Slow Juice

Eine Diät, die ist lustig. Sport und das “Nichts” des Essens kombiniert resultieren immer in einer latenten Depression. Macht aber nichts, so habe ich jetzt meine neue Leidenschaft entdeckt. Die macht das Abnehmen weder wirklich einfacher, noch schneller, aber sie macht sie aus offensichtlichen Gründen viel, viel erträglicher: die kaltgepressten Säfte von Uzuma. Das Stichwort ist “kaltgepresst”, denn anders als bei herkömmlichen Smoothies oder Säften werden die Vitamine bei der Verarbeitung nicht durch die entstehende Hitze im Entsafter gequält und zerstört.

Eigentlich ist die Diät mehr ein Detox, also eine Kur nach giftige Exzessen und tödlichen Nächten. Man trinkt so viel man kann an einem Tag (und so viel man sich leisten kann), und dann fühlt man sich besser, weil man die Leere in seinem Herzen nicht mit fettiger Wurst oder triefend nassem Schinken gefüllt hat. Meine neuen besten Freunde sind das frische Obst und sein Cousin Gemüse, die gut schmecken, wenn sie in leicht verdaulicher Flaschenform kommen.

Aber was einem die Säfte leider nicht beibringen: nötige Disziplin. Ich meine, man muss eben darauf achten, dass man nichts anderes zu sich nimmt, sonst purzeln die Pfunde nicht, sondern man lädt sich nur was drauf (wer glaubt, dass Säfte nur gesund seien und keine Kalorien haben, der sollte sich noch mal die Rückseite mit den Nährstoffangaben genauer durchlesen). Niemand zweifelt daran, dass es gesund sei, mehr Saft (statt Bier oder Cola) zu trinken, aber die meisten verkennen, dass Kalorien eben auch in “natürlichen” Lebensmitteln drin stecken. Irgendwo muss die Energie ja herkommen, oder?

Also darf man bei kaltgepressten Säften auch nicht den Fehler machen, sie zusätzlich zu konsumieren. Denn egal, welche Diät man macht – so meine schmerzhafte Erkenntnis – man muss eben darauf achten, dass man die Kalorienbilanz nicht sprengt. Weniger Kalorien einnehmen, als man verbraucht bedeutet, dass man auch abnimmt. Und dann ist es widerrum völlig egal, was man dabei zu sich nimmt: ob Butterkekse oder Löwenzahn. Die Menge macht’s aus. Und von Säften kann man viel mehr trinken als man Brownies essen kann, deshalb macht es Sinn, es durchzuziehen.

August 9th, 2014 Posted in Konsumbehindert | No Comments »

AIR MAX 95

Ich hab ja ein richtig witziges Hobby: wenn ich neue Schuhe kaufe oder bekomme, dann muss ich sie erstmal einen ganzen Tag lang in meiner Wohnung, und vor allem in meinem Bett tragen. Wann ist das sonst möglich? Genau, sonst nämlich gar nicht. Das habe ich eben gerade übrigens getan. Meine neuen Air Max 95 mal im Bett getragen. Sie sind, zugegebenermaßen, eine mutige Wahl, denn an Frauen sehen die Schuhe teils aus wie Lastwagen oder Baustellenfahrzeuge. Sie sind die #normcore-Platitüde schlechthin, eine Mischung aus Vergessen- und Hässlichkeit, irgendwo im billigen Ghetto angesiedelt und nun avanciert zum Statement der Post-Hype-Ära. Bei all der Liebe zur chiffrierten Symbolik darf man aber nie vergessen, dass auch Schuhe mit Attitüde getragen werden müssen. Sprich: die Hässlichkeit liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern im Auge dessen, der Unsicherheiten beim Träger spürt. Man muss sich den Objekten, insbesondere aber lang vergessenen Nike Schuhen, eben aneignen. Man muss sie profilieren, bis dieses Profil schließlich von anderen wieder adaptiert wird. Der Teufelskreis geht weiter. Auf ein elegantes Dinner wird man die jedenfalls nicht anziehen können, aber sie gehörten in meine Air Max Sammlung doch dazu und so habe ich schließlich den Schritt gewagt. Gut, ist jetzt vielleicht nicht für jeden etwas. Moxy muss man haben. Und so kann man sich ja im Zweifel beim neueröffneten Ableger des Briten JD Sports umschauen, ob es da nicht auch noch was anderes gibt (gibt es übrigens). In Berlin Steglitz hat sogar eine haptische Filiale aufgemacht, in der man sich neben den großen Namen der Stadt umschauen kann, wenn man mal vor Ort sein sollte. Die Air Max reihen sich ein in die Liste klobiger Schuhe, mit denen mich auch adidas seit neuestem bezirzen konnte. Die Laufschuhe der Reihe Energy Boost sind so sexy dass es mir die Sprache verschlagen hat. Natürlich habe ich mir in mein Modell direkt von irgendeinem Asi in der Ranaranabar ein Brandloch verpassen lassen. So ist das halt, wenn man darin nicht nur laufen, sondern auch räudig tanzen will.

May 22nd, 2014 Posted in Konsumbehindert | Comments Off

MUBI

MUBI

Eine Empfehlung von ganzem Herzen: Mubi. Diese Seite kuratiert Filme mit viel Swag. Kann man so verstehen, dass die Seite viel Swag hat, kann man aber auch so lesen, als hätten die Filme Swag. Beides trifft zu.

Was nämlich Mubi für Opfer wie mich macht: vorsortieren, ohne große Auswahlmöglichkeiten zu geben. Wer das Marmeladenglasproblem kennt, der weiß, wie sich das auch mit allen anderen Dingen im Leben verhält. Den ganzen Tag Entscheidungen treffen, immer wieder nachdenken, reflektieren, analysieren, würfeln, hoffen, dass man richtig liegt. Weg mit dem Quatsch! Ich, als Vorreiterin und Sprecherin der Generationen X bis Z, bin für diese Filtersysteme auf jeder Ebene des Lebens.

Okay, wie funktioniert Mubi also? Man meldet sich für fünf Euro im Monat an. Dann hat man Zugriff auf nicht mehr und nicht weniger als dreißig Filme. Es können Dokus, Dramen, Komödien, Kurzfilmsammlungen oder die ganze Geschichte von Bruce Lee sein, aber auf jeden Fall sind die Filme nur für 30 Tage online. Jeden Tag kommt ein weiterer Film in die Sammlung und der letzte aus der Liste verschwindet.

Nun wäre das aber kein gutes Konzept, wenn nicht auch die Qualität und Auswahl der Filme gut wäre. Nicht jeden Tag ist ein Film dabei, den man unbedingt gucken will. Aber ähnlich wie Mediasteak – meine andere Lieblingsempfehlungsseite im Netz – kommt man immer wieder auf Ideen und Inspirationsmöglichkeiten. Ich finde das gut. Wenn ich nämlich abends breit im Hochbett liege habe ich wirklich keinerlei Lust darauf, mir jetzt noch meine nächtliche Gesellschaft auszusuchen. Mubi macht das jetzt für mich. Hat sich das sehr einsam angehört? Ich brauche keine Menschen mehr.

Wer auf gute Filme steht, wird Mubi lieben. Diejenigen, die eigentlich keine großen Ansprüche haben, werden durch Mubi in jedem Fall zu Liebhabern werden. Mubi ist eine gute App/Seite und verdient größten Respekt und Aufmerksamkeit, denn sie schafft es, so gut wie alles richtig zu machen: Design, Geschwindigkeit und Empfehlungen sind alle on point. Mit der App kann man sogar die Filme für weitere 7 Tage downloaden und offline gucken. Wieso es sowas nicht vorher gab – völlig schleierhaft. Aber wie so oft kommt die Lösung eben, bevor das Problem ausformuliert wurde. Chapéau!

Vielen Dank an Nico für den Tipp.

March 18th, 2014 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | 1 Comment »

What We Wore

What We Wore” ist ein wunderschönes Projekt, das mit Hilfe von privaten Fotos die Styles und Fashionbewegungen seit den 1950er Jahren in Großbritannien aufzeigt. Natürlich kann man den Modediskurs in Texten und Veröffentlichungen verfolgen. Doch es ist eben diese private Welt, die ein realistisches Bild nachzeichnen kann. Schnappschüsse aus vergangenen Zeiten sind trotz ihrer dokumentarischen Dichte immer noch viel seltener und schwerer zu greifen als die Bilderflut von heute, sodass es immer spannend wirkt und sich wie ein Privileg anfühlt, die Vergangenheit so zu verfolgen.

What We Wore is a project initiated by ISYS ARCHIVE to create a people’s style history of Britain from 1950 to the present day. It’s about people and their personal stories why they wore what they did and what it meant for them.

Wenn man einen Abriss über die verschiedenen Stile von heute machen wollen würde, müsste man sich erstmal durch einen ziemlich großen Haufen Bilder durchwühlen. Ich meine, riesig. Wahrscheinlich würde sich niemand dieser Herausforderung annehmen wollen. Ich hätte jedenfalls keinen Bock Fashion anhand von Selfies und überfilterten Instagram-Bildern nachzuzeichnen.

Whateverest. What We Wore wird anscheinend auch im Herbst 2014 als kleines Lookbook in die Vergangenheit veröffentlicht. Bis dahin ist es aber auch ganz schön, sich durch das übersichtliche Archiv durchzuklicken.

March 3rd, 2014 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | Comments Off

Zoomyrentals Foto-Verleih

Zoomyrentals Foto-Verleih

Wie ihr euch sicherlich erinnern könnt, habe ich letztes Jahr nach der wunderbaren Südtirol-Reise einfach meine Kamera verloren. Meine emotionale Bindung zu arschteuren Sachen könnte fester sein, denn ich merkte es erst vier Tage später. Meine geheime Superkraft? Geld verbrennen ohne es zu merken. Wenigstens bleibt euch so meine Hackfresse beim Paragliding erspart, denn die Aufnahmen sind für immer weg (oder landen irgendwann auf YouTube, je nachdem welcher Asi sich einen Spaß draus machen möchte).

Seitdem – weil “Geld Haben” kein Konzept ist, dass sich in meinem Bewusstsein manifestieren will und ich also niemals eine neue Kamera kaufen werden kann – gehe ich meinen Freunden auf die Nerven, fotografiere analog, gar nicht oder leihe mir Kameras und Objektive bei Verleihfirmen aus. Umso glücklicher war ich also darüber, als mich die jungen Leute vom Start-Up Zoomyrentals angefragt haben, ob ich nicht mal ihren Online-Verleih testen möchte. Das Prinzip ist folgendes: sie sparen sich den Laden (und entsprechend die Kosten dafür) und können so günstiger hochwertige Foto-Ausrüstung deutschlandweit verschicken.

Nun gibt es einige Dinge, die machen über das Internet total viel Sinn. Ein Foto-Verleih kam mir bis dato nicht in den Sinn, das liegt aber daran, dass ich in Berlin wohne und nur wenige Straßen weiter der erste Laden mit einem ordentlichen Angebot aufwartet. Aber wenn ich mir vorstelle, ich würde eine Mark III in Buxtehude brauchen – wer soll da schon eine parat haben? Und dann auch noch zu bezahlbaren Preisen?

Der Deal war, dass ich mir für eine Woche etwas leihen darf – die Canon Kamera 5D Mark III und das Canon 24-70, ein Standardzoom mit orgasmischen Fähigkeiten, die zwei schönsten Objekte, die ich jemals in der Hand halten durfte – und dafür meine ehrliche Meinung zum Konzept und zur Umsetzung des Shops mitteile.

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February 5th, 2014 Posted in Berlin, Konsumbehindert | Comments Off

Dots

Dots

Zu Hause ist, wenn ich keinen Hunger mehr habe und die ganze Nacht wach bleibe, um mich in irgendein nerdiges Fachgebiet einzulesen (etwa durch die Meilensammler-Foren oder Keto-Diät-Fanatiker). Diese Weihnachten soll aber alles anders kommen, denn ich habe Dots entdeckt.

Dots ist eine App für das iPhone, die genau die Mitte zwischen “dummes Sabbern” und “angestrengte Konzentration” erfordert. Man kann es so oder so spielen. Letztlich geht es nur darum, Punkte zu machen, indem man gleichfarbige Dots miteinander verbindet. Umso besser, wenn man ein Quadrat macht, denn dann verschwinden alle Dots der Farbe. Das ist wirklich stupide langweilig und sinnlos, hat aber einen noch höheren Suchtfaktor als Spark, meiner anderen neuen Lieblingsapp, die ich euch jetzt aber noch nicht vorstelle. Ich übe noch. Und dann zeige ich euch die besten Resultate meiner Spark-Fähigkeiten (okay, weil ihr so fragt: hier mein erstes Video über den Diabetiker-Haushalt, in dem ich hier meinen Urlaub verbringe).

Anyway. Dots. Frohe Weihnachten. Happy Hannukah. Leute, beide Toilettenspülungen in diesem Haus sind kaputt.

December 23rd, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | Comments Off

Tinderness

Tinderness

Es gibt zwei Sorten Menschen auf der Welt: die, die so tun, als hätten sie Interesse an inneren Werten, und die, die geradeheraus zugeben können, dass sie ihre Genitalien nur in schöne Gesichter drücken möchten. Es gibt für beide Kandidaten die entsprechenden Online-Dating Apps und Webseiten, aber ich finde gerade die zweite Kategorie entspricht – frei nach dem aktuellen brandeins Thema – dem aktuellen Zeitgeist wie sonst nichts.

Berlin. Es ist November, ein paar Leute möchten gerne in den nächsten Monaten kuscheln. Deshalb wird die petite Single-Plattform imGegenteil gegründet. Einzelne Kandidaten werden – sonst so leidenschaftlich nur bei Gebrauchtwagenbörsen zu sehen – von Außenstehenden portraitiert und interviewt und in die Galerie gehängt. Nun können suchende Töpfe dort den hochästhetischen Deckel finden.

Ich persönlich möchte ja jedem, der sich dort darstellen lässt, mit der Faust das Gesicht malträtieren, aber das liegt an meinem persönlichen Neid, meiner Wut auf alles, was Hochglanz ist, und einer gewissen Sehnsucht nach Prügelei. Drei Staffeln Game of Thrones können einem das antun.

ImGegenteil, das ist ganz entzückendes Theater für Leute, die auch Slow Food, Bikram-Yoga und glutenfreie Nüsse gut finden. Ich habe nichts dagegen, dass es existiert – auch wenn ich persönlich mein eigenes Herz wahrscheinlich lieber im Golden Gate an einen Crystal Meth Dealer verschacher.* Ich finde die Existenz von ImGegenteil aber so provozierend, weil sie im ganz klaren Konkurrenzkampf der Konzepte zu einer anderen, viel weiter verbreiteten, viel aktuelleren und beschleunigten Form des Online-Datings steht. TINDER.

*Kleiner Edit, um Missverständnissen vorzubeugen: ich finde ImGegenteil nicht schlecht. Die Gründerinnen haben sicherlich ausgewogen darüber nachgedacht, welche Zielgruppe sie bedienen wollen. Auch ImGegenteil entspricht einem gewissen Zeitgeist, den würde ich aber eher auf so eine etwas elitäre soziale Gruppe in Berlin beziehen, die von Freunde von Freunde und anderen Konsorten genährt wurde. Ich gehöre eben nicht dazu, bin mir aber sicher, dass die Geschäftsidee aufgeht. Es gibt genug Menschen, die sich an schönen Fotos und Geschichten und langsamen Prozessen erlaben, weil sie meinen, damit subversiv gegen den Beschleunigungstrend vorzugehen. Mit den Gründerinnen habe ich übrigens auch ein Interview für MTV District geführt, weshalb ich erst auf das Thema gekommen bin.

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November 28th, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | 7 Comments »

Winterlieferdienst: 2 x 25 € für Pizza.de gewinnen!

Winterlieferdienst: 2 x 25 € für Pizza.de gewinnen!

Ich hab nichts gegen den Winter. Seit gefühlt drei Jahren ist meine Stimmung voll drauf eingestellt: bitte dunkel, warm und schlecht-gelaunt. Die Winterdepression 2012/2013 war jedenfalls voll im Gange, trotz eher milden Temperaturen. Daran hat sich über den Sommer nichts geändert. Jetzt, wo er wieder vor der Tür steht (oh Gott, ich werde alt) kommen aber auch wieder all die Vorteile:

- ich muss das Haus nicht verlassen, weil kein anderer es verlassen wird
- ich kann den ganzen Tag Serien gucken und bin nicht bleicher als die anderen
- ich muss zum Essen nicht einkaufen gehen, denn ich kann mir ja was bringen lassen

Letzteres ist essentiell für die Glückseligkeit bei Scheisswetter, und deshalb empfehle ich heute – nebst allen anderen Möglichkeiten, die man gerade in Berlin hat – pizza.de als treuen Begleiter und Helden der tiefdunklen Winternacht. Eins muss man aber dazu sagen, das ist meine ehrliche Einschätzung und wurde schon im Freundeskreis vieldiskutiert so bestätigt: es gibt keine gute Lieferpizza in Berlin. Seriously. Sogar in meiner pimmeligen Vorstadt konnte man sich vor guter Lieferpizza kaum retten. Klar, da gab’s halt auch sonst nichts zu tun, außer zu Hause rumzuhängen und sich das Futter bringen zu lassen. Trotzdem. Wie groß muss der Preis- und Konkurrenzdruck in der deutschen Hauptstadt sein, dass es keinerlei gute Pizza gibt? Die Zutaten sind immer aus der Dose, der Teig suppt immer irgendwie durch, meistens kommt sie kalt an oder in einer abartigen Version, die man sich so nicht gewünscht hat. Falls jemand dem widersprechen möchte: ihr seid dazu aufgefordert, eure heißen Tipps für Kreuzberg und Neukölln mit mir zu teilen!

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November 13th, 2013 Posted in Berlin, Konsumbehindert | 22 Comments »

Vine & Die

random, zusammenhangsloses bild

Ich habe die letzten paar Tage damit verbracht – ohne BH, hauptsächlich von grünen Elfen bespaßt, in Salt&Vinegar Chips eingerieben, Prossekschen in Jogginghose gurgelnd, im Sexchat Inserate aufgebend – meine Seitenstrangvagina groß zu pflegen und bin stolz auf meinen Kadaver weil er ausnahmsweise nicht im, sondern vor dem Urlaub krank wird. Zwar in der stressigsten Woche des Jahres, wenn ein “Launch” (nukleare Testraketen aus meinem nordkoreanischen Exil? WER WEISS!) bevor steht, wenn das Herz mal wieder rumzickt, wenn die Ferien angefangen haben und man deshalb eigentlich durchweg sternhagelvoll sein müsste. Eigentlich müsste mein Blut aus MDMA-Kristallen bestehen, genau jetzt. Ich müsste in einem richtig schäbigen Berliner Schuppen stehen und mir die Füße blutig tanzen und dann aus Dehydrations-Gründen mit einem Schlaganfall in die Charité eingeliefert werden. Stattdessen trinke ich Kaffee und Tee GLEICHZEITIG – weil ich ein Rebell bin – und muss trotzdem in die Charité, aber halt wegen der unsexy Seitenstrangangina.

Das alles soll euch eigentlich nur das Intro für ein Leben sein, dass ihr niemals bewundern werdet. Die Angina lateralis ist daran nicht primär Schuld, aber unter diesen Umständen erschwert sie mir ein aufregendes, interaktives Dasein, für das man sich einen BH anziehen muss. Warum sollte ich also eine App wie Vine runterladen, die ganz offensichtlich spannenden Menschen in den Ghettos von Brasilien vorbehalten sein sollte? Menschen, die keinen Zugang zu hochwertiger Video-Technologie haben, könnten so die seltene Aufmerksamkeitsspanne einer ganzen Generation einnehmen. 15 Sekunden Videoclip Zusammenschnitt. Und was passiert? Ich filme eine Zigarette ab und übe Stop-Motion-Gekritzel. WEIL ICH ES KANN. Andere aus meinem Stream “filmen” die U-Bahn in ihren beweglichen Elementen. Seht ihr, das Leben wird nicht spannender mit Vine, das ist leider das ernüchternde Ergebnis. Genauso wie das Essen mit Instagram nicht leckerer wird.

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February 19th, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | 5 Comments »

Nike 2013 & The Postmodern Market

Weil deine kleine Schwester angefangen hat, Air Max 1 zu reppen, will an der Spitze der Hypebeast-Pyramide keiner mehr die Botten tragen. Bummer. Das kann doch nicht sein, dass sogar – so schnaubt man verächtlich – Schulkinder ohne jeglichen Sinn für Geschmack diese Schuhe tragen, das ist Identitätsdiebstahl.

Nun gut, diese Liason mit dem Einser ist erstmal kollektiv ad acta gelegt, da können noch so viele Special Editions kommen (obwohl Camo/Leo auch irgendwie höhnisches Statement seitens Nike ist, frei nach dem Motto: “wir erfüllen jeden Wunsch, den eure SYSTEM OVERLOAD Gesellschaft hat”). Diese Schuhe werden nur noch von Kids und Spätzündern gekauft (nicht getragen; das dauert noch) und behandelt wird das in etwa so wie Menschen, die nicht in den 80ern geboren wurden oder erst nach Schließung der Bar25 nach Berlin gezogen sind: während du noch alter Scheisse hinterher hängst, haben wir schon längst die nächste Underground-Party gefunden, die nur uns gehört.

The line of sneakers is very popular amongst many subcultures, for example Hip Hop, and Gabber.(via Wikipedia)

Hah, Gabber.
Ich bezweifle nicht, dass er wieder kommt, der AM1. Ich gehe ja nicht mal davon aus, dass er tatsächlich verschwindet; die Schuhe sind immerhin gekauft, die muss man jetzt entweder tragen oder mit Wertverlust verkaufen. Problemlösung: Man mottet sie im besten Fall ein und holt sie in sieben bis zwölf Jahren wieder raus, wenn sie schon längst vergessen sind und die eigene Individualität durch den Rückgriff in die Kiste der Vergangenheit ganz einzigartig demonstriert werden kann. Dieser kleine Ausschnitt aus einer BBC-Fashion Reportage 1990 drückt den Circle of Life wunderbar aus.

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February 11th, 2013 Posted in (Pop)Kultur, Konsumbehindert | 3 Comments »