finding berlin
In 100 Tagen werde ich Berlin verlassen. Nach zwei Jahren. Und Berlin ist Schuld: ohne die Inspiration, die Atmosphäre und die Gelegenheiten dieser wunderbaren Stadt hätte ich es niemals geschafft, eine Weltreise in Angriff zu nehmen.

Die Menschen, die ich hier kennen gelernt habe – seien es nun Berliner, Touristen oder Zugezogene – und die Konversationen, die sich in meine Erinnerungen eingebrannt haben, sind ausschlaggebend für alles, was sich positiv auf meinen Charakter ausgewirkt hat. Oder, mal unabhängig davon, wie gut oder schlecht meine Persönlichkeit für andere aussieht: ich bin zufrieden. Ich habe in Berlin gelernt, zufrieden zu sein, und ständig an mir selbst zu arbeiten, und für die Dinge, die ich will, auch hart zu arbeiten.
Berlin also. Ich habe lange gebraucht, um meinen Platz hier zu finden. Jetzt, wo ich bald nicht mehr hier sein werde, schlägt mein Herz noch ein bisschen härter für diese Stadt. Ich genieße jeden Moment: im stinkenden Netto, wo sich eine alte Frau mit einem kleinen Jungen um die letzten verschimmelten Tomaten streitet. In einer Szenebar, wo mir der Rauch vieler selbstgedrehter Zigaretten noch bis nächste Woche in den Haaren hängen wird. Im Park, wo ich mit meinen liebsten Freunde grille und der Gitarre eines völlig untalentierten Musiker lausche. Die Dichte und das Lebensgefühl machen es möglich.
Mir hat Berlin unglaublich gut getan, und jeder meiner Atemzüge, jeder Schritt, der von hier aus gegangen wird, wird von dieser Stadt geprägt. Als kleines Tribut und als begleitendes Projekt für meine Reise möchte ich daher finding berlin vorstellen; kein Blog im eigentlichen Sinne, nur ein Festhalten von Momenten, die ich weder in Berlin noch im Ausland vergessen möchte.
Und irgendwann komme ich wieder hierher, und gebe Berlin hoffentlich etwas mit mehr Substanz zurück, aus Dankbarkeit, aus Liebe, und weil es nirgendswo schöner ist als in der zweiten Heimat, die einen von den Sehnsüchten der Jugend befreit – und sie stattdessen zur Realität macht.



10 comments in “finding berlin”
June 15th, 2010 at 15:28
Das ist eine supertolle Idee!!. Bei mir ist es nichtmal mehr eine ganze Woche. Gestern saß ich im CDV auf einem Steg und guckte der Sonne dabei zu wie sie unterging.
Im Hintergrund wummerte der House und die Gespräche der Menschen aus aller Welt. Im Kopf wummerte der Gedanke, dass mir das womöglich bald alles fehlen wird.
Wenn es einen Ort auf dieser Welt gibt an den ich zurückkehren will, dann ist das Berlin.
June 15th, 2010 at 17:06
Ich wünsche dir viel Spaß und das du einen großen Eimer Erfahrungen sammelst.
June 15th, 2010 at 19:16
Nice… VERY Nice.
Dein Gespür für dramatische Inszenierung ist sensationell. Und der Text erinnert mich auch an neine Zeit, als ich neu in der Stadt war. Es war alles dramatisch überzeichnet und immer war irgendwas zum ersten Mal…
Scheiss, ich klinge ja wie ein alter Sack. Bin ich ja irgendwie auch ;)
June 15th, 2010 at 22:56
Berlin ist einfach irgendwie eine Stadt, die alles und nichts hat, grandios. Viel Kraft, Ihnen, wo auch immer es hingeht, wie es weitergeht.
Machen Sie das Beste draus!
June 16th, 2010 at 10:02
und wie lange dauert die reise? 1 Jahr? 3 monate? 3 Jahre und mehr? und gibt es schon die ersten Anlaufpunkte?
June 16th, 2010 at 10:04
@Meli: 1 Jahr ungefähr. Anlaufpunkte: über Südostasien nach Australien, Südamerika bzw Mittelamerika, USA und wenn Geld übrig bleibt über Afrika zurück. Mal sehen :)
June 16th, 2010 at 12:33
Ich glaube, das beste was man Berlin geben kann, ist sich selbst. Anders als andere Städte besteht Berlin nicht aus “dem neugebauten Zentrum”, “der schönen Philarmonie” oder dieser und jener Straße. Sondern aus den Leuten, egal ob du in Neukölln bist oder in Marzahn oder in Friedrichshain, es fühlt sich immer wie Berlin an. Was man über Berlin immer wieder erzählen kann, ist nicht: ich war in dem und dem Club. Nein, ich denke es ist vielmehr: in dem und dem Club hab ich dieses verrückte Mädchen/diesen coolen Typen/den Priester/meinen verschollenen Bruder getroffen.
Insofern: gib einfach dich selbst zurück, denn das ist die Substanz von der Berlin lebt.
June 16th, 2010 at 13:57
Klasse! Bei mir geht auch gerade eine Tür zu und eine andere auf. Ich hoffe allerdings, manche Dinge nicht wieder vorzufinden. ;)
Dennoch kann einen auch ein Platz prägen, an dem man Sorgen und Zweifel hatte, daran wächst man, wie Du schon richtig gesagt hast.
Ich wünsche Dir tolle Eindrücke unterwegs und pass auf, dass Du Dein Bündel Freiheit nicht für Fake eintauschst.
June 17th, 2010 at 15:32
Wow, sehr coole Sache. Ich werde den Blog beobachten, denke du wirst Spaß beim führen dessen haben und gerade auch für später ist es ne tolle Erinnerung. Ich wünsch dir viel Spaß, Erlebnisse und pass auf dich auf!
July 13th, 2010 at 00:00
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