Ich bin unendlich stolz auf das, was wir geleistet haben. Mit “wir” meine ich hauptsächlich mich. Aber auch uns, Nico, Marcus, Maria, alle anderen, die an FindingBerlin bisher mitgewirkt haben – und natürlich Martin. Der hat eine Idee, ein virtuelles Konzept, welches unberührbar ist, in eine Plastik gepresst. Vielmehr: in wunderschöne Fahrräder. Und die kann man sich nun ausleihen.
So seelenlos wie ich es hier gerade beschreibe ist es natürlich nicht. Es ist ein herrliches Ein-Mann-Business, dass aus Freundschaft, Leidenschaft und urbaner Begeisterung entstanden ist. Martin ist ein großartiger Touristenführer und ein mindestens genauso talentierter Fahrradbauer, lebt in Berlin und ist zufälligerweise einer meiner besten Freunde. Solltet ihr in Berlin sein: nutzt die Gelegenheit, die Stadt in einer alternativen, individuellen und amüsanten Tour zu erkundigen, fernab von riesigen Gruppen, Pub-Crawls und dem 08/15 Sightseeing der Unwissenden. FindingBerlin-Tours soll es möglich machen. Viel Spaß, über euer Feedback freue ich mich!
Ich darf mich eigentlich nicht beschweren, denn ich würde am liebsten bei meiner zukünftigen Wohnsituation keine Kompromisse eingehen. Ich weiß, wo ich wohnen will, wie die Wohnung auszusehen hat, wie viele Zimmer, am besten spottbillig mit Stuck im Altbau. Das sind hohe Ansprüche, keine Frage, und ich stecke seit 2 Monaten immer mal wieder hier und da zurück und schaue mir mittlerweile 1-Zimmer-Butzen an, die 600 € warm kosten. Das sind Münchenpreise. Aber scheisse noch mal, ich werde bald wieder anfangen zu arbeiten, und dann brauche ich einfach eine feste Bleibe. Und darüber hinaus sowieso.
Also ja, ich darf mich eigentlich nicht beschweren, denn wenn man hier und da ein bisschen abnagt an seinen Wünschen, dann kommt man bestimmt auch mal an einen Punkt. Dummerweise ist das leider nicht das garantierte Glück, wie man an der aktuellen Erhöhung des Berliner Mietspiegels sehen kann. Wer sich nicht informiert hat, der findet alle nötigen Informationen und eine Rückschau auf die gestrige Demo am Schlesi in diesem Video:
Das waren die besten Chilli Cheese Fries die ich je gegessen habe. Das habe ich zwar letztes Jahr auch schon gesagt – und so gemeint – aber dieses Mal waren es wirklich die besten. Und das, obwohl ich große Probleme habe, überhaupt irgendetwas zu essen. Das ist typisch: Sommer, Essstörung, und die besten Chili Cheese Fries (natürlich war es auch der beste Spaziergang, und der beste 1. Mai, und das beste Odd Future Konzert. Das ist eben so, wenn man hauptsächlich in Superlativen lebt).
Dabei sind die Chilli Cheese Fries beim Burgermeister auch nicht das krasseste Erlebnis. Sie sind gut, sie tun gut, wenn man Hunger hat. Die Location ist aufregend – so direkt an der Straße, unter der U-Bahn – es ist mit Sicherheit ein Höhepunkt Berlins sich nicht nur aus Neugierde an solchen Orten aufzuhalten, sondern weil man sich wohlfühlt. Das ist der Unterschied zwischen in Berlin ankommen und in Berlin sein, denke ich mir dann manchmal. Es ist spannend, aber es ist auch nur Burger. Fastfood aus dem ehemaligen Toilettenhäuschen. Meine intensive Zuneigung bezieht sich auf die schnelle Befriedigung, der Über-Knast, der hier und jetzt und sofort gestillt werden muss. Ob meine Pumpe vom Fett und den Kohlenhydraten und dem Cholesterin vergisst, zu leben, das ist mir egal. Ob die Konsequenzen fatal sind, weil ich irgendwann an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden muss, interessiert mich nicht. Was mich gerade interessiert ist der wunderschöne Sonnenuntergang, die smoothen Hip Hop Beats aus dem Lautsprecher, die unfassbar lächerliche Geschmacksexplosion und das bisschen Wehmut, das übrig bleibt, wenn ich dann aufstehen muss um zu gehen.
Und es fühlt sich an wie eine Vision aus einer anderen Welt, wie ein Bild aus einer urbanen Utopie wo die Dinge nicht perfekt laufen sondern dirty sind, sich aufreiben, entwickeln zu etwas anderem – kein Kopenhagen, kein Amsterdam, kein Stillstand. Wir können nicht stehen bleiben, weil wir sonst von unseren Fixed Gear Bikes kippen und die Rooftops nicht mehr beklettern um mit ein bisschen Arroganz auf unsere Stadt hinabzublicken. Solche Momente beim Burgermeister, oder im Federmeer am Görli, oder in fremden Betten, die irgendwie gar nicht mehr so fremd sind.
Das waren die besten Chilli Cheese Fries meines Lebens, und ich weiß, dass ich das letztes Jahr auch schon gesagt (und so gemeint) habe. Damals mit Extra Konfetti, und heute mit ein bisschen mehr Ghetto und Nike Air Max.
So Kinder, ich bin nicht immer nett zu euch, aber dafür habe ich euch trotzdem gerne um mich herum. Ich würde euch gerne auf eine interessante Veranstaltung im Tape Club mitnehmen, wenn ich darf – ein paar von euch zumindest. Und zwar geht mit Noisey eine neue Musikplattform an den Start und das muss natürlich befeiert werden. Zurecht, denn auch ich werde da sein. Möchte behaupten, dass das die steilste Party eures Lebens wird, neh.
Anyway – ich würd’s ja nicht behaupten, wenn Noisey nicht auch cool wäre und Kraftclub + Special Guest kommen würden. Da haben sich die kreativen Menschen von der Vice was Dolles ausgedacht. Hinterlasst einen Kommentar bis Montag, denn es werden 2×2 Gästelistenplätze verlost. Das ganze findet im Tape Club in Berlin statt und ich wähle nach Sympathie aus, ist ja klar.
Als ich das erste Mal nach längerer Zeit aus Berlin zurück in die Heimat fuhr um die Eltern mal wieder zu beglücken, war das ein heftiger Kulturschock. Es äußerte sich nur in subtilen, kurzen Momenten; die Banken sind eigentlich immer dann geschlossen, wenn man sie braucht, die Bürgersteige werden um 7 Uhr abends hochgeklappt und zu 90 Prozent der Zeit beobachtete mich die alte, herrische Nachbarin von nebenan die hoffentlich einen Mord dabei sah und an einem Herzinfarkt verreckt ist (wirklich, sie hat mich mit ihren teuflischen Augen jeden Tag meines Lebens verunsichert).
Ein ganz besonderer Moment, geradezu der symbolische Ausschlag auf meiner Zufriedenheitsskala, fand in der örtlichen Bäckerei statt. Hier der wortwörtliche Dialog:
“Hallo. Habt ihr noch frische Brötchen?”
“Nee und für dich heisst das immer noch SIE, junge Dame.”
Und damit hat sich auch schon erklärt, wieso ich jetzt wieder in Berlin und nirgendswo anders bin. Und, wer hätte es gedacht, es ist trotz Hundescheisse, Minusgraden und Schlaucherei (weil currently Arbeitslos) gut.
Ich lese ja selbst keine Reiseberichte, ich gucke mir nur die Fotos an. In Bangkok scheint gutes WiFi allerdings rares Gut zu sein weshalb jetzt Meckmeck angesagt ist. In der Zwischenzeit gibt’s ein kleines Roundup an Dingen, die mir wichtig sind:
Zuerst das wichtigste: Diplo + Die Antwoord = S rastet aus. Ich war wirklich noch nie ein grosser Fan von irgendwas, also Musikloyalitaet oder so war bisher nicht angesagt. Aber Diplo. Alter. Ich hab sein Bild in meiner Geldboerse und ich werde mir MJRLZR rueckwaerts in die Kimme tattowieren lassen, einfach, weil er es verdient, versteht ihr, das ist Liebe.
Denn auch schon zum naechsten Kuenstler – erinnert ihr euch an DT64, die schmucke Torte, die bei FindingBerlin die guten Bilder macht und die Videos dreht? Jetzt, wo ich gegangen bin, laesst er sich auch gerne auf Affaeren ausserhalb der gluecklichen Hauptstadtbeziehungen ein. Schnappt ihn euch, bevor es jemand anderes tut. Checkt das Portfolio von DT64 hier und sein neuestes Video hier:
Hach, ist das herrlich, und ja, ich vermisse Berlin. Aber fuer Sticky Rice mit Mango zum Fruehstueck, Mittag und Abendessen kann ich auch gerne noch eine Weile auf Metropolis verzichten.
Apropos Videos, hier ist ein weiterer Mann auf meiner Liste von kreativen, halbautistischen Traummaennern, der gerne die Kamera in die Hand nimmt. Und obwohl es hier und da ein bisschen ruckelt, ist das ein vollends wunderschoenes Video. Und jetzt vermisse ich Berlin doch, nicht wegen der Stadt, sondern wegen .. ihr wisst schon. Alles.
We all knew that this was special. The time was magic. We lived a dream. We knew that this will finish. We knew that we have to move on. What lasts are our memories on that summer 2010 in Berlin. We were there, together. These moments got part of our lives, you got part of me. Thank you for that. This is for the Crew.
Zwei Jahre Berlin, und alles, was mir die Stadt beigebracht hat, ist den Mittelfinger dick gegen alles zu richten, was keinen Bock auf dich hat. Freunde, die einen im Endspurt mit Unverständnis begegnen und verlassen, ohne auch nur einmal nachzufragen, was eigentlich los ist – fickt euch. Eine Leistungsgesellschaft, die den emotionalen Zusammenbruch herbeiführt – fickt euch. Menschen, die so viel Bitterkeit in all ihren Taten vermitteln, so viel Hass und Neid in ihren Stimmen tragen, dass man sich verantwortlich für das Leid aller Menschen fühlt – fickt euch.
Ich wollte Berlin mit einer weißen Weste verlassen, um irgendwann in Ruhe zurückkehren zu können. Ich wollte nicht flüchten, aber fick die weiße Weste. Ich habe Scheisse gebaut, ja, aber das war nicht unverzeihlich. Ich war rücksichtslos, ja, aber auch nicht über die Normen einer Freundschaft hinaus. Ich habe bestimmt auch Versprechen gebrochen, aber nicht halb so viele wie ihr. Nein, der einzige Unterschied zwischen jetzt und früher ist, dass auch mir bewusst wurde, dass ich nicht Everybodys Darling sein kann. Und wenn ihr euch als die Leidtragenden seht – dann verdammt noch mal, fickt euch einfach. Danke für die zweite Chance, die ihr mir nie gegeben habt. Danke, dass ihr mich nicht mal gefragt habt, wie es mir geht. Danke, dass ihr mir beigebracht habt, ein schlechtes Urteil über mich einfach auch stehen lassen zu können. Nein, diesmal rechtfertige ich mich nicht, und ich werde mich auch nicht mehr entschuldigen. Ihr wollt unsere Freundschaft in die Tonne treten und abrechnen? Verdammt, ja, tut es. Ich habe noch zehn Tage in diesem Land, und ich werde einen Scheiss drum kämpfen. Nicht so, nicht mehr. It takes two. Und wenn ihr wollt, trete ich auch noch mal rein. Richtig fest. Mit Eisen an den Sohlen.
Was sich so negativ anhört ist verdammt befreiend. Mich kettet nichts fest. Ich bin bereit, diese befleckte Weste mitzunehmen, und noch mehr Blut an ihr zu verlieren. Ich bin völlig bereit dazu, mein altes Leben, diese zwei Jahre der gepflegten Ordnung und der Aufopferung für die Arbeit und für das Alleinsein-Ding aufzugeben und alles in die Luft zu sprengen, was mir dabei im Weg steht, weil ich verdammt noch mal sowieso niemandem mehr gerecht werden kann. Ich war 21 Jahre alt, und ihr habt mich ständig gelobt dafür, wie erwachsen ich doch bin und wirke. Wisst ihr was? Heute bin ich 22. Happy fucking Birthday. Und ich scheisse auf’s Erwachsensein, wenn das bedeutet, dass ich mir nie wieder einen Fehltritt erlauben darf.
Danke Berlin, danke an alle, die mich begleitet haben – egal ob nur temporär oder für immer bleibend – danke für eine schöne Zeit, für eine furchtbare Zeit, für viel, viel bittersüße Stimmung im Abgang und ein herzliches FICK DICH an alles, was bisher geschah. Am 3. Oktober geht mein Flug ins Chaos. Ihr seid herzlich eingeladen, mir beim Scheitern zuzugucken.
Der Geruch von frischgebackenen Muffins in meiner Nase. Sonne, die auf meine müden Glieder scheint, Gras kitzelnd im Nacken. Konfetti in der Luft; Konfetti auf dem Boden; es glitzert. Ich schwimme in einem bunten Meer, jeder einzelne Fetzen Papier ein Puzzlestück der Wärme die durch mich fließt.
Käse, der von der Pizza auf meine Hose heruntertropft. Die Konsi stimmt halt. Blaulichter vor dem Fenster. In meinem Ohr bekannte Klänge, der Hals kratzt, der Drink leer, die Asche an den Lippen. Der Geruch von Schweiß und Bier und Zigaretten in den Haaren und Staub unter den Fingernägeln. Ein knarzendes Bett, kichern, Achterbahn im Treppenhaus fahren und sich für einen Topf bedanken.
Zuckerguss überall und T-Shirts für einen Euro und Halloumi (viel zu trocken). Geruch von Strand und Meer schon in der Nase. Goldene Schlüssel und abgeschraubte Türgriffe. Eine wunderschöne, autistische Tasche, die viel zu teuer und doch perfekt ist. Flaschen die zerbersten, aber es ist mir egal; ich schwimme in einem Meer voller Liebe und Glückseligkeit und lache und lehne mich zurück und nehme einen Zug der mich in die Unendlichkeit der vielen Realitäten eines einzigen Lebens katapultiert.
Ich bin ein Tourist in diesem Raum der von Glück und Zufriedenheit gedehnt ist; eine Reise folgt der anderen, mit Plänen, die in Hinterhöfen geschmiedet werden und Küssen und Umarmungen und Grenzenlosigkeiten. Songs, die uns immer wieder an diesen Ort zurückbringen werden- jeden 5. September vielleicht – eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben. Die Welt und jedes Gesicht in ihr befindet sich in unserer Seifenblase und wir müssten unsere Zimmer nicht einmal verlassen und hätten trotzdem alles gesehen und erlebt. Es ist absurd, beängstigend und befreiend, so lächerlich, so unbekümmert; wie Kinder, die sich gegenseitig Geschichten aus ihren Reisememoiren vorlesen, Tagebücher voller Entdeckungen und Erfahrungen die wir teilen, jeder Tag ein Ausflug, egal ob wir im Flugzeug, im Stadtbus oder auf unseren Fahrrädern sitzen. Jede Wand bemalt mit unseren Namen und vielen kleinen Herzchen und Ausrufezeichen, aber eigentlich ist es völlig egal, ob das jemals jemand sieht; wir waren hier. Wir werden uns für immer daran erinnern.
Und plötzlich ist alles so einfach, wenn es mich mitten in der Nacht so erschlägt, und ich weiß, ich weiß auf einmal: bei euch bin ich nicht nur ein Tourist; ihr seid nicht nur eine Station. Ihr seid mein Heimathafen. Ich möchte zurückspulen und dem Typen im Fernsehen erklären dass er aufpassen muss, denn das ist Glück. Und das kann ganz schnell an einem vorbeirasen. Ich will euch alle wecken und euch erzählen was ich empfinde, aber dann lege ich mich beruhigt zurück. Ihr wisst das doch schon.
Es ist schon etwas anderes, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit nicht nur das hässliche Bayer Schering Gebäude betrachten muss, während man schon wieder Visitenkarten wegen Auffahrunfällen an der gefährlichsten Kreuzung Berlins verteilt, sondern ausnahmsweise Mal am Wasser ist und das glücklich grün-schleimige Geplätscher der Spree einem vor der Nase rumglitzert. Ich meine, man kann sich ja in viele hässliche Dinge romantisch reinsteigern, die Spree ist definitiv keine davon, selten so furchtbar ungesundes Wasser gehabt, da schüttelt’s mich, in dem Fall kann man nicht einfach nur mehr “oh, typisch Berlin” sagen, das ist schon echt extrem scheisse eklig, diese Wurstbrühe.
Ich war trotzdem sehr glücklich, das Wasser zu sehen, da unten am Halleschen Tor, und in typischer Berlinmanier einen Anzugträger anzurempeln und ihn für seinen Spießer-Bourgoise-Job zu verurteilen. Das währte dann nur noch so lange, bis ich an der Französischen Straße ausstieg und mir bei Kaffee Einstein ungelogen einen Soja Cappuccino für 2,90 bestellte und mich dann innerlich darüber aufregte, wieso der Neue die Latte Art noch nicht richtig beigebracht bekommen hat, nur kurz bevor ich dann den Aufzug in mein anderes Leben betrat, kurz unter dem Anwaltsbüro und mit Ausblick auf die ganze Stadt in einem verglasten Komplex.