Ich frage mich bei diesem Artikel vor allem, ob das nur auf Lesben beschränkt ist (gibt es weniger Lesben als Schwule? Gibt es mehr Nischen und “Gruppierungen” auf der männlichen Seite?), oder ob das wirklich ein zeitgenössisches allround Problem ist, dass man Homosexualität als eigene Randgruppe betrachtet und dabei aber übersieht, dass es sich hierbei nicht um Anhänger eines bestimmten Glaubens oder Trendmitläufer handelt.

Coming out as a lesbian is not, as many straight people seem to think, akin to entering an exclusive, trendy club, where inhibitions are chucked aside along with bras. Is it possible that we’ve become too liberal to admit that being gay is still hard? The other day my mum came out on my behalf to one of her girlfriends, who said: “Wow, you got one! Congratulations.” But for me, being accepted by the straight world doesn’t equal happiness.

As a lesbian, meeting a partner can be fraught. Finding a compatible woman is one thing; discerning whether or not she’s gay is another. Unless, of course, you turn to the gay scene. But I don’t want to define myself by my sexuality. I think my penchants for Curb Your Enthusiasm, Mexican folk art and camembert are more significant markers of my personality than whom I choose to go to bed with.

So, yes, it makes me sad that it is so hard to meet gay women other than via The Scene. Like any group or culture formed as a result of persecution, the gay scene is isolated, and often bitter. Gay and straight can be a real us-and-them situation. This is so frustrating if all you want to be is yourself.

Leider war das auch immer so ein Grund für mich, wieso ich Veranstaltungen wie den CSD nicht mehr richtig ernst nehmen kann und diese Überidentifizierung extrem dumm finde. Ich stehe nicht auf und stelle mich als “Hallo, ich bin Sara und heterosexuell” vor, viele Homosexuelle machen das (mal unabhängig vom Aussehen, das muss noch lange nichts über sexuelle Präferenzen sagen). Der CSD ist heute zwar vor allem ein politischer Protest der über “aktzeptiert uns als Menschen” hinaus geht, spaltet aber wieder Menschengruppen auf; oder wie wär’s mit einer Hetero-Parade?

Nicht, dass man den CSD abschaffen sollte, so wie er ist; von mir aus feiert weiter, von mir aus zelebriert und ich bin die letzte, die etwas dagegen hat, ach was, ich bin sogar dabei. Ich will nur sagen: dieses ihr und wir. Das nervt mich in jeder Situation. Es nervt mich auch, wenn jemand, der 50 Kilo abgenommen hat, plötzlich nur noch “die, die mal 50 Kilo abgenommen hat” wird, und nicht mehr “oh, sie kocht gerne und geht gerne ins Kino und ist Profischwimmerin”.

Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so, und ich interpretier wieder viel Schwachsinn in etwas, was ich nur so ein bisschen nachvollziehen kann. Vielleicht kann ich es auch sehr gut nachvollziehen und rede mir nur meine Welt schöner, weil es so natürlich viel einfacher ist. Wer weiß das schon.

This article has 4 comments

  1. queen of maybe

    Ich glaube, vielen Menschen ist die sexuelle Orientierung, auch die eigene Definition davon, einfach sehr wichtig. Wichtiger als “Ich esse gern Blumenkohl”, verstehst du, sie definieren sich dadurch, und natürlich ist es übertrieben, sich ALLEIN dadurch zu definieren – Aber nachvollziehbar, dass man es eher dadurch tut, als durch den Blumenkohl-Fakt, ist es doch?

    Es ist ein großer Teil des Lebens, der Wunsch nach Akzeptanz verständlich, das “Auf die Stirn schreiben” nicht? Jeder geht doch davon aus, auch heute noch, dass der Gegenüber hetero ist; vielleicht wehren sie sich dagegen, mit dieser “Überidentifizierung”. Farbe bekennen um Klarheit zu schaffen. Sich nicht in die Schublade stecken lassen, weil man sie längst mit sich herumträgt, ist sicher nicht der beste Weg – Aber vielleicht besser als so zu tun, als würde man der Schublade entkommen. Und natürlich existiert sie nur in den Köpfen, und sie müsste nicht existieren, das ganze “Wir und Ihr” muss nicht existieren, nur ist es eben so leicht damit. So verdammt leicht.

    Mal abgesehen von der sexuellen Orientierung definiert sich doch jeder durch Schubladen, durch Abgrenzung, und der Rest wird zu den “Anderen”, und man selbst steht irgendwie auf der richtigen Seite. Hauptsache: Auf einer Seite. I mean, flowing is not an option, is it?

    Für die meisten ist es das nicht.

  2. katha

    Ich kann dir nicht wirklich zustimmen. Du magst das aus deiner heterosexuellen, toleranten, offenen Sichtweise so sehen. Ich sehe es eben von der homosexuellen, toleranten, offenen Seite ;)
    Ich kenne keinen einzigen schwulen/keine einzige Lesbe die sich vorstellt “hallo ich bin horst und schwul”. Klar es gibt die bei denen es offensichtlich ist, und ich gehöre vermutlich auch dazu. Aber warum nicht. Ich finde es gut, wenn sich jeder offen als das ausgibt was und wer er ist.

    Auf der anderen Seite sehr ich diese Überidentifizierung durchaus sinnvoll um das Bewusstsein der anderen zu stärken. Du magst nicht zu den “anderen” dazu gehören, weil du um “unsere” Existenz weisst und keine Angst davor hast. Es gibt genug die Angst davor haben und keine Ahnung um den Umgang mit uns haben.
    Da brauch ich nur am Wochenende die “Heten-discos” besuchen, auf denen ich beinahe jedesmal vom Frauenklo geworfen werde. Wo sich die Mädels dann lieber auf Abstand begeben weil sie Angst haben. Das ist deprimierend. Und aus dem Grund ist das politisierende Event in Form von CSD wichtig und sinnvoll.

    Und das Heteropedant dazu ist im Endeffekt die Love-parade. Ich gehe lieber auf Homo-Partys. Da fühl nich mich wohler, und werde nicht dumm angeschaut oder blöd angemacht. (“Was lesbisch?! Du hattest nur noch nicht den richtigen Kerl im Bett”)

    In der Gesellschaft ist Hetero=Normalzustand. Homo=anders, unbekannt, angsteinflösend. Deshalb halte ich die eigene Homoidentität für äusserst wichtig. Wichtiger als für dich sagen zu können “hey ich bin Hetero” (weil = normal.) Für viele ist das Coming-out (was fast ständig und jeden Tag stattfindet) nicht wirklich vergleichbar mit einer wohlduftenden Blumenwiese.

  3. Luisi

    Ich persönlich stimme dir auch zu, Sara.
    Nicht, dass die anderen Kommentare hier nicht auch im Recht wären, aber ich kenne einige, die sich mit “Hallo, ich heiße XYZ und bin lesbisch.” vorstellen. Wenn man sich darüber so ultimativ identifiziert, okay, meinetwegen. Was mich aber stört, sind Heterosexuelle, die einen so vorstellen. “Hier, kennst du schon XYZ? Die ist übrigens lesbisch.” Ist mir oft genug passiert. Da wissen Leute nichtmal, dass du in ihrem Jahrgang bist und zwei Minuten später schreien sie rum, dass sich die Mädels im Jahrgang doch in acht nehmen müssten, weil ja plötzlich eine Lesbe unter ihnen ist. Genau, weil ich ja auf jeden Menschen mit Brüsten und einer Vagina abfahre. Genauso wie jedes heterosexuelle Mädchen auf ALLE Männer steht und die alle rumkriegen will. So eine Scheiße.
    Und natürlich sollte jeder stolz darauf sein, wer er oder sie ist. Aber ich kann mit diesem ganzen “OMFG SO PROUD TO BE GAY!!” nichts anfangen, weil .. ich hab mir das doch nicht ausgesucht. Ich bin auch nicht stolz drauf, Deutsche zu sein. Wieso auch? Da hab ich ja nichts für getan, meine Eltern leben halt hier und haben mich hier in die Welt gesetzt. Ich kann stolz drauf sein, meine Schulausbildung geschafft zu haben, einen Studienplatz zu haben, lesen zu können, beim Bowling mal die Pins umgeschmissen zu haben und dann auch noch mit der Kugel,was auch immer. Aber meine Nationalität, meine Hautfarbe oder meine Sexualität hab ich mir doch nicht selbst ausgesucht, das hab ich mir doch alles nicht selbst erarbeitet. Ich kann morgens aufstehen und für mich entscheiden, einen Marathon zu laufen (also .. ich persönlich nicht, aber es gibt ja Leute, die machen sowas). Aber ich kann doch nicht morgens aufstehen und für mich entscheiden, plötzlich Frauen sexuell erregend zu finden, wenn dem vorher noch nie so war.
    Abgesehen davon, klar. Gleiches Recht für alle und keine Diskriminierung mehr, danke. Dafür geh ich auch gern mal auf die Straße.

    Und mal unabhängig davon kann ich persönlich mit der Szene nicht viel anfangen. Gut, dass es sowas gibt, natürlich. Ich find’s auch nett, mal auf ‘ne Party zu gehen und nicht blöd angemacht zu werden und mir dann anhören zu müssen, dass ich ja “überhaupt nicht wie ‘ne Lesbe aussehe!” (Soll das ein Kompliment sein? Wenn ja, dann fick dich.) und wie oben schon genannt “Eine Nacht mit mir und du bist hetero!”. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: So eine Scheiße.
    Allerdings fühl ich mich diesbezüglich auch in der Szene nicht sonderlich gut aufgehoben. Man sieht mir halt nicht unbedingt auf den ersten Blick an, dass ich homosexuell bin, da entspreche ich halt nicht dem Klischee und finde das auch nicht schlimm. Nervt allerdings auch, wenn man dann in der Szene komisch angeschaut wird, nur weil man mal einen hübschen Rock anhat statt .. einer Hose aus der H&M-Jungsabteilung.

    Ich find, da muss sich auf beiden Seiten noch einiges ändern. Und dieses “wir und ihr” geht mir auch auf den Keks.
    Danke für diesen Eintrag.
    [/palaber]

Comments are closed.