Unspektakulär und schwer
Ich habe – und das ist mir vor einer Woche nach einem lange andauernden, furchtbaren Zwischenfall aus meinem engsten Umfeld aufgefallen – nach fast 26 Jahren am Leben sein nie wirklich offen und ehrlich über meine Probleme gesprochen. Auch wenn ich guten Freunden und meinen Partnern versucht habe, ehrlich alles zu erzählen. Irgendwas blieb immer geheim. Ich habe nie verstanden wie das mit dem über seinen Schattenspringen funktioniert. Alles wurde immer irgendwie gut. Und während ich jetzt – nach der nervenaufreibenden Zeit der letzten Wochen – versuche, Dinge anders zu machen, zu lösen und meinen Blick nicht mehr abwende, muss ich morgens manchmal lächeln, obwohl mir noch immer ganz flau im Magen ist. Ich muss lächeln, weil es irgendwie doch nicht so einfach ist, ein paar wichtige Dinge anders zu machen. Das Komische ist, dass sich damit nichts geändert hat: Vieles fällt einem nicht leicht, wenn es um sich selber geht.
[via blazinuzumaki]
Und gerade diese eigentümliche, unspektakuläre Veränderung, die ich gerade in mein Leben einzubauen versuche, ist so ausschlaggebend. Es sieht so aus, als würde wieder alles gut werden. Es bedarf nur einiger Zeit. Und vielleicht ist man erst dann geduldig, wenn man ein Ziel vor Augen hat, dass nicht so langfristig angelegt ist, sodass es einem manchmal wie eine Illusion vorkommt. Das Ziel.
Es ist wirklich schwer, was ich da mit mir versuche. Manche Gedanken und Handlungsabläufe sind einfach schon so lange da, dass es ohne sie kaum noch Sinn macht. Ich versuche keine neuen Ufer zu erreichen. Ich will nur was in meinem Leben anders machen, damit ich nicht wieder so aus den Latschen kippe und liegen bleibe. Weil ich nicht mehr kann.
So unspektakulär kann das Leben sein. Unspektakulär und scheiße schwer. Selbst wenn man es wirklich will und vor Augen hat.


8 comments in “Unspektakulär und schwer”
March 22nd, 2010 at 22:59
Ich kann dich sehr gut verstehen. Und den Text. Achgott. Ich würde ihn mir am liebsten ausdrucken und mir riesengroß an die Wand nageln! Du sprichst auch mir da ziemlich aus der Seele. Sogar ziemlich gleich. Auch ich möchte nicht mehr aus den Latschen kippen wie ich es die letzten Jahr über jedesmal nach einer Niederlage und auch zwischendrin getan hab. Meistens kann dann auch niemand anders helfen, ausser man selbst. Denn auch wenn ich den Satz nicht sonderlich mag, sondern eher verabscheue…” Jeder ist seines Glückes Schmied “.
Schau, wir sind alles steh auf Männchen. Es werden immer wieder die Tage kommen,die einem aus der Scheisse reissen. Und dann werden sich die Gedanken und Nöte und Sorgen erstmal aus dem Staub machen, bis man sich wieder berappelt hat.
Ich rede wie so ne PsychoTante ôO
March 23rd, 2010 at 00:06
Hmm – Muster halt, ne? Wobei die Muster, die einem heute im Weg stehen, früher einmal für etwas – genauer gesagt das eigene Überleben – gut waren, sonst hätten wir sie nicht ausgebildet. Was früher fundamental war, was sich bewährt hat, verschwindet nicht einfach von heute auf morgen, weil damit auch ein Teil der identität verschwinden würde. Ach, naja – das Beste draus machen.
March 23rd, 2010 at 00:41
das ist es. das leben.
March 23rd, 2010 at 09:43
Aloha,
aber Veränderungen klappen… die klappen in ganz kleinen Schritten, mit Rückschlägen und immer wieder kleinen Schritten nach vorne – wenn man sich selbst auch direkt den großen Sprung wünscht, es wird nur in kleinen klappen und je näher man seinem Ziel kommt, was sich immer wieder etwas verschiebt um so besser geht es einen. Doch zum Ziel wird man niemals kommen, alles wird immer anderes, alles verändert sich und zwischendrin kommen die schönsten Momente, mit denen man niemals gerechnet hätte.
Liebe Grüße,
Andi
March 23rd, 2010 at 11:42
Ja, wie unspektakulär es eigentlich ist merkt man auch erst dann, wenn es schon vorbei ist. Wie schwer es ist merkt man dafür jeden Tag umso mehr.
Man sagt ja, jeder Mensch trifft jeden Tag so und so viele Entscheidungen. Ich glaube, wir treffen nur selten wirklich wichtige. Entscheidungen, die bewusst entschieden werden. Ein Selbständerungsprozess, das ist hart, weil diese Entscheidung so unmittelbar ist, so nah vor einem steht, etwas, dass man SELBST bestimmt hat und nicht nur irgendwie reingerutscht ist.
Das ist das, was am Ende so unspektakulär wird, weil sie sich doch wieder in die lange Reihe der Entscheidungen anstellt, abgehakt. Und irgendwann wird das Ziel zur Gewohnheit. Und alles wird gut.
March 23rd, 2010 at 12:22
@Anna:
Hach, ich glaube ja eigentlich auch an die Einfachheit dieser Dinge. Da unterscheiden sich Menschen in der Quarterlife-Crisis nicht sonderlich von kleinen Kindern. Und das ist vermutlich das, worauf man setzen sollte. Eine sichere Investition quasi: Einfachheit und Mut.
@Robby:
Muster, die man heutzutage ausbildet, dienen manchmal einfach nicht dem Überleben und sind nie dafür angelegt worden. Die eigene Identität… damit kann ich gar nichts so richtig anfangen. Ich weiß ja, wer ich bin und so. Dinge, die mir nicht gefallen an mir, sind begrenzt. Aber die, die wirklich stören und beeinträchtigen, die brauchen Anschub, neue Strukturen. Wenn das an diesem Punkt ist, irgendwann, dann mache ich auch das Beste daraus. Versprochen.
March 23rd, 2010 at 12:29
@b+:
Ist es. Und man will nicht satt werden.
@Andi Licious:
Danke, mann. Für diesen schönen Kommentar. Lasse es mit einem “.” stehen.
March 23rd, 2010 at 17:59
Ich will über dem Artikel so ein Herz klicken!