Mehr Netto im Ghetto
Wenn man den Hipster-Fantasien nach Berlin folgt sieht man sich schnell in einem Strudel der Enttäuschungen konfrontiert mit all den Dingen, die nicht so laufen wie vorgestellt. Altbau Wohnung, Ost-Charme und Szene-Parties werden schnell abgeschrieben, der Kampf um das nackte Überleben in der Anonymität beginnt und wenn man nicht gerade professionelles Trust-Fund Baby ist, dann sieht man sich als armer Student die Chinanudeln von letzter Woche essen. Denn das ist Berlin. Ein Freizeitpark für die ganz Harten.
So habe ich in Berlin auch den Netto kennen gelernt. Der Netto an der Ringbahn und damit das Portal in die Vorhölle, die sich Wedding nennt. Allerdings müssen wir von Anfang an ein Missverständnis aus dem Weg räumen: es geht hier nicht um den kürzlich von Edeka übernommenen Plus, der dann in “Netto” umbenannt wurde. Bei Mohammad, nein. Nein. Es geht um den “Netto Supermarkt” mit dem Hund. Dieses Teil kommt aus Brandenburg und hat in den alten Bundesländern keine einzige Filiale, Gottseidank, denn die bloße Anwesenheit dieser Pufflobby hätte mich schon in jungen Jahren komplett verstört und erklärt auch die Bilanz an Drogenabhängigen und Nazis in ostdeutschen Großstädten. Sorry, man, wäre das in meiner Jugend die einzige Option gewesen einzukaufen, ich hätt’ mir auf jeden Fall ‘ne Platte rasiert und nach der Vergangenheit geschrien!

Ich könnte mich nun über das dubiose Klientel und die Freakshows, die Spritzen am Eingang und die unfähigen Kassierer auslassen. Stattdessen möchte ich erwähnen, dass Netto Stierbier nur 23 Cent pro Flasche kostet und es in diesem Laden nicht ein einziges Lebensmittel gibt, dass nicht auch als ABC-Waffe genutzt werden könnte. Es macht keinen Spaß, dort einkaufen zu müssen, denn man hat Angst Opfer eines Drive-By Shootings zu werden oder an den Gerüchen in diesen Hallen des Todes zu ersticken.
Selbstverständlich muss man das als Herausforderung ansehen.
Mehr Netto im Ghetto
- Die Mission: Das Widerlichste, was dieser Supermarkt des Todes zu bieten hat, finden, kaufen und essen.
- Die Teilnehmer: S, B, Awesome Dude, Jeriko, P4ULCHEN, Malte, Sarah, Marcel.

In unauffälliger Tarnung (dunkle Jogginghosen und Plastiktüten mit Pfand) machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Im folgenden werde ich die Bilder unserer Einkäufe sprechen lassen, denn keine Worte können beschreiben, mit welchen Würgereizen wir kämpfen mussten…


Diese Delikatesse hier – Wurstbrühe mit Nudel, auch bekannt als “schwimmende Scheisse” – war übrigens Gewinner des Abends. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas so menschenunwürdiges gesehen. Ja, auch diese wurde von Marcel verköstigt. Ja, ich möchte mich immer noch übergeben.



Dieses glorreiche Sandwich beinhaltete alle Zutaten, die so liebevoll zusammen im Netto beschafft wurden. Es wurde erschaffen und oral vernichtet von, überraschung, Marcel.


Wir mussten feststellen, dass die Döner-Verpackung (übrigens ein Gaumenfick, dieses Teil) gewisse Ähnlichkeiten zu gewissen Körperteilen mit sich bringt. Animalischen Körperteilen, wohlgemerkt.






Was danach geschah: Alle Teilnehmer übergaben sich spätestens dann, als Marcel den mit Schlagsahne infusionierten Döner genüsslich verschlang. Marcel hingegen starb wenige Stunden später an akutem Durchfall. Malte und Jeriko verloren die Kickerschlacht. S war die größte Muschi des Abends und ernährte sich ausschließlich von Luft und Liebe. B sucht bis heute seine Schambehaarung.
Danke, dass ihr da wart. Und für alle Kids da draußen, die ständig meckern, dass sie auf dem Dorf wohnen und kein Geld haben: Fantasie ist alles. Für alle Erwachsenen, die meinen, wir würden Essen verschwenden: das nächste Mal lass ich euch was übrig. Versprochen.
Alle Fotos in einer glorreichen Zusammenfassung:




































22 comments in “Mehr Netto im Ghetto”
February 22nd, 2010 at 18:37
hmja, also. die paprika-speckwurst sieht doch von außen ganz… fein aus, ran an den speck?, immerhin lässt man das schwein nicht ein andres schwein essen. (so in der turmstraße gesehn). den netto muss ich suchen, ist ja wohl hier um die ecke. einfach des biers wegen. danke dafür.
February 22nd, 2010 at 18:37
23 Cent? Wie genau komme ich da am Schnellsten hin?
February 22nd, 2010 at 18:40
Das war ja wieder klar, dass das der einzige Selling Point wird. Geht lieber in den Netto um neue (bakterielle) Kulturen kennen zu lernen!
… ansonsten, Stierbier: ja, 23 Cent in 0,5 Liter Flaschen und es ist um Meilen besser als Faxe oder gar Öttinger. MEILEN. Ich würde fast behaupten, es ist nur geringfügig schlechter als das Berliner. Nicht, dass ich was von Bier verstehen würde. Aber dennoch.
February 22nd, 2010 at 18:40
Und falls ihr es noch nicht bemerkt habt, ich habe extra das Bild genommen, in dem meine Arme dünn wirken. Natürlich.
February 22nd, 2010 at 19:02
Zu deiner Enttäuschung: Netto gibt es auch in den alten Bundesländern (wenngleich auch an Orten die das Ambivalent zu Wedding, nicht jedoch zu Tiergarten (weil die Turmstraße im Gespräch war) bilden.).
February 22nd, 2010 at 19:11
Die Schamhaare, S, die ich angeblich vermissen soll, hat Marcel auf seinem “Döner” gehabt.
Er wusste das auch.
:D
February 22nd, 2010 at 19:12
@speak: Gottverdammt. Hätte ich meine Hausaufgaben wohl machen sollen.
Aus Wikipedia:
Netto (Eigenschreibweise: NETTO) ist ein europäischer Discounter der Dansk Supermarked Gruppen.
Die erste Netto-Filiale in Deutschland wurde am 14. September 1990 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) eröffnet. Bis heute entstanden Märkte in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Ok, ich meinte im Prinzip nicht “alte Bundesländer” sondern “die Zivilisation”. Also vor allem Hessen. Netto gibt es nicht in Hessen.
February 22nd, 2010 at 19:48
‘türlich gibt’s Netto in Hessen.
February 22nd, 2010 at 20:21
ihr habt viel tollere nettotüten als wir! 8-O den mikrowellendöner wollt ich auch schon lange mal ausprobieren^^
February 22nd, 2010 at 20:47
Heute ist einer der wenigen Tage, an denen ich es gar nicht so schlimm finde, in Köln (am Rhein, nicht…) zu leben. Danke!
February 22nd, 2010 at 20:51
Hauptsache Marcel hats geschmeckt! :D
Ich hätt auch gerne den Hundenetto. Wir haben hier in Pusel-Einbeck nur den normalen. Was für unsere Verhältnisse schon nicht schlecht ist!
February 22nd, 2010 at 21:44
aber irgendwie muss man doch auch zwischen gelb-rotem und gelb-schwarzem netto unterscheiden, oder?
und auch wenn es wohl am wenigsten mit netto, ghetto und hipster-szene-parties zu tun hat: das vegemite hätte ich wohl am meisten gehasst.
February 22nd, 2010 at 21:48
hab mir grad heute dort wieder meine kaffe pads geschossen. den döner hab ich da och gesehen, doch mal ganz schnell die finger von gelassen. wie kam es eigentlich zur schlagsahne O.O
February 22nd, 2010 at 23:35
@S:
doch doch, gerade in Hessen: In Frankfurt, im nordwestzentrum;)
February 23rd, 2010 at 10:01
Als Weddinger muss ich gestehen, dass ich zwar mehrmals die Woche dieses ominöse Geschäft mit dem Hunde-Logo sehe, mich aber nie da rein getraut habe. Aber bisher wusste ich auch noch nichts von dem 23ct Bier ^^. Was ist eigentlich an Pfefferminz-Likör ekelhaft? Es schmeckt zwar wie Zahnpasta und man will ihn reflexartig erstmal ausspucken, aber man gewöhnt sich schnell dran ^^.
February 23rd, 2010 at 10:05
@Steven: Nee, der Pfeffi war ja nur zum Nachspülen da :D Und trau dich ruhig in den Netto.. man findet schnell Freunde dort.. #gänsehaut
February 23rd, 2010 at 11:27
Also… 500 m von hier steht auch einer. Ich war nie da. Hab mich immer gefürchtet. Aber so ein Fotzendöner scheint echt viel für sich zu haben. Ich werde das demnächst auch mal machen. Börp.
February 23rd, 2010 at 11:28
krass, in copenhagen waren die dinger eigentlich immer ganz angenehm…
February 24th, 2010 at 16:16
Die Kaserne in Straußberg wird (unter anderem) von Netto beliefert. Mit Ware, die übrig geblieben ist, weil sie keiner kaufen wollte und das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat. Den Mikrowellen-Döner gab’s natürlich nie, aber diverse Fleisch-Delikatessen. Sucht mal nach Nasi Goreng. Das Zeug ist dermaßen salzig, dass man spontan zum Schrumpfkopf wird. Schön ist auch der Milchreis, der meist schon den Verwesungszustand erreicht hat, obwohl er noch zwei Wochen (!) haltbar sein soll.
Wenn ich gezwungen wäre, irgendwas von dem Zeug auf dem Tisch zu essen, hätte ich freiwillig den Aschenbecher ausgeleckt. Marcel ist daher mein Held.
Ein Hoch auf Aldi.
February 24th, 2010 at 21:00
Das Rindfleisch in Aspik (IMG 24) hat Augen! Und es scheint wütend zu sein …
February 25th, 2010 at 15:24
sehr geiler Artikel!
Ich muss aber dazu sagen das die Netto’s in Berlin wirklich schrottig sind. Auf’s Dorf gibt es aber tatsächlich welche da kann sich selbst Kaiser/Tengemanns eine Scheibe abschneiden.
Eins ist Fakt bei Stierbier und Pfeffi muss man sich die Haare nicht mehr rasieren … das erledigt sich von selbst ;) also Attention Please!
March 14th, 2010 at 22:29
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nur für euch!