Shit Girls Say, 2
Ich werde hier jede einzelne Folge posten. Es ist die menschgewordene Großartigkeit.

Ich werde hier jede einzelne Folge posten. Es ist die menschgewordene Großartigkeit.

Ein Leben voller traumhafter Klischees, die ich so liebe und ohne die mein Geist wertlos wäre.

Wer sagt mir eigentlich, was sich lohnt, und was aussichtslos ist? Wer ist überhaupt berechtigt dazu, mir zu sagen, was ich tun sollte und was nicht? Wer kann mein Werk – nicht meine Arbeit, sondern mein Werk – tatsächlich so beurteilen, dass ich es ernst nehmen kann? Wessen Kritik sollte ich mir anhören – und was ist die Kritik eines einzelnen wert, wenn dafür tausend andere unkritisch Beifall klatschen?
Wer hat Exzellenz, die Brillianz, aber auch die Fähigkeit, die Bildung, solche professionellen Urteile zu fällen, die einem den Grund unter den Boden nehmen und klipp und klar vermitteln: du solltest lieber etwas anderes tun, denn du bist keine Bereicherung für a) die Gesellschaft und b) für deine individuelle Gegenwart. Oder auch: genau das, was du tust, ist das, was wir brauchen. Es ist eine positive Änderung, oder mindestens eine Erweiterung, ein Aufbau, eine Glanzleistung- vielleicht einfach nur “berechtigt”.
Wie viele Menschen können ein architektonisch und handwerklich einwandfreies Haus erkennen und beurteilen? Wie viele Menschen können in einer Jury sitzen und die Figuren eines Klippenspringers nach Konzept, Umsetzung und Ästhetik einschätzen? Viele Menschen können sich begeistern. Sehr wenige haben ein geschultes Auge. Und wie notwendig ist ein geschultes Auge eigentlich? Warum sollte es eine Bestimmungshoheit über Kultur oder Kunst geben, wenn uns die Demokratie in die Wiege gelegt wird? (Vielleicht, weil es auch eine Bestimmungshoheit darüber geben sollte, wie man ein Flugzeug fliegt oder ein Haus baut. Weil Menschenleben, aber auch die Art menschlichen Lebens, auf dem Spiel stehen)
Auf wen muss ich hören, wenn ich frage: sollte ich schreiben? Auf meine Freunde? Auf meine Leser? Wer sind diese Menschen, warum finden sie das, was ich mache eigentlich gut, und warum zählt ihre Meinung, und wenn nicht ihre, wessen sonst? Wie viel Gehör hätten meine Worte bekommen, wenn diese unmittelbare Do It Yourself Möglichkeit des Internets nicht gegeben wäre – wie viel hätte ich geschrieben? Wie viel Brillianz und Intelligenz gehen unter, weil sie nicht den populären Geschmack einer Masse treffen – wie viele Trial & Errors darf man sich erlauben, wenn man kein Fachgebiet, sondern nur ein “Hobby” hat?
Wir reden von Professionalisierung und Paradigmenwechsel, aber kaum einer spricht mehr von Authorität und Elite. Die Frage, die sich stellt, ist ob durch diese Umstrukturierung unserer Kreativwelten auch unser Anspruch verwaschen wird. Ob das generelle Halbwissen, welches jeder hat, das gänzliche Fachwissen eines einzelnen egalisiert. Gibt es einen Weg, beide, sich gegenüberstehenden Welten zu vereinen?
Viele Gedankenanstöße kamen bei der schwedischen Gegenwartsaufnahme “Press.Pause.Play.“, viele Fragen wurden in den Raum geworfen, nicht viele wurden beantwortet. Es bleibt spannend, sowohl gesellschaftlich als auch aus individuellem Standpunkt. Dieser Film hat großartige Standpunkte zu vielen Themen der digitalen Welt zusammengesucht und Menschen sprechen lassen, die sich dieser Welt bedienen. Unabhängig von den Inhalten ist er auch wunderschön gemacht. Wird hiermit ans Herz gelegt.
(Merci an Roitsch & Nico für die Empfehlung)


Ich teile mit vielen Menschen einen gewissen Lebensstil und bin traurig darüber dass man ihn aus objektiver Sicht so gerne als einen einsamen, schnelllebigen, wertlosen und von Konsum gefüllten betiteln möchte. Als ob man mir von Anfang an absprechen möchte, dass ich unter diesen Umständen jemals so etwas wie Zufriedenheit oder Glück empfinden könne. Als ob die Kultur, die ich heute genieße, alleine weil sie moderner ist als diejenige, die vor 20 Jahren existierte, meinem persönlichen Zerfall gleicht.
Vor einer Ewigkeit nannte man solche Leute mal: verkrachte Existenzen. So schwarzweiß ist es heute nicht mehr. Dieselben Leute haben immerhin die Welt in die Tasche gesteckt. Die sie überall mit sich herumtragen, zumal sie jedes Jahr noch kleiner, flacher, leichter und marcjacobsiger wird. Sie sind nicht verkracht, sie sind: die Facebook-Generation. Wer sollte sie dafür verurteilen? Während man früher gesellschaftlich sanktioniert, isoliert und zum Verlierer abgestempelt wurde, wenn man mit 30 oder 40 stundenlang auf der Couch lag und sich mit Nonsens befasste, gibt es heute ein anderes kollektives Bewusstsein. Ein Wir.
Heutzutage krepieren wir alle an Burnout, es gibt mehr Kriege als je zuvor, wir sozialisieren nur noch über virtuelle Kommunikationsmittel, wir glauben nicht mehr an Gott, wir wissen nicht mehr die Romantik der Langweile zu schätzen und wissen nichts mit uns anzufangen. Während wir sinnlos “Brause trinken” und “Bon Iver hören”, geht unser Leben an uns vorbei, und wir erinnern uns ins 70 Jahren an nichts mehr von Bedeutung. Wenn wir etwas googlen möchten, landen wir im vierstündigen Delirium zwischen Klicks und Zeitvertreib.
Dabei verstehe ich diese andere, angeblich bessere und ältere Welt nicht so wie ihr. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, wo die Dinge schnell sind. Und ich gehöre hier rein. Ich will nicht vor meiner Zeit leben und den Dingen entsagen, die mich gleichzeitig auch formen. Der vom Internet erschaffene Lebensraum ist meiner. Den könnt ihr mir nicht einfach wegnehmen, nur weil ihr überfordert zu sein scheint, oder diese Entwicklung nicht versteht, oder so gerne in die Nostalgie eurer eigenen, angeblich besseren “damaligen” Lebensweise verfallt. Ich kenne die Probleme unserer Gesellschaft und versuche ihnen auszuweichen, so gut es geht, aber ich betitel mich nicht als Opfer der Informationsfluten, sondern als ihr Meister. Ich verbringe sehr, sehr viel Zeit im Netz, schon seit meinem 11. Lebensjahr, und trotzdem finde ich noch genug Platz mich zu entfalten. Ich bin sehr glücklich, habe ein schönes Leben, bin ein zurechnungsfähiger Mensch. Ich schicke lieber eine E-Mail, als zur Post zu gehen, und ich kommuniziere lieber über Facebook, als zu telefonieren. Das heisst nicht, das ich beides nicht könnte, und das heisst auch nicht, dass ich nicht befähigt bin, ohne meine “künstliche” Umgebung zu leben; aber wer mir meine Kultur, meine Zeit und meine Entwicklung wegnehmen möchte, riskiert dass ich an dieser anderen Unnatürlichkeit verzweifle.
Dieses Wir hat es sich ziemlich dauerhaft und komfortabel eingerichtet im Wartezimmer zum Erwachsenwerden. Man geht mal eben ins Internet, um die nächste Apotheke zu googeln, und kann hinterher nicht genau erklären, warum das letztlich dann doch drei, vier Stunden in Anspruch genommen hat. Man muss es übrigens auch niemandem erklären, keiner fragt danach. Dank Facebook weiß man dafür nun endlich wieder, was die alten Schulfreunde gerade so machen; nämlich in etwa dasselbe, nur eben in Amerika. “Und ich dachte immer, ich würde klüger werden. Und dass wir irgendwann reich wären . . . ” sagt Jason in “The Future”.
Ihr habt mir diesen Zoo gebaut, mich gefüttert und erzogen, mich beschützt und mir das Leben leicht gemacht, und jetzt erwartet ihr, dass ich richtig viel Bock habe in die Wildnis zurück zu gehen und mich einfach vor meine Feinde zu werfen? Wisst ihr was: die Schnelllebigkeit, über die ihr euch beklagt, ist ein Teil meines Weltbildes. Die Sinnsuche, die es jetzt nicht mehr gibt, hat euch selbst in den Wahnsinn getrieben. Es bleibt keine Zeit zur Reflektion, sagt ihr, und wir werden unter Druck gesetzt, sagt ihr, aber hier bin ich, und ich reflektiere, und ich bin zurechnungsfähig, und ich liebe das alles, weil ich es nicht anders kenne. Das heisst nicht, dass meine Liebe zum Leben weniger wert ist als eure. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich euch eines Tages besser verstehen werde, als ihr mich jemals verstehen könntet. Nur entwertet mich nicht aufgrund der Zeit, in der ich geboren wurde: ich glaube nämlich, dass ich ziemlich schnell erwachsen werde in dieser Welt und mir dessen auch bewusst bin. Hört auf, mich in das kollektive Bewusstsein der versagenden, inhaltsleeren Hipstergeneration zu pressen, die sich mit Sinnlosigkeit zumüllt, bis es Sinn findet. Wir sind genauso erfolgreich oder unerfolgreich wie die Generationen vor uns, ihr seht uns nur besser, weil Facebook euch lässt.
Das ist eine Antwort auf den Artikel “Generation Facebook – Im Wartezimmer zum Erwachsen werden”, von Rebecca Casati, veröffentlicht am 6.11.2011 in der Süddeutschen Zeitung

Auch, wenn ich den Namen immer noch ein bisschen sperrig finde — ein ganz großes Ding bahnt sich in der DSLR-Welt an, nämlich die Kombination der unglaublichen Kräfte von Clemens-Ignant und Marcus-DT64 zu einem einzigen Think Tank der Bewegungsbilder: SUPERIEST.
Ich freue mich sehr für die zwei und hoffe dass die Nachwelt sich ab sofort auf grandiose Videos, von Mood über Dokumentationen, freuen kann. Es ist auch nicht mehr lange hin, dann lege ich ihnen sowieso ein paar Doku-Konzepte vor. Ich mache jetzt nämlich in Boulevard, Gossip und Unterschichtenfernsehen, da steckt noch Geld drin, im Bildungsdefizit unseres Landes.

“Guten Tag Frau Mordstitten,
Es tut mir leid, dass Sie Ihre alten Bestellungen und Bestandsdaten auf unserer Website nicht einsehen können.
Wie ich sehe, haben Sie unter der E-Mail-Adresse xxxxx 2 Kundenkonten angelegt. Diese sind, wenn Sie auf “Mein Konto” rechts oben auf unserer Website (http://www.amazon.de) gehen, über unterschiedliche Passwörter abrufbar. Diese Passwörter haben Sie beim Anlegen der Kundenkonten festgelegt.
Passwörter können Sie jederzeit online über “Mein Konto” rechts oben auf unserer Website (http://www.amazon.de) ändern. Wählen Sie in der Kategorie “Kontoeinstellungen” den Link “Namen, E-Mail-Adresse oder Passwort ändern” und lassen Sie sich durch die Seiten führen.
Allerdings ist es nicht möglich, für Ihre unterschiedlichen Konten unter der gleichen E-Mail-Adresse dasselbe Passwort zu wählen.
Falls Sie nur noch von einem Konto bestellen möchten, empfehlen wir, die anderen Konten einfach ruhen zu lassen.”
Ich lass das jetzt mal so stehen, weil ich in meinem ganzen Internetleben noch nie so ein seltsames Problem hatte. Ich hatte mein Passwort geändert und bin dann ein einem komplett neuen Account gewesen. Ich frage mich: was ist das für ein schwarzes Loch, das mich eingesogen und woanders wieder ausgespuckt hat?
Es fühlt sich an wie eine Out-of-Body Experience, auf jeden Fall.

Das ist so interessant geil. Irgendwo is immer halligalli! Und hier gibt’s jetzt nich nur Türken!

Das Internet fragmentiert meinen Kopf und meine Seele so stark, dass alle populären Begrifflichkeiten von “Informationsrausch” bishin zu “Kuration” für mich in Sinnlosigkeit untergehen. Bilder, Videos, Musik, Worte, Zitate, Sammlungen, Geschmack, Fashion, Design, Ästhetik.
Früher einmal hat mich das alles berührt. Seltene Schönheiten in der Fotografie oder goldene Textstücke, die man nicht alle Tage auf den dreckigen Straßen des Netzes findet, sie haben mich inspiriert, beflügelt, angetrieben, bewegt dazu eigene Leistungen in diesen Rahmen zu bringen. Und ich sammelte all das, was mich (virtuell) erfüllte.
Leider übersteigt zur Zeit der inspirierende Content die Aufnahmefähigkeit. Stellt euch vor, all die schönen, glitzernden, bunten Dinge, sie verschwimmen zu einem Einheitsbrei und werden unverdaut wieder ausgeschissen. So machen es alle. Was übrig bleibt ist der bittere Nachgeschmack von Werbung, denn daraus scheint alles nur noch zu bestehen. (Fashion) Photography, Product Placement, DSLR Video Mini Stories mit Sponsoren.
Und weil das nicht genug ist zerstreut sich auch noch die Sammelkultur auf Plattformen, deren einziges Ziel ist eine Userbase aufzubauen die sich zugehörig fühlt um fortan ihre Musen (diese Musen sind übrigens alle Schlampen) mit anderen, gleichgesinnten Interessenten zu teilen. Tumblr ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn es sich als Blog-Sammelschubladen-Hybrid noch als ziemlich flexibel erweist. Wo einst der Sammelindividualismus war sehe ich aber heute eine strenge Community-Klausel (und manchmal auch elitär). Ffffound für Bildchen, Svpply für Produkte (oder halt Bildchen), Pinterest.. wieder für Bildchen, aber thematisch angeordnet. Quote.FM: für Zitate (und Texte, je nachdem), diverse Blogs, dann gibt’s ja auch noch Twitter, dann gibt’s ja auch noch tausend andere Möglichkeiten, zu sammeln, zu teilen, zu finden. Mein Feedreader explodiert vor Möglichkeiten. Kennt ihr dieses Wikipedia Ding, wo man anfängt was zu lesen und sich dann stundenlang im Informationsüberschuss verliert? Ich beschwere mich nicht darüber, dass es so ist, immerhin suche ich mir das ja selber aus und könnte mich durchaus von dieser endlosen Maschine der Ästhetik zurückziehen und mich auf das wesentliche konzentrieren.
Mich stört es nicht. Ich suche eben nur den einen Weg und bediene mich deshalb aller mir angebotenen Dienste. Und frage mich in diesem Sinne auch, wieso das alles so selbstverständlich passiert. Soll ich alle Produkte auf eine Liste packen, und die schönen Bildchen auf eine andere? Wieso führe ich überhaupt Listen, was werde ich später mit diesen Bildchen machen, oder mit den Videos, oder deren Inhalten? Bisher war es immer so, dass sie mich inspirierten, wie gesagt. Mittlerweile ziehe ich meine Inspiration aus den einsamen Momenten an meinem Ceranherd, während ich mir unspektakuläre Dinge koche, die auf keinem Foodie Blog dieser Welt zu sehen wären.
Vor allem aber: inwiefern charaktersiert uns dieses Verhalten, das scheinbar aus dem Internet entstanden ist? Ich sammel die gleichen Bilder wie alle anderen, ich mache mir da nichts vor, wenn hier jemand auf der Höhe des Zeitgeistes liegt dann ich. Nicht vorne, nicht hinten, auf der Höhe.
Ich finde es jedenfalls ziemlich interessant, dass um den Trend des “Sammeln und Teilen” herum schon Start Ups gegründet wurden, die sich genau darum kümmern sollen. Sie finanzieren sich dann wahrscheinlich über Werbung oder Placements, denn wem fällt es schon auf, wenn die Power User irgendwann nur noch Produkte / Fotos von Marken teilen, die dafür bezahlen?
Am liebsten ist ja jeder immer noch sein eigener Kurator, der sich von der Masse mit seinem geführten Museum abheben will. Mal sehen, wohin sich das noch entwickeln wird. Ich bin ja der Meinung das zu viel “Inspiration” auch eine Blockade sein kann. Ich merke es an mir selber, doch ich kann um’s Verrecken nicht aufhören.

Als Dropbox vor unzähligen Jahren an den Start ging und für mich zum absoluten Must-Have wurde, hätte ich nicht gedacht, dass irgendwas diesen unglaublich kreativen und innovativen Dienst ablösen könnte. Ein Ordner auf meinem PC, der gleichzeitig mit dem Internet und mit allen anderen verbundenen Geräten synchronisiert. Ich konnte sogar meine OneNote Notizbücher (!) überall mit mir herumführen, solange die Dropbox nur da war. Ich konnte auf meiner Weltreise alles in dieser kleinen Schatzkiste vergraben ohne mir über ihren Verlust sorgen machen zu müssen. Ein Passwort ist alles, euch von meinen Reichtümern trennt.
But not anymore. Minus.com hat für mich innerhalb weniger Minuten Dropbox ersetzt. Und wenn ich mich demnächst mal ausführlicher damit befasse, dann vielleicht auch alle Sharingdienste für Twitter und Facebook sowie Upload Dienste wie Mediafire. Wobei Minus nicht an den fantastischen Look von WeTransfer kommt. Just sayin’.
Eigentlich ersetzt Minus die Dropbox überhaupt nicht, immerhin ist Minus dafür gedacht, die hochgeladenen Dinge mit anderen zu teilen. Aber bei 11 Gig (und possibly more) Speicher und fast identischen Funktionen (z.B. die Desktopp App) oder sowas wie “Screenshots machen, die automatisch hochgeladen werden” wird das ganze eben so abgerundet, dass ich Dropbox nur noch für sensible Dateien Backups brauche, und nicht mehr, um Dinge im Netz abzuspeichern damit ich von überall darauf Zugriff habe.
Ey man, ich weiß nicht, aber Minus.com erleichtert mir gerade so viele Dinge. Files bis zu 2 GB können hochgeladen werden… wenn ich mir überlege dass die 1 TB Festplatte die ich besitze eine FAT Formatierung hat und ich nur maximal 4 GB darauf schieben kann dann ist das auf jeden Fall für mich ein echter Fortschritt…
Weil mir das alles jetzt aber ein bisschen zu nerdy wird, hier noch ein zusammenhangsloses semi-Tittenbild, welches ich von Amy&Pink geklaut habe.


Mit der unmittelbaren Vernetzung von Kulturen und dem schier endlosen Archiv an klassischer sowie gegenwärtiger Musik war es nur eine Frage der Zeit, bis Genregrenzen ein für alle Mal durchbrochen werden und Musik von jungen, konventionsignorierenden Künstlern auf neue Dimensionen stößt.
Bisher waren vor allem die demographischen Gegebenheiten ausschlaggebend für die Entwicklung von Musikrichtungen und verfiel (in meiner flachen Fantasie) den gängigen Klischees: aus England kommt die beste und innovativste Musik, in den USA wird sie glattproduziert und kommerzialisiert (BOYGROUPS), in Deutschland wird sie nur noch gekauft, niemals erschaffen (sogar Caught in the Act war keine deutsche Boygroup). Zumindest war das schon immer mein Anblick auf unsere Null-Gegenwarts-Popkultur. Weil aber Deutschland es schon selbst auf täglicher Basis schafft sich die Fresse einzuschlagen, werde ich zumindest für die nächsten Absätze vom Bashing absehen und mich auf das Wesentliche konzentrieren: was zur Hölle passiert gerade mit der im Zeitgeist liegenden Musik, und wieso?
Ich denke da an Schlagwörter, die sich wie eine Tagcloud bei Last.FM lesen: Synth, Synth’n'Bass, Hip Hop, Dirty South, Sampling, Dubstep, Grime, Garage, R&B, Chillwave, Lo-Fi, Indie, Filthy Dubstep, Drum’n'Bass, Bass Music, Post-Dubstep, Hyperdub, Post-R&B, Indie R&B, Prog-Step, Lovestep, Emotional Dubstep, Contemporary, Avant-Garde, Experimental Electronic, IDM… die Zahl der Begriffe erscheint mir endlos und die Möglichkeiten der Vermischungen geradezu pervers. Wenn man die Zweige und Knoten dieser “Genrenischen” aufmalen würde, hätte man ein ziemlich undurchsichtiges Spinnennetz auf Crack. Glaubt es mir, ich habe es versucht. Nicht Crack, sondern das Aufmalen. Aber auch Crack.
In den letzten Jahren hat sich vor allem ein Trend bis heute merklich zugespitzt: Dubstep schlägt ein, und zwar mit der Faust in die Wand durch Beton und Stahl und trifft den absoluten Nerv, zieht eine lange und komplexe Geschichte seiner Entstehung mit sich her. Während der Bastard, der irgendwann aus Garage und 2 Step heraus irgendwo in Südlondon entstand, sich erstmal mit Benga und Skream seinen Weg durch die Clubs etablierte, nestelte sich schon irgendwo ein kleiner Spuckefaden ab, der sich nahtlos in die aktuellen Musik-Zeitgeist Reports einfügen würde: der düstere, atmosphärische (von mir so betitelte) Heroin-Dubstep. Allen voran Burial und sein Label Hyperdub machten die Vorarbeit. Und immer war es die Bassline, die uns völlig entmachtete. Immer waren es die Drops aus dem Drum’n'Bass, die uns begeisterten, mit einem Sub-Bass, der immer eine Begleiterscheinung des Comebacks ist. Aber all das sind nur Möglichkeiten, denn Dubstep hat nie eine Einheitsform bekommen.
“Der Filth kloppt sich im Strobo bei 140 BPMs, harten Drops und gehirnzerfetzenden Wobbles wie damals schon Trance in den Schädel des Hörers. Burial jedoch schafft es, dem Zuhörer Melodien, Dramatik und die Enge eines Sarges zu vermitteln, ohne auf Tanzbarkeit zu verzichten. Es ist ein bisschen so, als würde man mit einer Nadel im Arm, kurz vor dem Gefühl des ultimativen Glückes, endlich verstehen, worum es bei elektronischer Musik aus Londons schäbigsten Puffs geht.” – Ich.
Und, das darf man nicht vergessen, schon immer hat sich der Dubstep dem Sampling bedient. Schon immer haben seine größten Macher in erster Linie bereits bestehendes gemixt, vielleicht auch vielmehr re-interpretiert, obwohl in den Anfängen die meisten Tracks als Instrumentals mit untergemischten Sounds aus Vocals gelten. Gerade Hip Hop und R&B Samples waren beliebte Fundamente für die krassesten Banger, und es erschließt sich auch warum: würde man ein kleines Diagramm malen, bei dem Dubstep den Mittelpunkt bildet, dann siedeln sich in unmittelbarer Nähe Grime und Garage an, welche nicht zuletzt sozusagen das Hip Hop der UK bilden. Und was für ein “Hip Hop”: hinter dem POW eines einzigen Songs versteckt sich die Gewalt tausender Ghettobomben. Dagegen wirken Tupac und Biggie wie ein händchenhaltendes Pärchen, das gerade auf einem weißen Einhorn den Strand heruntergaloppiert.
Es ist also nur Naheliegend, das Dubstep, einst selbst ein Hybrid, ein Experiment, zum Basislager aller Entwicklungen wird. Der Wobble, ein ziemlich charakteristisches Element des Dubsteps wird zum Trageflügel von Popsongs, das Tempo fluktuiert ohne BPM Restriktionen, die schönen Vocals, die aus gegenwärtigen Hip Hop oder R&B Nummern des Mainstreams gezogen werden, dominieren einen Track nun und machen ihn geschmeidiger, obgleich trotzdem spannend und anders, neu, fresh, rollend. Nur: es passiert nicht mehr ausschließlich in England.
Wie schon eingeleitet ist es vor allem die Vernetzung, die diese Entwicklung so schnell möglich macht. Londoner Jünglinge wie James Blake und Jamie XX, die gerade mal 20 Jahre und ein paar Monate hier oder da auf ihrem Buckel haben, setzen die Mainstream Pop Musik ihrer Generationen in einen neuen Kontext (ähnlich wie Grime Größen auf die Melodien ihrer Kindheit setzen – zum Beispiel Konsolenspiele). Und so vermischen sich nicht nur Genres, sondern auch Kulturen, denn gerade der zuletzt noch als “kitschige, seichte” bezeichnete R&B aus den USA findet nun eine Chance, die Hürden seiner Schmalzigkeit zu überwinden, nämlich inmitten der pumpenden Beats der Engländer.
Die TAZ schreibt, dass beispielsweise SBTRKT diesen Prozess verschönert hat – die glattgezogene, massentaugliche Produktion – indem er Dubstep poppiger macht und seinen Fokus auf die Vocals setzte. Mag sein, dass jetzt erst das alles die Oberfläche des Mainstreams erreicht, aber neu ist das nicht, nur eben durchdachter (ähnlich wie Skrillex den Filth in den USA vorantreibt und dort auch noch als Revolutionär gefeiert wird).
SBTRKT hat Dubstep aus dem Untergrund geholt und in die Mitte geschoben. Die seltsamen Sounds und Samples, die er dennoch einsetzt (hier sowohl an Skream und Burial als auch an Hudson Mohawke erinnernd), werden also auf seinem Album durch die polierten R&B-Vocals auf Linie gebracht. Natürlich spiegelt diese Beschreibung auch Hörgewohnheiten wider: Durch Dubstep und Produzenten wie Burial ist man es so gewöhnt, dass Gesang verhackt und untergemischt wird, dass man es, wenn sie mal wieder im Vordergrund stehen, als “antiexperimentell” ansieht.
SBTRKT hat Dubstep aus dem Untergrund geholt? Bitch please. Da hab ich ja mehr für getan.
Ich würde nichts an getaner Arbeit SBTRKT zuschreiben wollen. Er ist, genauso wie Jamie Woon einfach kalkuliert (und zwar mit höchster Wahrscheinlichkeit von dem Label, auf dem SBTRKT erschienen ist: Young Turks, die schon The XX, Sampha und nicht zuletzt Creep auf der Rolle haben – alles neue Acts, die sich irgendwo in diesem Bereich der Musik befinden). Und ich finde es sogar sehr gut: die Präzision des Sounds ist für andere Momente geeignet, als es Dubstep vor Monaten noch war. Ihn als Wegbereiter für ästhetischen Pop-Sound zu titulieren finde ich aber ein bisschen weit hergeholt. Wegbereiter sind für mich Produzenten wie Flying Lotus oder Hudson Mohawk, die schon mal eine intelligente, elektronische Ebene fanden, den musikalischen Ozean zu überwinden.
Die Musiknazis unter uns möchten jetzt mit Scheisse werfen, weil sie der Meinung sind, dass dies und das kein Dubstep ist, das ist zu Kommerz, das nächste zu Pop, und ach, wie langweilig. Das ist nicht Kern der Diskussion: Kern ist, wohin es geht. Und was kein Dubstep ist (oder von mir aus auch kein R&B, wobei ich selten jemanden erlebe, der R&B verteidigt), muss ja nicht schlecht sein; es braucht nunmal Zeit, um solche Titel wie “Post-Dubstep” zu vergeben und darauf zu hoffen, dass sich jemand was besseres einfallen lässt.
Und dann gibt es ja auch noch den harten Angriff von der anderen Seite, denn die ästhetische Vorgabe mag aus England kommen, aber der wichtige Knackpunkt ist in den USA geboren: auch der R&B bedient sich, und das nicht zu bescheiden. Der Kanadier Abel Tesfaye, der hinter dem Alias “The Weeknd” steht, hat schon etwas länger begriffen, dass die Summe aus Chillwave-Atmosphäre, Hip Hop Lyrics und englischen Breaks wunderbar funktioniert. Oder etwa die Schweden jj, deren Songs sich anhören wie vom Nebel verdichtete Träume, übersungen von einer süßlichen, weiblichen Stimme – und diese Stimme bedient sich hauptsächlich der Lyrics kontemporärer US-Rap Songs.
Es sind nicht mal mehr Remixe – es sind Interpretationen, Reworks, Rekontextualisierungen von Außen. Sie nehmen sich das, was sie im Fernsehen und im Radio hören (und in ihrer Jugend/Kindheit gehört haben) und mischen es mit ihren kostengünstigen Synthesizern und Mix-Programmen auf Apple Produkten rund. Das sind die Produzenten von heute. Addiert man darauf den konventionellen R&B, der sich hier und da die Spritze der Innovation setzt (Künstler wie The-Dream stehen ganz oben auf meiner Liste der wichtigsten kontemporären Urban Music Künstler, was vielleicht auf ersten Blick nicht ersichtlich ist), so erkennt man dass es sogar viel mehr als nur zwei oder drei parallele Entwicklungen sind: scheisse, die Entwicklungen selbst laufen ineinander und haben nicht mal mehr Zeit sich vollständig zu entfalten, bevor sie in den nächsten Mixer geworfen werden (und das dann auch von allen Beteiligten, international).
Vielleicht war es auch das latente Verstecken hinter dem Konsens “wenn es ironisch gemeint ist, darf man es auch” – vielleicht wurden R&B Samples mit stark dominierenden Vocals experimentell mit dem Vorortprodukt Dubstep vermischt, weil sich die Arbeit nicht mehr für ihre Queerness schämen muss. Everything goes.
Diesen Prozess der sich vermischenden Einflüsse und Inspirationen hat für mich einen immensen Wert. So sehr ich den minimalen, fast schon beruhigenden Techno Berlins Liebe, irgendwann kann man mich nicht mehr mit Drogen betäuben und mir erzählen dass es jetzt genau das richtige ist, 8 Stunden lang auf dem gleichen Beat zu tanzen. Irgendwann ist damit Schluss. Und das haben auch viele DJs in der Stadt schon kapiert. Zwischendrin blitzen kleine große Songs aus, die man sonst nur “aus dem Internet” kennt.
Wie gesagt, all das passiert nun unabhängig von lokalen Grenzen, denn die Musik spielt sich auf Plattformen wie YouTube und Soundcloud ab. Immer mehr und mehr mischt sich die Vergangenheit mit der Gegenwart (die Retromanie scheint kein Ende zu nehmen), aber wie verrückt, dass sich die Gegenwart mit… der Gegenwart selbst vermischt! Bei dem Gedanken an die Explosionen, die hier kulturell noch stattfinden werden, kriege ich Gänsehaut. Aber auch Angst: denn noch gehören zum Mischen von Einflüssen nunmal die Einflüsse selbst. Rein subjektiv beobachte ich gerade eine Tendenz zum “Verwaschen” aller Inspirationen, die aus dem Leben selbst stammen, sprich: aus Erziehung, Umgebung, sozialem Stand und all den anderen Faktoren, die dazu gehören. Wenn unsere Charts in einigen Jahren von den Trends im Netz regiert werden, was bleibt dann in den darauffolgenden Zeiten noch, um darauf aufzubauen? Spielen wir das Spiel durch: je jünger das Internet wird, und je weiter es sich ausbreitet, wie viel Raum für Kreativität bleibt dann noch ohne einen leeren Fleck im Individuum?
Divine Interface: I grew up on bass-heavy Southern Country rap – Cash Money Millionaire stuff, or Pastor Troy, or DSGB (Down South Georgia Boys), Three Six Mafia. But being a child of the internet, I was soaking in all kinds of media growing up – I was in a hardcore band, I was into jazz, I was collecting records. I remember once reading an interview with Flying Lotus and he talked about UK dubstep, so I got big into people like Burial and James Blake. Then I found all the LuckyMe stuff – Hudson Mohawke, Rustie, Lunice. Those dudes are really tripping me out, because you can tell they listen to rap music too. It’s all on the same page, just in a different city.
Kids in South London in what’s considered the hood are just making music with whatever they have – and it’s the same with the kids in Atlanta, making trap-rap beats on Fruity Loops. That’s essentially where the Ghetto Lo-Fi came from. When you listen to rap demos or rap mixtapes in the South, it sounds like it was recorded in someone’s living room. It’s got that rawness to it. But when we found all the bedroom pop producers like Ariel Pink and Washed Out called that “lo-fi” – to us, it sounded like the same thing. Same raw edge. (Dazed Digital)
Jeder, der einen vielschichtig geführten Feedreader besitzt oder im Internet arbeitet merkt selbst, wie stark die Tendenz zum Einheitsbrei ist: immer sind es überall die gleichen Themen. Wie können wir Kultur, oder spezifisch: Musik, davor bewahren, sich in einer Uniform zu verstecken? Ist das überhaupt ein realistisches Problem, oder nur meine ganz persönliche Medien-Dystopie?
Acts wie Death Grips geben mir Hoffnung darauf, dass es nicht so sein muss. Ich glaube jedem, der sagt, dass das die furchtbarste Verstümmlung von Breaks und Raps ist, die er je gehört hat. Für mich ist das die ultimative Euphorie, denn es ist innovativ und neu und stellt euch vor, wie ich verrückt werden würde, wenn das mal ein risikofreundlicher DJ im Bumsbunker spielen würde! Und gleichzeitig freue ich mich auch darauf, dass Lovestep nach einigen Jahren des unterschwelligen Herumduseln in irgendwelchen geheimen Locations in London es auch endlich in das Gehör aller Passanten schafft.
Lovestep – meine aktuelle Lieblingsabzweigung – es ist nichts anderes als emotionale Musik, auf die man tanzen kann. Irgendwo zwischen 120 und 140 BPM. Jungs wie Jacques Greene können das ziemlich gut. Der kommt aus Kanada, also ganz weit weg von England. Aber das ist völlig egal, denn alles, was er braucht, um diesen Sound zu machen, ist eine gute Internetverbindung.
