat darüber sinniert und so weiter. kann sein oder auch nicht. aber die von dir eben formulierten fragen, haben in der diskussion um den text von römer keinen platz, weil sie kein bestandteil sind. diese fragen existieren und sind berechtigt, sollten aber in einer anderen diskussion platz finden.
und vorsichtig mit dem “ich hätte mich widersetzt”-spruch. ich finde das zwar löblich und ehrenwert, aber nur weil sich die menschen in massen nicht widersetzt haben, heißt das nicht, dass sie jetzt mit jeder prügel auskommen müssen. du kennst die angst nicht. wir können darüber nicht urteilen über die menschen, die sich nicht widersetzt haben. es geht nicht. du hast keinen schimmer, was eine angst in die lostritt, wenn dir der tod wegen banalen dingen drohen könnte.
wie dem auch sei, ich denke nicht dass es vordergründig um Nazisein und Völkermord in diesem text von römer ging.
dass dich das emotional so aufreibt, dieser teil der deutschen geschichte und ihre konsequenzen, kann ich total nachempfinden.
und das muss ich jetz leider noch bringen: zwang in der wehrmacht. die letzten tage des krieges, an denen viele jungs provisorisch ausgebildet und verheizt worden sind von der naziführung. was stellen diese jungs für dich da. wenn sie russicsche soldaten erschossen haben. sind es kleine nazibengel, die nie wieder ein leben in psychischer gesundheit verbringen dürfen?
und noch mal ein nachschub zu punkt 6.
“verbrechen an der ostfront”? was meinst du? krieg ist ein verbrechen. das alles war ein verbrechen. menschliche regeln im krieg? wie? der mensch ist barbarisch. man darf auch nicht auf das rote kreuz oder fallschirmspringer schießen, wenn sie in der luft sind. hat man dennoch getan. alles ist ein verfluchtes verbrechen im krieg. aber die tatsache, dass auch du im krieg verbrechen begehen würdest, wenn du kämpfen müsstest, diese perspektive schmeckt dir nicht, was?würde sie mir auch nicht, wenn cih ehrlich bin.
„du musst, wenn du so argumentierst (auch wenn du es emotional tust) die geschihcte der wehrmacht mit einbeziehen. auch helmut schmidt war soldat in der wehrmacht. mein urgroßvater ebenfalls. millionen männer, die mit der nazischeiße nichts am hut hatten oder im krieg geläutert worden sind. also ich finde schon, dass das wort “nur” nicht unwichtig ist. wir können ja nicht überprüfen, ob der soldat, von dem römer spricht (also offensichtlich sein urgroßvater, nazi war. und wenn er es mal war, dann sicher aus anfänglicher überzeugung, dass dann schnell wich. aber wer weiß das schon.“
eben, wer weiß das schon!? Vielleicht ist die Überzeugung erst gewichen, als Deutschland befreit wurde? Und du sprachst von einem einfachen Soldaten, und ich weiß um der Geschichte der Wehrmacht… aber du kannst trotzdem nicht außen vor lassen, dass die Wehrmacht in nicht unerheblichen Maße an den Verbrechen im Osten beteiligt war, und eben auch Männer aus den eigenen Reihen ausgeliefert hat. Und, es ist auch nachweisbar das man ‘sogar’ in der Wehrmacht, Aufgaben übernehmen konnte die nichts mit verbrannter Erde und erschießungskommandos zutun gehabt haben
Und ohne Dir zu Nahe treten zu wollen: Was soll es mir sagen, das Helmut Schmidt oder dein Großvater in der Wehrmacht waren? Dadurch wird das nicht besser?
3) nein, ich meine mit heroisch das Bild das gebaut wird, und die Aspekte die wir gerade diskutieren aber vollkommen außen vor gelassen werden
4 und in teilen auch 5) Das Not nicht zwangsläufig zur Barbarei führen muss ist belegbar, ich mase mir jetzt nicht an zu sagen ich hätte anders gehandelt, aber es gab Menschen die anders gehandelt haben… und das verkennt man, wenn man Dinge permanent mit einer „Not“ entschuldigt… es waren eben doch bewusste Handlungen, auch wenn der Mensch zu dem Zeitpunkt verzweifelt war
5) stimmt, Hitler und das Wahlprogramm waren ja auch nicht von Anfang an auf Krieg und Antisemitismus ausgerichtet. Ich vergesse immer wieder, dass Hitler zuerst ja philosemitisch eingestellt war. Nein, mal ganz im Ernst: sicher haben nicht alle Hitler gewählt, aber es muss sehr sehr sehr schwer gewesen sein, nichts mitzubekommen (eben wie alles darauf ausgerichtet war)…
Was glaubt man, wie der lebensraum im Osten zustande kommen soll? Gezaubert? Fantasialand? Und die Juden? Das die sich einfach in Luft auflösen?
Und um auf deinen Vergleich zurückzukommen. Wenn jmd heute die NPD wählen würde und die würden ihr Wahlprogramm dann umsetzen, dann würde ich sie in Verantwortung ziehen!
6) Ich blicke jetzt schon zurück und empfinde stellenweise so, und ich lass es ihm durchaus das er sich selbst verzeiht- kann ja nicht dran ändern. Aber es respektieren: nein, und das muss man auch mir lassen.
7) natürlich ist nicht jeder Soldat ein Kriegsverbrecher (habe ich auch nie behauptet), wohl aber jene die gegen bestimmte Konventionen verstoßen..
und nein, das ist es nicht was mir Bauchschmerzen macht. Es gibt gute Bücher aus der Perspektive „der Deutschen“, was mich stört ist, das so getan wird als hätte es keine andere Möglichkeit gegeben als einen Bauern zu erschießen oder oder oder
und ich wollte keine besseres/schlimmeres-Liste machen… aber es gibt dennoch einen qualitativen Unterschied zwischen einem industriellen Massenmord und an der Front stehen… kannst jetzt natürlich gegenteiliges Behaupten, würde mich aber trotzdem schwer wundern
9) Diese Fragen waren auf deine Antwort bezogen, dass sind Argumente die du angedeutet oder ausgesprochen hast (er war womöglich Anfangs überzeugt und hat sich schnell abgewendet blablabla… )
10) ich geh durchaus vorsichtig mit dem widersetzen-spruch um, ich habe nur schon mit ausreichend Zeitzeugen gesprochen, mit genug Leuten die Widerstand in der Resistance in Frankreich oder in Deutschland geleistet haben, mit Leuten die den Scheiß überlebt haben, mit Leuten die fast alles verloren haben als sie Widerstand geleistet haben (und auch die Leben Schuld)…
und dieses Argument der Todesangst ist einfach ein bequemes, dass entschuldigen soll, dass man keinen Widerstand geleistet hat… sicher war er nicht immer bequem, und irgendwann war er auch schwerer, aber nicht unmöglich… aber das ändert doch nichts daran, dass die Leute ihre Augen vor etwas verschlossen haben… Die Nazis hatten nicht von heute auf Morgen einen krassen Apparat, und das offensiver Widerstand nicht zwangsläufig mit dem Tod endet zeigen doch Aktionen wie zB in der Rosenstraße…
Und darum geht es mir, ich sag nicht dass alle eine aktive Schuld haben auch wenn ich durchaus von einer passiven sprechen würde. Ich finde das sollte man sich auch eingestehen, selbst wenn es schwer ist.Und nein, darum ging es nicht vordergründig aber du kannst das ja nicht losgelöst davon betrachten (meine Meinung, daher ja die Diskussion)
und zum Nachtrag 1: Sein Urgroßvater dürfte, wenn er dem Kaiser zugejubelt hat im Krieg erwachsen genug und mündig gewesen zu sein. Solche Menschen tragen für mich Verantwortung…
Mädchen und Jungen, die 8 Jahre alt und zu Flakhelfern ausgebildet wurden (8 jährige an der Ostfront!?) sind natürlich etwas anderes… aber über so jmd haben wir ja auch nicht diskutiert
zum Nachtrag 2: Wir müssen jetzt nicht darüber diskutieren ob alle Soldaten Mörder sind und das Krieg grausam ist? Und das du mir unterstellst, dass ich zwangsläufig brandschatzend und die Zivilbevölkerung mordend durch den neuen Lebensraum im Osten rotten würde, klingt eher wie „Angriff ist die beste Verteidigung“. Was gefällt Dir nicht? Die Schuld? Das es nicht unwahrscheinlich ist, dass der Opa im Osten an Kriegsverbrechen beteiligt war?
Und du fragst von welchen verbrechen ich spreche!? Ich empfehle dir -wenn das für Dich tatsächlich zur Debatte steht- Literatur zu den Verbrechen der Wehrmacht. Die Wehrmacht stand (bis zu einem gewissen Zeitpunkt) hinter Hitlers Ideen und hat seine Kriegsführung zB mitgetragen.. Irgendwann ist Ihnen ein Licht aufgegangen, welches Heer verliert schon gerne. Sie wollten sich also zurückziehen um sich neu zu organisieren. Nur soviel zum tehma, sie waren gegen Hitler (einzelne Soldaten, Generäle etc die Hitler scheiße fand mal ausgeschlossen, ich spreche jetzt von der groben Linie der Wehrmacht). Und die Wehrmacht hat die Politik der verbrannten Erde betrieben, Dörfer niedergebrannt, Zivilist_innen, Partisan_innen und Kriegsgefangene umgebracht.. und das auf die verschiedensten Arten und Weisen..
Okay, die Diskussion ist für mich hiermit beendet.
Kann man ewig so weiter führen, wir würden nie auf einen nenner kommen.
aber danke, dass du dich aktiv mit beteiligt hast. finde es immer ganz großartig, wenn leute kritisch mit dingen umgehen, was bei solch einem sensiblen thema auch emotional sein kann.
ich kenne deine punkte und werde sie mir zu ehrzen nehmen und gegebenefalls auch noch mal ein paar bücher dazu anfassen.
danke nochmal.
dass ich die diskussion hier abbreche, liegt vor allem daran, dass wir gerade dabei sind uns hochzuschaukeln.
gehe in frieden und komme in frieden wieder. du bist immer gerne gesehen. auch in den kommentaren.
liebe grüße
B



