BEST OF: Wie man als Mann versuchen kann an lesbischer Liebe teilzunehmen und jämmerlich daran scheitert
Da ich momentan nikotinfrei lebe, durchlaufe ich die verschiedensten Stufen der Vorhölle, zu denen auch Alpträume gehören. Manchmal können selbst die besten Chancen zu einem Inferno aus Schmerz, Tränen, Hölle und Florian Silbereisen mutieren. Es gibt exemplarisch Situationen im Leben eines Mannes, da kommt es darauf an, Eier zu zeigen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Beispiel wenn Platz 2 auf der Liste der Jackpots Realität wird: Zwei Frauen kommen sich in Anwesenheit eines Mannes näher, so richtig mit nackt und so. Dass es aber nicht einfach ist Platz 1 der Jackpot-Liste in die Tat umzusetzen, soll in diesem Zusammenhang folgende wahre Geschichte aus meinem jämmerlichen Leben erklären.
Es war ein verdammt warmer Juni-Abend im Jahr 2006, als ich Besuch von einer äußerst attraktiven guten Freundin aus Bayern bekam. Fünf Jahre kannten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon. Sie selbst würde sich als eine bisexuelle Frau mit Tendenz zur lesbischen Liebe beschreiben. Als wir uns kennen lernten, hatte sie gerade eine heterosexuelle Phase und es knisterte zwischen uns. Leider war ich 2001 erst blutjunge 17 Jahre alt und sie 22. Das war eine Nummer zu groß für mich und meinen Penis. Mutti hatte noch zu 70 Prozent die Fuchtel über B und das war nur zu zwei Prozent cool für sie. Wir beschlossen gute Freunde zu bleiben und wurden quasi seelenverwandt.
Zurück zum Juni-Abend 2006.
Damals studierte ich noch in Jena. Und da in dieser Stadt auch eine gute Freundin von ihr wohnte, wollte sie mit ihrem Besuch gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen. Wir trafen uns alle. Die Bekannte meiner guten Freundin brachte noch eine unbekannte gut aussehende Schwarzhaarige mit. Und die war eine Lesbe. Zu 110 Prozent. Sie hat mich zur Begrüßung angespuckt, was ich unter dem Gesamtumstand äußert gut fand. Aber: Wir verstanden uns an dem Abend alle Bombe, tranken Alkohol, aßen Curry-Hühnchen mit Couscous und quatschten bis in die Nacht. Zwischen meiner Bekannten und der Schwarzhaarigen funkte es bereits beim Kochen. Also dachte ich, mach einfach heimlich mehr Curry und Chili ins Essen, soll ja die Libido tunen, wie man munkelt. Seltsam, wie das Männergehirn aussetzen kann, wenn es um lesbische Liebe geht.
Dann saßen sie auf meiner Couch nebeneinander und flirteten. Ich goss nach. Immer wieder. Aber nichts passierte. Das ist so typisch. Man denkt als heterosexueller Mann in einsamen Momenten solche Situationen immer wieder durch. Aber wenn dieser mehr als unwahrscheinliche Fall dann real wird, steht man ohne richtigen Plan da. Das einzige wozu man fähig ist, ist Nachzugießen und das Essen stärker zu würzen. Ich meine, irgendwo muss man ja subtil bleiben. Wenn sich Frauen näher kommen, dann ist das so als würde man im Wald ein Reh treffen. Rehe kann man zwar nicht wirklich abfüllen oder deren Nahrung stärker würzen, aber sie haben eine Gemeinsamkeit mit Frauen, die sich näher kommen: sie sind scheu. Nur eine falsche Bewegung, ein Mucks und sie hauen rein. Das wollte ich mir nicht durch die Lappen gehen lassen.
Die Stunden vergingen, die Anspielungen zwischen den beiden Damen wechselten das Ufer: Zweideutiges wurde Eindeutiges. Aber mehr passierte nicht. Uncool, langweilig. Ich wurde schwer betrunken müde. Die Freundin meiner Bekannten ging. Die Schwarzhaarige blieb. In meinem Kopf kippte ein Glas Milch um, ebenso ein Sack Reis irgendwo in China. Deprimiert beschloss ich meinen Plan abzubrechen. Also legte ich den größten Abturner aller Zeiten in den DVD-Player: Ken Park von Larry Clark.
Am Fußende meines Bettes lag noch eine große Matratze, auf der es sich die lahmsten Lesben der Menschheitsgeschichte bequem machten und den Film sahen. Ich lag betrunken und enttäuscht in meinem Bett und schlief ein. Ich hatte nicht das Bedürfnis im Fernseher einen Typen zu beobachten, der sich beim Wichsen mit einer Sportsocke stranguliert und sich an Frauentennis aufgeilt. Auch wenn das mein Leben auf den Punkt gebracht hätte. In dieser Situation.
Nicht viel später wurde ich durch Geräusche vor meinem Bett wieder wach. Stöhnen und Schmatzen. Ich Vollarsch hatte mich beim Einschlafen natürlich so beschissen positioniert, dass ich rein gar nichts sehen konnte. Ich lag auf der Seite und schaute mir die langweiligste Wand aller Zeiten an, unter meinem Körper mein eingeschlafener Arm. So muss sich der gute Moritz Bleibtreu in Lola rennt gefühlt haben, als er den Koffer voller Cash in der U-Bahn verpeilt und seine 100 000 DM wegfahren sieht. Mir war nach Heulen und Freuen gleichzeitig zumute: Freulen.
Ich dachte:
„Was machst du jetzt? Ich meine, du kannst dich nicht rühren, die hören dann sicher erschrocken auf… und machen Hau Reinski. Oder vielleicht auch nicht… die treiben es gleich vor deinem Bett und wissen, dass du nur einen Meter weiter liegst. Die wollen doch, dass ich das mitbekomme. Miststücke. Okay… okay… bleib gaaaaaaanz ruhig, versuche dich so zu drehen, dass du quasi keinen Mucks dabei machst… ach scheiße, dass schaffst du niemals, du bist viel zu aufgeregt und wie sieht das dann aus, wenn sie dich dabei erwischen in eine Spanner-Position zu kommen. Wenn du zu langsam bist, dann kriegst du das beste auch nicht mehr mit… Scheiße… sie hat MACH DA WEITER gestöhnt… mach was, B, nimm irgendwas aus deinem Repertoire, nur mach was, du dämlicher Loser. Kacke… an meinen Puller komme ich auch nicht ran… VERFLUCHT, ICH KÖNNTE MIR IN DEN ARSCH TRETEN… boah, wäre das jetzt deluxe, wenn jetzt einfach das Licht angehen und der Song MOVING IN STEREO von THE CARS im Hintergrund einsetzen würde… Ob ich einfach aufstehen und was ganz Schmieriges sagen sollte? Vielleicht lassen sie dich ja mitmachen… OOOOOOAR… das wäre geil… 5, 4, 3, 2, 1………… FEIGLING, DU GOTTVERDAMMTER FEIGLING… Ich hasse dich.“
Zehn Minuten später war dann alles vorbei. Ich versuchte noch das Beste aus diesem verlorenen Moment zu machen und rieb meine Leistengegend still und leise am Spannlaken, aber da der Knopf meiner Schlafbuxe zwickte, war auch das nur bedingt angenehm. Offensichtlich hat das Schicksal es mir besorgen wollen. Ich hätte genauso gut in das Büro des Schicksals gehen, mir die Hose runterziehen, mich über den Schreibtisch beugen, mit gespreizten Beinen die Pobacken auseinander ziehen und sagen können: „Bitteschön, liebes Schicksal, steck ihn mir schön tief rein“. Ich kämpfte noch kurz mit den Tränen, der Wut, dem Halbsteifen. Es war vorbei… einfach vorbei.
Was wäre passiert, wenn ich da hätte mitmachen dürfen? Vermutlich wäre ich zwischen ihren Brüsten/Beinen wimmernd und zuckend zusammengebrochen und wäre drei Tage lang bewusstlos geblieben. Hirnschlag, Penisinfarkt, oder so.
Es war die schlimmste halbe Stunde meines Lebens. So zermürbend. Ich war so nah dran. In solchen Momenten zeigt sich, was man wirklich von sich halten kann. Das war ein ganz armes Zeugnis, dass ich mir am nächsten Morgen beim Frühstücken ausstellen musste. Was habe ich daraus gelernt? Ich habe gelernt, dass im Leben eines Mannes 30 Minuten Jackpot existieren. Wenn man die nicht nutzt, dann hat man das Leben nicht verdient.
Mein Penis bestrafte mich mit zwei Monaten erektiler Dysfunktion. Hatte ich verdient. Wenn ich mein Penis gewesen wäre, hätte ich zehn Jahre daraus gemacht.
An diesem verpassten Hauptgewinn knabbere ich noch heute. Nur das Weinen hat aufgehört.

(
24 comments in “BEST OF: Wie man als Mann versuchen kann an lesbischer Liebe teilzunehmen und jämmerlich daran scheitert”
November 29th, 2009 at 13:47
nice :)
November 29th, 2009 at 13:49
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von saripari, B erwähnt. B sagte: Neuer Post: Wie man als Mann versuchen kann an lesbischer Liebe teilzunehmen und jämmerlich daran scheitert http://bit.ly/5Ow2Go [...]
November 29th, 2009 at 14:05
Awesome.
November 29th, 2009 at 14:09
kannte die story ja schon…man könnte sich jedes nur mögliche szenario ausmalen und es würde nie so enden wie man sich das vorstellt :D:D ach und glückwunsch zu deinen miniklöten
love ya :D
November 29th, 2009 at 15:17
Blamage ist Sonnenschein!
November 29th, 2009 at 15:34
Du findest den heiligen Gral und verpasst es en Schluck draus zu trinken. Aaaaaalter!
November 29th, 2009 at 19:46
Haha geil. Du schreibst so dass man sich das perfekt bildlich vorstellen kann – auch wenn ich nicht unbedingt dabei hätte sein müssen :P
November 29th, 2009 at 21:14
Ich habe meinen jackpot genutzt… wobei es nicht so toll war wie ich erwartet hab, meine 110% lesbe hat mich nur hat fummeln lassen und sich allgemein eher auf die andere dame konzentriert … gilt das dann überhaupt oder muss ich auf die nächste chance warten um abhaken zu dürfen?
November 29th, 2009 at 23:31
“Das einzige wozu man fähig ist, ist Nachzugießen und das Essen stärker zu würzen” Wegen solchen Sachen möchte ich ein Kind von dir. Danke für diese Texte. Und PS: Du verdammter Looser!
Aber ich hätte in der Situation auch versucht zu mastubieren, der Kopf will aber das Fleisch geht nicht mit. Oder gucken wir nur zuviel youporn?
November 29th, 2009 at 23:45
b. man. frotage bei tribadie? da hilft nur der sä… griff. tu es.
November 30th, 2009 at 03:13
Mein absolutes Beileid, so eine Möglichkeit bietet sich einem nur einmal im Leben :-( , aber wahrscheinlich hätten sie dich eh nicht mitmachen lassen….wobei, du hattest ja Hausrecht….^^
November 30th, 2009 at 09:48
@enrico
auch noch incognito spammen. du dreckiger mistkerl. :)
@MCP
aber erst drei Wochen später.
@elnino
wenn man mit dem gral nich rechnet…
November 30th, 2009 at 09:50
@Thilo
nur loser schreiben “loser” mit zwei “o” :D. und ja, wir gucken zuviel youporn, defo. und das mit dem kinderkriegen überlegen wir uns lieber zweimal. würde dir hierfür S ausleihen (vorsicht: zuhälter-content).
@B+
ich tu es :D. gestern war poetry slam… wieso warst du nich da?
@echnolon
was wäre wenn… hach.
November 30th, 2009 at 10:25
ja das war wohl deine chance auf die berühmten 15 min ruhm (andy warhol). aber der monolog hätte, in solch einer situation, eins zu eins in meinem kopf statt gefunden.
November 30th, 2009 at 11:49
[...] einen Kommentar » #55 Loser der lesbischen Liebe (via) Mitgefühl. Einfach nur grenzenloses Mitgefühl. Sehr amüsanter Artikel einer wahren (?!) [...]
November 30th, 2009 at 16:37
mh mir fällt nicht mehr ein als : tja ! das beschreibt das dilemma ziemlich genau.
November 30th, 2009 at 22:09
Ich weiß gar nicht genau wie ich das beschreiben soll, außer hiermit: AWESOME!!!!!!!!111
Diese Geschichte müsste eigentlich jeder Typ der in seinem Leben nur 5min im Internet ist, als Pflichtlektüre bekommen!
December 1st, 2009 at 03:28
haha! geiler text, mein mitleid hast du! obwohl ich schon einmal so ziemlich genau das gleiche erlebt habe (erleben musste?). und ich lag direkt daneben und war zu feige… #faaaaaailll
dafür hab’ ich’s dann ein oder zwei jahre später nachgeholt, war aber nicht so gut, wie ich es mir vorgestellt hatte. wir sind halt keine porno-stars, gelle? ;)
December 10th, 2009 at 21:44
[...] mit Sexismuskritik und die Frage, warum das alles so schwierig ist. Aktueller Anlass ist der Text Loser der lesbischen Liebe. Die Gesichtspalme des Monats gewinnt der Pro7 Videocast SvenGames TV. Außerdem quatschen über [...]
December 11th, 2009 at 17:17
[...] das nun Sexismus, oder im Gegensatz dazu polemischer Populismus ist, spielt gar keine Rolle. Ich finde es nur [...]
December 11th, 2009 at 18:50
[...] the thing: B. hat vor kurzem einen Beitrag über “lesbische Liebe” veröffentlicht und das hat, naja, ein bisschen Aufsehen auf feministisch positionierten Blogs erregt. Seht ihr, [...]
December 13th, 2009 at 18:37
[...] bin. Doch warum nominiert man einen Blog wie Dragsstripgirl für einen Mädchen-Award?! B.’s fraglicher Text ist eine Geschichte, eine überzogene Paralleldarstellung seiner oder des Erzählers Gedanken. Er [...]
December 13th, 2009 at 20:39
“die langweiligste Wand aller Zeiten” – Herrlich.
December 15th, 2009 at 05:03
absolut herrlich der text, bin immer noch am lachen ^^