Politik und Kultur in Berlin

Veröffentlicht September 10, 2009

Dieses Wochenende geht einiges vor sich in Berlin, aber um den Fokus nicht immer nur auf die großartigen Partys zu legen, die ich regelmäßig verpasse, will ich euch heute auch einige persönliche Anliegen ans Herz legen.

Demo in Berlin

Noch nie habe ich so ein Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt wie im Streit um die Datenschutz- und Zensurpolitik der großen Parteien. Während es zur Fußball WM 2006 zwar ein Stimmungsbad der Euphorie gab, fühle ich mich als (fast) Einundzwanzigjährige zum ersten Mal als Teil von etwas, dass mich wirklich bewegt und beschäftigt. Dabei ist nicht nur der politische Diskurs der größte Reiz- für mich ergeben sich hier auch viele ethische und philosophische Fragen, gerade in Bezug auf den Staat, auf Gewaltenteilung, auf Machtverhältnisse. Und ähnlich, wie man in der Wirtschaft das Große und das Kleine (grob ausgedrückt) auf die Marko- und die Mikroökonomie verteilt, so ziehe ich Schlüsse, die auch psychologisch interpretiert werden können. Das ist wichtig für mich und mein Leben, und ich würde so weit gehen zu behaupten (oder zu “manifestieren”), dass es auch wichtig ist für meine Generation. Es ist wichtig, aufzustehen und zu kämpfen. Immer. Es ist jetzt besonders wichtig, weil die Gefahr so akut ist. Es war aber auch schon immer wichtig, das merken wir erst jetzt.

Das also erstmal von mir dazu. Politik kann verdammt langweilig sein, aber auf einer Demo gibt’s immer gut zu feiern. Und deshalb möchte ich die ganzen Berliner und diejenigen, die es gerne wären, darauf hinweisen, dass am Samstag die riesige “Freiheit Statt Angst” Demo stattfinden wird. Diese Demo wird um 15 Uhr am Potsdamer Platz beginnen, und ausführliche Details gibt es bei netzpolitik.org.

Für alle Blogger sei auch noch Piratenblogger.de vorgestellt. Wer ein Pirat mit virtueller Stimme ist, sofort eintragen!

Wer nach der Demo noch Lust und Laune hat, kann sich ja das ganze Wochenende und noch bis zum 20. September auf dem Internationalen Literatur Festival vergnügen, das leider ein bisschen untergegangen ist. Es ist interessant, wie mittlerweile alles mögliche an Gesocks zu wahllosen und überflüssigen Bar-Camps schlurft, um mal wieder zu “networken” — für was, weiß man noch nicht mal so genau –, aber diese kleinen, wunderbaren Kunstereignisse werden völlig außer Acht gelassen. Gerade für Schreiberlinge, die die meiste Zeit über getippte Buchstaben kommunizieren, ist das doch mal die Gelegenheit, von der 140Zeichen-Zwangsfütterung wegzukommen.

Wem das aber alles nicht genug ist: am Freitag legen Moonbootica im Watergate auf. Ab 24 Uhr geht’s da los, Dresscode ist wahrscheinlich so wahllos und ungerechtfertigt wie immer, es wird erstickend heiß da drin und viel zu teuer sein. So ist das mit dem Watergate. Aber für Moonbootica nimmt man ja auch das Leid in Kauf.

 

3 comments in “Politik und Kultur in Berlin”

  1. Kein Pirat says:


    Ich frage mich allerdings, warum die Piratenpartei es nicht fertig bringt, kritische Kommentare zu veröffentlichen? Auf deren Homepage wird darauf hingewiesen, dass ein Systemadministrator die Kommentare frei schaltet. Nun, der ist entweder krank oder er will einfach nicht. Für alle, die es interessiert, hier der Kommentar:

    Mich würde mal interessieren, wieviele Künstler die Piratenpartei unterstützen bzw. wählen würden. Dieser und viele andere Kommentare sowie das Wahlprogramm zeigen, dass am Punkt Urheberrecht dieser Partei weder Künstler mitgearbeitet haben noch die Piratenpartei sich mit Künstlern, Kunst auseinander gesetzt hat. Dazu gibt es wesentlich fundiertere, intelligentere Stellungnahmen und Meinungen als die Piratenforderungen, die allein auf den User (und damit wahrscheinlich die eigenen Lebensgewohnheiten) zielen. Oberflächlich ist eine Formulierung wie “fordern die PIRATEN dazu auf, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln…” Wen denn? Die Bundesregierung, die Konzerne, die Künstler? Danke Piraten! Ihr fordert und die anderen sollen die Lösungen erfinden. Naja, wenn man geistige Leistungen geringschätzt… Tatsache ist, dass jede Aufweichung des Urheberrechtes dazu führen wird, dass mehr noch als jetzt schon, diejenigen, die das Geld und die Macht haben, darüber bestimmen werden, welche Werke und Inhalte erscheinen werden. Ich weiß, dass das nicht im Sinne der Piratenpartei und ihrer Anhänger ist, aber wer bezahlt die Künstler, wenn ihre Werke nicht demokratisch, also durch den privaten Verkauf, (durch die freie Entscheidung einzelner aufgrund ihrer Vorlieben) finanziert werden können? Der Staat? Die Mäzene (Konzerne)? Tschüss Freiheit der Kunst! Willkommen im Taxifahrer Paradies Deutschland!

  2. S says:


    Hallo Kein Pirat, danke für deinen Kommentar. Ich finde es völlig in Ordnung und gerechtfertigt, an den Piraten auch Kritik zu äußern.

    Die Piraten sind nicht die Heilmethode für das Unheil, das wir uns hier wünschen. Das politische Tanzparkett wird – mit oder ohne Piraten – weiterhin schön rutschig bleiben und kaum nur wegen der Piraten zu einer Lösung kommen. Über die Künstler selbst brauchen wir gar nicht erst zu reden– die werden immer die Arschkarte ziehen müssen, egal, wer es regelt.

    Dem kann man aber wenigstens entgegen kommen. Und wenn die Piraten eins schaffen, dann ist das immerhin Transparenz in ihrer Unfähigkeit, und sie vereinen sich zu einer einzigen großen Stimme, die Aufmerksamkeit generiert. Aufmerksamkeit für das Thema insgesamt. Einen Gegenpol bilden zum Status Quo.

    Deshalb finde ich es auch wichtig, dass die Piratenpartei etwas zu sagen hat. Nicht, weil sie Jesus ist und alles hinbekommt, sondern weil wir so viel Diversität in unserer politischen Vertretung schaffen müssen, dass tatsächlich so viele Anliegen wie möglich auch behandelt werden.

    … außerdem, ganz ehrlich, könnte ich nicht ohne schlechtes Gewissen irgendeine der großen Parteien wählen, nicht bei diesen Programmen.

  3. Kein Pirat says:


    Hi S,
    tut mir leid, dass ich deinen Blog für einen Kommentar missbraucht habe, der eigentlich woanders hingehört, aber ich fühle mich schon ein bisschen verarscht, wenn zwei Wochen vor der Wahl drei Kommentare in der Warteschleife kreisen bei einer Partei, deren erstes und wichtigstes Ziel der Kampf gegen Zensurpolitik ist. Ich will dich auch nicht abhalten, dein Kreuz bei den Piraten zu machen, hoffe aber, dass dein Satz, dass die Künstler immer die Arschkarte ziehen, nicht fatalistisch gemeint ist, denn gerade das Internet böte Potenzial, dass sich Talent auch ohne mitverdienenden Konzern dazwischen vermarkten ließe. Befürchte nur, dass eine neue Klasse von “Produzenten” entsteht, Plattformbetreiber, die am User generated Content verdienen und die Beschäftigung mit Literatur, Musik, Design, Film etc. endgültig zum Hobby für Erben wird. Ich möchte jedenfalls nicht auf Staat oder Banken, die mir gewogen sind, angewiesen sein, sondern weiterhin den Schutz durch das Urheberrecht genießen, dass ich meine Arbeit verschenken kann, wenn ich es für richtig halte, aber auch verkaufen darf, wenn ich überleben muss (auch wenn zugegebenermaßen die Kriminalisierung von Kopierern etwas übertrieben wird). Eine einzige große Stimme, die Aufmerksamkeit generiert, heißt ja nicht, dass diese Stimme nicht auch dumm sein kann und die Gegenpol-zum-Status-Quo-Darstellung rührt auch an meine der-Guerilla-ist-besser-als-der-Staat-und-Robin-Hood-ist-mein-Held-Konditionierung, ist aber nur ein lustiges Piratenkostüm. Ganz ehrlich, wer zwei große Themen hat und davon ist eins so sozial wie Bananenhandel, sollte ein schlechtes Gewissen haben.

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