Trashy Look & Feel von Webseiten, exzessiver GIF-Konsum, bald wieder Marquee-Tags und ganz selbstverständlich: schlecht aufgenommener Sound brillanter Künstler, die mutig genug sind ihren Musik-Fetisch in Rohform bereitwilligem Publikum vorzuspielen. Manche haben dabei Erfolg und gehören fortan zu der Elite einer unantastbaren Bewegung, die vor Energie und Innovation und Potenz strotzt und nur darauf wartet, ganze Strömungen zu prägen.

Das neue H∆SHTAG$ Konzept der Red Bull Music Academy vereint all die blinkenden Codes, mit denen sich der Connosseur der Generation Internet gerne brüstet, um das Offensichtliche noch offensichtlicher zu zeigen. Diese Web-Doku trägt völlig unironisch Vans mit Leo-Print und trinkt Hustensaft zum Party machen, SO zeitgeistig ist sie.

H∆SHTAG$ is a series of mini-documentaries that wrestles with some of these questions, going from the URL to the IRL and shedding light on some of the most fascinating music emerging from the digital ether. It takes into consideration that the Internet is no longer a “new” distribution channel for “old” content, but has become a pivotal part of our everyday lives, influencing not only the way music is consumed – but also the way music is discussed, and most importantly, the way music sounds.

Ein bisschen ist sie auch eine Entschuldigung dafür, endlich mal all diese herrlichen Genrenamen irgendwo hin zu drapieren. Der Red Bull Erklärbär zeigt sich auf jeden Fall immerhin in gelungener Tumblr-Ästhetik, das dürfte den Fans gefallen.

Ich mach’s (relativ) kurz, ich hab gestern nämlich mein Silvester wie immer Anfang Februar gefeiert und fühle mich auch genau so. Die cleveren soziologischen Beobachtungen der Künstler deuten alle NUR auf die Interaktion mit dem Internet hin – sie sind im Internet aufgewachsen, kommunizieren über das Internet, nutzen das Internet als Motor, Plattform, Ereignisraum ihrer Kreativität – was ja überhaupt nicht falsch, aber leider etwas dünn ist. Das wird doch irgendwann ein bisschen tautologisch, “ich mache Internetmusik weil ich im Internet aufgewachsen bin”.
Wenn die in der nächsten Episode das Phänomen “Cloud Rap” besprechen müssten die ja theoretisch genau das wiederholen, was in der ersten Episode gesagt wurde, weshalb ich das Konzept jetzt nicht unbedingt als “light shedding” betrachte, sondern eher als nette Sammelstelle für musikalische Ereignisse aus der Gegenwart. Ist ja auch nicht scheisse. Ich lasse mich übrigens auch gerne vom Gegenteil überzeugen und bin gespannt auf die nächste Folge. Dennoch: tiefer geht’s trotzdem und ich finde es schade, dass es nicht dazu gekommen ist. Zum Thema Darkness etwa findet sich bei Slate ein umfangreicher Artikel darüber, was auf der transnationalen Ebene passiert (die das Internet ja konstruieren kann und damit erst den Nährboden für einen gemeinsamen, interkulturellen Nenner gibt). Das geht dann etwas über die Musik hinaus und umfasst “unsere” Kultur von Wurzeln bis Mainstream. Fasst zusammen, warum wir keine Idyllen mehr konstruieren, sondern lediglich ihre Unmöglichkeit darstellen.

We’ve always had a taste for dark, be it for the grim gore of Beowulf, the apocalyptic visions of the Bible, Milton’s sympathy for the devil, or Grimm’s child-filleting ghouls. Synchronized to the horrors of the 20th century, the cinema begat German expressionism (with its nightmarish visions and exaggerated existential foreboding), postwar American noir (dark shadows, darker morals), ’50s horror and sci-fi (we are not alone or safe), Watergate-era vigilante fantasies (Dirty HarryDeath Wish) and Reagan-era super-violent actioners (courtesy of Stallone, Van Damme, Seagal). With these dark turns in mind, we could view this most recent wave of darkness as a product of post-9/11 anxiety, but that strikes me as a secondary factor. Not that films haven’t been motivated by recent world events—from direct evocations like Spielberg’sWar of the Worlds to the crass opportunism of the torture porn films—but the truth is that the gloom industry started long before 2001. What’s news is how thoroughly it’s infiltrated the mainstream.

Gritty baby: wir haben die Welt aus Plastik hinter uns gelassen. Unsere Popkultur widerspiegelt das. Unsere fortschreitende Technologie erlaubt uns, die mit ihr einhergehende Depression zu verbreiten. Alle Identitäten haben die Chance auf Resonanz. Aber was augenscheinlich so großartig und neu ist steht kurz davor wieder in einem Sumpf alter Mechanismen zu ertrinken. Die nächsten zehn Jahre hört sich dann jeder an wie How To Dress Well – bis der Blick zurück vom Blick der Zukunft abgelöst wird, oder bis wir in ein post-historisches Zeitalter gelangen. Neue limitierende Labels entstehen, und auch die werden wieder gesprengt. Die nächste Mode geht dann vielleicht genau in die gegensätzliche Richtung, wieso auch nicht? Die Geschichte lebt doch von den Widersprüchen und dem Kampf gegen den Standard. Everything flows. Ein wunderbarer menschlicher Kreislauf der Innovation.

Im Übrigen wäre es doch naheliegend gewesen, gerade bei dieser Doku die Sounds der Vergangenheit zu “Rate” zu ziehen und einmal den Vergleich aufzustellen, WAS sich eigentlich tatsächlich geändert hat in der R&B Transformation. Sprengt sicherlich die Grenzen einer solchen Produktion, it was just an idea to improve on it.

Jetzt spielen wir kurz mein Lieblingsspiel “mich selbst zitieren”. In einem Artikel für MTHRFNKR, der schon lange nicht mehr online ist und wahrscheinlich auch die Aufmerksamkeit nicht mehr verdient, habe ich den Interneteinfluss in Bezug auf Hip Hop kommentiert.

Hip Hop is not about time or region anymore as much as it is about timing and regional influences. Inspiration is coming from everywhere, new discoveries are made in familiar territories; either from the past of ones own culture (cheezy R&B of the US 90s) or the present of foreign cultures (Grime, Dubstep of the UK). That’s why NYCs A$AP Rocky and his crew rap over drippy Houston beats.  It’s why Rick Ross is successful: because we soak him in irony. We live half in the nostalgia of the mainstream, half in a transition to a digital craze. What happens when the “democratic” force of a younger generation takes over our blogs, our twitter feeds and our power? Will they substitute the nostalgia with something futuristic? What’s the next generations’ 20-30 year olds going to listen to if not an even bigger melting pot of sounds and influences? We’re becoming transnationals in the broadest sense, it’s wonderful to see that our new identities have spawned new cultures. But it’s not exactly a miracle; in fact it’s brutally  logical.

So “wonderful” es auch sein mag, letztendlich gibt es auch hier dieselben stagnierenden Kultur-Fallen, vor denen man sich wappnen sollte. Am Ende des Tages wurde gerade das fucking Dschungelcamp für den Grimme-Preis nominiert und das ganze wird sogar intellektuell gerechtfertigt; was bringt uns eine neue Internet-Avantgarde, die sich des Kulturprojekts annimmt, wenn sich am Ende sowieso wieder nur alles verkaufen muss um lange zu währen.
Jedenfalls kriegt man die Zusammenfassung auch bei Spin zum Thema “Trend of the Year” mit einigen genaueren Beobachtungen, die aber mehr nicht sind. Kann mal vielleicht jemand die Tatsache ansprechen, das Genres auch nur Kinder ihrer Zeit sind, viel mehr: von den Kindern ihrer Zeit neu geboren werden? Ihr wollt mir doch nicht erzählen, dass R&B die letzten 40 Jahre nicht ein einziges Mal “anders” geworden ist, wieso machen wir jetzt so einen Geschiss darum wenn es wieder passiert? Hach, lasst uns das Thema doch einfach beiseite schieben und in zehn Jahren, wenn alles vorbei ist, noch mal alles mit Sinn und Verstand einordnen. So macht das doch keinen Spaß. Nobody knows what it means, but it’s provocative.

Ich habe überhaupt keine Ahnung was ich ursprünglich sagen wollte, aber das ist ja auch der Punkt. Der ganze Output verschwimmt im Strom einiger weniger Erfolgserlebnisse und schon gibt’s einen neuen Hashtag für einen virtuellen Habitus. I love it when you talk dirty to me, Pierre.

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