In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität

Immer, wenn ich jemanden bewundere; wenn mich jemand fasziniert, wenn ich so nah ran möchte wie nur möglich, legt sich völlig automatisch eine dicke Eisschicht, unabkratzbar, über meine ganze Haut und friert mich ein. Ich bin unfähig, Augenkontakt zu halten, unfähig, einen einzigen Satz geradeaus zu sagen, und wer auf meine Lippen schaut sieht, wie oft ich auf ihnen rumbeiße, sieht vielleicht auch wie oft ich versuche, meine Frisur zu richten. Ich stehe dann oft vor einem mentalen Spiegel und kritisiere meine Bewegungen, höre nicht mehr, wenn man mit mir redet, bin seltsam wenn ich angesprochen werde, stottere. Ich will so nah ran wie es nur geht und katapultiere mich ganz weit weg. Jede Wärme, die mir entgegen gebracht wird, verdampft in der Atmosphäre. Ich will, doch es geht nicht.

Ich fühle mich hingezogen, nicht sexuell, nicht unbedingt sexuell- unmerklich, einige Bewegungen sind es, die es auslösen. Es können Augenbrauen sein, die sich bei einem Wort nach oben verziehen oder Finger, die mit der Gabel spielen. Die Blicke die sich intensiv in meine Seele brennen, mich ausziehen und keuchend liegen lassen, und ich bin gelähmt, ich bin völlig überwältigt von so viel Impuls und Effekt und reagiere wie allergisch auf dieses Gefühl… eingenommen sein… benebelt sein… sich im Schatten verbotener Fantasien Dinge wünschen, die man selbst nicht direkt versteht, die man sich auch nie vorher gewünscht hat. Verboten, unerwidert, ein grausames Spiel mit heißen Gefühlen.

Aus meinem harten Kern wird weiche, klebrige Molasse die in den Händen fast fremder Menschen zerfließt, und die Unsicherheiten eines Mädchens, alle, die sie schon überwunden hat, werden plötzlich wieder hochgewürgt. So viele Jahre Arbeit von einem einzigen Blick vernichtet und für wertlos befunden, alles nur Täuschung. Es gibt keine Attitüde mehr, nur noch Qual, weil ich nicht bekommen kann was ich will, weil ich mich wie ein Idiot benehme, weil ich nicht mal mehr weiß, wozu das alles gut ist, warum das passiert, wie das jetzt zu stande kommt, an was ich mich erinnere, wieso es überhaupt wichtig ist, ist es denn wichtig?

Wie ein zwölfjähriges Kind, dass sich in einen Popstar verliebt; lächerlich, unbegründet, regelrecht naiv; und dabei ist es nicht Liebe. Es ist nichts. Nur eine Person, die mein Gesichtsfeld einnimmt. Ich bewundere sie. Weil ich noch nie in diese Welt eingetaucht war. Weil ich mich nie getraut hatte, einmal die Augen zu zu machen und frei zu sein. Ich rede mir ein, dass es jemanden gibt, der diesen Traum verwirklicht. Paralyisiert und unfähig, langsam atmend, kann ich unter so viel Druck die Worte nur noch herauspressen. Ich kann es nicht sagen. Ich kann es nicht zugeben. Ich trete zurück. Ich mache dicht. Es geht nicht. Ich bin kalt.

This article has 4 comments

  1. André

    Wer ist der Fotograf des Bildes? Ich finde es unglaublich grandios und würde gern mehr von dem Künstler sehen. Wenn also Bekannt, lasst es mich wissen!!!

  2. S

    @André: Scheisse, ich muss zugeben, ich habe keine Ahnung. Ich habe es vor einigen Tagen auf einem TumblR gefunden und das hat ganz gut gepasst. Eigentlich bin ich da nicht so unachtsam, und jetzt, wo ich es mal bin, werde ich hier direkt erwischt.

    Wenn ich es rausfinde sage ich dir Bescheid, bzw poste es hier hin.

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