j.kinski

Veröffentlicht April 19, 2010

Im j.kinski warten wir auf dampfende Honey Mustard Burger in mehlig-knusprigem Ciabatta-Brot mit Kartoffelspalten, warten auf unsere Drinks, lauschen den leisen, ehrlich, kalkbrenneresken Beats aus den Winkeln der himmelblau-violett gestrichenen Wänden und sind uns einig, dass wir der Liebe und dem Spiel, dessen Regeln Viele nicht folgen wollen und können, auf die Schliche gekommen sind.

Unsere Regeln sind wertlos. Die Gläser sind leer, die Burger werden zwischen unseren Kiefern zermalmt und eine kleine braun-weiß-gefleckte Dogge streift unseren Tisch zu unseren Füßen. Keine Regeln für die Liebe, wenn sie ungreifbar ist; und ja, sie ist greifbar. Sie ist greifbar, ohne ihren Zauber, ohne ihren Trick zu verraten.

Wie unsagbar gleich alles geblieben ist, wenn sich Menschen im Lieben verlieren wollen, aber aus irgendeinem Grund alles dafür tun, um eben das zu verhindern. Und es ist so unglaublich schwierig herauszufinden, was in dem Kopf des Anderen passiert, der einem das Wasser abgräbt, nicht weiß wohin.

Drink Nummer 2. Die Regeln sind radikal und jeder hat seine Blaupause dafür, wenn es darum geht, wie und ob man was zu entscheiden hat. Menschen sagen sie lieben einen und dann spüren die anderen das gar nicht. Vielleicht liegt das daran, dass sich Menschen, die es sagen eigentlich nur in das Gefühl verliebt haben und es eigentlich nicht teilen wollen.

Wir kauen zu Ende und bündeln unsere naiven Erkenntnisse über das größte Geheimnis der Zwischenmenschlichkeit. Die kühle Luft von draußen weht durch die geöffnete Tür des j.kinski und kühlt unsere Köpfe. Alles, was du ihr zu sagen hast, sagst du:

ziemlich viel was du da verlangst. ich kann nichts versprechen. und wenn es jetzt das vorerst letzte ist was du von mir hören wirst. es vielleicht dir weh tut oder einfach dumm von mir ist. ich liebe dich. werde glücklich und sei das glück der anderen.”

Es ist so, dass wenn jemand sich dafür entschieden hat, sich nicht zu entscheiden, dann steht man als der Andere auf einer ganz schlechten Position, in der man so wenig richtig und so viel falsch machen kann. Man kann in den Kopf des Unentschlossenen nicht rein sehen. Man weiß nur, da passiert etwas, das einem vorenthalten wird. Als würde man sein Ohr an die Außenwand einer großen Fabrik aus rotem Backstein legen mit dampfenden Essen und horchen, was darin produziert wird. Man hört Lärm, aber es reicht einfach nicht aus um genau zu bestimmen, was es ist.

Sowas kann einen wahnsinnig machen.

Wir zahlen. Tequila Silber zum Abschied. Ich ziehe meine blaue Jacke an und rieche schmerzenden Zigarettenqualm draußen, der sich aus rauchenden Aschenbechern das letzte Mal regt.

Danke B+. Auch für die Drinks.

Wir sind ein Stück voran gekommen. Es hat uns nicht schlauer gemacht. Nur ratloser. Aber lieber die Bewegung erzwingen, als den Stillstand zu akzeptieren.

 

7 comments in “j.kinski”

  1. Robby says:


    Stillstand von Zeit zu Zeit ist nicht verkehrt, m.M.n.. Sich zu irgendetwas zu zwingen… well, sagen wir, ich bin kein Freund davon.

  2. B says:


    Auf jeden Fall ist Stillstand hin und wieder sinnvoll und wichtig. Wie das Schlafen um Erlerntes zu speichern.

    In diesem Fall geht es vor allem darum, in dem Drang DARÜBER nachzudenken der Wille zur Bewegung besser ist.

  3. Juliane says:


    Also ich finde es nicht durchschaubar was du meinst. Ich finde es eher beängstigend was du hier schreibst. Denk immer, sonst werde ich krank.

  4. Jenny says:


    Ein Prachtstück, mal wieder, lieber Pasti. Wahr, so wahr. Wirklich, hat mich berührt.

  5. B says:


    @Juliane
    ich denke. das weißt du doch. oft und viel.

    @penny
    perci peaucoup.

  6. dekan says:


    Alle Freiheiten der Liebe sind da: Menschen verletzen, Menschen spüren und an sich heranlassen, dann wie ein Konsumgegegenstand wegstossen. die Leere, die man spürt, mit der Liebenswürdigkeit anderer Menschen füllen. Menschenkonsum auf brutalster Art und Weise. Keine Zeit für andere Gedanken, sondern nur die Leere füllen…Irgendwie, Irgendwas und mit Irgendwem…
    Die Leer füllen. Ja, es geht nur noch um das »ICH will..und das sofort!« Stillstand? Vielleicht wirds Zeit den Stillstand zu kultivieren… denn die die Beschleunigung des Lebens fliegt uns um die Ohren fliegt und zerfetzt unsere Seelen. Gnadenlos.

  7. B says:


    Etwas wollen und die Leere füllen ist aber echt schwierig zu verbinden. gerade bei dem thema so heikel. aber dass die zeit den stillstand kultivieren könnte, gefällt mir als gedanke :).

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