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LAMBO
Schön: wie Robbery vorführt, warum Kopien zwar gut funktionieren können, aber dann leider nur noch auf einer parodierenden Ebene.
$VENDETTA hingegen ist an der Aufgabe glorreich gescheitert – genauso wie einige andere Kandidaten auf der Abschussliste “Deutschsprachige Musikkünstler”. Proof of Concept aus den USA klauen – ne, Cro? – samt Marketingstrategie und sich dann wundern, das niemand von Relevanz – also ich – das gut findet. Authentisch wie der Tatort muss es sein, Deutsch bis zum Scheitern, und sich selbst-kritisierend natürlich. Dann glaube ich auch, dass das aus der eigenen Hosentasche gezaubert kommt, dieses Talent und die Innovation “etwas neues zu probieren”. Etwas neues für wen aber? Für wen ist das neu, wenn man einfach nur Texte ins Deutsche übersetzt, ähnliche Beats produziert, denselben Vibe erstellt und damit dann 5000 YouTube-Clicks bekommt?
Da wundert sich doch niemand mehr, dass Agamben tatsächlich behauptet, der Deutsche hat keine Kultur, sondern nur ökonomische Rationalität. Ach, Robbery. Ihr glaube ich noch, dass sie das aus Spaß macht.
Ach, wenn es wenigstens nicht neu, sondern gut wäre! Die deutsche Sprache hätte ja so viel zu geben, aber sie wird dann nur noch auf Abziehbilder aus dem Englischen reduziert. Gottseidank gibt es Haftbefehl.
Wallflower Mixtapes

“The Perks of Being A Wallflower” von Steven Chbosky war ein verspätetes Catcher in The Rye für mich, allerdings nicht ganz so eindrucksvoll. Man hat halt bis zum Ende nicht genau verstanden, was eigentlich mit diesem verstörten, aber ganz süßen Jungen passiert ist, und wenn man es dann weiß, dann ist man irgendwie auch schon ganz verstört. Der Roman hatte damals ein knallblaues Cover und wurde irgendwie von MTV verlegt, oder zumindest war das MTV-Logo drauf, deshalb hab ich es mir gekauft. Auf Deutsch war das nicht so gut, auf Englisch habe ich es nie gelesen, aber trotzdem konnte ich mich daran erinnern.
Im Flugzeug habe ich dann gesehen, dass der Film mit Emma Watson und dem unglaublich wunderschönen Ezra Miller verfilmt wurde und da dachte ich, entweder ich fick mein Gehirn noch mal mit Cloud Atlas oder ich lasse mich auf ein bisschen Teenage-Coming-of-Age-Shit ein, der mich wahrscheinlich zum Weinen bringt. Und da habe ich natürlich, weil ich so gerne ein Emo bin, schön im A380 meine Nackenwurst rausgeholt, meine bombastischen Schlaftabletten geschluckt und zugesehen, wie schön und schwer Jugendlich sein eigentlich ist.
Beyoncé / Bow Down / I Been On

Hit-Boys Beats dominieren vor allem da, wo sie unerwartet sind. Als Producer schafft er es problemlos, gute Rapper – oder gute Musiker – zu besseren zu machen, sie an ihren Schwächen herauszufordern und bei ihren Stärken zu schmeicheln. So gab er – in seiner göttlichen Funktion erinnert er geradezu an Kanye West – Beyoncé für dieses zerstörerische Gerät viel mehr Edge, als sie tragen kann, ohne ihre Stimme oder mit ihrer Attitüde zu brechen. Ich hoffe, da kommt noch mehr; das Schicksalskind könnte als Midlife-Crisis-Mutti mit neuer Subversität und Rebellion gegen die Hausfrau-Schiene mit den Death Gripz auf Tour zurück kommen und dann wäre Popmusik auch endlich gerettet.
inc. // no world

Im Auto Musik zu hören ist besser als alles andere. Das ist wissenschaftlich belegt so. Ich glaube, das liegt daran, dass das Soundsystem im Auto auch auf die Person am Steuer ausgerichtet ist. Der Sound ist einfach viel besser, selbst wenn er schlecht ist.
Aber das ist ja auch nur Quatsch. Wann hast du das letzte Mal nichts gemacht außer die Musik laut aufzudrehen und dich hinzusetzen und einfach nur zu zu hören? Beim Auto fahren passiert das ja ständig. Man vergisst alles. Man dreht das Fenster auf und hält die Hand heraus und macht die Augen bitte nicht zu und schreit aus ganzem Leib mit, wenn Justin Timberlake im Radio kommt, oder man fängt auf einer beseelten Landstraße an zu heulen und macht eine ganze Abenteuerreise der Emotionen mit obwohl man doch nur an die Tanke musste um Kippen und Kondome zu holen aber da war dann auf einmal The National angelaufen und wenn The National läuft wird jeder plötzlich zur 16-jährigen Prinzessin mit Liebeskummer. WENN THE NATIONAL LÄUFT IST ALLES VORBEI.
Das Auto als musikalischer Funktionsträger und emotionaler Katalysator: ich muss da immer an diese Zeiten des Abiturs denken. Um 3 Uhr morgens bin ich in meinen popeligen Opel Astra gestiegen und quer durch die Dörfer gefahren, einfach so. Nicht mal unter dem Vorwand nachzudenken. Ich war schlaflos und gelangweilt, und das war das teuerste Heilmittel, und ich konnte heimlich rauchen. Mittlerweile ist das ganze Autofahren-Gedöhns einfach zu politisch geworden, täglich sterben jede Sekunde eine Trillionen Bäume, weil ein kleines Mädchen durch deutsche Kuhkäffer fährt und Incubus hört. Unsere Kinder werden dieses Gefühl vielleicht nicht mehr kennen, wenn Rauchen, laute Musik und Auto fahren in der Zukunft verboten werden. Sie werden nicht mehr wissen, was es transportiert – nicht nur den Menschen im Vehikel, sondern das Roadtrip-Gefühl der Freiheit, wenn die Musik läuft.
WHOA

Earl Sweatshirt ist zurück bei seinem 2010 Rap Shit und mein Rücken beugt sich auf erotische Weise nach oben während ich vor Lust kreische. Was für ein Wahnsinnstyp er ist. Ich könnte auch noch viel über Odd Future generell sagen – immerhin habe ich seit knapp 2 Jahren nichts mehr über Tyler und seine Crew geschrieben, obwohl sie mich einst sehr bewegt haben – aber es reicht dabei zu verbleiben, dass ich beeindruckt bin, wie oft sie ihre Formel anwenden können ohne zu langweilen. Zumindest insofern sie souveräne Musik liefern. In diesem Fall ist das definitiv so, und ich freue mich Doris, die alte Scheisse, und alles was Earl sonst bringen mag.
All Kells Everything

Liebe Kinder, wie ihr vielleicht wisst ist heute der Internationale Tag der Frauen. So viel konnte ich jedenfalls aus den hysterischen Tweets meiner Timeline herauslesen. Außerdem ist heute Freitag, beides also gute Gründe, um ordentlich auf die Barrikaden zu gehen. Die Feierlichkeiten haben mir letzte Woche zwar die Fähigkeit zum Atmen genommen, aber ich bin nach 5 Tagen Kriegsführung gegen meinen Körper endlich gesundet und brauche keine Eiterbrocken mehr von den Wänden zu kratzen. Hurra!
Um diesen Anlass ordentlich zu zelebrieren muss man aber schon ein bisschen Style haben. Wer hat den Style? Genau, unsere Freunde von WeBoogie, die das Chesters neu auferstehen haben lassen. In Gedenken an den größten Frauenversteher der Welt gibt es heute die “All Kells Everything”-Veranstaltung. Ich habe keine Ahnung, in welchem Zusammenhang das steht, ich weiß noch nicht mal, ob das Sinn machen darf. Und ich befürchte, es wird die meiste Zeit am Abend R.Kelly laufen. EGAL! Zieht euch eure Fliegen an und steppt in den Club, motherfucker!
M.O.M. / Ricky Hil

Ich kann Rich Hil auf den Tod nicht aufstehen, aber sein neues Mixtape erinnert mich – völlig unberechtigerweise – an To Record Water In Only Ten Days von John Fruiscante. Das Album haben wir damals in TB’s Keller gehört und uns gefragt, wie es wohl sein muss, so viel Scheisse zu fressen und Zähne an Heroi zu verlieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rich Boy Hilfiger Jr. nicht dieselbe kreativer Phase des inneren Zerreissens mitgemacht hat; zumindest endet das nicht im selben fantastischen Sound-Resultat. Es endet ja nicht mal in der selben lyrischen Liga, es ist weder subtil noch prägnant, es ist einfach nur pathetisch und widerlich.
Nur gibt es Tage, an denen fühlt man sich genau so geschmacklos, dass man sich sogar dramatischer Twilight-Musik von Ricky Hil hingeben kann. So viel Labilität kann sich der Mensch ja durchaus mal eingestehen.
Alabama Shakes

Saturday Night Live ist – Hulu sei Dank – mein neuestes Fenster in eine Fernsehwelt, die uns in der BRD spätestens seit dem Ende von Viva+ verwehrt bleibt. SNL ist ein Einblick in die Bewältigung des amerikanischen Medienalltag mit Humor, der funktioniert.
Die letzte Folge war vor allem deshalb viral angehaucht, weil Christoph Walz – der erste “German speaking SNL-host” – die ganze Sendung mit Finesse und Albernheit moderierte. Viel intensiver gefühlt als Walz (Django immer noch nicht geguckt, manchmal muss man sich ja Filme auch aufheben) habe ich allerdings die Band, die zu Gast war.
Hafti Abi Babi Straßenstar International

Leute, wir müssen noch mal ganz kurz über Haftbefehl reden. In der FAZ stand letztens ein extrem nichtsaussagender Artikel, der ganz großartig das Licht am Ende des Tunnels nicht sieht.
Derart spießige Allüren treiben Haftbefehl nicht um. Es gibt bei ihm generell keinen Wunsch nach sozialer Aufwärtsbewegung, es gibt nur die grotesk überzeichnete Inszenierung des Tauschs. Und wo man die Euros, Dollars, Pesos scheffelt (alle Währungen kommen in den Songs von Haftbefehl vor), ob im Untergrund, in der Chefetage, im Wohnsilo oder im Nobelbordell, das ist letztlich egal. „Ich zähl’ die Millen, chillen, Villen, du bist still, Dicker, keine Zeit für Facebook, um Unsinn zu twittern“ – so spricht der Rapper, und so denken sich’s vermutlich auch Fondsmanager und Investmentbroker, die ebenfalls für neue Kulturtechniken nur wenig Zeit haben, denn Zeit ist: Geld.
Ich weiß überhaupt nicht, was das bedeuten soll. Also es gibt bei Haftbefehl keinen Wunsch nach Aufwärtsbewegung? Zugegeben, ganz so pathetisch wie Bushido macht er das nicht, dieses “mir ging’s beschissen und heute schaukel ich meine Eier im Immobiliengeschäft”, aber ist “Gestern Gallus heute Charts” nicht ungefähr DAS Äquivalent zu dem angesprochenen Inhalt?
