Als ich vierzehn war (und dick), hatte ich eine grauenhaft pampige Phase, in der ich mit niemanden reden wollte. Schon gar nicht mit meinen Eltern. Ich habe mir die Fingernägel schwarz angemalt, fett genuschelt, wütende Texte geschrieben und laut Disturbed gehört. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Mutter das aushalten konnte. Vor allem, weil das bis kurz vor meinem Auszug auch ewig so weiter ging. Ich war so in meinem Kopf gefangen und vor allem so überzeugt davon, dass es FÜR IMMER so bleiben würde, und dass ich FÜR IMMER so Denken würde (und dabei tatsächlich alle zehn Minuten irgendeine andere Meinung hatte), und das ALLE um mich herum einfach zu beschränkt sind, um das zu sehen.

Heute muss ich ja ein bisschen schmunzeln, wenn ich die Kids sehe, die genau das gleiche durchmachen. Und hey, ich bin keine weise fünfundsiebzig Jahre alt, aber immerhin schon so weit, dass ich das mit einem Schulterzucken hinnehme, ohne mir (wie früher) zu denken “OMG IHR SEID SO FAKE, NUR ICH HAB VOLL DEN DURCHBLICK!!”. Stellt euch vor, man hätte mir damals erzählt, “jaja, das macht jeder mal durch, wir waren alle so!”– ich wäre trotzig und wutentbrannt geflüchtet vor so viel Blasphemie. Aber hey, so what.
Das alles fällt einem auf, wenn man merkt, dass man schon ein Jahr lang offiziell erwachsen ist- in meinem Fall das erste Jahr, das ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe. Ich weiß jetzt, wie man Weiße Textilien richtig bleicht und das beste Chili der Welt fabriziert. Den Rest habe ich auf einige Punkte heruntergebrochen, die vielleicht falsch sind, aber in diesem Augenblick meines Lebens genau das ausdrücken können, was ich empfinde.
Übrigens veröffentliche ich hoffentlich bald ein Selbsthilfe-PDF für pubertierende Emos.
- Gute Freunde sind schwer zu finden, weil es verdammt schwierig ist, selbst ein guter Freund zu sein.
- Kaffee macht nicht wacher, er überdeckt nur den Schmerz in den Augen.
- Fett ist ein Geschmacksträger der in Unmengen genutzt werden muss, wenn man etwas Gutes kochen will.
- Der Nachgeschmack einer schlechten Entscheidung ist immer noch besser als das Gefühl niemals eine Entscheidung getroffen zu haben.
- Immer wenn man sich Gedanken darüber macht was andere von einem halten könnten, macht man sich eigentlich Gedanken darüber, was man selbst von sich hält.
- Man sollte den Maßstäben, die man sich selbst anlegt, treu bleiben. Alles andere ist sowieso egal.
- Wissen ist auch nur Glauben.
- Geburtstage sind nicht für das Geburtstagskind da, sondern für die Leute, die sich das restliche Jahr nicht mehr melden müssen wenn sie gratuliert haben.
- Abschlüsse sagen nichts über die Intelligenz oder die Fähigkeiten einer Person aus.
- Etwas Unverzeihliches zu verzeihen macht einen nicht zum Helden sondern zum Idioten.
- Mach viele Bilder, eines Tages wirst du dankbar sein.
- Motivation steht und fällt mit den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.
- Ein Chef macht seinen Job nur richtig, wenn seine Mitarbeiter recht haben dürfen.
- Man kann sich nie an den ersten Eindruck erinnern wenn man jemanden liebt.
- Zähne putzen reicht nicht aus um Mundgeruch loszuwerden.
- Schulden sind wie Fesseln, die ein Jugendlicher niemals spüren sollte.
- Jeder präsentiert sich am liebsten so, wie er gerne wäre, und nicht wie er eigentlich ist.
- Die größte Sucht der Menschheit ist die Bequemlichkeit.
- Ein Risiko einzugehen macht überhaupt keinen Sinn, wenn man mit den Konsequenzen nicht leben kann oder will. Deshalb heisst es ja auch “Risiko”
- Dramatik ist NUR im Fernsehen etwas, was man auch haben will.
- Selbstreflektion sollte nicht mehr als zwanzig Minuten am Tag einnehmen.
- Vorurteile und Klischees birgen Wahrheiten in sich. Die Herausforderung besteht darin, darüber hinweg zu sehen.
- Organisiert sein heißt Macht haben.
- Mama hatte recht, es war tatsächlich “nur eine Phase”.
- Gerechtigkeit ist immer subjektiv.
- Kinder verstehen alles ziemlich schnell, solange man sich kurz fasst.
- Es gibt reiche Menschen, die wirklich viel Geld haben, und es gibt reiche Menschen, die in fetten Autos rumfahren und sich dafür nur noch von Haferflocken ernähren.
- Jeder Mensch ist unsicher, was das eigene Aussehen betrifft.
- Es gibt Probleme, die macht man sich selbst, und Probleme, die andere einem machen: es ist wichtig, den Unterschied zu kennen, aber am Ende des Tages muss man die Verantwortung trotzdem auf sich nehmen.
- Auf der Arbeit sollte man niemals auf die Uhr gucken.
- Lernen kann man auch ohne Studium.
- Eine Rechtfertigung ist kein Grund.
- Die Wahrheit ist nur eine Option von vielen.
Was sagt ihr? Was habt ihr in euren jungen Jahren dazu gelernt?
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Comments ( 5 )
Recht haste, besonders mit den Geburtstagen und dem Verzeihen. Boah was hab ich gelernt.. öhm.. dass das Leben auch weiter geht, wenn man mal beschissene Entscheidungen trifft. Dauert dann nur wieder etwas länger zum Glück. Oder so.
Das ist echt ‘ne coole Liste. Ich geb dir in 99% der Punkte Recht, denke ich. Hmjah, was hab ich gelernt? ZB dass Freundschaften nie für immer sind, auch wenn man das glaubt. Und dass man sehr schnell sehr viel verlieren kann und damit auch immer rechnen muss. Dass einem erst über eine sehr gute Zeit bewusst wird, wenn sie vorbei ist. Und dass Zeit was Relatives ist, das ich nie in meinem Leben verstehen werde.
ey, danke für die liste, auch ma gut, dass jmd. sowas aufscheibt, so gebündelt. du avancierst echt grad zu meiner lieblingsbloggerin, voll echt so ;-) gelernt: 1. beziehungen (egal ob freundschaftliche oder partnerschftliche funktionieren nur im absoluten ausnahmefall über eine entfernung vom mehr als 50 km wirklich längerfristig, 2. um sich irgendwo neu zurecht zu finden, braucht man ca. 2 jahre, um zuhause zu sein mehr als doppelt so lange
- Man findet in seinem Leben nur eine handvoll Menschen, mit denen man wirklich seelenverwandt ist. Nimm jede Entfehrnung und Mühe in Kauf diese Menschen in deinem Leben zu halten.
- Verschwende deine Energie niemals an oberflächlichen Freundschaften oder Beziehungen.
- Egal was du glaubst, wie seltsam, oder verdreht du bist. Es gibt immer Menschen, die denken und ticken, wie du.
- Egal wie gut eine Freundschaft irgendwann einmal war, wenn man sich nicht mehr versteht wird sich das nie wieder ändern, egal, wie viel man investiert.
- Die Erde dreht sich gnadenlos weiter, ganz gleich welche Probleme man hat oder wie schlecht es einem geht.
- Abspacken befreit.
wow, obwohl ich (schon) seit zehn jahren nicht mehr zu hause wohne,hat es mich genauso viel zeit gekostet, das alles auch heruas zu finden. (außer punkt 14, den kann ich so nicht unterscheiden)
was ich noch gelernt hab: aus scheiße lernt man.


