Und da wäre ja noch Lil’ B, der sein neues Album “I’m Gay” nennen möchte – als Hürdenreisser, in einer immer noch sehr konservativen Hip Hop Welt, wo das “no homo” deutlich und fett geschrieben wird. Das US Militär der neuen Welt ist das, und Lil B möchte die Rolle des liberalen Persönlichkeitsbefreier spielen. Alles schön und gut, hätte Lil’ B nicht selber in einigen seiner Songs einige Beschimpfungen auf Homosexuelle abgelassen, aber hey, whatever. Soll er doch, vielleicht bringt es ja was. Die Tatsache, dass Lil’ B leider eher auf der Witzfigur-Seite des Lebens steht, könnte allerdings genau das Gegenteil für die Stellung der Homosexualität im Hip Hop erwirken.

Aber da wäre ich ja auch beim Punkt. Hat sich einer von euch mal ernsthaft einen Song von Lil’ B reingefahren? Das ist ein halluzigener Trip, ich schwöre es euch. Der Typ macht “Based Rap”, wie er es selbst nennt. Daher auch der Name “Based God”. Er hält sich für Gott, was in seiner Sparte – dekonstruktiver, post-Lil Wayne, Charlie Sheen Rap – echt auch nicht schwierig ist.

“Based means being yourself. Not being scared of what people think about you. Not being afraid to do what you wanna do. Being positive. When I was younger, based was a negative term that meant like dopehead, or basehead. People used to make fun of me. They was like, ‘You’re based.’ They’d use it as a negative. And what I did was turn that negative into a positive. I started embracing it like, ‘Yeah, I’m based.’ I made it mine. I embedded it in my head. Based is positive.”

Slate beschreibt das auch ganz gut, dieses “Weirdo” Ding, das sich von Kanye über Nicki Minaj bis Odd Future durchzieht, ein Trend, der mich wieder stark an den sagenhaften Zeitgeist-Paradigmenwechsel Charlie Sheen Artikel von Bret Easton Ellis erinnert, den ich später mal zitieren werde:

One 2010 trend that united pop’s margins and its center was the triumph of the weirdo rapper. Toward the margins, there’s Lil B, a brilliantly warped, post-Lil-Wayne deconstructionist from the Bay Area. He freestyles prolifically and deftly (or, when he feels like it, gloriously ineptly), dabbles in ambient music, extends metaphors so far that they break down and lose any metaphorical component, calls himself a faggot but says he’s not gay, calls himself a bitch, calls himself Hannah Montana, says “fuck Justin Bieber” then says he’s friends with Justin Bieber, compares himself to Aretha Franklin, Matlock, Jesus, Mel Gibson, and even your father. His Blue Flame mixtape is a good place to start exploring his unwieldy catalog.

Alle Beschreibungen dieser Welt werden nicht seinem größten Hit gerecht, nämlich Wanton Soup.

Das, was ich mit Odd Future vielleicht noch gespürt habe – eine gewisse Zuneigung zu den Weirdos, den Außenseitern, weil sie immerhin ihren eigenen Kult erschaffen und auch ein Liking für ihre Musik, kommt bei Lil’ B einfach nicht in Frage. Ist er eine Satire, so wie Die Antwoord? Ein Kunstprojekt, klar nach der Definition: das hier hat einfach keinen Zweck und steht sinnlos im Raum da, auch, wenn man es in erster Linie als Musik erkennt?

Der Typ nimmt sich dabei ernst, das darf man nicht vergessen. Er hat Erfolg, und eine überloyale Fanbase, die er sich selbst mühevoll über diverse MySpace Seiten aufgebaut hat (sein Online Leben ist auf jeden Fall zeitgemäß, der Typ ist besser verknüpft als ich). Das hier ist kein Scherz, das ist auch kein schlechter Hip Hop, weil er nicht rappen kann (kann er nämlich, wie man anhand früherer The Pack Videos sehen kann – nicht unbedingt ein Ausnahmerapper, aber das mit der Technik kann er) – es ist ernstgemeint und es kann Geld machen.

Aber ich bin verwirrt, weil ich aus dem Kreise der Basedrap Fans einfach ausgeschlossen bin. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass er Fans hat, die ihm aufgrund seines exzentrischen Wesens treu sind. Charlie Sheen und andere können auch darauf aufbauen, dass sie seltsame Gestalten der Öffentlichkeit sind, die aber dank ihrer Fehlbarkeit auch menschlich wirken und in Zeiten von Internet und Ultraconnection einen gewissen Massenappeal ausstrahlen. Aber ich spreche von der Kaufkraft, Kids, die Lil’ Bs Musik auch ernsthaft hören. Ernsthaft, also auch kommende Künstler nach diesen Maßstäben messen.

To Empire gatekeepers, Charlie Sheen seems dangerous and in need of help because he’s destroying (and confirming) illusions about the nature of celebrity. He’s always been a role model for a certain kind of male fantasy. Degrading, perhaps, but aren’t most male fantasies? (I don’t know any straight men who fantasize about Tom Cruise’s personal life.) Sheen has always been a bad boy, which is part of his appeal—to men and women. There’s a manly mock-dignity about Sheen that both sexes like a lot. What Sheen has exemplified and has clarified is the moment in the culture when not giving a fuck about what the public thinks about you or your personal life is what matters most—and what makes the public love you even more (if not exactly CBS or the creator of the show that has made you so wealthy). It’s a different brand of narcissism than Empire narcissism. Eminem was post-Empire’s most outspoken character when he first appeared and we were suddenly light years away from the autobiographical pain of, say, Dylan’s Blood on the Tracks (one of Empire’s proudest and most stylish moments). It’s not that we’ve moved beyond craft, it’s just that there’s a different kind of self-expression at play—more raw, less diluted.

Notes on Charlie Sheen and the End of Empire

Ich bin wirklich gespannt darauf, wo das hingeht. Hip Hop war einst mal ein lyrisches Wunderwerk und hat sich von da in über tausend Richtungen erstreckt. Ich warte immer noch auf ein Re-Work der Zungenknoten von Dead Prez oder Wu Tang.

Nicht, dass ich davon Ahnung hätte, aber manchmal reicht ja auch ein Lil’ B um einen auf einen Wechsel der Musikkultur aufmerksam zu machen.

This article has 2 comments

  1. ohyeahsara

    Natürlich gibt es da auch noch die Version der Super-Ironie; Lil’ B, egal ob er sich ernst nimmt oder nicht, wird bespielt von seinen “Fans”, die seine Musik, eine Persiflage auf all die untalentierten Spasten-Rapper mit Bling Bling, einfach nur aus dieser hipsterischen Ironie-Bewegung heraus unterstützen und gut finden.

    Das würde Lil’ B mit zu einem der größten und epischsten Internettrolle machen, die es je gab.

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