Von inspirierenden Sportlerinnen

Von inspirierenden Sportlerinnen

In meinem Freundeskreis ist irgendwas passiert. Plötzlich wollen alle bei Olympia mitmachen. Oder wenigstens beim Halbmarathon in Berlin. Es ist, als hätten alle einen gemeinsamen, sportlichen Nenner gefunden (ich denke mal ein ordentliches Badminton-Turnier oder der Wunsch für den DFB zu spielen sind schwieriger umsetzen, während ja Laufen nicht zu schwer sein sollte), den sie jetzt zur Schau stellen. Wie ging dieses Sprichwort noch mal? “Wenn ein Sportler im Wald laufen geht, und niemand ist da, dem er das danach erzählen kann – hat er dann Sport gemacht?!”

Glücklicherweise gibt es ja jetzt allerlei Apps und Gerätschaften, die das Problem des Weitererzählens beheben. Ein Fuelband am Arm, eine ordentliche Running App mit Social-Media-Standleitung, die neuesten und bestaussehendsten Botten an den Füßen und natürlich das kleine statt dem großen Bier auf der Party am Wochenende, wo man stolz verkündet, nach 24 Minuten bereits im Strahl gekotzt zu haben (man möchte natürlich trotzdem weitermachen). Auch ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, meine morgentliche Joggerei oder die kleinen Fitnessstudio-Eskapaden zu dokumentierenn und sogar in einen öffentlichen Halbmarathon umzuwandeln. Ich meine, ich laufe sowieso, und ein bisschen mehr Training könnte den stetig wachsenden Fettpolstern nicht schaden. Aber… wieso ist dieses Bedürfnis da? Woher kommt der Drang, seinen Sport kollektiv auszustellen? Wer sind die Helden, die mir diese Qual des Ehrgeizes eingebrockt haben? Ich bin kein “nach-den-Sternen-greifer”. Ich greife nach kostenlosen Probe-Schnitten im Supermarkt und verloren gegangenem Kleingeld an der Bar. Sollen sich doch die anderen mit den ersten Plätzen und der damit einhergehenden Verantwortung und dem zu wahrenden Ruf beschäftigen. Wir können ja nicht alle Jennifer Lawrence sein.

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March 3rd, 2014 Posted in Ohne Worte | Comments Off

Hangover (Moodyman Remix)

Hangover (Moodyman Remix)

Ich habe noch nie zuvor etwas von Charlotte OC gehört, aber der Pop- vs. Irritationsgehalt in Moodymans Hangover Remix lässt darauf schließen, dass Charlotte OC eigentlich eher sanftere Mädchenmusik macht und jetzt von der House-Legende ordentlich aufgemischt wird. Die Spannungskurve ist ertragreich, und selbst wenn der Song gegen Ende zum Dancefloor-Kracher wird, verliert er nicht die nötige Eleganz um gleichzeitig ein Hit zum Mitsingen zu werden.

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January 27th, 2014 Posted in Ohne Worte, Track Of The Day | 1 Comment »

BEST TRACKS OF 2013: MINDFUCKED

BEST TRACKS OF 2013: MINDFUCKED

Dieses Jahr machen wir es ein bisschen anders. Es gibt meine 100 Top Tracks of 2013 schön abgepackt in 10 Playlisten: Heartbreak Songs, Feel Good Bounce, Take Off Tracks, In My Classy Bedroom, Lost In A Moment, Mindfucked By Music, Popped A Molly, Pimping, Moodswings und Serious Dance Lessons in The Club.

Wir nähern uns dem Klimax. Die Mindfucked-Session ist brutal – glaubt mir. Obwohl sich hauptsächlich nur überaus anstrengende elektronische Produktionen hier finden, gibt es den ein oder anderen Track innerhalb der Playlist, der mehr kann als drauf hauen. Mindfucked bin ich eigentlich nur deshalb meistens, weil ich die Songs nicht hören und gleichzeitig was anderes machen kann. Die Vereinnahmung ist sehr stark. Deshalb höre ich diese Playlist am liebsten beim Laufen.

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January 8th, 2014 Posted in Ohne Worte | Comments Off

Weird Vibes: Interview mit A$AP Rocky

Wisst ihr noch – damals, als noch nicht jeder 2girls1cup geguckt hatte, und es dann eine massive Anzahl an Videos im Internet gab, wo Reaktionen von Leuten gefilmt wurden, die das groteske Spektakel zum ersten Mal sehen? Ich finde, für dieses Video sollte man das wieder einführen. Im Übrigen fehlt dem deutschen Sprachschatz immer noch ein Wort, dass “AWKWARD” bedeutet. Das Konzept der Befremdlichkeit. Ich kenne Menschen, die müssen sich übergeben, wenn sie das folgende Video anklicken.

(Im Übrigen ist mir bewusst, dass das Format dieser Sendung diese Befremdlichkeit anstrebt. Aber der ultimative Test – GUCKEN UND AUSHALTEN – wird dadurch nicht minderwertiger).

(via T&B)

January 2nd, 2013 Posted in Ohne Worte | 1 Comment »

Polariding

Shoppen ist mein persönliches Nordkorea. Ich. Hasse. Shoppen. Ich hasse die provinzielle Innenstadt. Ich hasse an der Schlange stehen. Das einzige was ich wirklich anprobieren muss: die perfekte Hose die ich noch nie gefunden habe. Deshalb trage ich heute nur noch Stützstrumpfhosen, Leggings oder Strampler. Die Schuld liegt am Einkaufs-Prozess: in Deutschland gibt es nur bitter-ernste Kämpfe um Preise, Gaderoben, Schlangen und nervige Kassierer-Ollen, die endlich auch mal jemanden scheisse behandeln dürfen.

Deshalb habe ich einen Amazon-Prime Account und über den kann ich mir alles bestellen, was ich will. Organe aus Russland, Waffen aus Pakistan und Kinder aus Kambodscha. Da ich nie zu Hause bin um die Pakete zu empfangen, haben meine Nachbarn Petitionen für eine Empfangsdame unterschrieben die diesen Job erledigen soll. Keine Moral dieser Welt kann die Convenience-Liebe aus meinem Herzen spülen. Menschen werden ausgebeutet? Sklavenarbeit wird unterstützt? Die Innenstadt zerfällt in Schutt und Asche (oder auch nicht)? Jeff Bezos ist der Diktator der Postmoderne? Kim Jong-Un wurde zum Sexiest Man Alive gewählt? Ist mir alles egal, Amazon ist das Wunderland und ich bin Alice auf Crack.

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November 28th, 2012 Posted in Ohne Worte | 6 Comments »

Cloud Atlas Review

Es kommt mir unglaublich unverschämt vor ein anderes Review zu zitieren bevor ich meines geschrieben habe. Mache ich es mir zu einfach, wenn ich zuerst andere Kritiken lese, um meine eigene richtig formulieren zu können?

Möglicherweise ist “Cloud Atlas” ein Film, bei dem sich viele Journalisten und geübte Kritiker nach einer Bedienungsanleitung sehnen. Dieses Epos und Meisterwerk von einem Film verdient nicht weniger als eine tiefgehende, weitreichende, super-komplexe Interpretation. Sich bei anderen zur Hilfe zu bedienen erscheint im Sinne unseres Zeitalters: vieles ist mittlerweile so verworren und unübersichtlich dass es anmaßend wäre, eine einzige Person mit der Verantwortung einer umfangreichen Erklärung zu belasten. Die Finanzkrise, das Urheberrecht in der digitalen Welt, der Nahost-Konflikt. Das sind, unter anderem, große Probleme unserer Zeit. Da ist es nur gerecht einen Film zu produzieren der genauso unlösbar erscheint.

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November 23rd, 2012 Posted in (Pop)Kultur, Ohne Worte | 2 Comments »

Analoge Digitalfotos

Okay, mag sein dass ich öfter mal meine Titten zeige um Geld zu verdienen, fair enough. Aber an dieser Stelle habe ich lediglich einen gut gemeinten Tipp, der nicht geldlich kompensiert wird. Dies ist eine ehrliche und auch sehr kurzfristige Empfehlung für alle, die auf einem Haufen digitaler Bilder sitzen und heute Abend noch nichts vorhaben.

Soeben erreichte mich ein Paket voller Abzüge, und ihr wisst überhaupt nicht, GAR NICHT, was das für ein erquickendes Gefühl ist. Endlich all die Bilder der letzten Jahre – 800 Stück an der Zahl in meinem Fall – in den Händen halten, richtig haptisch und auf glänzendem Papier. Für nur sechs Cent pro Bild – also für 60 Euro pro Tausend Fotos – könnt ihr dieses Angebot auch noch nutzen, allerdings nur noch heute, bei Fotoquelle. Das Angebot gilt für die 10×15 Abzüge und die Bilder kamen bei mir in weniger als 4 Werktagen an. Sogar Instagrambilder habe ich damit entwickeln lassen. Ich glaube, meine Wand kriegt heute noch ne neue Tapete.

October 4th, 2012 Posted in Ohne Worte | Comments Off

publikumsgeil

Alle Menschen dieser Welt drängen auf dieselbe Bühne. Jeder will Hauptdarsteller im Hollywood-Blockbuster sein. Jeder möchte – am besten die ganze Zeit – im Rampenlicht stehen. Dumm nur, dass dann niemand im Publikum bleibt um zu applaudieren.

Deshalb – kluger Mensch, der ich bin – stehe ich auch lieber abseits des Spotlights, wo niemand sich für meinen Achselkaffee interessiert und ich still und heimlich Schokolade naschen kann. Ich kriege urplötzlich meine Periode und habe einen Bombenfleck auf dem Arsch meiner weißen Hose, aber niemand interessiert sich dafür, weil sich alle gerade auf ihr Spielbild einen runterholen.

Ich will nicht behaupten, dass meine Rolle in irgendeiner Art und Weise unwichtig sein soll. Ich bin gerne Drehbuchautor, Regisseur, Licht- und Tonmensch, von mir aus auch die Putzfrau. Die Hierachie ist ja völlig egal, solange nur die wichtigsten Menschen meine Arbeit zu schätzen wissen. Und dabei geht das ja auch nicht wirklich um Arbeit, ein manipulierendes Miststück kann man nämlich auch sein, wenn man sonst keine Aufgabe im Leben findet.

Der Punkt ist: ich hasse das Rampenlicht, weil ich dann nervös werde, beim Reden spucke, mir die Nase läuft, meine Hände zittern und sich kleine Schweiß-Wasserfälle in meiner Kimme bilden, die die Hochwasserkatastrophe in Sachsen wie eine kleine Pfütze im Regenwald aussehen lässt. Und deshalb bin ich auch nicht geeignet dafür, aufzulegen. Ich bin kein guter Kandidat für solche Spirzenchen. Ich schaffe es nicht mal, meinen eigenen Geburtstag ordentlich zu hosten, ohne dabei Tourette-Syndrom zu etablieren. An dieser Stelle aber ein großes Danke an alle, die das toleriert und mich abgefüllt haben, damit das alles wieder für die Beteiligten erträglich wurde.

Während die meisten Las Vegas unter den Städten sein wollen, bin ich halt eher Oberbayern. Kein Problem. Mein Roulette wird mit Wasserpistolen gespielt und beim Black Jack wird um Sonnenblumenkerne gewettet. Ich hätte natürlich gerne in einem ordentlichen Casino gefeiert, euch die Drinks und die Frauen spendiert und dabei im eleganten Outfit eine halbstündige, herzerwärmende Rede gehalten. Nicht trashig wie in Las Vegas, sondern elegant wie in Monte Carlo. Mit hohen Hacken, einem kleinen schwarzen Cocktaildress von Versace, massiver Bling-Bling Offensive von Cartier und einer Hochsteckfrisur. Ungeladene Gäste würde ich zwinkernd ignorieren, meinen besten Freunden würde ich Luftküsse auf die Wangen geben, während zwischen meinen Fingern ein sauberes Glas mit dem besten Schampus baumelt. Die Jungs dürfen im Smoking von Roulette zu Black Jack streifen, eine Hand lässig in der Hosentasche, die andere hält ein Glas Hennessy – straight. Die Casino High Society eben. Wie sehen diese Menschen aus? Sie funkeln schon von weitem wie kristallklare Diamanten. Sie ziehen die Stacks aus den Taschen, legen sie auf den Tisch als wären es Servietten, brennen Hunderttausenddollarscheine im Stakkato ab. Die 1% der Überstyler. So hätte ich euch gerne auf meiner Party gesehen, aber Friends & Family, so schön ist das Leben halt nicht. Ich passe in kein Cocktaildress, und eine Hochsteckfrisur ist mir zu teuer.

Bis dahin übe ich mich darin, Fame im kleinen Kreise zu praktizieren und nicht übereifrig zu werden, was den Größenwahn betrifft. Ich weiß ja, ich rede gerne darüber, dass ich auf dem Thron sitzen und Prinzessin spielen möchte; aber die Wahrheit ist: manche Menschen gehören nicht in den Vordergrund, egal wie groß das Mitteilungsbedürfnis ist. Ich bin so ein Mensch. Ihr findet mich dann bei den Song-Credits, im Filmabspann, oder eben im Publikum. Und wenn ich erstmal erwachsen bin, finde ich mich auch ganz bestimmt damit ab.

September 27th, 2012 Posted in Ohne Worte | Comments Off

First World Problems

Hallo du. Wie viele Artikel über Social Media, Internet, den Gebrauch dieser virtuellen Gegenstände und ihren unvorhersehbaren Nebenwirkungen hast du eigentlich diese Woche schon gelesen? Waren sie in den Sparten Gesellschaft, Psychologie, oder im Feuilleton zu finden? Hast du sie über Quote.FM, Facebook oder Twitter gefunden? Bist du nicht auch so genervt von dieser endlosen Meta-Diskussion? Was nervt dich mehr: das ständige Verlangen, nach ein Bild bei Instagram hochzuladen, oder die hämischen Kommentare deiner Freunde, wenn du es mal wieder getan hast?

Hast du nicht auch manchmal Angst davor, etwas zu verpassen, wenn du dir die aufregenden Leben deiner Freunde im Online-Zeitraffer zu Gemüte führst? Fühlst du dich manchmal alleine und aufgeschmissen, wenn kein Netzempfang und Wi-Fi verfügbar sind? Musst du dich ab und zu zwingen, zehn bis dreißig Minuten konzentriert und mit größter Willenskraft nicht deine E-Mails oder jeglichen anderen relevanten Postfächer inklusive SMS und Telefon zu checken?

Hast du auch schon das Gefühl gehabt, dass es mit deiner Aufmerksamkeit bergab geht? Sieht es auch bei deiner Familie mittlerweile so aus, das am Essenstisch alle mit dem Handy auf dem Schoß oder neben dem Teller drapiert dinieren, ohne miteinander zu reden? Regst du dich über das Fernsehen auf, weil es dir keine für dich relevanten Nachrichten aus deiner Umgebung zeigt, die dich wirklich interessieren könnten? Fragst du dich manchmal, ob du eine Verhaltenstherapie brauchst, weil du trotz entspanntem Job und regelmäßigem Sport an einem Höllenstress leidest?

Hast du bereits darüber nachgedacht, dass du unglaublich viel Zeit damit verbringst, auf Nachrichten und Kommunikationsmedien zu reagieren? Haben sich schon einige deiner Freunde bei gängigen sozialen Netzwerken abgemeldet, weil sie sich von der Matrix der Kommunikation gestört fühlen? Hast du in den letzten Monaten ein Buch in Ruhe zu ende lesen können? Gibt es für dich nichts schlimmeres als Langweile und Menschen, die nicht sofort auf eine E-Mail von dir reagieren? Haben mehrere Leute in deinem Umfeld schon mal mit der Faust auf den Tisch gehauen und gesagt “wir hören jetzt auf damit, das macht uns doch nur fertig!”?

Hast du schon öfter darüber nachgedacht, den Erfinder Facebook-Event Notifications an Eiter und Arschpusteln ersaufen zu lassen? Trägst du dein Smartphone-Ladegerät auch in deiner Handtasche beim Feiern mit dir herum, damit du das Gerät im Zweifel hinter der Bar anstecken kannst und keine Twitter-Gelegenheit verpasst? Lässt du auch im Flugzeug dein Handy noch an, damit du bis zum Ende des Netzempfangs und bis zur Landung in den zivilisierten Raum sofort available bist?

Hast du dich schon mal von kontext-loser Informationsflut unter Druck gesetzt gefühlt? Hast du einen Ruhepol in deiner Seele, den du auch noch spürst, wenn du nicht mit Freunden unterwegs, von Familie getröstet oder vom Laptop bestrahlt wirst? Kannst du nachts einschlafen, wenn dein Handy aus ist? Setzt du deinen Klingelton auf volle Lautstärke, wenn du unter der Dusche stehst, damit du das beruhigende Geräusch einer ankommenden Nachricht hörst und dich darüber für später freuen kannst und eventuell sogar ein bisschen Wasser sparst, weil du dich jetzt für diese besondere Gelegenheit extra beeilst?

Fühlen Sie sich alleine? Haben Sie Liebeskummer? Sind sie grundlos depressiv und kommen nicht darüber hinweg? Keine Sorge. In diesem Zeitalter hilft die Dauerverdrahtung zum Netz und natürlich die endlose Diskussion darüber, ob das jetzt gut oder schlecht ist und wie wir mit diesem neu gewachsenen Trend-Bewusstsein der Internet-Enthaltsamkeit und der globalen Massenbeschleunigung unseres Alltags umgehen sollen. Die Lösung ist: das Internet ist an allem Schuld. An dem Tod deiner Mutter, an der gescheiterten Beziehung und an der fristlosen Kündigung deines kleines Bruders. Ich persönlich vermute, dass die Fernsehlobby dahinter steckt, denn der großartige, harmlose Fernseher möchte der einzige wahre Freund des erbärmlichen, single-schlafenden Alleinseiners sein.

Netz-Diät. Klinisch attestierte Sucht. Burn-Out dank Apple-Produkten. Die Assoziationen sind unendlich. Was Diäten bringen, sehen wir ja an den ganzen erfolgreich abgespeckten Menschen, die jeden Tag den Ratgebern im Hugendubel hinterlaufen, als ob da irgendwas drin stehen könnte, was man nicht schon längst gewusst hätte. Der größte Witz ist dann der ermahnende Zeigefinger, der einem etwas von Karate-Style Willenskraft und Disziplin erzählt, die wir nach 10 Jahren Insta-Spam einfach so aus unseren Mittelfingern zaubern sollen. Die Apokalypse des digitalen Zeitalters ist die seelenlose, selbsterschaffene, mutige, neue Welt, eine die sich traut, mehr zu sein als nur aus Fleisch und Blut. Spirituelle ist sie, metaphysisch. Wie Worte kann man auch einen Twitteraccount nicht anfassen. Was würde Saussure zu der Symbolik eines Emoticons sagen?

Wir sind die Versuchskaninchen in einem unübersichtlichen, selbstversorgenden Experimenten-System geworden. Keiner weiß, was uns hier angetan wird, nicht mal die Leute, die den Käfig gebaut haben und uns die Medikamente spritzen. Im Rückblick werden wir natürlich erfahren, was gegen den Untergang hätte helfen können, vielleicht sogar: was geholfen hat. Weltkriege? Atombomben? Religion? Alles nur, um den zeitgeistlichen Anti-Christ “Internet” zu besiegen?

Gruppentherapiestunde für alle erkrankten Netzbürger. Menschen zwischen 0 und 69 Jahren, versammelt euch in meinem Wohnzimmer und redet mit mir darüber, welche Wehwehchen euch das Netz angetan hat. Rastlosigkeit, Einsamkeit und Freizeitstress – gestern war es die Großstadt, heute ist es das Internet. Zusammen ergeben sie das Kryptonit einer ganzen Gesellschaft. Und was ist schon ein Laptop ohne Netzzugang? Genau. Ein Solitaire-Spiel mit eingebautem MP3 Player.

August 5th, 2012 Posted in Ohne Worte | 9 Comments »

one sick girl

Das schönste an allem ist: Energie wieder umwandeln zu können. Dazu gehört auch, zwangsweise, sich an anderen, neuen Menschen zu orientieren. Menschen die nicht im ewig selben Kreis der ewig selben Menschen zum ewig selben Gossip gehören. Sicher, man weiß schon, an wen man sich lehnen möchte. Man sucht sich seine Idole nicht grundlos. Aber während ich die ganze Zeit irgendwelchen Illusionen hinterhergerannt bin (und das muss man ja auch erst mal checken), lasse ich mich gerade in Begegnungen fallen und auf Herausforderungen ein, die so viel bereichender sind. Nicht, weil sie so umfangreich sind. Nicht immer sind sie auch inspirierend. Nicht immer nehme ich irgendetwas mit (und das ist auch eine Erkenntnis – am Ende des Tages schlafen zu gehen und sagen zu können, “nö, mit dem oder der, das brauche ich nicht, das hat mir nichts gegeben”), aber meistens erweitert es meinen Horizont. Das ist gut, diese Horizonterweiterung.

Am schönsten sind natürlich die Begegnungen, wo man ein bisschen nervös ist, weil man schon so viel weiß und mit versteiftem Nacken hinaufblickt, und dann wird man nicht mal enttäuscht. Sondern dann findet man Menschen, die zumindest teilweise auf derselben Wellenlänge schwimmen, und die Ahnung haben. Und die gute Sachen machen, ohne sich nur darauf zu beschränken. Die auch hart dafür arbeiten, weiter zu kommen. Denen man im Gesicht ansieht: ihr seid mehr, als nur das, was ihr nach Außen gebt. Ihr redet nicht nur von Styles und von Klamotten und von “ich habe eine coole Lederjacken gesehen bei zalando.ch“. Das reicht nicht, zumindest nicht immer. Menschen, die dann tiefer gehen und einen Einblick erlauben in das, was einen selbst interessiert. Die sich nicht für jeden und für alles hergeben und natürlich auch Geheimnisse haben, die aber eine Teilnahme an ihren Erkenntnissen zulassen, einfach weil sie wissen, dass das ein kleines Mädchen wie mich echt glücklich machen könnte. Und weiterbringt.

Menschen, die einem auch beibringen, dass der Moment viel größer ist als der Fluchtpunkt per Smartphone. Dass ein Gespräch mehr Wert ist als die Interpretation der Außen-Selbstdarstellung per Instagram. Dass man durchaus Dinge für sich behalten und sein kann, wenn man dann weiß, es an den richtigen Stellen wieder herzugeben. Nicht für jeden, nicht für alle, und nicht für immer. Aber ein bisschen kann man sich gegenseitig einfach helfen. Das ist das schönste daran. Und manchmal ist ja ein vollgeschriebenes, total verwirrendes Blatt sein auch in Ordnung, weil man Sachen durchstreichen und ergänzen kann und das dann viel vollständiger ist, als eine absolute Amnesie. Dann hätte man ja auch nichts mehr zu erzählen.

July 26th, 2012 Posted in Ohne Worte | 1 Comment »