Vitamin B6

Vitamin B6

Und das Beste, das allerbeste was man machen kann ist, Gedanken immer häufiger einfach für sich zu behalten, sie aufzuschreiben, aber niemandem zeigen, nur sammeln, jeden noch so kleinen Gedanken, jede kleine Idee. Sich immer mal wieder ein bisschen verlieren in diesem Sammeln von Worten, Seiten füllen, ohne Struktur, ohne irgendeinen roten Faden, einfach jeden noch so banalen Halbsatz kurz festhalten, ihn später wieder aufgreifen, zusammenknüllen, zerreißen, wegwerfen, später die Grenzen neu abstecken. Feststellen, dass man auf einem völlig neuem Niveau denkt, schreibt, beobachtet. Sich darüber freuen, dass da plötzlich ein Gedankenaustausch stattfindet zwischen dir und jemandem, der du mal warst oder mal sein wirst.

Was sie sagt.

February 10th, 2014 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

Outtakes / Drafts

Outtakes / Drafts

Jeder Monat ein neuer See von Treibsand, der in die Schuldenfalle zieht. Mehr Essen, weniger Taxi, mehr elektronisches Zeug, weil einiges verloren/kaputt gegangen/geklaut wurde, weniger Kino, mehr “hey, das geht auf mich”, warum auch nicht. Weniger Schuhe. Definitiv weniger Schuhe, und mit denen, die ich noch habe (alle 2012 ordentlich gesammelt und geschnorrt), viel gelaufen. Der Druffi-Zyklus: Freitag feiern, Samstag feiern, Sonntag feiern, Montag Kater, Dienstag Bio-Essen und McFit-Besuch, Mittwoch “du musst dein Leben verändern”, Donnerstag in ‘ner Bar abhängen, Freitag feiern, Samstag feiern, Sonntag feiern. An Sport hat’s jedenfalls nicht gemangelt. Es gab sogar Phasen, in denen geschwommen wurde, obwohl das Fahrrad (in Antizipation auf das schlechte Wetter) schon seit August im Keller steht, ist ja immerhin eins mit dünnen Reifen, da darf man nichts riskieren (wahrscheinlich ist es längst geklaut worden).

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February 7th, 2014 Posted in Crystal Meth | Comments Off

2013

2013

Jetzt wo die psychische Hürde mit der Musik genommen ist, können wir ja zu einem Resümé kommen, mit dem nur ich was anfangen kann. Avocados, Mitbewohner, iPhones (5er, vor allem), Wein, Miles & More, Zensur, Zensur, beste Freunde, Ecstacy, das Bad wurde bestimmt seit 2011 nicht geputzt, Techno, Steuern, Dispokredite, Kredite bei Mama, Road Trips, Frauen, neue Boxen, Laufbänder, milde Winter, schmale Lippen, Bordieu, Kontaktabbrüche, Tragödien, Verlobungen, Fatteh, Frankfurter Bahnhofsviertel, Krieg in Syrien, Finger, Allnighter, Friedhofsbesuche, Panoramabar, Blackouts, No New Friends, A’MILLION, Relaunch-Probleme, Schuldenfalle, Jon Hopkins, Perspektivlosigkeit, Stillstand, House, Happy Socks, Analog, 80Days, DJ Groupies, Bettwäsche waschen, Brezeln, Texter, California, brand1, keine Zeit, Undercuts, Mandeln, Handcreme, Lidstrich (der kam spät!), Hemden, Molekül 1+2, This Is The End bzw. James Franco <3, Lissabon, Kiehl’s, Weed, die Selfie Olypmics, Haftbefehl (das meine ich so, lass mich), Berge, Find A Crew, Halloumi, Tattoos, Evgeny Morozov und alles was mit der NSA zu tun hat, die ich immer mit der NSU verwechsel, Gästeliste, Hotflush, Lockenstuff, Wolken, elektronische Experimentalmusik, Momente in Bars, Ehrlichkeit, Zensur, niemals zugeben wollen, Pokerface, heißkalt, keine Livemusik mehr, Schallplatten, Reckwitz, Karstadt (Hermannplatz), Milchaufschäumer, Air Max 1 Kuchen, ökonomische Verlustigkeit, Fashion Weak, Tumblr (Vine), das prekäre Leben und der damit einhergehende kurzzeitige Fame, Polaroid, Coladosen, Fotoshootings, Bett mit Stauraum, Festplattendesaster, Roller fahren, Columbiabad, Lauren Flax, BPM/kbit, Arrested Development/Game of Thrones, Empirie, Don’t Forget To Go Home, Tel Aviv, La Defense, Gossip, iMessage, Bahn fahren, Webseite speichern, Horoskope, Kulturwissenschaftler, Zynismus, 2014 wird alles besser, ist Silvester schon vorbei?

Key Learning: Manche Menschen wollen hassen. Dann ist es eben so.

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January 9th, 2014 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

Looks Like It’s Going To Rain

Looks Like It’s Going To Rain

Ich hab euch so viel zu erzählen. Über das Jahr 2013, über das Erwachsen werden, über Freundschaft, Liebe, Zuneigung, Verantwortung, Mittelmaß und innere Widersprüchlichkeiten. Über Loslassen, über Soundtracks, über Langstreckenflüge, über Großstädte, über Familie und über den sinnlichen Genuss. Ich habe viel gelernt: über die Akademie, über die Klassengesellschaft, über Schmerz, Bürokratie und Sturheit. Die Menschen haben mich inspiriert, verletzt und geliebt. Und ich habe sie berührt, gehört und verloren.

Es gab Unfälle! Wahnsinnige Storys! Verrückte Situationen, schwierige Angelegenheiten, unerwartete Extremzustände! Das gab’s alles. Und ich werde euch das alles erzählen, wenn es so weit ist. Bis dahin spiele ich Musik vor, die das Jahr 2013 für mich in einem Aufwasch zusammen fasst. Der neueste Mix von DJ Koze nämlich bringt die Vielseitigkeit der elektronischen Musik, die ich persönlich dieses Jahr erlebt habe, auf einen konzentrierten Punkt. Man hört, dass es nicht nur um die einzelnen Songs geht, die unter Umständen gar nicht zusammen passen, sondern um das Gefühl, die Kompositionen und das Ganzheitliche, bei der nicht die Technik, sondern das Gehör gefordert wird.

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December 16th, 2013 Posted in Crystal Meth, Musik | 1 Comment »

Outtakes / Drafts

Outtakes / Drafts

Wenn Expats anfangen Urteile über andere Expats und deren Urteile über Berlin zu fällen, bemerkt man erst, in welchem rekursiven Kreislauf der Selbstinszenierung man sich befindet. Die Bedeutung all dieser Diskurse ist marginal, diejenigen, die diese Stadt ausmachen, sind sowieso nicht beteiligt; sie haben Spaß während der Rest noch nach Wohnungen, neuen Clubs oder neuen Städten sucht.

Pacific Rim ist, wenn man in Guillermo Del Toros Arschloch starrt und enttäuscht darüber ist, dass Scheisse raus kommt.

“Ich wette mit dir, Kracht und Finsterwald hatten zuerst den Namen Finsterworld und dann bei unzähligen Weingläsern abends nach der Arbeit an ihrem kleinen Projekt weitergearbeitet, so lange, bis es fertig war. Dieser Maximilian sieht sogar angeblich aus wie Kracht.”

High School Filme, Radiohead-Musik und nervige Bildungsromane leiten einem den Weg. Drogenexzesse, Steuererklärungen oder Krankheiten in der Familie ziehen einen per Anker auf den erdrückenden Meeresboden der Tatsachen, in dem nur Haie und Riesenkraken schwimmen und dich kollektiv rapen wollen. ABER TROCKENE HAUT. Darauf hätte man mich mal vorbereiten sollen.

Die schwere Atmung eines flauschigen Balls, der auf mir rumliegt und mich vor Liebe wahnsinnig macht. Diese fehlplatzierte Energie explodiert in Albträumen über das Alleinesein, jedenfalls ist das die gängige Interpretation davon. Vielleicht ist es vermessen, am Wahltag über die eigenen emotionalen Abgründe der vollgemachten 25 Lebensjahre nachzudenken. Das Schicksal vieler gegen das Schicksal einer einzelnen Person. Aber die Katze, die relativiert das alles. Dieses Stück Fleisch und Blut, das eigentlich gar keinen Nutzen für mich haben sollte und trotzdem einen hat.

“The Dark Side of Southern Rap”

Also habe ich mich mal zum Thema Pilzsammeln erkundigt. Die Gesellschaft für Mykologie empfiehlt – wenn man jetzt mal deren Worte auf das Wesentliche herunter bricht – einfach keine Pilze zu sammeln. Jeder genießbare Pilz hat ein tödliches Äquivalent. Das ist kein Spiel. Das ist ein brutales Mienenfeld. Anscheinend ist um diese Jahreszeit auch die Konkurrenz groß. Niemand teilt seine Locations. Genießbare Pilze sind, anders als ihre Cousins aus der Abteilung für Geschlechtskrankheiten, nicht einfach zu finden. Es hätte wohl auch aus diesem Grund schon Tote gegeben. Man muss sich die Pilze von PILZSACHVERSTÄNDIGEN prüfen lassen und wenn man den Wald verlässt darf man nur einen Kilo pro Person mit nach Hause nehmen um gewerblichen Handel mit den Pilzen zu untersagen.

Da haben alle schon wirklich an alles gedacht beim Pilze sammeln. Die letzte Bastion der Freiheit – für mich ist das, im Prinzip, der Natur Pilze zu stehlen und sie barbarisch in den Topf zu werfen – ist damit in meiner Welt auch zerstört worden.

“Fashionblogs sind entstanden, weil die Leute einen legitimen Grund brauchten um ständig Fotos von sich selbst zu veröffentlichen. Wenn man das einfach so macht, weil man sich und seinen Geschmack schön findet – wenn man sich vor allem schön findet – dann finden das die Leute scheisse, weil die meisten Leute scheisse aussehen. Aber wenn man sagt, “ich bin mutig, ich benutze meine Fresse als Vorzeigebild für Mode, die ihr euch dann anschauen und gegebenenfalls kaufen könnt”, dann hat man seinen narzisstischen Arsch gerettet, dann ist das plötzlich völlig in Ordnung, eine ganze Generation, die unglaublich gut aussieht, sich auf sich selbst einen runterholt und keinerlei Furcht vor Vorwürfen haben muss.”

Absurditäten bei Seite: ich habe eine Schwäche für starke Frauen, die aus beruflichen Gründen Männer anschreien und dabei immer so aussehen, als würden sie gleich in Tränen aufgelöst zusammen brechen. Orange Is The New Black war so eine Serie, ganz abgesehen von Weeds (Nancy Botwin, der alte Kracher!- meine Lieblingsserie bis zur 7. Staffel. Den Rest, den werde ich Jenji Kohan nie verzeihen).

Die Mischung aus Frauen und Drogen (The Wire, hauptsächlich) ist also bewiesenermaßen mein ganz persönliches High-Life und wenn keine Drogen im Spiel sein können, dann wenigstens Korruption und Intrigen (Suits – Donna und Anwälte, Homeland – wobei, eigentlich doch lieber nicht Homeland).

WARUM TANZT BEN KLOCK SO WIE ER TANZT WARUM

Ich hab vor Jahren mal mit einem alten Blog die erste Phase der Vermarktung von Social Media Plattformen mitgemacht. Damals hat man mir ein Jubiläums-Set von Dr. Hauschka geschickt. Ich war 14 und benutzte Clearasil wie Wasser und hatte keine Ahnung, was ich von diesem Öko-Scheiss zu halten hatte. Ich hab das lust- und lieblos jeden morgen und abends benutzt und habe nie danach gefragt, wer mir das überhaupt geschickt hat und wozu. Ich dachte die Leute lesen halt gerne meinen Blog und schicken mir deshalb Krempel, den sie noch zu Hause liegen haben. Natürlich habe ich nie darüber geschrieben und dann irgendwann die Packungen halb angebrochen weggeschmissen. In vielerlei Hinsicht blutet mein Herz immer noch, wenn ich daran denke.

“Booker, die Immobilienmakler der Clubszene.”

October 31st, 2013 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

Closing Party

Closing Party

Ich bin wie so ein mittelständisches Unternehmen das sich selbst heruntergewirtschaftet hat. Die Berater facepalmen sich bis ins Koma. In den Tagesthemen grinst der Zamperoni frech, wenn er über mich berichtet.

Irgendwann hatte ich mich bewusst und pro-aktiv dazu entschieden, meinen Blog-Erfolg einzudämmen. Das Geldverdienen sollte mir letztlich nicht den Kurs meiner Schreiberei vorgeben (außerdem war ich zu faul, mich ernst zu nehmen). Mittlerweile verdiene ich immer noch nur sehr sporadisch ein wenig Taschengeld mit dem Firelfanz. Alles ist bequemer als mich selbst zum Schreiben zu drängen.

So viel Nachsicht hätte aber auch nicht sein müssen, jetzt kostet mich DSG viel Geld für Nichts. Danke, liebe Abmahnung (irgendein Bild aus 2009 von Megan Fox, wahrscheinlich das einzige, das ich jemals ohne Rechte verwendet habe… nun denn)! Ich frage schon gar nicht mehr nach meinem Unglück. Dinge passieren einfach. Ich lache. Aber falls jemand einen ordentlichen, gut bezahlten Job für mich hat – ich sehe mich ehrlich gesagt als Crackdealer – dann lasst es mich wissen. Ich kann lesen und schreiben, gut aussehen, Zähne putzen und Avocados auslöffeln. Was ich nicht so gut kann: Archive löschen, Geld haben und erfolgreich sein!

Mein Gehirn feiert die Closing Party einer ultra-spannenden Saison. Wenn alles nicht so stressig und finanziell belastend wäre, wäre es ja auch verdammt witzig. Ständig tollpatschig Dinge kaputt machen, hochpreisige Arbeitswerkzeuge verlieren, Autounfälle im Ausland bauen, Abmahnungen bekommen… mein Humor ist ein Testament an den Optimismus. Bis ich mal von diesem Thriller fertig gemacht werde dauert es ein bisschen. Ich hoffe ja heimlich, dass mich irgendwer mal in den Knast wirft (für vernachlässigte Steuererklärungen oder eben Abmahnungen wegen hässlicher Megan Fox Bilder).

PS: DragstripGirl wird nicht zugemacht. Ich muss mir nur langsam überlegen, WAS ich hier eigentlich mache.

October 16th, 2013 Posted in Crystal Meth, Gangster | 2 Comments »

Fight Club

Fight Club

Das Imperativ der Selbstfindung ist ja eine dieser Sachen, die das Reisen mit sich bringt. Wer lange unterwegs ist hat immer – selbst wenn es nur unterschwellig ist – das Bedürfnis, neue Erfahrungen in das alte Selbst einzuweben, als ob fremde Kulturen oder die flüchtigen Begegnungen mit Anderen einen Mechanismus betätigt, der das Innere umwandelt oder etwas daraus hervorholt, meistens etwas, dass den eigenen Erwartungen vom Selbst entspricht.

Das zweite Imperativ liegt genau hier verborgen, denn wer sich selbst finden will oder kann, der hat Defizite zu beseitigen. Du sollst besser sein, als du jetzt bist – das ist das selbstauferlegte Maß. Es wird jeden Tag neu geeicht, insofern sind andere Menschen oder interessante Begegnungen vielleicht nicht mehr als das Lot zwischen „wie gut bin ich“ und „wie gut könnte ich sein“. Die Wertung von besser oder schlechter mag im eigenen kulturellen Rahmen und Ursprung liegen, aber prinzipiell verhält es sich so wie mit diesen über-kitschigen Helvetica-Sprüchen auf Tumblr-Blogs von Tweens: das Hintergrundbild (mit Weichzeichner, Bokeh und Vignette dem Zweck entsprechend aufgepimpt) ist der Blick in die Ferne, etwas, was da sein könnte aber nicht ist; die Perspektive ist eine hoffnungsvolle. Der Spruch indiziert meistens bereits das Defizit: „Wake up and force yourself to smile, because you never know what life has in store for you.“

Die literarische Ästhetik von Werbesprüchen klingt zwar besser als ein hingerotztes „JUST SMILE“, aber veralteten Käsesprüche sind ja nur neu aufgelegt. Oma und Opa kannten die Floskeln schließlich auch.

Mich stört die Leichtigkeit, mit der man diese Mottos hinnehmen kann. Tagein, tagaus rennt jeder einem individuellen Ziel hinterher, und meistens hat es durchaus etwas mit der Perfektionierung des Selbst zu tun. Besser aussehen, besser schlafen, besser essen, besser leben. Gemessen wird das „besser“ fast immer an so einem Mehrheitskonsens (der im besten Fall wissenschaftlich begründet ist). Die Leitsätze sind auch rational nachvollziehbar (meistens), aber sie frustrieren. Sie sind das Leidwesen (m)einer Generation, die sich bei der Orientierung zwischen links und rechts schon verheddert weil Geradeaus angeblich die korrekteste Version ist, aber einfach nicht machbar. Und dann scheitert man ja schon an den einfachsten Dingen.

Rauch nicht! Trink weniger! Schlaf länger! Sei ordentlicher! Disregard females, acquire currency!

So abstrakt ist das nicht, und man braucht auch keine Extreme (wie Anorexia als Mittel zur perfekten Figur oder andere klinische Störungen) um das zu verdeutlichen. Wenn das Leben eine Reise ist, dann sollte man sie auch mit all ihren Fehlern genießen können – ich werfe jetzt mal dieses Imperativ auf den Markt. Deshalb regt es mich auf, wenn Leute immer glücklich sein wollen, immer „ihr bestes“ versuchen. Denn ich versuche es auch jeden Tag und scheiterte an dem Bewusstsein, das andere viel besser sind als ich. Nun fehlt es mir vielleicht an Ehrgeiz, Motivation oder einfach einer gewissen Dosis Disziplin, aber der durch die persönlichen Errors entstehende Frust ist noch viel schwerer zu verkraften als die Tatsache, dass ich nicht perfekt bin.

Vielleicht stimmt es, vielleicht sollte man öfter nach den Sternen greifen, Risiken eingehen, Komplimente machen, neue Autos kaufen, in Aktien investieren oder Kinder kriegen. Vielleicht gibt es aber auch Menschen – nicht nur die Aussteiger und Systemanarchisten, sondern Menschen, die nicht wissen, wieso sie ständig scheitern – die einfach auch ihre Fehler würdigen können. Fehler wie faul sein, oder arm, oder pragmatisch oder dramatisch oder willenlos oder nicht erfolgreich.

Vielleicht müssen wir nicht alle eine Therapie machen. Vielleicht kommt mir mein Versagen nur so vor, weil ich ein Kreuz auf meinen Schultern trage. Ich komme niemals ans Ziel mit dieser Vorwärtsbewegung des Seins. Ich habe keine Platz für Andersartigkeit in dem Sinne, dass auch kein Erfolg sehr entspannend sein kann. Vielleicht reicht es auch, nur auszureichen.

Ich habe das Gefühl, Chuck Palahniuk immer besser zu verstehen.

October 9th, 2013 Posted in Crystal Meth | 3 Comments »

Syrian Brainwash

Syrian Brainwash

Über Whatsapp kommuniziert es sich ganz gut nach Damaskus. Andere Probleme als die, die man täglich den Nachrichten entnehmen kann, sind wichtiger. Da gibt es noch Schule und persönliche Krisen innerhalb der Familie. Das Setting wird zwar erwähnt – im Hintergrund der Bürgerkrieg, im Vordergrund wie immer der leidige Alltag -, ist aber eher so etwas wie die Landschaft auf dem Greenscreen. Ob Bomben oder Palmen als Tapetenmuster ist eigentlich auch egal.

Auf Facebook werden Status Updates über Herzschmerz und Miley Cyrus geteilt. Urlaubsbilder aus Beirut, geschossen vor einigen Wochen. Der Effekt mag für diejenigen vor Ort einleuchtend sein, in mir explodieren innerlich die Widersprüche in einem lichterlohen Inferno der Verwirrung. Was die Medien berichten: grausame Gasangriffe, potenzieller Eingriff viel größerer Militärmächte, Tote am Straßenrand, Kinder die ihre Eltern verlieren, keine genaue Trennlinie von Gut und Böse. Ständig die Angst vor dem Anruf. Stattdessen Eilmeldung per Whatsapp: ein lustiges YouTube-Video.

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Kaum einer berichtet von den wohlhabenden syrischen Sunniten, die im Schatten des Präsidentenpalasts in Damaskus noch geschützt sind. Sie würden sich nicht als Anhänger des Regimes bezeichnen, haben sie doch bislang ein gutes Leben mit “ehrlicher Arbeit” führen können, was auch immer das sein mag. Ihre Angst vor der Opposition ist größer, denn jegliche (vor allem das, was im Westen so bezeichnet wird) Freiheit wird ihnen von fundamentalistischen Idioten genommen oder – noch schlimmer- von den Amerikanern (/Israelis) aufgezwungen. Dem Regime treu aus Angst vor der Veränderung, deshalb so ignorant gegenüber Opfern von Gasangriffen und Granatenwerfern?

Kein Kopftuch tragen müssen, in gemischte Schulen gehen, Urlaub in Kalifornien machen, kurze Hosen tragen: das kann man in Damaskus durchaus. Konnte. Nicht jeder. Eine ganzheitliche “Aufklärung”, wenn man das nun an diesen kleinen Dingen so benennen möchte, fehlt in den unteren sozialen Milieus. Dort fehlt einiges: Schule etwa, oder faire Arbeit. Trotzdem. So heuchlerisch es sein mag, das ist eine eigene Art von sich breit machender Freiheit, die nun durch potenziellen Eingriff in den Krieg von Außen genommen wird. Was passiert dann? Wer sind die, die gegen das Regime arbeiten? Islamisten? Oder die gleichen fähigen Menschen, die bereits in Ägypten ihr bestes versuchen?

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Dass es kein Schwarzweiß-Denken hier gibt ist ein Konflikt, der nicht nur außenpolitisch große Kopfschmerzen bereitet. Wie fragt man seine Verwandten: auf wessen Seite stehst du? Und sie dann nicht zu verurteilen. Wie versucht man sich mit ihnen zu solidarisieren – immerhin sind sie es, die leiden müssen – ohne seinen eigenen, relativ objektiven Blick zu forcieren? Sie sagen “wir gehen nicht, bis wir mit unserem Land zufrieden sind oder sterben”, obwohl sie es sich leisten könnten einfach abzuhauen. Tschüss. Ins Asylheim nach Hellersdorf? Auf gar keinen Fall. Wie diese Araber eben sind: “Mein Land ist mein alles. Mit all seinen Fehlern ist es perfekt. Die westlichen Medien erzählen nur Scheisse.”

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Sie lacht. Nichts wird vorbei sein wenn sich Russland und die USA einig werden. Es wird weitergehen. Wir können nicht aufgeben. Wir sind die letzten, die gegen Israel kämpfen.

September 14th, 2013 Posted in Crystal Meth | 3 Comments »

Outtakes

Du verblasst im Backstage der In-Szene, irgendwo, wie jemand der für das Catering (die Toiletten) zuständig ist, immer da aber völlig nebensächlich. Was dich rettet: das Schulterzucken, die Mundwinkel ein bisschen hochgezogen, ein verächtliches Lächeln, ein bekifftes Starren mit leicht gerunzelter Stirn, als würdest du gleich los lachen, prusten regelrecht, ob der Vorstellung DAZU gehören zu wollen. Nein, nein, versteht mich nicht falsch, sagt deine versteifte Lässigkeit, ich sehe nicht scheisse aus, IHR seht scheisse aus. Ich bin hier, weil ich hinter eure Fassaden blicken kann und euch trotzdem mag (sogar wenn ihr mich verurteilt). Die Lethargie der Lifestyler (diejenigen, die Wert auf Accessoires legen, die zu Hause sorgfältig in anderen Accessoires ihr zu Hause finden; diese Art der Accessoires, die nur wenige Male getragen werden, die es in der Gaderobe aber öfter vom Typ her gibt; ein Stil bleibt ein Stil, er fordert Vielseitigkeit, du weisst, wie das funktioniert, du weisst nur noch nicht woher mit dem Geld), denkst du, sie werden – verblendet von all den schönen, glänzenden Dingen, die zwar vergänglich aber wichtig sind – niemals auf deine Unsicherheit kommen, sie werden niemals erfahren, dass du keiner von ihnen bist. Aber sie wissen es schon, my love. Sie wissen es.

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July 30th, 2013 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

Blame It On The Molly

Dass Rapper auf Verballerung stehen ist keine Neuigkeit: wie weit sie sich aber in den Themenkomplex der Lifestyledrogen vorgewagt haben, sieht man erst seit dem EDM wie ein überfüllter Wasserballon über den großen Teich explodiert und die Rap-Renaissance im Minutentakt neue leichtfüßige Partymonster aus den Projects gebärt. Wo die Jungs aus dem Gangsters Paradise bisher nur selbstgezüchtes OG Kush oder reines kolumbianisches Puderzucker in ihren durchdachten Lyriks bewarben, sind es mittlerweile vor allem gefühls- und bewusstseinserweiternde Substanzen wie MDMA und LSD, die immerwährend in den Partyzeilen angesagter Popsongs dominieren (mal ganz abgesehen von erfrischenden Codeingetränken oder den unschicklichen Pennerdrogen wie Hero und Crack, die immer mal wieder gewisse Hypes haben um dann wieder dank Todesopfern abzuflachen).

In der New York Times gab es einen Artikel, der genau dieses Phänomen – Drogen als Kind der Zeit, aber insbesondere den neuen Run auf MDMA - beschreibt und erklärt, wieso MDMA fälschlicherweise als “pur” durch die Clubszene gereicht wird und eigentlich nur ein Sinnbild für gewisse Entwicklungen ist. Die Clubszene im Wandel und mit ihr die Drogen.

Liegt der vermehrte Konsum bestimmter Substanzen im Zeichen der Zeit? Sind LSD und “Molly”, der Rufname von MDMA/Ecstacy, nun beliebter, weil die Welt so viel kälter geworden ist und Kokain oder Amphetamine dieses Gefühl nur verstärken würde?

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July 30th, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Crystal Meth, Musik | Comments Off