
48 Stunden später bin ich gefangen in einem Zeit-Raum-Kontinuum, dass die Welt angehalten hat. Ein einziges Leuchten aus verschiedenen Farben, die kein Mensch sich jemals ausdenken könnte, bildet einen Ozean in dem ich restlos in Erschöpfung und gleichzeitiger Begeisterung ertrinke. Wie lange hatte ich das schon nicht mehr? Wie ein kleines Kind will ich alles anfassen und sehen und schmecken. Vom Sternenhimmel, den wir aus nächster Nähe in der klarsten Nacht meines Lebens durchfliegen, bis hin zum Sonnenaufgang in Regenbogenfarben.
Alles ist so übertrieben wunderschön und perfekt – ich habe das drängende Verlangen, mir die Haut zwischen meinen Zehen einzuritzen um aus diesem lächerlichen, unwirklichen Traum aufzuwachen. Dann wiederum will ich ja auch doch nicht, dass er endet. Walking Tour durch die Innenstadt, Sundowner auf dem Signal Hill, ein Schaumbad im One & Only.

Seit Dienstag morgen bin ich nun auf den Beinen und auf dem Weg nach Südafrika. Die Strecke Berlin – Kapstadt ist nicht zu unterschätzen, aber die Magie, die einen bei der Ankunft erwartet, entlohnt die Rastlosigkeit und den zehnstündigen Flug in der Nacht. Seitdem wir hier gelandet sind, kann ich meinen Mund vor Staunen nicht mehr schließen. Egal ob Menschen, Essen oder die gnadenlos luxuriöse Unterkunft, in der wir einquartiert wurden: es hört nicht auf. Und dabei ist der erste von sieben Tagen nicht mal ganz um. Ich weiß jetzt schon, dass ich wieder herkommen werde, weil ich diese Luft nur atmen zu brauche um auf mein Leben nicht mehr klar zu kommen. Aber mehr davon, wenn ich wieder unter den Lebenden weile.
Hard Facts: zusammen mit einigen weiteren Bloggern – Isa, Nico, Camilla und René – bin ich für Südafrika und Mini in Kapstadt und Umgebung unterwegs, eine ganze Woche lang. Weil ich mich aber so fühle als wäre ich die letzten drei Tage auf Crack gewesen, gibt es erstmal nur wenige Worte, dafür einige anteasernde Impressionen davon, mit welchem Ausmaß an OH MEIN GOTT WAS GEHT HIER EIGENTLICH AB wir es hier zu tun haben.















Dieser New York Trip, man. Der kriecht mir immer noch aus den Knochen hoch bis ins Rückenmark, so in manchen Momenten. Ich stand gestern zum Beispiel auf der Tanzfläche eines Raves und bewegte meinen unförmigen Puddingkörper zum Boogie der KeineMusik Menschen und ließ mich von der Sonne an diversen Geschlechtsteilen kitzeln und dachte mir so: hey, das gibt es nur in Berlin. Du hast alles richtig gemacht!
Und kurz darauf sehnte ich mich dann wieder nach dieser ultimativen New York Überforderung. Man hat in dieser Stadt immer das Gefühl, unreif zu sein, sich noch weiter nach vorne treiben lassen zu müssen, auch mal über die Absperrung zu klettern, Hals hochrecken, nicht untergehen. Ich verstehe aus eigener Erfahrung in Berlin, wie anstrengend das ist, sich unter so viel Druck zu setzen und sich gegen alles und jeden stemmen zu wollen; but on the other hand.. that’s how we roll… und es ist auch Motivation, und Neugierde, und Begierde, und Leidenschaft.
Und Shake Shack, natürlich. Shake Shack war fantastisch. Hier noch einige Bilder in schwarzweiß, die ich eigentlich löschen wollte. Dachte mir aber so: fuck it. We’ll do it in Black and White!


















































Vom engen NYC wieder ins gefühlt riesige Berlin einreisen… eine Mischung aus Freude und Reisewehmut stellt sich ein. Aber nicht so große Gefühlsexplosionen, dass die Müdigkeit darunter verschwinden würde. Leider.
Nur ist die Hood nicht Hood ohne ein vollständiges Crew-Set; meine allerliebsten Jungs, Maggi und Nico, die die Video-Welt zum Erzittern bringen und sich vor nichts fürchten, sind gerade mit dem Freunde von Freunden Team unterwegs und weisen den Planeten ein. Guckt euch ihre Freizeitdokumentationen auf dem FvF-Tumblr an und schwärmt ein bisschen mit.
Red Carpet, Blue Carpet, Tomato, Tomahto, alles dassellbe, bis man auf einmal selbst ein bisschen fotografiert und dem regen Treiben der Journalisten und Profiknipser zusehen darf. Alles in allem gesitteter Umgang, nicht viel Gedränge und eigentlich auch ziemlich Down-To-Earth; dass sich Menschen die Gala kaufen, um nachzusehen, wer wann wie wo in welchem Kleid aufgetaucht ist, relativiert sich an dieser Stelle extrem.
Ich hatte bei der VW + MoMa Pressekonferenz After Show Party zwar nicht den besten Platz zum Fotografieren (und nicht mal eine gute Kamera dabei), aber sehr viel Spaß an meiner Perspektive. Gelohnt hat sich der Besuch dann vor allem, weil Penn Badgley aufkreuzte und meinem jugendlichen Herzen einen kleinen Amor-Schock zuführte. Hach, und dann war der auch noch so nett. Also so richtig nett, wie Dan aus der Serie, einfach nur nett. Und süß. Und klein und süß und nett.
Ansonsten sind Aftershow Partys in New York nicht viel anders als in Berlin: die Leute sehen alle zu gut aus, um wahr zu sein, die Musik ist laut aber nicht aufdringlich, die angesagten DJs werden ignoriert, jeder kennt jeden, alle sind happy und am Ende des Abends betrunken. Nur dass in New York die Leute um 12 nach Hause geschickt werden- Curfew und so – und in Berlin sich da gerade mal alle zum Vorglühen treffen. That’s how we roll, motherchuckers.














New York, Volkswagen, MoMa, Hotel, Dinner, Party, Pressekonferenz, Ausstellung – Okay, Rewind. Zusammen mit einigen mir bereits bekannten und unbekannten Atzen aus dem Restinternet habe ich einen Flieger nach New York City bestiegen, und keiner wusste so richtig, worum es geht- nur dass VW irgendwas mit MoMa und wir und Berichterstattung und dies das. Aber wer sagt schon nein, wenn man in eine fantastische Stadt eingeladen wird? Wir jetzt also hier, heute morgen, und lauschten der Verkündung der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und dem Museum of Modern Art.
Auf der Pressekonferenz wurde der Kern des millionenschweren und auf lange Sicht geplanten Projekts vorgestellt: es nennt sich “International Discovery” und soll eine internationale Ausstellung fördern. Von New York über Kapstadt nach Berlin sollen sich Künstler mit sozial- und umweltkritischen Themen auseinandersetzen und ihre Werke dazu einreichen. Zusätzlich wurden von Volkswagen zwei Werke von Francis Alys an das MoMa geschenkt, und auch das MoMa-Lehrprogramm soll nun dank Förderung erweitert werden. Es treffen sich zwei unabhängige Institutionen von exorbitanten Dimensionen – Kunst und Wirtschaft – um Arbeit zu leisten. Die gemeinsamen Themen finden sich hinter den aktuellen Leitprinzipien von VW: Fortschritt, Progress, aber ohne dabei die Umwelt zu vergessen. So wurde auf der PK auch die Öffnung eines neuen Werkes in den USA verkündet, welches sich fast ausschließlich um diese Themen der Zukunft kümmern wird (Stichtwort “Think Blue“). VW sichert sich so natürlich eine besondere Nische im amerikanischen Markt und wird diese moderne Consciousness hoffentlich mit Verantwortung tragen.
Aber die Pressekonferenz – so faszinierend es auch sein mag, diesem Trubel einmal beizuwohnen und dem ganzen Schauspiel zu zusehen – war für mich mit Sicherheit nicht das Highlight dieser Reise (obwohl, angeblich war es die erste pünktliche Pressekonferenz. Ich behaupte mal, es liegt an der Deutsch-Quote der Teilnehmer). Vielmehr bin ich jetzt schon begeistert von den Früchten (und den Privilegien) dieser Kooperation. Die Ausstellung von Francis Alys, sowohl im MoMa PS1 als auch die im MoMa selbst. Kinder, ich sag euch was: wenn euch Klaus Biesenbach, einer der wohl interessantesten und auch wichtigsten Menschen der Kunstszene, persönlich durch eine Ausstellung führt, dann könnt ihr euch nur noch wie in einer anderen Welt führen. Mit welcher Leidenschaft er Alys’ Werke beschrieb und wie er gekonnt durch komplizierte Themen führte, ohne zu überfordern (man muss dazu sagen, dass zur Ausstellung auch eine absurde mexikanische Marschband durch das ganze Gebäude lief und sich in jedem Augenblick auch mal daneben stellte und performte, was die Sache so unglaublich komisch machte). Nicht zu vergessen Alys’ “A Story Of Deception” selbst, Ideen über Ideen über Ideen die einen Normalsterblichen wie Meinesgleichen recht klein aussehen lassen. Aber das ist zwischen mir und anderen Künstlern ja schon immer so ein latentes Issue gewesen, wa.
Es ist eben auch eine kleine Entdeckungsreise: Charaktäre aus vielen Branchen treffen aufeinander und geben ein interessantes, hetereogenes Bild ab, dass man so im Alltag nicht zu Gesicht bekommt. Print, Online, Deutsch, Amerikanisch, Unternehmer, Künstler, Kuratoren und Manager — ach ja, und die Profiblogger natürlich – sitzen beim Lunch und unterhalten sich über die Zukunft von privaten Kunsthäusern, über die Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischen Sponsoring und natürlich Blogging und “echtem Journalismus”. Aber wir merken alle auch, dass wir uns trotz der Diversität ähnlich sind, dass wirklich jeder einzelne am Tisch Lust auf große Dinge hat, dass solche Momente und Kräfte wie zwischen VW und dem MoMa eben auch schon an kleinen Tischen passieren. Das ist viel mehr wert als die Skyline Manhattans bei Nacht, und ich sage euch, die ist echt nicht schlecht. Und gerade verliebe ich mich auch ein bisschen in die amerikanische Art, Dinge erst mal im positiven, visionärem Blick zu sehen. Sicherlich ist Kritik wichtig und gerade in der Wirtschaft und Politik angemessen, aber Deutsche timen meist sehr schlecht. Abwarten und gucken, wie die Dinge sich entwickeln – kritisieren kann man immer noch, aber ausbremsen kann unverzeihlich sein.
Und ansonsten? Shoppen, Sightseeing, von den Eindrücken inspirieren lassen, öfter Mal Schelle verteilen und ab morgen wieder Air Max tragen. Heute Abend wird noch aufgemotzt, um der Aftershow-Party beizuwohnen, wo einige bekannte Gesichter erwartet werden (vornehmlich mein eigenes). Ich werde über den Roten Teppich über meine Hacken stolpern und dafür sorgen, dass ungemein lustige YouTube Videos entstehen. Stay Tuned und checkt ab was die anderen zu vermelden haben: McWinkel, Jeriko, i-ref, LesMads, WeLikeThat, Castor&Pollux



















New York. Ich stehe auf der Williamsburg Bridge in kühlem Regen, der mir den Nacken bis in den Rücken lang läuft. Ein Schauer überkommt mich, im wahrsten Sinne des Wortes, und die Skyline verblasst im Nebel des plötzlichen Wetterumbruchs. Es ist mir egal. Es ist ein bisschen so als hätte ich mein Leben vergessen, wäre ohne Erinnerungen auf dieser Brücke geboren, über atlantischem Wasser, irgendwo zwischen Manhattan und Brooklyn. New York ist der Anfang und der Höhepunkt dieses Gefühls, denn seitdem ich weiß, dass ich fliegen werde, hat sich alles geändert. Und interessanterweise rückt diese Tatsache die Stadt selbst voll in den Hintergrund.
New York ordnet sich unter: alles an dieser massiven Stadt der Extreme wird zu einem Soundtrack-Rauschen zum perfekten Lebensfilm. Die Menschen die ich durch die Reise treffen durfte. Die Menschen, die ich hier treffe. Das Gefühl, ernst genommen zu werden- auch von offizieller Seite. So ernst, dass ich Business First eingeflogen werde und in einem Top Of The World Hotel einchecken darf. Man tendiert an solchen Stellen immer gerne mal etwas bescheiden zu werden, aber für solche Sachen findet sich neben Euphorie und Leidenschaft keinen Platz. Sorry. Irgendwie mischt sich da auch Ungläubigkeit runter, und ein paar Mal muss ich mir auf der Brücke auch die Augen reiben. Wegen dem Regen und weil ich die Skyline nur verschwommen sehen kann, so als ob ich gar nicht hier bin, und das alles nur träume.
Wieso ich hier bin weiß ich noch nicht so genau – das finde ich morgen heraus, wenn Volkswagen, unsere Gastgeber, im MoMa (und mit dem MoMa) ihre Zusammenarbeit offiziell verkünden. Es geht um Sustainability, so wurde uns das gesagt, und um Synergien, und um Kunst, aber alles andere ist ein verschwommenes Mysterium (und verschwommen ist hier gerade ziemlich viel). Ich bin gespannt auf die Pressekonferenz, gespannt auf die Reaktionen, gespannt darauf, was der Rest der Welt dazu sagt – was meine Freunde dazu sagen, die sich alle irgendwie in der Kunstszene bewegen – aber bis dahin kann ich mich nur bedanken für die unglaubliche Gelegenheit, bei so einer Sache dabei sein zu dürfen. Und ihr auch, immerhin wird’s noch ziemlich interessant…















Ich hatte ja überlegt, meine Reisevideos zu einem lamen Urlaubsvideo zusammenzuschneiden, aber nachdem ich das hier gesehen habe, verzichte ich dann doch auf die Blamage.

Zugegeben, meine Reiseerfahrungen beschränken sich auf die letzten fünf Monate in einer halb-flashgepackten Attitüde mit viel Geld und angenehmen Komfort, deshalb werde ich mich nicht sehr stark über die Vergangenheit auslassen. Allerdings habe ich von vielen älteren, in gewissen Maßen “hängengebliebenen” Reisenden, auch viel darüber gehört, wie sehr sich das Backpacken verändert hat und wie sehr heutzutage die Abenteuermentalität auf Kosten von modernen Kommunikationsformen leiden muss.
Ja- es sind nicht die günstigen Flugpreise, es sind nicht die Menschen selbst, sondern es ist von allen Dingen die Kommunikation, die das (pseudo-abenteuerliche) Reisen beschweren. Ich habe in Australien John kennen gelernt, der seit mehr als zwanzig Jahren nun die Welt bereist. John ist ein ganz schwer zu beschreibender Mensch- er hat so unglaublich intensive Augen, die einem unangenehm in die Seele starren. Er ist groß und muskulös und augenscheinlich verwahrlost. Struppiges Haar, zerfetzte Klamotten, schlechte Tattoos, aber mit einem Lächeln, dass die Welt verzaubert. John wirkte ernst und gleichzeitig fallengelassen, als ob es nichts gäbe, was ihn auf der Welt noch überraschen könnte. Und vielleicht ist das auch so. In einem Schneckentempo arbeitet er sich wortwörtlich durch alle Kontinente; er arbeitet, wenn er kein Geld mehr hat, und wenn es genug ist um weiterzuziehen, dann tut er das. Er führt ein Kofferleben, das ihm mehr gefällt als die Idee vom Hamsterrad. Ein Amerikaner, der sich in der Romantik des Vagabundenlebens ein zu Hause gebaut hat, so paradox es auch klingen mag. Ich traf ihn in einem Café in Melbourne, wo er sich für einen Tag etwas Freizeit leistete, bevor er zurück auf die Farm ging, für die er (illegal) arbeitete. Dort kocht er für die Working Holiday Makers. Er schreibt, er hört Musik, er trinkt abends mit den Farmbesitzern Bier. Er ist ein unglaublich intelligenter und inspirierender Mensch und ich bin sehr traurig darum, nicht mehr Zeit mit ihm verbracht zu haben. Vor allem bin ich traurig, weil ich ihn wahrscheinlich nie wieder sehen werde. Denn anders als die meisten anderen Reisenden, die ich getroffen habe, hat er keinen Facebook Account. Er hat auch keine E-Mail Adresse. Er ist ein smarter Typ, knappe fünfzig Jahre alt, er kennt sich mit Computern aus; daran liegt es nicht. “Wenn du ständig Kontakt hälst, wo bleibt dann der Zufall, der einst die Basis einer solchen Reise bildete?”
Seit unserer Begegnung muss ich über diese Aussage nachdenken. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, die sich von Kommunikation nährt: Fernsehen, Handys, Internet, all das macht es mir sehr leicht von unterwegs auch zu Hause zu sein. Auf der Reise habe ich das oft mitbekommen, der Kontakt zu Freunden und Familie war nicht nur da, er war überwiegend das, worum ich mich in den stillen Momenten (oder in den Wi-Fi bedeckten Zonen) gekümmert habe. Natürlich ist das gut, weil es viele Probleme, Sorgen oder den Stress der Entfernung beschwichtigt. Aber es gibt auch den wesentlichen Nachteil, den John so treffend formulierte: der Zufall bleibt auf der Strecke. Und das hat vor allem etwas mit virtuellen Netzwerken wie Facebook zu tun.
Ich sitze gerade hier zu Hause und kann beobachten, wo sich alle meine Begegnungen auf der Reise gerade befinden. Durch ihre Bilder und ihre Status Updates weiß ich nicht nur, was sie machen, sondern auch mit wem sie unterwegs sind, wo sie als nächstes hingehen, was sie gerade beschäftigt während sie die Welt erkundigen. Sicherlich regt das nicht nur im minimalen Maße mein Fernweh, aber darum geht es nicht mal. Alleine diese Informationen während man unterwegs ist zu haben bedeutet oft, bewusst oder unbewusst einen kleinen Bogen um den ursprünglichen Plan einzuschlagen, um diese Menschen wiederzusehen. Es ist diese Bequemlichkeit der bereits bekannten Begegnungen, die einen anzieht; und genau diese Bequemlichkeit, die man ja eigentlich vermeiden wollte, als man auszog, um ein Abenteuer voller Spontanität und Ungewissheit zu erleben.
John macht das nämlich anders. Er hält keinen Kontakt zu den Leuten, die ihn auf seiner Reise sporadisch begleiten. Er lebt nach dem Motto des Schicksals oder des Zufalls und sagt, “wenn es bestimmt ist, dass wir uns auf dieser Reise wieder begegnen, dann wird es so sein.” Und in seinen zwanzig Jahren on the road ist es mehrmals passiert, dass er Menschen wiedergetroffen hat, mit denen er einst auf einem ganz anderen Kontinent schon mal ein Bier getrunken hat. Nicht nur das; er fesselte sich nicht an diese beruhigende Art des bereits Bekannten (das gilt sowohl für Menschen als auch für Orte). Kein “Date” mit jemandem auf dem Weg zu haben, so wie ich es mehrmals hatte (Status Update: “I’m in Ko Chang at Sunrise Bungalows, if anyone of you guys is here too let’s meet up!”), zwingt einen quasi dazu aus seiner Comfort Zone heraus zu treten und weitere, neue Gesichter in sein Universum eintreten zu lassen. Entweder das, oder man vereinsamt, aber das wäre dumm.
Ich fragte John, ob er sich denn nicht jemals wünscht, jemanden Besonderes wiederzusehen – und ob es ihn denn nie reizen würde, die offensichtlich verfügbare Möglichkeit des Internets dafür zu nutzen. Heute hat jeder ein Facebook Account, der reist, weil es einem eben einfach macht, den Überblick zu behalten ohne große Kontaktpflege zu leisten. John meinte darauf hin zu mir, dass es ihm den Spaß nehmen würde. Dass eine besondere Person in seinem Leben entweder da ist, oder eben nicht da sein soll.
Es ist natürlich eine Sache der Erfahrung und auch der Einstellung, wie man das Reisen angehen soll. Alleine, mit Freunden, mit Facebook und der ganzen Welt oder eben so wie John. Ich bin ziemlich dankbar gewesen für ein Medium, dass mich mit den Menschen, die ich in meinem Leben haben wollte – ob Reise oder nicht – in Verbindung setzen konnte. Aber mir fällt eben auch auf, dass das nicht die einzige Art ist, so eine Reise zu erleben, ganz im Gegenteil; dass die ultimative Form “Abenteuer Reise” erst dann eintreffen kann, wenn man sich von dem Luxus der Bequemlichkeiten abstrahiert und den Schritt, das Risiko wagt, zu stranden… und frage mich konsequenterweise, ob ich es beim nächsten Trip auch so machen würde.
Mutter’s Kommentar über die Innenstadt: “So viele Hawaks und Kanacken und Maroks, das hätten wir in Offenbach auch haben können.” Fremdenfeindlichkeit und Zynismus sind bei mir ganz offensichtlich erblich veranlagt.
Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich Deutsche bin. Selbst, wenn ich Deutsch spreche, glaubt man mir nicht.
Ich verstehe jetzt, wieso sich so viele Ausländer über den Ruf zum Gebet am Morgen (oder egal um welche Tageszeit) beschwerten, obwohl ich mich daran erinnere, das in Damaskus immer als ganz großartigen Moment erlebt zu haben. Der Unterschied liegt in der Koordination der Akustik. In Marrakech kann man immer und überall jeden Imam und jede Moschee hören, sodass man das Gefühl bekommt, den Alarm einer Naturkatastrophe mitzubekommen. Und das fünf Mal am Tag. In anderen Städten (ich kann nur für den Libanon und für Syrien attestieren) kann man meistens immer nur eine Moschee hören. Keine Stimme war schöner als die unserer Moschee in Damaskus… seitdem ich denken kann stehe ich jedes Mal auf dem Balkon um dem Gesang zuzuhören, wenn es so weit ist, und jedes Mal fesselt es mich. Ich hoffe, dass es eine Aufnahme ist, und dass ich das für immer hören werden kann. In Marrakech wollte ich mir in den Kopf schießen.
Meine Mutter und ich haben uns nicht viel zu sagen, und wir mussten feststellen, dass wir beide unsere Süchte mit uns tragen: sie das Fernsehen, ich das Internet. Um den Verlust unserer Stimulanten zu kompensieren, guckten wir uns die einzige Serie an, die ich auf meinem Laptop hatte: Bored to Death. Eine komplette Staffel in zwei Tage. Bored to Death mit seiner konservativen, islamischen Mutter zu gucken, ist in etwa so wie mit einem Priester einen Porno auszuleihen. Überraschenderweise fand sie die Serie sogar lustig; könnte aber auch an den Entzugserscheinungen gelegen haben.
Marrakech kann man sich getrost in 3 Tagen anschauen. Das Essen ist fantastisch, aber es gibt nicht viel zu tun. Die “Neue Stadt”, außerhalb der Medina, ist keine Stadt. Sie ist eine Ansammlung von teuren Geschäften und Sandsteinplattenbauten. Überall stehen Resorts und Kameltreiber, die Touristen abziehen. In der Medina selbst verirrt man sich meistens nur. Am dritten Tag wurde uns schon langweilig und wir machten einen Ausflug nach Ourika und Sitti Fatma mit dem jungen Mann, der sich um unser Riad (also unser Hotel) kümmerte. Hätte ich gewusst, dass wir dort einen Wasserfall besichtigen, hätte ich mich nicht dazu aufgerafft, aber so ist es; es ist mein Schicksal, jeden Wasserfall auf der Welt angucken zu müssen, und dabei gibt es nichts, was ich langweiliger finde. Wasser fällt Berg hinunter. Ganz, ganz große Sache. Ich wäre gerne in die Sahara gefahren aber dafür hat die Zeit natürlich nicht gereicht.
Backpacken ist natürlich etwas gänzlich anderes, als mit der Mutter in den Kurzurlaub zu düsen. Backpacken, das ist ganz zufällig gucken wo man als nächstes hingeht, und zwar voll und ganz an den Menschen orientiert, die man trifft. Oder an den Karten, die man sieht oder an den Reiseberichten, die man lies. Alleine die Tatsache, dass ich in Marrakech nach drei Tagen gelangweilt war, jedoch nicht weiter konnte (schließlich musste ich nach Hause fliegen), hat mich voll irritiert. In einem anderen Land noch Fernweh haben, genau das ist das, was das Backpacken so erfüllt: man kann weiter. Und es hat mich in den Füßen gejuckt, ich wollte weiter in den Süden, durch ganz Afrika reisen und niemals aufhören. Stattdessen saß ich ein paar Tage später wieder im Flugzeug zurück und musste schlucken. Was für eine Krankheit, dieses Reisen.
Klar, dass man im Alter auch mal mehr Ängste ertragen muss: Angst vor dem Tod, vor Routine, Geldsorgen, solche Sachen. Dass ich in meinem Alter langsam Angst vor dem Fliegen bekomme ist eher verwunderlich. Mir hat das Fliegen nie etwas ausgemacht, aber je öfter ich im Flugzeug sitze, desto eher werde ich nervös. Ich fliege seit dem ich denken kann mindestens ein Mal im Jahr, und dieses Jahr – wir haben erst Februar – habe ich es schon geschafft, in 8 verschiedenen Fliegern zu sitzen. Vielleicht ist das das Gesetz der Statistik. Ich hatte jetzt bestimmt schon über 200 gut gelaufene Flüge in meinem Leben und mein Bewusstsein (also die Angst) möchte mir wahrscheinlich durch die Blume hin mitteilen, dass mein Kontingent an Glück und Wahrscheinlichkeit bald aufgebraucht ist. So wird also jeder weitere Flug, der mich näher an mein Ziel bringt (welches ich bisher noch nicht definieren kann) mir ein Stück meiner Seele rauben. Ich schreibe ein Buch, ich nenne es “Gefickt vom Leben, oder: wie Gott einen einzigen Mensch hasste.”






























































Ich werde fett. Ich merke, dass es Zeit wird, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, weil ich schon nicht mehr weiß, wie sich Hunger anfühlt. Ich muss wieder anfangen zu rauchen und mich von Thai-Essen ernähren um meine Figur zu halten. Außerdem wird es Zeit, von zu Hause abzuhauen, wenn die Mutter Dinge sagt wie “Du bist hier nicht im Urlaub, mach was für den Haushalt”. Es wird Zeit.
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