Was halten wir eigentlich von Leuten, die sich dafür entschuldigen, dass sie nicht mehr gebloggt haben? Wo sind meine Mixtapes hin? Wie kann ich ein bisschen gemeiner gucken, selbst wenn ich eigentlich nett sein möchte? Irritationen schaffen! Leute kaputt machen! Zerstörerische Wut entwickeln! Ich hab gestern Angela Merkel gesehen, aber viel wichtiger: sie hat mich gesehen.

So wird man zu seinem eigenen Strudel, zu seiner eigenen selbsterfüllenden Prophezeihung; indem man redet und redet und innere Dinge nach Außen stellt, schön in den Vorgarten, für jeden Hund anpinkelbar, und da muss man dann notgedrungen zugucken; indem das Verborgene zum Offenen wird, indem Geheimnisse, Gedanken und unausgereifte Konflikte schon in der Luft schwirren und man seinen ganzen Schutz verloren hat. Mehr davon, und man dürfte wohl an den kriegerischen Ausmaßen dieses Ego-Ausverkaufs zu Grunde gehen. Weniger, und man verliert jeglichen Halt, den man in der Welt hatte, weil man sich einbildete, dass Worte und Sätze einen an irgendetwas binden könnten.

Arrested Development. So fühle ich mich auch: verhaftete Entwicklung, grob übersetzt. So grob wie Fleischwurst, oder irgendeine andere irrelevante und in diesem Kontext völlig frei erfundene Wurst.

Ich möchte keine Frau mehr sein. Aber nicht, weil ich lieber ein Mann wäre. Ich möchte ein Es sein, das sich nicht irgendwie zu Benehmen hat. Und das sich selbst auch nicht enttäuschen kann in dieser Hinsicht.
Aber eigentlich möchte ich, dass sich die Welt ändert, mit mir ist nämlich alles gut.

Die meisten Menschen haben diese Phase schon im jungen Alter und schließen sie mit der Pubertät ab. Brüste, Penisse, Zigaretten und Sangria aus Tetrapacks dürften mehr Schwerkraft als jeglicher Planet unseres Sonnensystems haben. Sie haben viel früher als ich verstanden, dass da draußen irgendetwas ist und ihre Existenz deshalb nur in Relation zum ungreifbaren Kosmos gesehen und gefühlt werden kann. Wenn jemand also seine Steuererklärung nicht rechtzeitig abgibt, sich in einem terroristischen Akt vor einer Grundschule zersprengt, sein Kind an ein Krokodil verliert oder in der U-Bahn wegen dem ganzen verdammten Streusalz zwischen den High Heels während der Fashion Week horizontal auf’s Maul fliegt und seine Geschlechtsteile dabei zeigt, dann ist das alles nur halb so schlimm, denn das Universum ist so groß, dass es sich sowieso auf nichts wirklich wichtiges auswirkt und sowieso keiner weiß, was wirklich wichtig ist.

Mein Supernova-Nihilismus ist aber nur das Gewand, in dass sich mein Erstaunen hüllt. Denn eigentlich bin ich so dumm, dass ich mir nichts unter all diesen Dingen vorstellen kann. Das macht mir Angst. Und eigentlich, wenn man es genau sehen würde, müsste es mir ja die Angst nehmen. Welche Konsequenzen hat der Tod nach meinem Leben? Gar keine, denn im Weltall existieren siebenundvierzig Milliarden hoch zehn mal eine Millionen andere Sterne. Wer also auf diesem Planet nicht zu den 10 großen Menschen gehört, der kann nicht mal an den intergalaktischen Fame-Awards teilnehmen, die auch unsere Galaxy (hoffentlich) eines Tages erreichen werden.

Vielleicht bin ich aber auch nur ein “Ich-Wäre-Gerne-Astronaut”-Spätzünder, jemand, der diese Phase in eine spätere Zeit seines Lebens transportiert und leider dieses Verlangen nicht mehr mit Lego-Bausteinen kompensieren kann. Ich bin vor Ehrfurcht zu einem wandelnden Nervenwrack geworden, und ich habe Angst, meine kostbare Zeit mit Angst vor unwichtigen Dingen zu verschwenden. Schlechter Dubstep könnte so etwas sein, oder bei Penny einkaufen, wo das frische Obst von Sonderpreisen bei Dosenwurst ersetzt wird.

Gott formte einen Wurst-Hund, und der sitzt jetzt seit zwei Stunden in meinem Zimmer unter meinem Schreibtisch und zittert vor Angst. Ich habe ihm nicht mehr und nicht weniger als tonnenfach Liebe entgegen gebracht, jedoch scheint er davon nicht beeindruckt zu sein. Der Welpe ist so flauschig wie ein Babypinguin und lässt sich gerne streicheln, aber ansonsten streikt er mit seinem ganzen Leben. Er will nichts essen, will nicht spielen, er will noch nicht mal auf seiner Decke sitzen. Ab und zu wimmert er leise vor sich hin, so als ob es noch eine Chance gibt. Das erinnert mich an mich, wenn niemand zum Kuscheln da ist, weil alle schon jemand anderen zum Kuscheln haben.

Irgendwann gehört man dann für die anderen – für die, die nicht dazu gehören – zu denen, die in der Hauptstadt wohnen, Air Max 1 tragen und auf Mitte-Events gehen. Thumbs down.

Der einzige Vorsatz dieses Jahr: Whatsapp löschen, und aufhören, kleine Tiere mit verhätschelnder Babystimme anzusprechen.

Da schwingt so eine notgedrungene Gleichgültigkeit mit. Mir sind jetzt mehr Dinge egal als vorher, dafür sind andere jetzt nicht mehr so egal. Konzentration.

Songs, die wie kleine Schneeflöckchen auf die letzten Blätter des unterkühlten Astes fallen. Ich könnte dieses Wetter ohne die passende Kuschelrock-CD nicht ertragen.

Dass die Geister des Wahnsinns keine figurativen, beschreibenden Metaphern mehr sind sondern pathologische Wirklichkeit: daran hatte sie nicht gedacht. Dass Schlagworte wie Panik, Nervosität und Angstzustände sich regelrecht in greifbare Dämonen aus Fleisch und Blut verwandeln können, die im Magen hausen, dort Unfug treiben, eine neue Welt erschaffen…

In dieser Welt donnern Kometen aus flüssigem Feuer auf die Erdoberfläche, die keinerlei Schutz bietet, keinen Zufluchtsort. Sie besteht aus der Wahrscheinlichkeit des Worst Case Szenarios, sie ist nicht die Realität, sondern die Wahrnehmung all der schlechten Dinge, die passieren könnten, aber noch nicht passiert sind. Befreit mich endlich von diesen Fesseln der potenziellen Möglichkeiten, von der Angst vor dem Schlimmsten, indem ihr das Schlimmste wahr macht und ich endlich, endlich mit den Konsequenzen aller Dinge leben kann, ohne Panik und ohne Angst, denn wer nichts zu verlieren hat und keine Geheimnisse hüten muss, der hat vielleicht kein schönes Leben mehr – aber er hat ein Leben.

Die ganze Menschheit drängt sich auf eine einzige Bühne und jeder einzelne, der sich im Spotlight baden möchte, wundert sich dann darüber dass im Publikum niemand zum applaudieren bleibt.

Ich habe gelernt, dass Selbst-Disziplin nicht nur eine autodidaktische Lebensführungsmethode ist. Selbst-Disziplin ist die Überzeugung darüber, etwas richtig zu machen, auch wenn man falsch liegt. Du hast mir gezeigt, dass all das Leid und der Schmerz und die Pein überflüssig sind, wenn man tief durchatmet und das Ende absieht. Wie damals, als ich beim Zahnarzt den Schmerz mit Freuden ertragen konnte, weil ich wusste, dass es bald vorbei sein würde. Sich darauf zu freuen, dass es vorbei ist. Die Warterei, das Elend: auch das ist eine Vorfreude. Geduld bedeutet, sich nicht zu verzehren, sondern mit jeder Faser des Körpers eine Leidenschaft aufzubauen, die das Warten zu einem Wettrennen in der Genügsamkeit macht. Wie ein neuer Laufrekord; ein bisschen wie Ramadan. Ein bisschen wie der Müßiggang, den so manch einer heutzutage predigen möchte. Ich warte gerade eigentlich sehr gerne.

Ich kann also die nächsten Wochen und Monate damit verbringen, mich halb tot zu saufen und im Partyexil mein Inneres zu verwässern. Irgendwann wird – das weiß ich ganz genau – nichts mehr übrig bleiben von dem, was mich mal ausgemacht hat. Es wird in einem Sumpf von vergangenen Momenten, an die man sich kaum erinnert, einfach untergehen. Ich werde dann tiefe Furchen in meinem Gesicht haben, irgendwann, wenn ich 27 oder 28 bin, und einen seltsamen Blick, und werde wahrscheinlich immer noch einen unschicken Raucherhusten haben und mein Shot-Glas heben und im bunten Licht stehen und mit meinen wilden Freunden auf die Jugend und auf noch so viele Jahre, die vor uns liegen, anstoßen. Wir werden uns freuen. Wir werden nämlich einfach diese Mauer in uns so komplett zubetoniert haben, da gibt es dann auch keine Fragen mehr. Zuerst soll man ja auch sich selbst lieben, nicht andere. Und man liebt sich selbst am besten, wenn man den Spaß seines Lebens hat und sich bloß nicht auf ätzende Sachen einlässt. If it’s not hell yes, it’s fuck no! Schwarzweiß. So läuft es am besten.

Nur ein Anhängsel von Frauen, die nicht alleine auf die Toilette gehen wollen.

This article has 2 comments

  1. HecPac

    einschlagende meteoriten haben auch etwas beruhigendes: ihre geschwindigkeit ist höher als die der nervenimpulse, die meinem gehirn mitteilen wollen, dass ich gerade zermatscht werde. wenn das nicht entspannt aufblicken lä …

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