Dinge, die ich Ende 2012 nicht gemacht habe: Jahresrückblicke, wildes Feiern, im Schnee ersticken. Das hat sich zur Abwechslung mal gut angefühlt. Diesmal machen wir nämlich folgendes: Jahresvorblicke. Stimmt einen ja auch positiver. Die meisten Leute unterschätzen ja, wie sehr sie sich in der Zukunft verändern. You Won’t Be The Person You Expect To Be. Das ist der Wahnsinn, Leute: wir denken, nur weil wir aus der Vergangenheit “gelernt” haben oder mit einem nostalgischen Schmunzeln zurückblicken können, können wir unser Selbst in die Zukunft transportieren.

Ich werde im nächsten Jahr nüchterner sein, das kann man interpretieren wie man möchte. Ich werde zugleich vorsichtiger in vielen Dingen, aber auch mutiger in anderen. Ich werde aufhören, vor den Details des Systems Angst zu haben. Ich werde mich auf Portugiesisch unterhalten können und feststellen, dass ich doch nicht nach Brasilien möchte (weil ich lieber zu Hause sein will). Ich werde kein Interesse mehr an hochpreisigen Sportschuhen haben, mit denen ich dann doch kein Sport mache. Ich werde keine Dauerkarte für’s Schwimmbad besitzen und keine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio, in dem es keine Kurse gibt. Ich werde wahrscheinlich keinen Indie-Pop hören, aber dafür mehr Industrial Goth oder klassische Musik, weil ich erwachsen und spießig werde. Ich werde immer noch keinen Tatort gucken, nie und niemals. Ich werde als DJ Geld verdienen und ein Gewerbe anmelden. Ich werde nicht fertig mit dem Studium sein, mir aber schon überlegen, ob ich einen Master dran hängen möchte. Ich werde Syrien nicht wieder erkennen und vielleicht den einen oder anderen Verwandten verloren haben, was mich politisch radikal werden lässt und jegliche Kindheit aus meinen Augen verbannt.

Ich werde mäßigen Erfolg mit meinem Vorhaben haben und dafür überraschend auf anderen Ebenen besser sein als gedacht. Ich werde mir keinen Rollkoffer gekauft haben. Ich werde bestimmt das ein oder andere Mal operiert und vielleicht eine Psychotherapie starten, die mich mir selbst näher bringt. Ich werde nicht besser im schreiben sein, aber immerhin entspannter, was meinen Anspruch betrifft. Außerdem werde ich ehrlicher sein, was meinen Platz in der Welt betrifft, und endlich sagen, was ich schon immer sagen wollte: ich hasse dich, ich finde dich scheisse, du gehörst nicht in meinen Raum und du bist meine Zeit nicht wert. Ich liebe mein Leben nicht, aber ich bin zufrieden, ich brauche den Scheiss den du mir andrehst nicht, ich bin glücklich damit, nicht immer glücklich zu sein, ich habe Fettpölsterchen die dich nichts angehen und außerdem bist du hässlich und ich habe absolut gar kein Problem damit, dich auf diese oberflächliche Art und Weise zu bewerten, immerhin steht dir das Recht auch zu, und wir sollten definitiv so erwachsen sein, diese traurige aber universelle Wahrheit auszuhalten, selbst wenn manche von uns meinen, sie stünden darüber, denn viele universelle Wahrheiten gibt es nicht mehr und wer weiß, wann wir uns endlich von den Außeneinflüssen frei spülen können. Wahrscheinlich nie. Aber das wird mein 2013, basierend auf all dem, was ich 2012 gelernt habe: ein Mittelfinger, weniger Menschen, ein herzhaftes Lachen und mehr unbezahlbare Sonnenuntergänge. Und öfter mal einen geraden Rücken machen. Mehr Südafrika, wenn’s geht.

Generell vielleicht auch mal besseres Essen, auch wenn das bedeutet: weniger reingehauen. Vielleicht auch einen höheren Anspruch auf alles, was das Leben betrifft. Keine austauschbaren Konsumgüter mehr. Reparieren statt neu kaufen. Ich werde allerdings dieses Jahr tendenziell verschwenderischer sein, weil ich immer noch nicht genau weiß, was ich will. Ich brauche mir keine Hoffnung auf Läuterung machen – das dauert noch. Man soll zu seinen Fehlern stehen und das werde ich dieses Jahr lernen. Ich werde mich öfter zum Mittagessen statt zum Abendessen treffen und mich wieder mit Leuten treffen, die mich bereichern statt mit ihrer Geräuschekulisse ablenken. Ich werde zum Arzt gehen, wenn ich Verdauungsprobleme habe – nicht nur, weil die Praxisgebühr abgeschafft wurde. Ich werde natürlich nicht mehr Sparen dieses Jahr, sondern erst Mal herausfinden, ob ich es noch mal 365 Tage in diesem Pensum durchhalte. Vielleicht werde ich mich auch verschulden, das weiß ich noch nicht.







Ich werde nur noch seltener Geschenke machen. Ich muss meine Ressourcen bündeln.


Womöglich werde ich seltener schreiben, mich dafür spontan noch mal tättowieren lassen. Vielleicht verlasse ich Berlin für immer oder bereite mich mental darauf vor, dass ich keine Stadt brauche, um mich zu erkennen. Das heißt nicht, dass ich keinen Spaß mehr haben werde. Diese Dinge werden alle 2013 eine Rolle spielen.

Ich werde mich entschuldigen, bei einigen Menschen, die ich vernachlässigt habe. Und bei anderen werde ich mich entschuldigend abwenden: tut mir leid. Unsere Zeit war schon oder kommt noch, aber jetzt gerade? Ich mag dich, aber ich kann nicht. Wir geben uns die Hand und gehen weiter.


Ich werde meine Zeit nicht mehr mit Namenssuche für Gruppen, Seiten, Menschen oder Plänen verschwenden. Jeder Name gibt der Sache eine Bedeutung, und Bedeutung gibt es in meinem Leben zu viel. Ich schaffe mir meine eigenen Bedeutungseinheiten, und die haben nichts mit Bündelungen in Form von Titel zu tun, also fuck you.

 

This article has 5 comments

  1. N

    Grossartig :)
    Ganz klein, aber irgendwie alles oder nichts, riesige Plaene, aber Schritt fuer Schritt :)
    Falsl Du neue Musikimpulse suchst die in die Goth Ecke gehen aber viel lebenserhellender sind: Hoer dir mal Austra an. Anspieltips: The Choke und Beat & the Pulse. New Wave, man :D

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