Hyperbole/The Party
Frankfurter Party:
Studienkollegen und enge Freunde entwerfen zusammen eine kreative, handschriftliche Einladung mi persönlicher Widmung und schicken diese bereits vier Jahre vor der Party ab. Jeder freut sich darauf, Menschen zu sehen, die man jeden Tag sieht. Für die Party wird ein einladendes Büffet organisiert (Caprese , Chili, Baguette, Kuchen, Chips, Brezeln. Die Teller sind mit Petersilie drapiert).
Alkoholische Getränke werden vorbereitet. Besucher werden mit einem Cocktail (Mojito) empfangen, Bier steht auf dem Balkon (nur draußen rauchen bitten!). Die Tanzfläche ist mit Konfetti und Partyhüten bestückt, die auch jeder prompt aufzieht um zu Musik aus den Achtziger Jahren oder wahlweise auch neueren House und Pop Mixen zu tanzen. Dabei werden viele Fotos gemacht und eine gute Stimmung verbreitet.

Die Party klingt in den frühen Morgenstunden aus, wenn die S-Bahnen wieder fahren. Die letzten fünf helfen beim Aufräumen mit und nehmen beim Rausgehen die Pfandflaschen mit. Manchmal wird dann noch zusammen gefrühstückt.
Berliner Party:
Ab Ankündigung der Party werden auf allen sozialen Netzwerken offene Events kreiert. Jeder lädt alle Leute ein, die er kennt. Flyer werden ohne Wissen der Bewohner gedruckt und an Unis und FHs ausgehängt. Einer rennt mit einem Megafon durch die U-Bahn (die Fotos dieser Aktion sind Promo einer bekannten Spirituose).

Fünfundachtzig Paletten Dosenbier und sechsunddreißig Flaschen Schnaps werden in den vierten Stock getragen. Den Nachbarn wird ein Zettel geschrieben, dass es “eventuell ein klein wenig lauter werden könnte”. Die Nachbarn verbarrikadieren sich mit Maschinengewehren hinter ihren Türen und beten.
Einer kenn einen der einen anderen kennt der richtig gut auflegen kann. Die Organisatoren der Party (nicht mehr die Bewohner; diese versuchen panisch, die Party wieder abzusagen und ihre Wertsachen zu vergraben) legen ihr Geld zusammen und holen Nebelmaschine, Soundanlage, Projektor (für die Visuals) und Spiegelkugel. Alle Möbel werden in ein einziges Zimmer übereinandergestapelt.

Die ersten Gäste kommen vier Stunden später als geplant. Der DJ spielt noch Old School Hip Hop zum Aufwärmen. Joints werden in der Küche geraucht. Es werden Shots verteilt. Die Bewohner kennen keinen der Gäste. Die Gäste kennen keine der Bewohner. Die Musik wird lauter. Die ersten Leute schmeissen Bierflaschen um und drücken Zigaretten an Zahnpastatuben aus.

Im Hausflur hört man das Stöhnen kopulierender Studenten. In einem Schlafzimmer liegt ein Gast mit dem Gesicht auf dem Boden in seinem Erbrochenem. Mittlerweile sind auf der Party auch die Pfandflaschensammler angekommen, die sich später um die letzte leere Flasche Becks prügeln.
Die Polizei kommt das erste Mal vorbei. Keiner weiß, wer eigentlich hier wohnt. Die Musik wird leiser gedreht, bis der Streifenwagen wieder wegfährt. Irgendjemand scheisst den Nachbarn vor die Haustür. Ein Rosenverkäufer und ein Bratwurstschieber verteilen auf der Party ihre Waren.

Der DJ spielt harten, Berliner Minimal Techno. Zehn beschweren sich, dass es zu mainstream sei. Der DJ spielt Dubstep Mixe. Zwanzig schlafen auf der Tanzfläche ein. Ein Tisch wird von Gästen in das Treppenhaus getragen. Dort werden alkoholische Getränke vom Späti verkauft.
Irgendwer pinkelt in die Wohnzimmerpflanzen.

Vier oder fünf Leute schlagen sich wegen eines Missverständnisses. Der DJ legt harten Techno auf. Die Dielen bekommen Risse. Irgendjemand rutscht auf einer Pfütze Bier aus und schlägt sich den Kopf an der Tischkante an. In der Küche werden Tiefkühlpizzen als Frisbee Scheiben missbraucht. Fenster werden mit Edding bemalt. Die Schlange an der Toilette ist sieben bis zwölf Meter lang, weil drei Leute sich im Bad gerade Koks in die Nase ziehen. Sprayer versammeln sich um das Treppenhaus zu taggen. Ein Sondereinsatzkommando will das besetzte Haus räumen.
Zwischen vier und sechs Uhr verlässt die Hälfte der Gäste die Party weil der Alkohol alle ist. Irgendjemand erbricht sich in ein Wasserglas und stellt es wieder in den Schrank zurück. Gegen 10 Uhr morgens gehen die Letzten. Sieben Leute sind noch komatös und unentdeckt in der Wohnung verstreut. Die Bewohner brechen weinend zusammen.

Bielefelder Party:
Alle nach Berlin gezogen um die Partys dort zu feiern ((ist wirklich so. Waren nämlich alle auf meiner Party)).



10 comments in “Hyperbole/The Party”
May 10th, 2010 at 17:37
Übrigens hat meine Kamera es ganz alleine geschafft, so beschissene Fotos zu machen. Hach man. Das wird visuell gesehen die behindertste Weltreise die man sich so vorstellen kann.
May 10th, 2010 at 17:54
i survived the fenncy four party :D
May 10th, 2010 at 18:15
genial :D
May 10th, 2010 at 18:41
War total lustig, auch wenn ich mich schon vorher zum Adios-Planeten vorgeglüht habe..
May 10th, 2010 at 19:04
Verdammt! Der Minimal-Techno hat mich ja mehr als genervt, wär ich doch mal bis zum Dubstep geblieben…
War schnieke, muchas gracias, und bis zum nächsten Mal!
May 10th, 2010 at 23:26
Verdammt. Wäre gerne dabei gewesen :(
May 10th, 2010 at 23:35
Poah. Ich auch.
May 10th, 2010 at 23:53
lustig, da sind in beiden städten partys an mir vorbei gegangen (wobei ich beides schon erlebt habe, irgendwelche studenten wo dann zum aufwärmen ‘mord im dunkeln’ gespielt wurde)…
die partys die ich kenne liefen alle eher so ab:
äh… “feiern im kleinen rahmen… ”
dann sind gegen 00:00h so 20 leute da, es wird abwechselnd gute elektronische musik aufgelegt, das ganze steigt im 20 minuten takt proportinal (war dass das aus dem matheunterricht?), um 1:30 kommen die cops zum ersten, eine halbe stunde später zum 2. mal… das geht bis in die frühen morgenstunden, so um 10h verlassen alle die wohnung zum aftern im berghain/bar25/robert johnson/…
am nächsten tag sieht die wohnung schlimm aus, ist aber egal weil da just an diesem tag ohnehin die neue wg einziehen will/muss…
es ibt 57 anzeigen wegen ruhestörung, was aber keinen juckt…
ps: keiner hat vor eine party zu feiern- außer uns
May 10th, 2010 at 23:56
@Hausschuh: Menschen, die das Robert Johnson auf diesem Blog erwähnen, kommen an den schönsten Ort den es im Himmel gibt. Versprochen. :)
May 12th, 2010 at 09:10
Und alle so: yeaah! :)
Klingt nach guter Party. Und nach jeder Menge Aufräumspaß