In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

Und du? – Und du, lächelst…
… schaust mich an. Schaust mich an und sagst: „Die Menschen wollen keine Träumerei, schon lange nicht mehr. Das was du, hoffnungsloser Dichter, Inspiration nennst, finden sie lächerlich. Lächerlich, ja allein das Wort `Inspiration´, ist lächerlich.“ – Mir sind die Lippen zusammengefroren, bringe nur noch Stottern und Laute wie längst verhallte Trommelschläge hervor. Stoße, erbreche sie heraus. Und du? Und du? – Schweigst, machst eine deiner tiefgründig, realistisch sinnierenden Pausen. Lässt dir deine Weisheit noch einmal auf der Zunge zergehen. Und bevor du dich erbarmst sie hervor zu bringen, stammle ich: „Was du sagst sind keine Worte, selbst wenn du sprichst herrschst dieselbe leere, realistisch sinnierende Stille im Raum. Du lächelst, du lächelst dein heroisch ironisches Lächeln und dann gibst du deine ungetroffene Zustimmung, als hätte mein Schuss dich verfehlt.“ Du lächelst, sagst: „Wie sensibel du bist! Ist fast schon peinlich! Sei nicht so pingelig! Nicht alles muss elegant und geschmückt sein!“
Für dich bin ich immer nur der Belächelte, aus Prinzip werde ich belächelt, dass ist deine Stärke, dein Lächeln, es ist eine Maske die man nicht runter reißen kann. Durch sie hast du das Recht, recht zu haben, zu mehr bist du nicht in der Lage, du kannst dein Gegenüber nur übertrumpfen. Und wenn ich dann übertrumpft bin? – Was geschieht dann? – Ich schlage mit Worten auf dich ein, aus dem Bedürfnis heraus, dein Lächeln zu zerreden und du belächelst mein Reden, weil du nur lächeln kannst…
Ich gehe, habe keine Lust mehr auf deine Blicke, mehr hattest du mir nicht zu bieten, in unseren Gesprächen, du Schlauer, du Moderner, du stilvoll Wissender? Ich kenne dich, all das ist immer der selbe Ton, die gleiche Art, das selbe distanzierte Lächeln. Sprechpausen sind deine Sprachen, sie erwecken im Zuhörer die Sehnsucht dir zuzuhören und Inhalt zu finden, Etwas zu finden, dich zu finden: Was du sagst? Was du tust? Was du denkst? – Mich interessiert das alles nicht mehr, kenne dich, verstehe deine Technik, deine So-bin-ich-Stilfabrik, dein Sucht-mich-doch-bin-ich-wirklich-da? Dein Subtext langweilt mich, dein Text ist nicht vorhanden und das alles soll spannend sein?
Ich gehe, bedanke mich, du hast mir, dem Kind, dem Träumer und Schlafwandler, meine Sprache geschenkt. Ein schönes Geschenk, ich bedanke mich! Ich gehe, entschuldige mich stumm dafür, dass ich dich gefunden habe, dich nicht länger suchen wollte, dir eine Identität geschenkt habe. Es muss zerschmetternd sein sich derart zu verschreiben, sich aufzuopfern für Pausen, für weise Flecken, für Leerzeichen, für ein alles übertrumpfendes Lächeln.
Manchmal sehne auch ich mich danach, dann könnte ich ohne Arbeit arbeiten, könnte ohne zu denken, denken, schreiben ohne zu sprechen, sagen ohne zu erklären, versprechen ohne zu meinen, könnte leben ohne mich zu schämen, kämpfen ohne gekränkt zu werden.
Aber verstehst du nicht? – Wenn ich schreiben würde, so wäre dies keine Schrift und wenn ich dichten würde, so entstünde kein Gedicht und wenn ich sprechen würde, so teilte ich nichts mit und wenn ich leben würde, so wäre jeder Schritt, kein Schritt…
Ich entferne mich, bin nicht länger dein Tischkompane, starre keine Sekunde mehr auf deine Pausen, bin nicht mehr ergriffen von deiner Gewalt. Klein und erbärmlich soll ich endlich sein, ein Mensch mit Schwäche, mit Fehlern und Dummheiten, mit Naivität, mit manchem Starrsinn, so einiger Krankheit, doch frei von dir. Mit der Hoffnung etwas sagen zu lernen, Hörer zu finden die mich hören, die mich deswegen verstehen, mich wahrhaft auslachen können und ich werde vollkommen entblößt, doch überzeugt von der Entscheidung dafür, vor ihnen liegen, mich wälzen und drehen, verkrümmen. Und du? – Wirst über mir stehen und lächeln, … mit deiner unsichtbaren Schwäche im Gesicht, deinem Stolz, denn du, du, hast dich den Pausen verschrieben, dem Schweigen, den Leerstellen. Ich stehe auf. Ich gehe. Du winkst. Und lächelst…









